Donnerstag, 22. Oktober 2026
In Brandenburg wird ein mutmasslicher russischer Spion festgenommen. Der Mann soll ukrainischer Staatsbürger aus der Region Luhansk sein und Rüstungsfirmen ausgespäht haben, berichtet die tagesschau. Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung.
Die Bundeswehr (DE) stuft die Sabotagebedrohung durch Russland auf die zweithöchste Stufe hoch. Das berichtet Defense News unter Berufung auf WDR und Süddeutsche Zeitung. Auslöser ist eine abgestürzte Drohne mit Sprengstoff nahe dem Fliegerhorst Wunstorf (DE).
Russlands Verteidigungsminister Belousow wirft NATO, EU und Kiew vor, bewusst den Weg der Eskalation zu gehen, meldet TASS. Besonders gefährlich sei die beschleunigte Militarisierung Europas, sagt Belousow.
Polens Geheimdienstkoordinator Siemoniak sagt, Russland wende eine Strategie des kochenden Frosches an. Hinweise auf eine Invasion gebe es derzeit nicht. Litauens Premier Sinkevičius sagt laut LRT, Russland teste die Grenzen von Artikel 5.
Die Bundeswehr (DE) übt in Estland erstmals die Verlegung zusätzlicher Truppen, meldet ERR. Die High Level Group der Nuklearen Planungsgruppe tagt in Helsinki, teilt das finnische Verteidigungsministerium mit.
Ausserdem: Frankreich bestellt vier SAMP/T NG, Kongsberg-Auftrag für K2PL-Panzer, Rheinmetall eröffnet Geschützfertigung in Telford (GB). Weiteres: Royal Navy mit Lücke bei U-Boot-Abwehr, Zypern will Gespräche zur EU-Beistandsklausel, Estland erhält EU-Geld für Drohnenüberwachung.
Meldungen
Dänemark beschafft Joint Strike Missile von Kongsberg und Anthem-Marschflugkörper von Covenant
Dänemark kauft zwei Typen weitreichender Präzisionswaffen. Das gibt Verteidigungsminister Jeppe Bruus bekannt, berichtet Breaking Defense. Es sind die Joint Strike Missile des norwegischen Herstellers Kongsberg für die F-35. Dazu kommt der bodengestützte Marschflugkörper Anthem des US-Unternehmens Covenant. Damit soll Dänemark «zurückschlagen» können, sagt Bruus. Kosten und Stückzahlen nennt Kopenhagen nicht. Kongsberg teilt mit, Umfang und Wert des Pakets würden in Verhandlungen mit dem Kunden bestimmt. Dänemark plant 43 F-35.
Pentagon und Lockheed vereinbaren Zehnjahres-Rahmen für mindestens 850 F-35
Das Pentagon und Lockheed Martin vereinbaren einen Zehnjahres-Rahmen, der mindestens 850 F-35 für die US-Streitkräfte garantieren soll. Das berichtet Defense News. Er steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung und Finanzierung des Kongresses. Der Rahmen umfasst erste Ersatzteile sowie zehn Jahre Umrüstsätze und Unterhalt. Er deckt auch Bestellungen ausländischer Kunden, die Produktion soll laut Lockheed bei 156 Flugzeugen pro Jahr bleiben. Lockheed will mindestens 7 Milliarden Dollar selbst in Programminitiativen investieren. Beide Seiten nennen weder Gesamtwert noch Stückpreis. Details sollen in einem formellen Vertrag folgen.
Dänemark: Salling Group richtet bis 2027 51 notfallbereite Supermärkte ein
Die dänische Handelsgruppe Salling Group will bis 2027 landesweit 51 notfallbereite Supermärkte einrichten. Das berichtet die Copenhagen Post. Sie sollen bei Stromausfall, Cyberangriffen und anderen Krisen mindestens 48 Stunden ohne Strom und externe Kommunikation arbeiten. Es sind 17 Bilka-, 32 Føtex- und zwei Netto-Filialen. Bis zu 80 Prozent der Bevölkerung wohnen höchstens 50 Kilometer von einer Filiale entfernt. Jede führt 50 Notfallprodukte nach den Empfehlungen der Behörden. Kunden können fast überall offline bezahlen.
Dänemark: Parteien kritisieren geplantes Treffen eines Abgeordneten mit dem russischen Botschafter
Politiker von links bis rechts kritisieren einen dänischen Abgeordneten, der am 10. November den russischen Botschafter Wladimir Barbin treffen will. Das berichtet die Copenhagen Post. Venstre-Chef Troels Lund Poulsen schreibt auf X, man müsse Putin bekämpfen und nicht mit dessen Botschafter Kaffee trinken. Er verweist auf den hybriden Krieg Russlands gegen Dänemark und seine Verbündeten. Der Moderaten-Sprecher Mohammad Rona fragt, warum sich der Abgeordnete von Dänemark abwende. Die Konservative Mette Abildgaard nennt ihn einen «nützlichen Idioten» der russischen Propaganda.
Slowakei belebt Wirtschaftskommission mit Russland wieder, Fico zieht Neutralität dem NATO-Beitritt vor
Die Slowakei schickt eine Delegation unter Aussenminister Juraj Blanár zur Regierungskommission für wirtschaftliche, wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit nach Moskau. Das berichtet Defence24. Die Kommission tagte zuletzt im November 2021. Laut dem slowakischen Aussenministerium geht es vor allem um Gas- und Öllieferungen. Die Slowakei bezieht weiter russisches Öl und Gas. Ein EU-Gesetz verbietet Flüssiggas ab Anfang 2027 und Pipelinegas im Herbst 2027, die Gespräche ändern daran nichts. Ministerpräsident Robert Fico hat Neutralität dem NATO-Beitritt vorgezogen. Das Slovak Spectator zitiert ihn mit der Aussage, er glaube nicht an NATO-Solidarität.
Estland: HIMARS-Raketen mit 70 Kilometern Reichweite sind eingetroffen, weitreichende Munition fehlt
In Estland sind Raketen für das Raketenartilleriesystem HIMARS mit einer Reichweite von 70 Kilometern eingetroffen. Das bestätigt Verteidigungsminister Martin Herem laut ERR. Die USA hatten die Munitionslieferungen im Frühjahr wegen des Kriegs im Irak ausgesetzt. Die ATACMS-Raketen mit bis zu 300 Kilometern Reichweite fehlen weiter. Estland besitzt sechs HIMARS. Die Werfer des südkoreanischen Systems K239 Chunmoo sollen nächstes Jahr kommen, die Munition wohl erst Anfang 2028. Herem erwartet weitere Munition mit Reichweiten bis nahe 100 Kilometer.
Estland erhält 32 Millionen Euro der EU für Drohnenüberwachung an der Ostgrenze
Estland erhält 32 Millionen Euro von der EU, um die Drohnenüberwachung an der Ostgrenze zu verstärken. Das sagt Innenminister Igor Taro laut ERR am Donnerstag. Für andere Infrastruktur an der Ostgrenze hat Estland im nächsten Jahr 4 Millionen Euro eingeplant. Die Drohnenabwehr erhalte 32 Millionen, sagt Taro. Zudem berichtet Taro von mehr irregulärem Transit über die Grenze zwischen Lettland und Belarus. Es seien dieses Jahr bereits 406 Personen aufgegriffen worden, im Vorjahr 39. Eine Migrationskrise sieht er nicht.
Rheinmetall eröffnet in Telford (GB) die Fertigung grosskalibriger Rohre, bis zu 245 pro Jahr
Rheinmetall hat in Telford (GB) die Gun Hall eröffnet, berichtet das UK Defence Journal. Verteidigungsminister Wes Streeting war bei der Eröffnung dabei. Die Halle fertigt laut Rheinmetall Waffensysteme der Kaliber 120 und 155 Millimeter, etwa für den Kampfpanzer Challenger 3. Bei voller Auslastung sollen jährlich bis zu 245 Rohre und über 50 Verschlüsse entstehen. Laut dem Unternehmen kehrt damit die unabhängige Produktion grosskalibriger Waffen nach Grossbritannien zurück. Rheinmetall gibt an, die Halle in acht Monaten aufgebaut zu haben. Rund 100 Arbeitsplätze entstehen.
Brandenburg: Mutmasslicher russischer Spion spähte Rüstungsfirmen für die NATO-Ostflanke aus
Die Polizei hat in Brandenburg einen mutmasslichen Spion festgenommen, berichten tagesschau und LRT. Der 53-Jährige soll ukrainischer Staatsbürger aus der Region Luhansk sein. Laut der Bundesanwaltschaft (DE) stand er seit mindestens Juli 2025 über einen Mittelsmann mit einem russischen Nachrichtendienst in Kontakt. Er soll Rüstungsfirmen und Personen ausgespäht haben. Es ging um Panzer, Munition und Sprengstoff für die NATO-Ostflanke. Laut Spiegel, den LRT zitiert, interessierte er sich für eine Brigade der Bundeswehr (DE), die 2027 nach Litauen verlegt wird. Er soll am Freitag dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof (DE) vorgeführt werden. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Verteidigungsausschuss: Royal Navy hat «ernste» Lücke bei der U-Boot-Abwehr gegen Russland
Die Royal Navy hat eine «ernste Lücke» bei der U-Boot-Abwehr, stellt der Verteidigungsausschuss des Parlaments (GB) in einem Bericht fest. Das meldet Defense News. Im Dienst sind nur fünf Fregatten vom Typ 23 für die U-Boot-Jagd, gefordert sind acht. Die Zahl mit Schleppsonar könnte laut der Analyse drei Jahre bei fünf bleiben. Der Ausschuss empfiehlt, keine solche Fregatte auszumustern, bis ein Typ 26 sie ersetzt. Grossbritannien hat acht Fregatten vom Typ 26 bei BAE Systems bestellt, die erste soll 2028 in Dienst gehen. Gingen zwei davon an Norwegen, würde die Flotte laut dem Ausschuss erst 2037 vollständig.
NATO-Gremium High Level Group tagt in Helsinki zur Modernisierung der nuklearen Abschreckung
Die High Level Group, das hochrangige Beratungsgremium der Nuklearen Planungsgruppe der NATO, ist am 21. Oktober in Helsinki zusammengekommen. Das teilt das finnische Verteidigungsministerium auf X mit. Die Gruppe sprach über die Modernisierung der nuklearen Abschreckungsfähigkeiten der NATO. Sie sprach auch über die Stärkung der Planung der nuklearen Abschreckung.
Zyperns Präsident bittet die EU, Gespräche über die Beistandsklausel wieder aufzunehmen
Zyperns Präsident Nikos Christodoulides fordert die EU auf, die Gespräche über ihre Beistandsklausel wieder aufzunehmen. Das berichtet Politico, dem sein Brief vom 20. Oktober an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorliegt. Artikel 42.7 des Lissabon-Vertrags verpflichtet die Mitglieder, einem angegriffenen Staat mit allen Mitteln zu helfen. Christodoulides verlangt einen Überblick über die Vorschläge und einen Zeitplan. Zypern hatte das Thema in seiner Ratspräsidentschaft priorisiert, nachdem iranische Drohnen im März einen britischen Stützpunkt auf Zypern getroffen hatten. Laut einem EU-Beamten steht der Artikel auf keinem Gipfel an.
«Ich kann die Bedeutung dieser Bestimmung für die EU und ihre Mitgliedstaaten, gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit, nicht genug betonen»
«I cannot overstate the importance of this provision for the EU and its Member States, especially in times of geopolitical uncertainty»
Iceye und Nokia prüfen mit der Ukraine eine souveräne Satellitenkommunikation
Iceye und Nokia unterzeichnen laut Defensa.com eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium. Sie soll souveräne Satellitenkommunikation prüfen. Bekannt gegeben wird das am 22. Oktober beim Besuch des finnischen Ministerpräsidenten. Vorgesehen sind Breitbandsysteme im niedrigen Erdorbit auf europäischer Technik. Die Ukraine soll Satelliten, Bodensegment und Endgeräte besitzen und kontrollieren. Offen ist laut Defensa.com, wie Beschaffung, Betrieb und Finanzierung aussehen. Auch die Zahl der Satelliten steht nicht fest. Iceye-Chef Rafal Modrzewski sagt, die Ukraine brauche sichere, souveräne Satellitensysteme unter eigener Kontrolle.
Kongsberg liefert Waffenstationen für polnische K2PL-Panzer, Auftrag 700 Millionen Kronen
Kongsberg liefert Hyundai Rotem ferngesteuerte Waffenstationen vom Typ RS4 für Panzer des Typs K2PL. Das berichtet Defence24. Der Vertrag ist 700 Millionen Norwegische Kronen wert, rund 75 Millionen Dollar. Er umfasst auch Bergepanzer und Pionierpanzer. Die Lieferungen beginnen im Frühjahr 2027.
Russlands Verteidigungsminister Belousow: NATO, EU und Kiew wählen die Eskalation
Der russische Verteidigungsminister Andrej Belousow wirft NATO, EU und Kiew vor, bewusst den Weg der Eskalation zu gehen. Das meldet TASS von einer gemeinsamen Sitzung der Verteidigungsministerien Russlands und von Belarus in Minsk (BY). Besonders gefährlich sei die beschleunigte Militarisierung Europas. Der Ausbau der NATO-Präsenz nahe den Grenzen verlange eine rechtzeitige Antwort, sagt Belousow laut TASS. Beide Länder passten ihre Ansätze zum gemeinsamen Einsatz der Streitkräfte an. Das sind Angaben der russischen Seite.
«Die NATO, die EU und das Kiewer Regime gehen bewusst den Weg der Eskalation»
«NATO, the EU and the Kiev regime deliberately move along the path of escalation»
Polens Geheimdienstkoordinator Siemoniak: Russland «kocht den Frosch» langsam
Tomasz Siemoniak, Minister und Koordinator der Geheimdienste (PL), äussert sich im Sender Polsat News. Russland wende gegen europäische Staaten eine Strategie des kochenden Frosches an. Die NATO müsse hybride Taten erkennen und darauf reagieren. Hinweise auf russische Vorbereitungen einer Invasion Polens oder des Baltikums gebe es derzeit nicht.
«Wenn eine Rakete eingedrungen ist, könnten fünf eindringen. Wir müssen auf alle Szenarien vorbereitet sein»
«If one missile has entered, five could enter. We must be prepared for all scenarios»
Grossbritannien: Kampagne «Be Ready» ruft zu Vorräten für drei Tage Ausfall auf
Die britische Regierung (GB) fordert Haushalte auf, Vorräte für drei Tage Ausfall von Strom, Wasser, Telefon und Internet anzulegen. Das berichtet das UK Defence Journal. Die Kampagne «Be Ready» des Cabinet Office ist die erste Stufe eines dreijährigen Programms. Über 500 Organisationen machen mit. Sicherheitsminister Dan Jarvis sagt, wer den Rat befolgen könne, solle es tun. Die Dreitagesvorgabe entspricht den Empfehlungen in Frankreich, Irland und den Niederlanden. Die Liste verlangt drei Liter Trinkwasser pro Person und Tag sowie haltbare Lebensmittel.
Bundeswehr (DE) übt in Estland erstmals die Verlegung zusätzlicher Truppen
Die Bundeswehr (DE) übt in Estland erstmals die Verlegung zusätzlicher Truppen. Das berichtet ERR zur Übung Brave Blue 26 vom 16. bis 27. Oktober. Das 4. Logistikregiment übt, Verstärkung zu deutschen Einheiten im Baltikum zu bringen. Die Zahl der Soldaten und Fahrzeuge nennt die Bundeswehr nicht. Die Übung bereitet eine grosse Logistikübung 2027 in Litauen und Lettland vor.
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