Wie Alex Friedman Top GAM zerstörte

Amerikaner-CEO trieb gute Schweizer in Flucht – Tätigte Fehl-Einkauf, suchte Sündenbock – Auflösung, Übernahme?

Alexander S. Friedman heisst der GAM-Chef mit vollem Namen. Die meisten nennen den Amerikaner nur Alex. Alex der Zerstörer.

Darum geht es in der Grosskrise des bekannten Assetmanagers. Dessen Aktienkurs erholte sich gestern um über 5 Prozent. Zuvor war der Titel im freien Fall gewesen.

Schuld ist nur einer. Friedman. Der Manager hatte vor Wochenfrist einen Kollegen aus seinem Team öffentlich gebrandmarkt.

Nun zeigt sich, dass dahinter möglicherweise fast nichts steckt. Tim Haywood mag ein paar Richtlinien missachtet haben. Mehr war da offenbar nicht.

Eine interne Abstrafung und Bonus-Kürzung hätten es getan. Doch Friedman inszenierte die grosse Aufräum-Show. Er orchestrierte eine mediale Hinrichtung von Haywood.

Mit dem Resultat, dass die GAM erst recht in Schieflage geriet. Laut einem Insider haben viele Fondsanalysten die GAM-Fonds unter Beobachtung gesetzt.

Eine Abwärtsspirale droht. Friedman musste letzten Donnerstag, 2. August, notfallmässig mehrere Fonds temporär schliessen, nachdem ein Massenexodus von Kunden drohte.

Das Ausmass der Kundenflucht zeigte sich kurzzeitig am frühen Morgen des 2 August. Im Flaggschiff-Fonds der Absolute Return Bonds, die vom gebrandmarkten Haywood geleitet wurden, meldete Bloomberg zunächst ein Volumen von noch 900 Millionen Euro.

Das entsprach einem Abfluss von 1,1 Milliarden Euro – an einem einzigen Tag. Um 9 Uhr am Donnerstagmorgen von letzter Woche wies das Finanzportal den Bestand dann wieder mit 2 Milliarden Euro aus.

Die Turbulenzen der letzten Tage werfen ein Schlaglicht auf Friedman, seine Management-Methoden und die Zukunft der GAM. Dieser drohe ein schleichendes Aus oder eine Übernahme, sagt eine Auskunftsperson.

Im Zentrum steht die Frage, wie es möglich war, dass Friedman eine stolze Marke wie jene der GAM in weniger als 4 Jahren nachhaltig beschädigen konnte.

Laut dem Insider zeige der Fall von GAM exemplarisch, wie von den Medien hochgelobte Angelsachsen-Spitzenmanager in der Finanzindustrie ein Unternehmen herunterwirtschaften könnten.

Friedman begann mit der Zerlegung der GAM bereits nach wenigen Monaten seiner Amtszeit. Er entmachtete vor allem Schweizer Kaderleute aus der alten Swiss & Global in Zürich und verlegte das Kommando nach London.

Gute Swiss & Global-Leute verliessen darauf die GAM. Bei diesem Teil handelte es sich um die früheren Julius Bär-Fonds. Zusammen mit GAM, die ebenfalls der Zürcher Privatbank gehörte, landeten die Bär-Fonds Ende 2009 beim Assetmanager, der damals an der Börse kotiert wurde.

Die Swiss & Global-Fonds waren beliebt bei den Kunden, darunter viele Schweizer Pensionskassen. Ihre Manager mussten sich aber immer mehr dem Diktat der GAM-Spitze unter angelsächsischer Führung beugen.

Entscheidende Weichenstellung für den weiteren Verlauf der Geschichte war der Abgang von Stefan Angele Anfang 2013; also anderthalb Jahre, bevor Alex Friedman das Steuer übernehmen sollte.

Ohne Swiss & Global-Anlagechef Angele waren die Schweizer den Amerikanern und Engländern ganz oben in der GAM definitiv ausgeliefert.

Ein paar anerkannte Schweizer Manager wie Martin Jufer blieben zwar an Bord. Doch sie mussten sich mehr und mehr unterordnen, wurden zu Ausführenden.

Das wollte schon David Solo so, der Chef der GAM bis 2014. Das wollte sodann noch viel stärker Alex Friedman, Solos Nachfolger und Terminator der GAM-Machtbasis in Zürich.

Lange hätten die erfolgreichen Fondsmanager aus UK und den USA, darunter Tim Haywood, die Bedeutung der Schweizer Supportleute in Zürich gekannt und geschätzt, meint die Quelle. „Haywood wusste, dass er ohne die Unterstützung der Schweizer GAM-Leute niemals so weit gekommen wäre.“

Haywoods Absolute Return Bond-Fonds liefen wie frische Brötchen. Andere bekannte GAM-Fondsmanager wie Paul McNamara oder Adrian Owens hätten ihre eigenen Wege innerhalb GAM verfolgt. Auch sie mit Erfolg.

Nun droht eine Abgangswelle. „Ob diese Spitzen-Investmentleute sich das Chaos bei GAM noch lange antun werden, ist fraglich“, sagt jedenfalls der Insider.

Das wahre Problem der GAM ist Friedmans Plan, mittels Zukäufen den Assetmanager weiter nach vorn zu bringen. Eine dieser Akquisitionen, jene der Cantab, hat sich als riesiges Kostengrab entpuppt.

Die für den Kauf zuständigen Manager sind immer noch an Bord. Umgekehrt hat Friedman nun einen der bekanntesten Fondsmanager öffentlich an den Pranger gestellt.

Als Sündenbock. Als Bauernopfer. Um vom eigenen Versagen abzulenken.

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20 Kommentare zu “Wie Alex Friedman Top GAM zerstörte

  1. Ich wurde die Schuld nicht am Pass, sondern eher an der Religionszugehorigkeit von Solo, Friedmann und Konsorten festmachen

  2. Wie sagt man doch in der Psychologie zu solchen Menschen? Narzisstische Persönlichkeiten oder mehr.
    Also Alex…. Go back to America!!!!!

  3. Friedmann ist bloss einer davon in einer Kultur von Opportunisten, deshalb: Yank ALL Yanks out of the ranks BEFORE your outfit tanks.

  4. Mitschuldig an dieser Katastrophe ist auch der Verwaltungsrat. Er hat Alex zu dem gemacht was er heute ist (CEO), er hat seine überrissenen Kompensationen abgesegnet und er hat seinem Tun tatenlos zugeschaut.

    Der VR hat inzwischen sicher gemerkt dass Alex Friedman nichts taugt. Es stellt sich aber die Frage ob kompetente Personen überhaupt noch Bock auf den Job des CEO der GAM haben.

    Wünsche dem VR viel Erfolg bei der Suche nach einem neuen CEO.

  5. Super Strategie der Amis geht auf: Ein weiteres CH-Finanzvehikel wird nach 4 Jahren Misswirtschaft durch einen US Manager bald liquidiert und die Assets sind schon längst im grossen Amerika verschwunden – den Schaden haben viele Kleinanleger und Bürger in der Schweiz!

    Wie blöd sind wir eigentlich, dass wir immer noch amerikanische Vollidioten in unserer Wirtschaft zulassen – und diesen noch Geld nachwerfen?

    • @ CH Oekonom
      sehr gut kommentiert!

      Habe auf meinen GAM Aktien 50% verloren…
      Gibt es Hoffnung auf eine Kurserholung?
      oder wird GAM tatsächlich bald liquidiert?

  6. Noch ne Frage: Welcher Headhunter-Schrotthändler hat diesen Friedmann portiert und sich für diese Glanzleistung die Nase oder den Johannes vergoldet?

  7. Der Rauswurf von Haywood scheint eine arg persönliche Note zu haben. Jeder vielbeschäftigte Mitarbeiter hat ein paar kleine Leichen im Keller. Die bleiben normalerweise auch dort, ausser ein Alphatierchen will ein anderes abschiessen.

  8. Alex Friedman ist ein Blender und ein Schaumschläger der nur auf sein eigenes Wohl und seine eigene Karriere bedacht ist. Er hoffe dass der CEO Job bei GAM ihm als Sprungbrett für eine Manager Karriere in einer Top Firma der USA dienen würde und er gleichzeitig auch noch etwas Kohle scheffeln könnte. Der Plan scheint jetzt Schiffbruch erlitten zu haben, sowohl finanziell wie auch karrieremässig. Ist auch gut so, denn ihm fehlen die Qualitäten eine Firma nur schon in der Grössenordnung von GAM zu führen. Er kann zwar gut auftreten und reden, hat aber keinen Tiefgang weil er sich nicht dem Detail widmet. Viel lieber delegiert er, nur um kurze Zeit später festzustellen, dass die beauftragte Person ja fachlich gar nicht befähigt war.

    Viele gute ex GAM Manager haben den Braten gerochen und haben GAM wegen Alex verlassen. Ersetzt wurden sie durch B und C Players, welche zwar nicht mit Kompetenz glänzen dafür aber Alex immer schön unterstützen auch wenn er auf Abwegen ist – zB bei seinen überteuerten Akquisitionen. Denn eines fürchtet Alex wie der Teufel das Weihwasser und das ist Kritik an seiner Person.

    Somit hat LH mit diesem Artikel wohl einen wunden Nerv bei Alex getroffen. Gratuliere !

  9. Kommt im Finanzbereich immer wieder vor.

    Man übernimmt eine Firma und vergrault dann die alten Leute und natürlich damit auch die Kunden.

    Zum Beispiel hatte ein großer londoner Finanzriese vor Jahrzehnten eine Firma in Zürich übernommen.

    – Humankapital weg: Nachdem alles unter Fach und Dach war waren kurze Zeit später die Leute alle weg, das sogenannte Humankapital.

    – Kunden weg: Und wenn man dann bedenkt, daß an diesem Humankapital nicht nur das Humankapital selbst hängt (Kompetenzen, Fachwissen, Kenntnisse der lokalen Verhältnisse usw. usf.) sondern oft auch die Kundenbeziehungen, ist die Frage, ob dann solche eine Übernahme das gebracht hat, was man wollte als man den Preis bezahlte.

    Oftmals vertreibt das Gebaren / Verhalten neuer Eigentümer bzw. ihrer Adlaten, die eingesetzt wurden, die alten Leute und damit die Kompetenz vor Ort und auch die Kunden schlußendlich.

    Denn auch die spüren das Ganze. Spätestens wenn sie merken, daß der von ihnen über Jahre geschätzte Betreuer, der bisher zuständig war, plötzlich weg-ist.

    • Meines Erachtens ist dies eine Strategie, mit der man in voller Absicht die Wirtschaft von Länder zerstört. Ausschlaggebend für diesen dringenden Verdacht ist, dass bei solchen Fällen oft US-CEOs, oder zumindest ausländische CEOs am Werk sind. Die CEOs werden beraten von von US-Firmen und von US-Schulbüchern angeführte Unis, die den heutigen CEOs aus aller Welt diesen Blödsinn einbläuen und damit mehrstellige Billionenschäden jährlich global an der Wirtschaft anrichten.

      Das Outsourcing war auch so ein genialer Schachzug, um die Industrie gezielt zu zerschlagen und hauptsächlich nach Asien abwandern zu lassen. Der Idiot der diese Idee ausdachte, wird bestimmt von der Elite als Held gefeiert.

      Angefangen hat es m.E. mit der völlig sinnlosen ISO 9001 Zertifizierung, die nichts brachte, außer die Abläufe zu komplizieren, alles zu verteuern und Umstrukturierungen in die Wege zu leiten. Nach den Umstrukturierungen hätte man die Firmen praktisch alle auflösen können, weil danach die Stimmung tief im Keller war, keiner hatte mehr den Durchblick und es kamen Schwätzer, Blender und Buchhalter an die Macht, die nicht an die Macht gehören.
      Man hat vergessen, dass die Schweizer Wirtschaft von Machern groß gemacht wurde und nicht von Buchhaltern, die nur auf irgendwelche Quartalszahlen schauen, die niemand was nützen.
      Die Zahlen stimmten zwar für kurze Zeit, aber das war’s dann auch schon, der negative Langzeittrend bestätigt dies.

      Nehmen wir einmal der Franken in Relation zu echten Gold, so sieht man, dass seit 1971 (Aufhebung Goldstandard auf Dollar) der Franken über 74% Kaufkraft einbüßte, während die Kaufkraft von Gold seit 100 Jahren sehr stabil blieb. Anders gesagt, hätte man 1971 100.000 Dollar in Gold investiert, hätte man heute im Wert von 7.4 Millionen einkaufen können. Wenn man das Gold direkt in die Währung umtauscht, dann funktioniert es natürlich nicht, man muss Gold in Waren umtauschen.

      Das seit Jahren schwache Wirtschaftswachstum der Schweiz ist das Resultat dieser falschen und wirtschaftsfeindlichen Strategien. Wobei natürlich auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen.

  10. Tja: halbe – Wahrheit, sind keine Wahrheit….
    GAM, die vor 20 Jahre eine der bedeutesten AM in Europa war, war von Gründern an SBG verkauft noch vor Fusion Die gute Traditionsbank der CH wüssten nicht was damit anfangen….und somit haben sie nach der Fusion wieder Verkauft….dann wieder verkauft … und Jetzt ist wieder selbständig, aber „Ohne Kraft“ und schuld darüber ist sicher nicht AF allein: die vorherige „Manager“ haben getan, damit die Firma schlecht ging, da sie gar nicht verstanden haben um was es geht eigentlich…selber zu den 300 reichsten der CH gemacht und dann wieder gegangegn wörden… Jetzt bleibt nur zu aufräumen, aber eben Schuld oder besser Verantwortlich waren anderen auch….

    • Hey, frag Dich doch bitte ernsthaft, warum sich der Aktienkurs – notabene in einem sehr wohlgefälligen Umfeld – in den letzten drei Jahren halbiert hat!!! Soviele Tomaten auf den Augen gibt es gar nicht.

    • @WeRemember
      Halbe Wahrheit ist keine Wahrheit trifft auch auf deinen Kommentar zu. Der Chaoten Laden GAM lies sich nirgends integrieren und ist am Ende in der JB Gruppe hängen geblieben.
      Man versuchte Synergyen, wo keine waren, zwischen Swiss & Global und GAM zu nutzen. Jetzt hat das sagen umwobene Options-Programm des Top Managements die Firma abgefrackt.

  11. Ah Luki, wieder schlecht geschlafen??

    1. Der Artikel liefert nichts neues -> NZZ hat bereits am Wochenende über diese Thema berichtet.
    2. Wieder (täglich grüsst das Murmeltier) Ihr kleinkarierter, schlecht kaschierter Nationalismus…. Als ob schweizer Manager den Laden besser geführt hätten oder zukünftig würden…..
    3. GAM wurde von einem Ausländer gegründet und ist eine internationale Firma (warum sollten da nur Schweizer arbeiten?): https://en.wikipedia.org/wiki/Gilbert_de_Botton

  12. Das war erst die Ouvertüre des ankommenden GAM-Untergangs, glauben Bär-Insider zu wissen.

    Der Fremdkörper Friedman stosst alles in den Abgrund was ihm in die Quere kommt. Seine unbeschreibliche Gier bildet die einzige Signatur am GAM – Himmel, wo die Hölle gerade an Ankommen ist,