Das Persönlichkeitsprofil, das oft mit Spitzenpositionen korreliert, zeichnet sich durch eine Reihe von Eigenschaften aus, die im Wettbewerb enorme Vorteile bieten.
Visionäre Kraft: Die Fähigkeit, Möglichkeiten zu erkennen, wo andere Probleme sehen, und eine überzeugende Zukunftsvision zu entwerfen.
Diese Persönlichkeiten sind Meister der grossen Erzählung – für ihr Unternehmen und für sich selbst.
Eiserne Resilienz: Kritik und Niederlagen werden nicht nur ausgehalten, sondern oft als Treibstoff für noch grössere Anstrengungen genutzt.
Eine emotionale Panzerung erlaubt es, auch in Krisen einen kühlen Kopf zu bewahren und unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
Unbedingter Fokus: Unwesentliches wird ausgeblendet, um sich mit laserscharfer Präzision auf das Ziel zu konzentrieren.
Persönliche Bedürfnisse, soziale Verpflichtungen und Erschöpfung werden dem Erfolg untergeordnet.
Natürliches Dominanzstreben: Diese Menschen betreten einen Raum und nehmen ihn ein. Ihre Präsenz, ihr Selbstbewusstsein und ihre rhetorische Gewandtheit sichern ihnen oft die Führungsrolle.
Wer diese Eigenschaften in sich vereint, besitzt beste Voraussetzungen für eine steile Karriere.
In einer Welt, die auf Kennzahlen und Wettbewerbsvorteilen fusst, ist diese Mentalität hochfunktional.
Doch sie hat eine Kehrseite.
Der unaufhörliche Drang, der Beste zu sein, zu glänzen und niemals Schwäche zu zeigen, fordert einen Tribut.
Dieser wird oft erst bemerkt, wenn der Schaden bereits eingetreten ist – gesundheitlich, sozial und psychisch.
Der körperliche Verschleiss: Der innere Antriebsmotor läuft permanent im Hochleistungsmodus, ohne in den Leerlauf zu schalten.
Der menschliche Organismus reagiert auf diesen chronischen Alarmzustand mit dauerhaft erhöhten Cortisolspiegeln, Schlafstörungen und Bluthochdruck.
Dies sind bekannte medizinische Fakten. Der Herzinfarkt eines Managers Anfang 50 ist kein Einzelfall, sondern ein statistisches Muster.
Die Konsequenz jahrelanger Selbstausbeutung, bei der der Geist den Körper zwingt, seine Grenzen zu ignorieren, bis dieser mit einem Systemabsturz reagiert.
Die soziale Verödung: Der unbedingte Fokus auf die eigene Performance kann zu einer Art Tunnelblick führen, der für die Bedürfnisse von Kollegen, Mitarbeitern und nahestehenden Personen blind macht.
Beziehungen werden zunehmend transaktional. Das Paradox des Erfolgs ist oft die Einsamkeit an der Spitze.
Man ist umgeben von Bewunderern, aber der Mensch hinter der Fassade fühlt sich nicht gesehen und verkümmert.
Der Thron, für den alles geopfert wurde, entpuppt sich als kalter, isolierter Ort.
Die psychische Fragilität: Die grösste Ironie liegt in der Psyche. Das nach aussen getragene, unerschütterliche Selbstbewusstsein ist oft keine stabile, aus sich selbst heraus ruhende Kraft.
Es ist ein fragiles Konstrukt, das permanent von externer Bestätigung abhängig ist – wie ein Süchtiger von der nächsten Dosis.
Bleibt die Zufuhr von Lob und Erfolgsmeldungen aus, durch einen geplatzten Deal, öffentliche Kritik oder eine berufliche Zurücksetzung, droht der innere Kollaps.
Eine solche Kränkung wird nicht als einfache Enttäuschung erlebt, sondern als existenzielle Bedrohung, als Angriff auf den gesamten Selbstwert.
Der Panzer, der nach aussen unzerstörbar wirkt, ist nach innen hauchdünn.
Ein in der Wirtschaftswelt bekanntes Beispiel verdeutlicht diese innere Bruchstelle: der Suizid eines deutschen Familienunternehmers vor einigen Jahren.
Nach einer fatalen Spekulation stand der Patriarch, ein Symbol für unternehmerische Solidität, vor dem Verlust seines Lebenswerks.
Der Auslöser für seine Entscheidung war wahrscheinlich weniger der finanzielle Verlust – erhebliche Werte blieben erhalten –, sondern der Zusammenbruch seiner Identität.
Sein Selbstbild als unfehlbarer, kontrollierender Patriarch zerbarst. Die öffentliche Demütigung, der Kontrollverlust und die Scham wogen schwerer als jeder materielle Schaden.
Aus kognitiver Perspektive liegt hier die eigentliche Tragödie.
Der finanzielle Ruin wäre reparabel gewesen. Der gefühlte Tod des Selbstbildes hingegen schien endgültig und unerträglich.
Dieses Beispiel zeigt: Nicht der objektive Verlust an sich ist zerstörerisch, sondern die subjektive Überzeugung, dass mit dem Verlust von Status und Ansehen auch der eigene Wert als Mensch vernichtet ist.
Es ist die fatale Gleichung „Mein Erfolg = Mein Wert“.
Woher kommt dieser unstillbare Hunger nach Erfolg?
Die moderne Psychologie liefert hierzu nachvollziehbare Erklärungsmodelle. Oft liegt der Ursprung in der frühen Erfahrung, nicht um seiner selbst willen anerkannt worden zu sein.
Viele der erfolgreichsten Menschen lernten früh, dass Anerkennung und Zuneigung an Leistung geknüpft sind.
Das Kind entwickelte daraus eine brillante Überlebensstrategie. „Wenn ich der Beste bin, gewinne und bewundert werde, erhalte ich die Aufmerksamkeit, die ich brauche. Dann bin ich sicher und wertvoll.“
Diese Strategie förderte Stärke und Ehrgeiz. Im Erwachsenenalter wird dieses alte Programm jedoch zur Belastung.
Das endlose Jagen nach externer Bestätigung – dem nächsten Bonus, dem nächsten Titel – dient dem Versuch, eine innere Leere zu füllen, die durch äussere Erfolge niemals dauerhaft gefüllt werden kann:
Das Gefühl eines soliden, unverrückbaren Eigenwerts.
Dieses Streben ist im Kern kein Ausdruck von Arroganz, sondern der Versuch, eine alte Verletzung zu kompensieren.
Jeder Triumph ist nur eine kurze Linderung. Das macht verletzlich. Wenn die externe Bestätigung wegbricht, bricht eine Welt zusammen.
Es ist empirisch zu beobachten, dass die Kosten dieses Persönlichkeitsprofils innerhalb der Unternehmenshierarchie ungleich verteilt sind.
An der absoluten Spitze – beim CEO oder im Vorstand – finden sich oft die Meister der Delegation.
Ihr Bedürfnis nach Bestätigung wird täglich durch ihre Position gestillt.
Obwohl ihr Stresslevel hoch ist, schaffen die Belohnungen und die Souveränität ihrer Stellung einen Puffer.
Als weitaus gefährdeter gilt die Führungsebene direkt darunter: Bereichsleiter, Direktoren, Senior Manager.
Sie sind das Getriebe im Motor des Unternehmens. Sie stehen unter dem doppelten Druck von der Konzernspitze und der operativen Umsetzung.
Diese Manager beuten sich oft bis zur Erschöpfung selbst aus, angetrieben von der Hoffnung auf Anerkennung von oben und den nächsten Karriereschritt.
Die Früchte des Erfolgs erntet jedoch sichtbar die Unternehmensspitze.
Diese „zweite Reihe“ zahlt oft den höchsten Preis, weil die Belohnung unsicher bleibt. Überproportional oft sind es Menschen aus dieser Ebene, deren System bei einer Kränkung kollabiert.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob dieses Persönlichkeitsprofil „schlecht“ ist, sondern ob die damit verbundene Lebensstrategie langfristig noch nützlich ist oder mehr schadet.
Die Lösung kann nicht darin bestehen, den Antrieb zu verlieren, denn Ehrgeiz und Gestaltungswille sind wertvolle Ressourcen.
Sondern sie liegt darin, diesen Antrieb von seiner zwanghaften, selbstzerstörerischen Komponente zu befreien.
Es geht darum, das Fundament des eigenen Selbstwertgefühls zu sanieren, damit die Karriere auf einem soliden Felsen und nicht auf Sand gebaut ist.
Etablierte kognitive Ansätze bieten hierfür pragmatische Werkzeuge, die für analytische, ergebnisorientierte Menschen gut geeignet sind. Sie fokussieren auf eine Art „Optimierung der mentalen Software“.
Identifikation dysfunktionaler Denkmuster: Zuerst werden jene Grundüberzeugungen identifiziert, die in den Teufelskreis aus Überforderung und Stress führen.
Beispiele sind: „Wenn ich nicht in allem perfekt bin, bin ich ein Versager“ oder „Ich muss von allen bewundert werden, um wertvoll zu sein“.
Systematische Neubewertung: Dann werden diese schädlichen Gedanken rational hinterfragt und durch realistischere, robustere Überzeugungen ersetzt.
Aus „Ich bin ein Versager“ wird „Ich habe einen Fehler gemacht, aus dem ich lerne“. Aus „Ich brauche die Bewunderung aller“ wird „Die Anerkennung durch jene, die ich respektiere, ist wertvoll; die Meinung aller ist irrelevant“.
Das Ziel ist die Entkopplung des Selbstwerts von äusseren Erfolgen.
Ein solcher Prozess ermöglicht es, den Antrieb zu behalten, aber die nagende Angst vor dem Scheitern und die verletzende Kränkbarkeit zu verlieren.
Dieser Weg erfordert den Mut, die eigene, perfekt inszenierte Fassade für einen Moment zu hinterfragen.
Der Gewinn ist jedoch unschätzbar. Die Auseinandersetzung mit diesen Dynamiken ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt höchster strategischer Intelligenz.
Die Investition in die bewusste Steuerung der eigenen mentalen Muster ist vielleicht die wichtigste, die eine Führungskraft tätigen kann.
Es geht nicht darum, die Identität als Leistungsträger aufzugeben, sondern sie zu vervollkommnen.
Ein Motor, der nicht ständig im roten Bereich läuft, hält länger und bringt seine Leistung souveräner auf die Strasse.
Wahre Souveränität bedeutet nicht, niemals zu fallen. Sie bedeutet, eine innere Stärke zu besitzen, die von äusseren Umständen unberührt bleibt.
Diese zeigt sich nicht darin, den Gipfel um jeden Preis zu erreichen, sondern darin, die Aussicht von dort auch geniessen zu können – ohne unter dem Druck zusammenzubrechen, der einen dorthin gebracht hat.
Die Zeiten haben sich geändert. Beruflicher Aufstieg und Erfolg haben nichts mit Kompetenz, Erfahrung oder gar Leistung zu tun. Entscheidend sind ausschliesslich Quoten bzw. die Zugehörigkeit zu gewissen Gruppen. Dafür sorgen wir im HR!
Gewisse Gruppen organisieren sich selbst! HR nickt ab.
Muss aus dem ZKB-HR kommen …
Herzig, wie man zu jedem Thema DEI reinscheissen kann.
Das mag auf grosse Finanzdienstleister wie Banken, Versicherungen mit quasi Marktmonopol betreffend Preise und Gebühren zutreffen. Bestimmt aber nicht für KMU, wo ausschliesslich über Kompetenz, Engagement, Committment Innovation und Wettbewerbsfähigkeit fast täglich unter Beweis gestellt werden müssen. Diese Dame hat solch ein Umfeld NIE erlebt; lebt auf einem anderen Stern.
Ironie off vergessen?
Wie hat die Menschheit bloss zehntausende von Jahren ohne Psychotherapeuten überlebt?
Ihre Analyse in Ehren, Herr Luchmann: Psychologen können nur Defizite aufzählen. Pädagogisch wertvoller wäre es aber, ein Vorbild zu präsentieren (oder noch besser: Selber eins zu sein); den sog. Goldstandard eines psychologisch gesunden Menschen.
Damit wir alle wissen, in welche Richtung wir uns entwickeln sollen…
@ Tom Sievers: Auffallend ist aber, dass die allermeisten Psychologen und Psychotherapeuten wegen Lebensuntüchtigkeit selbst am meisten Beratung benötigen würden. Mir kommt auch der Eindruck auf, eine Psychotherapie nur dazu, billige Ausreden für eigenes Versagen zu finden. Das erklärt auch, dass praktisch alle Psychologen und Psychotherapeuten politisch weit links stehen.
Man kann alles sezieren @Tom Sievers – den Körper und die Seele. Die Kunst ist es, den Menschen heil wieder zusammenzusetzen. Und das kann die Psychologie (leider) nicht. Sie kann bestenfalls ein Pflaster über die Wunde kleben, nachdem sie darin rumgestochert hat.
Im Übrigen orientieren sich Menschen instinktiv an Vorbildern – aus diesem Grund sind Influencer bei jungen Menschen so beliebt.
Typisch Europäischer Psycho-Ansatz. Wie wär‘s mit: Ziele erreichen macht Spass und motiviert sich laufend neue erreichbare – aber fordernde – Ziele vorzunehmen.
Psychotherapeuten, Psychiater, Psychologen, meist selber angeknackt sind die Wegelagerer der „modernen“ Gesellschaft!
Psychiater ertragen einfach keine Kritik.
bro bester artikel ever🔥feiere dich voll ab❤️
Interessanter Artikel, vielen Dank. Herr René Zeyer (seine HP ist wieder am „Laufen“) hat auch schon zu diesem Thema verfasst. Ich mag Herrn Zeyer und dessen feinen Humor, der gepaart ist mit Wissen, Tiefgründigkeit und eben nicht „20 minuten“ (oder sollte man Sekunden schreiben 😀). Weiter so, Herr Zeyer
Was für ein wunderbarer Artikel! So viel klarer Inhalt! Danke für diesen Schatz!
Dumm ist, wer im Hamsterrad vollgas gibt!
Hab noch nie einen Hamster gesehen, der dadurch seinen Käfig verlassen hat.
@Larissa: Schön wärs. Nein ich bin einer der aussterbenden Leistungsträger, welche als Unternehmer, Arbeitsplätze schaffen und jeden morgen als erster den Laden aufmacht.
Man könnte mich sogar googeln mit meinem Namen da ich mich nicht hinter Phantasienamen verstecken will. Aber auch das ist für viele zu viel.
Aber ja. Das Märchen mit der Sozialhilfe hält sich hartnäckig.
@all: Wow wie kreativ diese Kommentare. Da hat man wieder was losgetreten.
Bei mir könnt Ihre Euren Frust abladen und spart den Psychodoktor.
„Wenn Jemand ein Problem mit mir hat, kann er es behalten. Es ist ja schliesslich seins“
@Larissa. Reciproc. Danke
Grandios: Psychologisierung zwecks Monetarisierung.
Die Menge der Psychotherapeuten in einer Gesellschaft, misst den Grad ihrer Schwäche.
@all:
Carmen: Ich verteufle keine Therapien. Bieten für viele eine wesentliche Hilfestellung, wie auch der Glauben etc.
Feuerwehr: Tatsächlich gibt es dort wo es viel Feuerwehr hat auch mehr Brände. Denn die Feuerwehr ist ja die Reaktion auf viele Brände.
Kopfschüttler: Wenn er nicht krank ist warum braucht er dann viele Aerzte? Hypochonder?
Sie misst den Grad der Kostenübernahme durch die Krankenkassen.
Sie haben in ein Wespennest gestochen @MarcelPalfner. Die Leute sind ja völlig aus dem Häuschen heute.
Man sagt in Deutschland „Ambulanz“, nicht bei uns. Bei uns sagt man „Ambulatorium“. Danke.
Sehr geehrter Herr Luchmann
Wie erklären Sie sich die enge Korrelation zwischen laufend neu geschaffenen Psychologen- und Psychiaterstellen/Praxen und der Zunahme der Patienten mit psychischer Behandlung? Ursache-Wirkung?
Wie erklären Sie sich die Tatsache, das die jugendpsychologischen Dienste heillos mit der Anzahl Fälle überfordert sind?
Was sind die Gründe? Ist einfach an allem der Pandemie-Lock-down schuld?
Oder weil die Krankenkassen diese Kosten übernehmen? Dieser Kostenblock belastet das Gesundheitswesen, insbesondere die Krankenkassen, immer mehr und ist mitverantwortlich für die ständig steigenden Krankenkassenprämien.
Und bei den Arbeitnehmern über Fünfzig:
Wieso haben „Burn-outs“ exponentiell zugenommen in der Altersklasse zwischen 45 und 60? Liegt das nur an der Arbeitswelt? Oder daran, dass dies durch zu „softe“ Psychologie und Psychiatrie bewirtschaftet wird mit entsprechendem Auszeit-Zeugnis zur Behandlung in Wohlfühloasen? Resilienz?
@ Psychiater
Einverstanden.
Wie können Sie sich die Zunahme der Burn-outs der letzten 20 Jahre erklären?
Bitte um Stellungnahme. Sie sind Fachmann.
(Ich frage. Mich würden die Ursachen interessieren. Meine Frage ist nicht zynisch, gemeint, sondern entsteht durch Neugierde. Hoffe nicht, dass dies als zynisch beurteilt wird.)
@ UBS-Aussteiger, 60 jährig
Ich habe volles Verständnis.
Meinen beruflichen Einstieg hatte ich – ebenfalls in einer Grossbank – 1975. Damals war das Wort „Burn-out“ nicht bekannt.
Erst um die Jahrtausendwende wurde dieses Phänomen so benannt. Und die Krankheit nahm laufend zu.
Ich suche nach Gründen:
Ist es ein rein berufliches Problem. Oder sollte man weiter analysieren und auch unsere Werte-Haltung hinterfragen sowie das gesellschaftliche Umfeld.
Hängt es mit unserer Bewertung von Status und gesellschaftlichem Stellenwert auch zusammen?
Da hätte ich gerne Antworten, die über die Diagnose (als Endergebnis) hinausgehen.
Die Nachfrage nach Psychotherapie ist eine Reaktion auf realen Leidensdruck durch veränderte gesellschaftliche Bedingungen: Soziale Medien, Leistungsdruck, kaputtes Wertesystem, Zukunftsängste überfordern die Jugend – der Lockdown war nur Brandbeschleuniger. Bei über 45-Jährigen führt die verdichtete, entgrenzte Arbeitswelt zu Erschöpfung und Burnout.
Es geht nicht um mangelnde Resilienz, sondern um eine gesunde Reaktion auf ungesunde Systeme. Wirksame Therapie setzt genau hier an: Sie stärkt die Fähigkeit, mit diesem externen Druck umzugehen und gesunde Grenzen zu setzen. Aber: Die Qualität der Behandlung ist dabei entscheidend! Steigende Kosten sind Spiegelbild wachsender gesellschaftlicher Fehlentwicklungen, nicht deren Ursache.
Sie fragen, ob der «Kostenblock» Psychotherapie wächst, «weil die Krankenkassen diese Kosten übernehmen». Mit 40 Berufsjahren kann ich bestätigen, dass Eigenverantwortung den therapeutischen Zeitbedarf signifikant verkürzt.
Danke, Herr Luchmann
Ihr Hinweis auf Eigenverantwortlichkeit irritiert mich etwas.
Ihren Ausführungen entnehme ich, dass es sich vor allem und ursächlich um ein gesellschaftliches Problem handelt.
Oder sehe ich das falsch?
Die Wechselwirkungen zwischen individueller Wahrnehmung und Umfeld unterscheide ich dabei. Oder ist das falsch?
Vielen Dank.
Wie überzogen die Erwartungen der Gesellschaft und zentralen Propagandamedienlandschaft sind, war mir schon klar als ich noch nicht mal wusste wieviele Hindernisse im Weg sind. Folglich began ich das keine Lust auf mehr zu tun als nötig ist um meiner Vorstellung des Verbringens der Zeit auf dieser Kugel der Wahnsinnigen.
Burn out ???
Kontrolle über sich selbst Verlorene, die vor lauter schuften für das Münz, den Betrieb und ihr Umfeld die eigene Kompaßnadel nicht mehr fanden.
@Beobachter
Was irritiert an Eigenverantwortung? Woraus besteht die Gesellschaft? Aus eigenverantwortlichen Individuen? Wenn «es sich vor allem und ursächlich um ein gesellschaftliches Problem handelt», wie Sie fragen, handelt es sich dann nicht um ein Problem, wie die einzelnen Individuen der Gesellschaft ihre Eigenverantwortung wahrnehmen? Ist es denn nicht «vor allem und ursächlich» ihre eigene Gesellschaft? Haben Sie und alle Mitglieder Ihrer Gesellschaft keine Verantwortung für sich und Ihre Gesellschaft? Nichts anderes meint der Begriff «Eigenverantwortung» – auch in Bezug auf Gesundheit.
Korrekt bemerken Sie, dass «Wechselwirkungen zwischen individueller Wahrnehmung und Umfeld» zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Je grösser die Abweichung der Wahrnehmung der Wirklichkeit von der Realität ist, umso grösser wird der Kollisionsschaden, der dann bei fünf verschiedenen Experten fünf verschiedene Diagnosen erhalten kann.
@ Dieter Luchmann
Ich verstehe Eigenverantwortung in einer regelbasierten Gesellschaft idealerweise wohl ähnlich wie Sie.
Nur wird der Begriff heute – auch durch politische Parteien – insofern pervertiert als diese mit Eigenverantwortung immer die „Andern“, jedoch nie sich selbst, meinen.
Das zeigt sich oft auch in Unternehmen, wo sich Chefs so verhalten wie Sie es bei den Mitarbeitern oder Unterstellten nicht tolerieren.
Als Antwort höre ich dann oft: Jeder sei eigenverantwortlich.
Daher meine Vorbehalte zum Wort „eigenverantwortlich“. Denn auch Gier ist eine eigenverantwortliche Attitüde…sodass sich jeder in diesem System dann – eben eigenverantwortlich – der Nächste ist. Das wird dann meist auch so gelebt, wenn’s um die pekuniäre Seite geht.
So appellieren zb all die Sorgfaltspflichtvereinbarungen im Bankwesen an die „Eigenverantwortlichkeit“. Was daraus geworden ist sehen wir; aber darauf möchte ich hier nicht weiter darauf eingehen.
Und gehts schief, ist man selbstverständlich Teil der Lösung! Wie auch sonst! Ist man sich und anderen gegenüber doch schuldig!
Sehr gute und spannende Analyse. Danke.
In einer GL herrschen veränderte Spielregeln, Verantwortungen und Sichtbarkeiten. Für die anderen, welche ihre Aufträge, gerade im Grosskundenbereich, ernstnehmen und Marktanteile erschliessen oder täglich von neuem verteidigen, wirkt das Geschreibsel naiv, denn jedes gewonnene, bewältigte oder verlorene Kundenprojekt wird ausserhalb der Gschpürschmiabteilung schnell einmal zum kritischen Faktor mit teilweise weitreichenden Konsequenzen.
Und im Artikel wird ja ausdrücklich von der Seniorstufe+ geschrieben.
Unmöglich wird die Situation – in der CH unzählige Male erlebt und beobachtet – wenn die Komplexität überhand nimmt und langweilig wird und die Linie deshalb lieber auf die Suche nach Hundetagesstätten, die nachmittägliche Wagenwäsche oder Diskussionen über die saisonale Schnittweite von Anzugshosen ausweicht. Die Bundesbetriebe machen’s 1:1 vor.
Dass diese Realitäten im Psychologiestudium nicht gelehrt werden, ist schade.
Absolut einverstanden. Und genau darin liegt die Unkenntnis des Schreibers ja auch begründet.
Inhaltliche und führende Seniorität, von mir aus mit internen Titeln und Titelchen zur stufengerechten Einordnung versehen, wird in der Schweizer Unternehmenslandschaft über die ausseracht gelassene Wahrnehmung von Marktdynamiken – und mind. einen Markt, in dem es sich zu behaupten gilt, hat jeder Laden – von den Mitrednern in der straff strukturierten Headcount-Planung und dafür uniformierten Ponyhofgestaltung übersehen. Viele derzeitige Seniors – zumeist Gen Xler, übrigens, – werden zwischen den Stufen auf diese Weise ohne umsetzbare Möglichkeiten zur persönlichen Abgrenzung nur aufgerieben und verbrannt. Und dies mittelfristig definitiv eben auch zum Nachteil der Unternehmen.
Danke für diesen Artikel, danke für diesen Kommentar, und danke für diese Aussage: „ Viele derzeitige Seniors – zumeist Gen Xler, übrigens, – werden zwischen den Stufen auf diese Weise ohne umsetzbare Möglichkeiten zur persönlichen Abgrenzung nur aufgerieben und verbrannt“
Strategie beinhaltet nicht nur Produkte, Leistungen und Marktattraktivität sichern, sondern auch nicht zu hoch verschulden um die Zinslast des Unternehmens tragen und abtragen zu können. Die Paradeplätzler Banken haben oft tendenziell die Neigung erfolgreiche Geschäftsleute mit Kreditevergaben erdrücken zu wollen. Sorgen gibt’s.
@Tom
Bravo, sauber Text gelesen und minimalstisch ergänzt.
@Tom
Falls du auf vernünftige Lösung oder Lösungen hoffst, vergiss es.
Hoffnungslosigkeit herrscht.
Der typische Velofahrer: Den Buckel nach oben und nach unten treten. Die Gebeutelten sind letztlich die, welche im Maschinenraum das Angeordnete umsetzen sollen. Befehlstaktik statt Auftragstaktik, gepaart mit Kontrollsyndrom ohne Verantwortung zu übernehmen. Das ist die Bankenwelt. Selber schuld, wer dort arbeitet.
Zuviel zur Therapie gegangen und dem Psychologen geglaubt oder irgendwas mit Sozio- studiert? Den „Patriarchen“ an einem Einzelschicksal abzuhandeln, damit er ad acta gelegt werden kann? Was heisst denn Patriarch? Es heisst „Erzvater“. Der Schöpfer und Zeuger am Anfang.
Die Welt wird dereinst herausfinden, dass die stärkste Figur dieser liebende Vater ist, der mit Güte Disziplin verlangt und Freiheit lässt, der streng sein muss und wortlos rühmen kann. Weil er mit seinem Werk und nicht mit sich selbst identifiziert ist und weiss, dass seine Ehre die Aufrichtigkeit ist.
Das Ego-Gestrabel der gegenwärtigen Männer und das „Ich-wett-au“ der Frauen und was sich daraus ergibt, kündigen jetzt schon die grosse Rückkehr des Patriarchat an. Nur muss es oft erst schlimmer werden, bevor es besser wird.
Herzig, dieses Sehnen nach rechts-autoritären Leitplanken. Bist du das, Basler?
„Der Konservative wird sich selber nur finden, wenn er bis zur untersten Tiefe seiner eigenen Prinzipien herabsteigt und aus dieser seiner alten Brunnenstube religiöses Wasser herausholt.“
Wolfram Weimer
Luki sammelt solche Psychoonkel und liebt die Klicks, der sollte sich auch mal untersuchen lassen.
Kurzum: Der gesunde Menschenverstand wird zugunsten anderem geopfert.
Wen wundert`s, im LP21 nicht berücksichtigt und ALLE Beteiligte heillos überfordert…
Spätestens seit der vierfachen Wurzel des Satzes zum zureichenden Grunde wissen wir was Sache ist!
Gestationsperiode kurz, Erleuchtung post-mortem…
Negros? Cebu? Oder doch lieber Bohol?
So viele Fragen…
Ich war Rettungstaucher mit Trimix-Erfahrung. Habe aus dem Dahabloch und anderen Lokationen (Indonesien, Philippinen, Belize, Honduras, Mexiko u.a.) Israeli, Amis und Japaner u.a. aus >80 m Tiefe geborgen. Diese desintegrierten in den Leichensäcken wegen dem fehlenden Druckausgleich.
Der Psychiater empfiehlt mir jetzt einen Einsatz für die verrottenden Holzpfähle in Venedig…
Danke
Bei der InCore Bank gibt es solche „Persönlichkeiten“ in diversen Führungspositionen. Im Beruf grosse Reden schwingen und privat kleine arme Kreaturen 🙂
🐇 immer eine sehr gute, u. U. lebensrettende Idee 🌻 sich fachlich kompetente Hilfe zu holen
👉“Haben vs. Sein“
Bei sehr vielen von uns ist doch ganz einfach das HABEN zum ultimativen Vergleichswert & Show-Zeichen des „Seins“ geworden. Vielmals ist die Sache nach Abzug des Habens & MarkenAnzugs ziemlich leer. Gaus’sche Kurve.
Der persönliche, grosse HabenHaufen wird (nur für diese Kategorie) ev. nun zum schweren Lasten&Stress Sack. Jeder schleppt halt mit was er will resp. was er sich selbst angesammelt hat – fair! Grosses HABENSchleppen vs. gemütlichem SEINsein👍✌️🥸
https://youtu.be/rs8ct0bqPoI?si=HT7m0BchXamw8KZS