Cicero schrieb in seinen philippischen Reden: Nervi belli, pecunia infinita – die Sehnen des Kriegs: unbegrenzt Geld.
Soldaten, Waffensysteme, Logistik – die finanziellen Kosten eines Kriegs sind enorm.
Die Finanzierung erfolgt traditionell durch die Belastung der eigenen Bevölkerung; entweder durch Steuern oder durch Verschuldung – also die Besteuerung künftiger Generationen.
Ein Beispiel ist die „befristete“ Einführung der Wehrsteuer – der direkten Bundessteuer – am Ende 1940 in der Schweiz, welche die enormen Kosten der Landesverteidigung und vor allem die Versorgung der Familien der Wehrmänner decken sollte.
Im Kern geht es immer um die Verlagerung von zivilen Mitteln in den militärischen Bereich. Dies bedeutet in der Konsequenz eine Absenkung des Lebensstandards der zivilen Bevölkerung.
Die effiziente Mobilisierung der Mittel für einen Krieg kann diesen entscheiden. Unter Historikern gilt die Fähigkeit Englands, die Koalitionskriege (1792–1815) gegen Frankreich über Anleihen (Consols) und Kredite zu finanzieren, als entscheidend für den Sieg gegen Napoleon.
Im Falle des Ukraine-Kriegs lohnt sich ein genauer Blick auf die Finanzierung. Dieser führt zu einem besseren Verständnis der jeweiligen Strategien und Problemen.
Beginnen wir mit Russland, deren Kriegsfinanzierung hierzulande kaum oder nur verzerrt dargestellt wird.
In propagandistisch ausgerichteten, westlichen Medien wird immer wieder von einer russischen „Kriegswirtschaft“ erzählt. Dies zeugt von einem völlig fehlenden Verständnis, was eine Kriegswirtschaft in der Praxis darstellt.
Kriegswirtschaften zeichnen sich historisch aus durch die folgenden Elemente: Ein explosives Wachstum der Staatsverschuldung, einen Einbruch des privaten Konsums, einen Rückgang der Bruttoinvestitionen und Preis- und Mengenkontrollen beim privaten Konsum.
In den russischen, makroökonomischen Kennzahlen ist der Krieg nicht oder kaum sichtbar. Die Schuldenquote Russlands lag Ende 2021 bei 16,1 Prozent und Ende 2025 bei 16,4 Prozent des BIP (CEIC, 2026).
Es ist weder eine zunehmende internationale noch inländische Verschuldung sichtbar. Auch die Bruttosparquote der Volkswirtschaft liegt stabil im historischen Rahmen bei circa 30 Prozent.
Der Krieg wird offensichtlich inländisch durch eine moderate Erhöhung der Einkommensteuer finanziert. So wurde die Flat-Rate-Tax von 13 Prozent ergänzt durch progressive Einkommensteuern, wobei die höchste Stufe – 22 Prozent – erst ab dem 57-fachen Medianeinkommen greift.
Die russische Ökonomie war – wie auch jene der USA – nie besonders stark international vernetzt. Dies gilt besonders für die Produktion von Rüstungsgütern.
Die Export- und Importstatistiken sind aktuell kaum aussagekräftig, da sie durch Sanktionen und Sanktionsumgehungen verzerrt werden. Aber es ist offensichtlich, dass es eine Verschiebung von russischen Ex- und Importen von europäischen Handelspartnern nach Asien gegeben hat.
Eine Besonderheit ist, dass Russland traditionell über einen erheblichen Exportüberschuss verfügt. Dies wurde in der Vergangenheit durch private und staatliche Auslandsinvestitionen sterilisiert.
Durch die westliche Sanktionspolitik besteht diese Möglichkeit nicht mehr. Das führt zur Gefahr einer Überhitzung der Ökonomie („Dutch Disease“), was die russische Zentralbank mit sehr hohen nominalen und realen Zinsen bekämpft. So liegt der Leitzins aktuell bei 14 Prozent, obwohl die Inflation für russische Verhältnisse mit 5,6 Prozent (Prognose 2026) niedrig ist.
Bei den privaten Haushalten scheint die Lage ebenfalls stabil zu sein. Die verfügbaren Statistiken zeigen ein stetiges Wachstum der verfügbaren realen Einkommen und stabile private Sparquoten. Es gibt keine Hinweise auf einen Rückgang oder gar einen Einbruch des Konsums.
Die heutige Kriegsführung scheint die russische Ökonomie nicht zu überfordern und führt auch nicht zu einer erheblichen ökonomischen Belastung der Bevölkerung.
Es wäre anzunehmen, dass das Wachstum und der private Konsum ohne den Krieg höher liegen würden, aber bisher scheint es der russischen Führung zu gelingen, den Krieg in einer Intensität zu halten, die ökonomisch tragbar ist.
Die ukrainische Ökonomie ist deutlich interessanter. Hier wird der Konflikt zwischen militärischem und zivilem Konsum gelöst durch ausländische Hilfsgelder. Die Ukraine konzentriert ihre Kräfte praktisch vollständig auf die Kriegsführung.
So werden auch die zivilen Leistungen des Staates durch ausländische Kredite und Budgethilfen finanziert. Sämtliche staatlichen Gehälter, Renten und Sozialleistungen werden heute durch Budgethilfen finanziert (Kyiv Post 2026).
25 Prozent des BIP stammten 2025 aus dem Ausland (Kyiv Post). Durch den Multiplikator über Dienstleistungen ist somit praktisch die gesamte Ökonomie abhängig von Hilfsgeldern.
Dies bietet militärisch eine Reihe von Vorteilen. Ein „normaler“, kriegsführender Staat kann nicht beliebig Personal aus zivilen Industrien und Exportdienstleistungen abziehen und für das Militär mobilisieren.
Dies kann wie in Deutschland im 1. Weltkrieg zu einem Kollaps der Lebensqualität und schwersten Versorgungsproblemen führen (Steckrübenwinter 1916/17).
Die Ukraine befindet sich aktuell in einem Zustand der fast vollständigen, militärischen Mobilisierung und führt diese mit grösster Konsequenz durch.
Mit Rekrutierungsquoten, wie sie Europa das letzte Mal im 2. Weltkrieg in wenigen Staaten (Deutsches Reich, Sowjetunion und Finnland) gesehen hatte.
Die Grenzen zum Ausland werden bewacht, damit die wehrfähigen Männer nicht flüchten.
Die Ukraine verlagert die verfügbaren Kräfte konsequent in den militärischen Sektor. Umso wichtiger ist die Sicherstellung der Finanzen, um die verbleibenden zivilen Elemente und die Militärmacht mit ausreichend Ressourcen zu versehen.
Die europäischen Staaten und die USA haben über 500 Milliarden Euro an direkten Hilfen gesprochen (2026, Kiel Institut; dieses erhebt die gesprochenen finanziellen Mittel der USA und Europas an die Ukraine).
Seit dem Amtsantritt von Donald Trump ist die ausgewiesene, finanzielle Unterstützung durch die USA eingebrochen. Die Regierung Biden hatte Ende 2024 noch enorme Summen beschlossen, was den Bedarf der Ukraine über weite Teile von 2025 gedeckt hatte.
Zahlungen von supranationalen Organisationen wie der Weltbank oder dem IWF kommen hinzu. So ist die Ukraine, Stand August 2026, bereits der zweitgrösste Schuldner des IWF – hinter Argentinien (IWF, September 2026).
Die Höhe weiterer indirekter Zahlungen ist nicht genau eruierbar. Beispielsweise hat die Schweiz keine direkte Budgethilfe an die Ukraine gewährt, finanziert aber zahlreiche in der Ukraine aktive NGOs.
Am Ende benötigt die Ukraine direkt und indirekt etwa 10 Milliarden Euro pro Monat an ausländischen Mitteln.
Gegeben die zunehmende Intensität des Konflikts und der rückläufigen Leistungskraft der zivilen Wirtschaftszweige nimmt dieser Bedarf laufend zu.
Aktuell liegen die Mittel deutlich unter diesem Betrag; es ist bis jetzt nicht gelungen, die wegfallende US-Unterstützung vollständig zu kompensieren.
Dies erklärt die vehementen Forderungen der Ukraine nach zusätzlichen finanziellen Mitteln, sowohl kurzfristig für 2026 als auch für 2027.
Die europäischen Verbündeten müssen somit mehr Mittel aufbringen – in einem Umfeld knapper Budgets.
Das mit viel Pomp in der letzten Woche angekündigte jüngste Zusatzpaket der Europäischen Kommission über 3,3 Milliarden Euro ist in Bezug auf das Volumen unbedeutend.
Es reicht nicht einmal, den finanziellen Bedarf der Ukraine für zwei Wochen zu decken.
Der ukrainische Präsident Wolodymir Selenski sprach für 2027 von fehlenden Mitteln von mindestens 32 Milliarden Euro (Ukrinfo) – dies unter Berücksichtigung der bereits zugesicherten Gelder und erheblichen Sparanstrengungen.
Die Summen führen zu einem zunehmenden, innenpolitischen Druck, der die Regierungen in den europäischen Kernstaaten (Deutschland, Frankreich und Grossbritannien) destabilisiert.
In diesen Staaten befinden sich die Budgets in einem schwierigen Zustand, und die Aufnahmefähigkeit für neue Schuldpapiere ist limitiert.
Die Steuerzahler dürfen sich keinen Illusionen hingeben: Selbst bei einem sofortigen Kriegsende wäre die Ukraine noch einige Jahre auf erhebliche, ausländische Unterstützung angewiesen.
Eine Umstellung der ukrainischen Wirtschaft in einen Friedenszustand wird mit enormen Anpassungskosten verbunden sein.
Ebenso stellt sich die Frage nach der Versorgung der physisch und psychisch versehrten Soldaten und Hinterbliebenen. Die Ukraine – bereits vor dem Krieg das ärmste Land Europas – kann die dafür benötigten Mittel selbst nicht aufbringen.

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Aha, Putins Schattenarmee wieder mal auf Tour…
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Jetzt bin ich aber überrascht über die hier geschilderten Fakten.
Seit über 4 Jahren erzählen mir „Experten“ im Blick, NZZ und das SRF doch quasi täglich, dass Russland vor der Pleite steht und die Ukraine den Krieg eigentlich schon gewonnen hat.
Sollte man uns etwa angeschwindelt haben?
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Danke für die Analyse. Hinter vorgehaltener Hand sehen das viele so. Aber einfach nicht sagen, das ist tödlich für die Karriere.
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Ich will nicht, das auch nur noch ein Schweizer Steuerfranken mehr in die Ukraine fliesst.
Habt ihr den Selenski-Auftritt in NY gesehen? Der Mann gehört in eine Klinik, der kennt nur noch den ❄️.
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Ah, die russische Märchenstunde, frisch serviert aus den Tiefen der Desinformations-Küche.
Die Behauptung, die Ukraine brauche monatlich 10 Milliarden Euro vom Westen, ist mathematische Science-Fiction.
Die realen Zahlen: Der gesamte zivile Finanzierungsbedarf der Ukraine für das staatliche Überleben (Renten, Spitäler, Infrastruktur) bewegt sich real bei rund 3 bis 3,5 Milliarden US-Dollar pro Monat. Das wird grösstenteils über die langfristig angelegte Ukraine-Fazilität der EU (50 Milliarden Euro verteilt auf vier Jahre) und US-Zuschüsse gedeckt.
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@Monsignore – Russische Märchenstunde.
Wer ein Russland als „solide“ bezeichnet, das einen Leitzins von weit über 20 Prozent braucht, um den totalen Kollaps des Rubels zu verhindern, hat das Prinzip von ökonomischer Stabilität wahrlich neu definiert. Moskau verbrennt im Rekordtempo seine nationalen Wohlstandsfonds und opfert die demografische Zukunft des Landes für das kurzfristige Ziel, Panzer aus den 1960er-Jahren zu reaktivieren. Das ist keine starke Wirtschaft, das ist ein gigantischer Sanierungsfall auf Ecstasy.
In Russland ist Problem der unzufriedenen Bürger bekanntlich elegant gelöst
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Richtige Desinformation sieht genau so aus. Der ganze Artikel von C(h)lause(witz) ist ein Witz. Es fängt schon falsch an. Russland stehe solide da. Wenn Russland das Märchen verbreitet, dass die Wirtschaft gut dastehe, dann ist das gelogen. Wenn dies der Fall wàre, dann müsste auch nicht darüber geschrieben werden. Die russische Wirtschaft ist im freien Fall. Die angegebene Inflationsrate von 5.6% stammt wahrscheinlich von dem Alkoholgehalt eines Bieres. Die Zahlen sind gefälscht. Die Wirtschaftsdaten sind geheim. Warum wohl? Die Ukraine hat 90 Mia für 2 Jahre. Alles andere ist frei erfunden.
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Der Selenski bettelt aktuell ganz intensiv nach zusätzlichen Mitteln. Somit ist der Artikel sehr plausibel. Was geht uns das an? Wir haben schon genug bezahlt. Ich sehe nicht, warum wir noch mehr Blechen sollen. Besser in die Autobahnen investieren, der Stau wird immer schlimmer.
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Die Regierungen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Grossbritannien sind kurz vor dem Sturz.
Die Ukraine hat den Krieg verloren.
Das ganze Geld welches vom Westen in die Ukraine gepumpt wurde kann abgeschrieben werden.
Leider wird jetzt alles gemacht vom Westen über eine False Flag Aktion, die Bürger wieder auf Linie zu bringen, dass sich vor allem die Merz Regierung retten kann.
Ansonsten müssten die Politiker in Europa, 400 Mio Europäern erklären müssen, warum die Ukraine den Krieg verloren hat und das ganze Geld weg ist.
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@
Chapeau! Das ist geopolitische Analyse auf dem Niveau einer Telegram-Gruppe nach der dritten Flasche Krimsekt. Es ist faszinierend, wie hier in fünf Sätzen die gesamte Weltordnung wahlweise kollabiert, manipuliert oder abgeschrieben wird.
Die Ukraine hat den Krieg verloren“: Ein mutiges Urteil für einen Konflikt, in dem die vermeintliche „Supermacht“ Russland seit Jahren gigantische Verluste an Mensch und Material erleidet, nur um ein paar weitere Kilometer Schuttfelder zu besetzen. Wenn das „gewinnen“ ist, möchte man nicht wissen, wie Russlands Niederlagen aussehen.
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Bitte erklären Sie mir Herr HD Klausewitz wie ein ‚I‘ (Inland) im BIP aus dem Ausland stammen kann.
Zu entnehmen aus Ihrer Aussage:
„25 Prozent des BIP stammten 2025 aus dem Ausland“
Zu den Russen:
der Krieg ist ein Geschäft wenn dessen Intensität die Industrie nicht ruiniert und nicht die Wehrpflichtigen kämpfen sondern die Söldner.
Das haben die Russen endlich von den Amerikanern gelernt. Nun haben wir in Europa ein Problem: kämpft ein Russe wie ein Russe ist er wie ein Russe zu besiegen.
Wie einen Russen zu bekämpfen wenn er wie Amerikaner kämpft: das wissen wir in Europa nicht.