Der neue „Vincenz“: Markus Hongler, Bern

Chef Mobiliar gelingt Coup: Seine Berner Versicherungs-Gruppe wird Exklusiv-Partnerin der Raiffeisen. Hongler, Filz, Macht.

Markus Hongler ist am Ziel. Mit Hilfe von Guy Lachappelle, seinem Verbündeten zuoberst in der Raiffeisen, hat der CEO der Berner Mobiliar Versicherung einen fetten Fisch an Land gezogen.

Honglers Mobiliar wird zur Exklusiv-Versicherungs-Partnerin der dritten Kraft im Bankenland. Mobiliar-Raiffeisen: Die neue Achse soll die klare Nummer eins im Schweizer Finanzmarkt werden.

Und Hongler wäre ihr König. Geplant ist eine neue 50:50-Tochter, die eine Plattform rund ums Wohnen schafft: von Kaufen über Finanzieren bis Versichern.

Damit schafft der Mobiliar-Chef auf Umwegen, was ihm vor zwei Jahren, im Direktanlauf, verwehrt geblieben war.

King Mobi: Hongler (Youtube)

Damals soll sich laut Quellen der Mobiliar-Chef für den Job als Präsident der Raiffeisen Schweiz ins Spiel gebracht haben.

Die Mobiliar dementiert das, der CEO habe das Mandat nie angestrebt, es habe keine Gespräche gegeben.

So oder so: Die Verwaltungsräte der im Vincenz-Taumel schlingernden Raiffeisen entschieden sich 2018 für einen Anderen. Lachappelle.

Dieser sollte sich für Hongler, einen Luzerner, der in Bern viele Strippen zieht, als Glücksfall entpuppen.

Der Mobiliar-Chef und der neue Raiffeisen-Kapitän sorgten mit einer eigentümlichen Ausschreibung dafür, das die Langzeit-Partnerin Helvetia vorzeitig von Bord geschmissen wurde.

Nun muss die Raiffeisen der Helvetia eine hohe Abfindung zahlen. Sie galt als Erbe von Pierin Vincenz.

Who cares, sagen sich Lachappelle und Hongler. Letzter ist der grosse Gewinner. Er hat schon einen Viertel an Ringier gekauft.

Die Online-Töchter des Medienhauses seien interessant für die Mobiliar, so Hongler. Nebenbei hat er die Boulevardpresse im Sack.

Was Ringier fürs Online und den Ruf ist Kellerhals Carrard für den forschen Ritt mit Zukäufen. Dort spielt der Chef die entscheidende Rolle.

Es handelt sich um Beat Brechbühl, Ex-Gemeinderat der Freisinnigen, heute Trouble Shooter Nr. 1 der verschlungenen Verwaltung in der Bundes-Hauptstadt.

Lachen mit Doris (IP)

Brechbühl sitzt im Verwaltungsrat von Honglers Mobiliar. Hongler weiss mit Brechbühl einen umtriebigen, vernetzten Berner Anwalt in seinen Diensten.

Der kann viele Türen öffnen. Wie einflussreich Brechbühl und dessen Kellerhals Carrard ist, zeigte die Aufräumaktion bei der Post.

Das Kellerhals-Gutachten schuf Post-Präsident Urs Schwaller, CVP, die Möglichkeit, nicht selbst in den Strudel um 200’000 Falsch-Buchungen bei Tochter Postauto zu geraten.

Sämtliche Schuld landete beim operativen Management der Post – Kellerhals-Untersuchung sei Dank.

Brechbühls Fäden reichen weit. So ist der Anwalt Präsident des SC Bern, des lokalen Hockeyclubs. In der Polit-Hochburg ist der SCB der zentrale Ort für Geschäfte.

Schliesslich präsidiert Brechbühl auch den Flughafen Bern. Der stolpert unter Führung des Kellerhals-Partners von Krise zu Krise.

Dem Einfluss Brechbühls tut das keinen Abbruch. Er und sein Auftraggeber und enger Vertrauter Hongler bei der Mobiliar sind mächtiger denn je.

Was Pierin Vincenz einst versuchte, nämlich mit einem grossen Schulterschluss von Bank und Assekuranz den Paradeplatz im Inland rechts zu überholen, versucht nun Mobiliar-CEO Hongler.

Dem Innerschweizer mit Sitz im scheinbar behäbigen Bern soll gelingen, was dem Bündner wegen dessen persönlicher Gier verwehrt blieb: die Schaffung einer uneinnehmbaren Finanz-Trutzburg.

Kommentare

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  1. gleich noch die immens teure Übernahme von Bexio, die Beteiligung an scout, dann Ringier und das Startup in Irlanf unter die Lupe nehmen. Mobiliar wird so zum weiteren Genossenschafts-Mischkonzern, mit ungeahntem Ausgang. Kohorten von agilen Mitarbeitern können dann versuchen Synergien zu finden….

    Langer Rede kurzer Sinn zuviel Geld, das den Genossenschaftern gehört…

  2. Ja, die Fürsten, welche sich ein Denkmal setzen möchten vor dem grossen Sesselrücken. Ich muss sagen, dass mich das ganze Verhalten und der Auftritt der Mobiliar eher enttäuscht und auf mich persönlich sehr blass wirkt.
    Viele Mitarbeiter haben auf einen frischen Wind gehofft mit dem CEO-Abgang, welcher nun zum VR-Präsident wird.
    Es fehlen die echten Visionen so oft, wie in anderen Unternehmungen, welche mit bekannten Herausforderungen zu kämpfen haben und sich verlieren. Zugleich fühlen sich die „Mobiliärler“ als die Besten und Grössten der Neuzeit, ohne grosse Ahnung zu haben, wo der Schuh wirklich drückt.
    Es ist kein Mut da zur Lücke, so werden schlappe Wachstumsmodelle der 90er adaptiert, worin Risiken in die Bücher der Firma und derer der Kunden (bsp. mit Preiserhöhungen vs. Konkurrenz) aufgebaut werden. Einzelne GL-Mitglieder und Seniors glänzen durch ihre Abwesenheit und propagieren Partizipation und Kollaboration – ohne Kontext und Anliegen ihrer Mitarbeiter zu verstehen. Sie „entkopeln“ sich der vielbeschriebenen Realität und schaffen sich ihre eigene Welt. Wunderbare neue Realitäten, Parallelwelten und erhöhten die Preise für Kunden und glauben an Wachstum und Prosperität. In vielen Themen hinkt die Mobiliar hinterher und verliert an Glaubwürdigkeit und Identität. Ein schleichender Prozess des Abstiegs durch wenig Mut und wenig Verantwortung für die Zukunft der jungen Mobiliärler und der Kunden.

  3. Vielen Dank Herr Hässig, welche Presse würde uns sonst über den Schweizer-Filz informieren? Übrigens: beim PostAutoAG-Bschiss wissen wir nach über zwei Jahren noch immer nicht wer dieses „Geschäft“ eingefädelt, durchgeführt und dafür verantwortlich ist.

  4. zum zweiten mal versucht es die mobiliar – zuerst im 2003 die finanzberatung mit grosser klang angekündigt umgesetzt / etwa 4 beratungszentren aufgebaut. nach einem jahr wieder ade….alles wieder geschlossen und back zum versicherungsgeschäft. hat man daraus was gelernt ? – die euphorie wird vorbeigehen wenn der versicherungsberater im dorf dem bankberater im dorf das geschäft wegschnappt.
    oder die geschichte mit der schweizerischen post – auch dort grosse klänge wenig inhalt.
    wie wäre es wenn die versicherung versicherungsprodukte verkauft und die bank bankprodukte verkauft – allenfalls glaubwürdiger.

  5. Das Allfinanzgeschäft ein Relikt aus dem 20. JH. neu aufleben? Völliger Blödsinn!
    Die Geldschöpfung ist das eine, die Absicherung das andere! Der Kunde will keine Klumpfüsse, er will dynamisch entscheiden können!

    Die vorzeitige Umlage auf Mobiliar macht schlicht und einfach keinen Sinn. Allfinanz beenden, noch ein Jahr warten und die Messe wäre korrekt gesungen!
    Kick back?

  6. Mehr Umsatz gleich grössere Boni, das ist der einzige Nutzen dieser sinnentleerten Aktion.
    Die Aktionäre können im Nachgang die Sauerei aufwischen.

    • Lieber Todd, sowohl Raiffeisen als auch die Mobiliar sind Genossenschaften. Wenn sie schon „sinnentleerte“ Kommentare schreiben, sollten Sie wenigstens die Rechtsform Ihrer Opfer richtig benennen können.

  7. Gähn. Allfinanz ist ein totes Konzept aus den 90ern. Die Kunden wollen es nicht, sie wollen unabhängige Banken, Versicherungen, Vorsorge und auch unabhängige Immobilienmakler. Dass man z. B. die Hypothek flexibel wechseln kann ohne durch einen ganzen daranhängenden Rattenschwanz blockiert zu sein und auch damit möglichst keine Interessenkonflikte auftreten. Kann mir nicht vorstellen, dass das Zukunft hat. War ja schon mit Helvetia nicht der Brüller.

    • Äh pardon Immoheini, vielleicht hat man es Ihnen noch nicht gesagt: Bei all diesen Strategien ging es doch niemals um den Kunden, die waren nur Vorwand für die eigene Bonussteigerung…

    • @Immoheini: Du hast absolut Recht nur Wahnsinn, dass diese hochbezahlten Managerlis wie dieser LaChapelle dies nicht schnallen.
      Man(n) müsste nur das Buch Seite 5 aufschlagen (Kapitel Allfinanz Debakel 90-er Jahre) und schon wüsste man Bescheid.
      Ein kärglich bezahlter Sachbearbeiter der Bank würde dies in 5 Minuten erledigen:-)

    • @alle: OMG, wir wissen, dass die Geschichten sich manchmal wiederholen, aber bitte nicht diese!

    • Solche Publikationen braucht’s. Vetterliwirtschaft ist definitiv eine Schweizer Krankheit.

  8. Es stellt sich doch auch die Frage, weshalb Raiffeisen nicht noch ein Jahr warten konnte, bis sie den Partner ohne Kostenfolge wechselt. Lachapelle geht wieder sehr grosszügig mit dem Geld um, was ihm nicht persönlich gehört…

    • Banken schöpfen Geld, sie können das von ihnen geschöpfte Geld für die Kunden, nicht selbst verwenden!
      So viel sollte man im 21. JH. begriffen haben!

  9. Hongler who? Bevor man ihn in einem Atemzug mit Vincenz, dem Meister des Vertuschens und der persönlichen Bereicherung, nennt, soll dieser Hongler mal beweisen, was er für schräge Sachen drauf hat.

    Vorschusslorbeeren scheinen mir auf Grund der dünnen Faktenlage nicht angebracht.

  10. Die Kraken bekommen neue Arme,
    für manche läuten die Alarme :
    Gier und Macht treiben sie an,
    die „Berauschten“ sind im Wahn.

    Gleichsam einem Flicken-Teppich;
    es fühlt sich richtig schrecklich:
    formiert sich aus der Versicherung,
    eine Krake mit krankhaftem Hunger!

    Ein Netzwerk strotzend vor Obszönität;
    man kennt sich ja von der Universität:
    Sprungbrett für Beteiligungs-Mandate,
    immer schneller,gleichsam ein Kastrate!

    Ob diese Mobi, noch als „Dritte Kraft“,
    wohl die nächste Runde wirklich schafft?
    Fragen an den Ringier und an Eisen-Raiff:
    wenn diese Krake sich nur nicht vergreift!

    ORF

  11. Viel Glueck
    Nennen sie ein Beispiel einer Bank/Assurance die funktioniert.
    Die Grundgeschaefte sind ganz einfach zu verschieden

  12. Zum wievielten Mal wird hier etwas versucht, was so nie geklappt hat? Viel Aktivismus, Rechtfertigung für grosse IT Projekte und am Schluss wird man feststellen, dass die Partikularinteressen der zwei Mütter für ein erfolgreiches Joint-Venture unüberwindbar waren. Mit einer 50:50 Beteiligung stellt man auch gleich sicher, dass keine Seite den unternehmerischen Lead übernehmen kann oder muss.

    • Immer wieder die Torschlusspanik der sog. „Top“-Manager vor dem Abgang „etwas Gewaltiges/Sie-Überlebendes/Was-auch-immer“ in die Welt zu setzen. Geht in der Regel in die Hose und die Nachfolger müssen es ausbaden. – Im Buddhismus gibt es den Altersmönch, der sich gezielt aus dem aktiven Leben zurückzieht. Eine Prise Buddhismus täte dem doch sehr unentspannt wirkenden Hongler gut.