Vor einer Woche habe ich auf Libertus Society – dem von mir mitbegründeten, noch im Aufbau befindlichen Portal – gefragt, ob ein Sender gleichzeitig Verbandspartner und unabhängiger Berichterstatter sein kann.
Seither hat sich die Geschichte schneller entwickelt als erwartet.
17. April – Libertus Society veröffentlicht den Artikel „Die unsaubere Doppelrolle von SRF im Fall Patrick Fischer“ und stellt die strukturelle Frage:
Kann SRF gleichzeitig Verbandspartner und unabhängiger Berichterstatter sein?
18. April – Regula Späni, ehemalige SRF-Sportmoderatorin und Ehefrau von Stefan Bürer, Medienchef der SCRJ Lakers, meldet sich unaufgefordert bei der Autorin mit einer ausführlichen Kritik.
Pascal Schmitz – der SRF-Journalist, dessen Vorgehen ich kritisiert hatte – war jahrelang Stadionsprecher bei eben diesem Club.
19. April – Libertus Society stellt bei Stefan Bürer eine Anfrage zu einem Zitat, das ihm, Bürer, zugeschrieben worden war: Schmitz habe „seinen Job sauber gemacht“.
20. April – Bürer antwortet und präzisiert: Es handle sich um ein offizielles Club-Statement, nicht um eine persönliche Aussage.
21. April – Die Lakers werden gemäss eigener Mitteilung über einen bevorstehenden Weltwoche-Artikel informiert.
22. April, abends – Die Weltwoche veröffentlicht online eine Recherche über Pascal Schmitz. Dokumentiert werden Facebook-Posts aus der Zeit um 2010.
Kommentare, die SRF als nicht vereinbar mit seinen publizistischen Leitlinien bezeichnete und von denen sich der Sender distanzierte.
Schmitz entschuldigt sich. Gleichzeitig berichtet 20 Minuten über die Weltwoche-Enthüllung – und über den Rücktritt von Schmitz als Stadionsprecher der SCRJ Lakers.
Bürer antwortete auf die erste Anfrage von Libertus Society am 20. April – einen Tag, bevor die Lakers gemäss eigener Mitteilung über den bevorstehenden Weltwoche-Artikel informiert wurden.
Auf die direkte Frage (2. Anfrage), ob er zum Zeitpunkt seiner Antwort bereits Kenntnis von der Weltwoche-Recherche hatte, antwortete Bürer mit einem klaren Nein.
Die Facebook-Posts stammen aus der Zeit um 2010. Schmitz war damals Mitte zwanzig – kein Teenager, sondern ein junger Journalist in seinen ersten Berufsjahren.
Die Weltwoche hält fest, dass die Kommentare teilweise justiziabel gewesen wären. Die Kommentare sind nach heutigem Stand verjährt.
Patrick Fischer hatte dieses Glück nicht. Er wurde verurteilt, hat die Busse bezahlt – und wurde trotzdem ein zweites Mal vor Gericht gestellt.
Diesmal vor dem öffentlichen Meinungsgericht, ohne Verjährungsfrist und ohne Recht auf Vergessen.
Pascal Schmitz hat seine Posts gelöscht. Ob das für SRF ebenfalls nicht verjährt ist, wird sich zeigen.
Auch in dieser Debatte wurde argumentiert, eine abgegoltene Strafe schütze nicht vor öffentlichem Interesse. Wenige Tage später brachte die Weltwoche ans Licht, dass auch Schmitz eine Vergangenheit hat, die er lieber vergessen hätte.
Viele haben lautstark das Recht auf Aufdeckung verteidigt – und dabei das Recht auf Vergessen glatt vergessen.
Die Frage, die sich seine Verteidiger heute stellen müssen: Würden sie noch gleich argumentieren? Und zuletzt: Wer bestimmt, wessen Vergangenheit zählt – und wessen nicht?
Genug Fischer! Das ist tiefstes Boulevard-Niveau und kein Thema für den Paradeplatz.
Ok Pascal
Bravo Frau Joyce Lopes de Azevedo. Bitte bearbeiten Sie dieses wichtige Thema bis die Problem gelöst sind.
tja, ganz schön viel schief gelaufen im Staate Helvetia, wa?