Im Augenblick hat die „Basler Sphinx“, der Pharma-Milliardär André Hoffmann, Konjunktur mit seiner Forderung „Wir brauchen eine neue Art des Kapitalismus“.
Der Roche-Grossaktionär ist Vizepräsident der Roche Holding und Sprecher des Familien-Pools der Gründerfamilien, der zwei Drittel der Roche-Anteile kontrolliert.
Lange Zeit war Hoffmann nicht aufgefallen. Seine Schwester Maja Hoffmann, eine bedeutende Kunstsammlerin, wurde global bekannt mit ihrem Kulturzentrum im südfranzösischen Arles, in das sie hunderte Millionen Franken investierte.
Dies war sicher mit ein Grund, weshalb die finanziell immer etwas knappen Filmfestspiele in Locarno sie einluden, dort die Präsidialfunktion zu übernehmen. Viel hat die Baslerin im Tessin bisher nicht gezeigt.
Ganz anders Gigi Oeri, die in den Basler Clan eingeheiratet hatte. Sie investierte sich selbst und einiges an Geld in den FC Basel, der mit ihr einige seiner glanzvollsten Saisons erlebte.
Erst der Rücktritt von Klaus Schwab von der Spitze des World Economic Forums (WEF), wo er seither zusammen mit dem US-Finançier Larry Fink, CEO von Blackrock, als Präsident Ruhe herstellen will, brachte den meist stillen Hoffmann in das Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit.
Hoffmann hatte in Davos keinen guten Start, denn der Amerikaner, dessen Unternehmen 14’000 Milliarden US-Dollars verwaltet, hatte die Donald Trump-Clique nach Davos gebracht und genoss den Weltklasse-Auftritt sichtlich.
Während Fink bald wieder verschwand, ist Hoffmann, der einmal von sich und seiner Grossfamilie sagte „Wir haben genügend Geld“ (geschätzte 35 Milliarden), in der europäischen Öffentlichkeit weiterhin präsent.
Wie sein „neuer“ Kapitalismus aussehen soll, scheint noch nicht klar ausgearbeitet zu sein. Hoffmann spricht von einer „neuen Buchhaltung“, die sich nicht mehr nur auf Finanzielles beschränkt.
Er liegt damit sehr nahe bei Fink, der seit einiger Zeit die Welt mit Rundbriefen à la Warren Buffett beglückt. In seinem letzten Schreiben deutet der Donald Trump-Verehrer an: „Der Kapitalismus funktioniert, aber nicht für genügend Menschen“.
Die Schweiz, heute mit 40 von über 3’500 Milliardären weltweit gut bedient, hatte vor 300 Jahren in Europa nur ein sehr armes Bergvolk, das in Europa höchstens als sehr kriegerisch anerkannt war.
Albrecht von Haller weckte mit seinem Gedicht „Die Alpen“ die Aufmerksamkeit der höfischen Eliten, was zum ersten Schweizer Tourismus-Boom führte. Die „schöne Brienzerin“, die junge Engländer über den Thuner See rudert, wurde zum Symbol einer alpinen Traumlandschaft, wie sie zur gleichen Zeit auch von Friedrich Schiller in seinem „Tell“ beschrieben wurde.
Noch vor 50 Jahren wollten die ehrgeizigsten Schweizer nur eines, reich werden. Als ich in den 1970er Jahren dem VR-Präsidenten eines grossen Industriekonzerns behilflich war, seinen Geschäftsbericht fertigzustellen, kam es zu einem damals typischen Gespräch.
Er: „Schreiben Sie, wir wollen den Gewinn maximieren.“
Ich: „Herr Präsident, maximieren ist heute ein böses Wort. Schreiben Sie besser, ‚den Gewinn optimieren‘.“
Er: „Dann machen wir das. Aber eines sagte ich Ihnen: Wo es geht, maximieren wir.“
Auf der Suche nach dem „guten Kapitalisten“ wurden viele Wege beschritten, darunter auch Sackgassen.
Am Anfang standen Karl Marx und Friedrich Engels mit dem Ur-Kapitalisten, der von der Ausbeutung seiner Arbeiter, Frauen und Kinder lebt.
In den USA, die das alte Europa bald wirtschaftlich überholten, kamen die „Räuberbarone“ der Rockefeller und Vanderbilt zum Zug. Sie wurden von der eigenen Regierung ausgebremst.
Als es zu immer mehr Protesten kam, traten die Amerikaner mit dem „Shareholder capitalism“ auf die Bühne, der bald auch in der Schweiz Anklang fand. Mitarbeiter, Konsumenten und der Staat sollten ihren Teil vom Gewinn erhalten.
An seine Stelle trat Ende des letzten Jahrhunderts der globale Kapitalismus, wie er im WEF seinen Ausdruck und Förderer fand.
Jetzt hat der Wind wieder gedreht. Larry Fink, der starke Mann des neuen WEF, spricht vom Ende des globalen Kapitalismus und dessen Rückbesinnung auf die eigene Nation, deren Bedürfnisse es zu erfüllen gilt.
Das ist reiner Trumpismus, aber wer in den USA „Big business“ machen will, muss auf den Präsidenten Rücksicht nehmen.
Die US-Amerikaner vergessen gerne, dass ihre 500 grössten Konzerne 41 Prozent ihrer Gewinne ausserhalb Amerikas machen. Auf diesem Weg liefert die Schweiz jedes Jahr Milliarden Franken an amerikanische Finanz- und kalifornische IT/AI-Konzerne.
Die Suche nach dem „guten Kapitalisten“, sei er global oder national ausgerichtet, sei er Umweltschützer oder Menschenfreund, ist in vollem Gang.
André Hoffmann hat in der Schweiz die Führung zu diesem Thema übernommen und gilt zunehmend auch in Europa als jemand, der die Zeichen der Zeit begriffen hat.
Damit steht er in der gleichen Reihe wie der Innerschweizer Milliardär Alfred Schindler, der den Liberalismus und die Marktwirtschaft in der Schweiz tiefer und besser verankern möchte.
Sogar der fürsorgliche Patron-Kapitalist hat in der Schweiz in der Person von Nick Hayek, dem Chef des Swatch-Konzerns, seine Vorzeigefigur gefunden.
Alfred „Fredy“ Gantner, Mitgründer der Partners Group, will die Schweiz davor bewahren, den in Diskussion befindlichen EU-Rahmenvertrag anzuerkennen.
Er läuft damit in der Spur von Christoph Blocher, der das gleiche politische Ziel hat, die Schweiz aber mit der Anti-10 Millionen-Initiative gleich ganz von aussen abzuschotten versucht.
SVP-Parteipräsident Marcel Dettling machte dem politischen Altmeister klar: „Die Bauern und die Gastronomie dürfen personell nicht eingeschränkt werden.“
Damit wären wir wieder ganz dort, wo wir vor 250 Jahren schon einmal waren: Bauern und Wirte first. Für ein Drittel aller Schweizer ist der Rückzug offensichtlich der beste Weg zum Sieg.
Man sollte das Kapital fair verteilen. Dann müsste in der Schweiz niemand arbeiten.
Was für ein Quatsch!
Arbeiten muss jeder Mensch, ausser er sei hilfsbedürftig oder ein Parasit. Irgendwer muss das Essen, das Wohnen, die Kleidung und das Wasser beschaffen.
Arbeiten muss jeder Mensch – ohne zu arbeiten, verhungern wir, verdursten wir, erfrieren wir.
Wenn mit dem Kapital nicht mehr gearbeitet wird, ist es es schnell auch nichts mehr wert.
Bedingungsloses Grundeinkommen❤️
Arbeiten zum Erwerb ist nicht das Problem.
Erwerb ohne Arbeiten ist es.
Du arbeitest ja eh nichts !
WEF-Hoffmann?
Nichts verstanden.
Wer nichts weiss,
kann auch nichts verstehen.
Unter neuem Kapitalismus verstehen die Milliardäre, das sie keine Steuern bezahlen und uneingeschränkt bestimmen.
Was wäre daran neu ?
Mein Eindruck ist, dieser Hoffmann ist ziemlich weltfremd. Kann mir nicht vorstellen, dass der sehr viel bringt.
Seit jeher versuchen Leute, die den Bezug zur Realität verloren haben, das System Kapitalismus moralisch zu verbessern.
Ich empfehle dem Herrn, ein paar Lektionen Nachhilfe zum Thema „Wie funktioniert Wirtschaft aus Sicht der Theorie“ zu buchen. Und anschliessend einen Monat Praktikum beim Sanitär von nebenan zu absolvieren.
Dann wird der Fluch des Guten verschwinden.
Langweiliges Geschreibsel über Milliadäre die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld machen sollen.
Der Larry Fink hat schon recht.
Wir gehen in eine Technokratie über und in dieser gibt es anfänglich vermutlich schon noch einen Demokratieanteil, aber er wird zunehmend und relativ schnell immer kleiner bis er verschwunden ist.
Konkurrenz gibt es in einer Technokratie keine mehr und die Firmen befinden sich entweder in der Hand ein paar weniger Monopolisten (JP Morgan, Blackrock, Vangard, etc.) oder in der öffentlichen Hand.
Das ganze wird sich im Alltag dann anfühlen wie Kommunismus.
Selbst die Sozis werden mit dem Resultat enttäuscht sein.
Was ist ein guter Kapitalist?
Einer der es schafft, noch mehr Geld aus einer Firma herauszupressen, damit einige Nichtsnutz-Erben noch mehr Geld verdummen können? Oder einer, der es schafft aus dem fair erwirtschafteten Geld die Besitzer vernünftig zu entlöhnen und nebenher etwas Sinnstiftendes zu machen?
Da wir in der Schweiz sind, fürchte ich: das erstere.
Jede Spende in der Schweiz ist von den Steuern absetzbar. Und jede gemeinnützige Stiftung steuerbefreit
Rich and bored? Nachdem er beim WEF keine besonders gute Figur machte, sucht er nach neuer Bestätigung.
hat mir sehr gefallen. Vielen Dank Herr Stöhlker.
Maja: Investitionen in Kultur, um das Ego in der Vordergrund zu rücken. Alle schmeicheln. Tut gut.
Es ist leider so, dass aufgrund des sogenannten blinden Flecks und der Wertehaltung die Verursacher von Problemen oft nicht automatisch die Lösung der von ihnen verursachten Problemen sind. Zudem ist das Vertrauen in diese Menschen oft sehr angeschlagen, weil sie sich in der Vergangenheit nicht sehr solidarisch zeigten und das masslose Geldverdienen (und die dunklen Seiten davon) im Vordergrund standen. Im besten Falle holen sie sich Menschen ausserhalb ihrer Milliardärs-Bubble, die andere Wertehaltungen einbringen und so zu einer Lösung beitragen können.
Oh je!
Der Stöhlker-Schwätzer versteigt sich nun auch noch in Wirtschaftsgeschichte, -philosophie und Kaptitalismuskritik.
Einmal mehr einfach Bla-Bla…
Klimax:
er hat in den 70er-Jahren einen VRP einer grossen Industriefirma
beraten.
Aha…