Der Tonfall ist leicht gereizt. Zu seinen Wohnverhältnissen wolle sich der neu gewählte Stadtrat von Zürich nicht mehr äussern, so der Pressesprecher von Tobias Langeneggers Sozialdemokraten (SP).
Die Missstimmung hängt mit der Berichterstattung von vorletzter Woche zusammen. Mehrere Medien erwähnten Langeneggers günstige Wohnung in einer städtischen Genossenschaft.
Trotz 252’000 Franken Lohn als frisch gekürtes Exekutiv-Mitglied der grössten Stadt des Landes.
Nun soll der Sozialdemokrat eine Wohnung in der Nähe gefunden haben. Die Medienstelle bestätigte den Umzug auf Ende August, bat aber um Wahrung der Privatsphäre.
Die neue 5.5-Zimmerwohnung war kürzlich auf Homegate ausgeschrieben und kostet 5’500 Franken im Monat.
Sie befindet sich innerhalb des Kreises 5 – dort, wo Langenegger schon bisher gelebt hatte. Die beiden Söhne müssen deswegen also nicht die Schule wechseln.
Das war lange ein wichtiges Kriterium für Langenegger. „Solange meine Kinder in die Schule gehen“, schrieb er vor zwei Wochen, wolle er nicht aus der Genossenschafts-Wohnung ausziehen.
Der mediale Druck hat anscheinend ein Umdenken bewirkt. Auch wenn dies niemand bestätigen wollte, sei er von der Partei in die Mangel genommen worden.
Ein Insider: „Es gab zwei Treffen mit der Parteileitung. Auch Corine Mauch war anwesend.“ Die scheidende Grande Dame der Zürcher SP, die das Stadtpräsidium im Mai nach 17 Jahren freigibt.
Die Genossenschafts-Wohnung, in der die Familie Langenegger noch bis August wohnt, hat nur 2’100 Franken im Monat gekostet. Ein Spottpreis für 129 Quadratmeter Wohnfläche (plus Mitbenutzung Hobbyraum).
Die jetzt anfallenden 3’400 Franken an monatlichen Mehrkosten sind auch für den SP-Mann kein Pappenstiel.
Seine Partnerin, eine Gymi-Lehrerin, wolle darum ihr Pensum um 20 Prozent aufstocken.
Die Finanzlage etwas entschärfen wird auch der Verkauf Langeneggers Anteils an der Ampio Partizipation GmbH.
Der Neo-Stadtrat ist Mitgründer des Beratungsunternehmens. Der Verkauf dürfte ihm etwa eine Million Franken in die Familienkasse einbringen.
Gemäss eines Insiders verkaufe er auf einer SP-internen Verkaufsplattform aktuell sein Lastenvelo („in gutem Zustand“) für 1’500 Franken, eine Jura-Kaffeemaschine (700 Franken), Lego-Sets von Star Wars („neuwertig“) ab 600 Franken und Kinderkleider („Grösse 128 bis 146“) für 55 Franken.
20 Jahre lang hat der 40-Jährige in der Genossenschafts-Wohnung gelebt. In dieser Zeit sind viele Beziehungen geknüpft worden.
Mit manchen Nachbarn sei so etwas wie eine zweite Familie entstanden, berichtete er in einem Interview mit dem Regionaljournal von SRF.
Vor Beginn der Sommerferien ist deswegen ein grosses Abschiedsfest in der Überbauung geplant. „Tschüss, Töbeli“, wie es in einem Aushang heisst. Es gebe FCZ-Muffins, alkoholfreies Gerstenbier und „Züri-Wähen“. Eingeladen sind aber nur Bewohner der Genossenschaft.

Man muss es Tobias Langenegger lassen:
Er hat wirklich bis zur letzten Minute aus seiner Genossenschaftswohnung herausgepresst, was ging. Ein SP‑Stadtrat, der jahrelang vom günstigsten Wohnmodell der Stadt profitiert, während er politisch gegen „Privilegien“ kämpft — das ist schon fast Kunst.
Und jetzt, wo’s auffliegt, wirkt sein Auszug ungefähr so freiwillig wie ein Zahnarzttermin ohne Betäubung.
Die Partei drückt, die Medien schauen hin, und plötzlich entdeckt der Mann, dass man auch für 5500 Franken wohnen kann, wenn man 252’000 Franken verdient. Wer hätte das gedacht.
Die abgehalfterte Corinne Mauch scheint mächtig Druck gemacht zu haben..
Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass linke Wohnpolitik tatsächlich funktioniert zumindest für jene, die schon drin sitzen.
Langenegger hat die Genossenschaft nicht verlassen er wurde erst rauskomplimentiert, als selbst der letzte Sozi merkte, dass „sozialer Wohnraum“ nicht für Leute mit 252’000‑Franken‑Lohn gedacht ist.
*rofl*