Meine Lebenserfahrung im Geschäft und in der Familie hat mich gelehrt, dass die besten Vorbilder diejenigen sind, die mit Vorbildfunktion vorneweg gehen.
Leuchttürme sind diejenigen, die den Weg weisen, weil sie ihn selbst gehen oder gegangen sind.
Diese Menschen sind überaus inspirierend, überzeugend und gehaltvoll. Was sie zu sagen haben, ist glaubwürdig und im besten Fall nachahmenswert. Und somit nachhaltig.
Meine Kernfrage lautet: Muss ein Mensch glaubwürdig sein, um glaubwürdige Thesen in der Bevölkerung verankern zu können? Die Geschichte zeigt, dass dies unglaublicherweise nicht der Fall ist.
Beginnen wir mit Seneca (1 bis 65 nach Christus). Der Verfasser so vieler weltberühmter Schriften wie die 124 Briefe an Lucilius empfahl in seinen philosophischen Betrachtungen Verzicht und Zurückhaltung.
Predigte ein einfaches, zurückhaltendes und bescheidenes Leben als Schlüssel zum Glücklichsein. Er selbst gehörte zu den reichsten und mächtigsten Männern seiner Zeit.
Sein Agieren als Politiker stand teils in schroffem Widerspruch zu den von ihm in seinen Schriften vertretenen, ethischen Grundsätzen, was ihm bei seinen Zeitgenossen Kritik eintrug, ja er galt sogar als raffgieriger Opportunist.
Seinem Charakter respektive seiner Reputation, die offenbar krass mit den eigenen Weisheiten kollidierten, tat dies keinen Abbruch: Seit 2000 Jahren gilt Seneca als Leuchtturm der Philosophie und wird verehrt.
Eine andere Persönlichkeit, deren Leben nicht zu seiner Lehre passte, ist Karl Marx (1818-83). Der (Mit-)Verfasser der Kampfschriften „Das Kapital“ und „Das kommunistische Manifest“ war alles andere als ein Kommunist nach heutigem Verständnis.
Er hatte nie eine Fabrik von innen gesehen, die Arbeiter, also „das Proletariat“, das er doch zu vertreten behauptete, kannte er gar nicht.
In seinem ganzen Leben hatte Marx gerade mal ein halbes Jahr gearbeitet (im Oktober 1842 als Redaktor der „Rheinischen Zeitung“). Ansonsten lebte er vor allem von Erbschaften aus der Familie, von Spenden und vor allem von Zuwendungen seines Weggefährten, dem Fabrikantensohn Friedrich Engels.
Es wird behauptet, dass Engels im Verlaufe der Jahrzehnte die Hälfte seines Einkommens an die Marx weitergegeben hatte, der bekanntermassen serielle Bettelbriefe an ihn richtete.
Karl Marx gab lebenslang mehr Geld aus, als er hatte. Er war alles andere als ein gutes Vorbild für seine Proletarier, die er in Schutz nehmen wollte.
Selbst lebte der Schriftsteller zeitlebens auf Kosten anderer. Kein wirklich heller Leuchtturm, und dennoch rennen noch heute viele verirrte Schafe weltweit seinen Lehren nach. Was für ein Widerspruch und namenloser Unsinn.
Wir finden in der Geschichte viele weitere Beispiele wie die oben genannten. Die Liste ist endlos und die Details meist haarsträubend. Immer aber ist es das Gleiche: Wasser predigen und Wein trinken, am besten aus fremden Schläuchen.
Wer denkt, dass wir aus der Geschichte etwas lernen, täuscht sich auch diesmal. Die ideologisierten Nachfahren von Karl Marx beherrschen heute das linksliberale Milieu.
Diesmal springen nicht diverse Erbschaften oder das halbe Vermögen von Friedrich Engels in die Bresche, diesmal zahlt der Staat, also wir alle.
Wir finanzieren diese Ideologen, die sich allesamt benehmen wie Karl Marx. Sie predigen Wasser und trinken Wein. Vor allem leben sie auf Kosten anderer.
Ein gutes Beispiel ist die einst so grossartige Partei, die „SP“. Ihr haben wir wichtige Errungenschaften wie die AHV zu verdanken.
Inzwischen wird sie von Ideologen geführt, die offenbar die Bodenhaftung verloren haben, die eine Fabrik noch nie von innen gesehen haben (um beim Beispiel von Karl Marx zu bleiben) und die vor allem ihrer Basis, dem „Proletariat“, keine Beachtung mehr schenken – sie machen längst Politik am einstigen, treuen SP-Wähler vorbei.
Selber sind die Parteioberen alles andere als Proletarier. Cédric Wehrmuth hat sein Studium 2015 abgeschlossen (im Gegensatz zu einigen seiner Kampfgenossen führte er es wenigstens zu Ende) und arbeitet seither in der Politik (also vom Staate, ergo von uns allen lebend).
Nebenher ist der Aargauer selbständiger Strategieberater und Radiomoderator – immerhin. Mattea Meyer, seine Co-Präsidentin, die ebenso dem linken Lager der SP entstammt, hat ebenfalls 2015 ihr Studium abgeschlossen.
Allerdings ist von ihr nicht bekannt, ob sie neben der Politik irgendwann einmal einen Tag in der Privatwirtschaft gearbeitet hat.
Auch die Winterthurerin hat noch nie eine Fabrik von innen gesehen. Meyer und Wermuth wollen immer mehr Staat und immer mehr Regulatorien – verständlich, man sägt ja nicht am Ast, auf dem man sitzt.
Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte: Wir haben Vorbilder, die keine sind. Und dennoch scheint es Frucht zu tragen, was sie säen. Das soll mal einer verstehen.
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Die Evolution des Vorbilds: Vom Helden zum Influencer
Früher mussten Vorbilder (zumindest theoretisch) irgendetwas Relevantes geleistet haben. Sie mussten Kriege gewinnen, Imperien aufbauen, die Relativitätstheorie entdecken oder für Menschenrechte kämpfen.
Man muss es eigentlich gar nicht mehr verstehen. Man muss begreifen, dass wir in einer Welt leben, in der Aufmerksamkeit die härteste Währung ist.
Das digitale Zeitalter hat die Vorbilder nicht abgeschafft – es hat nur dafür gesorgt, dass die Schafe jetzt die Wölfe dafür bezahlen, dass sie gefressen werden.
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Viele von diesen Linksgrössen wurden nicht arm geboren, sondern rebellieren gegen ihre Eltern, bleiben aber in Tat und Wahrheit Kapitalisten mit Versteckmaske. Andere benützen es als Karriereleiter zum Kapitalisten heucheln dann aber ebenfalls mit Versteckmaske. Alles Mittel zum Zweck.
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@Observer
Champagner-Sozialismus als Ödipus-Komplex:
Die Versteckmaske: Sie tragen Second-Hand-Kleidung (die teurer war als neue), besetzen Häuser oder kleben sich auf Strassen, während im Hintergrund das Familien-Treuhandvermögen geräuschlos Rendite abwirft.
Der Antikapitalismus ist hier kein politisches Programm, sondern die ultimative Form der jugendlichen Rebellion gegen die Eltern.
Sobald die biologische Uhr tickt und die erste eigene Immobilie im Trendquartier ansteht, mutiert der einstige Systemkritiker ganz organisch zum knallharten Steueroptimierer.
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Ich kann dem Autor nur zustimmen. Anfügen kann ich, dass gerade die ehemalige Arbeiterpartei SP sich stark verändert hat seit Ende der 90er-Jahre.
Vor langer Zeit konnte man mit ruhigem Gewissen auch SP wählen. Der früheren Arbeiterpartei verdankt die Schweiz viel.
Heute ist SP eine ideologisierte Sekte für Akademiker, Staatsangestellte und Staatsabhängige. Nicht erst seit gestern fallen SP-Exponenten mit Positionen auf, welche man durchaus als linksextremistisch bezeichnen darf.
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Interessant oder gar beängstigend die Wählerschaft der Linken unter die Lupe zu nehmen. Aktuelles Beispiel Berlin. Wohin driften wir?
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Die AHV wurde von Walther Stampfli (FDP) eingeführt. Nix SP.
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Mattea Meyer immerhin zweimal geworfen und damit die durchschnittliche schweizerische Geburtenquote getoppt. Vom der Parteileitung und 4 mal 3 Wochen Politik im Jahr bereits jung am Boden, braucht sie eine Auszeit.
In der heutigen Rundschau jammert sie über das Klima und die sommerliche Hitze, freute sich zugleich aber, dass sie so viele Male mit den Kindern in die Badi konnte.
Ergo hat sie nie in der Privatwirtschaft gearbeitet da wäre sie komplett platt.