Und sie geht doch Konkurs … und mit ihr das Schweizer Bankensystem

Für das Establishment in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ist unbestritten: Im Zentrum der Volkswirtschaften stehen die Zentralbanken, und die Volkswirtschaften drehen sich um diese. Eine tiefergehende Analyse zeigt jedoch umgekehrt: Die Volkswirtschaften sind das Zentrum, und die Notenbanken kreisen um die Volkswirtschaften. Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? (…)

Für das Establishment in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ist unbestritten: Im Zentrum der Volkswirtschaften stehen die Zentralbanken, und die Volkswirtschaften drehen sich um diese.

Eine tiefergehende Analyse zeigt jedoch umgekehrt: Die Volkswirtschaften sind das Zentrum, und die Notenbanken kreisen um die Volkswirtschaften.

Warum ist diese Unterscheidung so wichtig?

Weil dadurch die ganze Geldtheorie und damit die Geldpolitik der Zentralbanken um 180 Grad gedreht werden müssen. Das gilt ganz besonders für unsere Schweizerische Nationalbank (SNB).

Hält die SNB an ihrem auf einer irreführenden Theorie basierenden Mindestkurs fest, so wird das zum sicheren Konkurs unserer Nationalbank und damit des Schweizer Bankensystems führen.

Die Beweisführung ist einfach – nur: Die SNB stemmt sich noch dagegen.

In seiner Antwort auf die Motion der SVP „Einführung einer Verschuldungslimite für die SNB“ argumentierte der Bundesrat:

„Spezielle Vorkehrungen wegen Insolvenz oder Illiquidität sind aufgrund der besonderen Natur der Nationalbank nicht notwendig. Im Unterschied zu Geschäftsbanken kann die Nationalbank nicht illiquid werden in Franken. Im Unterschied zu Geschäftsbanken kann die Nationalbank zudem vorübergehend auch mit negativem Eigenkapital ihre Aufgaben wahrnehmen.“ (Curia Vista).

Das Parlament akzeptierte diese unbedarfte Antwort des Bundesrates, ohne die irreführende Terminologie zu bemerken. Im Parlament scheint es keinen einzigen Parlamentarier zu geben, der der Buchhaltung kundig wäre.

Der entscheidende und verheerende Irrtum liegt im Satz:

„… kann die Nationalbank nicht illiquid werden in Franken.“

Was bedeutet der Ausdruck „Liquidität“?

„Liquidität“ bezeichnet einen Vermögenswert, mit dem Schulden relativ schnell beglichen beziehungsweise abgebaut werden können. „Liquide sein“ bedeutet, jederzeit befähigt zu sein, bestehenden Schulden zu verringern.

Liquidität ist per definitione immer – ich wiederhole – immer Vermögen. Und Vermögen wird immer auf der Vermögensseite, der Aktivseite, bilanziert. Liquidität ist nie und nimmer eine Schuld.

Eine Schuld als „liquide“ zu bezeichnen, wie das SNB und Bundesrat tun, ist etwa dasselbe, wie einen Kreis als viereckig zu beschreiben.

Notenbankgeld ist nicht Vermögen aus Sicht der Notenbank, sondern im Gegenteil eine Schuld der Notenbank. Die SNB kann deshalb sehr wohl illiquide werden in Franken, weil Notenbankgeld nicht zur „Liquidität“ der SNB gehört.

Die liquiden Mittel der SNB bestehen zu über 99 Prozent aus Devisen (Euro, Dollar, Yen und andere) plus Gold – exakt nicht aus Schweizerfranken. Diese müssen zuerst in Schweizerfranken umgewechselt werden.

Notenbankgeld hingegen – das ist, das sind Zahlungsverpflichtungen der SNB gegenüber den Banken. Und diese Zahlungsverpflichtungen können nicht abgebaut werden durch Eingehen von noch mehr Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Banken.

Die SNB und der Bundesrat und die Wissenschafter begehen den fundamentalen Fehler, indem sie meinen, die Zentralbanken könnten „Liquidität“ – sprich Vermögen schaffen, „schöpfen“, indem die SNB ihre Schulden vergrössert.

Das ist der geldpolitische Irrtum des Jahrhunderts.

Könnten die Notenbanken durch das Drucken von Banknoten tatsächlich „Vermögen schaffen aus dem Nichts“, so würde es sich bei den Zentralbanken um „gottähnliche“, aber von Menschenhand geschaffene, Konstrukte handeln.

Die SNB bedient sich mit Bezug auf sich selber denn auch folgerichtig göttlicher Ausdrücke wie beispielsweise „für die Ewigkeit“, „unbeschränkt“, „unendlich“, „schöpfen aus dem Nichts“, „ohne Limiten“ und so weiter und so fort.

Die SNB betrachtet sich als das Zentrum der Schweizer Wirtschaft. Sie „schöpfe“ Geld („Liquidität“, „Vermögen“) „aus dem Nichts“ und lasse so die Wirtschaft nach ihrem Gusto „gedeihen“ oder „verderben“.

Was sie übersieht: Es ist umgekehrt die Wirtschaft, welche durch die Mühen der Arbeit eine Wertschöpfung erarbeitet. Erst aufgrund dieser Wertschöpfung ist es der Notenbank dann möglich, dagegen Geld als Zahlungsmittel zu emittieren.

Es sei hier nochmals auf den Vergleich mit der Geburtsurkunde hingewiesen: Erst die Geburt eines Kindes ermöglicht das Ausstellen eines Geburtsscheines. Eine Geburtsurkunde ohne Kind ist nichtig.

Genauso ist Notenbankgeld ohne realen Gegenwert wertlos (siehe Beitrag „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung„.

Die irrige Meinung der SNB, sie könne „Vermögen aus dem Nichts schaffen“, wird der Schweizerischen Nationalbank das Genick brechen und damit der Schweizer Volkswirtschaft grossen Schaden zufügen. Es droht der Konkurs nicht nur der SNB, sondern des Schweizer Bankensystems.

Man erinnere sich an Lehman Brothers. Das war der Konkurs einer einzigen Bank. Welche weltweiten Schockwellen auf die Finanzmärkte würden wohl von einem Bankrott des gesamten Schweizer Bankensystems ausgehen? Die SNB spielt mit dem Feuer.

Aufgrund der irrigen Meinung, jederzeit Vermögen schaffen und damit jederzeit sämtliche Schulden abbauen zu können, begeht die SNB einen höchst gefährlichen Irrweg.

Sie verschuldet sich „unbeschränkt“ bei den Banken und meint irrigerweise, sie gewähre den Banken dadurch „unbeschränkt“ günstige Kredite. Dabei betrachtet sie sich als „Lender of last resort“ und realisiert nicht, dass sie in unserem Lande im Gegenteil zu einem „Borrower of last resort“ geworden ist.

Die SNB „verschanzt“ sich hinter oberflächlichen Argumentationen.

Beispiel 1: Terminologische Missverständnisse. Die SNB behauptet, sie könne die Geldmenge jederzeit kontrollieren und die Wirtschaft so mit „günstigem Geld versorgen“. Dadurch könne sie nie zahlungsunfähig werden. Aus Kreisen der SNB ist sogar zu hören, die SNB könne den Banken „Geld aufzwingen“.

Wo liegt der Irrtum?

Die SNB übersieht, dass Ausdrücke wie „Notenbankgeld“, „Giroguthaben der Banken bei der SNB“, „Mindestreserven der Banken bei der SNB“, „Zahlungsverpflichtung der SNB gegenüber den Banken“ alle ein und dasselbe bedeuten.

Artikel 18 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Nationalbank legt fest: „Der Mindestreservesatz darf 4 Prozent der kurzfristigen, auf Schweizerfranken lautenden Verbindlichkeiten der Banken nicht überschreiten.“

Wenn also das Gesetz festlegt, dass die SNB nicht mehr als 4 Prozent Mindestreserven von den Banken einfordern darf, so kann die SNB nicht ihrerseits behaupten, sie könne die Wirtschaft „unbeschränkt“ mit Geld versorgen beziehungsweise ihr „Geld aufzwingen“. Das heisst, die SNB kann und darf von den Banken nicht „unbeschränkt“ Mindestreserven einfordern, wie sie das behauptet.

Die SNB darf den Banken nicht Mindestreserven „aufzwingen“.

Gegenwärtig betragen die Mindestreserven der Banken bei der SNB mehr als das 21fache der Minimalanforderung. Daraus folgt umgekehrt, dass die Banken Ihre Mindestreserven bei der SNB abbauen dürfen, falls diese zu hoch sind.

Oder anders formuliert: Die SNB muss Vermögenswerte (Euros, Dollars, Gold, also ihre liquiden Mittel) verkaufen, wenn die Banken insgesamt ihre Mindestreserven bei der SNB abbauen wollen. Alle anderen Behauptungen widersprechen dem Bundesgesetz über die Nationalbank.

Auch Auslandbanken dürfen ihre Giroguthaben bei der SNB abziehen. Ansonsten würde die SNB ja den Kapitalverkehr in Europa blockieren. Das wäre mit Sicherheit nicht im Bestreben des Bundesrates und bedürfte eines Volksentscheides.

Oder die SNB dürfte in diesem Fall umgekehrt ihre Einlagen bei der EZB (für die sie wahrscheinlich sogar Negativzinsen bezahlen muss) ebenfalls nicht mehr abziehen.

Daraus folgt konsequenterweise: Die SNB muss Vermögenswerte verkaufen, wenn die in- oder ausländische Wirtschaft das wünscht. Dagegen ist auch unsere SNB machtlos.

Richtig: Als Privatperson darf ich bei der SNB eine Banknote nicht in Gold einlösen. Daraus kann die SNB aber nie und nimmer ableiten, dass Kapital, das einmal von in- oder ausländischen Banken bei ihr angelegt wurde, von diesen dort nicht mehr abgehoben werden darf.

Dieses darf abgezogen werden. Das ist aber nur möglich, wenn die SNB Vermögenswerte veräussert. Ansonsten könnten sich die Mindestreserven der Banken bei der SNB ja nie mehr zurückbilden, sondern müssten ständig zunehmen.

Und wollen die Banken ihre Guthaben bei der SNB (Mindestreserven) abbauen, so muss die SNB über genügend Vermögen verfügen, um den von ihr geschuldeten Betrag an die Banken überweisen zu können.

Sind die Aktiven der SNB jedoch kleiner als ihre Passiven, so kann die SNB ihre Schulden gegenüber den Banken nicht mehr abbauen.

Die SNB ist in diesem Fall Konkurs – sie kann ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, obwohl der Bundesrat das behauptet. Das hätte sich der Bundesrat bei seiner Antwort auf die SVP-Motion vorher überlegen sollen.

Die Behauptung von SNB und Bundesrat, die SNB sei auch mit negativem Eigenkapital jederzeit handlungsfähig, ist und bleibt ein Ammenmärchen.

Nein. Die SNB ist bei negativem Eigenkapital nicht mehr voll handlungsfähig, weil sie ihre Schulden gegenüber den Banken nicht mehr vollumfänglich abbauen kann. Sie verfügt nicht mehr über genügend liquide Mittel.

Beispiel 2: Verwirrung um den Ausdruck: „Geld gutschreiben“. Die SNB behauptet, bei einer Expansion der Geldmenge würde sie die Banken mit „günstigen“ Krediten (mit „billigem Geld“) versorgen – sie würde den Banken „Geld gutschreiben“ (abermals „Lender of last resort“).

Dabei suggeriert die SNB, dass sie dadurch den Banken zu mehr Vermögen verhelfe, welches diese dann bei der SNB anlegen, an die Wirtschaft weitergeben sollten (andernfalls sie möglicherweise bald Strafzinsen darauf bezahlen müssen).

Falsch: Die SNB ist umgekehrt wie gesagt ein „Borrower of last resort“.

Wenn der Leser bei der UBS 10’000 Euro einbezahlt, so werden ihm dagegen auf dem Frankenkonto 12’000 „gutgeschrieben“.

Dabei ist aber der Leser der Kreditgeber – nicht die UBS. Er könnte sein Geld auch woanders anlegen, bei der CS oder anderen Geldhäusern. Er hat das Geld geschaffen – nicht die UBS oder die CS.

Dasselbe gilt für den Fall eines UBS-Angestellten oder SNB-Angestellten (oder eines Malers, der die SNB-Fassade streicht), der seinen Lohn auf seinem Girokonto bei der UBS oder der SNB gutgeschrieben erhält.

Bei diesem Guthaben handelt es sich ebenfalls um eine Schuld der UBS respektive der SNB. Diese Schuld ist handelbar, also für den Angestellten als Geld verwendbar.

Genauso verhält es sich mit den Giroguthaben der Banken bei der Nationalbank.

Kauft die SNB den Banken 100 Milliarden Euros ab, so schreibt sie den Banken 120 Milliarden Franken auf deren Girokonto gut. Diese 120 Milliarden Franken sind dann eine Schuld der SNB gegenüber den Banken – nicht umgekehrt.

Das Vermögen der SNB von 120 Milliarden Franken hat die Wirtschaft erarbeitet. Sie legt es nun bei der SNB an.

Sie könnte es auch woanders anlegen, in den USA oder am Immobilienmarkt. Nicht die SNB hat Vermögen „geschöpft“. Die Wirtschaft (Arbeitnehmer, Pensionäre) hat Vermögen erarbeitet.

Dieses Vermögen legt die Wirtschaft (in- und ausländische Volkswirtschaften) nun via Pensionskassen und Schweizerbanken bei der SNB an. Als Folge dessen schreibt die SNB dieses Vermögen den Geschäftsbanken gut (Konto: Giroguthaben der Banken bei der SNB).

Die Geschäftsbanken wiederum schreiben es ihrerseits den Pensionskassen gut (das heisst, diese schulden es den Banken), welche es letztlich den Pensionären zu gegebener Zeit „gutschreiben“.

Ein konkretes Beispiel: Pensionskassen in Europa verkaufen ihre europäischen Staatsanleihen und investieren den Erlös von 100 Milliarden Euro bei Schweizer Banken (Grossbanken, Kantonalbanken).

Die Euros werden in Franken gewechselt, so dass die Pensionskassen jetzt Franken-Konti bei den Schweizer Banken halten. Darauf befinden sich folglich 120 Milliarden Franken (beim Franken-Kurs 1.20 pro Euro).

Die SNB kauft nun den Schweizer Banken deren Euros ab für 120 Milliarden Franken. Die Banken besitzen jetzt Giroguthaben bei der SNB im Betrag von 120 Milliarden Franken, welche die SNB ihnen „gutschreibt“ (ihnen schuldet).

Dagegen haben die Geschäftsbanken ihrerseits Verbindlichkeiten gegenüber den europäischen Pensionskassen von 120 Milliarden Franken.

Die SNB auf der anderen Seite besitzt jetzt 100 Milliarden Euro Vermögen und 120 Milliarden Franken Schulden bei den Banken. Ein enormes Währungsrisiko. In der Bilanz der SNB werden diese 100 Milliarden Euros zu 120 Milliarden Franken bewertet und bilanziert.

Fällt der Euro auf eins zu eins gegen Franken, so fällt damit das Vermögen der SNB in Franken bewertet von 120 auf 100 Milliarden Franken. Ihre Schulden betragen demgegenüber aber unverändert 120 Milliarden Franken.

Die SNB-Bilanz ist nicht mehr ausgeglichen. Es fehlen der SNB auf ihrer Vermögensseite 20 Milliarden Franken.

Wollen die europäischen Pensionskassen ihre Devisengewinne realisieren und fordern deshalb ihre Guthaben bei den Schweizer Banken zurück, so müssen auch die Schweizer Banken ihre Guthaben in Franken bei der SNB zurückverlangen.

Die Banken verlangen somit 120 Milliarden Franken von der SNB. Diese erhält aber nur noch 100 Milliarden Franken, wenn sie ihre Euros in Franken umwechselt.

Damit kann sie ihre Schulden von 120 Milliarden Franken gegenüber den Banken nicht mehr begleichen. Es fehlen ihr 20 Milliarden Franken.

Die SNB ist illiquide in Franken – obwohl der Bundesrat das Gegenteil behauptet.

Die SNB ist Konkurs.

Beispiel 3: Bewertung des SNB-Vermögens. Die SNB versteckt sich oft hinter der Argumentation, wer Notenbankgeld halte, könne von der SNB dagegen nicht einen realen Gegenwert einfordern. Deshalb entspreche der Realwert von Notenbankgeld immer dem Nominalwert.

Notenbankgeld verliere nicht an Wert, die Giroguthaben der Banken bei der SNB seien immer zu 100 Prozent zu bewerten.

Angenommen, die Giroguthaben der Banken bei der SNB (Schulden der SNB) betragen 120 Milliarden Franken. Das Vermögen der SNB sei aber nur noch 100 Milliarden Franken wert.

Gemäss SNB dürften die Banken ihre Guthaben bei der SNB aber nichtsdestotrotz zu 120 Milliarden (100 Prozent) bewerten, obwohl ihr Gegenwert nur noch 100 Milliarden wert ist.

Das ist absurd.

Da die SNB ihre Schulden gegenüber den Banken in diesem Fall nur noch zu 80 Prozent begleichen kann, dürfen umgekehrt die Banken ihre Guthaben bei der SNB auch nur noch zu 80 Prozent bewerten.

Eine Überbewertung der Aktiven der Banken wäre eine Irreführung der Kapitalgeber (Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber) der Banken. Das widerspräche Obligationen- und Aktiengesetz.

In diesem Fall besteht ein „Loch“ auf der Aktivseite der SNB-Bilanz im Betrag von 20 Milliarden Franken (Bundesrat: „negatives Eigenkapital der SNB“).

Die kreditgebenden Banken dürfen  deshalb ihre Mindestreserven bei der SNB nicht mehr zu 120 Milliarden bewerten, sondern müssen eine Wertberichtigung von 20 Milliarden Franken auf 100 Milliarden vornehmen.

Das sind 20 Milliarden Franken Verluste bei den Banken. Kauft die SNB „unbeschränkt“ Euros mit Bankkrediten und dieser tendiert tiefer, so können die Verluste des Bankensystems schnell auf 200 Milliarden und noch mehr („unbeschränkt“) explodieren.

Die Finanzmärkte werden das so oder so früher oder später ebenfalls realisieren.

Deponiert die SNB ihre Bilanz bei negativem Eigenkapital nicht – wie angekündigt –, so geht nicht die SNB, dafür aber das Schweizer Bankensystem Konkurs.

Die Zinsen würden aufgrund der verschlechterten Bonität der Banken (ungedeckte Kredite an die SNB) massiv ansteigen, die Bankaktien abstürzen.

In Schweizer Bankaktien zu investieren kommt mehr und mehr einem hochriskanten „Euro-Play“ gleich. Vor allem die Pensionskassen sollten sich dieser Tatsache bewusst sein.

Auch die Behauptung des Bundesrates, die SNB dürfe „vorübergehend“ negatives Eigenkapital ausweisen, ist nicht durchdacht.

Erstens kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Euro immer gleich wieder steigt, nachdem er gefallen ist. Negatives Eigenkapital der SNB ist nicht a priori eine vorübergehende Erscheinung.

Zweitens müssen die Banken ihre Schulden gegenüber ihren ausländischen und inländischen Gläubigern (Pensionskassen) auch jederzeit begleichen können.

Sie sind darauf angewiesen, dass die SNB liquide in Schweizerfranken ist. Das ist sie aber nicht, wenn ihr Vermögen in Franken bewertet unter Wert ihrer Schulden in Franken fällt.

Die SNB kann keine „Vermögens-Franken“ (auf der Aktivseite) drucken – sie kann nur „Schulden-Franken“ (auf der Passivseite) drucken. Diese Unterscheidung ist genauso wichtig wie die Unterscheidung in Aktiv- und Passivkredite.

Dabei steht nicht die Frage im Vordergrund, ob die Banken von der SNB etwas einfordern dürfen oder nicht – entscheidend ist die Bewertung des SNB-Vermögens.

Wenn jemand eine Obligation von Nestlé besitzt, so kann er auch nicht darauf beharren, dass Nestlé ihm für einen bestimmten Wert Schokolade abgibt. Die Bilanz und deren Bewertung sind entscheidend für die Bewertung der Obligation.

Fällt das Vermögen von Nestlé unter Wert ihrer Schulden, so müssen die Gläubiger ihre Guthaben bei Nestlé tiefer bewerten.

Genauso ist für die Bewertung der Mindestreserven der Banken bei der SNB die Bewertung des Vermögens in der Bilanz der SNB entscheidend.

Fällt das Vermögen der SNB unter Wert der Mindestreserven der Banken, so sind diese Mindestreserven entsprechend tiefer zu bewerten.

Grund: Die SNB kann diese Mindestreserven nicht mehr vollumfänglich den Banken zurückzahlen.

Die Zentralbanker, die Politiker und die Wissenschafter müssen endlich folgendes akzeptieren: Die Zentralbanken können durch Geldemission kein Vermögen schaffen oder „schöpfen“ – es sind  die Volkswirtschaften, welche Vermögen schaffen.

Daraus folgt: Die Zentralbanken können sehr wohl Konkurs gehen – einzig die Steuerzahler könnten dies noch abwenden. Dies gilt für alle Zentralbanken weltweit. Die Steuerzahler im Hintergrund – das ist der Unterschied zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken.

Besonders dramatisch präsentiert sich das Risiko bei der SNB aufgrund ihrer „unbeschränkten“ Devisenkäufe. Aber wollen wir Steuerzahler Schulden der SNB in dreistelliger Milliardenhöhe bezahlen? Ist das wirklich der Wille der Schweizer Bürgerinnen und Bürger, wie das von unseren Politikern behauptet wird?

Wüsste das Schweizervolk, dass es dereinst für die Schulden der SNB möglicherweise in dreistelliger Milliardenhöhe geradestehen muss, würde es den Mindestkurs nie und nimmer befürworten – schon gar nicht mit 97 Prozent Ja-Stimmen-Anteil (Resultat an der SNB-GV diesen Frühling).

Das Schweizervolk bejaht den Mindestkurs nur deshalb, weil es von SNB und Bundesrat Sand in die Augen gestreut erhält.

Hinterlegt die SNB im Falle von negativem Eigenkapital ihre Bilanz nicht, so wird sie den gesamten Schweizer Bankenplatz mit in den Konkurs reissen. Es ist deshalb höchste Zeit, dass SNB und Bundesrat das Schweizervolk endlich korrekt informieren:

Das heisst: Tendiert der Euro schwächer und die SNB kauft unbeschränkt Euros, so werden die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Schulden der SNB möglicherweise in dreistelliger Milliardenhöhe begleichen müssen.

Gelingt das nicht, so droht nicht nur der Konkurs der SNB, sondern des gesamten Schweizer Bankensystems. Das dürfte zu einem Schock an den Finanzmärkten weltweit führen.

Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Meyer

    Danke für Ihre Ausführungen bezüglich negativem Eigenkapital der SNB.

    Angenommen das Eigenkapital der SNB würde negativ.
    Wie beurteilen Sie die Möglichkeit der SNB, mit frischen Banknoten Sachwerte zu kaufen (Bilanzverlängerung: Sachwerte auf Aktivseite, Banknoten auf Passivseite). Die Werte könnte sie dann einsetzen, um alle Giroforderungen der Geschäftsbanken zu bedienen.
    Die SNB hätte dann als Fremdkapital nur noch Banknoten auf der Passivseite (das EK bliebe negativ). Da Banknoten nicht einforderbar sind, wäre die SNB solvent und liquid.

    Der von Ihnen beschriebene Effekt auf die Realwirtschaft wäre verhindert.

    So gesehen könnte man Banknoten vom Charakter her als Eigenkapital ansehen… womit die SNB faktisch kein negatives EK haben könnte.

    Freundliche Grüsse
    Thomas T.

  2. Nachtrag IX, Erläuterungen

    Da ich Nachtrag IX auf dem Smartphone geschrieben habe, möchte ich hier die versprochenen Erläuterungen nachliefern.

    Gedankengang 1

    Bevor wir uns mit Bilanzen insbesondere der SNB und der Geschäftsbanken auseinandersetzen, sollten wir uns vorgängig mit den Definitionen innerhalb von Bilanzen etwas genauer befassen:

    Zuerst die Frage: Was sind die Aktiven? Man kann die Aktiven auch als das Vermögen des betreffenden Unternehmens bezeichnen. Was sind denn die Passiven? Die Passiven zeigen auf, wie das Vermögen des Unternehmens rechtlich aufgeteilt ist. Die Passiven zeigen, wieviel des Vermögens gehört den Eigenkapitalgebern und wieviel gehört den Fremdkapitalgebern.

    Oder etwas einfacher formuliert: Die Vermögensseite zeigt, wie gross der Kuchen ist. Und rechts auf der Passivseite wird aufgezeigt, wie dieser Kuchen verteilt wird.

    Aus diesen Überlegungen folgt logischerweise, dass die Passivseite nicht grösser sein kann als die Aktivseite. Es kann nicht mehr Vermögen verteilt werden, als effektiv vorhanden ist.

    Ein Beispiel: Wenn ein Kuchen 1.2 Kilogramm schwer ist, so können damit 12 Kuchenstücke zu 100 Gramm geschnitten und verteilt werden.

    Wenn nun jemand zwei Stücke herausschneidet, so sind nur noch 1 Kilogramm bzw. 10 Stücke zu 100 Gramm Kuchen zu verteilen.

    Von einem Kuchen von 1 Kilogramm können unmöglich 12 Stücke zu 100 Gramm abgeschnitten und verteilt oder verkauft werden.

    Genauso verhält es sich mit einer Zentralbankbilanz: Angenommen, das Vermögen einer Zentralbankbilanz betrage 120 Milliarden Franken. Das Vermögen sei am Devisenmarkt angelegt.

    Nun falle der Wert der Devisenanlagen auf 100 Milliarden Franken. Das Resultat ist, dass nur noch 100 Milliarden Franken auf die Gläubigerbanken aufgeteilt werden können.

    Konkret: Wenn das Vermögen einer Zentralbank von 120 auf 100 Milliarden Franken fällt, so sind die Guthaben der Banken bei der Zentralbank auch nur noch 100 Milliarden Franken wert.

    Gedankengang 2

    Die Schweizerische Nationalbank behauptet nun, 100 Franken seien immer 100 Franken wert. D.h. ein Vermögensverlust bei der SNB übertrage sich somit nicht auf die Geschäftsbanken. Habe die SNB Banknoten im Wert von 120 Milliarden ausstehend, und ihr Vermögen falle von 120 Milliarden auf 100 Milliarden, so habe dies keinen Einfluss auf die Guthaben der Geschäftsbanken bei der SNB. Diese seien unverändert 120 Milliarden Franken wert.

    Buchhalterisch ausgedrückt behauptet die SNB also, auch wenn auf der linken Seite die Aktiven nur noch 100 Milliarden wert sind, so betrage die Summe bei den Passiven trotzdem 120 Milliarden Franken.

    Das ergibt keinen Sinn: Warum? Weil auf der Passivseite nicht mehr Vermögen verteilt werden kann als auf der Aktivseite tatsächlich vorhanden ist.

    Die Behauptung der SNB wäre vergleichbar mit einem Kuchenverkäufer, der einen Kuchen anbietet. Dieser habe ein ursprüngliches Gewicht von 1.2 Kilogramm gehabt. Zwei Stücke sind aber herausgeschnitten. Nun behauptet der Verkäufer, der Kuchen sei nach wie vor 1.2 Kilogramm schwer und er verkaufe deshalb den Kuchen nur zum Preis auf 1.2 Kilogramm berechnet.

    Oder er behauptet, er könne vom Kuchen unverändert 12 Stücke zu 100 Gramm verkaufen.

    Der Kuchenverkäufer hat zwei Möglichkeiten:

    a) Er kann nun noch 10 Stücke verkaufen zu 100 Gramm oder

    b) Er kann 12 Stücke verkaufen zu ca. 80 Gramm (80 Prozent der ursprünglichen Aufteilung; d.h. Abschreibung von 20 Prozent pro Kuchenstück; genauer 83 Prozent)

    Er kann nicht – ich wiederhole – er kann nicht mehr 12 Stücke zu 100 Gramm vom Kuchen abschneiden und verkaufen, da der Kuchen nur noch 1 Kilogramm wiegt.

    Der Kuchenverkäufer kann auch nicht behaupten, der Kuchen sei zu 1.2 Kilogramm angeschrieben, deshalb bleibe er 1.2 Kilogramm. Diese Anschrift ist jetzt falsch.

    Wenn er den Kuchen 12 Kindern verkaufen oder verschenken will, so muss er entweder jedem Kind ein Stück von 830 Gramm geben oder er gibt den ersten 10 Kindern ein Stück von 100 Gramm und die beiden letzten gehen leer aus.

    Diese Überlegungen verdeutlichen, dass die Behauptung der SNB, die Passivseite betrage unverändert 120 Milliarden Franken, auch wenn die Aktivseite auf 100 Milliarden falle, jeglicher Logik entbehrt.

    Gedankengang 3

    Nehmen wir an, ein Unternehmen besitze ein Vermögen von 120 Milliarden Franken. Es habe dieses finanziert mit Fremdkapital in Form von Obligationen ebenfalls im Wert von 120 Milliarden Franken.
    Nun Falle der Wert des Vermögens auf 100 Milliarden Franken. Beide Seiten der Bilanz werden dadurch auf 100 Milliarden reduziert.
    Die Reduzierung auf der Passivseite erfolgt, indem die Obligationen nur noch zu 83 Prozent bewertet werden. Das geschieht, obwohl auf den Obligationenscheinen ein Nominalwert von beispielsweise CHF 100‘000 angeschrieben ist.

    Gedankengang 4

    Banknoten sind von der SNB emittierte Obligationsscheine. Angenommen, die SNB besitze auf der Aktivseite ein Vermögen von 120 Milliarden Franken und auf der Passivseite 120 Millionen Tausendernoten. Fällt nun der Wert des Vermögens auf 100 Milliarden Franken, so sind auch die Banknoten nur noch 100 Milliarden Franken wert.

    Daraus folgt, dass der Wert der Banknoten auf 83 Prozent des ursprünglichen Wertes fällt. Daran ändert sich auch nichts, wenn auf den Banknoten 100 Franken als Nominalwert steht.

    Banknotenbestände sind deshalb entsprechend zu wertberichtigen.

    Dasselbe gilt im Falle von Giroguthaben der Banken bei der SNB. In diesem Fall sind diese Guthaben entsprechend zu wertberichtigen.

    Das wäre neu in der Geschichte des Schweizer Bankwesens – genauso wie es neu wäre, wenn die SNB negatives Eigenkapital ausweisen sollte.

    Gedankengang 5

    Angenommen, der Kuchenverkäufer habe für eine „Tombola“ 12 Gutscheine geschrieben. Jedes Los, das einen solchen Gutschein enthält, berechtigt zum Bezug eines Stück Kuchens. Der Kuchen sei 1.2 Kilogramm schwer und es sei vorgesehen, diesen in 12 Stücke zu 100 Gramm zu schneiden. Nun seien 2 Stücke zu je 100 Gramm bereits vorher verschwunden.

    Wenn nun die 12 Kinder kommen mit ihren Gutscheinen,so hat der Verkäufer folgende Möglichkeiten:

    a) Er kann den Kindern je ein Stück von 83 Gramm abschneiden (wertberichtigt) oder

    b) Er kann den ersten zehn Kindern je ein Stück von 100 Gramm geben und die beiden letzten gehen leer aus.

    Gedankengang 6

    Hat die SNB auf ihrer Aktivseite Vermögen von 100 Milliarden Franken und auf der Passivseite Verbindlichkeiten von 120 Milliarden Franken, aufgeteilt auf 12 Gläubigerbanken, so muss sie alle Gläubiger gleich behandeln (Obligationenrecht).

    D.h. die Giroguthaben der Banken bei der SNB sind auf 83 Prozent des ursprünglichen Wertes abzuschreiben; d.h. auf 100 Milliarden Franken.

    Die SNB darf nicht ihre Verbindlichkeiten zu 100 Prozent bewerten. Denn in diesem Fall würde sie bei Rückzahlung der Giroguthaben die ersten zehn Banken bevorzugen. D.h. die SNB würde ihre Schuld diesen gegenüber zu 100 Prozent abbauen. Die beiden letzten Banken gingen in diesem Fall leer aus.

    Gedankengang 7

    Die SNB und der Bundesrat behaupten nun, die SNB können nicht illiquide werden in Franken. Deshalb seine keine besonderen Vorkehrungen bezüglich der Verschuldung der SNB nötig.

    Diese Argumentation enthält zwei Pferdefüsse:

    1. SNB und Bundesrat bezeichnen Notenbankgeld als Liquide Mittel der SNB. Das ist falsch, weil ein Passivum nicht zu den liquiden Mitteln gezählt werden darf.

    2. Auch wenn die SNB einen Übertrag verbucht von Bank A zu Bank B, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, so muss die Bank B das Notenbankgeld nicht zum Kurs von 100 Prozent annehmen, wenn dieses nur noch 83 Prozent wert hat.

    Vergleich: Kauft die Leserin / der Lesern einen Kuchen von 1 Kilogramm, so muss sie / er dafür nicht den Preis für 1.2 Kilogramm bezahlen.

    Würde eine Bank die Rückzahlung von Giroguthaben bei der SNB zum Kurs von 100 Prozent akzeptieren, obwohl diese Guthaben nur noch zu 83 Prozent gedeckt sind, so stellte diese Bank eine Gefahr für ihre Investoren dar.

    Insbesondere Pensionskassen sollten darauf achten, dass die Bank, in der sie investiert sind, die Rückzahlung von Giroguthaben durch die SNB nicht zu 100 Prozent akzeptiert, sollte das Fremdkapital der SNB nur noch zu 83 Prozent gedeckt sein. Ansonsten zahlen die Pensionskassen die Zeche der unüberlegten Euro-Käufe der SNB.

    Es nützt dann auch nichts, wenn die SNB beteuert, auf den Banknoten stünde der Nominalwert von 100 Franken drauf.

    Gedankengang 8

    Angenommen erneut, die SNB besitze Devisen und Gold im Wert von 120 Milliarden Franken. Finanziert wurde dieses Vermögen durch Giroguthaben der Banken. Der Wert des Vermögens falle auf 100 Milliarden Franken.

    Nun möchte die SNB ihre ausstehende Notenbankgeldmenge vermindern; mit anderen Worten, sie möchte Ihre Schulden bei den Banken in Form von Giroguthaben reduzieren.

    Dazu gibt es nur einen Weg: Die SNB muss – ich wiederhole – sie muss Vermögen verkaufen, sei es Gold oder Devisen. Es gibt absolut keinen anderen Weg.

    Verkauft nun die SNB ihr sämtliches Vermögen, so kann sie damit den Banken aber lediglich noch hundert Milliarden Giroguthaben zurückzahlen. Es fehlen der SNB 20 Milliarden. Die SNB ist Konkurs.

    Angenommen, sie wolle für den Anfang lediglich 12 Milliarden Giroguthaben zurückzahlen. Besitzt sie ihr Vermögen in Euros, so muss sie 12 Milliarden Euros verkaufen, um 12 Milliarden Franken Giroguthaben zurückzuzahlen. Das Ende ist absehbar: Besitzt die SNB 10 Gläubigerbanken und sie will in der Folge alle auszahlen, so muss sie 10 mal 12 Milliarden Euros verkaufen, um ihre Gesamtschulden bei allen Banken zurückzuzahlen. Das wären 120 Milliarden Euros.

    Das kann die SNB aber nicht: Sie besitzt nur 100 Milliarden Euros. Die hat sie zu 120 Milliarden Franken gekauft. Nach einem Kurszerfall des Euros auf eins zu eins sind diese 100 Milliarden Euros nur noch 100 Milliarden Franken wert.

    Es fehlen der SNB 20 Milliarden – die SNB ist Konkurs.

    Was folgt daraus?

    Sobald das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich fällt. Müssen die Gläubigerbanken sofort den Konkurs der SNB beantragen. Denn zahlt sie die Giroguthaben zum Wert von 100 Prozent zurück, so werden die beiden letzten Banken nichts mehr erhalten, die ersten zehn Banken würden aber zu hundert Prozent entschädigt.

    Das ist rechtswidrig.

    Deshalb fordere ich das Direktorium der SNB hier auf, nun endlich einzuräumen, dass die SNB bei negativem Eigenkapital ihre Bilanz SOFORT zu deponieren hat, ansonsten sie das ganze Bankensystem in den Abgrund reisst.

    SNB-Präsident Prof. Dr. Thomas Jordan hat in seinem Referat vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel gesagt, die SNB sei auch bei negativem Eigenkapital voll handlungsfähig. Der Bundesrat hat in seiner Antwort auf die SVP-Motion diese Behauptung übernommen.

    Das ist falsch: Bei negativem Eigenkapital ist die SNB nicht mehr handlungsfähig. Ich bitte SNB-Direktorium und Bundesrat, ihre falsche Behauptung nun endlich zurückzunehmen.

    Gedankengang 9

    Angenommen, die SNB besitze 120 Milliarden Franken in Euros und die Giroguthaben der Banken bei der SNB seien ebenfalls 120 Milliarden Franken. Nun falle der Wert des SNB-Vermögens auf 100 Milliarden Franken. Zudem steigen die Zinsen in der Schweiz beispielsweise auf 10 Prozent p.a.

    Nun können es sich die Banken nicht mehr leisten, 120 Milliarden Franken zinslos bei der SNB zu halten. Die Opportunitätskosten sind zu hoch.

    Sie wollen ihre Giroguthaben bei der SNB deshalb reduzieren. Sie dürfen das. Gemäss Nationalbankgesetz Artikel 18 darf die SNB lediglich 4 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten der Banken als Mindestreserven einfordern. Gemäss dem neuesten statistischen Monatsheft betragen die Giroguthaben der Banken aber mehr als das 21-fache der momentan geforderten Mindestreserven.

    Es gibt kein Gesetz, welches den Banken verbietet, ihre Giroguthaben bei der SNB auf den Mindestreservesatz zu reduzieren.

    Mit anderen Worten: Die Banken können die SNB dazu zwingen – ich wiederhole – die Banken können die SNB zwingen, Vermögen zu veräussern. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Vermögen aus Euro, Dollars oder Gold besteht. Um Giroguthaben abzubauen, muss die SNB Vermögen verkaufen.

    Die Behauptung von SNB-Chef Jordan in seinem oben erwähnten Vortrag, die SNB müsse den Banken für Giroguthaben lediglich Schweizerfranken Banknoten übergeben, ist somit fern der Realität.

    Zudem dürften die Banken die aufgezwungene Annahme von Banknoten verweigern – insbesondere im Ausmass von zweistelligen oder gar dreistelligen Milliardenbeträgen.

    Gedankengang 10

    Angenommen, 10 europäische Investoren überweisen auf je eine Schweizerbank 10 Milliarden Euros und geben den Auftrag, diese in Franken umzuwechseln und auf ihre Schweizerfrankenkonto bei den entsprechenden Banken zu überweisen. Angenommen zudem, die SNB suche Euros zwecks Stützungskäufen.

    Die Euros werden deshalb der SNB verkauft zum Kurs von 1.20. Da die SNB nicht mit eigenem Vermögen bezahlen kann, geht sie gegenüber jeder der betreffenden Schweizerbanken ein Schuldverhältnis ein, indem sie jeder Bank ein Giroguthaben von 12 Milliarden Franken gutschreibt.

    Die 10 Investoren besitzen jetzt also ein Vermögen von 12 Milliarden Franken bei ihrer Schweizer Bank. Diese haben eine Schuld gegenüber ihren Investoren von je 12 Milliarden Franken und ein Guthaben bei der SNB von je 12 Milliarden Franken.

    Die SNB hat ihrerseits eine Schuld gegenüber jeder dieser Schweizer Banken von 12 Milliarden Franken und ein Vermögen von 10 Milliarden Euro, das 12 Milliarden Franken entspricht.

    Zusammen hat die SNB jetzt also 120 Milliarden Franken Vermögen, angelegt in 100 Milliarden Euro sowie 120 Milliarden Franke Schulden gegenüber den 10 Schweizerbanken.

    Nehmen wir an, die SNB habe ihr Euro-Vermögen angelegt auf ihren Konten bei 10 verschiedenen Zentralbanken im Europäischen System der Zentralbanken.

    Nun falle der Euro auf eins zu eins. Das Vermögen der SNB ist also insgesamt nur noch 100 Milliarden Franken wert, während ihre Schulden bei den 10 Schweizerbanken 120 Milliarden Franken betragen.

    Angenommen, die Europäischen Investoren möchten nun ihre Gewinne auf ihren Schweizerfranken realisieren und wieder in Euro anlegen.

    Sie geben also ihren Banken den Auftrag, ihre je 12 Milliarden Franken in Euro zu wechseln.

    Deshalb müssen die Banken sich an die SNB wenden und sagen, sie möchten gerne ihre Giroguthaben bei der SNB abbauen. Die SNB solle ihre Frankenguthaben in Euros wechseln und ihren Konten bei den entsprechenden europäischen Zentralbanken im System der europäischen Zentralbanken gutschreiben.

    Nun ist die SNB in Not. Warum? Die Banken erwarten beim Wechselkurs von eins zu eins je 12 Milliarden Euros, zusammen also 120 Milliarden Euros, die sie überwiesen erhalten. Die SNB hat aber nur 100 Milliarden Euros. Die SNB ist Konkurs. Illiquide in Euros.

    Gedankengang 11:

    Gehen wir von einem weiteren Beispiel aus: Angenommen von den Banken im vorhergehenden Beispiel möchte vorerst nur eine einzige Bank ihre Franken in Euros umwechseln. Ihre Schweizerbank geht nun zur SNB und sagt: Die SNB solle ihr Euros verkaufen zum Kurs von eins zu eins; d.h. sie solle ihr 12 Milliarden Euros gutschreiben (überweisen, geben).

    Die SNB sagt: Unser Chef, Herr Jordan hat gesagt: Niemand kann von uns etwas anderes verlangen als Franken. Wir wechseln deshalb keine Euros.

    Das einzige, was die Bank erhalte für Franken, seien Franken – nichts als Franken. Die Forderung der Bank gegenüber der SNB sei in Franken. Nie und nimmer in Gold oder Euros. Punkt.

    Was kann die Schweizerbank A jetzt tun? Da sie nur Schweizerfranken von der SNB erhält, sagt sie ihrem Kunden, es sei ihr nicht möglich, sein Frankenguthaben in Euros zurückzutauschen. Der Kunde solle seine Schweizerfranken beziehen. Allein das könne er.

    Der Kunde lässt sich also seine Schweizerfranken auf Schweizerbank B überweisen, das darf er. Die Giroguthaben der Banken bei der SNB werden dadurch insgesamt nicht reduziert. Bank A hat keine Giroguthaben mehr bei der SNB, dafür Bank B jetzt doppelt so viele.

    In den Büchern der SNB hat nur ein Passivtausch stattgefunden von Bank A zu Bank B.

    Nun will der europäische Investor seine 12 Milliarden Franken bei Bank B in Euro umtauschen. Bank B geht zur SNB. Erneut nichts zu machen. Die Forderung gegenüber der SNB laute in Franken. Punkt.

    Der europäische Investor geht zu Bank C usw.

    Da die SNB nicht bereit ist, Euros zu verkaufen, folgt, dass einmal in Franken umgewechselte Euros nie mehr zurückgewechselt werden dürften.

    Da sie nicht mehr rücktauschbar sind, müssen sie zum ehemaligen Kaufkurs berechnet werden. D.h. sie sind in diesem Fall um 20 Prozent zu wertberichtigen (tiefer zu bewerten, abzuschreiben).

    Was ist die Konklusion? Wäre die Behauptung der SNB korrekt, dass die Forderungen ihr gegenüber nur in Franken lauten, so wäre die Konsequenz, dass Kapital, das vom Ausland in der Schweiz in Franken angelegt worden ist, nie mehr ins Ausland zurückfliessen könnte.

    Die SNB würde damit den Kapitalverkehr zwischen Europa und der Schweiz unterbinden. Sie verstösse damit gegen die bilateralen Verträge.

    Gedankengang 12:

    Ich bitte die SNB-Direktion, es in Zukunft tunlichst zu unterlassen, irreführende Behauptungen zu verbreiten wie beispielsweise:

    „die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“

    oder

    „die SNB kann nicht Konkurs gehen“

    oder

    „die SNB muss ihre Bilanz bei negativem Eigenkapital nicht hinterlegen“

    oder

    „die Banken müssen ihre Guthaben bei der SNB bei negativem Eigenkapital der SNB nicht wertberichtigen“

    oder

    „die SNB ist auch bei negativem Eigenkapital jederzeit voll handlungsfähig“

    oder

    „die SNB kann aufgrund ihres Banknotenmonopols sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen.

    oder

    „die SNB kann Geld, sprich Vermögen, sprich Eigenkapital aus dem Nichts erschaffen“

    undsoweiter undsofort…

    Die SNB sollte ihr geldpolitisches Konzept endlich einmal seriös überdenken und entsprechend korrigieren und den Mut haben, dazu zu stehen.

    Die SNB spielt mit der Schweiz – nur um ihr eigenes Gesicht nicht zu verlieren.

    • Hallo Herr Dr. Meyer!

      Jetzt haben wir Ihre Gedanken schön komprimiert in einem Beitrag. Besten Dank.
      Leider führen Ihre Gedanken zu Falschaussagen.

      Ein Beispiel, Sie schreiben (Gedankengang 10):
      „Nun ist die SNB in Not. Warum? Die Banken erwarten beim Wechselkurs von eins zu eins je 12 Milliarden Euros, zusammen also 120 Milliarden Euros, die sie überwiesen erhalten. Die SNB hat aber nur 100 Milliarden Euros. Die SNB ist Konkurs. Illiquide in Euros.“

      Nein, die SNB ist nicht in Not. Sie ist auch nicht illiquide in Euro, weil sie niemanden Euro schuldet.

      Die SNB kann den Geschäftsbanken gerne die gewünschten Euro auf dem Devisenmarkt besorgen, die Geschäftsbanken bekommen die Euro aber nicht zu einem Wunschpreis, sondern zu dem Marktpreis.
      Eine bedeutende Order verändert diesen Marktpreis sofort.

      Ihre eigenen Euro verkauft die SNB nur dann, wenn sie es möchte, keinesfalls deshalb, weil die Geschäftsbanken Euro haben möchten.

      Weitere Beispiele für Ihre Falschaussagen folgen später.

      Freundliche Grüße!

  3. Sehr geehrter Herr Stöcker

    Nochmals Danke für Ihre Links.

    Dem Link „Aus zwei mach eins“ entnehme ich, dass die Bank of England entscheidende Argumente aus meinem Beitrag „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung“ entnommen hat ohne Zitat oder Quellenangabe.

    Das ist bedenklich und enttäuschend.

    MfG

    Marc Meyer

  4. @ Der Praktiker

    Das schlussfolgere ich aus den Vorträgen von Prof. Huber aus dem Jahre 2012, in denen er immer wieder auf die Seigniorage fokussiert obwohl es diese in einem Kreditgeldsystem heute so nicht mehr gibt. Zu den Widersprüchen von Vollgeld und MMT verweise ich auf die folgenden Beiträge und Diskussionen:
    http://soffisticated.wordpress.com/2012/10/31/vollgeldspielereien/
    http://soffisticated.wordpress.com/2013/04/07/das-vergangene-marchen-der-seigniorage/
    http://soffisticated.wordpress.com/2013/08/26/mmt-1/
    http://soffisticated.wordpress.com/2013/08/28/mmt-2/
    http://soffisticated.wordpress.com/2014/04/09/inside-und-outside-money-aus-zwei-mach-eins/

    Falls Sie diesen Blog noch nicht kennen sollten, empfehle ich Ihnen zum Einstieg: http://soffisticated.wordpress.com/42-das-grose-ganze-und-so/ Hier schreibt (nach meiner nicht maßgeblichen Einschätzung) der aktuelle Geldsystem-Meister.

    Meine eigenen Vorschläge zu einer Reform unseres Geldsystems führen übrigens in letzter Konsequenz in der sehr langen Frist zu einem Vollgeldsystem; allerdings aus anderen Gründen als bei den Vertretern des Vollgeldes (http://zinsfehler.wordpress.com/2013/10/13/neun-masnahmen-fur-ein-europa-in-frieden-freiheit-und-wohlstand/).

    Es gibt einige weitere Gründe, weshalb die Vorstellungen hinsichtlich der Vorzüge vom Vollgeld an der Wirklichkeit scheitern. Aber dafür fehlt mir im Moment leider die Zeit. Lesen Sie sich erst einmal in die von mir verlinkten Seiten ein, sofern Ihnen diese hilfreich und nützlich erscheinen. Antworten können bei mir auch schon einmal mehrere Tage dauern; klassische Budgetrestriktion.

    LG und ein schönes Wochenende
    Michael Stöcker

    • @ Michael Stöcker
      Der entscheidende Irrtum.der Vollgeldinitianten liegt darin, dass sie eine Geldemission als eine Kreditgewährung des Geldemittenten anstatt eine Kreditaufnahme interpretieren.
      MfG
      Marc Meyer

    • Lieber Herr Stöcker,

      Besten Dank für die Infos die ich sehr Interessant finde. Ich werde mir das unter die Lupe nehmen und dann versuchen meine Gedanken mitzuteilen. Für den Augenblick soviel:

      Unter den Kritikern des bestehenden verzinsten Schuld-Geldsystems kristallisieren sich zurzeit drei wesentliche Strömungen heraus: die Befürworter einer freien Marktwährung und die Befürworter Vollgelds und fließenden Geldes. Alle Alternativen zur Alternativlosigkeit der Politik haben gegenüber dem herrschenden System den entscheidenden Vorteil gemeinsam:

      Der Staat, also der Steuerzahler muss nicht mehr für Geld, welches private Geldmonopolisten aus dem Nichts schöpfen, Zinsen bezahlen.

      Das Vollgeldsystem will nicht „die Kreditvergabe über welchen Weg auch immer kontrollieren“. Das ist ein grundlegendes Missverständnis!! Das Vollgeldsystem würde Kreditvergabe und Geldschöpfung trennen, das ist der springende Punkt.

      Ich persönlich plädiere für ein System des fliessendes Geldes, bin mir aber bewusst, dass die Umsetzung schwieriger wäre.

      Befürworter (ich halte nichts davon) einer freien Marktwährung betrachten das fließende Geld-Vollgeld, die ja schließlich einer staatlichen Regulierung unterliegt, als nicht mit dem Freiheitsbegriff vereinbar. Sie wünschen sich eine absolute Freiheit der Märkte, die dadurch gewährleistet werden soll, dass es kein gesetzliches Zahlungsmittel gibt, sodass Marktkräfte dafür sorgen können, dass sich automatisch die ideale Währung etabliert.

      Eine solche Selbstregulierung ist bekannt aus der Regelungstechnik. Sie funktioniert in vielen technischen Systemen, jedoch nur unter der Bedingung, dass es darin keine positive Rückkopplung (Exponentialfunktion) gibt. Die Kapitalverteilung in einer Gesellschaft reguliert sich jedoch leider nicht von selbst. Wo schon viel ist, kommt immer mehr hinzu, mit der Folge, dass immer schneller immer noch mehr hinzukommt. Zins und Zinseszins sorgen dafür, dass dies solange geschieht, bis es zu Konflikten kommt, die es in der Geschichte leider schon viel zu oft und mit verheerenden Folgen gab.

      Die Freiheit der grenzenlosen Vermehrung von Kapital und Macht führt zu Herrschaft.

      Grüsse und schöne Woche
      Der Praktiker

  5. Nachtrag IX

    Bitte zeichnen Sie 2 Konten: SNB und Geschäftsbanken.

    Tragen Sie in beiden beidseitig CHF 120 Mrd. ein.

    Nun falle der Euro auf 1:1.

    Dadurch verringert sich die Aktivseite in SNB-Bilanz auf CHF 100 Mrd.

    In beiden Konti müssen deshalb die CHF 120 Mrd. auf 100 Mrd. reduziert werden.

    Das ist der unumstössliche Beweis, dass sich negatives Eigenkapital der SNB eins zu eins auf die Geschäftsbanken überträgt.

    • Leider kein Beweis vorhanden.

      Weil die SNB auch bei negativem Eigenkapital immer noch alle Franken-Forderungen der Geschäftsbanken erfüllen kann, brauchen die Geschäftsbanken auch keine Wertberichtigungen durchzuführen.

      Und nur Franken können die Geschäftsbanken fordern, wenn sie ein Giroguthaben, lautend auf Franken, halten.

      Kein Gold, keine Euro, keine Dollar.
      Einfach nur Franken können die Geschäftsbanken von der SNB fordern.

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      vermutlich können wir mit den folgenden Zeilen einen Missverständnis aus dem Weg räumen hinsichtlich „Geld aus dem Nichts“. In einigen Punkten glaube ich Ihren Standpunkt zu verstehen.

      Mit Verlaub:

      Für die sogenannte Geldschöpfung „aus dem Nichts“ benötigt die Bank einen Schuldner mit Sicherheiten, der diese der Bank für den Kredit verpfändet. Daher ist die Aussage womöglich irreführend, dass die Bank das Geld „aus dem Nichts“ schaffen würde, denn sie braucht dafür die Sicherheiten des Kreditnehmers, nur eben keine gesparten Gelder anderer Bankkunden. Im Prinzip ist die Buchgeldschöpfung ein ganz privates Geschäft zwischen der Bank und ihrem Schuldner, das Buchgeld ist eine Forderung des Kreditnehmers an die Bank. Die Bank prüft und beglaubigt mit dem Kreditvertrag die Sicherheiten des Kreditnehmers stellvertretend für die gesamte Ökonomie, in der dieser Kreditnehmer dann mit dem Buchgeld der Bank zahlen kann, und kümmert sich um die Tilgung. Ganz grundsätzlich ist aber der Vorgang der Buchgeldschöpfung nur eine Verbriefung der haftenden Sicherheiten des Kreditnehmers, resultierend in umlauffähigem Geld. Man könnte sich die Bank auch einfach als Notar vorstellen, der dem Eigentümer eines Grundstücks im Wert von:

      z. B. 2 Mio. Geld, der 1 Mio. Geld für irgendeine Zahlung benötigt, die entsprechende Besicherung auf 1 Mio. umlauffähigen Geldzetteln bescheinigt: „Dieser Zettel hat den Wert von 1 Geld besichert mit dem Grundstück (Adresse, Besitzer etc.)“. Weil das zu umständlich wäre, tragen Geschäftsbanken für den Kredit Buchgeld auf dem Kundenkonto ein und zahlen dem Kreditnehmer auf Wunsch auch Zentralbanknoten aus, die sich die Bank gegebenenfalls zur Auszahlung für den Kunden von der Zentralbank leiht.

      Wenn mit Geld “bezahlt” wird, dann wird im Prinzip eine Forderung übertragen. Die Tilgung einer durch Kauf entstandenen Verbindlichkeit kann immer nur durch einen Kauf des Gläubigers bei einem Schuldner erfolgen, so dass sich die beiden Forderungen aufheben. Solange der Gläubiger, der Geld verdient hat, dieses Geldvermögen spart (egal ob bar oder auf einem Konto oder als Anleihe), kann die Schuld nicht wirklich getilgt, sondern nur auf einen anderen Nachschuldner übertragen werden. Zahlt jemand seine Schuld mit Bargeld, ist der Nachschuldner die Zentralbank. Überweist jemand das Geld, ist der Nachschuldner die Geschäftsbank. Durch Bezahlen erlischt nur mikroökonomisch die Schuld des jeweils Bezahlenden, makroökonomisch hat sich an den Schulden = Geldvermögen damit nichts geändert.

      Banken können auch direkt zum Beispiel Gold oder Wertpapiere ankaufen und dem Verkäufer den Kaufbetrag auf sein Konto gutschreiben. Auch hier handelt es sich um eine Geldschöpfung, es entsteht Buchgeld. Weder für die Kreditvergabe noch für den Ankauf von Edelmetall oder Wertpapieren (oder einer Kiste Sekt für den Bankdirektor) durch die Gutschrift von Buchgeld auf dem Kundenkonto ist die Bank von vorher eingezahlten Kundengeldern abhängig.

      Kunden können ihre Guthaben auf eine andere Bank überweisen oder bar auszahlen lassen. Bei einer Überweisung an eine andere Bank, muss die Bank für den Betrag der Zentralbank oder direkt dieser anderen Bank Zinsen zahlen. Will der Kunde sein Geld bar, dann muss die auszahlende Bank sich das Bargeld von der Zentralbank gegen Zins leihen. Die Zentralbank kann keiner Bank das mit den üblichen Sicherheiten geforderte Bargeld verweigern, weil vielleicht die „Geldmenge“ damit eine künstliche Begrenzung übersteigen würde, sondern die Notenbank müsste den Leitzins erhöhen, bis weniger Bargeld nachgefragt wird. Es gibt also keine Geldmengenpolitik, sondern nur Zinspolitik, was auch immer die VWL-Professoren den Studenten einreden.
      Grüsse
      Der Praktiker

  6. @Leserinnen und Leser

    Anonyme und/oder beleidigende Kommentare beantworte ich ab sofort definitiv nicht mehr.

    Ich bitte um Verständnis

    Marc Meyer

  7. Aus zeitlichen Gründen ist es mir in den beiden nächsten Wochen leider unmöglich, hier weiter zu diskutieren.

    MfG

    Marc Meyer

  8. Der fundamentale Fehler geht auf Keynes zurück. Er hat Liquidität als Aktivum der Zentralbank interpretiert und damit den Grundstein zu den vielen Missverständnissen gelegt. Diesen Fehler will ich richtigstellen.

    Lieber Herr Meyer,

    ich schätze viele Ihrer Beiträge und Kommentare sehr, da Sie die Fehler in unserem Geldsystem offen ansprechen und die z. T. irrigen Vorstellungen der Neoklassik aber auch der Zentralbanken zum Thema Geld und Kredit sauber herausarbeiten. Aber hier unterliegen Sie meines Erachtens einem fundamentalen Irrtum. Liquidität ist aus Sicht von Nichtbanken Giralgeld (Buchgeld/GB-Geld) und Bargeld (ZB-Geld). Diese beiden Geldformen befinden sich auf der Aktivseite einer Bilanz und stellen somit (Geld)Vermögen dar. Auf der Passivseite findet sich niemals Geld; auch nicht bei einer ZB.

    Ein Vermögensposten kann niemals die Bilanzseite wechseln. Von daher kann Geld also auch nicht auf der Passivseite einer Bilanz landen. Da die Buchhaltung ein in sich konsistentes System ist, dass natürlich auch für Zentralbanken gilt, kann also ebenfalls vom Ursprung her ZB-Geld nur von der Aktivseite kommen.

    Die Verwirrung entsteht dadurch, dass die Zentralbanken die korrespondierende Passivposition in ihrer Bilanz als Bargeldumlauf bezeichnen. Daraus zu schlussfolgern, dass Liquidität ein Passivum sei, ist aber ein semantischer Kurzschluss. Tatsächlich gibt diese Position in der ZB-Bilanz doch lediglich Auskunft darüber, dass auch tatsächlich ZB-Geld/SCHULDgeld ausgeliefert wurde. Schulden finden sich auf der Passivseite wieder. Als Gegenleistung gibt es die abgetretenen Sicherheiten aus der (hoffentlich soliden) Kreditvergabe der Geschäftsbanken.

    ZB-Geld ist aber erst dann ZB-Geld, wenn es die ZB verlassen hat. Solange die Scheine im Bunker der ZB liegen, sind sie kein Geld sondern ausschließlich bedrucktes Papier/Zettel. Und dieses Papier verlässt erst dann die ZB, wenn ihr die Forderung übertragen wurde. Da Zentralbanken aber keine Kredite vergeben, sondern dies die Aufgabe von Geschäftsbanken ist, wird somit zugleich implizit die Schuld auf die ZB übertragen. Geld ist eben immer ein Schuldgeld. Da die Summe allen Geldvermögens aber immer nahe Null ist, ändern sich die Vermögensverhältnisse der ZB nicht. Die ändern sich erst dann, wenn die Banken an die ZB die Zinsen aus den Repogeschäften etc. zahlen (Dass schon das Drucken von Geld ein erfolgswirksamer Vorgang sei, daran glauben höchstens die Vollgeldjünger).

    Bei Fremdwährungen ist dies natürlich etwas anderes. Die Währungsreserven befinden sich selbstverständlich explizit auf der Aktivseite. Am Beispiel von Devisen wird nun vollends klar, dass Liquidität ein Aktivum der ZB ist.

    Für ein besseres Verständnis sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir mit der Einführung von Zentralbanken in einem zweistufigen Geldsystem leben. Auf der obersten Hierarchieebene gibt es das ZB-Geld. Dieses Geld kommt aber erst dann ins Spiel, wenn Geschäftsbanken einen Kredit vergeben haben und der Kunde entweder auf Barauszahlung besteht oder aber er eine Überweisung auf ein Konto bei einer anderen Bank tätigt und die empfangende Bank den entstehenden Saldo nicht wieder kreditiert (Eine detaillierte Beschreibung finden Sie hier: http://zinsfehler.wordpress.com/2014/04/01/geldmythen/).

    Ohne Bargeldverkehr und mit vollständiger vertrauensvoller Kreditierung benötigen wir eigentlich kein/kaum ZB-Geld, gäbe es da nicht die Mindestreserve. Ist das Vertrauen unter den Banken dahin (Finanzkrisen sind immer Vertrauenskrisen), dann steigt der Bedarf an ZB-Geld stark an. Buchgeld 2. Ordnung wird dann nämlich verstärkt in ZB-Geld 1. Ordnung transformiert. Eine ZB-kann zwar formell überschuldet sein, aber eben niemals zahlungsunfähig werden. Da bin ich ganz auf der Seite von Herrn Kastner. Hier kann dann ausnahmsweise mal eine Passivposition die Seite wechseln. Dauerhaft sollte allerdings auch bei einer ZB das Eigenkapital nicht auf der Aktivseite stehen, da dies Ausdruck einer unsoliden Kreditvergabe seitens der Geschäftsbanken ist, die ex post durch die Zentralbank goutiert wird und bei persistenter Übertreibung letztlich immer zu einer Währungsreform führen wird. In Krisenzeiten wird den Geschäftsbanken bzw. der Politik nur Zeit zur Konsolidierung eingeräumt. Die ZB kann zwar Liquidität gewähren, aber niemals Rentabilität. Lässt sich Rentabilität nicht wieder herstellen, dann muss abgewickelt werden. Und davor drücken sich seit 6 Jahren die politischen (Nicht)akteure.

    Die von Ihnen thematisierten Devisenmarktinterventionen der SNB werden dann zu einem Problem, wenn der Wechselkurs von der KKP nach unten hin abweicht (Overshooting). Dies ist wohl beim CHF so, nach Einschätzung der SNB und auch anderer Beobachter. Sichtbares Zeichen, dass diese Einschätzung nicht ganz falsch ist, ist der rege Einkaufstourismus im grenznahen Bereich zu Deutschland.

    Selbstverständlich gibt es bei hohen Devisenreserven ein Risiko in der ZB-Bilanz, da man nun abhängig ist von der (geld)politischen Entwicklung in anderen Ländern (China kann ein Lied davon singen). Will man dies nicht, so muss man dafür Sorge tragen, dass es nicht zu dauerhaften LB-Überschüssen kommt; denn die sind letztlich das eigentliche Problem. In Deutschland manifestieren sich diese Ungleichgewichte in den Targetsalden. Die unterliegen zwar keinem wechselkursbedingten Abwertungsrisiko aber dafür einem dauerhaften Schuldenmoratorium.

    Wie man’s dreht und wendet, es sind die Ungleichgewichte auf nationaler und internationaler Ebene, die sich in den aufgeblähten ZB-Bilanzen widerspiegeln. Auf internationaler Ebene kann man dies durch Goldkäufe kompensieren, sollte sich aber bewusst sein, dass die Duckschen Goldspeicher lediglich eine moderne Spielart des Tanzes ums goldene Kalb sind. Hohe LB-Überschüsse sind doch in der Regel vielmehr Ausdruck nationaler Ungleichgewichte, die aufgrund zu geringer Lohnerhöhungen gerade auch bei den unteren Einkommensgruppen zu einer immer schwächeren inländischen Nachfrage geführt haben. Hier ist der Hebel anzusetzen, unterstützt durch mehr Investitionen in inländische Infrastruktur, regenerative Energie, Bildung und Kultur. Man kann sich natürlich auch an Devisenreserven und/oder am Glanz des Goldes ergötzen.

    LG Michael Stöcker

    • Sehr geehrter Herr Stöcker,

      Sie schreiben u.a. Zitat:

      (Dass schon das Drucken von Geld ein erfolgswirksamer Vorgang sei, daran glauben höchstens die Vollgeldjünger).

      Zitat Ende.

      Gestatten Sie mir, einen Vorbehalt in Form einer Frage:

      Wie sind Sie auf diese ultimative Schlussfolgerung gestossen? Das würde mich interessieren.

      Besten Dank im Voraus und Grüsse
      Der Praktiker

    • @Michael Stöcker
      Besten Dank
      Bundesrat:“Die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“
      SNB druckt Notenbankgeld. Dieses als Liquidität der SNB zu bezeichnen ist falsch, da Passivum der SNB.
      MfG
      M.Meyer

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      Wie gesagt, die SNB wird nicht Banknoten drucken. Vielmehr wird er Kantone und Bund zwingen können – schliesslich haben diese die SNB über Jahre hinweg via Dividenden, Goldverkäufen kanibalisiert – Kapital einzuschiessen. Woher diese entsprechende Mittel erhalten, ist klar; die Oeffentliche Hand wird sich bei den Investoren bedienen.

      Fazit:

      Die Schulden der Nationalbank werden sich verkleinern, jene von Bund, Kantonen und Gemeinden vergrössern.

      Das ist nunmal in einem Schuldgeldsystem nicht anders möglich!
      Grüsse
      Der Praktiker

    • @Michael Stöcker
      Danke
      Korrekt heisst es:
      Keynes hat Notenbankgeld fälschlicherweise als als Liquidität der ZB interpretiert.Ein Passivum kann aber nicht als Liquidität bezeichnet werden.
      MfG
      Marc Meyer

  9. @Lieber Hardy, Der Student,

    Sie schreiben Zitat:

    Herr Dr. Meyer: Schreiben Sie nochmal einen kurzen Kommentar zur Liquidität und setzen Sie den nach ganz oben. Dann reden wir Klartext zur Liquidität, auch über die Liquidität der SNB, denn da schwächeln Sie auch noch etwas.

    Zitat Ende.

    Bevor ich auf die Tequila-Buchhaltung des Herrn Dr. Meyer eingehe, insbesondere Liquität folgendes:

    Wenn die SNB Euros – diese existieren bereits – kauft, dann schreibt sie den Banken den entsprechenden Gegenwert in Schweizerfranken CHF gut. Dabei handelt es sich um EUR-Beträge, welche von den Geschäftsbanken NICHT gehalten werden wollen; sie gehen kein Wechselkursrisiko ein und verschwinden aus der Bilanz. Schritt 1: Kunden verkaufen den Banken EUR gegen CHF. Schritt 2: Banken verkaufen EUR für die sie kein Wechselkurs-Risiko übernehmen wollen an die SNB.

    Wie ich schon X Male gesagt habe, nimmt die SNB keine Kredite auf. Die entsprechenden Guthaben rühren von der Risikoaversität der Geschäftsbanken her. Beim aufgeführten Unsinn handelt es sich um die Irrlehre nach Herr Dr. Marc Meyer.

    Beispiel Mindestreserve auf welche ich noch immer eine Antwort des Herrn Dr. Meyer warte.

    Die Bank leiht CHF 100’000 an ihren Kunden aus, und MUSS daher eine Mindestreserve von CHF 10’000 bei der SNB auf ihrem Girokonto hinterlegen. Die CHF 10’000, stellen die Mindesreserve dar. Sie werden von der SNB der Bank gegen diskontierte Wertschriften, Kauf von Devisen, zeitlich begrenzte REPO- und Swap-Transaktionen oder ähnlichem auf deren Girokonto gutgeschrieben. Eine Bank kriegt NICHTS umsonst. Aus diesem Grund verlängert sich die Bilanz der SNB. Bei der Bank hat diese Transaktion keinen Einfluss, die Bilanz verlängert sich nicht. Sie verlängert sich lediglich um die Differenz des Kreditbetrages von CHF 100’000 abzüglich der Mindestreserve bei der SNB.

    Herr Dr. Meyer schreibt folgendes:

    Wenn die SNB die Geldmenge um 10‘000 Franken ausdehnt, so gewährt sie der Bank nicht einen Kredit von 10‘000 Franken, sondern sie nimmt bei der Bank einen Kredit von 10‘000 Franken auf.

    Zitat Ende.

    Lieber Hardy, Der Student spätestens hier, sollte auch einen Lernresisten Student klar werden, dass es sich dabei nie und nimmer um einen Kredit handeln kann. Hier handelt es sich bestenfalls um Wortklaubereien von Ignoranten.

    Der Terminus ist; die Nationalbank stellt den Banken Liquidität zur Verfügung!. Dies erfolgt immer mit einer Gegenleistung der Bank.

    Herr Dr. Meyer fährt dann mit seiner Irrlehre fort, indem er schreibt Zitat:

    Selbst wenn die SNB der Bank einen Kredit von 10‘000 Franken gewährte, so stellte das Fremdkapital der Bank dar. Bank könnte deshalb nicht 10 Prozent des Notenbankkredits als Reserve zurückbehalten, da Reserven Eigenkapital und nicht Fremdkapital sind.

    Zitat Ende.

    Der Buchungssatz für die Bank bezüglich Transaktion mit der SNB für CHF 10’000.– lautet: 1) Forderungen Banken und Kunden AN Wertschriften 2) Girokonto AN Mindestreserve.

    Lieber Hardy, bedenken Sie immer, dass sämtliche Überlegungen des Herrn Dr. Meyer und anderen bezahlten Wissenschaftlern und Publizisten damit verbunden sind, denn Menschen ja nicht die Frage in den Sinn kommen zu lassen:

    Welche Gegenleistung die Steuerzahler eigentlich für den Zinsdienst bekommen?.

    Die Zinsen und Rettungspakete sind also der Preis dafür, dass der Staat kein eigenes Geldsystem hat, sondern die Zahlungsmittel nutzt, welche vom privaten Bankensystem produziert werden, dennselben der Herr Dr. March Meyer aus der Thematik gezielt ausklammert!. Solange dieses Thema vollständig aus der Politik und aus der veröffentlichten Diskussion herausgehalten wird, bleibt das Wachstum von Staatsverschuldung und Steuerlast systembedingt bestehen – egal wie sehr man an allen Ausgaben (außer an den Zinsen) spart.

    Wir Schweizer wurden mit der EUR-Anbindung über Nacht enteignet! Sind die Gründe Monokausal? Können Sie mit einem Buchungssatz erklärt werden? Ist die SNB dafür verantwortlich?
    Grüsse
    Der Praktiker

    • Hallo Praktiker!

      Sie schreiben:
      „Schritt 1: Kunden verkaufen den Banken EUR gegen CHF. Schritt 2: Banken verkaufen EUR für die sie kein Wechselkurs-Risiko übernehmen wollen an die SNB.“

      Die SNB kauft Euro(anlagen), wenn sie es für angebracht hält. Die Geschäftsbanken können der SNB keine Euro aufzwingen.

      Sie schreiben weiter:
      „Wie ich schon X Male gesagt habe, nimmt die SNB keine Kredite auf. Die entsprechenden Guthaben rühren von der Risikoaversität der Geschäftsbanken her. Beim aufgeführten Unsinn handelt es sich um die Irrlehre nach Herr Dr. Marc Meyer.“

      Wenn eine Geschäftsbank ein Giroguthaben bei der SNB hält, dann gewährt die Geschäftsbank der SNB einen Kredit.
      Das ist keine Wortklauberei, das ist auch keine Irrlehre des Dr. Meyer, das ist vielmehr Fakt.

      Entscheidend ist bei der SNB, dass die SNB auf diesen Kredit nicht angewiesen ist, da die SNB jederzeit das Geschuldete, die Franken, auszahlen kann.
      Eine Geschäftsbank kann nicht jederzeit Franken auszahlen, eine Geschäftsbank kann in Franken illiquide werden.

      An einigen Stellen trifft Hr. Dr. Meyer sehr präzise Aussagen, an manchen Stellen schwächelt er noch.

      Freundliche Grüße!

    • Hallo Hardy, der Student,

      Sie schreiben Zitat:

      Die SNB kauft Euro(anlagen), wenn sie es für angebracht hält. Die Geschäftsbanken können der SNB keine Euro aufzwingen.

      Zitat Ende.

      Richtig! Meine Aussagen sind als Antwort an folgendes Zitat von Herrn Dr. Meyer zu interpretieren:

      Die SNB kauft also nicht Euros mit Geld, das sie geschaffen hat, sondern mit Geld, das Herr und Frau Schweizer “geschöpft” und gespart haben. Damit will sie den Franken schwächen.

      Zitat Ende!

      Sie schreiben Zitat:

      Wenn eine Geschäftsbank ein Giroguthaben bei der SNB hält, dann gewährt die Geschäftsbank der SNB einen Kredit.Das ist keine Wortklauberei, das ist auch keine Irrlehre des Dr. Meyer, das ist vielmehr Fakt.

      Zitat Ende.

      In diesem Zusammenhang, weise ich darauf hin, dass Herr Dr. Meyer gebetsmühleanrtig den Standpunkt vertritt, Zitat:

      Die Nationalbank nimmt bei den Schweizer Geschäftsbanken X Milliarden Franken Kredit auf, um damit Euros zu kaufen.

      Zitat Ende.

      Ich bleibe dabei, in diesem Zusammenhang nimmt die SNB keine Kredite auf. Die entsprechenden Guthaben rühren von der Risikoaversität der Geschäftsbanken her.

      Lassen Sie es mir noch weiter präzisiseren:

      Girokonto tragen keinen Zins. Es handelt sich um Guthaben der Banken bei der SNB. Das Geld entstand, weil die Banken wie erwähnt, keine Wechselkursrisiken übernehmen können und auch nicht wollen. Diese praktisch zinslose Liquidität wird von den Banken bei der SNB parkiert, weil die Privatwirtschaft KEINE kurzfristige Mittel nachfragt. Der Einfluss auf die Wirtschaft ist gleich null.

      Hierzu schreibt Herr Dr. Meyer folgendes Zitat:

      Die Girokonten der Banken bei der SNB sind aber Passiven.

      Zitat Ende.

      Zinsen auf Passiven ist der Preis, welcher bezahlt werden muss. Im Gegensatz zu anderen Konti wird für Girokonti KEIN Zins erstattet. Für die Banken handelt es sich bei den Passiven der SNB um Aktiven. Girokonti dienen der Liquiditätssteuerung in normalem Umfeld. Zum Beispiel werden die von den Banken eingeforderten Mindestreserven auf den Girokonti gutgeschrieben.

      Das ist der Grund, weshalb mein erster Kommentar zu diesem Artikel die Gegendarstellung aus Sicht der Mindestreserve behandelte und ich von Herrn Dr. Meyer bis heute keine Antwort erhalten habe.

      Nocheinmal: Die Euro-Anbindung ist einer Enteignung gleichzustellen. Wenn wir die Ursache-Wirkung gemeinsam erörtern wollen, dann müssen viele Faktoren miteinbeziehen, anders geht es nicht.

      Diese Berichterstattung von Herrn Dr. Meyer ist fahrlässig.

      Ich bin kein Freund der SNB und schon gar nicht des Zentralbankensystems, nichtsdestrotzt muss ich nochmals betonen, dass aus meiner Sicht auf der Basis meiner Informationen die SNB nichts verschleiert.

      Die Fremdwährungen werden natürlich im jeweiligen Heimatland angelegt. Eine Währung kann letzlich nur in ihrem Heimatland arbeiten. Nirgendwo sonst. Vorab werden Regierungspapiere gekauft. Eben gerade jene, welche von den Investoren zum Beispiel gegen EUR verkauft worden sind, um diese Gelder dann in CHF zu parkieren, um den Zerfall ihrer Heimwährung nicht mitzumachen. Gesamthaft entsteht also keine Ausdehnung.

      Ich bin der erste der für eine Auflösung dieser absurden Bindung plädiert. Die SNB wird ihre „Schulden“ tilgen, indem sie die wegen ihrer Intervention angehäuften Devisen wegen der einsetzenden Nachfrage wieder verkaufen wird. Der Hintergrund dieser entstehenden Nachfrage kann durch verschiedenste Begebenheiten ausgelöst werden.

      Grüsse
      Der Praktiker

    • Hallo Praktiker!

      Sie schreiben:
      „Ich bleibe dabei, in diesem Zusammenhang nimmt die SNB keine Kredite auf. Die entsprechenden Guthaben rühren von der Risikoaversität der Geschäftsbanken her.“

      Wenn die SNB für die Geschäftsbanken Girokonten führt, dann können die Geschäftsbanken die SNB zur Kreditaufnahme zwingen.
      Die Kreditaufnahme der SNB besteht, wenn ein positiver Kontostand (aus Sicht der Geschäftsbanken) existiert.
      Gläubiger: Geschäftsbank
      Schuldner: SNB

      Ein Sicht-Schuldverhältnis. Geschuldet werden von der SNB die entsprechenden Franken.
      Die SNB zahlt die Franken, wenn die Geschäftsbank die Zahlung verlangt.

      Die Gründe, wie das Giroguthaben der Geschäftsbanken zustande kam, sind dabei unerheblich.

      Freundliche Grüße!

  10. „Die Geschäftsbanken wiederum schreiben es ihrerseits den Pensionskassen gut (das heisst, diese schulden es den Banken), welche es letztlich den Pensionären zu gegebener Zeit “gutschreiben”.“

    Mir scheint, da ist der Herr Meyer auch mal reingefallen. Es sollte wohl heissen, diese schulden es den Pensionskassen.

    • @wi.aerne

      Sehr geehrter Herr Aerne

      Es freut mich ausserordentlich, dass Sie diesen Fehler von mir gefunden haben. Es ist tatsächlich so, dass ich mich dort verschrieben habe.

      Diesen Fehler habe ich erst später einmal gesehen. Ich habe dann aber keine Korrigenda mehr geschrieben, weil es sich lediglich um einen Klammerausdruck handelt und der Fehler schon lange zurücklag. Ich dachte, das würde die Leute noch mehr verwirren, wenn ich darauf zurückkomme. Da habe ich mich offensichtlich geirrt.

      Deshalb freut es mich umso mehr, dass Sie jetzt darauf zu sprechen kommen. Es zeigt, dass meine Texte offenbar doch genau gelesen werden.

      Und wenn Sie so genau lesen, kann es nicht anders sein, als dass Sie die Fehler der Nationalbank auch erkennen.

      Es ist mir kein anderer Fehler mehr bekannt, der in meinen Kommentaren stünde.

      Ansonsten bitte ich Sie oder die anderen Leserinnen und Leser, mir dies hier auch mitzuteilen.

      Nochmals besten Dank und freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Hallo Herr Dr. Meyer!

      Sie schreiben:
      „Es ist mir kein anderer Fehler mehr bekannt, der in meinen Kommentaren stünde.“

      Das ist wirklich harter Tobak, es wimmelt in Ihren Kommentaren/Beiträgen von Falschaussagen.

      Leider argumentieren Sie von einem falschen Fundament aus, und das führt zu haarsträubenden Aussagen von Ihnen.

      Sie halten die Franken-Scheine für Banknoten, das ist Ihr falsches Fundament.
      Die Franken-Scheine sind aber die Franken selbst, der Halter von Franken-Scheinen hat an niemanden eine Franken-Forderung, sondern er hat Franken. Franken aus Papier.

      Die SNB erklärt ausdrücklich und unmissverständlich, dass sie für die Franken-Scheine nichts geben wird. Punkt.

      Es ist mir völlig unverständlich, wie Sie diese offensichtliche Tatsache ignorieren können.

      Die Franken sind die Liquidität, wenn es um Franken-Forderungen geht. Mit Franken kann auch die SNB die gegen sie gerichteten Franken-Forderungen der Banken endgültig erfüllen. Hat die SNB Franken ausgezahlt, dann hat die SNB bei denjenigen, die nun die Franken halten, keine Schulden mehr.

      Sie haben sich mit dem Banknoten-Märchen in die Irre leiten lassen.

      Bitte, denken sie noch einmal in Ruhe darüber nach.

      Freundliche Grüße!

    • @Hardy, der Student

      Sie sind ein Student, der nichts lernen will…

      Wenn die SNB nichts gegen Franken hergeben müsste, wie Sie und die SNB behaupten, so wäre Notenbankgeld nicht in Euro umtauschbar. D.h. die Banken könnten wohl Euro gegen Franken wechseln bei der SNB, aber nicht mehr zurückwechseln.

      So ist das bei Zentralbanken in den Bananenrepubliken – oder am Amazonas (gemäss ihrer Amazonasbuchhaltung…)

      In diesem Fall könnten die Banken von einem Kursanstieg ihrer Frankenpositionen bei der SNB gegenüber dem Euro nicht profitieren.

      Die Frankenguthaben bei der SNB müssten deshalb entsprechend tiefer bewertet werden (eben weil man damit keinen Kursgewinn erwirtschaften kann).

      Und zudem: Ihre Behauptung, Franken-Scheine seien keine Banknoten können Sie dem „Fährimaa“ erzählen; so sagen wir das in Basel (gibt es am Amazonas eine ähnliche Redensart?)

      Obwohl Sie hier gegen mich schon seit bald zwei Jahren „wettern“, haben Sie immer noch nicht offengelegt, ob sie nun den Mindestkurs als riskant betrachten oder nicht.

      Vielleicht sollten Ihre Beiträge hier etwas konkreter werden.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • Hallo Herr Dr. Meyer!

      Das „Zurückwechseln“ der Franken in Euro läuft über den Devisenmarkt. Die SNB verkauft ihre eigenen Euro(anlagen) nur dann, wenn die SNB das möchte.
      Mit Bananenrepubliken hat das nichts zu tun.

      Herr Kastner hat Ihnen das doch bereits ausführlich dargestellt.

      Wenn die SNB 400 Milliarden Euro(anlagen) hat, dann behält sie diese auch dauerhaft, wenn die SNB das möchte.
      Und wenn die SNB möchte, dann verkauft sie diese Aktiva.

      „Spekulanten“, die Euro gegen Franken gekauft haben, können Kursgewinne über den Devisenmarkt realisieren, bei nennenswerten Beträgen beeinflusst das aber wieder den Kurs.
      Da können sich auch fix Kursverluste ergeben.

      Es gibt keinen „Wunschkurs“, so wie Sie das hier mehrfach dargestellt haben.

      Sie schreiben:
      „Die Frankenguthaben bei der SNB müssten deshalb entsprechend tiefer bewertet werden (eben weil man damit keinen Kursgewinn erwirtschaften kann).“

      Entschuldigung, aber das ist wieder grober Unfug.
      Wenn in Franken bilanziert wird, dann werden 100 Franken mit 100 Franken bewertet, ebenso wird ein 100 Franken-Guthaben bei der SNB mit 100 Franken bewertet.

      Sehen Sie denn wirklich nicht, dass Ihre Aussage haarsträubend ist?
      Solche haarsträubenden Aussagen durchziehen Ihre Beiträge wie ein roter Faden.

      Ein anderes Beispiel dazu ist, dass Sie Giroguthaben der Banken bei der SNB mit der Mindestreserve gleichsetzen.

      Schreiben Sie nochmal einen kurzen Kommentar zur Liquidität und setzen Sie den nach ganz oben. Dann reden wir Klartext zur Liquidität, auch über die Liquidität der SNB, denn da schwächeln Sie auch noch etwas.

      Erst wenn bei den Basics Einvernehmen herrscht, ist es aus meiner Sicht sinnvoll, weitergehende Problematiken zu diskutieren, z.B., ob der Mindestkurs sinnvoll ist.

      Freundliche Grüße!

  11. @Alle Leserinnen und Leser

    Sehr verehrte Leserinnen und Leser

    Diese Diskussion hier zu meinem Gastbeitrag geht nun ihrem Ende entgegen.

    Abschliessend möchte ich hier nochmals die acht Nachträge zusammengefasst „posten“, die ich während der Diskussion verfasst habe.

    Die Nachträge schrieb ich jeweils, wenn ich während der Diskussion den Eindruck hatte, ich sollte den einen oder anderen Punkt noch etwas genauer Ausführen.

    An dieser Stelle möchte ich allen Kommentatoren danken für ihre Beiträge, die mich dazu angeregt haben, meine Standpunkte noch etwas deutlicher darzulegen.

    Ich hoffe, mit dieser Diskussion einen Beitrag geleistet zu haben, damit Geldtheorie und Geldpolitik etwas verständlicher werden und dass die Schweizer Bürgerinnen und Bürger besser verstehen, in welch grosser Gefahr die Schweizer Volkswirtschaft sich befindet angesichts des Mindestkurses und der Drohung, diesen „unbeschränkt“ durchzusetzen.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    @Nachtrag I

    Verwirrung um den Begriff: „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen.“

    Es zeigt sich, dass ein weiteres Missverständnis geklärt werden muss, welches aus oberflächlichen bzw. ungenauen und sogar falschen Äusserungen unserer Nationalbank hervorgeht.

    In seiner Rede vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel, 27. September 2011, S.5 sagte SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan unter den Titeln „Zentralbanken sind auch mit negativem Eigenkapital handlungsfähig“ sowie „Zentralbanken haben kein Liquiditätsproblem“:

    Zitat:
    „Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann.“
    Zitat Ende

    Dieser Satz ist äusserst trügerisch und irreführend.

    Ich versuche, dies hier zu begründen:

    Zuerst müssen wir uns die Frage stellen, was heisst der Ausdruck:

    „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen“

    Daraus geht ganz klar hervor, dass sämtliche Zahlungsverpflichtungen als Summe abgebaut werden. Bilanztechnisch gesprochen bedeutet das, dass das Fremdkapital auf der Passivseite der Bilanz verringert wird.

    Das ist nur möglich, wenn gleichzeitig auf der Aktivseite genügend liquides Vermögen vorhanden ist, so dass die Aktivseite analog der Passivseite verringert werden kann.

    Die SNB behauptet also, sie könne ihr liquides Vermögen selber herstellen durch Emission von Notenbankgeld und somit sämtliche Zahlungsverpflichtungen jederzeit abbauen.

    Der Bundesrat formuliert es so: „Die SNB kann nicht illiquid werden in Franken“ (Antwort des Bundesrates auf SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank“)

    Aus diversen Kommentaren im Blog hier oder in ehemaligen Blogs zum Thema wie auch aus Kreisen der SNB verlautet immer wieder folgendes Argument:

    Die SNB kann nicht zahlungsunfähig werden. Sie ist jederzeit zahlungsfähig in Franken. Dazu wird beispielweise der folgende Fall geschildert:

    Angenommen, die UBS möchte ihre Giroguthaben bei der SNB (Mindestreserven) vermindern. Zu diesem Zweck erteilt sie den Auftrag, dass ihr Guthaben bei der SNB beispielsweise auf das Konto der CS bei der SNB transferiert wird.

    Was ist die Folge: Es ist tatsächlich so, dass damit die Mindestreserven der UBS bei der SNB vermindert wurden. Dafür besitzt jetzt die CS entsprechend mehr Mindestreserven bei der SNB. Die Summe der Mindestreserven der Banken bei der SNB insgesamt wurde dadurch jedoch nicht verringert. Es liegt lediglich ein Passivtausch in der Bilanz der SNB vor.

    Diesen Passivtausch kann man nie und nimmer als Abbau von Schulden bezeichnen.

    Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel zum Vergleich aus dem täglichen Leben:

    Angenommen, ein junger Mann kaufe sich ein Velo für 1000 Franken. Er hat nun eine Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Velo-Verkäufer.

    Nun kann er auf die Bank gehen und dort eine 1000er Note abheben und diese dem Verkäufer bringen.

    Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Er besitzt ein Vermögen von mindestens 1000 Franken bei der Bank und er hebt diese 1000 Franken ab. Oder: Er hat kein Geld auf dem Konto, überzieht dies aber um 1000 Franken.

    In beiden Fällen kommt der Jüngling seiner Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Veloverkäufer nach. Im ersten Fall hat er überhaupt keine Schuld mehr. Im zweiten Fall jedoch besitzt er eine neue Schuld bei der Bank. Er hat einfach die Schuld beim Verkäufer gegen eine Schuld bei der Bank eingetauscht.

    Wenn nun unser Notenbank-Präsident an einem Vortrag behauptet, die SNB könne jederzeit „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen“, so geht aus dieser Aussage hervor, dass dadurch die Gesamtschulden der SNB vermindert werden. Es wird angenommen, dass dadurch die Passivseite der SNB-Bilanz verkürzt wird.

    Wenn aber die Giroguthaben der einen Bank einfach zu Giroguthaben einer anderen werden, so ist das kein Abbau der Zahlungsverpflichtung der SNB, sondern lediglich eine Umschichtung der SNB-Schulden, ein Passivtausch.

    Angenommen, die SNB kaufe nun wie angedroht weiter unbeschränkt Devisen, bis sie 1.2 Billionen davon besitze. Trotzdem falle der Euro auf eins zu eins. Angenommen, die ausländischen institutionellen Investoren wollen nur ihre Gewinne realisieren. Also Folge davon wollen die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB insgesamt abbauen.

    Die Mindestreserven als Summe können aber nur vermindert werden, wenn die SNB über genügend liquides Vermögen verfügt. Das liquide Vermögen der SNB besteht aus Devisen und Gold. Dieses Vermögen muss die SNB nun verkaufen. Die SNB muss, ich wiederhole, sie muss Devisen verkaufen. Nur so können die Mindestreserven abgebaut werden.

    Aufgrund der Tieferbewertung der Devisen, entspricht deren Wert aber nur noch nur 1 Billion Franken. Es fehlen der SNB somit 200 Milliarden Euro.

    Die SNB ist Konkurs. Sie kann den Banken deren Mindestreserven von 1.2 Billionen nicht mehr zurückerstatten.

    Als Folge davon gehen die Banken Konkurs.

    Nachtrag II

    Ein weiterer gravierender Irrtum bezüglich des Ausdrucks:
    „Giroguthaben sind nicht einforderbar“

    Ein weiteres irreführendes Missverständnis geht aus folgender Behauptung der SNB hervor:

    „Giroguthaben … sind … nicht … einforderbar“ (siehe Vortrag von SNB-Chef Prof. Dr. Jordan, Statistisch Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel, 27. September 2011, S. 5)

    Wir alle wissen: Wen jemand eine Banknote besitzt, so kann er nicht zur Notenbank gehen und sagen, er möchte gerne ein Stück Gold gegen die Banknote eintauschen.

    Kann davon aber abgeleitet werden, dass die Nationalbank nicht verpflichtet ist, Devisen zu verkaufen, wenn die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB abbauen wollen?

    Nein, das kann keineswegs daraus abgeleitet werden.

    Gemäss Artikel 18 des Bundesgesetzes über die Nationalbank darf die SNB von den Banken nicht mehr als 4 Prozent von deren kurzfristigen Verbindlichkeiten als Mindestreserven einfordern.

    Aus dem aktuellsten Statistischen Monatsheft der SNB geht hervor, dass die Banken zurzeit mehr als den 21-fachen Betrag der geforderten Mindestreserven bei der SNB in Form von Giroguthaben parkieren.

    Wäre nun die Behauptung von SNB-Chef Jordan korrekt, wonach die Giroguthaben nicht eingefordert werden dürfen, so würde das heissen, dass die Banken diese nicht aus eigener Initiative abbauen dürfen.

    Das ist nicht korrekt. Die Banken dürfen ihre Mindestreserven insgesamt bei der SNB abbauen. Ansonsten müsste es einen Gesetzesartikel im Nationalbankgesetz geben, der in etwa besagt:

    „Die Banken dürfen überschüssige Mindestreserven, die sie einmal bei der SNB angelegt haben nicht mehr einfordern“.

    Einen solchen Gesetzesartikel gibt es aber nicht.

    Also gilt: Die Banken dürfen überschüssige Mindestreserven in Form von Giroguthaben bei der SNB jederzeit auf den gesetzlich festgesetzten Mindestbetrag reduzieren. D.h. Giroguthaben sind einforderbar. Deshalb sind es ja „Guthaben“.

    Zu diesem Zweck muss die SNB Devisen verkaufen. Es gibt keine andere Möglichkeit.

    Daraus folgt wiederum:

    Die SNB ist verpflichtet, Devisen zu verkaufen, wenn die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB insgesamt abbauen wollen (nähere Erläuterungen dazu unter Nachtrag I).

    Nachtrag III

    Schadet ein starker Franken der Schweizer Exportindustrie?

    Panikartig führte die SNB nach dem sogenannten „Franken-Rütli“ den Mindestkurs ein. Begründung: Der starke Franken gefährde die Schweizer Exportindustrie. Stimmt das?

    Schadet der starke Franken der Schweizer Exportindustrie oder ist dieser nicht vielmehr das Resultat der starken Exportindustrie?

    Der Dollar fiel seit 1974 von 4.30 auf 0.89 Franken. Hätte die SNB bei z.B. CHF 2 Franken interveniert vor 20 Jahren. Denken Sie, die SNB hätte Erfolg gehabt? Ich bezweifle das.

    Heute exportiert die Schweiz aber mehr Güter in die USA als je zuvor.

    Alle Währungen im Umfeld der Schweiz sind in den vergangenen Jahrzehnten gefallen:

    Alter französischer Franc,
    Neuer Französischer Franc,
    Italienische Lira,
    Spanische Peseta,
    Griechische Drachmen,
    Holländischer Gulden,
    Englisches Pfund,
    Deutsche Mark

    Und und und

    Weshalb sollte nun ein Verbund von solchen Währungen gegenüber dem Franken plötzlich steigen?

    Wenn ein Stein ins Wasser fällt, so fällt auch ein Bündel von Steinen.

    Warum steigt der Franken kontinuierlich?

    Die Schweiz hat gute Produkte (Konsum- und Investitionsgüter). Diese Güter müssen in Schweizerfranken bezahlt werden. Die grosse Nachfrage nach Schweizerfranken führt somit zu einem steigenden Franken.

    Wenn Sie ein Haus besitzen – verkaufen Sie dann dieses Haus lieber zu einem hohen oder zu einem tiefen Preis?

    Daraus folgt: Die hohe Nachfrage nach Schweizergütern wird früher oder später zu einem höheren Franken führen.

    Und wir können froh sein, wenn wir den Franken teuer verkaufen können – nicht billig.

    Das einzige Schlimme an der Sache sind nun aber die leider völlig unnötigen Euro-Käufe unserer Nationalbank. Damit bekämpft die SNB die eigene Volkswirtschaft.

    Möglicherweise hat die SNB unsere Schweiz mit diesem katastrophalen Mindestkurs bereits an die EU verscherbelt.

    Nachtrag IV

    Verwirrung bezüglich des Begriffs „Liquidität“:

    „die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“

    Das behauptet der Bundesrat in seiner Antwort auf die SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank.“ (curia vista)

    Dieser Ausdruck ist äusserst trügerisch und irreführen.

    Was bedeutet „Liquidität“?

    Je nachdem, wie „liquide“ ein Vermögenswert ist, kann man mit diesem einer Zahlungsverpflichtung nachkommen – eine Schuld abbauen.

    Bei Liquidität handelt es sich somit ex definitione – immer um Vermögen. Je liquider ein Vermögenswert ist, desto weiter oben wird er verbucht auf der Aktivseite einer Bilanz.

    Die liquiden Vermögenswerte der Nationalbank bestehen jedoch aus Devisen (Euro, Dollar, Yen usw.) sowie aus Gold. Die SNB hat praktisch nur liquide Vermögenswerte, die in Fremdwährung denominiert sind.

    Was bedeutet nun der Ausdruck „liquide in Schweizerfranken“?

    Dieser Ausdruck ist ein Widerspruch in sich selbst. SNB und Bundesrat bezeichnen offensichtlich Notenbankgeld als „Liquidität“ der SNB. Sie bezeichnen die SNB-Passiven als „Liquide Mittel der SNB“. Das ist falsch. Nur Aktiven können „liquide“ sein – nicht Passiven.

    Aufgrund dieses Fehler wird suggeriert, dass die SNB durch die Emission von Banknoten Liquidität, sprich Vermögen aus dem Nichts schaffen könne. Vermögen aus dem Nicht wäre aber Eigenkapital, da zusätzliches Vermögen ohne zusätzliche Schulden ein zunehmendes Eigenkapital bedeutet.
    Gehen wir nochmals zurück auf das einfache Beispiel des Kaufs eines Velos durch einen jungen Mann, wie es im Nachtrag II zur Sprache kam:

    Wenn eine Jüngling ein Velo kauft für 1000 Franken, so schuldet er dem Verkäufer 1‘000 Franken. Hat er auf der Banken ein Vermögen von 1000 Franken, so kann er eine 1000er Note abheben und damit sein Velo bezahlen. Sein Vermögen bei der Bank reduziert sich damit um 1000 Franken.

    Besitzt er kein entsprechendes Vermögen, so kann er möglicherweise sein Konto überziehen, sofern er eine Überziehungslimite besitzt. Oder er kann mit einer Kreditkarte bezahlen. In diesem Fall kann er ebenfalls eine 1000er Note beziehen und diese dem Verkäufer übergeben. Allerdings hat er damit seine Gesamtschuld nicht abgebaut. Er hat lediglich seine Schuld gegenüber dem Verkäufer eingetauscht gegen eine Schuld gegenüber der Bank.

    Durch das Eingehen dieser neuen Schuld hat er sich liquide Mittel in Form einer Tausendernote beschafft. Diese neue Schuld per se stellt aber keine „Liquidität“ dar. Sie ist lediglich das Mittel, sich Liquidität zu verschaffen.

    Die Möglichkeit des Jünglings, sein Girokonto bei der Bank zu überziehen heisst nicht, dass sein Girokonto, das jetzt im Minus ist, per se „Liquidität“ darstellt. Nein, das ist eine Schuld des jungen Mannes.

    Genauso verhält es sich mit der Nationalbank. Wenn die Giroguthaben der Banken bei der SNB sich vergrössern, so heisst das, die SNB überzieht ihr Konto bei den Banken. Sie geht bei diesen ins Minus. Damit kommt sie ihrer Zahlungsverpflichtung nach, die sie mit dem Kauf der Devisen eingegangen ist.

    Giroguthaben der Banken bei der SNB stellen somit keineswegs „Liquidität in Schweizerfranken“ aus Sicht der Nationalbank. Sie sind Schulden der Nationalbank in Schweizerfranken gegenüber den Banken.

    Die Liquidität der SNB besteht aus Devisen.

    Die Frage muss noch beantwortet werden, weshalb die SNB ihr Konto bei den Banken mit dermassen hohen Beträgen überziehen darf.

    Der Grund liegt darin, dass die Banken davon ausgehen, dass die Steuerzahler für die SNB letztlich garantieren.

    Wenn SNB und Bundesrat also behaupten, die SNB könne nie illiquide werden in Franken, so wäre das vergleichbar mit einem älteren Bruder, der zu seinem jüngeren Bruder sagt: Komm, wir kaufen ein mit dem Konto des Vaters. Da ist immer Geld drauf. Dieses Konto ist nicht überziehbar.

    Bundesrat und SNB sollten erkennen: Durch die Emission von Notenbankgeld stellt die SNB nicht liquides Vermögen her – sie überzieht lediglich ihr Konto bei den Banken.

    Die Gesamtschuld der SNB kann diese nicht vermindern durch Emission von Notenbankgeld, wie die SNB und der Bundesrat behaupten.

    Die SNB kann ihre Gesamtschulden gegenüber den Banken nur reduzieren, wenn sie Devisen verkauft. Wenn aber der Wert der Devisen in Franken geringer ist als die Schuld der SNB in Franken, so ist die SNB Konkurs. Die SNB kann ihre Gesamtschulden nicht mehr bezahlen.

    Entweder müssen die Steuerzahler dann einspringen oder die Banken müssen den entsprechenden Betrag abschreiben und könnten deshalb Konkurs gehen.

    Nachtrag V

    Die SNB kann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

    In seinem Vortrag vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel (29. September 2011) argumentierte SNB-Chef Pro. Dr. Thomas Jordan:

    Zitat:
    „Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann.
    Dieser Unterschied zu privaten Unternehmen ist ganz entscheidend.“

    Zitat Ende

    Nachfolgend möchte ich ein Beispiel zeigen, wie es sehr wohl geschehen kann, dass die SNB ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.

    Angenommen, die Banken besitzen insgesamt 1.2 Billionen Giroguthaben (Mindestreserven) bei der SNB. Das sind Schulden der SNB in Franken.

    Nun falle der Euro auf eins zu eins gegen Franken. Die europäischen Investoren und die Banken möchten ihre Devisengewinne realisieren und verkaufen deshalb ihre Franken-Guthaben bei der SNB.

    Sie geben der SNB den Auftrag, zulasten ihrer Giroguthaben bei der SNB, ihnen Euros auf ihre Konti beispielsweise bei der Bank von Spanien gutzuschreiben.

    Angenommen, die SNB habe mit den 1.2 Billionen Franken-Schulden 1 Billion Euro-Guthaben gekauft.

    Nachdem der Kurs auf eins zu eins gefallen ist, haben also die Banken das Recht, dass die SNB ihnen insgesamt 1.2 Billionen Euros überweist.

    Unsere SNB hat aber nur 1 Billion Euro.

    Die SNB kann ihren Zahlungsverpflichtungen somit nicht nachkommen. Es fehlen ihr 200 Milliarden Euro.

    Die Behauptung von SNB-Chef Jordan, die „SNB könne ihre Liquidität selber schaffen“ ist nicht korrekt, weil die SNB keine Euros schaffen kann.

    Unsere SNB ist damit Konkurs.

    SNB-Chef Jordan behauptete in demselben Referat auch, Giroguthaben seien nur gegen Banknoten austauschbar. Das stimmt ebenfalls nicht.

    Giroguthaben sind gegen Devisen austauschbar. Sie müssen es sein. Denn würde die SNB sich weigern, Euros zu verkaufen, so könnten die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB nicht mehr abbauen.

    Könnte somit Schweizer Notenbankgeld nicht mehr in Euro umgetauscht werden, wie dies aus den Äusserungen von Herrn Jordan hervorginge, so würde die SNB damit den Kapitalverkehr zwischen der Schweiz und dem Ausland blockieren.

    Wenn Schweizer Notenbankgeld (Giroguthaben der Banken bei der SNB) nicht mehr konvertierbar wäre in Euro, so müssten diese Giroguthaben von den Banken entsprechend wertberichtigt werden (minus 20 Prozent).

    D.h. das Bankensystem erleidet hohe Verluste und könnte teilweise auch Konkurs gehen – je nachdem, wie viele Giroguthaben die einzelnen Banken der SNB gewährt haben.

    Nachtrag VI

    Insolvenz der SNB in 12 Punkten einfach erklärt

    Punkt eins:
    Die Mindestreserven der Banken bei der SNB betragen mehr als das 21-fache der gesetzlich vorgeschriebenen Menge. Die Banken haben somit das Recht, ihre Mindestreserven bei der SNB von sich aus zu reduzieren.

    Punkt zwei:
    Die Mindestreserven können nur abgebaut werden, wenn die SNB Devisen verkauft.

    Punkt drei:
    Angenommen, die Mindestreserven in Form von Giroguthaben der Banken bei der SNB betragen 1.2 Billionen Franken. Damit habe die SNB 1 Billionen Euro gekauft (Kurs 1.2). Nun falle der Kurs des Euro auf eins zu eins. Resultat: Der Wert der Devisenanlagen der SNB fällt von 1.2 auf 1 Billion Franken.

    Punkt vier:
    Da sich das Vermögen der SNB auf der Aktivseite der Bilanz von 1.2 auf 1 Billionen reduziert hat, sind die Schulden auf der Passivseite von 1.2 Billionen nur noch mit einer Billion gedeckt. Konklusion: Die Banken müssen ihre Guthaben bei der SNB von bisher 1.2 Billionen Franken auf 1 Billion wertberichtigen. Das führt zu Verlusten von 200 Milliarden Franken bei den kreditgebenden Banken und kann deren Konkurs bedeuten.

    Punkt fünf:
    Die Banken wollen ihre Mindestreserven bei der SNB von 1.2 Billionen zurückfordern. Das ist nur möglich, wenn die SNB ihre Devisenanlagen verkauft.

    Buchungssatz aus Sicht der SNB:

    Giroguthaben der Banken an Devisenanlagen 1.2 Billionen Franken

    Punkt 6:
    Die Banken erteilen der SNB den Auftrag, ihre Mindestreserven in Franken umzutauschen gegen Euros und diese zu überweisen an Zentralbanken in Europa, die im Verbund der EZB sind. Hinter diesem Auftrag stehen u.a. Investoren aus Europa, die ihre Gewinne in Franken mitnehmen möchten.

    Punkt 7:
    Da die Banken bei der SNB 1.2 Billionen Franken in Form von Mindestreserven besitzen, haben sie das Recht, dass ihnen die SNB auf Ihre Konti bei europäischen Zentralbanken 1.2 Billionen Euro überweist (da neuer Kurs eins zu eins).

    Punkt 8:
    Die SNB ist in Not. Die Banken fordern von ihr 1.2 Billionen Euro. Sie besitzt aber nur 1 Billion Euro. Es fehlen der SNB 200 Milliarden Euro. Die SNB ist illiquide in Euro. Sie kann keine Euro drucken.

    Punkt 9:
    Die SNB meint, sie könne in diesem Fall einfach „Geld drucken“ (Jordan) bzw. die Notenbankgeldmenge vergrössern. Damit werde sie zahlungsfähig. Nein, kann sie nicht. Das würde heissen, dass die SNB von den Banken noch mehr Mindestreserven einfordern muss. Dazu hat sie nicht das Recht. Zudem wollen die Banken die Mindestreserven im Gegenteil abbauen. Und die SNB kann logischerweise nicht ihre Schulden bei den Banken abbauen, indem sie noch mehr Schulden bei den Banken in Form von Giroguthaben aufnimmt. Das wäre unlogisch.

    Punkt 10:
    Die SNB ist insolvent. Es kommt zum Konkurs. Der Staat will der SNB einen Kredit von 200 Milliarden geben. Er darf das aber nicht, weil in der Bundesverfassung die Schuldenbremse verankert ist (dieser Betrag wäre eine Verdoppelung der Schulden von Bund Kantonen und Gemeinden zusammen).

    Punkt 11:
    Der Staat versucht, innert Kürze 200 Milliarden Franken Steuergelder einzutreiben, um die SNB zu rekapitalisieren. Unmöglich. Die Banken müssen ihre Guthaben bei der SNB definitiv um 200 Milliarden abschreiben und gehen möglicherweise Konkurs.

    Punkt 12:
    Es besteht die Gefahr dass die Schweiz nun der EU beitreten will, um einen tiefen Frankenkurs bzw. hohen Eurokurs von 1.20 auszuhandeln. Dadurch wäre die Schuld der SNB beseitigt.

    Konklusion: Die Schweiz wird aufgrund der geldtheoretischen und geldpolitischen Fehler der SNB an die EU verscherbelt.

    Nachtrag VII

    Bewertung der Giroguthaben bei negativem Eigenkapital der SNB – SNB hat Bilanz bei negativem Eigenkapital sofort zu hinterlegen!

    Unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) behauptet, im Falle von negativem Eigenkapital seien die Giroguthaben der Banken bei der SNB von den Banken unverändert mit 100 Prozent zu bewerten. 100 Franken seien immer 100 Franken wert.

    Hier möchte ich jedoch zeigen, dass die Giroguthaben der Banken bei der SNB im Falle von negativem Eigenkapital der SNB entsprechen zu wertberichtigen sind.

    Dies kann anhand von zwei Überlegungen dargestellt werden:

    Erste Überlegung:

    Angenommen, die Banken besässen bei der SNB Giroguthaben im Gesamtwert von 1.2 Billionen Franken (nicht unrealistisch, da die SNB ja „unbeschränkt“ Euros kaufen will.) Mit diesen 1.2 Billionen Franken habe die SNB 1 Billion Euro gekauft zum Kurs von 1.2.

    Beide Seiten der Bilanz der SNB betragen jetzt 1.2 Billionen Franken. Auf der Aktivseite Devisenanlagen im Wert von 1.2 Billionen Franken und auf der Passivseite die Giroguthaben mit demselben Wert.

    Die Banken ihrerseits bilanzieren ihre Guthaben bei der SNB in ihren eigenen Bilanzen ebenfalls mit 1.2 Billionen Franken. Die Bewertung in den Büchern der Banken muss mit der Bewertung bei der SNB übereinstimmen.

    Angenommen, der Euro breche jetzt nach unten aus und falle auf eins zu eins. Der Wert der Devisenanlagen der SNB fällt damit von 1.2 auf 1 Billionen Franken. Weil die Aktivseite der SNB-Bilanz also nur noch 1 Billion Franken wert ist, können auch nur noch 1 Billion Franken auf der Passivseite bilanziert werden.

    Wenn nun die Passivseite der SNB-Bilanz 1 Billion Franken beträgt, so müssen die Banken ihre Guthaben bei der SNB ebenfalls entsprechend wertberichtigen und dürfen die 1.2 Billionen nominale Franken-Guthaben bei der SNB nur noch mit 80 Prozent bewerten. D.h. die Banken müssen 200 Milliarden Franken abschreiben. Real sind die Guthaben der Banken bei der SNB also auch nur noch 1 Billion Franken wert.

    Es widerspräche Obligationenrecht und Aktienrecht, wenn die Banken ihre Guthaben bei der SNB höher bewerteten, als diese real wert sind.

    Jedes Wertpapier hat einen Nominalwert und einen Realwert – auch Notenbankgeld. Bei Banknoten drückt sich der tiefere Wert in der tieferen Kaufkraft aus. Giroguthaben verlieren entsprechend den Banknoten ebenfalls an Wert, indem sie prozentual tiefer einzusetzen sind in der Bilanz der Gläubigerbanken.

    Selbst wenn die Banken ihre eigenen Kapitalgeber irreführen würden, indem sie ihre Guthaben bei der SNB nicht wertberichtigen, so würde diese Überwerbewertung von den Kapitalgebern früher oder später dennoch bemerkt. Das würde dann zu einer entsprechenden abrupten Tieferbewertung der Bankaktien führen (Bankaktiencrash).

    Zweite Überlegung

    Angenommen, beim obigen Beispiel wollten die Banken ihre Giroguthaben bei der SNB reduzieren.

    Wenn beispielsweise sämtliche Banken ihre Mindestreserven bei der SNB (Giroguthaben bei der SNB) reduzieren möchten, so gibt es keine andere Möglichkeit, als dass die SNB Devisen verkauft.

    Die UBS kann dann nicht zur CS gehen erwarten, dass die CS ihre Guthaben bei der SNB übernimmt. Auch die CS will ja ihre Guthaben bei der SNB reduzieren. Es gäbe ein Überangebot an Giroguthaben bei der SNB. Deren Preis würde deshalb fallen.

    Angenommen, die Banken geben der SNB also den Auftrag, 1.2 Billionen Franken in Euro zu wechseln (Kurs eins zu ein) und 1.2 Billionen Euro ihrem Konto bei einer Bank im Verbund der europäischen Zentralbanken gutzuschreiben.

    Die SNB ist jetzt in Not: Sie hat nur 1 Billionen Euro und nicht 1.2 Billionen. Die Banken haben aber Anspruch auf 1.2 Billionen, da der Euro im Wert gefallen ist.

    Angenommen, die SNB würde sich auf den Standpunkt setzten, man könne von ihr nicht erwarten, dass sie eine realen Gegenwert wie Euros verkaufe. SNB-Chef Jordan hat ja in seinem Referat „Braucht die SNB Eigenkapital“ argumentiert, Giroguthaben könnten nur gegen Giroguthaben oder Banknoten eingetauscht werden.

    Wäre diese Behauptung richtig, so würde die SNB den Banken, die Euro wechseln wollten, also erklären, dass sie ihre Franken bei der SNB nicht in Euro wechseln können.

    Damit würde die SNB den Kapitalverkehr in Europa drastisch behindern: Man dürfte wohl Euro in Franken wechseln. Aber einmal bei der SNB angelegte Franken dürften somit nicht zurück in Euro gewechselt werden. Unvorstellbar.

    Bananenrepublik – wie sich das die SNB vorstellt.

    Was wäre das Resultat: Schweizer Notenbankgeld könnte demzufolge nicht mehr in Euro zurückgewechselt werden. Kursgewinne auf Notenbankgeld könnten demnach nicht realisiert werden.

    Das hätte zur Folge, dass die Giroguthaben nur zum Kurs von Kurs von 1.2 gewechselt werden könnten, nicht aber zum Kurs von eins zu eins.

    Konklusion: Die Giroguthaben würden im Markt sofort 20 Prozent an Wert verlieren.

    Daraus folgt; Die Banken müssten ihre Guthaben bei der SNB in Franken um 20 Prozent nach unten wertberichtigen.

    Es bleibt somit dabei: Negatives Eigenkapital der SNB würde sich eins zu eins auf die kreditgebenden Banken übertragen.

    Deshalb wäre es korrekt, dass die SNB bei negativem Eigenkapital ihre Bilanz sofort deponiert, um die Gläubigerbanken vor Verlusten zu schützen.

    Nachtrag VIII

    Steuerzahler werden SNB rekapitalisieren müssen

    Im Verlaufe dieser Diskussion wurde argumentiert, die SNB können nicht Konkurs gehen, weil die Steuerzahler das fehlende Kapital einschiessen würden.

    Das widerspricht meiner Argumentation, die SNB können Konkurs gehen, keineswegs, sondern bestätigt diese.

    SNB, Bundesrat und Parlament argumentieren, die SNB könne nicht Konkurs gehen, weil die SNB das Notenmonopol besitze und durch „Geldschöpfung“ sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen könne. Der Bundesrat begründet: „Die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“. Auch diese Aussage wurzelt im Notenmonopol.

    Die SNB argumentiert, sie könne im Falle von negativem Eigenkapital „Geld drucken“ und so die SNB vor einem Konkurs bewahren.

    Das ist nicht korrekt: Ein Konkurs der SNB kann nur abgewandt werden, wenn die Steuerzahler die SNB rekapitalisieren. Das wurde bisher weder von der SNB noch von einem Politiker noch von den Medien erkannt oder zugegeben oder zumindest angesprochen.

    SNB-Chef Jordan argumentiert in seinem Referat „Braucht die SNB Eigenkapital“: Die SNB könne nicht Konkurs gehen, weil sie „Geld drucken“ könne.

    Das entscheidende Wort „Steuerzahler“ kommt in seinem ganzen Referat nicht ein einziges Mal vor.

    Die SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die SNB“ lehnt der Bundesrat ab mit der Begründung, die SNB könne nicht illiquide werden aufgrund des Notenmonopols. Das Wort „Steuerzahler“ kommt auch in der Antwort des Bundesrates nicht ein einziges Mal vor.

    Das Schweizervolk sollte endlich begreifen, dass es im Falle von massiven Verlusten der SNB diese mit Steuern begleichen muss. Das haben die Schweizerinnen und Schweizer noch nicht begriffen. Es gibt nicht einen einzigen Hinweis darauf in den Medien ausser in meinen Beiträgen hier aus Inside Paradeplatz.

    Ein Konkurs der SNB kann somit nur verhindert werden, wenn der Steuerzahler den Fehlbetrag einschiesst. Der Bundesrat verschweigt das, die SNB verschweigt das und das Parlament verschweigt das – und die Medien auch.

    Angenommen, das Schweizervolk wäre sich im Klaren darüber, dass es dereinst für die Schulden der SNB möglicherweise in zweistelliger Milliardenhöhe einspringen muss. In diesem Fall würde es dem Mindestkurs kaum so vorbehaltlos zustimmen mit 97 Prozent, wie das an der GV der SNB der Fall war.

    Die SNB hat „unbeschränkte“ Euro-Käufe angedroht. Damit können die Schulden der SNB auch „unbeschränkt“ ansteigen. Nehmen wir an, die SNB kaufe für 1.2 Billionen Devisen und der Franken steige um 20 Prozent.

    In diesem Fall müssten die Steuerzahler innert kürzester Frist 200 Milliarden Franken zusätzliche Steuern bezahlen. Das entspricht der Höhe der gegenwärtigen Schuld von Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen. Das wäre, als müssten die Steuerzahler sämtliche Staatsschulden mit einem Schlag begleichen. Eine Illusion.

    Der Staat dürfte nicht einen Kredit aufnehmen, um die SNB-Schulden zu begleichen. Das widerspräche der in der Bundesverfassung verankerten Schuldenbremse.

    Und wenn die Steuerzahler dieses Kapital nicht innert nützlicher Frist aufbringen, würde das bedeuten, dass die kreditgebenden Banken Konkurs gehen.

    Ich fasse zusammen:

    Wird das Eigenkapital der SNB negativ, so kann der Konkurs der SNB nur abgewandt werden, wenn die Steuerzahler den Fehlbetrag einschiessen.

    Daraus kann abgeleitet werden:

    Gelingt es Bund und Kantonen nicht, den Fehlbetrag einzuschiessen, so geht die SNB Konkurs.

    • @Horst63

      Sie „posten“ hier auf der Diskussion zu meinem Gastbeitrag au IP einen Link zu einer Talk-Show mit den Herren Friedrich und Weik.

      Bitte lassen Sie mich folgendes klarstellen: Ich habe nichts – aber auch gar nichts – am Hut mit diesen beiden Herren. Ich distanziere mich von der Theorie der beiden. Warum?

      Auch die beiden eloquenten Herren haben nicht begriffen, was Geld ist. Sie plaudern von „billigem Geld der Zentralbanken“ oder von der „Geldschöpfung aus dem Nichts“. Damit geben sie zu verstehen, dass auch sie Geld als einen Aktivkredit des Geldemittenten interpretieren anstatt als einen Passivkredit. Zudem geben sie zu verstehen, dass sie der Buchhaltung nicht kundig sind.

      Ich will das näher erklären: Würden die Zentralbanken tatsächlich die Wirtschaft mit „billigem Geld“ versorgen, wo würde das heissen, dass die Banken Geld zu einem tiefen Zinssatz (eben „billig“) ausleihen. Sie würden also auf ihrem Geld einen Aktivzins, wenn auch tief, einfordern. Geld, Notenbankgeld, müsste demzufolge ein Aktivkredit der Zentralbank sein. Das ist es aber nicht.

      Geld ist und bleibt ein Passivkredit des Geldemittenten.

      Bei der Behauptung, eine Zentralbank könne „Geld aus dem Nichts“ erschaffen, zeigt sich zudem, dass die Grundregeln der doppelten Buchhaltung nicht begriffen wurden.

      Ein Vergleich: Eine Geburtsurkunde kann nur ausgestellt werden wenn ein Kind geboren wurde. Ein Geburtsschein ohne Kind ist nichtig. Genauso ist es in der Buchhaltung: Eine Banknote ohne entsprechenden Gegenwert, ist nichtig.

      Wenn eine Zentralbank eine Banknoten emittieren will, so muss sie dagegen einen Vermögenswert in ihre Bilanz aufnehmen, sei es Gold, seien es Devisen, Staatsobligationen usw. Die Banknoten behalten ihren Wert nur solange, wie der Vermögenswert mit dem entsprechenden Vermögen in der Bilanz des Geldemittenten verbucht ist.

      Wird der Vermögenswert z.B. am Devisenmarkt verspielt, so verliert auch das dagegen emittierte Notenbankgeld seinen Wert, bzw. muss entsprechend abgeschrieben werden (bitte vergleichen Sie die angeführten Nachträge gleich nachfolgend).

      Zudem möchte ich hier noch folgendes klar stellen:

      Es geht hier nicht um „Banken bashing“ oder „SNB bashing“ – nein. Es geht darum, dass die Volkswirtschaftslehre endlich einmal ihre grosse Verantwortung gegenüber der Menschheit wahrnimmt.

      Die irreführende Volkswirtschaftslehre ist u.a. mitverantwortlich am Ausbruch des 2. Weltkrieges oder am „kalten Krieg“, wo zwei unterschiedliche volkswirtschaftliche Lehren einander gegenüberstanden.

      Die Volkswirtschaftslehre hat eine grosse Verantwortung: Scharlatanerie wie „Geld aus dem Nichts schaffen oder schöpfen“ oder „unbeschränkt Euros kaufen“ oder „für die Ewigkeit“ haben hier nichts – gar nichts mehr verloren.

      Besten Dank

      Marc Meyer

  12. Nachtrag VIII

    Steuerzahler werden SNB rekapitalisieren müssen

    Im Verlaufe dieser Diskussion wurde argumentiert, die SNB können nicht Konkurs gehen, weil die Steuerzahler das fehlende Kapital einschiessen würden.

    Das widerspricht meiner Argumentation, die SNB können Konkurs gehen, keineswegs, sondern bestätigt diese.

    SNB, Bundesrat und Parlament argumentieren, die SNB könne nicht Konkurs gehen, weil die SNB das Notenmonopol besitze und durch „Geldschöpfung“ sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen könne. Der Bundesrat begründet: „Die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“. Auch diese Aussage wurzelt im Notenmonopol.

    Die SNB argumentiert, sie könne im Falle von negativem Eigenkapital „Geld drucken“ und so die SNB vor einem Konkurs bewahren.

    Das ist nicht korrekt: Ein Konkurs der SNB kann nur abgewandt werden, wenn die Steuerzahler die SNB rekapitalisieren. Das wurde bisher weder von der SNB noch von einem Politiker noch von den Medien erkannt oder zugegeben oder zumindest angesprochen.

    SNB-Chef Jordan argumentiert in seinem Referat „Braucht die SNB Eigenkapital“: Die SNB könne nicht Konkurs gehen, weil sie „Geld drucken“ könne.

    Das entscheidende Wort „Steuerzahler“ kommt in seinem ganzen Referat nicht ein einziges Mal vor.

    Die SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die SNB“ lehnt der Bundesrat ab mit der Begründung, die SNB könne nicht illiquide werden aufgrund des Notenmonopols. Das Wort „Steuerzahler“ kommt auch in der Antwort des Bundesrates nicht ein einziges Mal vor.

    Das Schweizervolk sollte endlich begreifen, dass es im Falle von massiven Verlusten der SNB diese mit Steuern begleichen muss. Das haben die Schweizerinnen und Schweizer noch nicht begriffen. Es gibt nicht einen einzigen Hinweis darauf in den Medien ausser in meinen Beiträgen hier aus Inside Paradeplatz.

    Ein Konkurs der SNB kann somit nur verhindert werden, wenn der Steuerzahler den Fehlbetrag einschiesst. Der Bundesrat verschweigt das, die SNB verschweigt das und das Parlament verschweigt das – und die Medien auch.

    Angenommen, das Schweizervolk wäre sich im Klaren darüber, dass es dereinst für die Schulden der SNB möglicherweise in zweistelliger Milliardenhöhe einspringen muss. In diesem Fall würde es dem Mindestkurs kaum so vorbehaltlos zustimmen mit 97 Prozent, wie das an der GV der SNB der Fall war.

    Die SNB hat „unbeschränkte“ Euro-Käufe angedroht. Damit können die Schulden der SNB auch „unbeschränkt“ ansteigen. Nehmen wir an, die SNB kaufe für 1.2 Billionen Devisen und der Franken steige um 20 Prozent.

    In diesem Fall müssten die Steuerzahler innert kürzester Frist 200 Milliarden Franken zusätzliche Steuern bezahlen. Das entspricht der Höhe der gegenwärtigen Schuld von Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen. Das wäre, als müssten die Steuerzahler sämtliche Staatsschulden mit einem Schlag begleichen. Eine Illusion.

    Der Staat dürfte nicht einen Kredit aufnehmen, um die SNB-Schulden zu begleichen. Das widerspräche der in der Bundesverfassung verankerten Schuldenbremse.

    Und wenn die Steuerzahler dieses Kapital nicht innert nützlicher Frist aufbringen, würde das bedeuten, dass die kreditgebenden Banken Konkurs gehen.

    Ich fasse zusammen:

    Wird das Eigenkapital der SNB negativ, so kann der Konkurs der SNB nur abgewandt werden, wenn die Steuerzahler den Fehlbetrag einschiessen.

    Daraus kann abgeleitet werden:

    Gelingt es Bund und Kantonen nicht, den Fehlbetrag einzuschiessen, so geht die SNB Konkurs.

  13. Nachtrag VII

    Bewertung der Giroguthaben bei negativem Eigenkapital der SNB – SNB hat Bilanz bei negativem Eigenkapital sofort zu hinterlegen!

    Unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) behauptet, im Falle von negativem Eigenkapital seien die Giroguthaben der Banken bei der SNB von den Banken unverändert mit 100 Prozent zu bewerten. 100 Franken seien immer 100 Franken wert.

    Hier möchte ich jedoch zeigen, dass die Giroguthaben der Banken bei der SNB im Falle von negativem Eigenkapital der SNB entsprechen zu wertberichtigen sind.

    Dies kann anhand von zwei Überlegungen dargestellt werden:

    Erste Überlegung:

    Angenommen, die Banken besässen bei der SNB Giroguthaben im Gesamtwert von 1.2 Billionen Franken (nicht unrealistisch, da die SNB ja „unbeschränkt“ Euros kaufen will.) Mit diesen 1.2 Billionen Franken habe die SNB 1 Billion Euro gekauft zum Kurs von 1.2.

    Beide Seiten der Bilanz der SNB betragen jetzt 1.2 Billionen Franken. Auf der Aktivseite Devisenanlagen im Wert von 1.2 Billionen Franken und auf der Passivseite die Giroguthaben mit demselben Wert.

    Die Banken ihrerseits bilanzieren ihre Guthaben bei der SNB in ihren eigenen Bilanzen ebenfalls mit 1.2 Billionen Franken. Die Bewertung in den Büchern der Banken muss mit der Bewertung bei der SNB übereinstimmen.

    Angenommen, der Euro breche jetzt nach unten aus und falle auf eins zu eins. Der Wert der Devisenanlagen der SNB fällt damit von 1.2 auf 1 Billionen Franken. Weil die Aktivseite der SNB-Bilanz also nur noch 1 Billion Franken wert ist, können auch nur noch 1 Billion Franken auf der Passivseite bilanziert werden.

    Wenn nun die Passivseite der SNB-Bilanz 1 Billion Franken beträgt, so müssen die Banken ihre Guthaben bei der SNB ebenfalls entsprechend wertberichtigen und dürfen die 1.2 Billionen nominale Franken-Guthaben bei der SNB nur noch mit 80 Prozent bewerten. D.h. die Banken müssen 200 Milliarden Franken abschreiben. Real sind die Guthaben der Banken bei der SNB also auch nur noch 1 Billion Franken wert.

    Es widerspräche Obligationenrecht und Aktienrecht, wenn die Banken ihre Guthaben bei der SNB höher bewerteten, als diese real wert sind.

    Jedes Wertpapier hat einen Nominalwert und einen Realwert – auch Notenbankgeld. Bei Banknoten drückt sich der tiefere Wert in der tieferen Kaufkraft aus. Giroguthaben verlieren entsprechend den Banknoten ebenfalls an Wert, indem sie prozentual tiefer einzusetzen sind in der Bilanz der Gläubigerbanken.

    Selbst wenn die Banken ihre eigenen Kapitalgeber irreführen würden, indem sie ihre Guthaben bei der SNB nicht wertberichtigen, so würde diese Überwerbewertung von den Kapitalgebern früher oder später dennoch bemerkt. Das würde dann zu einer entsprechenden abrupten Tieferbewertung der Bankaktien führen (Bankaktiencrash).

    Zweite Überlegung

    Angenommen, beim obigen Beispiel wollten die Banken ihre Giroguthaben bei der SNB reduzieren.

    Wenn beispielsweise sämtliche Banken ihre Mindestreserven bei der SNB (Giroguthaben bei der SNB) reduzieren möchten, so gibt es keine andere Möglichkeit, als dass die SNB Devisen verkauft.

    Die UBS kann dann nicht zur CS gehen erwarten, dass die CS ihre Guthaben bei der SNB übernimmt. Auch die CS will ja ihre Guthaben bei der SNB reduzieren. Es gäbe ein Überangebot an Giroguthaben bei der SNB. Deren Preis würde deshalb fallen.

    Angenommen, die Banken geben der SNB also den Auftrag, 1.2 Billionen Franken in Euro zu wechseln (Kurs eins zu ein) und 1.2 Billionen Euro ihrem Konto bei einer Bank im Verbund der europäischen Zentralbanken gutzuschreiben.

    Die SNB ist jetzt in Not: Sie hat nur 1 Billionen Euro und nicht 1.2 Billionen. Die Banken haben aber Anspruch auf 1.2 Billionen, da der Euro im Wert gefallen ist.

    Angenommen, die SNB würde sich auf den Standpunkt setzten, man könne von ihr nicht erwarten, dass sie eine realen Gegenwert wie Euros verkaufe. SNB-Chef Jordan hat ja in seinem Referat „Braucht die SNB Eigenkapital“ argumentiert, Giroguthaben könnten nur gegen Giroguthaben oder Banknoten eingetauscht werden.

    Wäre diese Behauptung richtig, so würde die SNB den Banken, die Euro wechseln wollten, also erklären, dass sie ihre Franken bei der SNB nicht in Euro wechseln können.

    Damit würde die SNB den Kapitalverkehr in Europa drastisch behindern: Man dürfte wohl Euro in Franken wechseln. Aber einmal bei der SNB angelegte Franken dürften somit nicht zurück in Euro gewechselt werden. Unvorstellbar.

    Bananenrepublik – wie sich das die SNB vorstellt.

    Was wäre das Resultat: Schweizer Notenbankgeld könnte demzufolge nicht mehr in Euro zurückgewechselt werden. Kursgewinne auf Notenbankgeld könnten demnach nicht realisiert werden.

    Das hätte zur Folge, dass die Giroguthaben nur zum Kurs von Kurs von 1.2 gewechselt werden könnten, nicht aber zum Kurs von eins zu eins.

    Konklusion: Die Giroguthaben würden im Markt sofort 20 Prozent an Wert verlieren.

    Daraus folgt; Die Banken müssten ihre Guthaben bei der SNB in Franken um 20 Prozent nach unten wertberichtigen.

    Es bleibt somit dabei: Negatives Eigenkapital der SNB würde sich eins zu eins auf die kreditgebenden Banken übertragen.

    Deshalb wäre es korrekt, dass die SNB bei negativem Eigenkapital ihre Bilanz sofort deponiert, um die Gläubigerbanken vor Verlusten zu schützen.

  14. Etwas vom Besten, was ich bisher dazu gelesen habe. Wenn sich eben Diener ungefragt zu Hausherren emporzuschwingen versuchen; Wirklich unerhört, dass man im Zusammenhang mit der SNB überhaupt von Wertschöpfung sprechen kann. Als betrachtete sich ein Windturbinenbauer als Gott des Windes.

    • @Ecklin

      Danke

      Die SNB kann verglichen werden mit einer Stabstelle in der Wirtschaft. Sie unterstützt die Linie, die Volkswirtschaft.

      Sie tut das, indem sie ein allgemein anerkanntes Zahlungsmittel bereitstellt.

      So wie beispielsweise ein IT-Techniker dafür besorgt ist, dass die Informationswege innerhalb des Unternehmens gut funktionieren.

      Oder wie Oel im Automotor damit der Motor geschmiert läuft.

      Die SNB selber produziert nichts. Sie unterstützt lediglich die Wertschöpfung der Volkswirtschaft.

      Besten Dank und freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  15. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer
    Sehr geehrter Praktiker

    Die SNB scheint ein dankbares Thema zu sein. Daher hätte ich zwei Fragen dazu.

    Warum investiert die SNB in amerikanische Staatsanleihen, obwohl diese wie ein Schneeballsystem (Ponzi) funktionieren und jederzeit zusammenbrechen können?

    Die Goldbarren verlassen meistens nicht die Banktresore ( SNB, FED, etc) sondern werden nach dem Verkauf den anderen Banken, Kunden gutgeschrieben. Woher weiß man, ob da genügend Goldbarren vorhanden sind und nicht die gleiche Barren mehrfach verkauft werden?

    Bin gespannt auf Ihre Meinungen.
    Freundliche Grüße

    Klare Worte

    • @Klare Worte

      Schon 1993 schrieb ich ein Buch „Arbeitslosigkeit – die grosse Verantwortung der Wirtschaftswissenschaft“. Darin zeigte ich, dass die Investitionen der SNB in US-Staatsanleihen aus volkswirtschaftlicher Sicht keinen Sinn machen.

      Um die Wirtschaft in der Schweiz ankurbeln und die Arbeitslosigkeit hierzulande zu bekämpfen, müsse die SNB im Inland investieren – nicht im Ausland.

      Als im Jahre 1995 der US-Staatshaushalt in Schieflage geriet, fragte ich die Sendung 10vor10, ob ich ein Interview geben könne. Darin wollte ich Stellung nehmen zur Frage, ob es Sinn mache, dass die SNB praktisch ihr ganzes Vermögen (ausser Gold) in riskante Staatspapiere des maroden US-Staatshaushaltes investiere.

      10vor10 sagte zu und befragte bereits Dr. Markus Lusser, der damals SNB-Präsident war. Als ich das Interview auch geben wollte, sagte das Direktorium der UBS, dass ich „grosse Schwierigkeiten erhalten werde“, falls ich dieses Interview gebe (ich wollte es als Privatmann geben). Ich musste es deshalb absagen.

      Wenige Monate später bat ich die Finanz und Wirtschaft, dass ich einen ganzseitigen Artikel zum Thema „Die SNB-Investitionspolitik ist zu überdenken“ schreiben könne. Dieser erschien am 31. Januar 1996 und stellte den Anfang der damals einsetzenden Diskussion um die SNB-Anlagepolitik dar (was u.a. zu zwei Volksabstimmungen führte; Solidaritätsstiftung, Gold für die AHV).

      Sie sehen, ich bin ganz Ihrer Meinung, wonach die Investitionen der SNB in ausländische Staaten viel zu hoch sind im Gegensatz zu den Inlandinvestitionen. Diese betragen nicht einmal mehr 1 Prozent des Vermögens der SNB.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • @Klare Worte,

      hinsichtlich Goldbarren wäre ich mir nicht so sicher, ob diese tatsächlich noch verfügbar sind.

      Der USA-nahe IWF verbietet sogar eine Sachwertunterlegung aller Währungen, weshalb in den 1990er Jahren sogar die Schweiz dieser „Organisation“ beigetreten wurde. Da sich bis zur Entwertung (im wahrsten Sinne des Wortes) des Dollars aber alle Exportstaaten auf den Rechtsstaat USA verlassen haben und die Tresore schon voll mit dem FED-Geld (sprich Dollar) hatten, wurden sie durch den Rechtsbruch(!) der Amerikaner kalt erwischt. Alle spielen das Spiel trotzdem weiter mit (offiziell zähneknirschend, denn man kennt interne Absprachen natürlich nicht).

      Spannenderweise wird die einseitige Bretton-Woods Aufkündigung der USA nicht als Währungsreform wahrgenommen, obwohl nun der FED die Tore zum Gelddrucken legal offenstanden und weiterhin stehen ohne wirkliches Korrektiv.

      Geld ist heute also ein reines wertloses Schuldscheinsystem, welches wir z.B. auf der Dollarnote nachlesen können:

      „This note is legal tender for all debts, public and private“

      Was bedeutet das in Relation mit der SNB-Euro-Gold?

      Nun, die SNB müsste „lediglich“ endlich ihren viel zu großen Euro-Hort (marktschonend aber zügig) auflösen, dann die absurde 1,20 CHF-Grenze aufgeben – und schon wäre die Hauptblase in der SNB-Bilanz auf einen Schlag Geschichte. Auf welchem Niveau sollen wir noch verdummt werden? Die Angst der SNB und der schweizer Eliten vor der Wahrheit, vor Gold und vor der demnächst abzustimmenden Goldinitiative muss fürchterlich sein. Keine Mythen sind zu lächerlich, um nicht gegen die wahren sicheren Häfen Schweizer Franken (bald nicht mehr) und v.a. gegen Gold in Stellung gebracht zu werden.

      Ich habe die Gründe für den CHF-Höhenflug unten als Antwort auf Herrn Kästner beschrieben, es liegt in der Struktur des Bankensystem. Wir Schweiz sind zu klein, um auf den Roulettentisch des Casino-Finanzwirtschaft mitzuspielen. Es reicht schon das Einleiten einer regionalen Anleihe-Blase, um die Verschuldungsquote der Schweiz Richtung 100% zu jagen!

      Ich muss an dieser Stelle einen „Dank aussprechen“ an Herr Dr. Marc Meyer und Herr Lukas Hässig, um immerhin Fragen und Debatten loszutreten die in den Maistream-Medien aus verständlichen Gründen überhaupt keinen Platz finden können. Ich könnte über Gold und Zentralbankensystem, sowie die korrupte-WWL Bücher schreiben, wer weiss, vielleicht wird Herr Dr. Meyer bald einen Artikel über Gold-SNB-Währungen schreiben? Das wäre Interessant.

      Grüsse
      Der Praktiker

    • Besten Dank für die Antwort.

      Es wäre tatsächlich interessant über die Gold – SNB Geschichte zu schreiben. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Goldpreis ebenfalls künstlich tief gehalten wird.
      Nachdem Nixon die Entkoppelung ankündigte, haben viele Banken gleichzeitig die Goldreserven massiv verringert. Purer Zufall? Ebenfalls interessant welche Staaten all das Gold aufgekauft haben.
      Vielleicht ergibt sich darüber mal eine konstruktive Debatte.

      Freundliche Grüße
      Klare Worte

  16. @Der Praktiker

    Besten Dank für Ihre Antwort.

    Nun kommen wir der Sache ein ganz grosses Stück näher.

    Ich fasse kurz zusammen, was sie schreiben:

    Zitat:

    „Nein die SNB kann nicht Konkurs gehen.“…….“Jordan wird Kantone und Bund zwingen können, …-…Kapital einzuschiessen.“

    Zitat Ende

    Ich habe längere Stellen aus Ihrem Kommentar hier weggelassen und das m.E. Wesentliche zitiert. (Aus Platzgründen kann ich nicht auf die anderen Punkte Ihres Kommentars eingehen.)

    Mit dem obigen Zitat sagen Sie das Gleiche wie ich, nämlich: Nur die Steuerzahler können die SNB vor einem Konkurs bewahren.

    Das ist ein himmelweiter Unterschied zu dem, wie SNB, Bundesrat und Parlament argumentieren: Insbesondere SNB-Chef Jordan argumentiert, die SNB könne nicht Konkurs gehen, weil die SNB das Notenmonopol besitze und durch „Geldschöpfung“ sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen könne. Der Bundesrat begründet: „Die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“. Auch diese Aussage wurzelt im Notenmonopol.

    Sehen Sie diesen entscheidenden Unterschied?

    Die SNB argumentiert, sie könne im Falle von negativem Eigenkapital „Geld drucken“ und so die SNB vor einem Konkurs bewahren. Und wir hier – Sie und ich und noch einige andere Kommentatoren in früheren Blogs haben erkannt: Ein Konkurs der SNB kann nur abgewandt werden, wenn die Steuerzahler die SNB rekapitalisieren.

    Das ist neu – wurde von keinem Notenbanker oder Politiker bisher erkannt.

    Ich weiss nicht, ob Sie das Referat von SNB-Chef Jordan *Braucht die SNB Eigenkapital?“ gelesen haben. Sein Referat beinhaltet praktisch alle falschen Klischees der heutigen Geldtheorie: Die SNB könne nicht Konkurs gehen, weil sie „Geld drucken“ könne.

    Das entscheidende Wort „Steuerzahler“ kommt in seinem ganzen Referat nicht ein einziges Mal vor.

    Die SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die SNB“ lehnt der Bundesrat ab mit der Begründung, die SNB könne nicht illiquide werden aufgrund des Notenmonopols. Das Wort „Steuerzahler“ kommt auch in der Antwort des Bundesrates nicht ein einziges Mal vor.

    Daran arbeite ich:

    Ich will, dass das Schweizervolk begreift, dass es im Falle von massiven Verlusten der SNB diese mit Steuern begleichen muss. Das haben die Schweizerinnen und Schweizer noch nicht begriffen. Es gibt nicht einen einzigen Hinweis darauf in den Medien ausser in meinen Beiträgen hier aus Inside Paradeplatz.

    Ein Konkurs der SNB kann nur verhindert werden, wenn der Steuerzahler den Fehlbetrag einschiesst. Der Bundesrat verschweigt das, die SNB verschweigt das und das Parlament verschweigt das – und die Medien auch.

    Angenommen, das Schweizervolk wäre sich im Klaren darüber, dass es dereinst für die Schulden der SNB möglicherweise in zweistelliger Milliardenhöhe einspringen muss. Meinen Sie, es würde dem Mindestkurs so vorbehaltlos zustimmen mit 97 Prozent, wie das an der GV der SNB der Fall war?

    Ihre Argumentation ist fast identisch mit jener von Herrn Schmid.

    Kommentator Schmid argumentiert, dass das Kapital für eine Rekapitalisierung der SNB durch Bund und Kantone „bequem“ aufgetrieben werden könne. Welche realitätsfremde Behauptung von Herrn Schmid.

    Die SNB hat „unbeschränkte“ Euro-Käufe angedroht. Damit können die Schulden der SNB auch „unbeschränkt“ ansteigen. Nehmen wir an, die SNB kaufe für 1.2 Billionen Devisen und der Franken steige um 20 Prozent.

    In diesem Fall müssten die Steuerzahler innert kürzester Frist 200 Milliarden Franken zusätzliche Steuern bezahlen. Das entspricht der Höhe der gegenwärtigen Schuld von Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen. Das wäre, als müssten die Steuerzahler sämtliche Staatsschulden mit einem Schlag begleichen. Bequem?

    Der Staat dürfte nicht einen Kredit aufnehmen, um die Schulden zu begleichen. Das widerspräche der in der Bundesverfassung verankerten Schuldenbremse.

    Und wenn die Steuerzahler dieses Kapital nicht innert nützlicher Frist aufbringen, würde das bedeuten, dass die kreditgebenden Banken Konkurs gehen.

    Ich fasse zusammen:

    Sie kommen wie ich zum selben Resultat: Wird das Eigenkapital der SNB negativ, so kann der Konkurs der SNB nur abgewandt werden, wenn die Steuerzahler den Fehbetrag einschiessen.

    Daraus kann abgeleitet werden:

    Gelingt es Bund und Kantonen nicht, den Fehlbetrag einzuschiessen, so geht die SNB Konkurs.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      Ich habe IMMER geschrieben, dass die ZECHE am Ende der Steuerzahler zahlt; und in diesem PUNKT – aber „nur“ in diesem – stimmen wir 100% überein.

      Sie schreiben Zitat:

      Mit dem obigen Zitat sagen Sie das Gleiche wie ich, nämlich: Nur die Steuerzahler können die SNB vor einem Konkurs bewahren.

      Das ist ein himmelweiter Unterschied zu dem, wie SNB, Bundesrat und Parlament argumentieren: Insbesondere SNB-Chef Jordan argumentiert, die SNB könne nicht Konkurs gehen, weil die SNB das Notenmonopol besitze und durch „Geldschöpfung“ sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen könne. Der Bundesrat begründet: „Die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“. Auch diese Aussage wurzelt im Notenmonopol.

      Sehen Sie diesen entscheidenden Unterschied?

      Zitat Ende.

      Ja, einen gewaltigen Unterschied wie die Ursache-Wirkung zu Stande gekommen ist.

      Ich stimme mit Ihnen zudem überein; sollte der Bundesrat und SNB diese Aussagen gemacht haben, dann handelt es sich, um eine Falschannahme!

      Aber es muss an dieser Stelle auch unterstrichen werden, dass die SNB steuert die Basis M0 mittels ihrem Instrumentarium. Das Wachstum von M1, M2 und M3 hängt von der Nachfrage der Märkte ab.

      Es ist aber auch Ihre Argumentation richtig, dass lediglich die Nachfrage der Endabnehmer (Konsumenten und Hersteller) bestimmt die Grösse von M1 bis M3. Die SNB stellt die Basis gegen Werte zur Verfügung. Die Banken stellen Kredite gegen ein Entgeld (Zinsen) zur Verfügung.

      Selbstverständlich, Herr Dr. Meyer sehe ich die Gefahren einer solchen Geldpolitik, insbesondere laufen wir Gefahr, u.a. einer Devisenbewirtschaftung dauerhaft zu Installieren. Ausserdem würden sich sämtliche Transaktionen mittels Noten der Aufsicht entziehen. Ein Eldorado für Geldwäscher wäre das Resultat. Ausserdem könnten die Einwohner unter Umständen wieder mit Gold bezahlen wollen.

      Bei diesen ganzen Überlegungen rundum Zentralbanken sollte immer berücksichtigt werden, dass das Mindestreservesystem ein Betrugs,- und Enteignungsmodell ist. Herr Dr. Meyer es sollte immer wieder betont werden das die Geschäftsbanken in dieser Fehlkonstruktion miteinbezogen werden sollten.

      Grüsse
      Der Praktiker

  17. @Leserinnen und Leser

    Der Kommentator „Lernender“ hat hier einen interessanten Artikel aus der NZZ gepostet.

    Damit dieser nicht „untergeht“, möchte ich ihn sowie meine Antwort darauf nochmals hier zuoberst platzieren.

    Sehr geehrter Herr Doktor

    http://www.nzz.ch/wirtschaft/politik-des-versprechens-1.18348585?extcid=Newsletter_23072014_Top-News_am_Morgen

    Gibt es hierzu auch eine buchhalterische Erklärung?

    Besten Dank für Ihre Analyse.

    Freundliche Grüsse
    Fragender

    ANTWORTEN
    Marc Meyer, Dr.24. Juli 2014 / 09:30
    @Lernender

    Besten Dank für die Zuschrift des interessanten Artikels aus der NZZ.

    Die Frage, weshalb die Bilanz der EZB sich im letzten halben Jahr drastisch verkürzt hat wird im Artikel m.E. plausibel beantwortet: Das Auslaufen des Langfristtenders (LTRO).

    Im Artikel kommt aber der Wirrwarr in der Terminologie in der heutigen Wirtschaftswissenschaft deutlich zum Ausdruck.

    Es geht dabei in erster Linie um den Ausdruck „Liquidität“.

    Gemäss Keynesianischer und Monetaristischer Theorie bezieht sich der Ausdruck “Liquidität“ auf das Notenbankgeld selber; also auf die Passivseite der Zentralbankbilanz. In diesem Sinne verwendet auch unser Bundesrat den Begriff „Liquidität“. („SNB kann nicht illiquide werden in Franken“).

    Die SNB verwendet den Ausdruck sowohl für ihre Aktiven als auch Passiven. Im Nationalbankgesetz hingegen wird der Ausdruck lediglich für die Aktiven der SNB (Repo-Pensions-Anlagen) verwendet.

    Im vorliegenden Artikel der NZZ bezüglich der SNB wird der Ausdruck „Liquidität“ für die Aktiven der EZB verwendet.

    Es wird öfters argumentiert, durch die geldpolitischen Aktionen der EZB würde der europäischen Wirtschaft „Liquidität“ zugeführt. Z.B. mit dem Langfristtender, der jetzt ausgelaufen ist.

    Verwirrend ist hier auch die Bezeichnung mit der Kontobezeichnung „Hauptrefinanzierung“ auf der Aktivseite der EZB-Bilanz. Was ist eine Refinanzierung? Das ist eine Kreditaufnahmen zwecks Gewährung von Krediten. Eine Kreditaufnahme wird aber auf der Passivseite verbucht – nicht auf der Aktivseite.

    Diese Kontenbezeichnung ist also falsch und verwirrend. Sie entspricht auch nicht der offiziellen Konto-Bezeichnung der EZB. Dort wird dieser Posten korrekt bezeichnet mit „Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet“ (siehe „Konsolidierter Ausweis des Eurosystems“)

    http://www.ecb.europa.eu/press/pr/wfs/2012/html/fs120104.de.html

    Und nun kommen wir zum alles entscheidenden Punkt:

    In den vergangenen Jahren sind die beiden folgenden Konti der EZB stark angestiegen und haben sich dann wieder zurückgebildet:

    Auf der Aktivseite ist es das Konto:

    „Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet“

    Auf der Passivseite ist es das Konto:

    „Verbindlichkeiten in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet“

    Wir sehen also: Die EZBhat bei Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet einerseits Kapital aufgenommen und sie hat dieses Kapital wieder an die Kreditinstitute im Eurowährungsgebiet weitergeleitet (gewährt).

    Was heisst das? Es macht deutlich, dass die Zentralbank keineswegs Kapital oder Geld „schöpft“ oder erschafft. Nein – eine Zentralbank nimmt bei der eigenen Volkswirtschaft Kapital auf und reinvestiert es dann wieder in die eigene Volkswirtschaft.

    Ganz ausgeprägt ist dieser Kapitalkreislauf bei der FED. Bei der EZB fliessen die Kapitalströme innerhalb des Euro-Währungsraumes aber möglicherweise zwischen verschiedenen Ländern. Bei der SNB ist es ein reiner Abfluss von Kapital (Liquidität) ins Ausland.

    Deshalb ist es falsch, wenn die SNB behauptet, sie würde die Schweizer Wirtschaft mit „Liquidität“ versorgen, wenn sie in Tat und Wahrheit ihr ganzes Vermögen ins Ausland exportiert (in diesem Fall bezeichnet die SNB ihre Passiven, d.h. ihr Notenbankgeld als „Liquidität“).

    Die entscheidende Frage lautet nun: Weshalb nimmt die EZB bei den Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet Kapital auf und gewährt es dann wieder den Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet?

    Dabei steht zwei Varianten im Vordergrund:

    Erstens:

    Man erinnere sich: Während der Krise hiess es oft, der Geldmarkt sei ausgetrocknet. Keine Bank traue der anderen und sei bereit, einer anderen Bank Kredit zu geben.

    In diesem Fall kann eine Zentralbank wie eine grosse Versicherung wirken: Die Banken gewähren anderen Banken keine Kredite, weil sie nicht wissen, ob eine von Ihnen in Liquiditätsschwierigkeiten ist. Aus diesem Grund legen sie ihr Geld bei der EZB an, d.h. sie gewähren der EZB Kredite.

    Und nun ist es die EZB, welche den Banken ihrerseits Kredite gewährt. Sollte nun eine von den Banken illiquide werden, so trifft es die EZB und damit ganze Währungsgebiet, nicht eine einzige kreditgebende Bank. Um diesen Schaden gutzumachen kann die EZB dann beispielsweise mit Negativzinsen auf der Passivseite und höheren Aktivzinsen einen positiven Zinsensaldo erwirtschaften und so den Schaden über die Allgemeinheit auffangen und an alle überwälzen.

    Zweitens:

    Eine andere Möglichkeit wäre folgende: Wenn ein Staat wie Griechenland auf dem Kapitalmarkt kein Kapital aufnehmen kann oder nur zu teuren Bedingungen, so kann die EZB einspringen. Sie kann Griechische Staatsanaleihen aufkaufen und refinanzieren mit Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet.

    Damit erfolgt eine Glättung innerhalb der Euro-Zone.

    Dass sich die EZB-Bilanz jetzt trotz den Ankündigungen von Mario Draghi verkürzt belegt meine eingangs aufgestellte These: Die Volkswirtschaften kreisen nicht um die Zentralbanken, sondern die Zentralbanken um die Volkswirtschaften.

    Da sich die Unsicherheit an den Aktienmärkten gelegt hat und nicht damit gerechnet werden muss, dass eine grosse Bank unmittelbar in Liquiditätsprobleme gerät, gehe ich davon aus, dass die angekündigten Langfristtender der EZB die Bilanz der EZB nicht wieder massiv aufblähen werden. Die Banken vertrauen sich gegenseitig wieder besser.

    Das kann sich natürlich schlagartig verändern im Falle einer politischen Krise oder eines neuerlichen Aktienabsturzes, mit dem aus statistischen Überlegungen immer wieder zu rechnen ist.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

  18. Sehr geehrter Herr Schmid
    Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    Besten Dank.

    @Dr. Meyer Sie schreiben Zitat an @Fragender,

    Was heisst das? Es macht deutlich, dass die Zentralbank keineswegs Kapital oder Geld „schöpft“ oder erschafft. Nein – eine Zentralbank nimmt bei der eigenen Volkswirtschaft Kapital auf und reinvestiert es dann wieder in die eigene Volkswirtschaft.

    Zitat Ende.

    Es trifft zu, die Terminologie ist entscheident, bzw. eine klare Vokabelbenutzung. Ich schätze Ihre Analsyse an@Fragender sehr, es macht eine Diskussion viel einfacher.

    Ich möchte ein weiteres Versuch starten, um meinen Staandpunkt zur SNB-Geldschöpfung so einfach wie möglich darzulegen.

    Bei dieser Art schöpfen entsteht nichts Neues. Nichts vermehrt sich auf wundersame Weise. So verhält es sich auch mit dem Geld auf der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank.

    Diese Hunderternote hat ganz sicher NICHT der Arbeiter erschaffen/geschaffen. Er hat sie erarbeitet. Gedruckt wurde sie von einer Druckerei für die Schweizerische Nationalbank. Diese stellt sie auf die entsprechende Nachfrage hin gegen eine Belastung auf den Girokonti bei der SNB den Banken zur Verfügung. Nur Noten, welche gegen eine entsprechende Belastung von den Banken „gekauft“ werden, sind in der Position Notenumlauf enthalten. Durch die Ausgabe werden diese Noten zu einer Komponente der Zentralbankgeldmenge (M0) Sie alleine sind gesetzliche Zahlungsmittel.

    Um Ihre Terminologie zu benutzen:

    Herr und Frau Schweizer „schöpfen“ niemals Geld. Sie erarbeiten es.

    EURO-Anbindung:
    Wenn die SNB Euros – diese existieren bereits – kauft, dann schreibt sie den Banken den entsprechenden Gegenwert in Schweizerfranken CHF gut. Dabei handelt es sich um EUR-Beträge, welche von den Geschäftsbanken NICHT gehalten werden wollen; sie gehen kein Wechselkursrisiko ein und verschwinden aus der Bilanz. Schritt 1: Kunden verkaufen den Banken EUR gegen CHF. Schritt 2: Banken verkaufen EUR für die sie kein Wechselkurs-Risiko übernehmen wollen an die Schweizerische Nationalbank SNB.

    Um nicht missverstanden zu werden, nocheinmal:

    Die SNB nimmt keine Kredite auf. Die entsprechenden Guthaben rühren von der Risikoaversität der Geschäftsbanken her.

    Girokonto tragen keinen Zins. Es handelt sich um Guthaben der Banken bei der SNB. Das Geld entstand, weil die Banken wie oberhalb bemerkt, keine Wechselkursrisiken übernehmen können und auch nicht wollen. Diese praktisch zinslose Liquidität wird von den Banken bei der SNB parkiert, weil die Privatwirtschaft KEINE kurzfristige Mittel nachfragt. Der Einfluss auf die Wirtschaft ist gleich null.

    Im Gegensatz zu anderen Konti wird für Girokonti KEIN Zins erstattet. Für die Banken handelt es sich bei den Passiven der SNB um Aktiven. Girokonti dienen der Liquiditätssteuerung in normalem Umfeld. Zum Beispiel werden die von den Banken eingeforderten Mindestreserven auf den Girokonti gutgeschrieben.

    Sie schreiben weiter Zitat:

    Geld ist und bleibt ein Passivum des Geldemittenten.

    Zitat Ende.

    Die Schweizer Wirtschaft schöpft kein Geld. Dies können Banken tun, indem sie Kredite gewähren. Die entsprechende Mindestreserve muss bei der SNB auf den Girokonti hinterlegt werden.

    Herr Dr. Meyer schauen Sie sich meine Beiträge nochmals an ohne Vorurteile oder Reflexe die mit Vollgeld, Sozialismus oder SNB-Monopolbank innehaben.

    Sie werden u.a. feststellen, dass z.B., eine Währung letzlich nur in ihrem Heimatland arbeiten kann. Nirgendwo sonst. Vorab werden Regierungspapiere gekauft. Eben gerade jene, welche von den Investoren zum Beispiel gegen EUR verkauft worden sind, um diese Gelder dann in CHF zu parkieren, um den Zerfall ihrer Heimwährung nicht mitzumachen. Gesamthaft entsteht also keine Ausdehnung.

    Solange die SNB am Devisenmarkt (EUR 1.20) interveniert, hat sie am kurzen Ende tatsächlich einen geringen Einfluss auf die Zinssätze in der Schweiz. Da viel überschüssige Liquidität – die CHF werden von den Kunden mehrheitlich auf Kontokorrent gehalten – vorhanden ist, und von der Wirtschaft NICHT nachgefragt wird, bezahlen sich die Banken untereinander tiefe Zinssätze. Sie können die Annahme von Geldern auch schlichtwegs verweigern. (Sie stellen keinen Markt mehr).

    Grüsse
    Der Praktiker

    • @Der Praktiker

      Zuerst einmal finde ich es der Diskussion nicht dienlich, wenn Sie ihre langen Texte ausschliesslich zuoberst platzieren.

      Es hat sich hier eine neue Diskussion entwickeln können mit Oeconomicus criticus, Herr Schmid und Fragender. Damit der Leser sich in der Diskussion zurechtfindet habe ich meine Antworten darauf nachfolgend an diese Beiträge platziert.

      Sie kommen nun und platzieren Ihren langen Text erneut wie immer wieder zuoberst. Damit muss sich der Leser erneut neu orientieren.

      Ich habe auch schon Texte zuoberst platziert, wenn ich der Ansicht war, dass die Diskussion unten versandet. Da ich aber der Autor des Gastbeitrags bin, ist es auch meine Aufgabe, die Diskussion hier zu leiten. Ich behalte mir deshalb auch vor, Texte je nachdem zuoberst zu platzieren.

      Sie können dies auch, wenn Sie einen eigenen Gastbeitrag unter Ihrem persönlichen Namen schreiben.

      Und nun zum fachlichen Inhalt:

      Sie schreiben:

      Zitat:

      „Die SNB nimmt keine Kredite auf. Die entsprechenden Guthaben rühren von der Risikoaversität der Geschäftsbanken her.“

      Zitat Ende

      Es ist richtig: Die Banken verkaufen der SNB Euros. Da die SNB aber nicht genügend eigenes Vermögen besitzt, das sie den Banken im Gegenzug als Bezahlung übergeben kann, schreibt die SNB den Banken den Betrag gut. D.h. sie schuldet den Betrag jetzt den Banken.

      Den Banken schulden heisst, von den Banken Fremdkapital aufnehmen oder Kredit aufnehmen (wie bei einem Kreditor).

      Da die SNB also Schulden bei den Banken hat, besteht die Gefahr, dass sie diese Schulden nicht zurückzahlen kann und Konkurs geht.

      Der entscheidende Punkt in dieser Diskussion ist also der, dass ich argumentiere, die SNB könne Konkurs gehen. Der Steuerzahler muss einspringen und die SNB sanieren. Andernfalls geht das Bankensystem Konkurs.

      SNB, Bundesrat und Parlament behaupten aber im Gegenteil, die SNB könne nicht Konkurs gehen. Dass der Steuerzahler einspringen muss, das Verschweigen SNB, Bundesrat und alle Politiker.

      Das wurde in unserem Parlament noch mit keinem Wort angesprochen.

      Das ist also der entscheidende Diskussionspunkt.

      Aus Ihren zahlreichen und langen Kommentaren konnte ich bisher aber noch nicht entnehmen, ob sie nun der Ansicht sind, dass die SNB Konkurs gehen kann oder nicht. Auf den zentralen Punkt dieses Diskussionsbeitrages sind Sie bisher noch gar nicht eingegangen.

      Ich möchte Sie also bitten, auf diese zentrale Frage einzugehen und nicht, ob beispielsweise Volkswirtschaft ein Nullsummenspiel ist usw.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • @Lernender

      Besten Dank für die Zuschrift des interessanten Artikels aus der NZZ.

      Die Frage, weshalb die Bilanz der EZB sich im letzten halben Jahr drastisch verkürzt hat wird im Artikel m.E. plausibel beantwortet: Das Auslaufen des Langfristtenders (LTRO).

      Im Artikel kommt aber der Wirrwarr in der Terminologie in der heutigen Wirtschaftswissenschaft deutlich zum Ausdruck.

      Es geht dabei in erster Linie um den Ausdruck „Liquidität“.

      Gemäss Keynesianischer und Monetaristischer Theorie bezieht sich der Ausdruck “Liquidität“ auf das Notenbankgeld selber; also auf die Passivseite der Zentralbankbilanz. In diesem Sinne verwendet auch unser Bundesrat den Begriff „Liquidität“. („SNB kann nicht illiquide werden in Franken“).

      Die SNB verwendet den Ausdruck sowohl für ihre Aktiven als auch Passiven. Im Nationalbankgesetz hingegen wird der Ausdruck lediglich für die Aktiven der SNB (Repo-Pensions-Anlagen) verwendet.

      Im vorliegenden Artikel der NZZ bezüglich der SNB wird der Ausdruck „Liquidität“ für die Aktiven der EZB verwendet.

      Es wird öfters argumentiert, durch die geldpolitischen Aktionen der EZB würde der europäischen Wirtschaft „Liquidität“ zugeführt. Z.B. mit dem Langfristtender, der jetzt ausgelaufen ist.

      Verwirrend ist hier auch die Bezeichnung mit der Kontobezeichnung „Hauptrefinanzierung“ auf der Aktivseite der EZB-Bilanz. Was ist eine Refinanzierung? Das ist eine Kreditaufnahmen zwecks Gewährung von Krediten. Eine Kreditaufnahme wird aber auf der Passivseite verbucht – nicht auf der Aktivseite.

      Diese Kontenbezeichnung ist also falsch und verwirrend. Sie entspricht auch nicht der offiziellen Konto-Bezeichnung der EZB. Dort wird dieser Posten korrekt bezeichnet mit „Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet“ (siehe „Konsolidierter Ausweis des Eurosystems“)

      http://www.ecb.europa.eu/press/pr/wfs/2012/html/fs120104.de.html

      Und nun kommen wir zum alles entscheidenden Punkt:

      In den vergangenen Jahren sind die beiden folgenden Konti der EZB stark angestiegen und haben sich dann wieder zurückgebildet:

      Auf der Aktivseite ist es das Konto:
      „Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet“

      Auf der Passivseite ist es das Konto:
      „Verbindlichkeiten in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet“

      Wir sehen also: Die EZBhat bei Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet einerseits Kapital aufgenommen und sie hat dieses Kapital wieder an die Kreditinstitute im Eurowährungsgebiet weitergeleitet (gewährt).

      Was heisst das? Es macht deutlich, dass die Zentralbank keineswegs Kapital oder Geld „schöpft“ oder erschafft. Nein – eine Zentralbank nimmt bei der eigenen Volkswirtschaft Kapital auf und reinvestiert es dann wieder in die eigene Volkswirtschaft.

      Ganz ausgeprägt ist dieser Kapitalkreislauf bei der FED. Bei der EZB fliessen die Kapitalströme innerhalb des Euro-Währungsraumes aber möglicherweise zwischen verschiedenen Ländern. Bei der SNB ist es ein reiner Abfluss von Kapital (Liquidität) ins Ausland.

      Deshalb ist es falsch, wenn die SNB behauptet, sie würde die Schweizer Wirtschaft mit „Liquidität“ versorgen, wenn sie in Tat und Wahrheit ihr ganzes Vermögen ins Ausland exportiert (in diesem Fall bezeichnet die SNB ihre Passiven, d.h. ihr Notenbankgeld als „Liquidität“).

      Die entscheidende Frage lautet nun: Weshalb nimmt die EZB bei den Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet Kapital auf und gewährt es dann wieder den Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet?

      Dabei steht zwei Varianten im Vordergrund:

      Erstens:
      Man erinnere sich: Während der Krise hiess es oft, der Geldmarkt sei ausgetrocknet. Keine Bank traue der anderen und sei bereit, einer anderen Bank Kredit zu geben.

      In diesem Fall kann eine Zentralbank wie eine grosse Versicherung wirken: Die Banken gewähren anderen Banken keine Kredite, weil sie nicht wissen, ob eine von Ihnen in Liquiditätsschwierigkeiten ist. Aus diesem Grund legen sie ihr Geld bei der EZB an, d.h. sie gewähren der EZB Kredite.

      Und nun ist es die EZB, welche den Banken ihrerseits Kredite gewährt. Sollte nun eine von den Banken illiquide werden, so trifft es die EZB und damit ganze Währungsgebiet, nicht eine einzige kreditgebende Bank. Um diesen Schaden gutzumachen kann die EZB dann beispielsweise mit Negativzinsen auf der Passivseite und höheren Aktivzinsen einen positiven Zinsensaldo erwirtschaften und so den Schaden über die Allgemeinheit auffangen und an alle überwälzen.

      Zweitens:
      Eine andere Möglichkeit wäre folgende: Wenn ein Staat wie Griechenland auf dem Kapitalmarkt kein Kapital aufnehmen kann oder nur zu teuren Bedingungen, so kann die EZB einspringen. Sie kann Griechische Staatsanaleihen aufkaufen und refinanzieren mit Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet.
      Damit erfolgt eine Glättung innerhalb der Euro-Zone.

      Dass sich die EZB-Bilanz jetzt trotz den Ankündigungen von Mario Draghi verkürzt belegt meine eingangs aufgestellte These: Die Volkswirtschaften kreisen nicht um die Zentralbanken, sondern die Zentralbanken um die Volkswirtschaften.

      Da sich die Unsicherheit an den Aktienmärkten gelegt hat und nicht damit gerechnet werden muss, dass eine grosse Bank unmittelbar in Liquiditätsprobleme gerät, gehe ich davon aus, dass die angekündigten Langfristtender der EZB die Bilanz der EZB nicht wieder massiv aufblähen werden. Die Banken vertrauen sich gegenseitig wieder besser.

      Das kann sich natürlich schlagartig verändern im Falle einer politischen Krise oder eines neuerlichen Aktienabsturzes, mit dem aus statistischen Überlegungen immer wieder zu rechnen ist.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      ich wollte mich mit der „Platzierung“ der Texte nicht aufdrängen; in Zukunft werde ich das berücksichtigen und entschuldige mich bei allen Leserinnen und Leser.

      Zu der allerentscheidenden Frage:

      Nein die SNB kann nicht Konkurs gehen.

      Begründung:

      Bankrott ist eine Zentralbank, wenn sie die von ihr emittierten Geldnoten (Passiva) mit ihren Aktiva (vor allem Pfänder ihrer Geschäftsbankschuldner, Edelmetalle und Reserven) nicht aus dem Umlauf zurückkaufen kann und ihr Eigenkapital geringer ist als das Volumen der weiterhin umlaufenden Noten. Diese bleiben ja Forderungen gegen ihr Eigentum, das sie nun verbraucht hat. Stattdessen hat sie jetzt, wie es harmlos gerne heißt, negatives Eigenkapital.

      Der CHF ist eine echte Einheitswährung. Um den Unterschied zum Euro zu markieren folgender Beispiel:

      Im Euroraum ist das ganz anders. Denn es gibt keinen Euro. Es gibt siebzehn unterschiedliche Währungen, die von Lissabon bis Dublin und von Athen bis Helsinki zwar Euro heißen, aber mit siebzehn qualitativ unterschiedlichen Staatspapieren besichert sind und auch gegen siebzehn nennwertgleiche, aber preislich unterschiedliche Pfänder der Geschäftsbanken in Umlauf gebracht werden. Auf einem 10.000er Luxemburgpapier steht 10.000 Euro und auf einem 10.000er Griechenpapier steht 10.000 Euro. Aber ihre freien Verkaufspreise trennen Welten – sagen wir 3.000 und 13.000 Euro. Das liegt daran, dass die eine Regierung mit ihrer Enteignungsmacht über Bürger, also mit dem Steuerrecht Abgaben für die Verzinsung und Tilgung der Staatsschulden spielend aufbringen kann, während die andere Regierung nur 30 Prozent ihrer Schulden bedienen kann. Somit, ist es durchaus möglich das Zentralbanken südlicher Euro-Länder Bankrott gehen können (sehr sehr unwarscheinlich).

      Richtig ist:

      Sobald nämlich das Manipulieren der Märkte aufhört, fallen Papiere über hunderte Milliarden, die jetzt zum Nennwert in den Eigenkapitalen bilanziert werden, auf die Hälfte oder weniger.

      Dasselbe passiert den Billionen Euro von Staatspapieren, die als „sicheres“ Investment von Lebensversicherungen und zahllosen Anderen gehalten werden. Was die im Investment verlieren, können sie mit gleichzeitig im Eigenkapital Verlorenem ja nicht mehr glattstellen. Allfällige Bankrotte von Südschiene-Zentralbanken werden deshalb mit immer neuen Konstruktionen hinausgezögert mit Auswirkungen, selbstverständlich für die SNB.

      Jordan wird nicht Banknoten drucken. Vielmehr wird er Kantone und Bund zwingen können – schliesslich haben diese die SNB über Jahre hinweg via Dividenden, Goldverkäufen kanibalisiert – Kapital einzuschiessen. Woher diese entsprechende Mittel erhalten, ist klar; die Oeffentliche Hand wird sich bei den Investoren bedienen. (Die Schulden der Nationalbank werden sich verkleinern, jene von Bund, Kantonen und Gemeinden vergrössern.)

      Wie ich schon mehrmals unmissverständlich schrieb; die Übung soll einzig und alleine Zeit zu gewinnen.

      Grüsse
      Der Praktiker

  19. @Praktiker,

    Vielen Dank für Ihre präzise und umfangreiche Gegendarstellung der ich voll und ganz beipflichte.

    Unglaublich, was sich inzwischen in unserem Land für Leute herumtummeln die von Buchhaltung keine Ahnung haben.

    Zu Studenten und Leser seid kritsch! Gegenüber jedermann Marc Meyer insbesondere eingeschlossen. Ebenso schnell wie die EUR gekauft worden sind, werden sie wieder verkauft. Solange die Giroguthaben der Banken nicht als 10%-Basis für Kredite – mangels Nachfrage sehr unwahrscheinlich – gesehen werden, passiert überhaupt nichts; selbst in einem solchem Fall ist das Spektrum an Manöver ohne zeitliche Einschränkung der SNB unlimitiert

    Die SNB wird ihre Schulden tilgen, indem sie die wegen ihrer Intervention angehäuften Devisen wegen der einsetzenden Nachfrage wieder verkaufen wird. Der Hintergrund dieser entstehenden Nachfrage kann durch verschiedenste Begebenheiten ausgelöst werden.

    Das negative Eigenkapital wird durch die Oeffentiche Hand – dem Steuerzahler, – garantiert. Also müssen die Kredite nicht abgeschrieben werden.

    Jordan wird keine Banknoten drucken. Die Banken können die Annahme verweigern. Einzige Massnahme ist eine Kapitalerhöhung. Diese kann bequem von Kantonen, Bund und vereinzelt von Privaten durchgeführt werden. Die politische Mehrheit wird sicher gefunden.

    Ausserdem werden einige Fremdwährungen (EUR) bei Wohlverhalten der Staaten der Euro-Zone erstarken, oder der Franken CHF wird sich abschwächen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Markus Schmid

    • @Markus Schmid

      Sehr geehrter Herr Schmid

      Besten Dank für Ihren Kommentar an Der Praktiker, zu dem ich hier auch Stellung nehmen möchte.

      Ihre Ausführungen enthalten u.a. äusserst interessante Feststellungen.

      Zuerst pflichte ich Ihnen vollkommen bei, dass es ratsam ist, vorsichtig zu sein. Unglaublich, was alles behauptet wird in Sachen Bilanzanalyse unserer Nationalbank. Das fängt an beim Mann auf der Strasse („Geld drucken“) über die Nationalbank, über das Parlament bis hinauf in den Bundesrat, der behauptet, die SNB können „nicht illiquide“ werden.

      Dass man auch mir gegenüber vorsichtig sein soll – ja ich bitte Sie sogar, genau zu überprüfen, was ich hier schreibe. Allerdings erwarte ich im Gegenzug, dass man auf das eingeht, was ich schreibe. Dass man nicht mit eigenen Ideen sich im Kreise dreht. Und dass man in der Diskussion fair ist – es geht nicht um Rechthaberei oder persönliche Profilierung – es geht um die wirtschaftliche und damit auch politische Zukunft der Schweiz.

      Zudem sollte man auch insofern fair sein: Keynes hat 1936 (nach der Wirtschaftskrise) seinen Kapitalfehler begangen und Notenbankgeld als Liquidität und damit als Aktivum der emittierenden Zentralbank bezeichnet („lender of last resort“). Dann kam der Krieg und man hat die Theorie von Keynes diesbezüglich nie hinterfragt – auch die, Monetaristen nicht.

      Und jetzt komme ich und sage, dass seit Keynes ein gravierender Fehler in der Geldtheorie bestünde. Und jetzt wird mit schärfster Kritik auf mir „herumgehackt“ (bis zum Verlust meiner Arbeitsstelle).

      Weshalb ist man mir gegenüber so kritisch – aber völlig unkritisch gegenüber Keynes?

      Nun zur zentralsten Aussage in Ihren Ausführungen:

      Mit grosser Selbstverständlichkeit schreiben Sie von den „Schulden der Nationalbank“. Das ist neu.

      Gemäss herrschender Lehre und gemäss SNB kann eine Zentralbank gar keine Schulden haben, da sie ja sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen könne durch „Geld drucken“ (siehe auch Jordan).

      Seit bald 20 Jahren versuche ich, in der Wissenschaft die Erkenntnis zu etablieren, dass die Notenbank sehr wohl Schulden haben kann. Und daraus folgt, dass sie auch Konkurs gehen kann.

      Es gibt keine wissenschaftliche Arbeit, welche von Schulden der Nationalbank spricht (ausser meine Dissertation: „Geld – eine Obligation der Notenbank“, sowie mein Buch „Arbeitslosigkeit – die grosse Verantwortung der Wirtschaftswissenschaft.“)

      In der Geldtheorie wird behauptet, im Falle einer Geldemission gewähre die Nationalbank der Wirtschaft günstige Kredite, zu einem tiefen Zinssatz (lender of last resort). Geld wird somit als Aktivkredite der SNB dargestellt – nicht als Schuld, wie Sie nun ebenfalls zum Schluss kommen.

      Die SNB leiht der Schweizer Wirtschaft nicht einmal ein Prozent ihres Vermögens.

      Auch im Schweizer Fernsehen werden die Giroguthaben der Banken an die SNB immer wieder irreführend als Kredite der SNB an die Wirtschaft dargestellt (Tagesschau, Interviews mit Professoren usw., siehe u.a. auch „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung“, IP) anstatt als Schulden der SNB.

      Der erste Politiker, welcher das Wort Schulden übernahm im Zusammenhang mit der Nationalbank war Hans Kaufmann von der SVP. Mit seiner Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank“ schrieb er Geschichte in der Geldpolitik.

      Der Bundesrat hat diese Motion abgelehnt mit der irrigen Meinung, die SNB können nicht illiquide werden. Das Parlament ist unbedarft dem Bundesrat gefolgt, obwohl in der Bundesverfassung eine Schuldenbremse verankert ist. Da die SNB ein Staatsbetrieb ist, gehören ihre Schulden zu den Staatsschulden.

      Sie sehen: Ich bin sehr erfreut darüber, dass es für Sie selbstverständlich ist, dass die Nationalbank Schulden hat. Meine Arbeit beginnt, langsam Früchte zu tragen.

      Was mich auch sehr erleichtert, ist die Tatsache, dass es langsam „durchsickert“, dass die Steuerzahler für negatives Eigenkapital der SNB werden aufkommen müssen. Auch das propagiere ich hier schon seit geraumer Zeit.

      Was würden die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wohl sagen, wenn Sie wüssten, dass sie einmal für die Schulden der SNB werden aufkommen müssen? Wären sie so blauäugig wie Sie mit dem Wunschdenken, dass das „bequem“ ginge?

      Haben Sie schon je einmal von der Nationalbank oder dem Bundesrat oder von einem Parlamentarier gehört, dass die Steuerzahler für die Schulden der Nationalbank haften? Wurde das je in einer Zeitschrift, in den Medien, am Schweizer Fernsehen, in der Arena oder sonst irgendwo diskutiert ausser hier aus Inside Paradeplatz in meinen Gastbeiträgen?

      Die Politiker und die Medien scheuen diese Diskussion wie der Teufel das Weihwasser. Aber die Diskussion wird kommen – umso heftiger.

      Es geht bereits um mehr als 400 Milliarden Franken SNB-Schulden mit der Aussicht auf „unbeschränkte“ Schulden der SNB.

      Ich bin froh, dass Sie hier bestätigen, dass die SNB hohe Schulden hat. Ihre Ausführungen bestätigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

      In diesem Sinne besten Dank

      Marc Meyer

      P.S. Wie Bund, Kantone und Gemeinden eine Kapitalerhöhung für die SNB in unbeschränkter Milliardenhöhe „bequem“ werden durchführen können, wie Sie behaupten, bleibt mir ein Rätsel.

      Erklärungsbedarf seitens unserer Nationalbank wäre mehr als angebracht.

  20. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer
    Ihre Analyse trifft das Problem wie üblich voll auf den Punkt. Aber in den Universitäten werden sie heutzutage statt ausgebildet nur noch ganz verblödet. Daher verstehen sie auch nicht, was Sie sagen und denken Sie seien ein Trottel, statt dass sie einmal in den Spiegel schauen würden.
    „Erkenntnis macht frei, Bildung fesselt, Halbbildung stürzt in Sklaverei.“ (Wilhelm Raabe).
    Freundliche Grüsse
    Oeconomicus criticus

    • @Oeconomicus criticus

      Besten Dank.

      Schön, wieder einmal einen positiven Feedback zu erhalten.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

      P.S. noch zu den Universitäten:

      Von Studenten höre ich, dass in der Oekonomie beispielsweise höchste mathematische Kenntnisse gefordert werden.

      Viele Studenten scheitern daran.

      Dabei verwechseln die Herren Professoren sogar die alles bestimmenden Vorzeichen. Komplizierte Rechnungen mit falschen Vorzeichen – reine Zeitverschwendung.

      Ich staune, dass sich das die Studenten heutzutage bieten lassen.

      Und die wissenschaftliche Forschung bleibt auf der Strecke. Die Studenten müssen auswendig lernen und „nachplappern“.

      Die wissenschaftlichen Arbeiten müssen voll sein mit Literatur anstatt selber kritisch zu hinterfragen. Eigene Denkarbeit ist an den Universitäten nicht mehr gefragt – siehe das Debakel in der heutigen Geldtheorie.

      Widerspruch reiht sich an Widerspruch.

  21. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    Mal ganz ehrlich, merken Sie den Nicht das Sie mich in einer Art und Weise zitieren die widersprüchlich ist? Nun ja, ich überlasse es den Leserinnen und Leser zu urteilen wer von uns beiden richtig liegt. Ich möchte mich bitte nicht in die Riege der „Besserwisser“ einreihen, dennoch ist Ihre Art Zitate aus dem Kontext herauszureissen und in einem Kontextfremden Zusammenhang einzubauen nicht mehr nachvollziehbar.

    Abschliessend:

    Der Begründungszusammenhang den Sie erwähnen existiert eben leider nur in Ihrem Wunschdenken und es hat mit der Bankenpraxis nichts zu tun!

    Nichts davon entspricht der Wirklichkeit! Banken benötigen eben keine liquiden Mittel vorweg, um Kredite zu vergeben. Wenn der Kunde sein Guthaben nur elektronisch überweist und der Empfänger ebenfalls sein Konto beim selben Bankinstitut besitzt, so bleiben die Bits (Nullen und Einsen) und Bytes (jeweils Achtergruppen von Nullen und Einsen zur Darstellung von Ziffern und Zeichen) einfach im selben Bankcomputer und wandern dort einfach auf ein anderes Konto. Erfolgt die Überweisung hingegen zu einem anderen Bankinstitut, so wird der Tagesgesamtsaldo zwischen diesen beiden Instituten am Tagesende in einem sogenannten Clearing abgeglichen, wobei die jeweilige Bankleitzahl nichts anderes ist, als die Kontonummer des Bankinstituts bei der Zentralbank. Und sollten in den Bankomaten die bunten Zettel ausgehen, kommen gepanzerte Fahrzeuge und bringen neuen Vorrat an bedrucktem Papier. So einfach ist das Bankgeschäft.

    Die Geldschöpfung der Banken ist der Katalysator des Zinssystems. Die Zinsaufwendungen der Banken sind die Zinszahlungen an die Anleger. Die Zinsaufwendungen werden mit geldschöpfenden Schreibvorgängen beglichen. Nicht wie bisher angenommen kommen die Mittel für die Zinsaufwendungen aus den Zinserträgen der Kreditverträge, sondern sie kommen, in Abhängigkeit von der größe der Bank, hauptsächlich von den Geldflüssen auf Interbankenebe selbst.

    Zwischen den Banken (Interbankenebene) zirkuliert das von den Banken selbst erschaffene Giralgeld. Jede Bank hat das Bestreben, die Differenz der initiierten Zahlungen ihrer Kunden positiv zu gestalten. Das bedeutet, dass bei anderen Banken die Differenz zwischen den Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen unweigerlich negativ wird. Für die eine Bank ist es ein Gewinn und für die andere ein Verlust. Die sich gegenseitig ausgleichenden Summen sind für die beteiligten Banken ein Gewinn. Dieser wurde von den Banken gemeinsam aus ihrer Sicht aus dem „Nichts“ geschöpft.

    Sie schreiben Zitat:

    Leider wurde auch nicht auf das vorhin aufgeführte Gegenargument eingegangen, dass erarbeitetes Vermögen über die Erfolgsrechnung in die doppelte Buchhaltung einfliesst.

    Zitat Ende.

    Vollkommen ignorant, weil Sie über meine ganzen Beiträge hinwegegangen sind, bzw. Sie blenden diese völlig aus (Hintergründe Höhenflug CHF, Mindestkurs, Mindestreserve, Euro-CHF Relation, Rolle der SNB im Zusammenhang mit dem Bankensystem).

    In Bilanzen werden auf der linken (der Aktiv-)Seite Vermögensgegenstände ausgewiesen und auf der rechten (der Passiv-)Seite wird deren rechtliche Herkunft klassifiziert.

    Die Aktivseite ist in Anlage- und Umlaufvermögen untergliedert. Bei Gegenständen des Umlaufvermögens handelt es sich um solche, deren Verkauf unmittelbar im nächsten Geschäftsjahr geplant ist. Auch Geldvermögen, wie Kassa, Bankguthaben, Schecks etc., zählt in dieser Gliederung zum Umlaufvermögen. Gegenstände des Anlagevermögens sind hingegen jene, für welche kein Verkauf im nächsten Geschäftsjahr geplant ist. Sie sollen bis zum Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer vom Unternehmen genutzt werden. Stellt sich irgendwann jedoch heraus, dass ein Gegenstand des Anlagevermögens nicht mehr sinnvoll verwendet werden kann und daher veräußert werden muss, so wäre dieser auch ins Umlaufvermögen umzugliedern, da für Anlage- und Umlaufvermögen unterschiedliche bilanzielle Bewertungsvorschriften gelten, d.h. es werden die für sie in der Bilanz ausgewiesenen Geldbeträge nach jeweils unterschiedlichen Methoden ermittelt. Die Passivseite ist nach den rechtlichen Eigentumsverhältnissen gegliedert in Eigenkapital und Fremdkapital. Als „Kapital“ werden hier Geldbeträge oder geldwerte Vermögensgegenstände bezeichnet, welche der unternehmerischen Gewinnerzielung dienen. Finanziell bewertet werden kann nur Fremdkapital, nämlich als rechtlich verbindliche Schuld. Eigenkapital hingegen kann, wenn es nicht als Bargeld ins Unternehmen gelangt, als Betrag stets nur geschätzt werden, über den Umweg der Gewinnermittlung. Das Eigenkapital wird in jedem Geschäftsjahr durch den jeweils erzielten Gewinn erhöht bzw. einen allfälligen Verlust vermindert. Als Gewinn und Verlust wird dabei der Saldo, das ist das Endresultat, der Gewinn- und Verlust-Rechnung bezeichnet, in welchem Erträge den Aufwänden gegenübergestellt werden. Aufwände und Erträge wiederum sind die periodisierten, also dem jeweiligen Geschäftsjahr zugeordneten, Abflüsse oder Zuflüsse von Geldwerten. Es handelt sich aber bei den Aufwänden und Erträgen der Finanzbuchhaltung keinesfalls um tatsächliche Zahlungsflüsse. Denn leider existiert zwischen Aufwand und Auszahlung, also dem tatsächlichen Geldabfluss, bzw. zwischen Ertrag und Einzahlung, dem tatsächlichen Geldzufluss, eine beachtliche Differenz. Buchaufwand mindert einfach nur den rechnerischen Gewinn, ist selbst aber nicht zahlungswirksam, d.h. er vermindert nicht die Liquidität (den Kassenstand bzw. den Stand des Bankkontos).

    Aufwände und Erträge der Buchhaltung stellen immer nur periodisierte Zu- und Abflüsse dar, also keine echten Geldflüsse, sondern willkürlich verzerrte und dadurch auch leicht steuerbare Größen, z.B. durch veränderte Nutzungsdauerschätzungen oder die Manipulation von Anschaffungskosten.

    Schuld daran ist v.a. ein privater Verein in London, das International Accounting Standards Board (IASB), der im Auftrag der großen internationalen Prüfungsfirmen die internationalen Bilanzierungsregeln, die International Financial Reporting Standards (IFRS), weiterentwickelt und auch von diesen dafür bezahlt wird. Unter dem Einfluss der US- amerikanischen Prüfungsfirmen wurden diese Regeln vollkommen zahnlos, sodass heute für börsennotierte Unternehmen weitgehende Freiheiten bei der Bilanzierung herrschen, d.h. auch die Erwartungen der Anleger nach Belieben manipuliert werden können. Die zeitgemäße Definition des periodenrichtigen Gewinns lautet daher: Periodenrichtig ist der Gewinn, wenn er in jener Periode anfällt, die der Bilanzersteller wünscht!

    Fazit:

    Es werden in der Bilanz der Banken „Verbindlichkeiten“ angegeben, die keine echten Verbindlichkeiten sind und somit eine Erwirtschaftung der Mittel nur vorgetäuscht und deshalb die Erfolgrechnung und nicht nur, komplett auf dem Prüfstand sollte.

    Grüsse
    Der Praktiker

  22. Der Praktiker verwechselt leider immer noch Aktiven und Passiven der Banken miteinander. Er schreibt:

    Zitat:

    Denn es handelt sich dabei (bei Mindestreserven, Anm. d. V.) um eine Eigenkapitalgröße. 1 Prozent der vergebenen Kredite sollen mit Eigenkapital der Banken gedeckt werden. Nach den Regeln von Basel II sowie Basel III sollen Kredite sogar mit 8 Prozent Eigenkapital oder mehr gedeckt werden, je nach Risikogehalt dieser Kredite.“

    Zitat Ende

    Gemäss Nationalbankgesetz bestehen die Mindestreserven aber keineswegs aus einem Prozentsatz der „vergebenen Kredite“ der Banken, sondern umgekehrt der kurzfristig aufgenommenen Kredite der Banken.

    Der Sachverhalt ist also gerade umgekehrt, als Der Praktiker hier behauptet.

    Zum Beweis sei hier Artikel 18 Absatz 2 des Bundesgesetzes über die Schweizerische Nationalbank zitiert:

    Zitat:

    „Der Mindestreservesatz darf 4 Prozent der kurzfristigen, auf Schweizerfranken lautenden Verbindlichkeiten der Banken nicht überschreiten.“

    Verbindlichkeiten der Banken sind Schulden der Banken. Das sind Kredite, welche die Banken nicht „vergeben“ bzw. gewährt haben, sondern das sind Kredite, welche die Banken aufgenommen haben.

    Zitat Ende

    Leider wurde auch nicht auf das vorhin aufgeführte Gegenargument eingegangen, dass erarbeitetes Vermögen über die Erfolgsrechnung in die doppelte Buchhaltung einfliesst.

  23. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    die Behauptung, ich würde mit Artikelfremdem Sachverhalte argumentieren, weise ich zurück! Ich bin auch kein Initiator der Vollgeld-Initiative, sondern ein einfacher Bürger, der diese Initiative für richtig hält und daher unterstützt. Aber mir geht es in erste Linie gar nicht um das Vollgeld, sondern über die Richtigkeit Ihrer Bankbuchungen, welche Sie in diesem Artikel veröffentlichen.

    Bei einem solchen Artikel wie den Ihren müssen Sie auf harte Kritik vorbereitet sein, nicht weil Sie die SNB kritisieren, sondern sowohl Ihre Tequila-Buchhaltung als auch Erklärungen, weshalb es zum CHF-Höhenflug geg. Euro kam unhaltbar sind.

    Ich bin sehr wohl präzise auf dem „Höhenflug des CHF und seine Ursachen“ eingegangen. Zudem habe ich dargelegt wie die WWL korrupt ist; und unter dieser bewussten Irreführung von Studenten und Öffentlichkeit Geldpolitik betrieben wird. Mindestreserve und Anleihen in Relation mit den Hintergründen die zur Wechselkursbindung geführt haben habe ich auch geschildert!

    Noch etwas, Ihre Behauptungen ich hätte Sie mit dem Wort: „Neurose“ als „kranker“ apostrophiert, weise ich entschieden zurück! Lesen Sie mal meine Beiträge im Kontext. Sie werfen mir u.a. vor das ich plakativ gegenüber Banken argumentiere, auch diesen Unsinn weise ich zurück. Ich habe Zusammenhänge lückenlos in verständlicherweise für den Laien formuliert.

    Wenn Sie allergisch auf harte und sachliche Kritik reagieren, und gleich, entweder mit der sozialistischen Keule oder mit Polemik antworten, dann ist das Ihr Problem.

    Nocheinmal, diese Wirtschaftswissenschaft ist aus meiner Sicht keine Wissenschaft, sondern eine Ideologie oder Religion, die klare umverteilungspolitische Ziele zu verfolgen hat!

    Oft frage ich mich, warum die Großbanken über Chef-Volkswirte verfügen, die oft als Sprecher für ihr Institut die großen ökonomischen Zusammenhänge erklären (und meist falsch liegen). Aus Sicht der Banken macht es natürlich Sinn, einen Wirtschafts-Experten aus dem Elfenbein-turm der Theorien einzusetzen, da dieser meist keine Ahnung vom Finanzsystem hat. Das wird an den Unis nämlich nur peripher unterrichtet und auf keinen Fall in Zusammenhängen erklärt. Ein Volkswirt denkt eigentlich nur in Modellen von theoretischen Märkten.

    Mit der Lebenswirklichkeit und Praxis hat das nichts zu tun.

    Durch die flächendeckende Anwendung der doppelten Buchhaltung (Sollbetrag = Habenbetrag) sowie der bilateralen Verträge zwischen den Menschen (z.B. Verkäufer und Käufer) haben wir (ohne, dass dies den meisten von uns bewusst ist!) die Regel festgeschrieben, dass es nur dann möglich ist, den eigenen Wohlstand zu vermehren, wenn IN GLEICHER HÖHE jemand anders an Wohlstand VERLIERT. Die doppelte Buchhaltung transformierte unser Wirtschaftssystem daher in ein Nullsummenspiel. Wenn daher das Vermögen von Anlegern vermehrt werden soll… dann muss ZWANGSLÄUFIG das Vermögen anderer Menschen oder Menschengruppen in gleicher Höhe vermindert werden – solange wir für die Verwaltung dieses Vorgangs die doppelte Buchhaltung in der heute üblichen Form verwenden. Wenn nun die Bank Geschäfte mit ihren Kunden abschließt („Anlagegeschäfte“), die Bank also Verkäufer ist, der Kunde Käufer, … wer wird in diesen Geschäften gewinnen und wer verlieren, wenn im doppischen System Geldgeschäfte stets nur als Nullsummenspiel möglich sind….?
    Grüsse
    Der Praktiker

    • Praktiker schreibt: „Wenn daher das Vermögen von Anlegern vermehrt werden soll… dann muss ZWANGSLÄUFIG das Vermögen anderer Menschen oder Menschengruppen in gleicher Höhe vermindert werden – solange wir für die Verwaltung dieses Vorgangs die doppelte Buchhaltung in der heute üblichen Form verwenden.“

      Selten einen grösseren Quatsch gelesen. Das Vermögen insgesamt ändert sich also nie, es ist heute gleich gross wie vor 100 Jahren…

    • Praktiker vergisst, dass die doppelte Buchhaltung die Erfolgsrechnung beinhalten, wo ein Ertrag erarbeitet wird.

    • @Moneymoney,entweder sind Sie ein Trittbrettfahrer oder Ignorant…oder vielleicht beides. @Dr. Meyer zu Ihrer Erfolgsrechnung komme ich noch.

      Denken wir doch einmal an sog. festverzinsliche Anlageformen wie z.B. Sparbücher oder Bausparverträge: wo kommen da eigentlich die Zinsen her? Verschuldet sich die Bank um die Zinsen zahlen zu können? Sind es die Gewinne der fleißigen Unternehmer, die sie bei der Bank abliefern? Oder sind es die Einzahlungen neuer Sparer, die als Zinsen für alte Sparverträge ausbezahlt werden? Letzteres wäre jedoch ein Pyramidenspiel und als solches illegal! Können Banken heute aufgrund ihrer Buchhaltung nachweisen, dass sie die Zinsen NICHT aus den Einzahlungen neuer Sparer begleichen? Falls ihnen dies nicht möglich ist, welche Konsequenzen ergeben sich dann daraus?

      Wer die Grundregeln der doppelten Buchhaltung und Bilanzierung beherrscht UND versteht, wie Giralgeld heute bei der Kreditvergabe von Geschäftsbanken in einem Buchungssatz ERZEUGT wird – oder wer in der Wirtschaftspraxis öfters mit der Sanierung realwirtschaftlicher Unternehmen befasst ist, dem ist dieser Vorgang bestens vertraut: die SANIERUNG eines Unternehmens durch UMWANDLUNG VON FREMDKAPITAL IN EIGENKAPITAL (Debt-Equity-Swap)!

      Im Kern geht es dabei um den Buchungssatz
      Fremdkapital an Eigenkapital

      Fremdkapital wird in Eigenkapital umgewandelt, ein Gläubiger wird nunmehr zum (Mit)Eigentümer. Solange noch Vertrauen in das Geschäftsmodell des Unternehmens besteht werden sich etliche Gläubiger finden, die dazu bereit sind, als verantwortungsvolle Miteigentümer ihre Forderungen in einer besseren, selbst mitgestalteten Zukunft als Gewinne zu verdienen anstatt die Forderungen als außenstehende Gläubiger in wirtschaftlich angespannten Zeiten womöglich abschreiben zu müssen, d.h. selbst Verluste zu erleiden.

      Genau dieser Vorgang kann jederzeit auch auf Banken angewandt werden: Gläubiger von Banken (Anleger, Sparer, …) müssen ihr Geld nicht DOPPELT VERLIEREN (als Sparer UND als Steuerzahler) sondern können jederzeit durch diesen Vorgang zu MITEIGENTÜMERN DER BANKEN werden, wodurch sie dann allerdings auch über das Geschäftsmodell mitentscheiden und die entsprechende Verantwortung übernehmen müssen.

      Banker und Politiker, die behaupten eine Bankenrettung wäre ohne Zwangsbesteuerung von Guthaben nicht möglich, sind daher fachlich inkompetent, so wie Sie Herr Dr. Meyer!

      @Dr. Meyer, Geschäftsbanken erzeugten „Geld“ durch einen Buchungseintrag, der zugleich eine Schuld des Kreditnehmers UND eine Schuld der Bank war. Dieses „Geld“ (korrekt: Eintrag in die Buchhaltung der Bank) existierte vor der „Kreditvergabe“ noch nicht. Zusätzlich wurde diese Schuld auch noch „verzinst“, obwohl für diese „Zinsen“ niemals „Geld“ erzeugt wurde.

      Geschäftsbanken im alten Wirtschaftssystem erzeugen „Geld“ durch einen Buchungssatz („Buchgeld“ oder Giralgeld) bei der Kreditvergabe. Rechtlich handelt es sich dabei nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel (dies sind nur Münzen und Geldscheine) sondern um „Forderungen auf Geld“. Da dieses „Geld“ jedoch über keine Seriennummern verfügt (es ist ja nur eine Zahl auf einem Konto), handelt es sich um kein Tauschmittel sondern einen Wertmaßstab!

      Was bedeutet das im Falle der Kreditvergabe?
      Wenn ein Kreditnehmer mit seiner Sicherheit (z.B. ein Grundstück) um einen Kredit ansucht, ihn gewährt erhält und der Banker den Kreditbetrag verbucht, so hat er damit dem Kreditnehmer nichts „gegeben“, sondern lediglich den Wert des Eigentums des Kreditnehmers in seine Bücher eingetragen. Allein aus dieser Tätigkeit, dem Aufschreiben des Werts einer Sache im fremden Eigentum, behauptet der Banker dann eine Schuld ihm gegenüber in genau derselben Höhe.

      Unser Kredit-(Giral-)Geld entsteht also als Wertmaßstab (kein Buchhaltungsprogramm der Welt kann mit den Geldbeträgen zugleich auch die Seriennummern der Geldscheine verwalten!) – und wird danach als Tauschmittel missbraucht bzw. es wird ein Wertmaßstab erzeugt und ein Tauschmittel vorgetäuscht.

      Dieser Vorgang ist rechtlich fragwürdig, unredlich und intellektuell unwürdig!

      Herr Dr. Meyer Sie behaupten immer:

      Banken können also Geld keineswegs „aus dem Nichts“ schöpfen. Bei den Passivposten handelt es sich ja nicht um erfundenes Kapital, sondern um Einlagen privater Haushalte und Unternehmen, emittierte Aktien oder Anleihen oder Ausleihungen bei Zentral- und Geschäftsbanken, die den vergebenen Krediten gegenüberstehen. Banken können nichts verborgen, was ihnen nicht auf der Passivseite ihrer Bilanz als Mittel zur Verfügung steht.

      Irrtum!

      Um diese Aussage – die Geldschöpfung der Banken wäre durch „Mittel auf der Passivseite der Bilanz“ gedeckt – verstehen und ihre völlige Unmöglichkeit begreifen zu können, muss man über den strukturellen Aufbau einer Bilanz Bescheid wissen. Auf der rechten Seite – der Passivseite – findet man in dieser nämlich keine (Vermögens-)Gegenstände, sondern bloß die rechtlichen Ansprüche auf diese. Konkretes Vermögen befindet sich hingegen immer nur auf der linken Seite – der Aktivseite – einer Bilanz.

      Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die doppelte Buchhaltung „doppelt“ genannt wird. Einer ist in dem Umstand zu sehen, dass jeder Geldbetrag in ihr zweimal erfasst wird, als der Wert eines tatsächlichen Gegenstands und zugleich als Darstellung seiner rechtlichen Herkunft. Diese Beträge werden seit dem Mittelalter auf zweiseitige Verrechnungsstellen geschrieben, die Konten genannt werden. Ihre linke Seite wird mit „Soll“ bezeichnet, die rechte mit „Haben“.

      Da der Betrag doppelt erfasst wurde, ist die Bilanz ausgeglichen (die Summe der Aktiva stimmt mit jener der Passiva überein).
      Wir erkennen hier auch sofort den wahren historischen Sinn der doppelten Buchhaltung: Es war ein antikes System für die sichere Datenerfassung und –verwaltung. Durch die doppelte Erfassung und Summenkontrolle sollte sichergestellt werden, dass keine Auslassungen oder Mehrfacherfassungen die Informationen verfälschten. In der Zeit elektronischer Datenbanken ist man aber auf derart primitive Sicherheitssysteme schon lange nicht mehr angewiesen. Der Geldbetrag selbst findet sich nur auf der Aktivseite (am Konto Kassa). Die Passivseite berichtet lediglich darüber, wem die rechtlichen Ansprüche auf die Aktiva zustehen.

      Durch die Kreditvergabe kommt es einerseits zu einer Forderung in dieser Höhe der Bank gegenüber dem Kreditnehmer. Die Forderung zählt für die Bank zu den Vermögensgegenständen, steht also auf der Aktivseite der Bankbilanz. Das Guthaben, über welches der Kreditnehmer danach verfügen kann, ist aber zugleich eine Verbindlichkeit (Schuld) der Bank gegenüber dem Kreditnehmer, der dieses Geld ja jederzeit überweisen oder beheben möchte. Diese Verbindlichkeit steht, wie alle Schulden, auf der Passivseite der Bankbilanz.

      Rufen wir uns in Erinnerung den Blödsinn den die Giralgeldschöpfungs-Leugner gebetsmühlenartig wiederholen; also darunter sind Sie Herr Dr. Meyer, @Moneymoney und ich erinnere mich noch an einen anderen Diskutanten @NichtAllwissend.

      Das klingt in etwa so:

      Damit Banken Kredite vergeben und Buch- bzw. Giralgeld schöpfen können, müssen sie auf der Passivseite ihrer Bilanz natürlich auch über entsprechende Mittel verfügen. Banken können also Geld keineswegs „aus dem Nichts“ schöpfen. Bei den Passivposten handelt es sich ja nicht um erfundenes Kapital, sondern um Einlagen privater Haushalte und Unternehmen, emittierte Aktien oder Anleihen oder Ausleihungen bei Zentral- und Geschäftsbanken, die den vergebenen Krediten gegenüberstehen.

      Es stimmt natürlich, dass die Einlagen der Sparer bei den Banken für diese Verbindlichkeiten darstellen und damit auf der Passivseite der Bankbilanzen ausgewiesen werden. Sie müssen diese den Eigentümern auf Verlangen schließlich wieder zurückgeben.

      Nur spielen alle diese Beträge für die Kreditvergabe selbst aber überhaupt keine Rolle – der Forderung gegenüber dem Kreditnehmer steht der genau gleiche Betrag als Verbindlichkeit der Bank gegenüber, und gar nichts sonst. Auch die vielfach zitierten Mindestreserven – im Euro- Raum lächerliche 1 Prozent – stellen keine wirksame Einschränkung der Kreditvergabe, des „Gelderfindens aus Luft“, dar.

      Denn es handelt sich dabei um eine Eigenkapitalgröße. 1 Prozent der vergebenen Kredite sollen mit Eigenkapital der Banken gedeckt werden. Nach den Regeln von Basel II sowie Basel III sollen Kredite sogar mit 8 Prozent Eigenkapital oder mehr gedeckt werden, je nach Risikogehalt dieser Kredite. Eigenkapital ist aber nichts anderes, als die rechnerische Differenz zwischen der Summe aller Posten der Aktivseite und den Schulden auf der Passivseite der Bilanz. Welche Zahlenbeträge für die Posten der Aktivseite in diese Rechnung wirklich eingesetzt werden, d.h. die Regeln ihrer Bewertung, erfährt die Öffentlichkeit aber nicht, und falls doch, dann ist sie entsetzt und selbst Wirtschaftsprüfer sprechen dann offen von Betrug.

      So dürfen etwa Banken im Euro-Raum seit Oktober 2008, um das Vertrauen in die Banken nicht zu erschüttern – welch ein Hohn – , ihre Wertpapiere bewerten wie sie wollen und müssen bei Wertverlusten diese nicht mehr in den Bilanzen ausweisen, also keine Abschreibungen vornehmen. Kein Wunder, wenn Banken dann wieder Gewinne in den Bilanzen ausweisen – und die Boni der Banker kräftig sprudeln, während die Staaten in Konkurs gehen und der Bevölkerung Sparpakete aufgezwungen werden. Das Risiko eines Kredits, in der Bedeutung, dass dieser vom Kreditnehmer nicht mehr an die Bank zurückgezahlt werden wird, ist zudem überhaupt nicht messbar. Es hängt nämlich von zukünftigen Entwicklungen ab, die wirklich niemand auch nur annähernd vorhersehen kann. Ein Aspekt ist dabei jedoch offensichtlich: In einer Konkurrenzwirtschaft, in der alle Unternehmen gegeneinander um die von den Banken geforderten Zinsen kämpfen, welche als Geld von den Banken aber nie erzeugt wurden, sind Kreditausfälle wesentlich häufiger als in einer zinslosen Kooperationswirtschaft. Zinsen müssen, da das Geld für sie von den Banken nicht geschöpft wird, schließlich einem anderen Wirtschaftsteilnehmer „geraubt“ werden. Dieser augenfällige Zusammenhang darf natürlich von (Zentral)Bankern nicht erkannt werden, weil dadurch das wichtigste Dogma der Geldreligion widerlegt wäre.

      Herr Dr. Meyer abschliessend weise ich Sie auf Ihre Erfolgsrechnung.

      Sie übersehen bei allen Ihren Überlegungen, dass diese Verbindlichkeiten geg. Kunden von den Banken nie eingelöst werden müssen, es sei denn, es gäbe einen Bankenrun auf das Bargeld. Also, nur bei einem Komplettzusam- menbruch des Geldsystems wären die Verbindlichkeiten fällig und dann doch nicht einlösbar. Das haben sich die Banken fein ausgedacht. Der Systemzusammenbruch muss im Interesse aller unter allen Umständen verhindert werden, sodass sie ihre Schulden nie begleichen müssen. Schulden, die nie beglichen werden müssen, sind keine Schulden. Sie werden aber in den Bilanzen der Banken laut Buchführungsregeln als Schulden aufgeführt und somit der Geschäftserfolg der Banken falsch dargestellt. Es ist deshalb notwendig, die gesamte Erfolgsrechnung für Banken auf den Prüfstand zu stellen.

      Denken Sie nach, und bitte gehen Sie punktuell auf Sachverhalte ein und versuchen Sie nicht Ihre inhaltlose Rethorik widerzugeben. Dasselbe, gilt für @Moneymoney von welchem ich immer noch auf Widerlegungen warte das die WWL-korrupt und die Buchhaltung ein mittelalterliches Hütchenspiel ist. Das gilt auch für Sie Herr Dr. Meyer.

      Grüsse
      Der Praktiker

  24. @Der Praktiker

    Der Titel meines Beitrags hier lautet:

    „Und sie geht doch Konkurs…und mit ihr das Schweizer Bankensystem“

    Es geht also darum, aufzuzeigen, dass die SNB genauso Konkurs geht wie ein Privatunternehmen, wenn ihr Vermögen unter Wert ihrer Schulden fällt (einziger Unterschied, der Steuerzahler kann belangt werden).

    Sie hingegen schreiben

    Zitat:

    „Die WWL Lehren seien korrupt! Das Schuldgeldsystem zerstörerisch! Die Mindestreserve und Giralgeldschöpfung ein Betrugs,- und Enteignungsmodell! Der Mindestkurs ein Zeitgewinn! Nichts habe ich von Ihnen gelesen, welche meine Thesen hätten widerlegen können, stattdessen lenken Sie mit einer Nachtrags-Orgie und mit dem Vorwand der “beleidigten Leberwurst” ab.“

    Zitat Ende

    Sie erwarten also, dass ich auf Ihre Thesen eingehe. Mein Beitrag handelt aber nicht von Ihren Thesen, sondern von der These, dass die SNB Konkurs gehen kann.

    Wenn Sie möchten, dass die Leute auf Ihre Thesen eingehen, so sollten Sie einen eigenen Beitrag hier schreiben, und diesen zur Diskussion stellen. Fragen Sie doch Herrn Hässig.

    Ihre Thesen sehe ich eher im Zusammenhang mit der Vollgeld-Initiative, von der Sie ein Verfechter hier sind.

    Deshalb habe ich Sie höflich gebeten Ihre Thesen auf dem Beitrag zur Vollgeld-Initiative zu posten, den ich nebenan verfasst habe. Darauf haben Sie sehr emotional reagiert. M.E. zu Unrecht. Dies war ein in der Sache berechtigter Vorschlag von mir.

    Und noch ein Wort zu den persönlichen Beleidigungen: Sie haben geschrieben, ich hätte eine „Neurose“. Das ist ein Ausdruck aus der Psychoanalyse – ein Krankheitsbild – und ich denke nicht, dass Sie das Recht haben, mich persönlich so hinzustellen. Sind Sie Psychoanalytiker?

    Deshalb habe ich geschrieben, dass ich nicht bereit bin, weiter zu diskutieren auf diesem Niveau. Solche Beleidigungen ohne den Mut, den persönlichen Namen bekanntzugeben empfinde ich als feige.

    Ein anderer Kommentator bezeichnete mich als „paranoid“. Auch das ist nicht die Art und Weise, wie man eine sachliche Diskussion führt.

    Es ist m.E. unglaublich, welche Beleidigungen man an den Kopf geworfen erhält, wenn man sich wagt, die Schweizerische Nationalbank und eine etablierte Meinung zu kritisieren.

    Ich bitte Sie einmal mehr, von mir nicht zu verlangen, in diesem Blog auf Ihre Thesen einzugehen. Zudem lenke ich mit meinen Nachträgen nicht vom Thema ab, wie Sie behaupten – im Gegenteil – diese beziehen sich exakt auf den von mir geschriebenen Haupttext.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

  25. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    Ihre Unterstellungen gegen meine Eingaben und Person weise ich zurück!

    Eine exakte Definition von Begriffen ist eine unverzichtbare Grundlage für eine konstruktive Kommunikation. Stattdessen aber werden Ihrerseits bestimmte sinnvolle Vokabeln mit geistigen Viren belegt, um ihren aufklärenden Charakter zu vernebeln.

    Durch diese Fehlbestimmungen kann man (sachlich betrachtet) vernünftige Vokabeln virusartig so in der Diskussion infiltrieren, dass sie nicht nur ihren Sinn verlieren, sondern sogar einen regelrechten Negativ-Reflex beim Empfänger auslösen. Herr Dr. Meyer, dass beherrschen Sie ausgezeichnet.

    Mir fällt auf, dass Sie permanent mit diesen Vokabel-Waffen arbeiten, um die Gegendarstellung des Diskutanten zu diskreditieren ohne die Begründung des Diskutanten zu widerlegen!

    Mir liegt es fern, mich über andere Menschen zu erheben und zu behaupten, ich könne jeden Begriff final definieren, aber ich kann den Anspruch für mich erheben, nur wenig unüberlegte Vokabeln zu nutzen, was natürlich auch nicht immer gelingt. Ebensowenig, habe ich es auf Ihre Person abgesehen! Sie unterstellen ich würde mich hinter einem Pseudonym verstecken, deshalb apostrophieren Sie mich als feige!

    Nun überlegen Sie Mal was diese Aussage bedeutet? Sie behaupten ich würde Sie beleidigen. Ich kann keine Beleidigungen erblicken, vielmehr fehlen mir die Widerlegungen meiner Behauptungen Ihre Thesen seinen ein Unsinn! Die WWL Lehren seien korrupt! Das Schuldgeldsystem zerstörerisch! Die Mindestreserve und Giralgeldschöpfung ein Betrugs,- und Enteignungsmodell! Der Mindestkurs ein Zeitgewinn! Nichts habe ich von Ihnen gelesen, welche meine Thesen hätten widerlegen können, stattdessen lenken Sie mit einer Nachtrags-Orgie und mit dem Vorwand der „beleidigten Leberwurst“ ab.

    Ich muss vielmehr zur Kenntnis nehmen, dass Sie als Publizist Diskutanten Ignoranz, Arroganz, Feigheit, Inkompetenz, Rechtsschreibefehler (und Sie wollen Lehrer sein?) und so weiter und so fort vorwerfen.

    An dieser Stelle spätestens muss ich die Seriosität Ihres Verhaltens hinterfragen, Ihre eigene Theorien nicht als solche bezeichnen zu wollen, sondern basierend auf die Jahrtaussende alten Buchhaltung Interpretation nach der Methode des Herr Dr. Meyer. Ich erinnere an die Eingaben von @FairKritik, wo dieser und nicht nur, Ihre Interpretation der Buchhaltung zerlegt hat.

    Ihre Reaktionen verstärken wieder einmal den Verdacht, dass Sie weniger an einer Aufklärung der Sachverhalte interessiert sind, als vielmehr an der Aufrechterhaltung und Installation bestimmter Dogmen.

    Ich gebe Ihnen nicht recht, wenn ich behaupte, dass die Schweiz im Euro/EU absorbiert und die Zeche der Steuerzahler zahlt; wenn Sie auf meine Eingaben eingegangen wären, hätten Sie erkannt, dass die Ursache-Wirkung eine ganz andere ist.

    Grüsse
    Der Praktiker

    • @Der Praktiker

      Doch, die jahrtausendealte doppelte Buchhaltung ist m.E. nach wie vor korrekt.

      Vielleicht sollten Sie, die Vollgeld-Initianten und die SNB sich nochmals überlegen, ob sie sich einfach über die doppelte Buchhaltung hinwegsetzen dürfen mit Behauptungen, wie „Geldschöpfung aus dem Nichts“.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  26. Nachtrag VI

    Insolvenz der SNB in 12 Punkten einfach erklärt

    Punkt eins:
    Die Mindestreserven der Banken bei der SNB betragen mehr als das 21-fache der gesetzlich vorgeschriebenen Menge. Die Banken haben somit das Recht, ihre Mindestreserven bei der SNB von sich aus zu reduzieren.

    Punkt zwei:
    Die Mindestreserven können nur abgebaut werden, wenn die SNB Devisen verkauft.

    Punkt drei:
    Angenommen, die Mindestreserven in Form von Giroguthaben der Banken bei der SNB betragen 1.2 Billionen Franken. Damit habe die SNB 1 Billionen Euro gekauft (Kurs 1.2). Nun falle der Kurs des Euro auf eins zu eins. Resultat: Der Wert der Devisenanlagen der SNB fällt von 1.2 auf 1 Billion Franken.

    Punkt vier:
    Da sich das Vermögen der SNB auf der Aktivseite der Bilanz von 1.2 auf 1 Billionen reduziert hat, sind die Schulden auf der Passivseite von 1.2 Billionen nur noch mit einer Billion gedeckt. Konklusion: Die Banken müssen ihre Guthaben bei der SNB von bisher 1.2 Billionen Franken auf 1 Billion wertberichtigen. Das führt zu Verlusten von 200 Milliarden Franken bei den kreditgebenden Banken und kann deren Konkurs bedeuten.

    Punkt fünf:
    Die Banken wollen ihre Mindestreserven bei der SNB von 1.2 Billionen zurückfordern. Das ist nur möglich, wenn die SNB ihre Devisenanlagen verkauft.
    Buchungssatz aus Sicht der SNB:
    Giroguthaben der Banken an Devisenanlagen 1.2 Billionen Franken

    Punkt 6:
    Die Banken erteilen der SNB den Auftrag, ihre Mindestreserven in Franken umzutauschen gegen Euros und diese zu überweisen an Zentralbanken in Europa, die im Verbund der EZB sind. Hinter diesem Auftrag stehen u.a. Investoren aus Europa, die ihre Gewinne in Franken mitnehmen möchten.

    Punkt 7:
    Da die Banken bei der SNB 1.2 Billionen Franken in Form von Mindestreserven besitzen, haben sie das Recht, dass ihnen die SNB auf Ihre Konti bei europäischen Zentralbanken 1.2 Billionen Euro überweist (da neuer Kurs eins zu eins).

    Punkt 8:
    Die SNB ist in Not. Die Banken fordern von ihr 1.2 Billionen Euro. Sie besitzt aber nur 1 Billion Euro. Es fehlen der SNB 200 Milliarden Euro. Die SNB ist illiquide in Euro. Sie kann keine Euro drucken.

    Punkt 9:
    Die SNB meint, sie könne in diesem Fall einfach „Geld drucken“ (Jordan) bzw. die Notenbankgeldmenge vergrössern. Damit werde sie zahlungsfähig. Nein, kann sie nicht. Das würde heissen, dass die SNB von den Banken noch mehr Mindestreserven einfordern muss. Dazu hat sie nicht das Recht. Zudem wollen die Banken die Mindestreserven im Gegenteil abbauen. Und die SNB kann logischerweise nicht ihre Schulden bei den Banken abbauen, indem sie noch mehr Schulden bei den Banken in Form von Giroguthaben aufnimmt. Das wäre unlogisch.

    Punkt 10:
    Die SNB ist insolvent. Es kommt zum Konkurs. Der Staat will der SNB einen Kredit von 200 Milliarden geben. Er darf das aber nicht, weil in der Bundesverfassung die Schuldenbremse verankert ist (dieser Betrag wäre eine Verdoppelung der Schulden von Bund Kantonen und Gemeinden zusammen).

    Punkt 11:
    Der Staat versucht, innert Kürze 200 Milliarden Franken Steuergelder einzutreiben, um die SNB zu rekapitalisieren. Unmöglich. Die Banken müssen ihre Guthaben bei der SNB definitiv um 200 Milliarden abschreiben und gehen möglicherweise Konkurs.

    Punkt 12:
    Es besteht die Gefahr dass die Schweiz nun der EU beitreten will, um einen tiefen Frankenkurs bzw. hohen Eurokurs von 1.20 auszuhandeln. Dadurch wäre die Schuld der SNB beseitigt.

    Konklusion: Die Schweiz wird aufgrund der geldtheoretischen und geldpolitischen Fehler der SNB an die EU verscherbelt.

  27. @Klaus Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Sie mögen sich offensichtlich nicht mehr daran erinnern, was Sie wenige Stunden zuvor geschrieben haben.

    Sie haben im letzten Kommentar geschrieben:

    Zitat:

    „Je größer die negativen Schlagzeilen über die SNB/Schweiz am Montag nach dem riesigen Buchverlust der SNB werden, desto größer wird das Investorenbedürfnis sein, noch rechtzeitig aus dem CHF auszusteigen und Kursgewinne mitzunehmen.

    Zitat Ende

    Zudem schreiben Sie:

    Zitat:

    „Oder meinen Sie vielleicht tatsächlich, dass ein Verkauf von 304 Mrd.CHF gegen EUR den Schweizer Franken nicht schwächt?“

    Zitat Ende

    Und nun behaupten Sie:

    Zitat:

    „Ich habe nicht gesagt, dass der Wert des Euro gegen CHF steigt, wenn das Eigenkapital der SNB negativ wird.“

    Zitat Ende

    Herr Kastner, fassen wir zusammen:

    Wenn die SNB einen grossen Buchverlust erleidet, so wird das Eigenkapital der SNB negativ. Und wenn die Banken ihre Gewinne in diesem Fall mitnehmen und ihre Franken gegen Euros verkaufen, so fällt der Franken gegen Euro bzw. der Euro steigt gegen Franken.

    Genau das sagen Sie.

    Und jetzt Herr Kastner behaupten Sie, Sie hätten nicht gesagt, dass der Euro steigt, wenn das Eigenkapital der SNB negativ wird.

    Herr Kastner, Sie haben die Übersicht über ihre Behauptungen hier offensichtlich vollkommen verloren.

    Sie bezeichnen mich im Zusammenhang mit obiger Argumentation als unlauter oder dumm. Genauso hätte ich mich gegenüber SNB-Chef Jordan verhalten.

    Nein Herr Kastner – sie verdrehen Ihre Aussagen und jene von Herrn Jordan.

    Bitte lassen Sie mich noch eine Bemerkung anbringen zu Ihrer Behauptung, der Franken werde fallen, wenn die Banken Franken gegen Euro verkaufen.

    Bitte lassen Sie mich diesen Zusammenhang erklären anhand eines einfachen Beispiels und einer Kurvenverschiebung.

    Angenommen, die Nachfrage nach Tomaten steige. Dadurch steigen der Preis und die gehandelte Menge an Tomaten. Weil mehr Tomaten gehandelt werden, werden auch mehr Tomaten verkauft. Dieser erhöhte Verkauf von Tomaten führt aber nicht per se zu einem fallenden Tomatenpreis.

    Ansonsten könnten die Tomatenpreise sich gar nie verändern.

    Dasselbe gilt für den Devisenmarkt, von dem Sie behaupten, dass Sie ihn so gut kennen.

    Eine erhöhte Nachfrage nach Tomaten führt zu einer Verschiebung der Nachfragekurve nach rechts und oben. Dadurch steigen Preis und Menge der Tomaten.

    Unter der ceteris paribus Annahme bleiben dieser Preis und die Menge nachhaltig hoch.

    Auch das gilt für den Devisenmarkt.

    Wenn also eine erhöhte Nachfrage nach Franken einsetzt, so werden mehr Franken gehandelt und der Wert des Frankens steigt. Er steigt nachhaltig. D.h. auch wenn mehr Franken gehandelt werden (gekauft und verkauft werden), so fällt dessen Wert nicht (ceteris paribus).

    Herr Kastner, Sie denken zu wenig wissenschaftlich.

    Zum Schluss schreiben Sie, ich solle mich von Finanzblog verabschieden oder verabschiedet werden.

    Herr Kastner, Sie haben offenbar Ihren Realitätssinn verloren. Sie sind ein äusserst schlechter Verlierer.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

    P.S. Doch, die Banken werden ihre Positionen bei der SNB im Falle von negativem Eigenkapital der SNB wertberichtigen müssen, weil diese nicht mehr durch Vermögen der SNB vollumfänglich gedeckt sind.

    Die SNB kann die Giroguthaben der Banken (Mindestreserven) auf deren Antrag nur reduzieren, wenn sie Devisen verkauft. Im Falle von negativem Eigenkapital der SNB verfügt die SNB aber nicht mehr über genügend Euros, um die Forderungen der Banken gegenüber der SNB in Franken zu begleichen.

  28. @Klaus Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Gerne möchte ich an dieser Stelle einmal ein persönliches Wort an Sie richten:

    Seit schätzungsweise einem Jahr senden Sie mir hier Kommentare zu meinen Gastbeiträgen. Einerseits möchte ich mich dafür bedanken, weil sie die Diskussion bis zu einem gewissen Grad anregen.

    Andererseits bitte ich Sie, sich einmal die Art und Weise ihrer Kommentare zu überdenken. Aus meiner Optik fällt mir folgendes auf:

    Ihre Kommentare mir gegenüber sind überwiegend negativ durchzogen: Teilweise sogar gehässig bis wütend und auch diffamierend. Sie schrecken auch nicht vor persönlichen Beleidigungen gegenüber mir zurück: Ausdrücke wie „paranoid“ in Bezug auf mich oder “mir sei nicht zu helfen“ kommen da auch vor.

    Einige Ihrer Argumente, die ich in Erinnerung behielt, waren folgende wie beispielsweise:

    Ich solle dem Notenbankpräsidenten auch einmal einen Fehler gestatten wie die Verwechslung von Eigenkapital und Fremdkapital der SNB.

    Oder:

    Ich solle Behauptungen, wie die SNB könne nicht zahlungsunfähig AUSWENDIG lernen. Das schrieben Sie mir sogar in Grossbuchstaben.

    Und dergleichen.

    Auch schrieben Sie mir schon, Sie würden sich endgültig aus der Diskussion mit mir verabschieden, meldeten sich dann aber kurzerhand wieder zurück. Oder neulich hatten Sie die Unverfrorenheit und forderten Sie mich auf, ich solle mich aus der Diskussion zu meinen eigenen Gastbeitrag verabschieden. Ich frage mich, wie sie als Kommentator dazu kommen, mir zu raten, an der Diskussion zu meinem eigenen Beitrag nicht mehr teilzunehmen.

    In Ihrem jüngsten Beitrag, gleich nachfolgend, bezeichnen Sie mich immer wieder als den „Buchhalter Dr. Meyer“, der nichts vom Devisenmarkt verstünde.

    Sie dürfen mich gerne „Dr. Buchhalter“ nennen. Ich hielt ja u.a. auch Vorlesungen an der Universität Bremen zum Thema „Bilanzanalyse und Zentralbankpolitik“.

    Gerne weise ich Sie aber darauf hin, dass ich „von Haus aus“ Volkswirtschaftler bin. Meine Lizentiats Arbeit befasste sich mit der Phillips Kurve, d.h. mit der Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit.

    Später schrieb ich das Buch „Arbeitslosigkeit – die grosse Verantwortung der Wirtschaftswissenschaft“. Darin wollte ich Wege aufzeigen, wie Arbeitslosigkeit durch Geld- und Fiskalpolitik bekämpft werden kann.

    Später schrieb ich die Dissertation „Geld – eine Obligation der Notenbank“ mit summa.

    Ich arbeitete zudem 15 Jahre im Bankensektor, davon fast 10 als Strategist bei der UBS. Da analysierte ich die Finanzmärkte (u.a. Devisenmärkte) aus makroökonomischer Sicht. Seit über 20 Jahren beobachte und analysiere ich die Finanzmärkte und insbesondere die Devisenmärkte. Das tue ich bis heute anhand von fundamental Analyse sowie aus technischer Sicht.

    Wenn Sie mir also unterstellen, ich verstünde nichts vom Devisenmarkt, so täuschen Sie sich möglicherweise.

    Aus meiner Sicht besteht Ihr Problem darin, dass Sie die gängigen geldpolitischen Floskeln auswendig gelernt haben – wie Sie selber schreiben. Diese wiederhole Sie hier in einer Endlosschleife – ohne kritisch zu hinterfragen.

    Auswendig lernen – ohne Verständnis – das ist heute nicht mehr gefragt.

    Der fundamentale Fehler geht auf Keynes zurück. Er hat Liquidität als Aktivum der Zentralbank interpretiert und damit den Grundstein zu den vielen Missverständnissen gelegt. Diesen Fehler will ich richtigstellen.

    Die Rechtfertigung des Mindestkurses durch die SNB basiert auf solchen Missverständnissen.

    Es geht hier nicht um Recht habe um jeden Preis. Es geht um die wirtschaftliche Zukunft der Schweiz.

    Da die Schweizer Volkswirtschaft sich in grosser Gefahr befindet wegen dieses Mindestkurses, empfinde ich es als meine Pflicht als Schweizerbürger auf diese Missverständnisse hinzuweisen.

    Ich bitte Sie, das zu respektieren.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

  29. @Klaus Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Besten Dank

    Sie schreiben:

    Zitat:

    „Zunächst hat die SNB einen Buchverlust von ca. 80 Mrd.CHF und das buchmäßige Eigenkapital sinkt auf ca. minus 40 Mrd.CHF. Sonst passiert zunächst einmal gar nichts; die SNB ist weiterhin voll handlungsfähig: sie kann sämtliche CHF Zahlungsaufträge durchführen und sie kann sämtliche Devisen gegen CHF kaufen/verkaufen.

    Nun beginnen die Investoren, CHF gegen EUR zu verkaufen.“

    Zitat Ende

    Gerne möchte ich Sie nochmals daran erinnern:

    a) Wenn das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich fällt, so müssen die Banken ihre Guthaben bei der SNB entsprechend tiefer bewerten. Das kann zu Bankenkonkursen führen.

    b) Im Falle von negativem Eigenkapital der SNB kann die SNB ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Banken nicht mehr nachkommen. Warum?
    Der Wert der Devisen in Franken, d.h. der Wert des Vermögens der SNB in Franken bewertet ist unter den Wert der Schulden der SNB in Franken gefallen.
    Wenn die Banken in diesem Fall ihre Guthaben bei der SNB abbauen möchten, so ist das nicht möglich, weil die SNB zu wenig Euro besitzt.

    Aus diesem Grund ist die SNB bei negativem Eigenkapital zahlungsunfähig. (Bitte lesen Sie dazu meine Nachträge I – V, insbesondere V; dort ist alles exakt beschrieben)

    Ihre Argumentation, dass der Euro steige, sobald das Eigenkapital der SNB negativ werde ist realitätsfremd.

    Im Bankwesen ist es so, dass bei Konkurs eines Schuldners dieser exekutiert wird; es wird nicht der Vertrag rückgängig gemacht. D.h. im Fall der SNB, dass die Schweizer Steuerzahler für die Schulden der SNB haften und diese gegenüber den Banken bezahlen müssen. Wenn ihnen das nicht gelingt, kommt als nächstes das Eigenkapital der kreditgebenden Banken an die Reihe.

    So sieht die Realität aus.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    • @Meyer
      Mit Verlaub — das ist blanker Unsinn, was Sie hier schreiben, Herr Dr. Meyer und nur weil Sie darauf verweisen, dass Sie anderswo schon den gleichen Unsinn geschrieben haben, wird der Unsinn nicht besser! Abgesehen davon beweisen Sie, dass Sie meinen Text überhaupt nicht verstanden haben!

      Ad (a): NIE wird eine Bank Forderungen in Lokalwährung an ihre eigene Notenbank, die das Monopol für diese Lokalwährung hat, wertberichtigen müssen. Lassen Sie sich das doch einmal von einem Schweizer Banker erklären, wenn Sie es alleine nicht verstehen können (und falls der Banker Ihre Meinung bestätigt, zitieren Sie bitte seinen Namen).

      Ad (b): der Wert der SNB Devisen in CHF hängt vom Wechselkurs ab, den Sie unterstellen. Wenn die Inhaber der Giroguthaben ihre CHF in großem Umfang gegen EUR verkaufen, dann wird der CHF schwächer und der CHF Gegenwert der Devisen steigt. Lassen Sie sich das doch einmal von einem Schweizer Devisenhändler erklären (und falls der Devisenhändler Ihre Meinung bestätigt, zitieren Sie bitte seinen Namen).

      Ich habe nicht gesagt, dass der Wert des Euro gegen CHF steigt, wenn das Eigenkapital der SNB negativ wird. Das wäre in der Tat eine realitätsfremde Aussage und der Umstand, dass Sie mir diese Aussage unterstellen zeigt, dass Sie das geschriebene Wort entweder nicht verstehen können oder wollen (genauso, wie Sie das immer bei Herrn Jordan tun). Ich habe gesagt, dass der Wert des Euro gegen den CHF steigt, wenn die CHF Nachfrage nach dem Euro steigt und das kann nur passieren, wenn CHF Giroguthaben in großem Umfang gegen Euro verkauft werden.

      Was Sie machen, ist entweder intellektuell schlicht unlauter (wenn absichtlich) oder ein Ausdruck von Dummheit (wenn nicht absichtlich). Auf jeden Fall ist es ein Ausdruck von Starrsinn.

      Die Giroguthaben von inländischen Banken bei der SNB betrugen zuletzt 304 Mrd.CHF. Lassen Sie doch bitte alle diese inländischen Banken versuchen, diese 304 Mrd.CHF in EUR zu konvertieren und warten Sie ab, wie sich das auf den EUR/CHF Kurs auswirkt. Und dann, bitte, bewerten Sie die Devisen der SNB zu diesem neuen EUR/CHF Kurs und Sie werden sehen, dass das Eigenkapital der SNB gewaltig gestiegen ist.

      Oder meinen Sie vielleicht tatsächlich, dass ein Verkauf von 304 Mrd.CHF gegen EUR den Schweizer Franken nicht schwächt? Wenn Sie das wirklich meinen, dann sollten Sie sich von einem Finanzblog verabschieden (oder verabschiedet werden).

    • Korrigenda

      Keynes hat Notenbankgeld als „Liquidität“ der Notenbank und damit als Aktivum interpretiert. Das ist falsch.

      Notenbankgeld ist kein Aktivum und damit auch keine Liquidität der Zentralbank.

  30. „Angenommen, die SNB habe mit den 1.2 Billionen Franken-Schulden 1 Billion Euro-Guthaben gekauft. Nachdem der Kurs auf eins zu eins gefallen ist, haben also die Banken das Recht, dass die SNB ihnen insgesamt 1.2 Billionen Euros überweist. Unsere SNB hat aber nur 1 Billion Euro. Die SNB kann ihren Zahlungsverpflichtungen somit nicht nachkommen. Es fehlen ihr 200 Milliarden Euro“.

    Buchhalterisch erscheint diese Aussage korrekt, leider fehlt dem Buchhalter Dr. Meyer das Verständnis, wie der Devisenmarkt funktioniert. Wenn der Private 1.000 CHF in EUR wechseln will, dann wird ihm die Bank jenen Kurs stellen, den sie in der Auslage angeboten hat. Wenn der Private 1 MCHF in EUR wechseln will, dann wird die Bank ihm einen ‚Marktkurs stellen‘; d. h. der Devisenhandel der Bank legt fest, zu welchem Kurs diese 1 MCHF angekauft werden können.

    Die SNB hat keine Auslage, in der steht „kaufe CHF uneingeschränkt zum Kurs von x“. Derzeit hat sie ein Schild in der Auslage, auf dem steht „verkaufe CHF uneingeschränkt zum Kurs von 1,20“ und das ist ja der Kritikpunkt, um den es in diesen Kommentaren geht.

    Es könnte der SNB nichts Besseres passieren, als dass Investoren entscheiden, aus dem CHF auszusteigen, in EUR zurückzuwechseln und Kursgewinne mitzunehmen (= Reduktion der Giroguthaben der Banken). Nehmen wir an, die SNB gibt ihre Kursinterventionen auf und der EUR/CHF Kurs steigt auf 1:1 an einem Freitag Nachmittag. Was passiert am folgenden Montag?

    Zunächst hat die SNB einen Buchverlust von ca. 80 Mrd.CHF und das buchmäßige Eigenkapital sinkt auf ca. minus 40 Mrd.CHF. Sonst passiert zunächst einmal gar nichts; die SNB ist weiterhin voll handlungsfähig: sie kann sämtliche CHF Zahlungsaufträge durchführen und sie kann sämtliche Devisen gegen CHF kaufen/verkaufen.

    Nun beginnen die Investoren, CHF gegen EUR zu verkaufen. Der erste beauftragt die SNB, 10 Mrd.CHF in EUR zu wechseln. Die SNB wechselt zu 1:1? Nein! So simpel, wie sich das der Buchhalter Dr. Meyer vorstellt, ist das nicht! Stattdessen wird die SNB im Markt feststellen, was der Marktkurs für ein solches Devisengeschäft wäre und dem Kunden einen Marktkurs stellen. Wenn der Kunde anderswo einen besseren Marktkurs bekommt, wird er anderswo handeln.

    Bitte zu beachten: der EUR/CHF Kurs war vorher auf 1:1 gestiegen, weil Investoren CHF kauften ohne ein entsprechendes CHF Verkäuferinteresse auf der anderen Seite (während der Kursinterventionen was die SNB der einzige CHF Verkäufer!). Wenn jetzt CHF am Markt großvolumig zum Verkauf gegen EUR angeboten werden, wird sich der Markt fragen, was sich dahinter verbirgt: ist es die SNB, die ihre EUR long position auf Teufel komm‘ raus reduzieren möchte oder sind es Investoren, die aus dem CHF aussteigen wollen?

    Die SNB mutiert vom potentiellen Devisenkäufer zum potentiellen Devisenverkäufer und der einzige im Markt, der weiß, ob es sich um eine Panikaktion der SNB oder um eine Investorenflucht aus dem CHF handelt, ist zunächst einmal der Devisenhandel der SNB. Dieser Devisenhandel weiß, ob es sich um eine Entscheidung der SNB handelt, die Währungsposition auf Teufel komm‘ raus zu reduzieren oder ob ein konkreter Verkäufer der CHF, beispielsweise die UBS, dahinter steht. Entsprechend wird sie den Kurs stellen.

    Der erste 10 Mrd.CHF Verkaufsorder wird die Welt noch nicht verändern, die UBS wird jedoch den Markt testen. Geht der Deal zu einem Kurs von 0,99 (oder darunter) über die Bühne, weiß der Markt, dass es nach wie vor CHF Käufer gibt. Geht er zu 1,01 (oder darüber) über die Bühne, dann weiß der Markt, dass die CHF Käufer zurückhaltend werden. Wenn der Markt erkennt, dass die CHF Käufer zurückhaltend werden, wird er testen, ob es sich um eine ‚vorübergehende Zurückhaltung‘ handelt oder eventuell um den Beginn einer Trendwende. Die SNB verändert bei dieser Übung ihre Devisenposition nicht, weil sie die Kundenaufträge einfach im Markt durchhandelt, damit sich ein Kurs bildet. Wenn die SNB der UBS EUR im Gegenwert von 10 Mrd.CHF verkauft, heißt das noch lange nicht, dass sie ihre eigenen EUR aus ihrer eigenen Devisenposition verkauft. Auf jeden Fall wird die SNB bei weitem der größte potentielle CHF Käufer sein und der größte Käufer hat immer den Vorteil, dass er den Marktkurs beeinflussen kann. Nochmal: die USB kann der SNB den Auftrag erteilen, 10 Mrd.CHF in EUR zu wechseln, aber sie hat keinen Anspruch auf einen Kurs von 1:1 oder irgendeinen anderen bestimmten Kurs! Sie hat nur auf den Marktkurs Anspruch. Wenn 1:1 der echte Marktkurs (d. h. ohne SNB Interventionen) wäre, dann wird sie ihn bekommen (sowohl von der SNB, wie auch von allen anderen Marktteilnehmern); sonst nicht.

    Wenn es bei diesem 10 Mrd.CHF Verkaufsorder bleibt, dann wird sich beim Wechselkurs nicht viel ändern. Wenn jedoch dieser Verkaufsorder zu einer Trendwende am Markt führt, wenn also Investoren diesen Verkaufsorder als Signal orten, dass die Zeit gekommen ist, CHF Giroguthaben abzubauen und Kursgewinne zu realisieren, dann werden viele CHF Verkaufsorder gegen EUR folgen. Und wer wird CHF kaufen und mit EUR bezahlen, wenn Investoren CHF so rasch wie möglich loswerden wollen, um Kursgewinne zu realisieren? Richtig! Die SNB! Wenn eine Blase platzt und wenn Investoren aus dem CHF raus und in den EUR rein wollen wollen, dann kann derjenige entspannt bleiben, der bereit und in der Lage ist, diese EUR gegen CHF zu verkaufen.

    Je größer die negativen Schlagzeilen über die SNB/Schweiz am Montag nach dem riesigen Buchverlust der SNB werden, desto größer wird das Investorenbedürfnis sein, noch rechtzeitig aus dem CHF auszusteigen und Kursgewinne mitzunehmen. Die SNB kann in dieser Situation nur ein Interesse haben: die eigenen EUR erst dann zu verkaufen, wenn die Buchverluste neutralisiert sind. Bis dahin wird sie wohl die CHF Verkaufsorders im Markt durchhandeln, was die Schwächung des CHF verstärken wird.

    Der Kursanstieg des CHF wurde durch eine KAPITALFLUCHT IN DEN CHF verursacht und die SNB mutierte zum einzigen EUR Käufer. Sollte es zu einer KAPITALFLUCHT AUS DEM CHF kommen, dann wird die SNB zum CHF Käufer mutieren, möglicherweise sogar zum einzigen.

    Der Buchhalter Dr. Meyer wird wahrscheinlich sagen, dass eine Kapitalflucht aus dem CHF undenkbar ist. Ok. Dann werden aber die CHF Giroguthaben unverändert hoch bleiben. Dann wird die SNB allerdings ihre Buchverluste auch nie realisieren. Sie wird mit einem negativen buchmäßigen Eigenkapital voll handlungsfähig bleiben, weil sie nur dann unter Zugzwang kommt, wenn ihre ‚Gläubiger‘ ihre CHF Giroguthaben gegen EUR wechseln wollen, d. h. wenn es zu einer CHF Kapitalflucht kommt. Und damit schließt sich der oben beschriebene Kreis.

    Bevor ich jetzt mißverstanden werde: auf keinen Fall behaupte ich, dass die Devisenposition der SNB kein Verlustrisiko, sondern eher sogar Gewinnpotential birgt. Ich sage nur, dass sich das Szenario nicht so entwickeln wird, wie sich das der Buchhalter Dr. Meyer vorstellt.

    Normalerweise interveniert eine Notenbank, um die ABWERTUNG ihrer Währung zu verhindern. Dazu nimmt sie Devisenkredite auf, um die Landeswährung zu kaufen und damit den Kurs künstlich hoch zu halten. Damit kann eine Notenbank zahlungsunfähig werden, weil sie die Devisen zur Bedienung der Devisenkredite nicht selbst schöpfen kann. I.d.R. hat sie am Ende beides: die Kosten der Kursstützung UND die Abwertung (siehe Soros/BoE).

    Die SNB hat interveniert, um die AUFWERTUNG ihrer Währung zu verhindern. Dazu nahm sie, buchhalterisch, Kredite in CHF auf und kaufte Devisen, um den CHF künstlich niedriger zu halten. Diese CHF kann die SNB selbst schöpfen, sodass sie nicht zahlungsunfähig werden kann. Sollte diese Interventionspolitik schiefgehen, dann hat die SNB Buchverluste und ein negatives buchmäßiges Eigenkapital. Sie bleibt jedoch voll handlungsfähig.

    Das größte Risiko für die SNB ist, dass die Investoren nie aus dem CHF aussteigen wollen. Dass sie nie ihre Giroguthaben reduzieren und gegen EUR eintauschen wollen. Dann würde die SNB auf ihren Buchverlusten und auf ihrem negativen buchhalterischen Eigenkapital sitzen bleiben (und die Investoren blieben auf ihren CHF Giroguthaben sitzen). Der diesbezügliche Test wird kommen, wenn es – irgendwann einmal – wieder zu einem Zinsdifferential zwischen dem CHF und dem EUR kommt; d. h. wenn CHF Zinsen beispielsweise bei nahe null bleiben, EUR Zinsen jedoch auf 2-3% steigen. Wenn dann Investoren trotz eines jährlichen Zinsverlustes von 2-3% im CHF bleiben, dann wird die SNB einsehen müssen, dass ihre Interventionspolitik nichts gebracht hat und dass sie auf lange Zeit auf ihren Buchverlusten sitzen bleiben wird.

    Obiges ‚größtes Risko‘ könnte sogar noch größer werden, wenn irgendetwas passiert, was eine neuerliche KAPITALFLUCHT IN DEN CHF auslösen könnte. Wenn der Rest der Welt zum Schluß käme, dass der CHF die einzige Währung ist, in die man noch vertrauen kann. Das würde dann aber in der Tat das Ende einer CHF-basierten Schweizer Volkswirtschaft bedeuten.

    Niemand kann die Schweiz zwingen, Steuergelder zu verwenden, um ein buchalterisch negatives Eigenkapital der SNB auszugleichen, solange die SNB handlungsfähig bleibt. Nur der ‚Zwang des Marktes‘ könnte dies bewerkstelligen. Der Markt könnte z. B. der SNB signalisieren, dass man CHF Kapital aus dem Schweizer Markt abziehen würde, wenn die Schweiz die SNB nicht rekapitalisiert. Der Buchhalter Dr. Meyer erkennt darin den Untergang der SNB und der Schweiz. Ich hoffe, dass ich überzeugend darstellen konnte, dass der SNB und der Schweiz nichts Besseres passieren könnte als dass der Markt seine CHF Giroguhaben reduziert und in EUR zurückwechselt. Der Wert des CHF würde wieder auf ein realistischeres Niveau sinken und auch die Bilanzsumme der SNB würde von einem Wahnsinnsniveau (über 80% des BIP) wieder auf ein vernünftiges Niveau sinken (maximal 20% des BIP).

    Der Buchhalter Dr. Meyer wird jetzt wieder mit abenteuerlichen buchhalterischen Gegenargumenten kommen. Seine Zeit wäre besser verwendet, wenn er sie nutzen würde, ein Gespräch mit einem Devisenhändler zu führen, der ihm erklärt, wie der Devisenmarkt funktioniert und welche Auswirkungen das auf die Giroguthaben bei der SNB hat.

    • Hallo Herr Kastner!

      Ja, es ist eigentlich nicht zu verstehen, wie Herr Dr. Meyer zu solch seltsamen Aussagen kommt.

      Sie schreiben:
      „Buchhalterisch erscheint diese Aussage korrekt, leider fehlt dem Buchhalter Dr. Meyer das Verständnis, wie der Devisenmarkt funktioniert.“

      Ich bin der Meinung, dass ich weiß, warum Herr Dr. Meyer solch seltsame, nicht mit der Realität zu vereinbarenden Beispiele anführt:
      Er ist der Auffassung, dass die Franken-Scheine Banknoten sind. Und nun versucht er mit allen Mitteln, dafür Beweise/Belege aufzutreiben.

      Weil die Franken-Scheine aber keine Banknoten sind, muss das Bemühen von Dr. Meyer in einem Fiasko enden.

      Eindeutig trägt (nicht nur) die SNB daran eine erhebliche Mitschuld, denn die SNB behauptet selber, dass die Franken-Scheine Banknoten sind.
      Im gleichen Atemzug heisst es dann aber von der SNB, dass sie nichts für die Banknoten herausrücken wird.

      Eine Dämlichkeit sondersgleichen!

      Die Lösung der ganzen Angelegenheit liegt so nah, die Lösung wurde hier auf IP mehrfach ausführlich dargestellt. Warum die Lösung nicht akzeptiert wird, ist mir ein Rätsel.

      Die SNB könnte mit einem Satz für Klarheit sorgen.

      Herr Dr. Meyer schrieb in Nachtrag IV, dass Lipuidität immer ein Aktivum ist.
      Selbstverständlich hat Herr Dr. Meyer damit recht. Nur: Warum zieht er nicht die Konsepuenzen aus seiner Erkenntnis?

      Freundliche Grüße!

  31. @Leserinnen und Leser

    Sehr verehrte Leserinnen und Leser

    Im Verlaufe dieser Diskussion habe ich fünf Nachträge geschrieben, um ev. Missverständnisse auszuräumen.

    Um die Übersichtlichkeit zu verbessern „poste“ ich hier diese fünf Nachträge nochmals zusammen in der richtigen Reihenfolge und direkt hintereinander. Ich hoffe, dass Sie dadurch neue Denkanstösse erhalten.

    @Nachtrag I

    Verwirrung um den Begriff: „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen.“

    Es zeigt sich, dass ein weiteres Missverständnis geklärt werden muss, welches aus oberflächlichen bzw. ungenauen und sogar falschen Äusserungen unserer Nationalbank hervorgeht.

    In seiner Rede vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel, 27. September 2011, S.5 sagte SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan unter den Titeln „Zentralbanken sind auch mit negativem Eigenkapital handlungsfähig“ sowie „Zentralbanken haben kein Liquiditätsproblem“:

    Zitat:
    „Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann.“
    Zitat Ende

    Dieser Satz ist äusserst trügerisch und irreführend.

    Ich versuche, dies hier zu begründen:

    Zuerst müssen wir uns die Frage stellen, was heisst der Ausdruck:

    „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen“

    Daraus geht ganz klar hervor, dass sämtliche Zahlungsverpflichtungen als Summe abgebaut werden. Bilanztechnisch gesprochen bedeutet das, dass das Fremdkapital auf der Passivseite der Bilanz verringert wird.

    Das ist nur möglich, wenn gleichzeitig auf der Aktivseite genügend liquides Vermögen vorhanden ist, so dass die Aktivseite analog der Passivseite verringert werden kann.

    Die SNB behauptet also, sie könne ihr liquides Vermögen selber herstellen durch Emission von Notenbankgeld und somit sämtliche Zahlungsverpflichtungen jederzeit abbauen.

    Der Bundesrat formuliert es so: „Die SNB kann nicht illiquid werden in Franken“ (Antwort des Bundesrates auf SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank“)

    Aus diversen Kommentaren im Blog hier oder in ehemaligen Blogs zum Thema wie auch aus Kreisen der SNB verlautet immer wieder folgendes Argument:

    Die SNB kann nicht zahlungsunfähig werden. Sie ist jederzeit zahlungsfähig in Franken. Dazu wird beispielweise der folgende Fall geschildert:

    Angenommen, die UBS möchte ihre Giroguthaben bei der SNB (Mindestreserven) vermindern. Zu diesem Zweck erteilt sie den Auftrag, dass ihr Guthaben bei der SNB beispielsweise auf das Konto der CS bei der SNB transferiert wird.

    Was ist die Folge: Es ist tatsächlich so, dass damit die Mindestreserven der UBS bei der SNB vermindert wurden. Dafür besitzt jetzt die CS entsprechend mehr Mindestreserven bei der SNB. Die Summe der Mindestreserven der Banken bei der SNB insgesamt wurde dadurch jedoch nicht verringert. Es liegt lediglich ein Passivtausch in der Bilanz der SNB vor.

    Diesen Passivtausch kann man nie und nimmer als Abbau von Schulden bezeichnen.

    Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel zum Vergleich aus dem täglichen Leben:

    Angenommen, ein junger Mann kaufe sich ein Velo für 1000 Franken. Er hat nun eine Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Velo-Verkäufer.

    Nun kann er auf die Bank gehen und dort eine 1000er Note abheben und diese dem Verkäufer bringen.

    Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Er besitzt ein Vermögen von mindestens 1000 Franken bei der Bank und er hebt diese 1000 Franken ab. Oder: Er hat kein Geld auf dem Konto, überzieht dies aber um 1000 Franken.

    In beiden Fällen kommt der Jüngling seiner Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Veloverkäufer nach. Im ersten Fall hat er überhaupt keine Schuld mehr. Im zweiten Fall jedoch besitzt er eine neue Schuld bei der Bank. Er hat einfach die Schuld beim Verkäufer gegen eine Schuld bei der Bank eingetauscht.

    Wenn nun unser Notenbank-Präsident an einem Vortrag behauptet, die SNB könne jederzeit „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen“, so geht aus dieser Aussage hervor, dass dadurch die Gesamtschulden der SNB vermindert werden. Es wird angenommen, dass dadurch die Passivseite der SNB-Bilanz verkürzt wird.

    Wenn aber die Giroguthaben der einen Bank einfach zu Giroguthaben einer anderen werden, so ist das kein Abbau der Zahlungsverpflichtung der SNB, sondern lediglich eine Umschichtung der SNB-Schulden, ein Passivtausch.

    Angenommen, die SNB kaufe nun wie angedroht weiter unbeschränkt Devisen, bis sie 1.2 Billionen davon besitze. Trotzdem falle der Euro auf eins zu eins. Angenommen, die ausländischen institutionellen Investoren wollen nur ihre Gewinne realisieren. Also Folge davon wollen die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB insgesamt abbauen.

    Die Mindestreserven als Summe können aber nur vermindert werden, wenn die SNB über genügend liquides Vermögen verfügt. Das liquide Vermögen der SNB besteht aus Devisen und Gold. Dieses Vermögen muss die SNB nun verkaufen. Die SNB muss, ich wiederhole, sie muss Devisen verkaufen. Nur so können die Mindestreserven abgebaut werden.

    Aufgrund der Tieferbewertung der Devisen, entspricht deren Wert aber nur noch nur 1 Billion Franken. Es fehlen der SNB somit 200 Milliarden Euro.

    Die SNB ist Konkurs. Sie kann den Banken deren Mindestreserven von 1.2 Billionen nicht mehr zurückerstatten.

    Als Folge davon gehen die Banken Konkurs.

    Nachtrag II

    Ein weiterer gravierender Irrtum bezüglich des Ausdrucks:
    „Giroguthaben sind nicht einforderbar“

    Ein weiteres irreführendes Missverständnis geht aus folgender Behauptung der SNB hervor:

    „Giroguthaben … sind … nicht … einforderbar“ (siehe Vortrag von SNB-Chef Prof. Dr. Jordan, Statistisch Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel, 27. September 2011, S. 5)

    Wir alle wissen: Wen jemand eine Banknote besitzt, so kann er nicht zur Notenbank gehen und sagen, er möchte gerne ein Stück Gold gegen die Banknote eintauschen.

    Kann davon aber abgeleitet werden, dass die Nationalbank nicht verpflichtet ist, Devisen zu verkaufen, wenn die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB abbauen wollen?

    Nein, das kann keineswegs daraus abgeleitet werden.

    Gemäss Artikel 18 des Bundesgesetzes über die Nationalbank darf die SNB von den Banken nicht mehr als 4 Prozent von deren kurzfristigen Verbindlichkeiten als Mindestreserven einfordern.

    Aus dem aktuellsten Statistischen Monatsheft der SNB geht hervor, dass die Banken zurzeit mehr als den 21-fachen Betrag der geforderten Mindestreserven bei der SNB in Form von Giroguthaben parkieren.

    Wäre nun die Behauptung von SNB-Chef Jordan korrekt, wonach die Giroguthaben nicht eingefordert werden dürfen, so würde das heissen, dass die Banken diese nicht aus eigener Initiative abbauen dürfen.

    Das ist nicht korrekt. Die Banken dürfen ihre Mindestreserven insgesamt bei der SNB abbauen. Ansonsten müsste es einen Gesetzesartikel im Nationalbankgesetz geben, der in etwa besagt:
    „Die Banken dürfen überschüssige Mindestreserven, die sie einmal bei der SNB angelegt haben nicht mehr einfordern“.

    Einen solchen Gesetzesartikel gibt es aber nicht.

    Also gilt: Die Banken dürfen überschüssige Mindestreserven in Form von Giroguthaben bei der SNB jederzeit auf den gesetzlich festgesetzten Mindestbetrag reduzieren. D.h. Giroguthaben sind einforderbar. Deshalb sind es ja „Guthaben“.

    Zu diesem Zweck muss die SNB Devisen verkaufen. Es gibt keine andere Möglichkeit.

    Daraus folgt wiederum:

    Die SNB ist verpflichtet, Devisen zu verkaufen, wenn die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB insgesamt abbauen wollen (nähere Erläuterungen dazu unter Nachtrag I).

    Nachtrag III

    Schadet ein starker Franken der Schweizer Exportindustrie?

    Panikartig führte die SNB nach dem sogenannten „Franken-Rütli“ den Mindestkurs ein. Begründung: Der starke Franken gefährde die Schweizer Exportindustrie. Stimmt das?

    Schadet der starke Franken der Schweizer Exportindustrie oder ist dieser nicht vielmehr das Resultat der starken Exportindustrie?

    Der Dollar fiel seit 1974 von 4.30 auf 0.89 Franken. Hätte die SNB bei z.B. CHF 2 Franken interveniert vor 20 Jahren. Denken Sie, die SNB hätte Erfolg gehabt? Ich bezweifle das.

    Heute exportiert die Schweiz aber mehr Güter in die USA als je zuvor.

    Alle Währungen im Umfeld der Schweiz sind in den vergangenen Jahrzehnten gefallen:

    Alter französischer Franc,
    Neuer Französischer Franc,
    Italienische Lira,
    Spanische Peseta,
    Griechische Drachmen,
    Holländischer Gulden,
    Englisches Pfund,
    Deutsche Mark

    Und und und

    Weshalb sollte nun ein Verbund von solchen Währungen gegenüber dem Franken plötzlich steigen?

    Wenn ein Stein ins Wasser fällt, so fällt auch ein Bündel von Steinen.

    Warum steigt der Franken kontinuierlich?

    Die Schweiz hat gute Produkte (Konsum- und Investitionsgüter). Diese Güter müssen in Schweizerfranken bezahlt werden. Die grosse Nachfrage nach Schweizerfranken führt somit zu einem steigenden Franken.

    Wenn Sie ein Haus besitzen – verkaufen Sie dann dieses Haus lieber zu einem hohen oder zu einem tiefen Preis?

    Daraus folgt: Die hohe Nachfrage nach Schweizergütern wird früher oder später zu einem höheren Franken führen.

    Und wir können froh sein, wenn wir den Franken teuer verkaufen können – nicht billig.

    Das einzige Schlimme an der Sache sind nun aber die leider völlig unnötigen Euro-Käufe unserer Nationalbank. Damit bekämpft die SNB die eigene Volkswirtschaft.

    Möglicherweise hat die SNB unsere Schweiz mit diesem katastrophalen Mindestkurs bereits an die EU verscherbelt.

    Nachtrag IV

    Verwirrung bezüglich des Begriffs „Liquidität“:

    „die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“

    Das behauptet der Bundesrat in seiner Antwort auf die SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank.“ (curia vista)

    Dieser Ausdruck ist äusserst trügerisch und irreführen.

    Was bedeutet „Liquidität“?

    Je nachdem, wie „liquide“ ein Vermögenswert ist, kann man mit diesem einer Zahlungsverpflichtung nachkommen – eine Schuld abbauen.

    Bei Liquidität handelt es sich somit ex definitione – immer um Vermögen. Je liquider ein Vermögenswert ist, desto weiter oben wird er verbucht auf der Aktivseite einer Bilanz.

    Die liquiden Vermögenswerte der Nationalbank bestehen jedoch aus Devisen (Euro, Dollar, Yen usw.) sowie aus Gold. Die SNB hat praktisch nur liquide Vermögenswerte, die in Fremdwährung denominiert sind.

    Was bedeutet nun der Ausdruck „liquide in Schweizerfranken“?

    Dieser Ausdruck ist ein Widerspruch in sich selbst. SNB und Bundesrat bezeichnen offensichtlich Notenbankgeld als „Liquidität“ der SNB. Sie bezeichnen die SNB-Passiven als „Liquide Mittel der SNB“. Das ist falsch. Nur Aktiven können „liquide“ sein – nicht Passiven.

    Aufgrund dieses Fehler wird suggeriert, dass die SNB durch die Emission von Banknoten Liquidität, sprich Vermögen aus dem Nichts schaffen könne. Vermögen aus dem Nicht wäre aber Eigenkapital, da zusätzliches Vermögen ohne zusätzliche Schulden ein zunehmendes Eigenkapital bedeutet.
    Gehen wir nochmals zurück auf das einfache Beispiel des Kaufs eines Velos durch einen jungen Mann, wie es im Nachtrag II zur Sprache kam:

    Wenn eine Jüngling ein Velo kauft für 1000 Franken, so schuldet er dem Verkäufer 1‘000 Franken. Hat er auf der Banken ein Vermögen von 1000 Franken, so kann er eine 1000er Note abheben und damit sein Velo bezahlen. Sein Vermögen bei der Bank reduziert sich damit um 1000 Franken.

    Besitzt er kein entsprechendes Vermögen, so kann er möglicherweise sein Konto überziehen, sofern er eine Überziehungslimite besitzt. Oder er kann mit einer Kreditkarte bezahlen. In diesem Fall kann er ebenfalls eine 1000er Note beziehen und diese dem Verkäufer übergeben. Allerdings hat er damit seine Gesamtschuld nicht abgebaut. Er hat lediglich seine Schuld gegenüber dem Verkäufer eingetauscht gegen eine Schuld gegenüber der Bank.

    Durch das Eingehen dieser neuen Schuld hat er sich liquide Mittel in Form einer Tausendernote beschafft. Diese neue Schuld per se stellt aber keine „Liquidität“ dar. Sie ist lediglich das Mittel, sich Liquidität zu verschaffen.

    Die Möglichkeit des Jünglings, sein Girokonto bei der Bank zu überziehen heisst nicht, dass sein Girokonto, das jetzt im Minus ist, per se „Liquidität“ darstellt. Nein, das ist eine Schuld des jungen Mannes.

    Genauso verhält es sich mit der Nationalbank. Wenn die Giroguthaben der Banken bei der SNB sich vergrössern, so heisst das, die SNB überzieht ihr Konto bei den Banken. Sie geht bei diesen ins Minus. Damit kommt sie ihrer Zahlungsverpflichtung nach, die sie mit dem Kauf der Devisen eingegangen ist.

    Giroguthaben der Banken bei der SNB stellen somit keineswegs „Liquidität in Schweizerfranken“ aus Sicht der Nationalbank. Sie sind Schulden der Nationalbank in Schweizerfranken gegenüber den Banken.

    Die Liquidität der SNB besteht aus Devisen.

    Die Frage muss noch beantwortet werden, weshalb die SNB ihr Konto bei den Banken mit dermassen hohen Beträgen überziehen darf.

    Der Grund liegt darin, dass die Banken davon ausgehen, dass die Steuerzahler für die SNB letztlich garantieren.

    Wenn SNB und Bundesrat also behaupten, die SNB könne nie illiquide werden in Franken, so wäre das vergleichbar mit einem älteren Bruder, der zu seinem jüngeren Bruder sagt: Komm, wir kaufen ein mit dem Konto des Vaters. Da ist immer Geld drauf. Dieses Konto ist nicht überziehbar.

    Bundesrat und SNB sollten erkennen: Durch die Emission von Notenbankgeld stellt die SNB nicht liquides Vermögen her – sie überzieht lediglich ihr Konto bei den Banken.

    Die Gesamtschuld der SNB kann diese nicht vermindern durch Emission von Notenbankgeld, wie die SNB und der Bundesrat behaupten.

    Die SNB kann ihre Gesamtschulden gegenüber den Banken nur reduzieren, wenn sie Devisen verkauft. Wenn aber der Wert der Devisen in Franken geringer ist als die Schuld der SNB in Franken, so ist die SNB Konkurs. Die SNB kann ihre Gesamtschulden nicht mehr bezahlen.

    Entweder müssen die Steuerzahler dann einspringen oder die Banken müssen den entsprechenden Betrag abschreiben und könnten deshalb Konkurs gehen.

    Nachtrag V

    Die SNB kann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

    In seinem Vortrag vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel (29. September 2011) argumentierte SNB-Chef Pro. Dr. Thomas Jordan:

    Zitat:
    „Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann.
    Dieser Unterschied zu privaten Unternehmen ist ganz entscheidend.“

    Zitat Ende

    Nachfolgend möchte ich ein Beispiel zeigen, wie es sehr wohl geschehen kann, dass die SNB ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.

    Angenommen, die Banken besitzen insgesamt 1.2 Billionen Giroguthaben (Mindestreserven) bei der SNB. Das sind Schulden der SNB in Franken.

    Nun falle der Euro auf eins zu eins gegen Franken. Die europäischen Investoren und die Banken möchten ihre Devisengewinne realisieren und verkaufen deshalb ihre Franken-Guthaben bei der SNB.

    Sie geben der SNB den Auftrag, zulasten ihrer Giroguthaben bei der SNB, ihnen Euros auf ihre Konti beispielsweise bei der Bank von Spanien gutzuschreiben.

    Angenommen, die SNB habe mit den 1.2 Billionen Franken-Schulden 1 Billion Euro-Guthaben gekauft.

    Nachdem der Kurs auf eins zu eins gefallen ist, haben also die Banken das Recht, dass die SNB ihnen insgesamt 1.2 Billionen Euros überweist.

    Unsere SNB hat aber nur 1 Billion Euro.

    Die SNB kann ihren Zahlungsverpflichtungen somit nicht nachkommen. Es fehlen ihr 200 Milliarden Euro.

    Die Behauptung von SNB-Chef Jordan, die „SNB könne ihre Liquidität selber schaffen“ ist nicht korrekt, weil die SNB keine Euros schaffen kann.

    Unsere SNB ist damit Konkurs.

    SNB-Chef Jordan behauptete in demselben Referat auch, Giroguthaben seien nur gegen Banknoten austauschbar. Das stimmt ebenfalls nicht.

    Giroguthaben sind gegen Devisen austauschbar. Sie müssen es sein. Denn würde die SNB sich weigern, Euros zu verkaufen, so könnten die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB nicht mehr abbauen.

    Könnte somit Schweizer Notenbankgeld nicht mehr in Euro umgetauscht werden, wie dies aus den Äusserungen von Herrn Jordan hervorginge, so würde die SNB damit den Kapitalverkehr zwischen der Schweiz und dem Ausland blockieren.

    Wenn Schweizer Notenbankgeld (Giroguthaben der Banken bei der SNB) nicht mehr konvertierbar wäre in Euro, so müssten diese Giroguthaben von den Banken entsprechend wertberichtigt werden (minus 20 Prozent).

    D.h. das Bankensystem erleidet hohe Verluste und könnte teilweise auch Konkurs gehen – je nachdem, wie viele Giroguthaben die einzelnen Banken der SNB gewährt haben.

  32. @Hardy, der Student

    Sie schreiben:

    Zitat:

    „Aus Liquiditätssicht ist das Risiko für die SNB null, da die SNB jederzeit über Franken verfügen kann, die SNB kann jederzeit Franken auszahlen.“

    Zitat Ende

    Bitte überlegen Sie sich folgendes:

    „Franken auszahlen“ bedeutet, dass die Franken aus der Bilanz der SNB ausgebucht würden. Die Bilanz der SNB würde dadurch verkürzt.

    Wenn die SNB aber Notenbankgeld emittiert, so wird dadurch die SNB-Bilanz im Gegenteil verlängert.

    Ihr Überlegungsfehler liegt also darin, dass Sie Notenbankgeld als Aktivum der SNB interpretieren anstatt als Schuld der SNB.

    Daraus folgt, dass die SNB durch eine Emission von Notenbankgeld ihre Schulden keineswegs vermindert, wie Sie meinen, sondern im Gegenteil – die SNB-Schulden nehmen zu.

    Ihre Verwechslung ist auch der Grund, weshalb Sie zum trügerischen Resultat gelangen, dass die hohen Devisenbestände der SNB keine Gefahr für die SNB, die Banken und die Schweiz bedeuteten.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

  33. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer

    Ihre Kommentare verkommen langsam zu einer Lachnummer! Ich muss mein Statement über Ihre Intelligenz teilweise revidieren, (bitte nicht als Angriff oder Beleidung auf Ihre Person interpretieren).

    Sie verzetteln sich in akrobatische Erklärungsmustern die mit der Realität nicht viel gemeinsam haben.

    Begründung:

    Vom ehemaligen US-Finanzminister John Bowden Connally ist der Ausspruch überliefert: Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.

    Exakt: Der Euro ist die gemeinsame Währung vieler Länder, aber bezogen auf die Schweiz ist es insbesondere ein Problem für uns!

    Eine gemeinsame Währung erfordert eine gemeinsame Konjunkturpolitik, bei der nicht ein Land künstlich seine Löhne senken darf, um dann alle anderen Länder mit den billiger erzeugten Waren nieder zu konkurrieren. Das ist so ziemlich die Grundlage jeder Währungsunion und das weiß auch jeder Depp, also auch jeder Politiker oder VWL-Professor.

    Der Euro war von vornherein dazu vorgesehen, die Staaten in eine Krise zu treiben und ihnen die Möglichkeit zu einer keynesianischen Politik zu nehmen, da die Politiker gezwungen würden eine Politik, nach dem Vorbild von Reagan und Thatcher zu betreiben, weil sie ohne Einfluss auf die Geldpolitik sein würden, da der Euro für jedes Land praktisch eine Fremdwährung ist.

    Der Euro wirkt heute genau so, wie von 1929-33 der internationale Goldstandard: Die ideale Voraussetzung für eine verheerende Krise.

    Was bedeutet das für die SNB? Was bedeutet das für den CHF? Klar doch, nicht von ungefähr versucht man, die Schweizer Bürger sukzessive darauf einzustimmen, sich auch größeren Währungsgemeinschaften anzuschließen, wie der EU, wobei anzumerken bleibt, dass wir möglicherweise zuerst dem Euro „beigetreten“, dann anschliessend in der EU absorbiert werden.

    Für Investition und Verschuldung und die darausfolgenden Auswirkungen auf Währungen und Wechselkurse ist der Realzins entscheidend, also die Summe des Nominalzinses zuzüglich der jährlichen Deflation. Das versteht der Bürger nicht so leicht und die korrupte-VWL kennt in ihren Modellen wie der Neoklassischen Synthese keinen Realzins – sonst würden die Studenten noch dahinter steigen, wie Boom und Krisen wirklich funktionieren. Erinnern Sie sich an das Beispiel das ich für Japan im Zusammenhang mit Realzinsen-Euro-CHF gemacht habe? Vernetzen Sie diese Informationen und Denken Sie nach, wer weiss, es könnte die eine oder andere Erkenntnis daraus gewonnen werden.

    Grüsse
    Der Praktiker

    • @DerPraktiker

      Als anonymer Kommentator posten Sie hier seit geraumer Zeit lange, wütende Kommentare. Dabei schiessen Sie sowohl gegen mich als auch gegen die ganze bestehende Wirtschaftswelt.

      Sie vertreten die Initianten der Vollgeld-Initiative. Diesen Initianten stellen Sie aber ein schlechtes Zeugnis aus. Auch der Schweizerischen Nationalbank erweisen Sie keinen Dienst mit Ihren persönlichen Angriffen gegen mich.

      Sie scheuen sich nicht, mich persönlich zu beleidigen wie ich hätte eine „Neurose“ usw. Dies zu tun im Schutze der Anonymität betrachte ich als feige.

      Stehen Sie doch zu Ihrem Namen! Feige aus dem Hinterhalt zu schiessen macht mir keinen Eindruck.

      Zudem scheinen Sie eine grosse persönliche Frustration hier loswerden zu wollen. Gebetsmühlenartig wieder holen Sie, dass die Banken schlecht seien und auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung profitieren.

      Ich denke, dass hier eine differenziertere Analyse gerechtfertigt wäre. Sie schreiben u.a. auch, dass wir durch den Mindestkurs langsam in die EU integriert werden.

      Bitte beachten Sie, dass Sie doch genau mir Recht geben. Das ist es ja, was ich hier sage.

      Ich bitte Sie also um eine präzisere Analyse. Zudem bitte ich Sie, zu Ihrem persönlichen Namen zu stehen, wenn Sie schon meinen, Sie müssten mich immer wieder persönlich beleidigen.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  34. Nachtrag V

    Die SNB kann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

    In seinem Vortrag vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel (29. September 2011) argumentierte SNB-Chef Pro. Dr. Thomas Jordan:

    Zitat:

    „Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann.
    Dieser Unterschied zu privaten Unternehmen ist ganz entscheidend.“

    Zitat Ende

    Nachfolgend möchte ich ein Beispiel zeigen, wie es sehr wohl geschehen kann, dass die SNB ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.

    Angenommen, die Banken besitzen insgesamt 1.2 Billionen Giroguthaben (Mindestreserven) bei der SNB. Das sind Schulden der SNB in Franken.

    Nun falle der Euro auf eins zu eins gegen Franken. Die europäischen Investoren und die Banken möchten ihre Devisengewinne realisieren und verkaufen deshalb ihre Franken-Guthaben bei der SNB.

    Sie geben der SNB den Auftrag, zulasten ihrer Giroguthaben bei der SNB, ihnen Euros auf ihre Konti beispielsweise bei der Bank von Spanien gutzuschreiben.

    Angenommen, die SNB habe mit den 1.2 Billionen Franken-Schulden 1 Billion Euro-Guthaben gekauft.

    Nachdem der Kurs auf eins zu eins gefallen ist, haben also die Banken das Recht, dass die SNB ihnen insgesamt 1.2 Billionen Euros überweist.

    Unsere SNB hat aber nur 1 Billion Euro.

    Die SNB kann ihren Zahlungsverpflichtungen somit nicht nachkommen. Es fehlen ihr 200 Milliarden Euro.

    Die Behauptung von SNB-Chef Jordan, die „SNB könne ihre Liquidität selber schaffen“ ist nicht korrekt, weil die SNB keine Euros schaffen kann.

    Unsere SNB ist damit Konkurs.

    SNB-Chef Jordan behauptete in demselben Referat auch, Giroguthaben seien nur gegen Banknoten austauschbar. Das stimmt ebenfalls nicht.

    Giroguthaben sind gegen Devisen austauschbar. Sie müssen es sein. Denn würde die SNB sich weigern, Euros zu verkaufen, so könnten die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB nicht mehr abbauen.

    Könnte somit Schweizer Notenbankgeld nicht mehr in Euro umgetauscht werden, wie dies aus den Äusserungen von Herrn Jordan hervorginge, so würde die SNB damit den Kapitalverkehr zwischen der Schweiz und dem Ausland blockieren.

    Wenn Schweizer Notenbankgeld (Giroguthaben der Banken bei der SNB) nicht mehr konvertierbar wäre in Euro, so müssten diese Giroguthaben von den Banken entsprechend wertberichtigt werden (minus 20 Prozent).

    D.h. das Bankensystem erleidet hohe Verluste und könnte teilweise auch Konkurs gehen – je nachdem, wie viele Giroguthaben die einzelnen Banken der SNB gewährt haben.

  35. @Hardy, der Student

    Ja richtig.

    Die SNB bezahlt ihre Euros, indem sie ihr Konto bei den Banken überzieht.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    • Hallo Herr Dr. Meyer,

      Sie schreiben:
      „Die SNB bezahlt ihre Euros, indem sie ihr Konto bei den Banken überzieht.“

      Das ist ja nur der erste Schritt. Jetzt gewähren die Banken der SNB Kredit, da sind wir uns völlig einig.

      Wenn die SNB aber Franken auszahlt, dann hat sie bei dem, der die Franken erhalten hat, keine Schulden mehr.

      Würden sich die „südeuropäischen Franken-Käufer“ die Franken, die sie gekauft haben, auszahlen lassen, dann wären auch die immensen Giroguthaben der Banken bei der SNB verschwunden.

      Ihr Nachtrag IV
      https://insideparadeplatz.ch/2014/07/09/und-sie-geht-doch-konkurs-und-mit-ihr-das-schweizer-bankensystem/#comment-29389
      ist sehr wichtig, aus meiner Sicht haben Sie aber ein paar Fehler drin.

      Ich werde später noch darauf eingehen.

      Freundliche Grüße!

    • @Hardy, der Student

      Sie machen es kompliziert…

      Angenommen, sie haben ein Konto bei einer Bank. Da ist der Saldo bei Null. Aber Sie haben eine Überzugslimite von CHF 5’000.-

      Nun gehen Sie an den Bankschalter und beziehen Euro 1000.-. Dafür werden Ihnen CHF auf ihrem Franken-Konto belastet.

      Sie zahlen keine Franken aus, um die Euros zu kaufen.

      Genauso zahlt die SNB keine Franken aus, wenn Sie Euros auf Kredit kauft. Sie nimmt im Gegenteil Schulden in Franken auf.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Hallo Herr Dr. Meyer,

      mein kleines Beispiel war nun wirklich nicht kompliziert.

      Sie schreiben:
      „Sie zahlen keine Franken aus, um die Euros zu kaufen.“

      Das entscheidet der Euro-Verkäufer!
      Selbstverständlich kann er sich die Franken auszahlen lassen.
      Wenn er es nicht möchte, dann läßt er es eben bleiben und hält stattdessen Frankenguthaben.

      Auf Ihr Beispiel bezogen heißt das:
      Kündigt die Bank mir den Überziehungskredit, dann muss ich selbstverständlich Franken an die Bank zahlen.

      Wird Kredit gewährt/genommen, dann brauchen keine Franken gezahlt zu werden.
      Der Gläubiger kann aber auf Zahlung bestehen.

      Freundliche Grüße!

    • „Die SNB bezahlt ihre Euros, indem sie ihr Konto bei den Banken überzieht“ – das ist bis jetzt das unsinnigste Statement, das ich in diesem Blog gelesen habe!

      Wer CHF kauft, muss diese CHF irgendwo anlegen. Bei wem immer er sie anlegt, bei dem sind es Verbindlichkeiten. Wenn ihm das Risiko der SNB nicht passt, dann soll er einfach seine CHF auf eine andere Bank überweisen (dann belastet die SNB sein Girokonto und erkennt das Girokonto der anderen Bank). Wenn er niemanden findet, in den er Vertrauen hat, seine CHF anzulegen, dann sollte er keine CHF kaufen.

    • @Hardy – 17.20
      Wenn Sie die Passiva der SNB als ‚Schulden‘ betrachten, dann sind Giroguthaben der Banken genauso ‚Schulden‘ wie Banknoten im Umlauf. Wenn sich jemand seine Giroguthaben in Banknoten tilgen läßt, ist das auf der Seite der SNB lediglich ein Passiva-Tausch. Die einzige Art und Weise, wie die Inhaber der SNB Giroguthaben/Banknoten ihre CHF/SNB Risiko reduzieren können, ist, indem sie etwas kaufen, was nicht in CHF denominiert ist; z. B. Devisen. Auf nichts Anderes wartet die SNB. Die SNB wartet darauf, dass es am Markt zu einer Trendwende kommt; dass die Anleger wieder aus den angehäuften CHF aussteigen. Und wenn diese Anleger einmal CHF in großem Umfang verkaufen sollten, dann wird der CHF wieder schwächer werden.

      Umgekehrt könnte passieren, dass die Anleger nach beispielsweise einem Flugzeugabschuss in der Ukraine in Panik geraten, nur mehr im CHF ihre Sicherheit sehen und auf Teufel komm‘ raus CHF kaufen. Das wäre dann ein Test für die SNB, den sie besser nicht erleben sollte.

      Das ist der Fluch einer kleinen Volkswirtschaft, die sehr erfolgreich ist und eine sehr begehrte Währung hat. Ohne Kapitalkontrollen wird sie immer spekulativen Kapitalströmen ausgesetzt sein.

    • @Klaus Kastner

      Sehr geehrter Herr Kastner

      Besten Dank

      Doch – es ist genauso, wie ich sage:

      Die SNB bezahlt ihre Euros, indem sie ihr Konto bei den Geschäftsbanken überzieht.

      Die SNB kauft Euro ohne eigenes Vermögen – also nicht durch einen Aktivtausch. Zu diesem Zweck müssen ihr die Banken Kredite gewähren. Dadurch steigen die Schulden der SNB bei den Banken bzw. es steigen die Giroguthaben der Banken bei der SNB.

      Ein Beispiel: Angenommen, der Kontostand auf Ihrem Girokonto bei der UBS sei null. Sie hätten aber eine Überziehungslimite von 5‘000 Franken. Wollen Sie nun 1‘000 Euro beziehen, so können Sie das. Sie kaufen Euro, indem Sie Ihr Konto überziehen. D.h. Sie gehen 1‘200 Franken ins Minus (bei einem Wechselkurs von 1.20)

      Genauso verhält es sich im Falle der Euro-Käufe durch die Nationalbank. Die SNB bezieht von den Banken Euros und geht dabei auf ihrem Kontostand bei den Banken ins Minus.

      Herr Kastner, wenn ich Sie bitten darf: Sie sollten unterscheiden lernen zwischen Aktiven und Passiven. Es gibt Aktiv-Kredite und Passiv-Kredite. Genauso gibt es Aktive Franken und Passive Franken. Die SNB emittiert nicht Aktiv-Franken, die angelegt werden können, sondern Passiv-Franken. Vielleicht hilft Ihnen diese Unterscheidung weiter.

      Freundliche Grüsse
      Marc Meyer

    • @Hardy, der Student

      Sie schreiben:

      Zitat:

      „Das entscheidet der Euro-Verkäufer!“

      Zitat Ende

      Es geht also um die Frage, wie bezahlen Sie ihre Bank, wenn Sie 1‘000 Euro abheben.

      Es gibt folgende Möglichkeiten;

      a) Sie bringen 1‘200 Franken und beziehen Euro.
      b) Sie lassen 1‘200 Franken von ihrem Konto abbuchen und beziehen Euro.
      c) Sie überziehen Ihr Franken-Konto und beziehen Euro. Sie sind jetzt bei der Bank im Minus.

      Bezüglich a und b entscheidet der Käufer der Euro. Bezüglich c benötigt der Käufer der Euro eine Überziehungslimite bei der Bank.

      Im Fall der Eurokäufe der Nationalbank trifft Fall c zu. In diesem Fall überzieht die SNB ihr Konto bei den Banken sogar ohne Überziehungslimite. Das ist hochriskant.

      Aus diesem Grund hat die SVP-Motion „Verschuldungslimite für die SNB (eingereicht von SVP-Nationalrat Hans Kaufmann), sehr viel Sinn gemacht.

      Aber leider hat sich dann das Parlament durch eine irreführende Antwort des Bundesrates abspeisen lassen.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • Hallo Herr Meyer,

      Sie schreiben:
      „Im Fall der Eurokäufe der Nationalbank trifft Fall c zu. In diesem Fall überzieht die SNB ihr Konto bei den Banken sogar ohne Überziehungslimite. Das ist hochriskant.“

      Hochriskant?
      Aus Liquiditätssicht ist das Risiko für die SNB null, da die SNB jederzeit über Franken verfügen kann, die SNB kann jederzeit Franken auszahlen.

      Die SNB hat hier einen entscheidenden Vorteil gegenüber Geschäftsbanken. Geschäftsbanken können nicht beliebig viele Franken heranschaffen.

      Freundliche Grüße!

    • Hallo Herr Kastner!

      In den meisten Punkten sind wir uns völlig einig.

      Sie schreiben:
      „Wenn Sie die Passiva der SNB als ‘Schulden’ betrachten, dann sind Giroguthaben der Banken genauso ‘Schulden’ wie Banknoten im Umlauf.“

      Welche Banknoten?
      Eine Banknote der SNB sähe so aus:
      http://s7.directupload.net/images/130929/6w2y8fza.png

      Die SNB hat keine Schulden aus Banknotenemission, weil sie gar keine Banknoten emittiert.

      Wenn es Ihnen gelingt, das zu verstehen, dann ist auch sofort klar, warum der Franken-Halter nichts von der SNB fordern kann.

      Sollten wirklich noch mehr Euro-Halter Franken kaufen, dann hat die SNB durchaus noch Pfeile im Köcher. Die SNB muss nicht immer weiter Euro kaufen, die SNB könnte z.B. umschwenken und plötzlich Edelmetall kaufen.

      Freundliche Grüße!

  36. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    obwohl ich sowohl auf Ihre als auch @Moneymoney sachliche fundierte Widerlegung meiner Thesen warte; möchte ich eine Stellungnahme zu Ihrer Nachtrags-Orgie abgeben.

    Sie schreiben Zitat:

    Entweder müssen die Steuerzahler dann einspringen oder die Banken müssen den entsprechenden Betrag abschreiben und könnten deshalb Konkurs gehen.

    Zitat Ende.

    Herr Dr. Meyer Ihnen ist nicht mehr zu helfen!

    Begründung:

    Wir schreiben das Jahr 2014!

    Während der Finanzkrise haben Steuerzahler in etwa einem Dutzend Ländern Unsummen zur Rettung ihrer Banken ausgegeben. Die Kosten für die Bankenrettungen summierten sich nach Angaben des Internationalen Währungsfonds auf unvorstellbare 3.300 Milliarden. Während über die Kosten der Bankenrettung inzwischen weitgehend Transparenz herrscht, ist immer noch vollkommen unklar, wer letztlich von den Bankenrettungen profitiert hat.

    Durch die Bankenrettungen konnten in besonders dilettantisch durchgeführten Fällen wie bei der UBS in der Schweiz oder HypoRealEstate sogar Aktionäre einen Teil ihres Kapitals retten. Vor allem aber hat der Bail-Out Gläubiger gerettet, die bei einem Konkurs einen Großteil ihrer Forderungen verloren hätten.

    In vielen Fällen waren die Banken selbst Hauptgläubiger. Sie hätten ohne Bail-Out so hohe Verluste erlitten, dass sie große Teile ihres Eigenkapitals verloren hätten und auch ins Straucheln gekommen wären. Daher haben dann die marionetten Regierungen den Druck der Finanzwirtschaft nachgegeben und beispielweise Länder wie Irland und Spanien gedrängt ihre Banken zuerst mit Steuerngeldern zu retten, ohne zuerst die Gläubiger zu einem Schuldenschnitt zu zwingen.

    Mit den Steuergeldern konnten die Banken ihre Gläubiger ausbezahlen. Die Hauptprofiteure der Rettungsmaßnahmen sind also die Gläubiger, die sonst ihr Geld verloren hätten. Im Sinne demokratischer Transparenz über die Verwendung von Steuergeldern sollte klar gestellt werden, wer die letztlichen Nutznießer waren. Leider haben sich die betroffenen Banken und Regierungen weitgehend geweigert, Licht ins Dunkel dieser Subventionen zu bringen.

    Es ist eine Schande, dass Jahre nach der Krise immer noch nicht publik gemacht wurde, wer eigentlich vom Bail-Out profitiert hat. Nicht alles wird sich rekonstruieren lassen. Doch eine Dunkelquote von über 95% ist aus demokratischer Sicht völlig unerträglich. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht darauf zu wissen, wer die letztlich Nutznießer der Bankenrettungen waren.

    Was machen Sie? Sie argumentieren seit Monaten auf diesem Forum das die Politik der SNB den Geschäftsbanken und Steuerzahlern grossen Schaden zufügen könnte. Seit Monaten argumentieren Sie das mit der herrschenden Geldordnung alles in Ordnung sei ohne nur ansatzweise diese zu verstehen,- und welche fatalen Folgen, dass herrschende Schuldgeldsystem tatsächlich hat.

    Begründung 2:

    Sie Herr Dr. Meyer ignorieren und verschweigen in Ihrer ganzen Argumentation u.a. die unabweisbare Tatsache, dass die Geschäftsbanken faktisch das generelle Geldmonopol innehaben. Die Zentralbanken (SNB) haben ein residuales Reserven- und Banknotenmonopol. Inwieweit davon Gebrauch gemacht wird, ist wiederum von der Nachfrage der Geschäftsbanken abhängig, welche von der Kreditnachfrage des Publikums gesteuert wird. Da der überwiegende Teil der realen Geldmenge originär über Geschäftsbankkredite durch Gutschrift auf Girokonten entsteht, ist der Zentralbank die Kontrolle über die Geldmengen M1 und die monetären Aggregate M2 und M3 entglitten. Eine zielgerichtete Geldmengenpolitik findet somit nicht mehr statt. Tatsächlich verwendet die SNB die Geldmengen auch nur noch als einen Beobachtungsindikator!

    Im Gesamtsystem verändern die einzelnen Zu- und Abflüsse von Geld- und Kapitalanlagen innerhalb der monetären Aggregate M2 und M3 zwar nicht den Gesamtbestand an Reserven, sie beeinflussen allerdings die Geldmenge. Um die Massenkaufkraft von M1 zu erhalten und das erwartete Wachstum vorfinanzieren zu können, müssen die durch das Stilllegen von Giralgeld erzielten Ersparnisse durch neue Kredite und damit durch eine weitere Giralgeldschöpfung ausgeglichen werden, damit die Geldmenge M1 wieder aufgefüllt wird. In der Folge bewirkt dies neben dem Anwachsen der Geldmenge M1 auch wieder Ersparnisse in den Mengen der monetären Aggregate M2 und M3.

    Die ebenfalls überproportional zum Wirtschaftsprodukt wachsenden Geldvermögen wollen in diesem Zusammenhang alle verzinst werden. Zur Abwicklung dieser Zahlungen wird laufend Geld aus der realen Geldmenge M1 benötigt. Die Zinszahlungen müssen dabei aus dem aktuellen Volkseinkommen aufgebracht werden. In Frage kommen ferner noch weitere Kreditaufnahmen, die wiederum weitere künftige Einkommen zur Folge haben. Soweit diese Mittel wieder angelegt werden, verschwinden sie aus der Geldmenge M1 und müssen dann wieder durch erneute Geldschöpfung ersetzt werden, die vor allem durch eine Kreditvergabe der Geschäftsbanken realisiert wird. Als Fortsetzung der Spirale führt dies in der Folge dann zwangsweise zu noch höheren Geldvermögen. Wenn aber die Geldvermögen überproportional zum Bruttoinlandsprodukt BIP steigen, muss folglich ein zunehmender Teil dieses BIP für den Kapitaldienst aufgewendet werden. Daraus resultieren dann abermalig verstärkte Verwerfungen in der Vermögensverteilung und in der gesellschaftlichen Entwicklung was wir jetzt bereits spüren und in naher Zukunft uns alles um die Ohren fliegen wird.

    Herr Dr. Meyer, ich ermutige Sie, Ihren dogmatisch-ideologisch geprägten Vorannahmen zu verlassen und autark, frei weiterzudenken. Ich weiss, wenn man während des Studiums der Wirtschaftswissenschaften (keine Wissenschaft)und als Analyst im Bankenwesen tätig war, ist es schwierig sich zu „entgiften“!; schliesslich wurde man mit interessengesteuerten Dogmen geistig und intellektuell zugemüllt.

    Grüsse
    Der Praktiker

  37. Nachtrag IV

    Verwirrung bezüglich des Begriffs „Liquidität“:

    „die SNB kann nicht illiquide werden in Franken“

    Das behauptet der Bundesrat in seiner Antwort auf die SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank.“ (curia vista)

    Dieser Ausdruck ist äusserst trügerisch und irreführen.

    Was bedeutet „Liquidität“?

    Je nachdem, wie „liquide“ ein Vermögenswert ist, kann man mit diesem einer Zahlungsverpflichtung nachkommen – eine Schuld abbauen.

    Bei Liquidität handelt es sich somit ex definitione – immer um Vermögen. Je liquider ein Vermögenswert ist, desto weiter oben wird er verbucht auf der Aktivseite einer Bilanz.

    Die liquiden Vermögenswerte der Nationalbank bestehen jedoch aus Devisen (Euro, Dollar, Yen usw.) sowie aus Gold. Die SNB hat praktisch nur liquide Vermögenswerte, die in Fremdwährung denominiert sind.

    Was bedeutet nun der Ausdruck „liquide in Schweizerfranken“?

    Dieser Ausdruck ist ein Widerspruch in sich selbst. SNB und Bundesrat bezeichnen offensichtlich Notenbankgeld als „Liquidität“ der SNB. Sie bezeichnen die SNB-Passiven als „Liquide Mittel der SNB“. Das ist falsch. Nur Aktiven können „liquide“ sein – nicht Passiven.

    Aufgrund dieses Fehler wird suggeriert, dass die SNB durch die Emission von Banknoten Liquidität, sprich Vermögen aus dem Nichts schaffen könne. Vermögen aus dem Nicht wäre aber Eigenkapital, da zusätzliches Vermögen ohne zusätzliche Schulden ein zunehmendes Eigenkapital bedeutet.
    Gehen wir nochmals zurück auf das einfache Beispiel des Kaufs eines Velos durch einen jungen Mann, wie es im Nachtrag II zur Sprache kam:

    Wenn eine Jüngling ein Velo kauft für 1000 Franken, so schuldet er dem Verkäufer 1‘000 Franken. Hat er auf der Banken ein Vermögen von 1000 Franken, so kann er eine 1000er Note abheben und damit sein Velo bezahlen. Sein Vermögen bei der Bank reduziert sich damit um 1000 Franken.

    Besitzt er kein entsprechendes Vermögen, so kann er möglicherweise sein Konto überziehen, sofern er eine Überziehungslimite besitzt. Oder er kann mit einer Kreditkarte bezahlen. In diesem Fall kann er ebenfalls eine 1000er Note beziehen und diese dem Verkäufer übergeben. Allerdings hat er damit seine Gesamtschuld nicht abgebaut. Er hat lediglich seine Schuld gegenüber dem Verkäufer eingetauscht gegen eine Schuld gegenüber der Bank.

    Durch das Eingehen dieser neuen Schuld hat er sich liquide Mittel in Form einer Tausendernote beschafft. Diese neue Schuld per se stellt aber keine „Liquidität“ dar. Sie ist lediglich das Mittel, sich Liquidität zu verschaffen.

    Die Möglichkeit des Jünglings, sein Girokonto bei der Bank zu überziehen heisst nicht, dass sein Girokonto, das jetzt im Minus ist, per se „Liquidität“ darstellt. Nein, das ist eine Schuld des jungen Mannes.

    Genauso verhält es sich mit der Nationalbank. Wenn die Giroguthaben der Banken bei der SNB sich vergrössern, so heisst das, die SNB überzieht ihr Konto bei den Banken. Sie geht bei diesen ins Minus. Damit kommt sie ihrer Zahlungsverpflichtung nach, die sie mit dem Kauf der Devisen eingegangen ist.

    Giroguthaben der Banken bei der SNB stellen somit keineswegs „Liquidität in Schweizerfranken“ aus Sicht der Nationalbank. Sie sind Schulden der Nationalbank in Schweizerfranken gegenüber den Banken.

    Die Liquidität der SNB besteht aus Devisen.

    Die Frage muss noch beantwortet werden, weshalb die SNB ihr Konto bei den Banken mit dermassen hohen Beträgen überziehen darf.

    Der Grund liegt darin, dass die Banken davon ausgehen, dass die Steuerzahler für die SNB letztlich garantieren.

    Wenn SNB und Bundesrat also behaupten, die SNB könne nie illiquide werden in Franken, so wäre das vergleichbar mit einem älteren Bruder, der zu seinem jüngeren Bruder sagt: Komm, wir kaufen ein mit dem Konto des Vaters. Da ist immer Geld drauf. Dieses Konto ist nicht überziehbar.

    Bundesrat und SNB sollten erkennen: Durch die Emission von Notenbankgeld stellt die SNB nicht liquides Vermögen her – sie überzieht lediglich ihr Konto bei den Banken.

    Die Gesamtschuld der SNB kann diese nicht vermindern durch Emission von Notenbankgeld, wie die SNB und der Bundesrat behaupten.

    Die SNB kann ihre Gesamtschulden gegenüber den Banken nur reduzieren, wenn sie Devisen verkauft. Wenn aber der Wert der Devisen in Franken geringer ist als die Schuld der SNB in Franken, so ist die SNB Konkurs. Die SNB kann ihre Gesamtschulden nicht mehr bezahlen.

    Entweder müssen die Steuerzahler dann einspringen oder die Banken müssen den entsprechenden Betrag abschreiben und könnten deshalb Konkurs gehen.

    • Hallo Herr Dr. Meyer,

      ganz, ganz langsam kommen Sie der Sache auf die Spur.

      Sie schreiben:
      „Wenn SNB und Bundesrat also behaupten, die SNB könne nie illiquide werden in Franken, so wäre das vergleichbar mit einem älteren Bruder, der zu seinem jüngeren Bruder sagt: Komm, wir kaufen ein mit dem Konto des Vaters. Da ist immer Geld drauf. Dieses Konto ist nicht überziehbar.“

      Warum denn zwei Söhne?
      Ein Sohn reicht aus.

      Der Sohn sagt sich:
      „Ich kann einkaufen, und wenn mein Gläubiger mir keinen Kredit mehr geben will, dann zahle ich die Schweizer Franken aus dem Portemonnaie meines Vaters.“

      Nachdem der Sohn aus dem Portemonnaie des Vaters gezahlt hat, hat er einen neuen Gläubiger, es ist sein Vater. Mit dem vorhergehenden Gläubiger ist der Sohn quitt, mit dem hat er nichts mehr zu tun.

      Das habe ich aber bereits ausführlich erklärt, z.B. hier:

      https://insideparadeplatz.ch/videos/orell-fuessli-debakel-wird-zum-snb-problem/#comment-12723

      Freundliche Grüße!

  38. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer

    Sie schreiben Zitat:

    Warum steigt der Franken kontinuierlich?

    Die Schweiz hat gute Produkte (Konsum- und Investitionsgüter). Diese Güter müssen in Schweizerfranken bezahlt werden. Die grosse Nachfrage nach Schweizerfranken führt somit zu einem steigenden Franken.

    Wenn Sie ein Haus besitzen – verkaufen Sie dann dieses Haus lieber zu einem hohen oder zu einem tiefen Preis?

    Daraus folgt: Die hohe Nachfrage nach Schweizergütern wird früher oder später zu einem höheren Franken führen.

    Und wir können froh sein, wenn wir den Franken teuer verkaufen können – nicht billig.

    Das einzige Schlimme an der Sache sind nun aber die leider völlig unnötigen Euro-Käufe unserer Nationalbank. Damit bekämpft die SNB die eigene Volkswirtschaft.

    Zitat Ende.

    Das zeigt einmalmehr, dass Sie die ganze Problematik nicht im Ansatz verstanden haben.

    Begründung:

    Aus welchem Grunde befindet sich der CHF überhaupt auf diesem Höhenflug? Wieso musste die SNB intervenieren?

    Die Schweiz ist sehr klein, sitzt aber mit am großen Roulettetisch des Casino-Kapitalismus. Und das ist gefährlich!

    Das Schuldenpotential der Banken UBS und CS beträgt kumuliert ein Mehrfaches der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung.

    Die Schweiz hat aufgrund der minimalen Größe in Verbindung mit den größenwahnsinnigen Bankenapparaten ähnliche Risiken, wie wir sie bereits aus Island kennen, auch wenn jetzt Einige bei dem Vergleich zusammenzucken. Falls nicht gerade jetzt ein Anleihen-Crash eingeleitet wird haben wir noch eine Chance.

    Deshalb, ist die Schweiz erpressbar!

    Warum gibt die Schweiz dem Druck der US-Amerikaner und Anderen auf die Herausgabe von Kundendaten nach oder lockert mal eben das Bankgeheimnis? Man weiß natürlich, dass bei einem bereits regional eingeleiteten Platzen bestimmter Anleihen-Blasen die Schweiz vor die Wand fahren würde, zumal die Schweizer Gesamtwirtschaft sehr stark vom Bankensystem abhängt.

    Die in CHF finanzierenden Hypothekenkunden z.B. im Euroland hätten damit rechnen müssen, dass im Falle eines weiter angestiegenen Wechselkurs, es im schlimmsten Fall zur massen Zwangsversteigerungen gekommen wäre, deshalb es nicht verwundern kann, dass auch unter diesem Blickwinkel die Schweiz (SNB) massiv unter Druck gesetzt wurde.

    Die Schweizer Regierung sollte dringend einen Gesundschrumpfungsprozess einleiten und nach der Zerlegung der Banken-Ungetüme die Eigenkapitalquoten der relevanten Splitterunternehmen massiv erhöhen. Durch diese Maßnahme könnte man den Höhenflug des CHF ein Ende setzen und wieder auf autarke und gesunde Füssen unsere Zukunft selbstbestimmen, d.h. wo wollen wir als Nation in 20 Jahre stehen?

    Nocheinmal, meine Beiträge zeigen unmissverständlich auf, dass nicht die SNB oder der Höhenflug des CHF das Problem sind, diese sind nur Symptome, sondern das Problem und die Ursache ist die Struktur unseres Bankensystems! Wenn Sie meine Analyse gegenüber den Schweizer Banken als plakativ einstufen, indem Sie mit Vollgeld-Initiative, SNB-Monopolbank, Kommunismus, Sozialismus usw. aurgumentieren,dann ist dies die Bestätigung und beweist einmalmehr Ihr mangelndes Verständnis der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge.

    Grüsse
    Der Praktiker

  39. Nachtrag III

    Schadet ein starker Franken der Schweizer Exportindustrie?

    Panikartig führte die SNB nach dem sogenannten „Franken-Rütli“ den Mindestkurs ein. Begründung: Der starke Franken gefährde die Schweizer Exportindustrie. Stimmt das?

    Schadet der starke Franken der Schweizer Exportindustrie oder ist dieser nicht vielmehr das Resultat der starken Exportindustrie?

    Der Dollar fiel seit 1974 von 4.30 auf 0.89 Franken. Hätte die SNB bei z.B. CHF 2 Franken interveniert vor 20 Jahren. Denken Sie, die SNB hätte Erfolg gehabt? Ich bezweifle das.

    Heute exportiert die Schweiz aber mehr Güter in die USA als je zuvor.

    Alle Währungen im Umfeld der Schweiz sind in den vergangenen Jahrzehnten gefallen:

    Alter französischer Franc,
    Neuer Französischer Franc,
    Italienische Lira,
    Spanische Peseta,
    Griechische Drachmen,
    Holländischer Gulden,
    Englisches Pfund,
    Deutsche Mark

    Und und und

    Weshalb sollte nun ein Verbund von solchen Währungen gegenüber dem Franken plötzlich steigen?

    Wenn ein Stein ins Wasser fällt, so fällt auch ein Bündel von Steinen.

    Warum steigt der Franken kontinuierlich?

    Die Schweiz hat gute Produkte (Konsum- und Investitionsgüter). Diese Güter müssen in Schweizerfranken bezahlt werden. Die grosse Nachfrage nach Schweizerfranken führt somit zu einem steigenden Franken.

    Wenn Sie ein Haus besitzen – verkaufen Sie dann dieses Haus lieber zu einem hohen oder zu einem tiefen Preis?

    Daraus folgt: Die hohe Nachfrage nach Schweizergütern wird früher oder später zu einem höheren Franken führen.

    Und wir können froh sein, wenn wir den Franken teuer verkaufen können – nicht billig.

    Das einzige Schlimme an der Sache sind nun aber die leider völlig unnötigen Euro-Käufe unserer Nationalbank. Damit bekämpft die SNB die eigene Volkswirtschaft.

    Möglicherweise hat die SNB unsere Schweiz mit diesem katastrophalen Mindestkurs bereits an die EU verscherbelt.

  40. Sehr geehrter Herr Kastner,

    Danke für Ihre Eingaben. Ich muss mich aus zeitlichen Gründen verabschieden voresteinmal, möchte jedoch nicht versäumen meine Sichtweise zur Mindestkurspolitik der SNB zu ergänzen aus der Vogelperspektive.

    Die Wahrheit ist das seit dem Ausbruch der Krise die ökonomische Elite (wer immer dazugehören mag), insbesondere jene, die sich in den Glastürmen der internationalen Organisationen (OECD, IWF oder EZB, SNB, Wirtschafts(forschungs)institute, Unis/FH Sachverständigenräte, Publizisten usw.) tummeln, ein massives Problem haben: ihre leeren Thesen/Prognosen haben mit der Realität (fast) nichts zu tun!

    Kein einziger Ökonom der Zentralbanken (SNB, EZB, FED) hat bis dato eine Rezession auch nur annähernd korrekt prognostiziert. Dafür gibt es auch eine einfache Begründung, denn eine Rezession darf erst nach einem Einbruch des BIP über 2 aufeinanderfolgende Quartale als solche definiert werden, d.h. wenn die Wirtschaftsforscher von einer Rezession sprechen, sind die Menschen längst mittendrin.

    Herr Dr. Meyer dreht sich um den Kreis und es ist schade die Nachträge zu seinem Artikel zur Kenntnis zu nehmen.

    Wissen Sie was ein Axion ist?

    Ein Axiom ist eine zentrale wissenschaftliche Behauptung, welche selbst zwar nicht überprüft wird bzw. manchmal auch gar nicht überprüfbar ist, aber dennoch ein tragendes Konstrukt einer wissenschaftlichen Theorie darstellt – stellt sich das Axiom als unhaltbar heraus, so bricht die gesamte darauf gegründete Theorie zusammen.

    Was die SNB derzeit genötigt ist zu tun ist ein Experiment! Bitte beachten Sie, dass in der Vergangenheit jedes ungedeckte Papiergeldsystem zusammengebrochen ist. Als einzige Chance den CHF zu erhalten bliebe die Möglichkeit sich vom Casino-Finanzwirtschaft zu verabschieden! Ich habe Ihnen weiter unten geschieldert wie das zu machen wäre. Wir müssen als kleines Land mit einer 8 Milionen Währung Prioritäten setzen! Was wohl die UBS, CS und Ableger dazu sagen ist wohl klar, oder?

    Die SNB gewinnt durch diese Politik Zeit. Solange der große Bankenansturm, dem „Run auf die Banken ausbleibt kann es noch ein paar Jahren dauern. Dieser wird aber genau dann losbrechen, wenn die Bevölkerung der Meinung ist, ihr Geld sei bei den Banken nicht mehr in Sicherheit und sie daher versuchen es abzuheben. Durch die zeitgleiche Massenbehebung verursachen sie dann genau das, was sie eigentlich befürchten, den Zusammenbruch des Banksystems, da die Banken im Mindestreservesystem das Geld, das auf den Konten ausgewiesen ist, natürlich nie als Schein und Münze vorrätig haben können. Deshalb wird die Bevölkerung von den Verantwortungsträgern auch weiterhin strikt belogen bzw. im Unklaren gelassen, aus Angst, das Bankensystem zu gefährden und damit die Bevölkerung von der Versorgung mit Zahlungsmitteln abzuschneiden („dass die Bankomaten leer bleiben“, wie die Banker dies den Politikern gegenüber gerne als Panikmache formulieren).

    Fakt ist: 2008 ist das System mathematisch zusammengebrochen. Es wurde durch Manipulation der Bilanzen aufrechterhalten.

    Kleiner Exkurs:

    Nach den Regeln von Basel II sowie Basel III sollen Kredite sogar mit 8 Prozent Eigenkapital oder mehr gedeckt werden, je nach Risikogehalt dieser Kredite. Eigenkapital ist aber nichts anderes, als die rechnerische Differenz zwischen der Summe aller Posten der Aktivseite und den Schulden auf der Passivseite der Bilanz. Welche Zahlenbeträge für die Posten der Aktivseite in diese Rechnung wirklich eingesetzt werden, d.h. die Regeln ihrer Bewertung, erfährt die Öffentlichkeit aber nicht, und falls doch, dann ist sie entsetzt und selbst Wirtschaftsprüfer sprechen dann offen von Betrug.

    So dürfen etwa Banken seit Oktober 2008, um das Vertrauen in die Banken nicht zu erschüttern – welch ein Hohn – , ihre Wertpapiere bewerten wie sie wollen und müssen bei Wertverlusten diese nicht mehr in den Bilanzen ausweisen, also keine Abschreibungen vornehmen. Kein Wunder, wenn Banken dann wieder Gewinne in den Bilanzen ausweisen – und die Boni der Banker kräftig sprudeln, während die Staaten in Konkurs gehen und der Bevölkerung Sparpakete aufgezwungen werden.
    Grüsse
    Der Praktiker

  41. Dr. Meyer berichtet, dass der USD seit 1974 von 4,30 auf 0,89 CHF gesunken ist und stellt die Frage, was es gebracht hätte, wenn die SNB vor 20 Jahren bei einem Kurs von 2 CHF interveniert hätte. Das ist m. E. der legitimste Punkt, den Dr. Meyer bis jetzt gemacht hat! Wenn sich der CHF, gegenüber dem EUR, in der Tat auf einer langfristigen Reise in Richtung 0,50 EUR/CHF bewegt, dann ist es sinnlos, bei 1,20 zu intervenieren.

    Um also den möglichen Erfolg/Mißerfolg und die Berechtigung der Kursstützungspolitik zu beurteilen, müsste man sich ganz klar sein, was den CHF seit Anfang 2010 in die Auswärtsspirale gebracht hat.

    Seit der Einführung des EUR hat sich der CHF die ersten 10 Jahren in einer Bandbreite von 1,50-1,60 bewegt mit nur ganz wenig Ausnahmen darüber/darunter. D. h. in dieser Zeit hat der CHF gegenüber dem EUR nicht aufgewertet. Wenn man der Meinung ist, dass der CHF einer langfristigen und kontinuierlichen Aufwertung nicht entkommen kann, dann wäre zu erwarten, dass diese 10-jährige Stabilität zu lange war und mit einem einmaligen Ruck nach oben kompensiert werden muss. Wenn der Weg von 1,50/1,60 nach 1,20 dieser kompensierende Ruck war, dann wird wohl der CHF nicht mehr schwächer werden.

    Die UBS ist beispielsweise der Meinung, dass der ‚wahre‘ EUR/CHF Kurs derzeit bei 1,30 liegen müsste. Kein Mensch kann das genau feststellen. Als Privatmann stelle ich bei meinen Besuchen in der Schweiz fest, dass der CHF (und damit die Schweiz) unverträglich und unvertretbar teuer ist. Das ist schon ok für unseren jüngeren Sohn, der in Zürich lebt und unverträglich und unvertretbar viel verdient (im Vergleich zu Deutschland/Österreich), aber das kann nicht ok sein für jene Schweizer, deren Monatseinkommen bei CHF 4.000 und/oder darunter liegt.

    Bis Ende 2009 bewegte sich der CHF kontinuierlich in der 1,50/1,60 Bandbreite. Im Januar 2010 begann der phänomenale Aufstieg und zwar ziemlich abrupt. Wenn man sich an Ende 2009/Anfang 2010 erinnert, dann erinnert man sich daran, dass das Griechenland-Problem publik geworden war. Und mit diesem Problem begannen die Euro-Krise und die Zweifel am Erhalt der Gemeinschaftswährung. Dies verleitet mich zur Vermutung, dass ein erheblicher Anteil der CHF-Aufwertung der letzten 3-4 Jahre auf einer Flucht in eine sichere Währung zu tun hat. Früher, bei Zinsunterschieden zwischen dem CHF und EUR/USD war eine solche Flucht mit Opportunitätskosten verbunden: man hatte zwar die Sicherheit des CHF, allerdings auch den Zinsverlust. Heute gibt es in Wirklichkeit keine Opportunitätskosten, wenn man von EUR/USD in CHF wechselt.

    Ich habe schon einmal geschrieben, dass ich – mangels besserer Alternative – dem Überleben der Kursstützungpolitik eine 50:50 Wahrscheinlichkeit beimesse. Wenn es tatsächlich die langfristige Bestimmung des CHF ist, gegen den EUR von 1,50/1,60 auf 0,50 zu gehen und wenn der ‚wahre‘ Wert des CHF jetzt eigentlich schon bei 1:1 liegen sollte, dann wird sich die Kursstützungspolitik als Ressourcenverschwendung herausstellen. Wenn der ‚wahre‘ Wert derzeit noch deutlich über 1,20 liegt, dann wird die Kursstützungspolitik erfolgreich enden.

    Beobachten wird man das erst dann können, wenn es wieder Opportunitätskosten für CHF-Anlagen gibt, d. h. wenn das Zinsniveau in CHF deutlich unter dem Zinsniveau in USD/EUR zum Liegen kommt.

  42. @Klar Worte,

    Ihr Zitat:

    Das ist genauso ein Unsinn wie die Bezeichnung: Finanzindustrie. Als würde diese sogenannte Industrie etwas produzieren.

    Zitat Ende.

    Richtig!

    Das ruft mich in Erinnerung eine Unterhaltung die ich mit einem Wirtschaftswissenschaftler vor kurzem hatte, in Anwesenheit seiner Studenten und einigen Kader einer Bank.

    Der beauptete und gewährte mit solchen Erklärungsmuster wie @Moneymoney oder Dr. Meyer der Vorgehensweise des Bankesystems eine argumentative Unterstützung.

    Mit seinen angebotsorientierten Modellen der Wirtschaftswissenschaften sagte er das niedriger Zins zu mehr Investitionen (z.B. Hausbau) und erhöhtem Konsum führt. Ich erwiderte das dies absoluter Unsinn ist! Daraufhin fing er an zu stottern und lief rot auf.

    Meine Begündung war simple:

    Dieses Model kann auf die Kreditvergabe nicht angewendet werden. Die Kreditvergabe hängt von der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers ab, nicht von der Höhe der Kreditzinsen. Kredite werden nicht vergeben, weil der Zinssatz niedrig ist, sondern weil der Kreditnehmer genügend Sicherheiten bietet, den Kredit zurück zu zahlen.

    Das heutige Geldsystem befördert nicht nur ungerechtfertigte Vorteilsnahmen der Geschäftsbanken, sondern es belohnt auch Bestrebungen den Niedergang der anderen voranzutreiben. Die Banken mit geringeren Kreditausfällen profitieren von den Banken mit höheren Kreditausfällen. Es entsteht ein Anreiz, die konkurrierende Bankengruppe zur Vergabe unsicherer Kredite zu verleiten. Zahlen Kreditnehmer in der Folge bei dieser Bankengruppe Kredite verstärkt nicht zurück, so hat die Bankengruppe mit geringeren Kreditausfällen einen Vermögenszuwachs.
    Das scheint einer der Schlüssel zur Erklärung der Finanzkrise ab 2008 zu sein.

    Die SNB und ihren Mindestkurs sind u.a. – und nicht nur, eine Konsequenz der Praxis der Geschäftsbanken. Studieren Sie mal gründlich die Bilanzen der Banken, dann werden Sie erstaunliches feststellen. Man sollte meinen, dass diese Formalitäten, wie Buchhaltung und Bilanz, dazu dienen, dass alles mit rechten Dingen zu geht, also dass die Bank dieses zusätzliche Geld auch erwirtschaften muss. Das ist leider nicht so. Die Erwirtschaftung der Mittel wird nur an Hand scheinbar unbestechlicher Bilanzen belegt. Es werden in der Bilanz der Banken „Verbindlichkeiten“ angegeben, die keine echten Verbindlichkeiten sind und somit eine Erwirtschaftung der Mittel nur vorgetäuscht.

    Die Politik mit kräftiger Unterstützung der korrupten WWL hat den tief greifenden Wandel in der Finanzwirtschaft aktiv beschleunigt. Aber offenkundig hat in der Politik niemand begriffen, was man in den vergangenen Jahren mit der gezielten Deregulierung der Finanzwirtschaft angerichtet hat. Man hat nicht begriffen, dass man ein Casino geschaffen hat, welches mit Marktwirtschaft nichts mehr gemein hat.
    Grüsse
    Der Praktiker

  43. @Moneymoney,

    Sie schreiben Zitat:

    – Sie haben ein völlig falsches Bild von der VWL. “Deswegen ist die Geldpolitik in der VWL (wie im Marxismus) kein Thema“: Das stimmt nicht. Besuchen Sie eine Uni wenn Sie es nicht glauben. Vielleicht reicht auch ein wenig googeln. “Die Geschichte der Krisen darf nicht behandelt werden“: Stimmt auch nicht, auch wenn ich zustimme, dass diesem Thema zu wenig Gewicht beigemessen wird.

    Zitat Ende.

    Das was Sie schreiben ist Unsinn. Ich ermutige Sie, autark zu DENKEN und weder Modellen der WWl nachzuplappern, noch Dinge zu behaupten die schlicht und ergreifend nicht zutreffen!

    Wie immer begründe ich meine Sichtweise und es ist falsch zu argumentieren; wie Sie es tuen ich würde alle Ökonomen in einem Topf schmeissen und plakativ meine Thesen widerlegen. Sie erinnern mich an einem anderen Diskutanten @NichtAllwissend der mit seinem Stil Dinge von Herrn Dr. Meyer ergänzte und anderen Leserinnen und Leser vorwarf Sachverhalte konfus widerzugeben.

    Wieso die WWL keine Wissenschaft ist habe ich sehr kurz erläutert. Ich fahre fort, und bitte Sie höflich, zu dieser Ausführung wie Inflation, Deflation, Mindestkurs, Mindestreserve, Eigenkapital und Relation SNB-Gesschäftsbanken Ihren Standpunt widerzugeben.

    Eine wissenschaftliche Disziplin, in der als oberstes dogmatisches Ziel die individuelle Bereicherung als Selbstzweck verkündet wurde (die sogenannten Wirtschaftswissenschaften), kann schon aus rein logischen Gründen keine nennenswerten Beiträge zum Gemeinschaftsnutzen mehr erbringen. In diesem akademischen Umfeld wurde und wird seit Jahrzehnten finanzielle Abhängigkeit von Geldgebern jedweder Art dankbar und freudig akzeptiert. Im Gegenzug erfolgt der freiwillige Verzicht auf eine unabhängige Meinung als entscheidendes Merkmal der „wissenschaftlichen Eliten“ dieser Fachbereiche. Die Fähigkeit zum kritischen Denken wurde dadurch gezielt verlernt und kann an den einschlägigen Bildungsinstitutionen von diesen Personen daher auch nicht mehr gelehrt werden. Die „Lehre“ besteht in diesem Umfeld ausschließlich aus dem Auswendiglernen unhinterfragter Normen unter Zeitdruck ins Kurzzeitgedächtnis. Fakten und Regeln werden geistig kopiert, bei Prüfungen identisch wiedergegeben und kurz danach wieder vergessen. Wenn Denksportübungen dieser Art dann auch noch in einem wettbewerbsintensiven Umfeld praktiziert werden, entsteht zudem auch noch der „Stolz auf die eigene Leistung“ – immerhin kann man bei diesen unsinnig/schädlichen Veranstaltungen ja andere „Mitbewerber schlagen“ bzw. „auf die Plätze verweisen“! Und bessere Qualitätsmerkmale als im Breitensport (wer mehr Punkte sammelt, wird Erster!) sind uns ja in den „Bildungsinstitutionen der Eliten“ noch nie eingefallen – es lebe der Sport!
    Wissenschaftler, denen der Erhalt dieser eigenen Geisteskräfte ein höheres Anliegen war als die Anerkennung durch die sich der jeweils herrschenden Lehrmeinung unterwerfende Kollegenschaft („Mainstream“), haben bereits vor Jahren auf die sich deutlich abzeichnenden Symptome der „Krise“, ihre Ursachen und ebenso dringend erforderliche Änderungen hingewiesen, wurden aber in der Fachliteratur totgeschwiegen und ignoriert und ihre Argumente nachweislich unterdrückt bzw. unterschlagen.

    Dies wird durch die grundsätzlich autoritäre Struktur der sog. „normativen Wissenschaften“ (Rechtswissenschaften und die von diesen dominierten Teile der Wirtschaftswissenschaften) sehr erleichtert. Aus diesem Grunde habe ich u.a. nachgewiesen, dass es sich bei diesen sogenannten Wissenschaften tatsächlich aus streng empirischer Sicht um Pseudo-Wissenschaften handelt, welche schon seit Jahrzehnten vorsätzlich als Unterdrückungs- bzw. Manipulationsinstrument der Bevölkerung missbraucht wurden und nach wie vor werden.
    Ich habe mich jedoch nicht nur auf Kritik und Demaskierung beschränkt, sondern genau jene Konzepte und Methoden präsentiert, welche es in dieser spannenden Phase menschlicher Geschichte ermöglichen den globalen Lernschritt in eine neue, harmonische Zukunft zu bewältigen, die auf Nachhaltigkeit und Einklang mit Natur und Bewusstsein beruht.

    Das was Herr Dr. Meyer und auch Sie behaupten ist Unsinn! Beweisen Sie mir, dass ich Unrecht habe, beweisen Sie mir das ich mich auf der ganze Linee irre.

    Ach, noch etwas: Mein Ton ist und soll keine WERTUNG sein, über den Menschen, deshalb bitte ich Sie nicht wie Herr Dr. Meyer zu verfahren der auf „Harte Kritik“ auf die beleidigte Leberwurst hinausspielt.

    Es geht hier nicht, um Theorie sondern knallharte Realität die unseren Planeten ausplündert und das Leben der Menschen und Tiere zerstört.

    Grüsse
    Der Praktiker

    @Klare Worte, in der Tat, auch Prof. Erwin Heri der mit Dr. Meyer studiert hat ist Lernresistent. Ich muss aber hinzufügen, dass ich sehr viele Professoren im In,- und Ausland kenne die sehr darunter leiden nicht die Wahrheit ihren Studenten lehren zu dürfen! Aber ich bin zuversichtlich lange wird diese ungerechtfertigte Vorteilsnahme des Bankensystem gegenüber der arbeitente Bevölkerung nicht aufrecht erhalten bleiben können. Danke für den Lektüre Tipp!

    Grüsse
    Der Praktiker

    • @Praktiker

      Sie schreiben allen Ernstes: “Deswegen ist die Geldpolitik in der VWL (wie im Marxismus) kein Thema“

      Widerlegung: Webseite UNI ZH, über den Master-Studiengang: „In den Vertiefungsvorlesungen werden Fragen der Einkommensverteilung, Steuerpolitik und Geldpolitik behandelt.“ Oder schauen Sie die Publikationen von Ökonomen wie Krugman an…

      QED

    • @Moneymoney,

      das soll eine Widerlegung sein? Krugman? Ich möchte Ihre ganz persönliche autarke Meinung lesen.

      Sind meine Thesen zu:

      Mindestkurs, Mindestreserve, Snb-Geschäftsbanken,Inflation und Deflation als absichtlich verursachten Effekten der Geldpolitik, Kreditäregeldschöpfung der Geschäftsbanken, Interbankeneben und damit verbundene Geldschöpfung durch ausgleichenden Massen Unsinn?

      Wenn ja? Bitte um Stellungnahme!
      Grüsse
      Der Praktiker

      P.S. Meine Thesen mögen sich plakativ gegenüber WWL und Bankensystem lesen, es ist aber leider eine traurige Realität.

  44. Nachtrag II

    Ein weiterer gravierender Irrtum bezüglich des Ausdrucks:
    „Giroguthaben sind nicht einforderbar“

    Ein weiteres irreführendes Missverständnis geht aus folgender Behauptung der SNB hervor:

    „Giroguthaben … sind … nicht … einforderbar“ (siehe Vortrag von SNB-Chef Prof. Dr. Jordan, Statistisch Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel, 27. September 2011, S. 5)

    Wir alle wissen: Wen jemand eine Banknote besitzt, so kann er nicht zur Notenbank gehen und sagen, er möchte gerne ein Stück Gold gegen die Banknote eintauschen.

    Kann davon aber abgeleitet werden, dass die Nationalbank nicht verpflichtet ist, Devisen zu verkaufen, wenn die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB abbauen wollen?

    Nein, das kann keineswegs daraus abgeleitet werden.

    Gemäss Artikel 18 des Bundesgesetzes über die Nationalbank darf die SNB von den Banken nicht mehr als 4 Prozent von deren kurzfristigen Verbindlichkeiten als Mindestreserven einfordern.

    Aus dem aktuellsten Statistischen Monatsheft der SNB geht hervor, dass die Banken zurzeit mehr als den 21-fachen Betrag der geforderten Mindestreserven bei der SNB in Form von Giroguthaben parkieren.

    Wäre nun die Behauptung von SNB-Chef Jordan korrekt, wonach die Giroguthaben nicht eingefordert werden dürfen, so würde das heissen, dass die Banken diese nicht aus eigener Initiative abbauen dürfen.

    Das ist nicht korrekt. Die Banken dürfen ihre Mindestreserven insgesamt bei der SNB abbauen. Ansonsten müsste es einen Gesetzesartikel im Nationalbankgesetz geben, der in etwa besagt:
    „Die Banken dürfen überschüssige Mindestreserven, die sie einmal bei der SNB angelegt haben nicht mehr einfordern“.

    Einen solchen Gesetzesartikel gibt es aber nicht.

    Also gilt: Die Banken dürfen überschüssige Mindestreserven in Form von Giroguthaben bei der SNB jederzeit auf den gesetzlich festgesetzten Mindestbetrag reduzieren. D.h. Giroguthaben sind einforderbar. Deshalb sind es ja „Guthaben“.

    Zu diesem Zweck muss die SNB Devisen verkaufen. Es gibt keine andere Möglichkeit.

    Daraus folgt wiederum:

    Die SNB ist verpflichtet, Devisen zu verkaufen, wenn die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB insgesamt abbauen wollen (nähere Erläuterungen dazu unter Nachtrag I).

    • @Meyer
      Gut, dass Sie erkannt haben, dass ein Übertrag von Giroguthaben von der SNB auf die CS die Giroguthaben in Summe nicht verändert. Fortschritt!

      Sie prophezeien also den Konkurs der SNB, weil die Banken alle ihre frei verfügbaren Giroguthaben (rund 300 Mrd.CHF) abbauen werden. Die einzige Möglichkeit, dies zu tun, ist, von der SNB Fremdwährungsaktiva zu kaufen, d. h. Devisen (weil die SNB so viel davon hat). Nachdem der Wechselkurs zu diesem Zeitpunkt schon auf 1:1 oder weniger gestiegen ist, geht sich die Rechnung nicht mehr aus: die Devisenverkäufe der SNB reichen nicht mehr aus, um 300 Mrd.CHF zu generieren.

      Haben Sie sich schon einmal überlegt, was mit dem Wechselkurs passieren würde, wenn plötzlich Investoren 300 Mrd.CHF verkaufen wollen? Das würde einen fantastischen Gewinn für die SNB ergeben. Genau darauf wartet die SNB, nämlich, dass Investoren doch die Geduld mit dem CHF verlieren, aus dem CHF aussteigen und somit den Abbau der Devisenreserven zu günstigen Kursen ermöglichen.

      Bitte zu beachten: es sind nicht die Banken, die die Giroguthaben reduzieren können. Letztendlich sind es deren Kunden. Wenn Banken mit ihren Giroguthaben Devisen kaufen und somit die Giroguthaben reduzieren, schaffen sie für sich eine ‚long position‘ EUR/CHF, sofern dahinter nicht Kundenaufträge stehen. Aus regulatorischen Gründen können Banken nicht unbegerenzt ‚long positions‘ fahren (so wie es die SNB macht). Anders ausgedrückt: die Trendwende bei den Giroguthaben muss schon von Kunden ausgehen, d. h. Investoren, die aus dem CHF aussteigen wollen.

  45. @Nachtrag I

    Verwirrung um den Begriff: „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen.“

    Es zeigt sich, dass ein weiteres Missverständnis geklärt werden muss, welches aus oberflächlichen bzw. ungenauen und sogar falschen Äusserungen unserer Nationalbank hervorgeht.

    In seiner Rede vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel, 27. September 2011, S.5 sagte SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan unter den Titeln „Zentralbanken sind auch mit negativem Eigenkapital handlungsfähig“ sowie „Zentralbanken haben kein Liquiditätsproblem“:

    Zitat:

    „Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann.“

    Zitat Ende

    Dieser Satz ist äusserst trügerisch und irreführend.

    Ich versuche, dies hier zu begründen:

    Zuerst müssen wir uns die Frage stellen, was heisst der Ausdruck:

    „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen“

    Daraus geht ganz klar hervor, dass sämtliche Zahlungsverpflichtungen als Summe abgebaut werden. Bilanztechnisch gesprochen bedeutet das, dass das Fremdkapital auf der Passivseite der Bilanz verringert wird.

    Das ist nur möglich, wenn gleichzeitig auf der Aktivseite genügend liquides Vermögen vorhanden ist, so dass die Aktivseite analog der Passivseite verringert werden kann.

    Die SNB behauptet also, sie könne ihr liquides Vermögen selber herstellen durch Emission von Notenbankgeld und somit sämtliche Zahlungsverpflichtungen jederzeit abbauen.

    Der Bundesrat formuliert es so: „Die SNB kann nicht illiquid werden in Franken“ (Antwort des Bundesrates auf SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank“)

    Aus diversen Kommentaren im Blog hier oder in ehemaligen Blogs zum Thema wie auch aus Kreisen der SNB verlautet immer wieder folgendes Argument:

    Die SNB kann nicht zahlungsunfähig werden. Sie ist jederzeit zahlungsfähig in Franken. Dazu wird beispielweise der folgende Fall geschildert:

    Angenommen, die UBS möchte ihre Giroguthaben bei der SNB (Mindestreserven) vermindern. Zu diesem Zweck erteilt sie den Auftrag, dass ihr Guthaben bei der SNB beispielsweise auf das Konto der CS bei der SNB transferiert wird.

    Was ist die Folge: Es ist tatsächlich so, dass damit die Mindestreserven der UBS bei der SNB vermindert wurden. Dafür besitzt jetzt die CS entsprechend mehr Mindestreserven bei der SNB. Die Summe der Mindestreserven der Banken bei der SNB insgesamt wurde dadurch jedoch nicht verringert. Es liegt lediglich ein Passivtausch in der Bilanz der SNB vor.

    Diesen Passivtausch kann man nie und nimmer als Abbau von Schulden bezeichnen.

    Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel zum Vergleich aus dem täglichen Leben:

    Angenommen, ein junger Mann kaufe sich ein Velo für 1000 Franken. Er hat nun eine Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Velo-Verkäufer.

    Nun kann er auf die Bank gehen und dort eine 1000er Note abheben und diese dem Verkäufer bringen.

    Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Er besitzt ein Vermögen von mindestens 1000 Franken bei der Bank und er hebt diese 1000 Franken ab. Oder: Er hat kein Geld auf dem Konto, überzieht dies aber um 1000 Franken.

    In beiden Fällen kommt der Jüngling seiner Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Veloverkäufer nach. Im ersten Fall hat er überhaupt keine Schuld mehr. Im zweiten Fall jedoch besitzt er eine neue Schuld bei der Bank. Er hat einfach die Schuld beim Verkäufer gegen eine Schuld bei der Bank eingetauscht.

    Wenn nun unser Notenbank-Präsident an einem Vortrag behauptet, die SNB könne jederzeit „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen“, so geht aus dieser Aussage hervor, dass dadurch die Gesamtschulden der SNB vermindert werden. Es wird angenommen, dass dadurch die Passivseite der SNB-Bilanz verkürzt wird.

    Wenn aber die Giroguthaben der einen Bank einfach zu Giroguthaben einer anderen werden, so ist das kein Abbau der Zahlungsverpflichtung der SNB, sondern lediglich eine Umschichtung der SNB-Schulden, ein Passivtausch.

    Angenommen, die SNB kaufe nun wie angedroht weiter unbeschränkt Devisen, bis sie 1.2 Billionen davon besitze. Trotzdem falle der Euro auf eins zu eins. Angenommen, die ausländischen institutionellen Investoren wollen nur ihre Gewinne realisieren. Also Folge davon wollen die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB insgesamt abbauen.

    Die Mindestreserven als Summe können aber nur vermindert werden, wenn die SNB über genügend liquides Vermögen verfügt. Das liquide Vermögen der SNB besteht aus Devisen und Gold. Dieses Vermögen muss die SNB nun verkaufen. Die SNB muss, ich wiederhole, sie muss Devisen verkaufen. Nur so können die Mindestreserven abgebaut werden.

    Aufgrund der Tieferbewertung der Devisen, entspricht deren Wert aber nur noch nur 1 Billion Franken. Es fehlen der SNB somit 200 Milliarden Euro.

    Die SNB ist Konkurs. Sie kann den Banken deren Mindestreserven von 1.2 Billionen nicht mehr zurückerstatten.

    Als Folge davon gehen die Banken Konkurs.

  46. @Der Praktiker

    Ich habe sie nur höflich gebeten, ihre Kommentare zur Vollgeld-Initiative auf dem Blog zur Vollgeld-Initiative zu posten und nicht hier auf dem Blog zum Mindestkurs und negativem Eigenkapital der SNB.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      bitte nehmen Sie Stellung zu meinen Beitrag von 15 Uhr 52 und 16 Uhr 59! Meine Eingaben haben NICHTS mit der Vollgeld-Initiative zu tun! Es geht hier, um Geldpolitik und die Auswirkungen auf das Bankensystem und Realwirtschaft! Ich fordere Sie auf meine Thesen zu widerlegen. Sie behaupten, dass das Schweizer-Bankensystem wegen der SNB Politik pleite geht.

      Ich habe dargelegt, dass diese Behauptung nicht nur falsch ist, sondern ebensosehr aufgezeigt wie dieser Teufelskreis zum Stillstand gebracht werden kann.

      Grüsse
      Der Praktiker

  47. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    Sie enttäuschen mich. Wie ist es möglich über Mindeskurs und Eigenkapital zu argumentieren und die Relation SNB und Geschäftsbanken völlig auszublenden? Wenn Ihnen die Argumente ausgehen, na, dann weichen Sie meinen Fragen aus. Offensichtlich werden Sie die Vollgeld Verblendung nicht mehr los.

    Herr Dr. Meyer Sie argumentieren, dass das Schweizer Bankensystem auf Grund der Mindeskurs-Politik der SNB Konkurs gehen kann.

    Das ist Unsinn!!!

    Begründung:

    Banken können nur in Kooperation mit anderen Banken ihr Geld selbst schöpfen. Sie müssen dazu untereinander (Interbankenebene) eine ausgeglichene Zahlungsbilanz herstellen. Beachtet eine Bank dieses Prinzip nur unzureichend, so schöpft sie neben Geld auch immer mehr Schulden. Nehmen die Schulden gegenüber den anderen Banken eine Dimension an, die die anderen Banken nicht mehr tolerieren, so verweigern sie weitere Interbank-Kredite. Verweigert auch die Zentralbank jeglichen Kredit, so ist die Bank zahlungsunfähig. Keine Bank nimmt von dieser Bank mehr Überweisungsaufträge an. Die Bank ist pleite.

    Wenn es für Sie immer noch nicht nachvollziehbar ist führe ich meine Argumentation fort:

    Jedem Sparguthaben geht ein Zahlungseingang auf ein Konto der Bank voraus. Durch den Sparvorgang wird das Geld eine gewisse Zeit festgelegt. Es kann für diese Zeit nicht für einen Zahlungsausgang benutzt werden. Somit erhält die Bank durch das Sparen Gutschriften auf ihren Interbank-Kreditkonten von anderen Banken. Da die anderen Banken in ähnlichen Größenordnungen Sparguthaben einlagern, gleichen sich die Zahlungsströme zwischen den Banken zum großen Teil aus und somit auch die gegenseitigen Gutschriften auf den Interbank-Kreditkonten. Es müssen sich aber alle Banken um Sparer bemühen, da die anderen Banken es auch tun. Sie sind dazu gezwungen, um Schulden auf ihren Interbank-Kreditkonten zu vermeiden. Sie locken die Sparer mit Zinsversprechen. So entstehen ausgeglichene Zahlungsströme zwischen den Banken, die die Voraussetzung für die Giralgeldschöpfung sind. Banken können Giralgeld (95% der Geldmenge!!!) nur im Gleichschritt schöpfen.

    Will man diesen zum Scheitern verurteilten System verhindern, mit verherrenden Folgen auf die Steuerzahler, so muss das Streben der Geschäftsbanken nach mehr Kundengeldern abgeschaltet werden. Das wird dadurch erreicht, indem der Zusammenhang zwischen Sparkonten und Darlehensvergabe aufgelöst wird. Die Höhe der möglichen Darlehensvergaben darf nicht von der Menge des auf Sparkonten lagernden Geldes abhängen. Das bedeutet, den Geschäftsbanken muss vorgeschrieben werden, dass das Geld für die Darlehensvergaben immer in voller Höhe als Kredit direkt von der Zentralbank bezogen werden muss, unabhängig der von den Banken verwalteten Kundengeldmenge. Kundengelder dürfen nicht für die Darlehensvergabe benutzt werden.

    Ihre Einwände beschränken sich auf Polemik, Kommunismus, Sozialismus und Monopolbank SNB! Das sind keine fundierte Argumente, sondern reflexartige Reaktionen die weder nach Wahrheit, noch nach Lösungsvorschläge bedacht sind.

    Grüsse
    Der Praktiker

  48. @Klare Worte,

    Besten Dank.

    Ja, Herr Dr. Meyer ist allergisch auf harte und sachliche Kritik oder Gegendarstellung die seine Thesen zerlegen. Im Gegenzug wirft er Diskutanten: Ignoranz, Arroganz, Vergeutung seiner Zeit und anderes vor, ein Verhalten das ich bei keinem anderen Publizisten feststellen kann.

    Wissen Sie, eigentlich kann Herr Dr. Meyer nichts dafür (und es ist nicht sarkstisch oder ironisch gemeint), sondern es ist mein ganzer Ernst. Sein grösstes Hindernis, ist das er ein Nationalökonom ist und dogmatisch so geimpft wurde das er nicht anders kann; er hat vom Geldsystem und seine ganzheitliche Auswirkungen auf Realwirtschaft keine Ahnung. Er behauptet einen Unsinn das eine normative Wissenschaft wie die Wirtschaftswissenschaften: Zitat: Eine exakte Wissenschaft sei“!!!

    Was Herr Dr. Meyer nicht warhaben will oder kann ist:

    Wirtschaftskrisen haben monetäre Ursachen. Um dies zu verschleiern, lehrt die VWL Modelle, in denen das Geld lediglich Tauschmittel ist, also nur Geldmenge mit Umlaufgeschwindigkeit. Dabei sollen die Banknoten und Münzen mit Umlaufgeschwindigkeit keinen Einfluss auf die realen Größen der Ökonomie ausüben, sondern allein die Preise beeinflussen. Dies wird bis heute einfach ganz primitiv und dreist behauptet.

    Wenn die SNB das Geldangebot verdoppelt, verdoppeln sich das Preisniveau, die Nominallöhne und alle anderen in Geldeinheiten ausgedrückten Variablen. Die realen Variablen, wie z.B. Produktion, Arbeitslosigkeit, Reallöhne und Realzinssätze bleiben unverändert. Diese Irrelevanz von Geldmengenänderungen im Hinblick auf reale Variablen wird als Neutralität des Geldes bezeichnet.

    Das behaupten allen Ernstes Leute, die unbedingt jede Inflation bekämpfen wollen, weil diese angeblich doch schädlich wäre, obwohl sie selber das Geld für neutral erklären. Denn entweder ist Geld langfristig neutral, dann bräuchten wir uns eben nicht um Inflation zu sorgen, oder es ist eben nicht neutral. Aber logisch denken dürfen Sie in der VWL nicht, sonst fallen Sie durch jede Prüfung.

    Die VWL kennt und diskutiert in ihren Modellen keine Geldvermögen und Schulden. Eine Verdopplung der Preise würde selbstverständlich sämtliche Geldvermögen und Schulden real halbieren und das würde einen gewaltigen Anreiz liefern, sich noch möglichst schnell zu verschulden und seine Ersparnisse an sich entwertenden Geldvermögen für Käufe aufzubrauchen, während die Preise steigen. Das soll keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben?

    Ich müss an der Stelle allerdings einräumen, dass in den VWL-Modellen gemäß ihren Voraussetzungen und Annahmen die Ökonomie immer voll ausgelastet ist, so dass eine Belebung der Konjunktur nicht einmal durch Inflation möglich wäre. Weil die Modelle selbst bei einem fallenden Preisniveau keine Unterauslastung kennen, da die Ökonomie angeblich wegen der Profitmaximierung immer voll ausgelastet sein muss, ergibt sich die Neutralität des Geldes halt aus dem Trick der VWL, Geldvermögen und Schulden nicht zu kennen und Änderungen des Preisniveaus weder in Bezug auf die Geldvermögen und Schulden zu diskutieren, noch im Zusammenhang mit der Rentabilität von Investitionen. Bei Deflation haben wir nämlich einen womöglich drastisch erhöhten Realzins, bei Inflation einen womöglich negativen Realzins, aber sogar das IS-LM-Modell kennt einzig den Nominalzins und damit keinen Abbruch der Investition bei noch so schwerer Deflation. Dass bei einem Leitzins der Zentralbank von Null und schwerer Deflation real betrachtet Hochzinspolitik herrscht und sowohl die Investitionstätigkeit abwürgt wie den Konsum dämpft, diese Einsicht kann einen Professor der VWL geistig gar nicht erreichen und schon gar nicht unseren Dr. March Meyer. Für ihn ist die Ökonomie immer voll ausgelastet und schafft Einkommen genau in der Höhe der Produktion, so dass dieses Einkommen gar nicht anders verwendet werden kann, als für Konsum oder Investition, eine andere Möglichkeit gibt es nicht, so dass die Produktion immer restlos verkauft werden kann und muss – ein Zirkelschluss: Y = C + I

    Die Neutralität des Geldes ist die Voraussetzung für ein allgemeines Gleichgewicht der Teilmärkte einer Ökonomie. In der Realität gibt es jedoch kein neutrales Geld und daher auch kein Gleichgewicht der Märkte. Die Preise werden nicht durch Banknoten und Münzen mit eingebauter Umlaufgeschwindigkeit gesteuert, sondern durch Boom und Krise, ausgelöst von der Geld- und Finanzpolitik. Die Notenbank erhöht den Leitzins und senkt ihn wieder, nicht der Markt.

    Das die menschliche Intelligenz beleidigende Geschwätz von einer langfristigen Neutralität des Geldes finden wir auch bei der SNB und Andere.

    Wissen Sie wie eine Geschäftsbank pleite gehen kann? Die beantwortung dieser Frage ist entscheidend, um alle andere Mechanismen zu verstehen. Ich weise in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ZENTRALBANGELD 5% der GELDMENGE und GIRAL/BUCHGELD 95% ist.

    Grüsse
    Der Praktiker

    • @Praktiker

      Sie schreiben über die VWL: „Dabei sollen die Banknoten und Münzen mit Umlaufgeschwindigkeit keinen Einfluss auf die realen Größen der Ökonomie ausüben, sondern allein die Preise beeinflussen. Dies wird bis heute einfach ganz primitiv und dreist behauptet.“

      Das ist Unsinn und wird allenfalls von gewissen Randfiguren der Ökonomenzunft behauptet. Hingegen würde kein ernstzunehmender Ökonom so etwas sagen. Jedenfalls kenne ich niemanden, der so etwas behaupten würde. Ich schlage vor: Informieren Sie sich zuerst, bevor sie allen Ökonomen kollektiv Dummheit unterstellen.

      Und noch etwas: Klar gibt es in der VWL solche Modelle. So gibt es beispielsweise auch Modelle, in denen Geld nicht einmal vorkommt. Aber solche Modelle werden natürlich nicht verwendet, um die Geldpolitik und Inflation zu analysieren. Ist ja logisch, oder?

    • @Monemoney, sind Sie derselbe @Moneymoney der die Giralgedschöpfung der Geschäftsbanken auf einen Bloog geleugnet hat, bzw. nicht nachvollziehen konnte oder wollte?

      Randfiguren? Ökonomenzunft? Ernstzunehmender Ökonom? Bitte tuen sich selbst und den Leserinnen und Leser ein gefallen und bleiben Sie sachlich!

      Wirtschaftskrisen werden durch die Geldpolitik absichtlich verursacht. Es ist die einzige Aufgabe der VWL, dies zu leugnen und zu vernebeln und Dogmen zur Verschärfung von Krisen zu liefern. Krisen haben zwei Ziele, erstens die lohnabhängigen Arbeiter zu disziplinieren und die Löhne zu senken und die Sozialleistungen und Arbeiterrechte abzubauen, zweitens können die Insider der Geldpolitik mit ihren Informationen in jeder Krise gigantische Profite erzielen und weltbeherrschende Vermögen durch risikolose Spekulation gewinnen. Deswegen ist die Geldpolitik in der VWL (wie im Marxismus) kein Thema; die Professoren lehren Modelle, in denen Geld nur als Tauschmittel vorkommt (als Geldmenge mit Umlaufgeschwindigkeit); die Geschichte der Krisen darf nicht behandelt werden; alle Thesen werden durch zirkuläre Argumentation aus den Annahmen der Modelle abgeleitet; der mathematische Apparat soll wissenschaftliches Arbeiten vortäuschen und die zirkuläre Argumentation verbergen.

      Absatzkrisen sind das einzige Mittel zur Senkung von Löhnen und Preisen. Absatzkrisen wurden von der Geldpolitik immer absichtlich herbeigeführt, um durch Massenarbeitslosigkeit den Widerstand der lohnabhängigen Arbeiter gegen Lohnkürzung und Sozialabbau und die Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen zu brechen. Die Geldpolitik würgt dabei die Güternachfrage mit hohen Zinsen und restriktiver Kreditvergabe ab. Die Massenarbeitslosigkeit zusammen mit der Absatzkrise für Güter sorgen dann für sinkende Löhne und Preise. Eine expansive Geldpolitik kann Krisen wieder beenden.

      Zur Zeit des Goldstandards, als die Notenbank zu einem festen Kurs Gold gegen ihre Banknoten herausgeben musste, wurden Krisen regelmäßig erzeugt, um eine boomende Konjunktur mit steigenden Preisen und Importen abzuwürgen, weil durch Importüberschüsse das Gold zu deren Bezahlung ins Ausland floss und so die Goldreserven der Zentralbank gefährdet wurden. Die Notenbanken lösten durch die Erhöhung ihrer Leitzinsen (verheerende) Krisen aus, die Firmen bankrottieren ließen und Millionen lohnabhängige Arbeiter ins Elend stürzten, aber dabei die Löhne und Preise herunter brachen, so dass es wieder zu Exportüberschüssen und damit steigenden Goldreserven kam. Ohne die gezielte Auslösung brutaler Absatzkrisen hätte der Goldstandard überhaupt nicht bestehen können. Absatzkrisen mit restriktiver Kreditpolitik zu inszenieren und durch expansive Kreditpolitik zu beenden, war seit über 200 Jahren die Grundlage der Zentralbankpolitik und die ganze Kunst der Notenbanker.

      Ihre sind keine Argumente die meine Thesen widerlegen. Ich schlage vor, Sie ziehen sich, wie Sie schon damls getan haben, aus der Debatte zurück. Herr Dr. Meyer kann sich selbst wehren und braucht keine Vassallen.

      Wie eine Bank Pleite geht habe ich Herrn Dr. geschildert; ich würde gerne IHRE Meinung dazu lesen,- und BITTE nicht; Herrn Kästner seine Sichtweise absegnen, sondern Ihre ganz persönliche Gegendarstellung.

      Grüsse
      Der Praktiker

    • @Praktiker

      Das ist genauso ein Unsinn wie die Bezeichnung: Finanzindustrie. Als würde diese sogenannte Industrie etwas produzieren.
      Als kleine Entspannungslektüre empfehle ich folgendes Buch vom Benedikt Herles: Die kaputte Elite. Vielleicht hilft es einigen Leuten eine andere Perspektive anzunehmen, aus der Sicht einer anderen Generation.
      Falls man überhaupt mit anderen Ansichten etwas anfangen kann oder will.

    • @Praktiker

      Ganz sachlich (das bin ich ja meistens) einige Punkte:

      – Einerseits hätten sie gerne von mir meine Sichtweise von Bankpleiten, andererseits schlagen Sie vor, dass ich mich aus der Debatte zurückziehe. Das scheint mir etwas widersprüchlich zu sein.

      – Zur Frage der Bankpleiten: Wenn jemand sagt: 2 + 2 = 4, so muss ich das ja nicht noch extra wiederholen, wenn ich damit einverstanden bin. Wobei die Frage von Bankpleiten etwas komplizierter ist, aber von Herrn Kastner gut beantwortet wurde. Deshalb verzichte ich darauf, noch meinen eigenen Senf beizufügen.

      – Ich denke nicht, dass Herr Meyer Vasallen hat, und falls doch gehöre ich jedenfalls nicht dazu. Meistens widerspreche ich ihm ja…

      – Es ist mir nicht bekannt, dass ich die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken nicht nachvollziehen konnte. So kompliziert ist das ja nicht. Gewisse Konten, die auf der Passivseite der Bankbilanz stehen, werden zur Geldmenge gezählt (M1, M2 etc.), das ist alles.

      – Sie haben ein völlig falsches Bild von der VWL. “Deswegen ist die Geldpolitik in der VWL (wie im Marxismus) kein Thema“: Das stimmt nicht. Besuchen Sie eine Uni wenn Sie es nicht glauben. Vielleicht reicht auch ein wenig googeln. “Die Geschichte der Krisen darf nicht behandelt werden“: Stimmt auch nicht, auch wenn ich zustimme, dass diesem Thema zu wenig Gewicht beigemessen wird.

      MfG, Moneymoney

  49. @Klaus Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Besten Dank.

    Sie schreiben:

    Zitat:

    „N.b.: nachdem die SNB keine CHF Wertpapiere hat, kann sie die CHF Giroguthaben nur durch einen Verkauf von Devisen und/oder Gold reduzieren.“

    Zitat Ende

    Das ist vollkommen richtig – es ist das, was ich schon immmer hier schrieb:

    Die SNB kann die Mindestreserven der Banken nur reduzieren, indem sie Devisen verkauft.

    Das ist entscheidend.

    Falls der Euro aber zwischenzeitlich in Relation zum Einstandpreis gefallen ist, so verfügt die SNB nicht mehr über genügend Euro, um die Mindestreserven der Banken vollumfänglich zurückzahlen zu können.

    Die SNB ist Konkurs.

    Und es geht hier, wie Sie korrekt sagen, nicht um „lächerliche“ 12 Milliarden Franken, sondern es geht möglicherweise bald um 1.2 Billionen, die nur noch 1 Billion wert sind.

    Dann fehlen der SNB 200 Milliarden Franken. Die muss dann der Schweizer Steuerzahler bezahlen.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    • @Meyer
      Sorry, Ihnen ist einfach nicht zu helfen, Herr Dr. Meyer. Sie haben einmal geschrieben, dass Sie von der Bank, bei der Sie gearbeitet haben, rausgeworfen sind. Bestimmt nicht wegen mangelnder Fachkenntnis, denn Fachkenntnis haben Sie. Mit Sicherheit wegen Starrsinns!

      Ihre herzige, aber recht naive Santander-Story habe ich mit konkreten Beispielen zerlegt. Sie sind darüber hinweggegangen.

      Sie reden nach wie vor von Mindestreserven, während die Mindestreserven nur einen geringen Teil der Giroguthaben ausmachen. Das Gros davon sind frei verfügbare Giroguthaben.

      Sie unterstellen, dass die SNB in Not geraten könnte, die Giroguthaben reduzieren zu müssen und dass sie demzufolge Devisen notverkaufen müsste. Warum sollte denn die SNB Giroguthaben der Banken reduzieren müssen??? Diese Giroguthaben würden sich von selbst reduzieren, wenn Banken und – vor allem – deren Kunden wieder Devisen mit CHF kaufen. Wennn also die Marktteilnehmer den Punkt erreichen, wo sie aufgeben, gegen den CHF zu spekulieren und sich wieder auf andere Währungen zurückziehen, wo sie profitablere Anlagemöglichkeiten haben.

      Wie Sie einmal richtig gesagt haben, sind diese Giroguthaben dadurch entstanden, dass die SNB Unmengen von Devisen gegen CHF gekauft hat. Angenommen, eine Trendwende setzt ein und Banken und deren Kunden kaufen wieder Devisen mit CHF. Nachdem die SNB Devisen nicht verkaufen muss, sie aber bei Bedarf verkaufen kann, wird sie sicherlich nur verkaufen, wenn der Kurs passt. Wenn sie nicht verkauft, bleiben die Giroguthaben bestehen. So einfach ist das!

      Das einzige derzeitige Risiko ist, dass die SNB ihre Strategie nicht durchsteht. Dass eine neue Spekulationswelle gegen den CHF einsetzen würde und dass die SNB den Kurs von 1,20 aufgeben müsste. Ja, dann hätte sie hohe Verluste, bliebe jedoch uneingeschränkt zahlungsfähig, wie ich schon x-mal erklärt habe.

      Es ist doch ganz einfach, diese Debatte zu beenden. Geben sie mir doch einfach diesen x-mal angefragten CHF Zahlungsauftrag an die SNB, welchen die SNB nicht erfüllen kann.

      Wenn Sie sich nach wie vor weigern, das zu tun, dann wäre es eleganter Ihrerseits, sich aus der Debatte zurückzuziehen.

    • @Klaus Kastner

      Sehr geehrter Herr Kastner

      Dem Statistischen Monatsheft der SNB können Sie entnehmen, dass der Erfüllungsgrad der Mindestreserven derzeit 2135 Prozent beträgt.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  50. @Moneymoney, auch Ihnen stelle ich die Frage, wie zuvor Herrn Kästner und Herrn Dr. Meyer:

    Wie kann eine Geschäftsbank pleite gehen?

    Bitte um kurze Stellungnahme. Herr Dr. Meyer ich warte noch immer auf Ihre Stellungnahme zur Mindestreserve.

    Grüsse
    Der Praktiker

    • @Der Praktiker

      Besten Dank.

      Bitte beachten Sie, dass es hier nicht um die Diskussion der Vollgeld-Initiative geht, sondern um den Mindestkurs und allfällig negatives Eigenkapital der SNB.

      Deshalb wäre ich Ihnen dankbar wenn Sie Ihre Beiträge auf dem Blog nebenan zur Vollgeld-Initiative posten könnten.

      Freundliche Grüsse

      MArc Meyer

    • @Praktiker
      Eine Geschäftsbank kann aus 2 Gründen pleite gehen: (a) sie wird zahlungsunfähig und/oder (b) sie wird überschuldet.

      In der Regel ist es die Zahlungsfähigkeit, die zur Pleite einer Geschäftsbank führt. Aus Gründen wie auch immer ziehen die Investoren die Refinanzierung ab und die Geschäftsbank wird illiquide. In weiterer Folge stellt sich dann meistens heraus, dass hoher Wertberichtigungsbedarf besteht und dass dadurch eine Überschuldung entsteht.

      Es ist eher selten, dass eine Geschäftsbank wegen Überschuldung pleite geht. Alle Pleitebanken, die ich kenne, hatten am Tag vor ihrer Konkursanmeldung ein sehr solides Eigenkapital ausgewiesen (auch Lehman!).

    • @Praktiker:
      Ich nehme an mit dem Beitrag von Klaus Kastner ist Ihre Frage beantwortet.

  51. Auf einem abgelegenen Eiland im Pazifik wurde vor einiger Zeit eine geldpolitische Kontroverse geführt. Die Geldpolitik ist dort etwas einfacher als hier, da die dortige Notenbank (die Eilobank) nur Papiergeld herausgibt und keine Giroguthaben bei ihr geführt werden können. (Da Giroguthaben und Papiergeld rechtlich gleichwertig sind – sogar auf dem Eiland, obwohl es dort keine Giroguthaben gibt -, spielt das aber keine grosse Rolle.) Die Eilobank hatte in grossem Stil Geld der viel grösseren feurigen vulkanischen Nachbarinsel gekauft: mehrere Milliarden der fremden Feuro’s, bezahlt mit Eilo’s. Einige Bewohner des Eilandes machten sich grosse Sorgen. Die Eilobank druckte aber weiterhin Eilo’s und bezahlte damit Feuro’s, und zwar 1.20 Eilo’s pro Feuro. Obwohl der Umlauf an Eilo’s schon bedrohlich angestiegen war, wurden immer noch stapelweise Feuro’s auf das kleine Eiland gebracht, und die Eilobank versicherte, dass sie diese weiterhin für 1.20 Eilo’s pro Feuro kaufen würde. Der Keller der Eilobank wurde ausgebaut, um die Feuro’s lagern zu können. Die Bilanz war schon länger als der Sandstrand der kleinen Insel: Gold, Aktien und Feuro’s auf der Aktivseite, Eilo-Papiergeld und ein wenig Eigenkapital auf der Passivseite. Einige Kritiker zweifelten daran, dass die Eilobank unbeschränkt Feuro’s kaufen könne, doch der eiländische Notenbankpräsident Danjor versicherte, dass die Druckmaschinen funktionierten und genügend Papier vorhanden sei.

    Was dann kam, verschlimmerte die Situation zusätzlich: Ein Einbruch des Aktienmarktes führte dazu, dass das Eigenkapital der Eilobank negativ wurde! Einige Kommentatoren brachen in Panik aus und fürchteten das Schlimmste! Die Eilobank ist pleite! Doch an den Märkten tat sich nichts. Wer die Eilo’s im Portfolio hatte, hielt sie freiwillig. Zwar klopften einige schlecht informierte Marktteilnehmer an die Eilobank-Tür und verlangten „unsere Feuro’s zurück“, aber Herr Danjor verwies sie an den Devisenmarkt unten am Strand, wo nach wie vor 1.20 Eilo’s gegen einen Feuro getauscht werden konnten. Einzelne Marktteilnehmer verlangten gar „unser Geld zurück“ und winkten mit den Eilo-Noten, doch Herr Donjar sagte nur: Was wollt ihr denn zurück, ihr habt ja euer Geld schon in der Hand! Und Herr Danjor wusste das Gesetz des Eilandes auf seiner Seite, niemand konnte von der Eilobank verlangen, die Papier-Eilo’s gegen irgendetwas anderes zu tauschen. Der Eilo-Goldstandard war vor langer Zeit abgeschafft worden. Ein Eiland-Blogger verlangte gar, die eiländischen Banken müssten wegen des negativen Eigenkapitals ihre Eilo’s „abschreiben“, aber auf dem Papiergeld stand unmissverständlich, dass der Wert eines Eilo genau ein Eilo ist.

    Doch schliesslich wollten immer mehr Marktteilnehmer ihre Eilo’s loswerden, die eiländische Wirtschaft lief etwas weniger gut, und 1.20 erschien vielen als unrealistischer Wechselkurs gegenüber dem Feuro. Die Eilobank hielt sich aus dem Devisenmarkt heraus, beobachtete jedoch mit heimlicher Freude, wie der Eilo unter Druck kam: zuerst 1.22, dann 1.25, und schliesslich 1.30 Eilo’s pro Feuro. Herr Danjor hatte sich bisher geweigert, Eilo’s zurückzukaufen, und beobachtete den Markt mit Pokermiene. Doch schliesslich begann er, Feuro’s zu verkaufen, zu über 1.30 Eilo’s, statt zu 1.20, wie er sie gekauft hatte. Langsam verkürzte sich die Bilanz (sie war jetzt schon kürzer als der Sandstrand der kleinen Insel), und der Gewinn auf den Feuro’s beseitigte natürlich auch das negative Eigenkapital…

    • @moneymoney

      Besten Dank.

      Es freut mich, von Ihnen hier wieder zu hören. Ich dachte schon, Sie seien verschollen…

      Gut.

      Träumen ist immer erlaubt.

      Aber ich halte Ihrer Argumentation folgendes entgegen:

      Der Dollar fiel seit 1974 von 4.30 auf 0.89 Franken. Hätte die SNB bei z.B. CHF 2 Franken interveniert vor 20 Jahren. Denken Sie, die SNB hätte Erfolg gehabt? Ich bezweifle das.

      Heute exportiert die Schweiz aber mehr Güter in die USA als je zuvor.

      Alle Währungen im Umfeld der Schweiz sind in den vergangenen Jahrzehnten gefallen:

      Alter französischer Franc,
      Neuer Französischer Franc,
      Italienische Lira,
      Spanische Peseta,
      Griechische Drachmen,
      Holländischer Gulden,
      Englisches Pfund,
      Deutsche Mark

      Und und und

      Weshalb sollte nun ein Verbund von solchen Währungen gegenüber dem Franken plötzlich steigen?

      Wenn ein Vulkanstein der Insel Feuro im Wasser vor der Küste vor Eilo fällt, so fällt auch ein Bündel von Vulkansteinen der übrigen Nachbarinseln.

      Warum steigt der Franken kontinuierlich?

      Die Schweiz hat gute Produkte (Konsum- und Investitionsgüter). Diese Güter müssen in Schweizerfranken bezahlt werden. Die grosse Nachfrage nach Schweizerfranken führt somit zu einem steigenden Franken.

      Wenn Sie auf der Insel Feuro ein Haus besitzen oder auf dem Peloppones oder an der Goldküste am Zürichsee – verkaufen Sie dann dieses Haus lieber zu einem hohen oder zu einem tiefen Preis?

      Daraus folgt: Die hohe Nachfrage nach Schweizergütern wird früher oder später zu einem höheren Franken führen.
      Und wir können froh sein, wenn wir den Franken teuer verkaufen können – nicht billig.

      Das einzige Schlimme an der Sache sind nun aber die leider völlig unnötigen Euro-Käufe unserer Nationalbank. Damit bekämpft die SNB die eigene Volkswirtschaft.

      Möglicherweise hat die SNB unsere Schweiz mit diesem katastrophalen Mindestkurs bereits an die EU verscherbelt.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • @ Marc Meyer

      Verschollen bin ich nicht, werde mich aber mit Kommentaren zurückhalten 😉

      MfG, Moneymoney

  52. @Meyer
    Beim nachträglichen Durchlesen ist mir aufgefallen, dass ich in meinem letzen Kommentar einen Dreher hatte.

    Falsch war: „Die SNB kann die Höhe der Giroguthaben nicht festlegen, sie kann sie jedoch steuern. Wenn sie im Markt Wertpapiere kauft, dann reduziert sie die Giroguthaben. Wenn sie im Markt Devisen kauft, dann erhöht sie die Giroguthaben“.

    Richtig wäre: „Die SNB kann die Höhe der Giroguthaben nicht festlegen, sie kann sie jedoch steuern. Wenn sie im Markt CHF Wertpapiere verkauft, dann reduziert sie die Giroguthaben (d.h. Notenbankgeldmenge). Wenn sie im Markt Devisen kauft, dann erhöht sie die CHF Giroguthaben (d. h. Notenbankgeldmenge)“.

    N.b.: nachdem die SNB keine CHF Wertpapiere hat, kann sie die CHF Giroguthaben nur durch einen Verkauf von Devisen und/oder Gold reduzieren.

    • @Klaus Kastner

      Da ich mit Arbeit voll ausgelastet bin, werde ich mich wieder melden, sobald ein Zeitfenster besteht.

      Freundliche Grüsse

      MArc Meyer

    • @money money

      Besten Dank

      Sobald ich zeitlich dazukomme, werde ich mich melden.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  53. @Klaus Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Besten Dank für Ihren Beitrag.

    Sie schreiben, Sie würden meinen Text vereinfacht schreiben, damit er für andere Leser verständlicher wird. Dabei ist Ihr Text um einiges länger geworden als es mein Text bereits war.

    Lassen Sie mich deshalb die drei wichtigsten Punkte zusammenfassen:

    a) Gemäss SNB-Chef Jordan dürfen die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB nicht von sich aus reduzieren (Vortrag Jordan „Braucht die SNB Eigenkapital“)

    „Giroguthaben…nicht…einforderbar“ (S.6)

    Gemäss Jordan darf somit die Reduktion der Giroguthaben (Mindestreserven) nur von der SNB ausgehen – keinesfalls z.B. von der UBS.

    Aus dem Notenbankgesetz geht jedoch indirekt hervor, dass die Banken das dürfen, wenn der Mindestreservesatz 4 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten der Banken übersteigt (Art. 18).

    Ich habe Sie gebeten mir den Gesetzesartikel zu zeigen, aus welchem hervorginge, dass die Banken ihre Mindestreserven nicht reduzieren dürfen, auch wenn diese 4 Prozent übersteigen. Vergeblich.

    Sie geben mir in ihrem letzten Kommentar aber insofern Recht: Sie schreiben: „Die Initiative, ihre Giroguthaben bei der SNB zu reduzieren, muss von der UBS ausgehen und von keinem anderen!“

    Damit widersprechen Sie ebenfalls der Behauptung von SNB-Chef Jordan, wonach die Giroguthaben der Banken bei der SNB „nicht einforderbar“ seien. Damit widersprechen Sie auch Ihren früheren Aussagen, wonach Giroguthaben der Banken bei der SNB von den Banken nicht einforderbar seien.

    b) Sie geben mir ferner auch Recht, dass eine Abwertung des Euro zu einem Verlust bei der SNB führt, welchen diese verbuchen muss – ob realisiert oder nicht realisiert.

    Dieser Verlust kann zu negativem Eigenkapital der SNB führen. Wenn also die UBS beispielsweise 12 Mrd. Franken Mindestreserven bei der SNB besitzt, so kann sie diese von der SNB abziehen und von der SNB 12 Milliarden Euros kaufen.

    Die SNB ist also gezwungen, Euros zu liefern. SNB-Chef Jordan behauptete bisher aber stets, die SNB sei nicht gezwungen, Aktiven zu verkaufen, um die Giroguthaben der Banken zu reduzieren. Auch bei Ihnen hat diesbezüglich offenbar ein Gesinnungswandel stattgefunden.

    Wenn die SNB der UBS aber z.B. 12 Milliarden Franken auszahlen soll, kann sie das nicht, weil sie nur 10 Milliarden Euros besitzt, die 10 Mrd. Franken entsprechen. Die SNB ist damit zahlungsunfähig. Sie kann der UBS deren Mindestreserven nicht mehr vollumfänglich zurückzahlen.

    Nun muss der Steuerzahler die SNB rekapitalisieren. Auch diesbezüglich haben Sie mir ja bereits Recht gegeben.

    Übrigens ist es dennoch so, wie ich Ihnen bereits geschrieben habe. Dieses Thema wurde noch von keinem Politiker oder Journalisten angesprochen – es wir auch von der SNB und vom Bundesrat totgeschwiegen – auch wenn Sie das nicht glauben können.

    c) Sie geben mir weiter Recht, dass die grosse Gefahr darin bestehe, dass die Schweiz im Falle von negativem Eigenkapital der SNB möglicherweise der EU beitreten muss. Sie schreiben, das sei möglicherweise „das kleinste Übel“.

    Nein – damit bin ich mit Ihnen keineswegs einverstanden. Als Schweizerbürger befürworte ich es nicht, dass unsere Nationalbank uns an die EU verscherbelt.

    Ich fordere deshalb den SNB-Bankrat und den Bundesrat auf, der Schweizer Bevölkerung endlich einmal klaren Wein einzuschenken. Das heisst:

    Die Schweizerinnen und Schweizer müssen darüber informieren werden, dass
    im Falle von negativem Eigenkapital der SNB die Steuerzahler für die Schulden der SNB werden geradestehen müssen.

    Ansonsten droht der Konkurs der SNB oder des ganzen Schweizer Bankensystems und letztlich der Beitritt der Schweiz zur EU.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

    • @Meyer
      Sie betonen mehr als einmal, dass ich Ihnen Recht gebe und beweisen damit, dass Sie gar nicht verstehen können/wollen, was ich oder andere Kommentatoren Ihnen sagen. Sonst hätten Sie schon früher gemerkt, dass ich Ihnen in mehr als nur einem Punkt Recht gebe. Vor allem gebe ich Ihnen Recht, dass eine ‚long position‘ EUR/CHF seitens der SNB i.H.v. rund 2/3 das Schweizer BIP ein sehr großes Risiko für die Schweizer Volkswirtschaft darstellt. Sie können leider nur das lesen/hören, was Sie lesen/hören wollen.

      Das betrifft auch die Aussagen von Herrn Jordan, die Sie immer wieder verdrehen, damit sie in Ihre Argumentation passen. Ich verstehe das einfach nicht. Sie hatten ein Gespräch mit Herrn Jordan, konnten aber diese Punkte nicht mit ihm klären? Haben Sie ihn nicht gefragt „Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, dass die Mindestreserven nicht einforderbar sind?“

      Der Vollständigkeit halber darf ich festhalten, was Herr Jordan auf Seite 6 gesagt hat: „Da es sich zudem bei den Noten und Giroguthaben um gesetzliche Zahlungsmittel handelt, sind diese Verdinglichkeiten (der SNB) auch nicht im eigentlichen Sinne einforderbar, sondern können einzig als gleichwertige gesetzliche Zahlungsmittel gegeneinander getauscht werden“.

      Das heißt, dass gesetzlich CHF bei der SNB nur gegen CHF eintauschbar nicht. Die Banken haben keinen Anspruch, gegen ihre CHF Giroeinlagen Gold oder andere Werte zu einem bestimmten Kurs zu bekommen. Das ist das Gegenteil vom Goldstandard. Beim Goldstandard hatten Gläubiger der Fed den Anspruch, ihre USD gegen Gold zu einem bestimmten Kurs einwechseln zu können. Die SNB hat weder einen Gold- noch einen Devisenstandard. Wenn sie den Banken Gold oder Devisen verkauft, dann tut sie das als Dienstleister zu Marktpreisen und nicht in Erfüllung eines gesetzlichen Auftrags.

      Nein, ich kann Ihnen keinen Gesetzesartikel zeigen, der es Banken verbietet, ihre Mindestreserven zu reduzieren, weil es so einen Artikel gar nicht geben kann. Sie sollten einmal unterscheiden zwischen Mindestreserven und den restlichen frei verfügbaren Giroguthaben bei der SNB.

      Mindestreserven basieren auf einem Monatsdurchschnitt. Angenommen, der Satz ist 4% auf Sichteinlagen, wie Sie sagen, dann werden die durchschnittlichen Sichteinlagen für den Monat errechnet und die 4% angewendet, die dann auch im Monatsdurchschnitt bei der SNB liegen müssen. Gegen Ende des Monats fangen die Banken an, diese Durchschnitte zu errechnen, damit sie wissen, wo sie bei der Erfüllungs der Mindestreserve stehen (die Schweizer Banken müssen wohl nicht so viel rechnen, weil sie so weit über dem Soll liegen).

      Alles, was über die Mindestreserve hinausgeht, sind frei verfügbare Giroguthaben bei der SNB. Nur die Banken als Inhaber dieser Giroguthaben können über diese frei verfügbaren Giroguthaben verfügen. Ihre Idee, dass die SNB in die Buchhaltung von Banken eingreifen könnte und diese Giroguthaben erhöhen/reduzieren könnte, ist einfach verwegen.

      „SNB-Chef Jordan behauptete bisher aber stets, die SNB sei nicht gezwungen, Aktiven zu verkaufen, um die Giroguthaben der Banken zu reduzieren“ – richtig! Sie ist nicht gezwungen, kann es aber tun, wenn sie so will und wenn die Banken ihre Giroguthaben reduzieren wollen. Und sie würde das natürlich auch tun, wenn die Banken Devisen kaufen wollen. Die Frage ist nur, wie die Banken ihre Giroguthaben reduzieren können.

      Die Banken können die Höhe ihrer Giroguthaben bei der SNB selbst festlegen. Wie ich beschrieben habe, die UBS könnte Giroguthaben abziehen und auf ihr Konto bei der CS überweisen. Dabei würde allerdings die Notenbankgeldmenge (d. h. die Summe aller Banknoten und SNB Giroguthaben) gleich bleiben. Wollten die Banken insgesamt alle ihre Giroguthaben bei der SNB reduzieren, dann müssten sie z. B. Fremdwährungen im Markt kaufen (nicht unbedingt bei der SNB). Oder ausländische Anleihen/Aktien; etc.

      Die SNB kann die Höhe der Giroguthaben nicht festlegen, sie kann sie jedoch steuern. Wenn sie im Markt Wertpapiere kauft, dann reduziert sie die Giroguthaben. Wenn sie im Markt Devisen kauft, dann erhöht sie die Giroguthaben.

      Lassen Sie mich das jetzt noch einmal wiederholen: FREIE CHF GIROGUTHABEN, WELCHE DIE BANKEN BEI DER SNB HALTEN, KÖNNEN VON DER SNB NUR IN CHF EINGEFORDERT WERDEN. DIE BANKEN KÖNNEN NATÜRLICH IHRE GIROGUTHABEN BEI DER SNB VERWENDEN, z. B. FÜR DEN KAUF VON GOLD ODER DEVISEN BEI DER SNB. IN DIESEM FALL IST JEDOCH DIE SNB DIENSTLEISTER ZU MARKTPREISEN UND NICHT ERFÜLLER EINES GESETZLICHEN AUFTRAGS ZU VORHER BESTIMMTEN KURSEN!

      „Wenn also die UBS beispielsweise 12 Mrd. Franken Mindestreserven bei der SNB besitzt, so kann sie diese von der SNB abziehen und von der SNB 12 Milliarden Euros kaufen“ – natürlich kann sie das und auch jederzeit! Sie wird aber nur dann 12 Mrd.EUR dafür bekommen, wenn ihr die SNB einen Kurs von 1:1 stellt. Die SNB kann jeden Kurs stellen, den sie will und derzeit stellt sie 1,20. Es gibt keinerlei Verplichtung der SNB, einen bestimmten Kurs zu stellen (allerdings sagt sie derzeit, dass sie b.a.w. einen Kurs von 1,20 stellen wird; ist keine gesetzliche Verpflichtung). Die SNB hat weder Gold- noch Devisenstandard! Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis!

      Nochmal: die SNB wird als Dienstleister immer Bankaufträge erfüllen, Devisen zu verkaufen. Nur den Kurs wird sie – wie jeder Verkäufer – selbst festlegen.

      Und jetzt noch zum x-ten Mal meine eindringliche Bitte an Sie: nennen Sie mir bitte einen CHF Zahlungsauftrag, den eine Bank an die SNB stellt und den die SNB nicht erfüllen kann. Einen ganz schlichten Zahlungsauftrag, bitte! So wie Sie ihn aus ihren eigenen Bankgeschäften kennen.

      Wenn Sie mir einen solchen Zahlungsauftrag nennen können, dann stimme ich Ihnen zu, dass die SNB in CHF zahlungsunfähig werden kann.

  54. @Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Sie weichen meiner ganzen Kritik an Ihrem Kommentar aus. Warum? Sie machen es sich einfach.

    Sie schreiben, Sie möchten keine Erklärung darüber, wie die Guthaben entstanden sind und was das mit Devisen zu tun habe.

    Doch Herr Kastner, das ist sehr wichtig, wenn man die Problematik der masslosen Devisenbestände und deren Risiken aufgrund des Mindestkurses verstehen will.

    Kurze, oberflächliche und irreführende Erklärungen gibt es zuhauf.

    Zur Erklärung nehmen wir bitte nicht die von Ihnen vorgeschlagene Zahl von 50 Mrd., sondern von 12 Mrd. Franken. Diese ist einfacher zu erklären mit dem Wechselkurs von 1.20.

    Angenommen, spanische Pensionskassen hätten bei der Banco Santander 10 Mrd. Euro angelegt. Die Banco Santander ihrerseits will ihr Risiko minimieren und legt dieses Kapital bei der UBS in Franken an. Sie verkauft der UBS 10 Mrd. Euro gegen 12 Mrd. Franken. Banco Santander hat jetzt ein Franken-Konto bei der UBS mit 12 Mrd. Franken darauf.

    UBS besitzt ihrerseits jetzt 10 Mrd. Euro auf ihrer Vermögensseite und 12 Mrd. CHF auf der Schuldenseite.

    Die UBS möchte dieses Risiko vermeiden.

    Die SNB ihrerseits will den Euro-Kurs stützen gegen Franken und kauft der UBS die 10 Mrd. Euro ab zum Kurs von 1.20. Die UBS besitzt jetzt Giroguthaben bzw. Mindestreserven bei der SNB im Betrag von 12 Mrd. Franken.
    Die SNB besitzt gegenüber der UBS Schulden im Betrag von 12 Mrd. Franken bzw. die UBS besitzt umgekehrt Mindestreserven bei der SNB in Form von Giroguthaben. Zudem besitzt die SNB jetzt 10 Mrd. Euro auf ihrer Vermögensseite, bilanziert in ihrer Bilanz zu 12 Mrd. CHF Devisenanlagen.

    So sind die Mindestreserven entstanden.

    Nun falle der Kurs des Euro auf eins zu eins.

    Und nun zum umgekehrten Weg:

    Da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

    Erste Möglichkeit:

    Die SNB kommt zum Schluss, dass sie den Mindestkurs nicht mehr verteidigen kann. Sie will den Banken Euros verkaufen und damit deren Franken-Giroguthaben zurückzahlen.

    Die SNB gibt der EZB den Auftrag:

    Überweisen Sie bitte zu Lasten unseres Kontos bei Ihnen und zugunsten des Kontos der UBS bei Ihnen 10 Mrd. Euros.

    Die UBS erhält einen Bankauszug der EZB und sieht: Die SNB hat ihr 10 Mrd. Euros überwiesen.

    Sie meldet sich bei der SNB und beschwert sich: Um die Schuld der SNB bei uns zu tilgen benötigen wir 12 Mrd. Euros. Sie haben uns aber nur 10 Mrd. Euros, 2 Mrd. Euros zu wenig, überwiesen. Es fehlen 2 Mrd. Euros.

    Es kommt zum Rechtsfall. Die SNB ist Konkurs. Der Steuerzahler muss einspringen.

    Dieses Beispiel zeigt, dass die SNB bei negativem Eigenkapital nicht mehr voll handlungsfähig ist. Sie kann den Geschäftsbanken deren Mindestreserven nicht mehr vollumfänglich zurückzahlen.

    Die Behauptung von Bundesrat und SNB, die SNB sei jederzeit auch bei negativem Eigenkapital vollumfänglich handlungsfähig, ist somit falsch.

    Oder anders formuliert: Die SNB kann aus dem Mindestkurs gar nicht mehr aussteigen. Denn wenn sie aussteigt, werden ihre Verluste realisiert.

    Zweite Möglichkeit:

    Die SNB möchte die Mindestreserven der Banken bei ihr reduzieren. Da der Kurs zwischenzeitlich gefallen ist, verfügt sie aber nicht mehr über genügend Vermögen, um dies zu bewerkstelligen.

    Auch hier ist die SNB bei negativem Eigenkapital nicht mehr voll handlungsfähig, wie SNB und Bundesrat behaupten (siehe SVP-Motion).

    Sie Herr Kastner, stellen sich nun auf den Standpunkt von SNB-Chef Jordan in dessen Referat: Giroguthaben bzw. Mindestreserven könnten von den Banken nicht mehr von der SNB zurückgefordert werden.

    Gehen wir nun zu diesem dritten Beispiel:

    Angenommen, der Euro sei auf eins zu eins gefallen.

    Banco Santander will ihren Kursgewinn auf dem Schweizerfranken von 20 Prozent realisieren. Banco Santander beauftragt deshalb die UBS, ihre CHF 12 Mrd. auf ihrem Konto in Euro zu wechseln.

    Die UBS geht zur SNB und sagt: Wir möchten gerne unser Guthaben bei Euch reduzieren um 12 Mrd. Franken.

    Zu dem Zweck bitte wechselt unsere 12 Mrd. Franken in 12 Mrd. Euro um und schreiben Sie den Betrag von 12 Mrd. Euro unserem Konto bei der EZB gut.

    Der EZB gibt die UBS den Auftrag ihr Konto bei der EZB mit 12 Mrd. Euros zu belasten und diesen Betrag dem Konto der Banco Santander bei der EZB gutzuschreiben.

    Die SNB gibt der EZB den Auftrag:

    Belastet unser Konto bei Euch mit 12 Mrd. Euro und schreibt diesen Betrag dem Konto der Banco Santander bei Euch gut.

    Die EZB sagt der SNB: Ihr habt auf Eurem Konto bei uns aber lediglich 10 Mrd. Euro. Diese schreiben wir der Banco Santander gut.

    Die Banco Santander erhält die Zahlungsausführung und beschwert sich bei der UBS, da ihr nur 10 anstatt 12 Mrd. Euros gutgeschrieben wurden.

    Es kommt zum Rechtsfall.

    Oder nochmals eine vierte Möglichkeit:

    Die SNB sagt der UBS: Von uns kann niemand Euros fordern.

    (siehe Zitat Jordan: Giroguthaben der Banken bei der SNB sind lediglich gegen Schweizer Banknoten eintauschbar, siehe Prof. Dr. Thomas Jordan, Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital? Vortrag vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, Basel, 29. September 2011, S. 6).

    Die SNB sagt weiter: Wir sind lediglich bereit, der Banco Santander auf deren Konto bei uns CHF 12 Mrd. gutzuschreiben.

    Also sagt die UBS (sofern sie nachgibt): Belastet unser Konto bei Euch mit 12 Mrd. CHF und schreibt dem Konto der Banco Santander bei Euch CHF 12 Mrd. gut.

    Zur Banco Santander sagt die UBS: Es tut uns leid, wir können ihre 12 Mrd. Franken Guthaben nicht in 12 Mrd. Euro umwechseln. Wir überweisen die 12 Mrd. CHF auf Eurer Konto bei der SNB.

    Hier wäre nun der Buchungssatz, den Sie Herr Kastner anstreben:

    Die SNB verbucht:

    Giroguthaben der UBS an Giroguthaben der Banco Santander 12 Mrd. Franken

    Die Banco Santander will jetzt aber ihre Euros in Franken wechseln, die sie bei der SNB besitzt. Sie beauftragt die SNB:

    Wechselt unser Guthaben bei Euch im Betrag von 12 Mrd. Franken in Euro um und überweist den Betrag von 12 Mrd. an unser Konto bei der EZB.

    Die SNB sagt abermals: Nein. Tun wir nicht. (siehe Zitat Jordan). Wir zahlen nur Schweizerfranken aus.

    Die Banco Santander geht zu einer anderen Bank und versucht, dieser ihr Guthaben bei der SNB im Betrag von 12 Mrd. CHF zu verkaufen („anzudrehen“).

    Aber niemand will diese 12 Mrd. haben. Warum nicht?

    Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die SNB sich dem Devisenmarkt verweigert. Frankenguthaben bei der SNB können nicht zum Kurs von eins zu eins bei der SNB gewechselt werden – lediglich zum Kurs von 1.20 zu 1.

    Daraus folgt: Für europäische Investoren sind die 12 Mrd. Franken lediglich 10 Mrd. Euros wert anstatt 12 Mrd. Euros, wie das gemäss Devisenkurs auf dem Devisenmarkt der Wert sein müsste.

    Konklusion: Die Giroguthaben der Banken bei der SNB müssen um 20 Prozent nach unten wertberichtigt werden, sollte der Kurs des Euro auf eins zu eins fallen.

    Wir kommen zum Schluss: Fällt das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich, so ist die SNB Konkurs. Falls die SNB nicht Konkurs anmeldet, so schiebt sie den „Schwarzen Peter“ einfach an die Banken weiter. Diese gehen dann anstatt der SNB Konkurs.

    Es sei denn, den Steuerzahlern gelingt es, die SNB zu rekapitalisieren – was eher unwahrscheinlich ist.

    Viel wahrscheinlicher ist dann der Betritt der Schweiz zur EU, um mit einem Umtauschverhältnis von 1.20 zu eins die Schulden der SNB zu begleichen.

    Ist das Sinn und Zweck unserer Nationalbank?

    Darf uns die SNB an die EU verkaufen – zu einem Schleuderpreis notabene?

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

    • @Meyer
      Sie beschreiben den Sachverhalt so kompliziert, dass ich ihn erst einmal für andere Leser vereinfachen möchte, nämlich:

      Ein Investor (Santander) spekuliert auf den Anstieg des CHF und kauft von seinem Geschäftspartner (UBS) CHF, die er mit EUR zum Kurs von 1,20 bezahlt. Santander hat somit eine ‚short position‘ EUR/CHF (d. h. wenn der CHF steigt, macht Santander einen Gewinn und/oder umgekehrt). Zunächst hat die UBS aus dieser Transaktion eine ‚long position‘ in EUR/CHF, die sie nicht halten will, weil auch sie meint, dass der CHF steigen wird. Somit verkauft sie die EUR an die SNB gegen CHF (auch zum Kurs von 1,20). Damit hat die UBS ihre EUR/CHF position ausgeglichen und nun hat die SNB eine ‚long position‘ in EUR/CHF (als Spiegelbild der ‚short position‘ EUR/CHF seitens der Santander).

      Was bedeutet dies? Eine EUR/CHF Veränderung hat keinerlei Auswirkung auf die UBS, weil sie eine ausgeglichene EUR/CHF position hat. Bei einem CHF Anstieg gewinnt Santander und verliert die SNB (oder umgekehrt).

      Jetzt muss man sich daran erinnern, dass damals der CHF nur eine Richtung kannte – nach oben. Man sprach von einem bevorstehenden 1:1 zum EUR. Die SNB hatte 2 Alternativen: (a) zuzuschauen, wie der Kurs auf 1:1 geht oder (b) zu invervenieren. Hätte sie zugeschaut, wäre irgendwann einmal der Punkt gekommen, wo die Santanders dieser Welt gemeint hätten „stärker wird der CHF nicht mehr; jetzt liquidiere ich meine ‚long position‘ und nehme den Gewinn mit“. Irgendwo hätte sich ein neuer ‚marktgerechter‘ EUR/CHF Kurs eingependelt. Sicherlich unter 1.20. Wäre nämlich 1.20 der ‚marktgerechte‘ Kurs zum jetzigen Zeitpunkt, dann könnte die SNB problemlos ihre Devisenpositionen gegen CHF zu diesem Kurs verkaufen. Kann sie ganz offensichtlich nicht.

      „Die SNB gibt der EZB den Auftrag: ‚Überweisen Sie bitte zu Lasten unseres Kontos bei Ihnen und zugunsten des Kontos der UBS bei Ihnen 10 Mrd. Euros‘. Die UBS erhält einen Bankauszug der EZB und sieht: Die SNB hat ihr 10 Mrd. Euros überwiesen. Sie meldet sich bei der SNB und beschwert sich: ‚Um die Schuld der SNB bei uns zu tilgen benötigen wir 12 Mrd. Euros. Sie haben uns aber nur 10 Mrd. Euros, 2 Mrd. Euros zu wenig, überwiesen. Es fehlen 2 Mrd. Euros‘. Es kommt zum Rechtsfall“.

      Und hier ist Ihr erster Denkfehler. Die SNB kann nicht der UBS EUR ‚aufzwingen‘ bzw. zwangsverkaufen! Da müsste schon die UBS vorher der SNB einen Kaufautrag erteilen. Die Mindestreserve der UBS bei der SNB ist 12 Mrd.CHF (in CHF!) und sie wird 12 Mrd.CHF (in CHF!) bleiben, bis die UBS beschließt, anders darüber zu disponieren. Solange die UBS dies nicht beschließt, kann sie von keinem Kontoauszug ‚überrascht‘ werden. Anders ausgedrückt: die UBS bleibt bei ihrer ausgeglichenen EUR/CHF position und die SNB bleibt auf ihrer long EUR/CHF position sitzen. Zum Rechtsfall käme es nur dann, wenn die SNB der UBS EUR quasi zwangsverkaufen würde, um damit die Mindestreserve der UBS zu reduzieren. UND DIESER RECHTSFALL GINGE EINDEUTIG ZU GUNSTEN DER UBS! Lassen Sie mich das anders formulieren: es ist schlichtweg denkunmöglich, dass eine Notenbank der zivilisierten Welt einer Bank einen Zwangsverkauf aufdrängen würde!

      Richtig ist, dass die SNB auf ihrer Aktivseite 10 Mrd.EUR (in EUR!) hat, die beim Kurs von 1,20 12 Mrd. CHF wert waren und beim Kurs von 1:1 nur mehr 10 Mrd.CHF wert sind. Eine Abwertung von 2 Mrd.CHF. Spätestens zum nächsten Monatsabschluß müssen diese EUR zum Kurs von 1:1 in den Büchern der SNB bewertet werden. Der daraus entstehende Buchverlust von 2 Mrd.CHF wird gegen die G+V gebucht. Aus dem Buchverlust wird ein realisierter Verlust erst nach dem Verkauf dieser 10 Mrd.EUR. Würde die SNB diese 10 Mrd.EUR gegen CHF zum Kurs von 1:1 verkaufen, dann wäre dieser Verlust von 2 Mrd.CHF sofort realisiert und würde sofort gegen die G+V gebucht werden. Natürlich schmälern SNB Verluste das Eigenkapital der SNB und irgendwann einmal werden sie das Eigenkapital negativ machen, aber das hat nichts damit zu tun, dass die 12 Mrd.CHF (in CHF!) Giroguthaben, die die UBS bei der SNB hat, 12 Mrd.CHF (in CHF!) bleiben, bis die UBS anders darüber disponiert.

      „Dieses Beispiel zeigt, dass die SNB bei negativem Eigenkapital nicht mehr voll handlungsfähig ist. Sie kann den Geschäftsbanken deren Mindestreserven nicht mehr vollumfänglich zurückzahlen“ – aber wie denn das??? Solange die UBS nicht über die 12 Mrd.CHF disponiert, geschieht gar nichts mit diesen 12 Mrd.CHF. Die Initiative, ihre Giroguthaben bei der SNB zu reduzieren, muss von der UBS ausgehen und von keinem anderen!

      Wie kann die UBS ihre Giroguthaben bei der UBS reduzieren? Nun, das ist genau der Zahlungsauftrag, um den ich Sie gebeten hatte. Lassen Sie mich Ihnen ein paar Varianten vorschlagen:

      Die UBS könnte entscheiden, die 12 Mrd.CHF von der SNB abzuziehen und bei der CS anzulegen. Konsequenz: die SNB belastet das Vostro-Konto der UBS und erkennt das Vostro-Konto der CS. In den Büchern der UBS sind jetzt diese 12 Mrd.EUR nicht mehr Giroguthaben bei der SNB, sondern Giroguthaben bei der CS. In den Büchern der SNB sind die ‚Schulden‘ gegenüber der UBS um 12 Mrd.CHF gesunken und die ‚Schulden‘ gegenüber der CS um 12 Mrd.CHF gestiegen. Gesamtschulden bleiben unverändert.

      Oder die UBS könnte genau das tun, was Sie beschreiben: sie könnte zum Kurs von 1:1 (Marktkurs) 12 Mrd.EUR von der SNB kaufen und diese mit 12 Mrd.CHF Giroguthaben bei der SNB bezahlen. Die UBS würde also mit dem gleichen CHF Betrag (12 Mrd.CHF), den sie beim Kurs von 1,20 für den Verkauf von 10 Mrd.EUR erhalten hat, nun beim Kurs von 1:1 12 Mrd.EUR zurückbekommen. Ein Opportunitätsgewinn von 2 Mrd.EUR in kürzester Zeit; kein schlechtes Geschäft. Wo ist die Gegenposition dieses Gewinns? Richtig! In der G+V der SNB, wie oben beschrieben. In den Büchern der UBS stehen nun auf der Aktivseite 12 Mrd.EUR (in EUR!) anstelle von vorher 12 Mrd.CHF (in CHF!). In den Büchern der SNB stehen 12 Mrd.CHF weniger ‚Schulden‘ gegenüber der UBS, 12 Mrd.EUR (in EUR!) weniger Aktiva und ein 2 Mrd.CHF Verlust in der G+V.

      Oder andere Möglichkeiten: die UBS könnte Aktiva von der SNB (z. B. Gold) oder von anderen Banken (z. B. Wertpapiere) kaufen und mit ihren Giroguthaben bei der SNB bezahlen; etc.

      „Die SNB kann aus dem Mindestkurs gar nicht mehr aussteigen. Denn wenn sie aussteigt, werden ihre Verluste realisiert“ – das würde ich auch so sehen (und habe dies immer auch als ‚das große Risiko einer long position‘ beschrieben), ich würde nur hinzufügen „derzeit“. Sollte die SNB über Nacht aus dem Mindestkurs aussteigen, dann würde der EUR/CHF Kurs möglicherweise in Richtung 1:1 explodieren. Ja, dann hätte die SNB enorme Buch- und realisierte Verluste zu verbuchen. Die Frage ist nur, ob das 1:1 Szenario ein vorübergehendes oder ein dauerhaftes ist. Die SNB wettet darauf, dass es nur ein vorübergehendes Szenario ist. Sie meint offensichtlich, dass die Nachfrage nach CHF von Kapital- und nicht von Handelsströmen getrieben wurde. Wenn sich die Kapitalmärkte wieder beruhigen, dann wird der EUR/CHF Kurs wieder auf ein Niveau zurückkehren, das den Handelsströmen entspricht (zumindest der Druck nach oben wird verschwinden). Sie hingegen meinen, dass der Druck nach oben nicht verschwinden wird, weil der CHF aufgrund von Handelsströmen auf Dauer nach oben gehen wird. Einer von Ihnen beiden wird Recht behalten. Wenn es Sie sind, wird es die SNB viel an Vermögen kosten.

      Meine Einschätzung? Ich glaube, dass die SNB vor 2 Jahren eine Wahl zwischen Pest und Cholera hatte. Sie hat sich für die Pest entschieden und jetzt will sie die Pest heilen. Wenn ihr das nicht gelingt, wird sie zusätzlich zur Pest auch noch die Cholera bekommen. Mangels besserer Ideen würde ich hier eine 50:50 Wahrscheinlichkeit ansetzen. Bitte sich zu erinnern: vor 2-3 Jahren hätte sich wohl niemand (zumindest niemand außerhalb der Schweiz) vorstellen können, dass der EUR/CHF einmal auf 1,20 gehen würde. Heute kann sich niemand vorstellen, dass er wieder in Richtung 1,40/1,50 zurückfällt. Man kann es aber nicht ausschließen. Denken Sie an folgende Möglichkeit (egal, wie weit hergeholt): die Schweiz setzt das Ausländerreferendum konsequent um und die Analysten/Kommentatoren/Medien/Marktteilnehmer fangen an, sich gegenseitig zu überzeugen, dass die Schweizer Wirtschaft vor einem nachhaltigen, deutlichen Einbruch steht. In einem solchen Szenario können sich Kapitalströme sehr rasch drehen. Kapital folgt letztendlich zu einem erheblichen Teil dem Herdeninstinkt.

      „Die SNB möchte die Mindestreserven der Banken bei ihr reduzieren. Da der Kurs zwischenzeitlich gefallen ist, verfügt sie aber nicht mehr über genügend Vermögen, um dies zu bewerkstelligen“ – die SNB könnte jederzeit die Giroguthaben der Banken reduzieren; sie müßte nur ihre Bilanzsumme reduzieren, d. h. Devisenreserven verkaufen und CHF aus dem Markt absaugen (und derzeit große Verluste damit einfahren). Jetzt werden Sie fragen: „Und was ist, wenn die SNB alle Ihre Aktiva verkauft hat, jedoch noch 100 Mrd.CHF an Giroguthaben der Banken offen stehen?“ Die SNB wird nie alle ihre Aktiva verkaufen, weil sie einen Bestand an Gold und Devisen haben muss. Es ist die SNB, die die Größe ihrer Bilanzsumme bestimmt und sonst niemand! (damit trägt sie zur Steuerung der Geldmenge bei).

      Man muss sich einmal in Erinnerung rufen, dass es 2 verschiedene Arten von Kursinterventionen seitens Notenbanken gibt. In einem Fall interveniert die Notenbank, damit die Landeswährung nicht abgewertet werden muss (sie verkauft Devisenreserven und wenn die weg sind, nimmt sie Devisenschulden auf). Fast alle größeren Notenbankinterventionen der Vergangenheit waren dieser Art. Die SNB interveniert, damit die Landeswährung nicht zu stark aufwertet (sie kauft Devisen und ‚verschuldet‘ sich in CHF). Eine Notenbank, die sich in Devisen verschuldet, kann zahlungsunfähig werden (weil sie die Devisen nicht selbst schöpfen kann). Das war das Thema von Soros/BoE. Eine Notenbank, die sich in ihrer Landeswährung verschuldet, kann nicht zahlungsunfähig werden. Das ist das Thema der SNB. Keiner ihrer CHF Gläubiger kann CHF von der SNB abziehen, ohne dass diese CHF wieder auf Umwegen an die SNB zurückfließen. Die CHF Gläubiger können allerdings ihre CHF zum Kauf von Devisen verwenden. Dann sinkt die CHF Liquidität im Markt und der CHF wird schwächer.

      „Banco Santander will ihren Kursgewinn auf dem Schweizerfranken von 20 Prozent realisieren. Banco Santander beauftragt deshalb die UBS, ihre CHF 12 Mrd. auf ihrem Konto in Euro zu wechseln…Die Banco Santander erhält die Zahlungsausführung und beschwert sich bei der UBS, da ihr nur 10 anstatt 12 Mrd. Euros gutgeschrieben wurden. Es kommt zum Rechtsfall“ – nun, da haben Sie aber etwas erheblich durcheinander gebracht!

      Die UBS erteilt 2 Aufträge: (a) die SNB beauftragt sie „zu Lasten unseres Girokontos, kaufen Sie 12 Mrd.EUR zum Kurs von 1:1 (Marktkurs) und schaffen Sie die 12 Mrd.EUR auf unserem Konto bei der EZB an; und (b) die EZB beauftragt sie „zu Lasten unseres Kontos bei Ihnen, überweisen Sie 12 Mrd.EUR auf das Konto der Santander“.

      Die SNB überweist 12 Mrd.EUR ihrer Devisenreserven an die EZB und belastet das Girokonto der UBS mit 12 Mrd.CHF. Damit realisiert sie – in Ihrem Szenario – einen Verlust von 2 Mrd.CHF, der gegen ihre G+V gebucht wird.

      Zu einem Rechtsfall würde es nur kommen, wenn einer dieser Parteien den ihr erteilten Auftrag nicht durchführt.

      „Die SNB sagt weiter: ‚Wir sind lediglich bereit, der Banco Santander auf deren Konto bei uns CHF 12 Mrd. gutzuschreiben‘ – wie oben gesagt, dann käme es mit Sicherheit zum Rechtsfall, in dem die SNB unterliegen würde (dass eine Notenbank einen Auftrag einer Bank bei entsprechender Kontodeckung nicht durchführt, ist nicht vorstellbar!).

      „Also sagt die UBS (sofern sie nachgibt): Belastet unser Konto bei Euch mit 12 Mrd. CHF und schreibt dem Konto der Banco Santander bei Euch CHF 12 Mrd. gut. Zur Banco Santander sagt die UBS: Es tut uns leid, wir können ihre 12 Mrd. Franken Guthaben nicht in 12 Mrd. Euro umwechseln. Wir überweisen die 12 Mrd. CHF auf Eurer Konto bei der SNB“ – das würde sich umgehendst als Lachnummer im Internet verbreiten. Die UBS ist nicht in der Lage, ein Devisengeschäft über 12 Mrd.CHF zum Marktkurs gegen 12 Mrd.EUR durchzuführen??? Wenn Sie diesen Punkt aus Ihrem Blog streichen können, würden Sie sich selbst einen Gefallen tun.

      Sie begründen diese Lachnummer mit dem Jordan-Zitat „Giroguthaben der Banken bei der SNB sind lediglich gegen Schweizer Banknoten eintauschbar“. Dieses Zitat ist richtig. Die UBS hat keinen Anspruch darauf, dass die SNB mit ihr ein Devisengeschäft macht. Dass jedoch eine Notenbank, die über 450 Mrd.CHF an Devisenreserven verfügt, sich weigert, mit einer Bank einen Devisenverkauf abzuschließen, ist aus dem Reich der Fantasie. So etwas kann nur einer Notenbank passieren, die die Landeswährung vor Abwertung schützen möchte, weil sie schon alle ihre Devisen verbraucht hat und keine Devisenkredite mehr bekommt (Argentinien in Krisenzeiten).

      Jetzt sagen Sie, dass sich die SNB gar nicht weigert, Devisen zu verkaufen. Sie verweigert nur den Kurs von 1:1 und verlangt den Kurs von 1,20. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, wie der Mindestkurs von 1,20 zu Stande kommt: die SNB kauft alle Devisen, die angeboten werden, zu 1,20 ab. Solange sie dies tut, wird niemand CHF zu 1,10 kaufen. Wenn die Santander trotzdem den Kurs von 1:1 will, dann ist das ihr frommer Wunsch. Sie wird niemand finden, der zu 1:1 wechselt. So funktioniert der Markt, wenngleich es ein von der SNB intervenierter Markt ist. Wer gegen die Notenbank wettet, kann auch verlieren.

      „Fällt das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich, so ist die SNB Konkurs. Falls die SNB nicht Konkurs anmeldet, so schiebt sie den „Schwarzen Peter“ einfach an die Banken weiter. Diese gehen dann anstatt der SNB Konkurs“ – die SNB kann nicht in Konkurs gehen, solange alle ihre Verbindlichkeiten in CHF sind, weil sie in CHF nicht zahlungsunfähig werden kann; egal wie negativ das Eigenkapital ist. Es gibt einfach keine CHF Zahlungsaufforderung an die SNB, der die SNB nicht nachkommen könnte (auf Ihr konkretes Beispiel warte ich allerdings noch). „Konklusion: Die Giroguthaben der Banken bei der SNB müssen um 20 Prozent nach unten wertberichtigt werden, sollte der Kurs des Euro auf eins zu eins fallen“ – nie und nimmer! Wertberichtigungen sind nur bei zu erwarteten Zahlungsausfällen erforderlich. Es gibt keine technische Möglichkeit, dass die SNB in CHF zahlungsunfähig wird.

      „Viel wahrscheinlicher ist dann der Betritt der Schweiz zur EU, um mit einem Umtauschverhältnis von 1.20 zu eins die Schulden der SNB zu begleichen“ – dieser Gedanke ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Es könnte in der Tat passieren, dass die Schweiz zum Schluß kommt, inmitten einer riesigen EUR Volkswirtschaft mit einer höchst begehrten Landeswährung nicht stabil existieren zu können. Weil eben der CHF so begehrt ist, ist er immer dem Risiko gigantischer Kapitalströme ausgesetzt mit entsprechenden Auswirkungen auf die Schweizer Realwirtschaft. Es wäre das umgekehrte Griechenland. Die Griechen sind dem EUR beigetreten, um reicher zu werden. Die Schweizer würden dem EUR beitreten, um nicht zu reich zu werden. Aber wer weiß schon, ob es dann den EUR überhaupt noch gibt…

      Nein, das wäre sicherlich nicht der Zweck der SNB, aber es könnte einmal das geringste von allen Übeln für die Schweiz werden.

    • Sehr geehrter Herr Kastner

      Euro?

      Auch Sie begehen einen Denkfehler hinsichtlich Währungen.

      Begründung:

      Eine wesentliche Problemursache liegt (wie so oft) im Geldsystem als GANZES, welches im Jahre 1944 durch die US-Dollar-Leitwährung vereinheitlicht wurde. Diesen Gedanken verstehen nur Wenige, wenn man z.B. sagt, dass der Dollar in Japan „Yen“ heißt und in Europa „Euro“. Im Bretton-Woods-Abkommen wurde der US Dollar von allen relevanten Ländern des Globus als Weltleitwährung abgesegnet. Der mit 25% goldunterlegte Dollar fungierte als Ersatz für eigene physische Edelmetalle in den verschiedenen Staatstresoren. Die Dollarüberschüsse aus Exportgewinnen hätte man also in pures Gold bei der FED (Federal Reserve) eintauschen können. Als Anfang der 1970er Jahre Frankreich von diesem Recht Gebrauch machen wollte, musste der damalige Präsident Nixon das „Goldfenster“ schließen, denn es gab nicht mehr genügend Gold für die inflationierte Dollarmenge. Seitdem ist der Dollar quasi wertlos und das Geldmengenkorrektiv aufgehoben.

      Der USA-nahe IWF verbietet sogar eine Sachwertunterlegung aller Währungen, weshalb in den 1990er Jahren sogar die Schweiz dieser „Organisation“ beigetreten wurde. Da sich bis zur Entwertung (im wahrsten Sinne des Wortes) des Dollars aber alle Exportstaaten auf den Rechtsstaat USA verlassen haben und die Tresore schon voll mit dem FED-Geld (sprich Dollar) hatten, wurden sie durch den Rechtsbruch(!) der Amerikaner kalt erwischt. Alle spielten das Spiel trotzdem weiter mit (offiziell zähneknirschend, denn man kennt interne Absprachen natürlich nicht). Spannenderweise wird die einseitige Bretton-Woods-Aufkündigung der USA nicht als Währungsreform wahrgenommen, obwohl nun der FED die Tore zum Gelddrucken legal offenstanden und weiterhin stehen ohne wirkliches Korrektiv.

      Geld ist heute also ein reines wertloses Schuldscheinsystem, welches wir z.B. auf der Dollarnote nachlesen können:

      „This note is legal tender for all debts, public and private“
      (Diese Banknote ist gesetzliches Zahlungsmittel für alle öffentlichen und privaten Schulden)

      Geld ist nur ein Versprechen, das keinen eigenen Wert hat und nach „Belieben“ nachproduziert werden kann. Der Papierwert einer 100 Dollar-Note ist praktisch Null, und trotzdem werden mit diesen wertlosen Zetteln die wertvollen Produkte z.B. aus Deutschland „bezahlt“. Mittlerweile besteht der weitaus größte Teil der Weltgeldmenge aus US-Dollar, da sie auch dem Yen, Euro und besonders im Yuan usw. die eigentliche „Unterlegung“ bieten, die aus den Exportgewinnen resultierten.

      Export- bzw. Außenhandelsüberschüsse sind also sehr gefährlich, denn sie bestehen nur aus wertlosem Papier (nicht einmal das, da Geld heute fast nur noch aus Bits und Bytes besteht). Wir sind also stolz darauf, wenn wir mehr Produkte ins Ausland verkaufen, als das wir fremde Produkte beziehen, obwohl alle Wirtschaftsteilnehmer nur „anschreiben“ lassen, bzw. mit „Geld“ bezahlen, was auf dasselbe hinausläuft.

      Zentralbankgeld ist heute lediglich 5% der Geldmenge. Giral/Buchgeld von Geschäftsbanken produziert 95%! Ich weise daraufhin, dass die Geldmenge sich in den letzten 30 Jahren 40facht und die Gütermenge 4facht hat!

      Frage an Sie:

      Weshalb kommt es zu Bankzusammenbrüchen, wenn die Banken doch ihr Geld selbst schöpfen können?

      Grüsse
      Der Praktiker

    • @Klaus Kastner

      Sehr geehrter Herr Kastner

      Noch ein kurzer Nachtrag:

      Sie machen sich über mich lustig wegen der Zahl 12 Milliarden. Es sei eine Lachnummer, wenn die UBS nicht 12 Mrd. Franken in Euro wechseln könne. Wenn es mir gelänge, diesen Teil aus meinem Blog zu streichen, so würde ich mir damit einen Gefallen erweisen. Mein Beispiel sei Fantasie.

      Bitte rekapitulieren wir kurz, wie es zur Zahl 12 Mrd. kam:

      Die SNB hat Schulden bei den Banken in Form von Giroguthaben der Banken von gegen 400 Mrd. CHF. Als Zahlenbeispiel wählte ich dann eine deutlich tiefere Zahl von 120 Mrd., um bei einem Wechselkurs von 1.20 einfacher argumentieren zu können. Sie kamen dann mit der Zahl 50 Mrd. Diese erschien mir weniger geeignet, und ich zeigte ein Beispiel mit der Zahl 12 Mrd.

      Da die SNB „unbeschränkt“ Devisen kaufen will, ist es tatsächlich realistischer mit der Zahl 1.2 Billionen CHF zu rechnen.

      Angenommen, das Schweizer Bankensystem besitze 1.2 Billionen Giroguthaben bei der SNB. Dagegen besitzt die SNB 1 Billion Euro. Nun falle der Kurs auf eins zu eins. Die Schweizer Banken wollen nun ihrerseits ihre Guthaben bei der SNB abbauen.

      Es ist also kein Passivtausch innerhalb der SNB-Bilanz möglich, wie Sie in Ihrer Argumentation immer wieder anstreben – es gerne haben möchten. Nein – ein Abbau der Mindestreserven, nicht eine Umlagerung auf einen anderen Gläubiger der SNB.

      Um die Mindestreserven insgesamt reduzieren zu können muss die SNB – ich wiederhole: MUSS die SNB Devisen verkaufen.

      Gemäss Jordan muss sie das nicht tun. Doch, sie muss das tun – das geht aus dem Nationalbankgesetz Art 18 hervor.

      Auch Sie schreiben ja, dass der Auftrag für den Abbau von Mindestreserven von den Banken (UBS) kommen muss.

      Ich habe nun den Fall von SNB-Chef Jordan gespiegelt, dass die SNB keine Devisen verkauft und somit die Mindestreserven auch nicht bereit ist, abzubauen. In diesem Fall würde sich die SNB weigern, dieses Devisengeschäft zu tätigen.

      Die Behauptung des SNB-Direktoriums, dass die SNB sich weigern könne, Devisen zu verkaufen, ist tatsächlich aus dem Reich der Fantasie.

      Tut sie das nicht, so kann sie die Mindestreserven der Banken nach deren Wunsch nicht erfüllen.

      Wenn der Euro aber auf eins zu eins gefallen ist, so sind die 1 Billion Euro nur noch 1 Billion Franken wert. Gefordert werden von den Banken aber 1.2 Billionen Euro.

      Konklusion: Die SNB ist Konkurs. Es fehlen ihr 200 Milliarden. Das können Sie nun wenden und drehen wie Sie wollen. Es bleibt Tatsache.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • @Meyer – „Lachnummer“
      Ich habe mich nicht über den Betrag von 12 Mrd.CHF amüsiert, sondern über die Formulierung, die Sie der UBS als Antwort an die Santander in den Mund gelegt haben. Das war wirklich herzig, nur unter professionellen Marktteilnehmern nicht üblich.

  55. Sehr geehrter Herr Kastner,

    ich bin mit Ihnen in vielen Punkten einverstanden, möchte aber im Gegenzug eine andere Sichtweise wiedergeben die Ihnen vielleicht die Thesen des Herrn Dr. Meyer verständlicher erscheinen lassen.

    Was ist das Schweizer Bankensystem? Was ist die Volkswirtschaft der Schweiz?

    Was Herr Dr. Meyer in all seinen Überlegungen gewollt? oder Nicht ausblendet.

    Ich möchte versuchen, meine Einschätzung zur Schweiz allgemeinverständlich zu beschreiben, um gedankliche Impulse zu vermitteln. Die Interessenlagen sind logischerweise oft gegensätzlich, denn ein weiterhin steigender CHF hätte für ausländische Darlehnsnehmer ein Risikopotential dargestellt, während Kapitalanleger hier genau ihre Chancen sahen. Verzichten möchte ich bei meiner Betrachtung auf die „Derivate-Orgien“ der Schweizer Banken, die alle Zusammenhänge der kommenden Aussagen nur massiv verstärken würden. Mir geht es vor allem darum, Menschen zu kritischen Fragen anzuregen und weniger, die sogenannten Experten zu stimulieren, die sich oft zu sehr in einzelne Details verzetteln und selten die Vogelperspektive einnehmen.

    Aus welchem Grunde wertete sich der CHF überhaupt gegenüber dem Euro auf?

    Da spielen wohl vor allem viele irrationale Gründe eine Rolle. Die Schweiz ist das klassische und vor allem sichere Kapitaleldorado für intelligente Kunden, lautet nicht selten die eher dogmatisch geprägte Aussage. Gerade die aktuelle Eurokrise und die permanente Dollardiskussion vermitteln dem interessierten Zuhörer oft ein gewisses „Semiwissen“, welches dann Fluchtinstinkte auslöst. Kurz: Man will nicht unbedingt in die Schweiz, sondern vor allem erst einmal weg!.

    In der Tat steht die kleine Alpenrepublik beim oberflächlichen Studieren der Volkswirtschaft recht passabel da, wenn man allein die ca. 50%ige Nettostaatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2013 betrachtet.

    Vergleich:

    Erinnern wir uns an die Maastrichter Verträge. Als Eintrittskarte für die Euro-Teilnahme gilt eine maximale Verschuldungsgrenze von 60 %. Vergleichen wir nun die brillanten Schweizer Ziffern mit denen der heutigen EU-Staaten, erscheint uns die Schweiz als Paradies. Die Folge ist logischerweise ein tiefes Urvertrauen in diesen Finanzplatz.

    Allein aus diesem Grunde ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich der Aufwertungstrend zumindest mittelfristig hätte weiterhin fortsetzen können, was aber für die in Franken verschuldeten Hypothekenkunden das Risiko einer dramatische Sackgasse in sich getragen hätte.

    Wenn dann die Kunden noch eine wie auch immer geartete Lebensversicherung als Tilgungsträger empfohlen bekamen, kann es schnell sehr eng werden. Selbst die systemtreuen Funktionäre der Finanzmärkte gestehen langsam das extreme Risiko ein, dass diese Modelle eher nicht aufgehen. Und dabei ist die dramatische Finanzkrise bei den Lebensversicherungen noch nicht einmal öffentlich zugegeben worden.

    Nach der Darstellung der positiven Daten der Schweizer Volkswirtschaft möchte ich auch die „Schattenseiten“ dieser ersten Betrachtung deutlich machen, die ohne weiteres sogar zum Staatsbankrott führen könnten. Nicht wenige Gelder von kritischen und vor allem sachverständigen Anlegern flüchten zurzeit aus der Schweiz nach Fernost oder Südamerika. Um diese Entscheidungen zu verstehen, muss man ein wenig ausholen.

    Die Schweiz ist sehr klein, sitzt aber mit am großen Roulettetisch des Casino-Kapitalismus. Und das ist gefährlich!

    Die private Schweizer Nationalbank (SNB) druckt permanent neues Geld, wie die ebenfalls private Federal Reserve (FED) der USA, die offenbar als Vorbild fungiert. Schweizer Experten (die hinter den Kulissen die man nicht in Talk Show oder als Prof. oder Publizisten tätig sind) fordern längst, die Eigenkapitalquoten der beiden Gefahrenherde Großbanken UBS und Credit Suisse, mehr als zu verdoppeln. Der Schock des UBS-Fast-Kollapses im Rahmen der letzten Finanzkrise steckt noch in den Knochen und machte das Ausmaß des Risikos einer Staatspleite der Schweiz deutlich. Die Volkswirtschaft der Schweiz ist einfach erheblich zu klein, um im Falle der nächsten Großbankenkrise einen Bankrott zu verhindern, zumal die makroökonomischen Bruttoinlandsdaten erst durch diese beiden Kapitalsammelbecken (UBS und CS) maßgeblich zustande kamen. Die volkswirtschaftlichen Daten eines ganzen Landes hängen also an diesen beiden Bankenkonzernen!

    Die genannte ca. 50%ige Verschuldungsquote der Schweiz könnte nämlich binnen weniger Augenblicke die 100% Marke weit durchbrechen, wenn der Anleihenmarkt diverse Abschreibungen erfordern würde, was mittlerweile offen in vielen Expertenzirkeln diskutiert wird. Es gibt bekanntlich zwei Möglichkeiten der Schuldentilgung: Der Schuldner zahlt sie, oder die Banken schreiben sie ab.

    Warum ist das gerade für die Schweiz so wichtig, wenn andere Länder grundsätzlich dasselbe Problem haben? Ganz einfach, sie ist mit ihren Großbanken im Verhältnis zur nationalen Wirtschaftsgröße extrem hoch im internationalen Anleihenmarkt investiert.

    Natürlich kann man die (zu erwartenden) Schuldner-Ausfälle durch „Geld drucken“ kompensieren, aber hier geht es nicht um Engagements in der Weltleitwährung US-Dollar oder den Euro, sondern um die überschaubare Währung eines Acht-Millionen-Volkes. Das einfache Drucken verwässert bekanntlich die Währungen und die Schweiz ist nicht „too big to fail“ (zu groß zum Scheitern). Im Falle einer erneuten Krise (die nicht ganz unwahr-scheinlich ist), wäre der Staat dann nicht mehr in der Lage, diese aufreißenden Löcher zu stopfen, denn dafür sind die beiden Vorzeigebanken einfach zu groß.

    Die Schweizer Bürger würden dann außerdem erfahren, welche „kreativen Buchhaltungs-methoden“ auch in ihrem Land existieren. Eine vermeintliche Rettung durch „Geld drucken“ könnte den CHF selbst ruinieren und somit das Vertrauen in den Standort. Für die Experten sei noch angemerkt, dass ich hier bewusst nicht näher auf alle Einzelheiten der kuriosen Bilanzierungsregeln (das echte Eigenkapital der Banken, die Finanzierung osteuropäischer Staaten über den Kapitalmarkt und die gehebelten Derivateschulden) der Schweizer Banken eingehe. Diese Details verdeutlichen die Lage zwar noch zusätzlich, aber wir wollen hier nicht den Blick für das große Ganze verlieren.

    Kurz, die Schweiz wäre gar nicht in der Lage, auch nur eine der beiden Großbanken zu retten, falls diese in eine Schieflage gerieten (in der sie sich vermutlich schon befinden, wenn echte Zahlen vorlägen).

    Das Risiko eines Staatsbankrotts wird deutlich. Hinter den Kulissen der Banken und ihrer „zugeneigten“ Politiker finden offenbar längst Gespräche statt, die Geldkonzerne zu zersplittern, um die Risiken auf viele kleine Gesellschaften zu verteilen, die man bei Bedarf „abschalten“ kann. Eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken ist ebenfalls elementar wichtig.

    Nicht von ungefähr versucht man, die Schweizer Bürger außerdem sukzessive darauf einzustimmen, sich auch größeren Währungsgemeinschaften anzuschließen, wie der EU.

    An dieser Stelle möchte ich noch einmal meine Abneigung zu diesem zerstörerischen Gesamtsystem zum Ausdruck bringen, welches nur in einem Kriegs-Terminus beschreibbar ist. Das Wachstumsdogma, welches uns in den Hochschulen eingetrichtert wird, zeigt hier das wahre Gesicht.

    Die Credit Suisse und die UBS haben aus meiner Sicht in ihrem Größenwahn der Schweiz schwere Risiken zugefügt, die sich dramatisch konkretisieren könnten, nämlich dann, wenn eine dieser Banken vor einem Kollaps gerettet werden müsste. Dann könnte plötzlich ein Land wie Singapur oder Honkong als Retter auftreten, weil die Schweiz selbst es nicht schaffen kann. Was dieses Szenario für die vermeintliche Autarkie der Alpenrepublik bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen.

    Das Schuldenpotential der Banken UBS und CS beträgt kumuliert ein Mehrfaches der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung.

    Was ich hier darstelle, wird offenbar auch andernorts so gesehen. Ist die Schweiz bereits erpressbar? Warum gibt sie dem Druck der US-Amerikaner auf die Herausgabe von Kundendaten nach oder lockert mal oder eben gibt das Bankgeheimnis auf? Man weiß natürlich, dass bei einem bereits regional eingeleiteten Platzen bestimmter Anleihen-Blasen das Alpenland vor die Wand fahren würde, zumal die Schweizer Gesamtwirtschaft sehr stark vom Bankensystem abhängt. Leider hat man Jahrzehnte lang die Bürger davon überzeugt, anstatt selbstversorgende Landwirtschaftsbetriebe und kleine Handwerksfirmen zu betreiben, lieber auf moderne, schicke Glaspaläste zu setzen…

    Herr Kästner es ist klar, dass Herr Dr. Meyer diese Zusammenhänge nicht warhaben will oder kann, andernfalls würde er nicht gebetsmühlenartig mit Argumente wie Sozialismus, Kommunismus, Vollgeld, Monopolbank-SNB in falle einer Annahme der Vollgeld Initiative und so weiter und so fort argumentieren.

    Er leugnet sogar die Kreditäre-Geldschöpfung der privaten Geschäftsbanken!!!

    Grüsse
    Der Praktiker

    • Ja,auch ich meine, dass die Dimensionen der beiden Schweizer Großbanken relativ zur Schweizer Volkswirtschaft eine potentielle Gefahr darstellen. Etwas beruhigend wirkt auch mich der Präzendenzfall, wie seinerzeit die SNB die UBS gerettet hat. Ich bin zwar mit den Details nicht vertraut, habe aber gelesen, dass die SNB dabei sogar mit einem Gewinn ausgestiegen ist. Allerdings muss man dabei schon berücksichtigen, dass diese Rettungsaktion relativ überschaubar war im Vergleich zu jener, die einmal notwendig werden könnte.

      Man hat ja immer die Finanzoasen beneidet, dass ihre Bankensysteme Geld aus der ganzen Welt einsammeln und auf diese Weise gut verdienen. Seit Zypern weiß man, dass ein Bankensystem, das sehr viel Geld reinnimmt, auf der anderen Seite sehr viel Geld wieder rausgeben muss. Beim Rausgeben hat sie Kreditrisiko, das schlagend werden kann. Wenn dies dann begleitet wird von einer Depositenflucht, dann kann das Spiel rasch zu Ende sein.

  56. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    gestatten Sie bitte Ihren Lesern, dass sie das von Ihnen so sehr kritisierte Referat von Herrn Jordan (siehe Link) noch einmal lesen. Es ist m. E. eine ganz hervorragende Darstellung über das Funktionieren einer Notenbank. Nur weil Sie das anders sehen (und das Referat teilweise falsch zitieren und/oder interpretieren), sollten Sie den Originaltext Ihren Lesern nicht vorenthalten.

    http://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/ref_20110928_tjn/source/ref_20110928_tjn.de.pdf

    • @Klaus Kastner

      Dieses Referat enthält nun alle falschen Klischees der heutigen Geldtheorie.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  57. Abermals Widersprüche aus dem Referat Jordan

    @Klaus Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Besten Dank für Ihren Kommentar.

    Der Übersichtlichkeit wegen erlaube ich mir, meine Antwort dazu hier oben zu posten.

    Sie meinen also, dass man den Satz „die SNB schöpft Liquidität aus dem Nichts“ auswendig lernen sollte. Da muss ich Ihnen gründlich widersprechen. Nochmals. Auswendig lernen ist eines Wissenschaftlers unwürdig. Insbesondere dann, wenn durch stupides auswendig lernen die Schweizer Volkswirtschaft riskiert wird.

    Leider sind unsere Nationalbank, unser Bundesrat und unser Parlament im gleichen Spital krank wie Sie. Da wurde einfach auswendig gelernt, ohne zu hinterfragen.

    Ferner behaupten Sie:

    Zitat:

    „Sollten die Steuerzahler die SNB rekapitalisieren, dann bezahlen sie damit keine Schulden der SNB. Im Gegenteil, sie erhalten Vermögen, weil ja die SNB den Erlös der Kapitalerhöhung irgendwie investieren muss.“

    Zitat Ende

    Etwas Verworrenes habe ich im Rahmen dieser Diskussion um negatives Eigenkapital der SNB noch selten entflechten müssen:

    Wenn also auf der Vermögensseite der SNB-Bilanz ein Betrag von beispielsweise 200 Milliarden fehlt, dann müssen die Steuerzahler 200 Milliarden Franken einschiessen, um die SNB zu rekapitalisieren. D.h. die Steuerzahler müssen die Aktivseite und die Passivseite der SNB-Bilanz verlängern. Sie überweisen der SNB Vermögen gegen Eigenkapital (die Steuerzahler übernehmen die Schulden der SNB).

    Und nun behaupten Sie, darauf würden die Steuerzahler wieder Vermögen von der SNB erhalten.

    Gemäss Ihrer Argumentation würde daraus folgen, dass das Vermögen auf der Aktivseite der SNB wieder an die Steuerzahler zurückfliesst. D.h. wir wären wieder gleich weit wie vor der Kapitalerhöhung. Es entstünde erneut ein Loch auf der Aktivseite der SNB-Bilanz. Das negative Eigenkapital wäre nach wie vor da.

    Weiter kommen Sie erneut auf SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan zu sprechen. Sie behaupten, wie „lesenswert“ sein Referat vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel sei.

    Eigentlich wollte ich Herrn Jordan aus dem Spiel lassen. Wenn Sie mich aber mit solchen Behauptungen herausfordern, so komme ich nicht umhin, erneut auf dieses unglückselige Referat hinzuweisen. Dabei geht es mir – wie schon oft betont – nicht um die Person Jordan, sondern um den fachlichen Gehalt dieses Referats.

    Dieses Referat ist ein EINZIGER Widerspruch. Notenbankgeld wird fälschlicherweise als Eigenkapital der SNB interpretiert.

    Wenn die SNB behauptet, sie könne aufgrund ihres Notenmonopols „Liquidität aus dem Nichts schaffen“, so heisst das, die SNB könne Vermögen aus dem Nichts schaffen. Könnte die SBN Vermögen aus dem Nichts schaffen, so heisst das, sie kann Vermögen ohne zusätzliche Schulden schaffen (schöpfen“).

    Bei Eigenkapital handelt es sich um den Überschuss des Vermögens über die Schulden. Daraus folgt zwingend, dass Jordan Notenbankgeld als Eigenkapital interpretiert, weil bei einem Anstieg des Vermögens ohne zusätzliche Schulden das Eigenkapital der SNB steigen würde.

    Sie haben ja einmal geschrieben, ich müsse Herr Jordan auch einmal einen Fehler zugestehen – nämlich die Verwechslung von Eigenkapital und Fremdkapital.

    Einen Kommentator, der so argumentiert, kann ich nicht wirklich ernst nehmen.

    Hier weisen Sie aber noch auf einen weiteren Fehler von Herrn Jordan in jenem Referat hin (Vortrag Prof. Dr. Thomas Jordan vor der Volkswirtschaftlich Statistischen Gesellschaft Basel, 28. September 2011).

    Ich habe Ihnen diesen Fehler schon erklärt. Aber ich tue es nochmals – etwas ausführlicher, damit jedermann versteht, was ich sage:

    Jordan argumentiert:

    Zitat:

    „Da es sich zudem bei den Noten und den Giroguthaben um gesetzliche Zahlungsmittel handelt, sind diese Verbindlichkeiten auch nicht im eigentlichen Sinne einforderbar, sondern können einzig – als gleichwertige gesetzliche Zahlungsmittel – gegeneinander getauscht werden. Ein Beispiel: Will jemand von Ihnen der SNB eine Banknote (sozusagen Ihr Kredit an die Nationalbank) zurückgeben und den entsprechenden Gegenwert einfordern, händigen wir Ihnen einzig eine neue Banknote mit gleichem Nennwert aus. Sie haben also keinen Anspruch darauf, eine Banknote im Austausch gegen einen anderen Vermögenswert zurückzugeben. Oder ein anderes Beispiel: Will eine Bank ihre Banknoten „einlösen“, so bekommt sie ausschliesslich eine Gutschrift auf ihrem Girokonto. Die Notenbankgeldmenge bleibt unverändert.
    Zweitens hat die SNB zudem von Gesetzes wegen das Recht, ausstehende Forderungen mit der Schöpfung von Franken sozusagen „aus dem Nichts“ zu begleichen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass eine Zentralbank „Geld drucken“ kann.

    Zitat:

    Jordan behauptet also, die Giroguthaben der Banken bei der SNB seien „nicht einforderbar“.

    Dieser Argumentation möchte ich hier ganz entschieden entgegentreten:

    „nicht einforderbar“ heisst: „nicht abbaubar“. Aus Jordans Argumentation ginge also hervor, dass die Banken ihre Giroguthaben bei der SNB nicht abbauen bzw. verringern dürften.

    Bei den Giroguthaben der Banken bei der SNB handelt es sich um die Mindestreserven der Banken bei der SNB. Das ist dasselbe.

    Das Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbank legt bezüglich der Mindestreserven der SNB aber klipp und klar fest:

    „Der Mindestreservesatz darf 4 Prozent der kurzfristigen, auf Schweizerfranken lautenden Verbindlichkeiten der Banken nicht überschreiten.“

    (Artikel 18 Absatz 2; http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20021117/index.html)

    Die SNB hat folge dessen nicht das Recht, von den Banken höhere Mindestreserven als den Mindestsatz einzufordern. Daraus folgt der Umkehrschluss:

    Übersteigen die Mindestreserven der Banken diese 4 Prozent, so haben die Banken das Recht, ihre Mindestreserven bei der SNB entsprechend zu reduzieren, sofern sie das wünschen. D.h. die überschüssigen Mindestreserven sind von den Banken „einforderbar“.

    Gegenwärtig übersteigen die Mindestreserven das 21-fache (¨!) der gestellten Anforderungen. Daraus folgt konsequenterweise, dass die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB reduzieren dürfen.

    Die Behauptung des SNB-Chefs, die Giroguthaben der Banken bei der SNB seien nicht „einforderbar“ stimmt also nicht.

    Wäre diese Behauptung von Prof. Jordan richtig, so müsste es einen Gesetzesartikel geben, der beispielsweise besagt:

    „Einmal von den Banken bei der SNB einbezahlte Mindestreserven sind von den Banken nicht mehr einforderbar auch wenn Sie den gesetzlichen Mindestreservesatz übersteigen.“

    Mir ist ein solcher Gesetzesartikel nicht bekannt. Ich bitte Sie, oder SNB-Chef Jordan, oder eine Leserin oder einen Leser, mir einen solchen Gesetzesartikel zu zeigen.

    Wir haben in der Schweiz Vertragsfreiheit. D.h. wenn die Banken bei der SNB Kapital anlegen, so haben sie das Recht, dieses auch wieder von der SNB abzuziehen – „einzufordern“. Es handelt sich ja schliesslich auch um „Guthaben“ der Banken. D.h. die Banken „haben zugut“.

    Wäre die Behauptung von Jordan richtig, so könnten die Mindestreserven ja nie mehr zurückgehen. Sie könnten nur noch steigen.

    Und wollte die SNB die Mindestreserven von sich aus reduzieren, so könnte sie das bei negativem Eigenkapital nicht mehr (vollumfänglich) tun. Die SNB wäre handlungsunfähig trotz gegenteiliger Behauptung des Bundesrates (siehe Antwort auf SVP-Motion).

    Sie fordern von mir den „Überweisungsauftrag“ an die SNB, der zu einem Abzug der Mindestreserven führt. Ich habe Ihnen diesen schon gezeigt, aber ich will es hier nochmals tun:

    Entstanden sind Mindestreserven durch den Buchungssatz:

    Devisenanlagen an Giroguthaben der Banken

    (Die Giroguthaben der Banken und die Mindestreserven der Banken bei der SNB sind ein und dasselbe).

    Nehmen wir ein Zahlenbeispiel.

    Devisenanlagen an Giroguthaben der Banken 120 Milliarden Franken.

    Die Devisenanlagen sind in Euro angelegt und wurden zum Kurs von 1.20 gekauft. Die SNB besitzt folge dessen 100 Milliarden Euro, die zu 120 Milliarden Franken beidseitig bilanziert werden.

    Fällt nun der Euro auf eins zu eins zum Franken, so müssen die 100 Milliarden Euro zu 100 Milliarden Franken auf der Aktivseite bilanziert werden. Im Gegensatz dazu betragen die Schulden der SNB auf der Passivseite jedoch 120 Milliarden Franken.

    Die Bilanz der SNB weist nun auf der Aktivseite ein Loch bzw. negatives Eigenkapital von 20 Milliarden aus. Die SNB ist Konkurs.

    Bereits deswegen muss die SNB ihre Bilanz deponieren.

    Sie und Herr Jordan behaupten nun, das sei nicht so, weil die Mindestreserven der Banken bei der SNB nicht „einforderbar“ seien.

    Doch – diese sind „einforderbar“. Das habe ich soeben gezeigt.

    Und wollen die Banken ihre Mindestreserven abbauen oder will die SNB diese aus eigenem Antrieb reduzieren, so lautet der „Überweisungsauftrag“:

    „Es sind 120 Milliarden Franken von der SNB an die Banken zu überweisen.“

    Der Buchungssatz lautete:

    Giroguthaben der Banken an Devisenanlagen 120 Milliarden Franken

    Dazu muss die SNB ihre Euros verkaufen. Sie erhält aber aufgrund des tieferen Eurokurses nur noch 100 Milliarden Franken.

    Die SNB kann also nur 100 Milliarden überweisen. Es fehlen 20 Milliarden. Die SNB hat gegenüber den Banken eine offene Schuld von 20 Milliarden Franken. Die SNB ist Konkurs.

    Die SNB kann obigen „Überweisungsauftrag“ an die Banken im Betrag von 120 Milliarden Franken nicht mehr ausführen. Sie kann diesen nur noch mit dem Betrag von 100 Milliarden ausführen.

    Nun muss der Steuerzahler die SNB rekapitalisieren und die 20 Milliarden Franken aufbringen. Damit steigt das Vermögen der SNB um 20 Milliarden sowie das Eigenkapital der SNB ebenfalls um 20 Milliarden.

    Nun kann die SNB den Banken die geschuldeten 20 Milliarden überweisen und das Eigenkapital der SNB ist damit auch wieder weg. Die SNB hat aber wenigsten keine Schulden mehr gegenüber den Banken.

    Im obigen Zitat von SNB-Chef Jordan stecken aber noch andere, gravierende Irrtümer:

    Zitat:

    „Zweitens hat die SNB zudem von Gesetzes wegen das Recht, ausstehende Forderungen mit der Schöpfung von Franken sozusagen „aus dem Nichts“ zu begleichen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass eine Zentralbank „Geld drucken“ kann.“

    Zitat Ende

    Wenn also die SNB den Banken 20 Milliarden Franken schuldet, so könnte – gemäss SNB-Chef Jordan – die SNB einfach „Franken schöpfen“ und damit die Schuld der SNB gegenüber den Banken im Betrag von 20 Milliarden Franken begleichen.

    Auch diese Argumentation hält einer sorgfältigen Analyse aber nicht stand. Warum?

    Erhöht die SNB ihre Notenbankgeldmenge, so werden dadurch beide Seiten der Bilanz der SNB verlängert. Das „Loch im Eigenkapital der SNB“ bleibt somit bestehen.

    Zudem wäre dies auch unrealistisch und ergäbe nicht den geringsten Sinn: Wenn die SNB „Geld druckt“, so bedeutet das, dass dadurch die Banken ihre Mindestreserven bei der SNB vergrössern. Die Banken müssten der SNB somit erneut Kapital leihen, damit diese ihre Schulden gegenüber den Banken begleichen kann. Das ist sinnlos.

    Bzw. die Banken müssten ihre Mindestreserven bei der SNB erhöhen.

    Genau das wollen sie aber nicht – sie wollen ihre Mindestreserven je umgekehrt abbauen. Also werden sie der SNB nicht erneute Kredite geben in Form von Notenbankgeld (Giroguthaben der Banken), damit die SNB ihre Schulden bei ihnen abbauen kann. (Die Katze würde sich in den Schwanz beissen).

    Was uns von der SNB hier an Fehlargumenten aufgetischt wird, zeugt von einer unglaublichen Ignoranz der SNB.

    Und ebenso unglaublich ist, dass der SNB-Bankrat, der Bundesart, das Parlament oder die FINMA diese Widersprüche der SNB nicht einsehen oder einsehen wollen.

    Muss deswegen die Schweizer Wirtschaft zugrunde gehen?

    Ich könnte jetzt noch auf weitere Irrtümer in Ihrem Kommentar eingehen. Aber ich unterlasse dies aus Zeitgründen.

    Ich bitte Sie jedoch, mir in einem allfällig nächsten Kommentar nicht wieder gebetsmühlenartig Ihren auswendig gelernten Satz herunterzuleiern:

    „Die SNB kann nicht zahlungsunfähig werden – die SNB kann Geld aus dem Nichts schöpfen.“

    Bitte verschonen Sie mich damit. Meine Zeit ist auch beschränkt.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

    • @Meyer
      Machen wir doch eine ganz einfache Übung. Nehmen wir an, die UBS hätte 50 Mrd.CHF auf ihrem Girokonto bei der SNB (d. h. ‚Vermögen‘ der UBS; ‚Schulden‘ der SNB). Eines Tages hat die UBS von der SNB genug und möchte diese 50 Mrd.CHF von der SNB abziehen, weil sie fürchtet, die SNB könnte in Konkurs gehen. Anders ausgedrückt, die UBS verlangt von der SNB, dass diese ihre Schulden gegenüber der UBS tilgt.

      NENNEN SIE MIR BITTE DEN ZAHLUNGSAUFTRAG, DEN DIE UBS AND DIE SNB ERTEILT!

      Sobald Sie mir den Zahlungsauftrag genannt haben, nenne ich Ihnen die Buchungen.

    • @Meyer
      Ich habe meine Bitte um die Formulierung eines Zahlungsauftrags seitens der UBS an die UBS, 50 Mrd.CHF zu tilgen, zu schnell abgeschickt. Wahrscheinlich werden Sie jetzt wieder Ihre lange Erklärung wiederholen, wie diese Guthaben entstanden sind, was das mit Devisen zu tun hat, etc. Das ist nicht das, worum ich Sie ersuche. Ich ersuche Sie um die Formulierung eines ganz kurzen Zahlungsauftrags. In den 8 Ländern, in denen ich gelebt habe, lautete ein Zahlungsauftrag in etwa folgendermaßen:

      „Zu lasten meines Kontos bei Ihnen, überweisen Sie bitte 50 Mrd.CHF auf das Konto xxx bei der Bank yyy“.

      Die Schweiz gehört nicht zu den Ländern, in denen ich gelebt habe, ich gehe jedoch davon aus, dass Zahlungsaufträge in der Schweiz nichts viel anders sind.

  58. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    wie ich geschrieben habe, sind Sie einer der intelligentesten Publizisten, deshalb ist die „beleidigte Leberwurst“ zu spielen unangebracht, diesen Gefallen sollte man niemandem tun.

    Wenn Sie das Wort „Neurose“ aus meiner ganzen Stellungnahme herausreissen, darin einen persönlichen Angriff herableiten, dann tut es mir Leid für Sie.

    Mit der sozialistischen Keule, Monopol-Märchen der SNB und Vollgeld-Initiative zu argumentieren ist nicht stichhaltig und unter Ihrer intellektuellen Würde. Bis jetzt, habe ich nichts brauchbares Ihrerseits gelesen, die meine Kritik gegen das herrschende verzinste Schuldgeldsystem und Vorteilsnahme des Bankenkartell gegenüber arbeitente Bevölkerung und Realwirtschaft widerlegen könne.

    Ich hoffe, Sie können meine These zur Mindestreserve widerlegen. Dann können wir uns weiter über das Bankensystems unterhalten.

    Grüsse
    Der Praktiker

  59. Vielleicht ist es den Lesern dienlich, einmal das Auslandsvermögen der SNB in den Gesamtkontext der Schweizer Volkswirtschaft zu stellen. Auslandsvermögen ist per definitionem in Fremdwährungen denominiert und nicht in CHF.

    Per 1Q14 betrug das Auslandsvermögen der Schweizer Volkswirtschaft knapp 4.000 Mrd.CHF (die Devisenreserven der SNB von rund 450 Mrd.CHF sind darin enthalten).

    Das BIP der Schweiz ist rund 600 Mrd.CHF. Anders ausgedrückt: die Schweiz hat mehr als das 6-fache ihres BIP im Ausland veranlagt (und zwar in Fremdwährungen). Man könnte fast sagen, die Schweiz hat sich bereits selbst exportiert. Zum Vergleich: in Deutschland, ebenso ein Land mit hohen Auslandsvermögen, betragen die Auslandsvermögen nicht ganz das Doppelte des BIP und es mehren sich warnende Kommentare zu diesem Risiko (man lese bei Prof. Sinn nach).

    Jetzt könnte man sagen, nicht so schlimm, weil einem Großteil dieser Brutto-Auslandsvermögen Brutto-Auslansverbindlichkeiten gegenüber stehen (z. B.: Schweizer Banken nehmen amerikanische USD Einlagen an und investieren sie in USD im Ausland). Vor Währungsrisiko her wäre das nicht falsch, weil Fremdwährungskapital aus dem Ausland wahrscheinlich in der gleichen Währung im Ausland reinvestiert wird. Bei Kapitalverlusten ist es jedoch anders, weil es größtenteils kein ‚right of offset‘ zwischen Verbindlichkeiten und Anlagen gibt. Wenn die Auslandsanlagen an Wert verlieren (beispielsweise sub-prime), bedeutet das nicht, dass die Auslandsverbindlichkeiten auch weniger wert werden.

    Man denke an Zypern. Dort hatte die Volkswirtschaft enorme Dimensionen an Auslandskapital aufgesaugt, musste es jedoch im Ausland reinvestieren mangels ausreichender Anlagemöglichkeiten in der eigenen Volkswirtschaft. Mit dem Ergebnis, dass viele dieser Auslandsveranlagungen schief gingen (z. B. griechische Staatsanleihen) und die zypriotische Volkswirtschaft (und deren Finanziers) enorme Schäden hinnehmen mussten.

    Was ist mein Punkt?

    Nicht nur die SNB, sondern – und vor allem – die gesamte Schweizer Volkswirtschaft ist enorm im Ausland und in Fremdwährungen investiert. Ob das ein nachhaltig kluges Geschäftsmodell ist, könnte man hinterfragen. Vom Währungsrisiko betrachtet muss man sehen, dass mit jeder Aufwertung des CHF der CHF Wert der Auslandsvermögen sinkt. Vom Investitionsrisiko betrachtet könnte es ja sein, dass die Schweizer Volkswirtschaft einmal auf diese Auslandsvermögen zurückgreifen muss (beispielsweise um Altersvorsorge zu finanzieren) und wenn dann diese Vermögen an Wert verloren haben, werden sich viele Schweizer ärgern…

  60. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    offensichtlich haben Sie eine Neurose entwickelt zu Vollgeld und Kommunismus. Ich erachte Sie, als einer der intelligentesten Publizisten in diesem Forum, nichtsdestotrotzt, erhärtet sich immer wie mehr der Verdacht, dass Sie das Geldsystem nicht verstehen oder verstehen wollen.

    Die Entstehung dieses Systems der sogenannten Mindestreserven zeigt, warum die Geschäfte der Banken von Anfang an auf einer betrügerischen Idee fußten. Im Mittelalter kamen Goldschmiede im Zuge ihrer nunmehrigen Tätigkeit als (Banker) auf die für sie sehr lukrative Idee, mehr Depotscheine auszugeben, als sie überhaupt an Goldmünzen in den Tresoren aufbewahrten. Sie hatten nämlich festgestellt, dass nur ungefähr zehn Prozent ihrer Kunden sich die Goldmünzen wieder abholten, alle anderen waren mit den Depotscheinen (Papiergeld) zufrieden und verwendeten diese, um ihre Geschäfte zu tätigen. Im Kern steckt hinter dieser Idee ein Betrugsmodell. Tatsächlich begann die Bank von England, die im Jahre 1694 als Privatbank gegründet wurde, dieses Mindestreservesystem mit dem Verhältnis 1 zu 10 fortzuführen. Es wurde als höchst vernünftig, ja hinsichtlich der höheren Kreditvergabekapazität geradezu als „segensreich“ angesehen, ungedecktes Papiergeld auszugeben bzw. auf diese Weise „Geld aus Luft“ zu erschaffen.

    Unser heutiges Geld, ob CHF, US-Dollar, Euro, britisches Pfund etc., ist vollkommen ungedeckt. Die offizielle Deckung besteht nämlich in Staatsanleihen. Und das sind Schulden. Das Geld für die Begleichung dieser Schulden existiert überhaupt noch nicht. Es wird erst in der Zukunft erzeugt.
    Sicherlich dämmert es inzwischen auch Ihnen – da Sie jetzt wissen wie das Geld, welches für die Bezahlung der Staatsschuld benötigt wird, erzeugt wird -, was die wahre Ursache der aktuellen Finanzkrise ist. Vielleicht werden Sie durch diese Erkenntnis aber auch ärmer – nämlich an Vertrauen gegenüber Ihrem Geld, Ihren Banken und unseren Politikern.

    Grüsse
    Der Praktiker

    • @Der Praktiker

      Wenn persönliche Beleidigungen wie „Neurose“ in den Text einfliessen, bin ich nicht bereit, weiterzudiskutieren.

      Solches „Spiel auf den Mann“ zeigt, dass den Initianten der Vollgeld-Initiative die fachlichen Argumente ausgegangen sind.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • @Praktiker

      Es ist jedesmal eine Freude Ihre nüchterne und sachliche Kommentare zu lesen. Sie schaffen es immer Kompliziertes verständlich und interessant zu erklären, ohne persönlich zu werden.

      In Gegensatz zu Dr. Meyer. Er teilt gerne aus, ist selber aber schnell beleidigt, wenn jemand ihn kritisiert. Schade, dass er in seiner endlos laufenden Schleife gefangen ist. Ansonsten könnten wir intelligente und lehhrreiche Debatten lesen.

  61. Mag ja sein dass es da buchungstechnisches gibt; solange Geld nicht im Kreislauf ist, also Waren gegen Geld gekauft werden können, spielt alles keine Rolle. Wegen einer verrückten Bilanz der Nationalbank bricht noch lange keine Inflation aus. Aber wehe, wenn doch eines Tages plötzlich viel mehr Geld in den Kreislauf gerät, dann verlieren alle ziemlich bald das Vertrauen in den Franken.

    Also, wie gesagt, nicht zu sehr über Buchungen nachdenken, sondern den ganzen Kreislauf sehen.

    • @der Ingenieur

      Man kann nur hoffen, dass Sie als Ingenieur nicht so liederlich arbeiten wie Sie hier ihren Kommentar abliefern.

      Vollkommen ignorant.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  62. Sicher, Notenbankgeld wird als Zahlungsverpflichtung gg Geschäftsbanken gebucht. Aber nur wenn es an diese ausgegeben wird. Die ZB kann aber doch jederzeit Notenbankgeld schaffen und behalten, und dann auf der Aktivseite verbuchen. Dann eröffnet Sie unter den FW und Gold Konti einfach ein CHF Konto. Beides schliesst sich nicht aus.

    • @dwo

      Nein, die Notenbank kann nicht Notenbankgeld schaffen und auf ihrer Aktivseite verbuchen.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  63. Ich habe den Eindruck hier wird über zu viele Details gestritten. Mein Verständnis ist so: Eine Nationalbank kann Franken drucken soviel sie will. Deshalb wird sie nie zahlungsunfähig. Das einzige was passiert, wenn sie zuviel druckt, ist Infaltion die in eine Währungsreform münden kann. Auch dann wieder wird die Nationalbank neues Geld drucken.

    Was aber in dieser Diskussion viel zu wenig Beachtung findet, ist dass die Nationalbank nur die Geldmenge M0 „herstellt“. Die anderen Geldmengen werden durch die Banken als Buchgeld „erzeugt“, was wegen der wesentlich grösseren Menge (Geldmenge M3 im Vergleich zu M0)gefährlicher ist!

    Kurz gesagt, zuviel Geld führt sicher in die Inflation!

    Das Ganze aus der Sicht eines Ingenieurs und nicht eines Bankers!

    • @der Ingenieur,

      Bravo! Das versuche ich seit Monaten in diesem Forum klarzustellen, dass (Zentralbankgeld lediglich 3-5% der Geldmenge entspricht, währenddessen die Wurzel des Übels die Kreditäregeldschöpfung in Monopolstellung der Geschäftsbanken 95-97% ist.

      Die Geschäftsbanken haben somit faktisch das generelle Geldmonopol. Die Zentralbanken haben ein residuales Reserven- und Banknotenmonopol. Inwieweit davon Gebrauch gemacht wird, ist wiederum von der Nachfrage der Geschäftsbanken abhängig, welche von der Kreditnachfrage des Publikums gesteuert wird. Da der überwiegende Teil der realen Geldmenge originär über Geschäftsbankkredite durch Gutschrift auf Girokonten entsteht, ist der Zentralbank die Kontrolle über die Geldmengen M1 und die monetären Aggregate M2 und M3 entglitten.

      In der Öffentlichkeit wird von der Zentralbank in diesem Zusammenhang die Illusion genährt, dass Inflationstendenzen beispielsweise durch Verteuerung von Krediten für die Privatwirtschaft bekämpft werden können. Diese Zinspolitik, mit der die Geldschöpfung der Banken reaktiv und indirekt beeinflusst werden soll, ist aber ein wenig wirksamer Ersatz für die außer Kraft gesetzte Geldmengenpolitik.

      Im Übrigen, kann eine Zentralbnak nicht Pleite gehen, da die Zeche immer, ohne Ausnahme, der arbeitenden Bevölkerung präsentiert wird.

      Grüsse
      Der Praktiker

    • Ich habe die gleiche Sicht. CHF ist FIAT Geld und damit braucht es keinen reellen Gegenwert sondern Vertrauen. Der Gegenwert zu den CHF ist nicht das Vermögen der Nationalbank sondern der Wert der Schweizer Volkswirtschaft.

      Und solange die SVP es nicht schafft die Schweiz mit sinnentleerten, populitischen Initiative in den Ruin zu „führen“ habe ich da wenig Angst.

      Wenn der Euro wieder steigt und die Euro-Bindung des Franken aufgehoben wird, wird es aber nochmals spannend: Schafft die Nantionalbank es rechtzeitig die dann überlaufende Geldmenge abzuschöpfen oder laufen wir in eine deutlich Inflation hinein. Alternative muss die Kopplung einfach bestehen bleiben.

      Schaun‘ wir mal, dann seh’n wir schon…

    • @Der Ingenieur

      Besten Dank.

      Nein. Hier wird nicht um Details gestritten.

      SNB und Bundesrat behaupten, die SNB könne „unbeschränkte“ Verluste der SNB begleichen aufgrund der Emission von Notenbankgeld. Das ist Irreführung des Volkes. Und das Parlament ist offensichtlich nicht fähig, eine Bilanz zu lesen und den Fehler in der SNB-Argumentation zu erkennen.

      Nein. Die Steuerzahler werden die Schulden der SNB möglicherweise in dreistelliger Milliardenhöhe selber bezahlen müssen. Können sie das nicht, so geht das Schweizer Bankensystem Konkurs. Das ist neu und wurde bisher weder von der SNB noch vom Bundesrat noch vom Parlament erkannt, geschwiegen denn zugegen.

      In der Hauptverantwortung steht vor allem der SNB-Bankrat.

      Geldtheorie und Geldpolitik ist reine Buchhaltung. Jeder Geldemission liegt ein Buchungssatz zugrunde.

      Die SNB kann nicht einfach „Banknoten drucken, soviel sie will“, wie Sie und die SNB meinen. Sie kann die Banknoten wohl drucken aber nicht in den Umlauf bringen. Wenn sie die Banknoten in den Umlauf bringen will, so muss sie dafür einen Gegenwert in ihrem Vermögen aufnehmen.

      Es wird aber nur jemand der SNB einen Vermögenwert übergeben im Gegenzug für eine Banknote, wenn er die Banknote auch wirklich braucht. So viele Banknoten werden aber nicht gebraucht. Und es ist eine Illusion, zu meinen, in den Cafés von Frankfurt und Paris würde inskünftig mit Schweizer Banknoten bezahlt.

      Weil die SNB also nicht so viele Banknoten in den Umlauf bringen kann, hat sie ihre über 400 Milliarden Devisen nicht mit der Emission von Banknoten finanziert, sondern mit Krediten von den Geschäftsbanken (Giroguthaben der Banken bei der SNB).

      Das ist die ökonomische Realität.

      Die SNB hat also auf ihrer Vermögensseite vor allem Devisen (Euros, Dollars usw.) und auf ihrer Schuldenseite Franken-Verbindlichkeiten. Fällt nun der Wert des Vermögens der SNB in Franken berechnet unter den Wert der Schulden in Franken (weil z.B. der Euro fällt), so ist die SNB Konkurs. Sie kann ihre Verbindlichkeiten nicht mehr „bedienen“.

      Nun müssen die Steuerzahler die Differenz bezahlen und den Gläubigern der SNB, d.h. den Banken überweisen. Können Sie das nicht, gehen die Banken Konkurs, weil sie ihre Mindestreserven bei der SNB entsprechend nach unten wertberichtigen müssen.

      Konklusion: Das Schweizer Bankensystem geht Konkurs.

      Ich hoffe, Sie konnten meinen Ausführungen folgen. Ansonsten fragen Sie bitte nochmals nach. Diese Bitte geht auch an die übrigen Leserinnen und Leser.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • @Der Praktiker

      Erstens:
      Dürfte nur noch die Zentralbank die Geldaggregate M1-M3 emittieren, so wäre das Kommunismus pur. Es gäbe nur noch eine staatliche Bank. Wenn also Sie z.B. einen Hypothekarkredit aufnehmen wollten, so müssten sie den bei der SNB aufnehmen.

      Zweitens:
      Wir diskutieren hier nicht über die Vollgeldinitiative, sondern über den Mindestkurs. Die beiden haben nur gemeinsam, dass sie in demselben Fehler wurzeln: Sie betrachten Geld als ein Aktivkredit des Geldemittenten anstatt als Passivkredit.

      Drittens:
      Ihre Aussage, die Notenbank könne nicht Pleite gehen, weil die Zeche immer die arbeitende Bevölkerung bezahle ist richtig. Der Umkehrschluss ist aber auch, dass die SNB Konkurs geht, wenn die Steuerzahler die „unbeschränkten“ Verluste der SNB nicht mehr bezahlen können.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • @ITler

      Erstens

      Das Vertrauen basiert auf dem reellen Gegenwert.

      Zweitens

      Die SNB hat bereits jetzt fast eine halbe Billion in Fremdwährungen. Sie hat angedroht, „unbeschränkt“ weiter Euros zu kaufen, sollte dieser fallen. Es drohen somit „unbeschränkte“ Verluste für die Schweizer Volkswirtschaft. Das kann die ganze Schweizer Volkswirtschaft mit in den Abgrund reissen.

      Drittens

      Sie gehen mit Sicherheit davon aus, dass der Euro wieder steigt. Wie kommen Sie zu dieser Behauptung? Sämtliche Währungen sind in den vergangenen Jahren gegenüber dem SNB gefallen. Weshalb soll nun eine Teilsumme dieser Währungen plötzlich steigen?

      Viertens

      Die Hoffnung der SNB, dass der Euro steige basiert auf der Kaufkraftparität. Diese ist aber eine Illusion (lesen Sie dazu bitte meinen Beitrag „Die SNB und ihr Big-Max Irrglaube“).

      Fünftens

      Sie schreiben, die SNB müsse die „überlaufende Geldmenge wieder abschöpfen“.

      Verstehen Sie, was das heisst? Die Geldmenge besteht aus den Mindestreserven der Banken bei der SNB (Giroguthaben der Banken bei der SNB). Das sind Schulden der SNB gegenüber den Banken. Die SNB muss also den Banken deren Kredite zurückzahlen. Kann die SNB das nicht, so ist sie Konkurs.

      Ja „schaun wir mal, wir werden dann schon sehen“…

      Ja vielleicht ist es dann aber zu spät.

      Denken so die ITler?

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  64. @Klaus Kastner

    Und noch etwas, Herr Kastner, was sehr ärgerlich ist an Ihrem selbstgefälligen Kommentar:

    Sie schreiben:

    Zitat:

    „…dann können im Erstfall daraus enorme Verluste für die Volkswirtschaft entstehen. Darüber kann es doch wohl keine ernsthafte Diskussion geben. Sollte dieses Risiko einmal schlagend werden, dann würde es die Schweizer Steuerzahler einmal sehr viel kosten. Aber die SNB würde dabei nicht in Konkurs gehen. Im Gegenteil, gerade weil die SNB nicht in Konkurs gehen kann, würde es die Schweizer Steuerzahler sehr viel kosten.“

    Zitat Ende

    Sie tun so, als ob es allgemein bekannt und anerkannt sei, dass im Falle von hohen Verlusten der SNB die Schweizer Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Verluste der SNB werden begleichen müssen.

    Nein, Herr Kastner. Das ist keineswegs so. Weder die SNB (Direktion und Bankrat) noch der Bundesrat noch das Parlament noch irgendein Journalist haben je angesprochen, dass die Steuerzahler dereinst für die hohen Verluste der SNB werden aufkommen müssen. Das wird von allen totgeschwiegen.

    Oder zeigen Sie mir auch nur einen einzigen Kommentar (ausser den Kommentaren von mir hier auf Inside Paradeplatz), wo dieser Sachverhalt angesprochen würde.

    Auch über Ihre Schlussfolgerung

    Zitat:

    „Im Gegenteil, gerade weil die SNB nicht in Konkurs gehen kann, würde es die Schweizer Steuerzahler sehr viel kosten.“

    Zitat Ende

    kann man nur den Kopf schütteln.

    Ehrlicherweise müssten Sie schreiben:

    „Im Gegenteil, gerade weil die Steuerzahle für die Schulden der SNB aufkommen müssen, kann die SNB nicht in Konkurs gehen.“

    Stellen Sie sich aber vor, die Schulden der SNB belaufen sich auf 200 Milliarden Franken. Wie wollen die Schweizer Steuerzahler diese bezahlen?

    Das wäre nicht möglich.

    Konklusion 1: Die SNB geht Konkurs, weil die Steuerzahler die Schulden der SNB nicht bezahlen können.

    Konklusion 2: Die Banken, d.h. die Kreditgeber der SNB, gehen Konkurs, weil sie ihre Mindestreserven bei der SNB wertberichtigen müssen.

    Ich bitte Sie, ihre Kommentare inskünftig besser zu überdenken, bevor Sie diese hier posten.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    • @Meyer
      „Ich habe genau aufgezeigt, wie beispielswiese Investoren aus Europa (z.B. Pensionskassen) über Schweizer Grossbanken Kapital bei der SNB parkieren und dieses dann auch wieder zurückfordern können“.

      Eine unfassbare Fehldiagnose, Herr Dr. Meyer! Das Problem ist, dass Ausländer so viele CHF gekauft haben, dass die SNB glaubte, intervenieren zu müssen, damit der CHF Kurs nicht durch die Decke geht. Würden Ausländer aus dem CHF aussteigen und zurück in Fremdwährung wechseln, würde der CHF Kurs sinken und die SNB würde einen massiven Gewinn einfahren. Etwas Besseres könnte der SNB nicht passieren! Meines Wissens haben europäische Pensionskassen und andere Investoren kein Konto bei der SNB. Sie würden also nicht die SNB, sondern im Extremfall Schweizer Banken in CHF Liquditätsschwierigkeiten bringen und die SNB wäre da, um diese Banken mit CHF Liquidität zu versorgen…

      Die SNB – wie jede andere Notenbank auch – kann nur in Fremdwährung zahlungsunfähig werden, NIE jedoch in ihrer eigenen Landeswährung. Meines Wissens hat die SNB keine Verbindlichkeiten in Fremdwährung. Ihr Problem ist, dass sie so viele Assets in Fremdwährung hat.

      Nennen Sie mir bitte den CHF Überweisungsauftrag, den jemand an die SNB stellt und den die SNB nicht erfüllen kann!

      NOCHMAL ZUM AUSWENDIGLERNEN: (a) wenn Sie mit CHF Banknoten zur SNB gehen und Rückzahlung einfordern, dann wird Ihnen die SNB möglicherweise neue CHF Banknoten geben (falls die alten physisch verbraucht erscheinen); einen anderen Anspruch auf Rückzahlung Ihrer Banknoten haben Sie nicht! (b) wenn eine Bank ihre CHF Giroguthaben bei der SNB zurückhaben will, dann wird die SNB sie fragen, auf welches CHF Konto bei einer anderen Schweizer Bank Sie das Geld überwiesen haben will und macht intern die Umbuchung von einem Vostro-Konto auf das andere.

      So eindeutig (und einfach zu verstehen) ist die unbegrenzte Zahlungsfähigkeit in CHF der SNB. Ich habe immer zugegeben, dass es mit dem Eigenkapital nicht so eindeutig ist, weil das SNB Gesetz schreibt, die SNB müsse bilanzieren wie eine Aktiengesellschaft. Hier gibt es jedoch die Präzendenzfälle, dass die SNB schon mehr als einmal ein negatives Eigenkapital in ihrer Bilanz auswies und trotzdem die Bilanz nicht deponieren musste (wie Sie in der Schweiz sagen). Die stillen Reserven spielen dabei überhaupt keine Rolle. Wenn das ausgewiesene Eigenkapital negativ ist, dann ist es negativ. Könnte man es durch die Auflösung stiller Reserven positiv machen, dann muss man diese Reserven auflösen. Tut man das nicht (und die SNB hat dies nie getan), dann bleibt das Eigenkapital negativ und Ihrer Argumentation zur Folge hätte die SNB mehr als einmal ihre Bilanz deponieren müssen.

      „Stellen Sie sich aber vor, die Schulden der SNB belaufen sich auf 200 Milliarden Franken. Wie wollen die Schweizer Steuerzahler diese bezahlen?“

      Unsinn! Die SNB hat keine Schulden in Fremdwährung und ihre Schulden in CHF kann sie jedem zurückzahlen, der sie zurückfordert (wie oben dargestellt: eine interne Umbuchung bei Vostro-Konton). Würde die SNB ihre Gesamtverschuldung reduzieren wollen, dass müsste sie ihre Bilanzsumme reduzieren, d. h. auch Aktiva reduzieren. Wenn eine Notenbank ihre Bilanzsumme reduziert, dann nimmt sie Liquidität in Lokalwährung aus dem Markt (bei Erhöhungen umgekehrt).

      Mit den Unmengen an CHF, die die SNB durch ihre Devisenkäufe in den Markt gepumpt hat (Aufblähung ihrer Bilanzsumme), ist es erstaunlich, dass es keine Verwerfungen im CHF Markt gegeben hat. Irgendetwas macht die SNB da richtig.

      NOCH ETWAS ZUM AUSWENDIGLERNEN: ein Rekapitalisierung der SNB wird nie deswegen erforderlich sein, weil die SNB möglicherweise ihre CHF Schulden nicht bezahlen kann (siehe oben). Sollte sie erforderlich werden, dann nur deshalb, weil die SNB aufgrund von Devisenbewertungsverlusten ein negatives Eigenkapital ausweist, das so hoch ist, dass es nicht in überschaubarer Zeit via Gewinne wieder ins Positive gebracht werden kann.

      Zur Wahrscheinlichkeit der Notwendigkeit einer Rekapitalisierung: die SNB hat 450 Mrd.CHF in Devisen veranlagt und rund 50 Mrd.CHF Rückstellungen für Abwertungen dieser Devisen gebildet, d. h. rund 10% (großzügig kalkuliert). Angenommen, die SNB steht ihre Kursstützungsstrategie nicht durch und der CHF geht durch die Decke: die ersten 10% einer CHF Aufwertung wären durch Rückstellungen für dieses Risiko gedeckt. Ab dann ginge es ins Eigenkapital. Ja, wenn der CHF Kurs unter 1:1 zum Euro fallen (d. h. steigen) würde, dann hätte die SNB bald ein negatives Eigenkapital von 40 Mrd.CHF. Ich kann mir nicht vorstellen, dann keine Zeitung in der Schweiz und – vor allem – dass kein Oppositionspolitiker jemals auf die pro’s und con’s einer Kursstützungsstrategie einer Notenbank hingewiesen hätte. Kein Schweizer hat sich an George Soros und die Bank of England erinnert und dabei erkannt, was bei Kursmanupulationen einer Notenbank passieren kann?

      Eines muss man jedoch schon sagen: wenn der Rest der Welt beschließen sollte, einem kleineren Land mit freiem Devisen- und Kapitalverkehr die Volkswirtschaft zu runieren, dann würde das dem Rest der Welt schon gelingen. Er würde einfach die Landeswährung aufkaufen und dadurch den Wechselkurs so hoch treiben, dass entweder die Exportwirtschaft zusammenbricht oder die Notenbank durch Kursstützungsmaßnahmen paralysiert wird. Ich frage Sie nur: cui bono? Die SNB fährt das Risiko, dass sie die Kursstützungspolitik nicht durchstehen wird, wenn es zur nächsten Spekulationswelle gegen den CHF kommt. Der Rest der Welt fährt das Risiko, dass die SNB es durchsteht und wenn das passiert, dann wird der Rest der Welt etwas bluten. Wir werden es ja früher oder später erleben.

    • @Klaus Kastner

      Erstens

      Sie fordern mich in Grossbuchstaben auf, Ihre Floskeln auswendig zu lernen wie z.B. die „SNB könne nie zahlungsunfähig werden“ usw. Herr Kastner: Auswendig zu lernen ist eines Wissenschaftlers unwürdig.

      Genau hier liegt Ihr Problem. Sie haben offenbar als Student nur auswendig gelernt und nie verstanden und hinterfragt.

      Zweitens

      Nein. Keine Fehldiagnose. Standard – Poor’s bestätigt, dass das Kapital für die Euro-Käufe der SNB aus dem Süden Europas stammt.

      Drittens:

      Sie argumentieren: Wenn der Franken steigt und die Ausländer verkaufen ihre Franken, so würde der Franken automatisch fallen und die Ausländer zu tiefen Kursen verkaufen.

      Nein, Sie verkaufen zu hohen Kursen.

      Beispiel: Angenommen, Sie besitzen eine Immobilie in Griechenland, welche im Wert gestiegen ist. Wollen Sie diese nun verkaufen, so heisst das nicht, dass sie diese nur zu einem tiefen Preis verkaufen können, da deren Preis fällt aufgrund ihres Verkaufs.

      Sie missachten die ceteris paribus Annahme. Auch das belegt, dass Sie nicht wissenschaftlich denken. Das kommt davon, wenn man nur auswendig lernt. Und mit dieser Naivität wollen Sie über 400 Milliarden Staatsschulden der Schweiz rechtfertigen.

      Viertens:

      Ich habe nicht geschrieben, europäische Pensionskassen unterhalten ein Konto bei der SNB. Sie haben meinen Text abermals nicht korrekt gelesen. Ich habe geschrieben, europäische Pensionskassen legen Kapital bei den Schweizer Grossbanken an und diese legen es ihrerseits bei der SNB an.

      Fünftens:

      Sie haben geschrieben, Verluste der SNB werden die Schweizer Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Richtig. Warum? Was bezahlen die Steuerzahler damit? Sie bezahlen die Schulden der SNB gegenüber den Banken, weil die SNB das selber nicht mehr kann.

      Also ist die SNB zahlungsunfähig. Und nun kommen sie erneut und behaupten, die SNB sei „unbegrenzt zahlungsfähig“.

      Herr Kastner: Sie verstehen offensichtlich überhaupt nicht, wovon Sie hier schreiben. Wenn die SNB „unbegrenzt zahlungsfähig wäre“, wie Sie hier behaupten, weshalb und wozu muss dann der Steuerzahler einspringen, wie Sie ebenfalls korrekterweise argumentieren?

      Sechstens:

      Bitte nennen Sie mir die Zeitperioden, in denen das Eigenkapital der SNB negativ war, wie Sie behaupten, und wieviel es negativ war.

      Siebtens:

      Sie behaupten, die SNB könne „NIE in der eigenen Landeswährung zahlungsunfähig“ werden. Also nochmals die Frage: Weshalb müssen dann die Steuerzahler für die Schulden der SNB aufkommen, wie Sie ebenfalls richtigerweise argumentieren?

      Sie haben immer noch nicht begriffen, dass es sich bei den Giroguthaben der Banken bei der SNB um Schulden der SNB gegenüber den Banken handelt. Besitzt die SNB nicht mehr genügend Vermögen, um ihre Schulden gegenüber den Banken zu begleichen, so ist die SNB Konkurs und die Steuerzahler müssen einspringen.

      Achtens:

      Die Eigenkapitalquote der SNB ist mittlerweile unter 10 Prozent gefallen, nachdem diese vor wenigen Jahren noch gegen 100 Prozent betrug (je nach Bewertung des Goldes). Das ist weniger als die SNB von den systemrelevanten Grossbanken verlangt. Wer ist systemrelevanter – die Grossbanken oder die SNB?

      Neuntens:

      Die Mindestreserven der Schweizer Banken bei der SNB betragen das 21-fache des vorgeschriebenen Betrages. Wollen die Banken ihre Mindestreserven insgesamt abbauen, so dürfen Sie das. Das geht aus dem Notenbankgesetz hervor, wonach die SNB von den Banken maximal 4 Prozent von deren kurzfristigen Verbindlichkeiten als Mindestreserven einfordern darf.

      Betragen die Mindestreserven beispielsweise 120 Milliarden Franken und die SNB besitzt auf ihrer Vermögensseite nur noch 100 Milliarden Franken, so fehlen der SNB 20 Milliarden Franken. Die SNB ist Konkurs.

      Der Buchungssatz zur Bildung der Mindestreserven hiess aus Sicht der SNB:

      „Devisenanlagen an Giroguthaben der Banken“

      Werden die Mindestreserven abgebaut, so lautet der Buchungssatz umgekehrt

      „Giroguthaben der Banken an Devisenanlagen“

      Sie können nicht davon ausgehen, dass die Mindestreserven nicht abgebaut werden dürfen. Falls Sie dies weiterhin behaupten, so bitte ich Sie, mir den entsprechenden Gesetzesartikel zu nennen.

      Zehntens:

      Wer ist stärker? Die SNB oder sämtliche anderen Zentralbanken zusammen?

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • @Meyer
      Zu erstens: Geschmackssache. Bei gewissen Grundsatzdingen wie z. B. beim Einmaleins ist Auswendiglernen nicht schlecht.

      Zweitens: wenn in einer Volkswirtschaft mit einem GDP von rund 600 Mrd.CHF rund 450 Mrd.CHF Devisen gegen Lokalwährung verkauft werden, dann ist es höchst wahrscheinlich, dass dies der Hauptgrund für einen Wechselkursanstieg ist. Wer diese Lokalwährung mit Devisen kauft (bzw. wer Devisen gegen CHF verkauft) ist gleichgültig. Es können Nordeuropäer, Südeuropäer, aber auch Schweizer selbst sein.

      Drittens: sollte der Gegenwert von diesen 450 Mrd.CHF an Devisen wieder mit CHF zurückgekauft werden, dann würde der CHF Wechselkurs sinken. Es ist nicht vorstellbar, dass eine Volkswirtschaft 2/3 ihres GDP in Devisen investiert, ohne dass der Wechselkurs sinkt. Sie unzählige Beispiele von Auswirkungen einer Kapitalflucht. Woher kämen die 450 Mrd.CHF, um die Devisen zu kaufen? Von denen, die CHF haben (aus früheren CHF Käufen) und sie loswerden wollen.

      Viertens: Ja, Sie haben recht und genauso habe ich auch geschrieben (d. h. dass das Geld bei Banken ist).

      Fünftens: ich darf Sie erinnern, dass es 2 Gründe für Insolvenzen gibt — Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Die Zahlungsunfähigkeit ist ein ökonomischer Fakt. Wenn man nicht mehr zahlen kann, dann ist das Spiel vorbei. Die Überschuldung ist ein buchhalterischer Fakt. Das Gesetz erlaubt sie nicht bei normalen Unternehmen. Gäbe es kein Gesetz wegen Überschuldung, dann könnte ein überschuldetes Unternehmen durchaus weiter funktionieren, wenn es zahlungsfähig bleiben sollte. Letzteres ist wohl bei normalen Unternehmen selten der Fall. Bei der Notenbank immer (in Lokalwährung). Sollten die Steuerzahler die SNB rekapitalisieren, dann bezahlen sie damit keine Schulden der SNB. Im Gegenteil, sie erhalten Vermögen, weil ja die SNB den Erlös der Kapitalerhöhung irgendwie investieren muss. CHF Schulden könnte sie damit nicht zurückzahlen, weil CHF Schulden, welche die Notenbank an Bank A tilgt von Bank B wieder an die Notenbank zurückfließen.

      Sechstens: der Basler Rede von Herrn Jordan hatte ich entnommen, dass die SNB Anfang und Ende der 1970er Jahre über ein negatives Eigenkapital verfügte (es lohnt sich, diese Rede zu lesen!).

      Siebentens: ich darf Sie beruhigen; ich habe schon begriffen, dass Verbindlichkeiten der SNB technisch „Schulden“ sind. Nochmal die Antwort auf Ihre Frage, weshalb Steuerzahler die SNB rekapitalisieren müssen, wenn sie nicht zahlungsunfähig werden kann — ausschließlich, um ein negatives buchmäßiges Eigenkapital wieder aufzufüllen (hatte ich auch so geschrieben). Schulden werden damit nicht getilgt; Vermögenswerte werden seitens der SNB aufgebaut. Richtig ist, dass bei einer Überschuldung die Vermögenswerte die Verbindlichkeiten nicht mehr decken. Unrichtig ist, dass deswegen die SNB in CHF zahlungsunfähig wird. Sie wird in CHF immer zahlungsfähig sein, bis Sie mir das Beispiel eines CHF Überweisungsauftrags an die SNB nennen, den die SNB nicht erfüllen kann. Haben Sie immer noch nicht getan.

      Achtens: wenn Sie die Bilanz der SNB analysieren, statt nur lesen würden, dann würden Sie bemerken, dass die SNB bereits per 31.12.2013 ein negatives Eigenkapital hatte. Nur weil sie 52 Mrd.CHF an Rückstellungen für Währungsreserven den Eigenmitteln zuzählt, kann sie ein positives Eigenkapital ausweisen. Bei einer ‚normalen‘ Firma sind solche Rückstellungen Verbindlichkeiten und nicht Eigenmittel.

      Neuntens: lassen Sie doch die Schweizer Banken die von Ihnen genannten 120 Mrd.CHF an Mindestreserven abziehen, aber sagen sie mir, wohin diese 120 Mrd.CHF dann fließen. Wenn sie in CHF bleiben, dann bleiben sie im System und die Notenbank ist nicht betroffen. Wollten die Banken jedoch mit diesen 120 Mrd.CHF Devisen kaufen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass das nicht im Interesse der SNB ist, weil es den CHF Kurs in die Höhe treiben würde.

      Zehntens: wer stärker ist, die SNB oder die anderen Notenbanken zusammen, habe ich in meinem Kommentar erklärt — sollte der Rest der Welt sich gegen die Schweizer Notenbank verschwören, dann ist der Rest der Welt stärker. Meine Frage war: cui bono?

  65. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    Besten Dank für den Link. Bevor, ich meine Überlegungen zu Ihrem Artikel weiter ausführe, unterbreite ich Ihnen folgende Frage:

    In Relation: SNB und Geschäftsbnaken – sind demnach nicht die Staaten die grössten Schuldner, sondern die Banken selbst?

    Freundliche Grüsse
    Der Praktiker

    • Der Praktiker

      Es geht hier um die Zentralbanken:

      a) Die SNB nimmt Kredite auf von den Banken (in- und ausländische) und investiert das so aufgenommene Kapital im Ausland. Konklusion: Die SNB (d.h. der Staat) ist Schuldner und die Banken sind Gläubiger.

      b) Die EZB (d.h. die europäischen Zentralbanken) nimmt (nehmen) Kredite auf von den Banken und investiert das so aufgenommene Kapital im eigenen Währungsraum, aber nicht unbedingt im eigenen Staat.

      c) Die Fed nimmt Kredite auf von den Banken und investiert das so aufgenommene Kapital im eigenen Währungsgebiet, welches dem eigenen Land entspricht.
      Bei der Fed kommt hinzu, dass die Banknoten, die international zirkulieren, zudem einem Kapitalimport aus dem Ausland (vorwiegend Privatwirtschaft) entsprechen.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  66. @Klaus Kastner

    Sehr geehrter Herr Kastner

    Besten Dank für Ihren Kommentar.

    Sie schreiben:

    Zitat:

    „Herr Jordan hat bei der GV in einer für Schulanfänger verständlichen Sprache erklärt, warum die SNB in CHF nicht zahlungsunfähig werden kann.“

    Zitat Ende

    Sie stufen meine Aufnahmefähigkeit also tiefer ein als diejenige eines Schulanfängers.

    Danke.

    Sehen Sie Herr Kastner, es ist genau diese Ihre Arroganz, welche zeigt, dass Sie der Argumentation nicht gewachsen sind.

    Sie sind autoritätsgläubig – können und wollen es nicht wahrhaben, dass die Notenbank sehr wohl illiquide werden kann. Sie haben bisher autoritätsgläubig immer das „geglaubt“, was man Ihnen in Sachen Geldpolitik „vorgaukelte“ – ohne sich eine eigene Meinung zu bilden.

    Mit dieser Einstellung kommen Sie nicht weiter. Sie bleiben stehen, wo Sie sind. Wie unsere SNB leider auch.

    Eine Welt bricht für Sie offenbar zusammen.

    Natürlich – als österreichischer Pensionär in Griechenland sind Sie zudem froh, wenn die Schweizerische Nationalbank möglichst viel Kapital nach Europa und insbesondere nach Griechenland überweist – Ihnen ist ein Konkurs der SNB ja offensichtlich gleichgültig.

    Sie fordern von mir ein einfaches Beispiel, wie die SNB illiquide werden kann. Ich kann nur wiederholen: Sie haben meinen Text nicht gelesen. Ich habe genau aufgezeigt, wie beispielswiese Investoren aus Europa (z.B. Pensionskassen) über Schweizer Grossbanken Kapital bei der SNB parkieren und dieses dann auch wieder zurückfordern können.

    Hat die SNB in der Zwischenzeit Teile dieses Kapitals am Devisenmarkt verspielt, so ist die SNB illiquide – kann den Forderungen der Banken und indirekt der ausländischen Investoren nicht mehr nachkommen.

    Sie unterstellen mir, ich würde „abgedroschene Phrasen“ vortragen.

    Nein Herr Kastner – ich habe konkrete Beispiele aufgezeigt – Es sind im Gegenteil Sie und die Nationalbank und der Bundesrat, welche abgedroschene Phrasen vorbringen wie z.B. die SNB könne „nicht illiquide werden“ undsoweiter undsofort.

    Auch ihre Argumentation, die SNB könne mit negativem Eigenkapital operieren ist lächerlich. Sie plaudern nur der SNB und dem Bundesrat deren abgedroschene Phrasen nach. Auch hier zeigt sich, dass Sie meinen Text nicht gelesen haben.

    Ferner ist Ihr „Beweis“ falsch, dass die SNB bisher bereits diverse Male mit negativem Eigenkapital operiert habe. Sie sind sich offenbar nicht bewusst, dass die SNB in den vergangenen Jahrzehnten hohe stille Reserven auf ihren Goldbeständen innehatte.

    Ihr ganzer Kommentar ist eine polemische Litanei von abgedroschen Phrasen Herr Kastner.

    Einzig Ihr Schlusssatz ist richtig: Verluste der Nationalbank werden die Steuerzahler sehr viel kosten. Es ist wichtig, dass dies die Schweizer Bevölkerung endlich zur Kenntnis nimmt.

    Aber weder die SNB noch der Bundesrat haben auch nur einmal darauf hingewiesen, dass die Steuerzahler für die Verluste der SNB werden aufkommen müssen. Wüssten das die Schweizer Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, so würden sie den halsbrecherischen Mindestkurs anders beurteilen.

    Zudem steht Ihr Schlusssatz in vollkommenem Widerspruch zu Ihrem restlichen Kommentar.

    Wenn die SNB mit negativem Eigenkapital operieren könnte, wie Sie behaupten, weshalb muss dann der Steuerzahler für dieses negative Eigenkapital aufkommen? Die SNB könnte ja – gemäss Ihrer Behauptung – gar nie illiquide werden. Negatives Eigenkapital könnte demzufolge schon gar nicht entstehen; und wenn, dann könnte die SNB gemäss Ihrer Behauptung ja einfach Banknoten drucken oder weitere Kredite bei den Banken aufnehmen bzw. zusätzliche Mindestreserven einfordern, was dasselbe ist.

    Ihr ganzer Kommentar Herr Kastner ergibt nicht den geringsten Sinn – nur Phrasen und Polemik und ein riesiges Durcheinander von Widersprüchen.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

  67. @Meyer
    Anlässlich der SNB Generalversammlung hat Herr Jordan Ihnen die Einladung ausgesprochen, ein privates, klärendes Gespräch zu führen. Haben Sie diese Einladung angenommen? Ich fürchte nicht, denn sonst würden Sie erkennen, dass das von Ihnen zitierte Statement des Bundesrates 150%-ig richtig ist.

    • Sehr geehrter Herr Kastner

      Ja ich war an der Einladung.

      Nein, das Statement des Bundesrates ist 100 Prozent falsch.

      Es ist so falsch wie einen Kreis als viereckig zu bezeichnen.

      Bitte lesen Sie meinen Text.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • @Meyer
      Ich habe natürlich Ihren Text gelesen und wir können gerne unser unendliches Hin- und Her fortsetzen, wird aber nicht viel bringen, weil Sie einfach folgendes nicht wahrhaben können:

      1) „Liquide‘ ist als „zahlungsfähig in CHF“ zu verstehen. Herr Jordan hat bei der GV in einer für Schulanfänger verständlichen Sprache erklärt, warum die SNB in CHF nicht zahlungsunfähig werden kann. Ich habe Sie wiederholt gebeten, mir ein Beispiel zu geben, wie die SNB in CHF zahlungsunfähig werden könnte. Nicht abgedroschene Phrasen, sondern nur ein ganz einfaches Beispiel. Bisher haben Sie kein Beispiel gegeben. Zahlungsunfähig wird die SNB, wenn ein Dritter von ihr CHF einfordert und die SNB diese CHF nicht liefern kann. Ein solcher Vorfall ist finanztechnisch nicht darstellbar.

      2) Natürlich kann die SNB vorübergehend mit negativem Eigenkapital arbeiten. Sie hat es in der Vergangenheit mehrmals getan. Dieser Präzendenzfall unterstreicht die These, dass die SNB bei negativem Eigenkapital NICHT Konkurs anmelden muss. Auf Dauer würde das wohl nicht funktionieren, weil ein andauerndes negatives Eigenkapital wahrscheinlich Druck seitens der Märkte hervorrufen würde. Rein technisch braucht die SNB kein Eigenkapital, um voll funktionsfähig zu bleiben.

      Das sind die beiden Kernpunkte, die Ihnen wohl niemand, nicht einmal Herr Jordan in einem persönlichen Gespräch, erfolgreich erklären kann.

      Vollkommen getrennt von obiger Betrachtung ist die Frage, ob die SNB mit ihrer Kursstützungpolitik ein Risiko für die Schweizer Volskwirtschaft fährt. Darauf kann es nur eine Antwort geben – selbstverständlich! Wenn eine Notenbank eine ‚long position“ in Fremdwährungen gegen die Landeswährung unterhält – und zwar i.H.v. bald einem Jahres-GDP – dann können im Erstfall daraus enorme Verluste für die Volkswirtschaft entstehen. Darüber kann es doch wohl keine ernsthafte Diskussion geben. Sollte dieses Risiko einmal schlagend werden, dann würde es die Schweizer Steuerzahler einmal sehr viel kosten. Aber die SNB würde dabei nicht in Konkurs gehen. Im Gegenteil, gerade weil die SNB nicht in Konkurs gehen kann, würde es die Schweizer Steuerzahler sehr viel kosten.

  68. Wenn die Schulden der SNB durch Höherbewertung des Frankens nicht mehr gedeckt sind, neigt der Franken zur Schäche und die Aktiven der SNB werden werthaltiger, was die Fähigkeit der SNB zur Bedienung der Schulden wieder erhöht. Das System stabilisiert sich. Warum stimmt das eventuell nicht?

    • Sehr geehrter Herr Senn

      Bitte lassen Sie mich erklären:

      Sie begehen einen Überlegungsfehler, dem man in der Wirtschaftswissenschaft hie und da begegnet: Sie missachten die ceteris paribus Annahme. Sie leiten von einem steigenden Frankenkurs einen fallenden Frankenkurs ab, obwohl kein anderer Faktor sich verändert hat. Das ist nicht korrekt.

      Um dies besser erklären zu können gebe ich Ihnen ein Beispiel. Hie und da wird behauptet:

      Wenn die Nachfrage nach Tomaten steigt, so steigt der Preis der Tomaten. Wenn nun der Preis der Tomaten steigt, so werden weniger Tomaten nachgefragt. Die Folge ist, dass die Tomatenpreise wieder fallen. Die Konklusion aus dieser Argumentation wäre, dass die Tomatenpreise sich langfristig nicht verändern. Dann wird noch mit den „rationalen Erwartungen“ argumentiert. Resultat: Die Preise der Tomaten verändern sich gar nicht – auch kurzfristig nicht.

      Wäre diese Argumentation richtig, so könnten sich sämtliche Preise gar nicht ändern – weder von Tomaten noch von Währungen. Das ist natürlich Unsinn.

      Wo liegt der Fehler?

      Wird die Nachfragekurve für Tomaten nach oben verschoben, so steigen die Tomatenpreise. Da aber kein anderer Faktor sich verändert (ceteris paribus Annahme) kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Tomatenpreise wieder fallen (weder eine Verschiebung der Nachfragekurve noch Angebotskurve nach unten).

      Wenn also die Nachfrage nach Schweizergütern steigt, so steigt auch die Nachfrage nach Schweizerfranken, um die Schweizergüter bezahlen zu können. Das ist ein nachhaltiger Anstieg. Ihre Annahme, dass der Frankenkurs fällt, weil dieser zuvor gestiegen ist, ist nicht korrekt.

      Ich hoffe, ich konnte das genügend einleuchtend erklären.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  69. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    Ihren hochinteressanten Ausführungen in allen Ehren möchte ich die folgende Gegendarstelung den Leserinnen und Leser unterbreiten:

    Der Banken- und Staatsapparat ist so aufgebaut, dass die Zentralbanken, die ihre Gewinne theoretisch in den Staatshaushalt abführen würden, kaum Gewinne machen. Sie verleihen das von ihnen hergestellte Kreditgeld zu minimalen Zinsen an private Geschäftsbanken, die es dann zu wesentlich höheren Zinsen an Staaten weiterverleihen. Die betreffenden Beträge können dabei noch zusätzlich gehebelt werden auf Basis des Mindestreservesatzes, der in der Schweiz seit bei 2.5% liegt.

    So generieren die Geschäftsbanken als „Zwischenhändler“ und „Multiplier“ sichere Gewinne auf Kosten der Steuerzahler. Diese Leistungsträger der Gesellschaft sorgen dann durch ihren Zinsdienst nicht nur dafür, dass die Gewinne der Banken erwirtschaftet werden, sondern tragen hierbei sogar noch selbst das Risiko! Falls es einmal irgendwo klemmt, kann man die Steuerzahler mit Hilfe der Staatsgewalt (bei der sie auch noch selbst die Arbeit verrichten) dazu zwingen, jedes beliebige Rettungspaket zu finanzieren. Als zusätzliches Faustpfand dienen dabei ihre Sparvermögen, die sie sich selbst durch ihre eigenen Steuerzahlungen garantieren müssen. All das ermöglicht den Initiatoren dieses Systems ein gigantisches bedingungsloses Grundeinkommen, weshalb es leider keines für alle Anderen gibt.

    Nun wäre es in einer tatsächlichen Volksherrschaft ein Leichtes, ein eigenes Geldsystem des Volkes zu errichten, anstatt immer mehr Rettungsmilliarden aufzubringen, die mathematisch hochrechenbar niemals genügen und jedes Mal größer werden müssen. Eine öffentliche Zentralbank mit Geldschöpfungsmonopol könnte die Staaten direkt finanzieren, was in einem System des fließenden Geldes sogar ohne Inflation möglich ist.

    So würde es wohl am ehesten dem Willen des Volkes entsprechen. Aber wird jemals eine Mehrheit diese komplexen Zusammenhänge verstehen, angesichts der medialen Berieselung, durch die sich das Volk (gesteuert vom Kapital) permanent selbst in die Irre führt?

    Da sich im Kapitalismus das Kapital systembedingt immer stärker bei den Wenigen konzentriert, die auf Basis von Zins und Zinseszins immer mehr dazubekommen, konzentriert sich dort auch immer mehr Macht, die über Geld, Medien und Politiker ausgeübt wird.
    Grüsse
    Der Praktiker

    • @Der Praktiker

      Gerne möchte ich Sie daran erinnern, dass die SNB den inländischen privaten Geschäftsbanken gar keine Kredite („Kreditgeld“) gewährt. Ein Blick auf die Bilanz der SNB wird das bestätigen.

      http://www.snb.ch/ext/stats/balsnb/pdf/defr/A1_Ausweise_der_SNB.pdf

      Die SNB und die Initianten der Vollgeld-Initiative begehen leider den Fehler, dass sie Notenbankgeld als Aktivkredit der SNB interpretieren.

      Das ist ein schwerwiegender Fehler.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer