Draussen tobt Sturm Boelo, an den Finanzmärkten der Wahnsinn.
Trump, Iran, Ölpreis, Earnings. Ein CEO erklärt die Zukunft, ein Analyst senkt das Kursziel, und das Depot macht, was es will.
Irgendwann reicht’s. Mein Wochenend-Programm: Raus aus der Aktien-, rein in die Schallplatten-Börse.
Und dann liegt da plötzlich Keith Jarretts The Köln Concert. Wow! Ein Konzert, das beinahe abgesagt worden wäre, weil der falsche Flügel auf der Bühne stand.
Jarrett spielte trotzdem, improvisierte sich durch den Abend und schuf Jazzgeschichte. Keine vorbereitete Show, kein doppelter Boden, kein zweiter Versuch.
Nur ein Mann am Klavier und ein magischer Moment, der seit 1975 auf Vinyl weiterlebt. Da möchte man die Platte am liebsten sofort mitnehmen.
John Coltranes Blue Train, Miles Davis’ Kind of Blue.
Und dann Züri West. Da schlägt jedes Schweizer Musikherz höher. Züri West sind der Soundtrack zum Schweizer Leben, ungekünstelt, melancholisch und mit einer guten Portion Berner Schalk.
Kuno Lauener besingt die kleinen Dramen des Alltags, die grossen Gefühle und alles, was dazwischenliegt.
Mundartrock mit Seele, lakonischem Witz und Texten, die mehr erzählen als mancher Roman.
Keine glatt-polierte Pop-Ware, sondern Musik mit Ecken, Kanten und Charakter. Schweizer Kulturgut, das auch auf Vinyl nichts von seiner Kraft verliert.
Eigentlich wollte ich nur kurz stöbern. Ein gefährlicher Satz, an der Schallplatten- wie an der Aktien-Börse.
Auch Michael Jacksons Thriller, seltene Original-Pressungen und AC/DC warten auf Sammler. Und Vinyl ist längst nicht nur etwas für jene, die ihre Jugend aufbewahren möchten.
Auch junge Musik-Fans suchen nach besonderen Platten, entdecken House und Beatles. The Beatles.
Wer Musik bisher bloss gestreamt hat, merkt plötzlich, dass ein Album auch ein Gegenstand sein kann, den man sucht, findet und mit nach Hause nimmt.
Veranstalter Sam steuert mit seiner Schallplatten-Börse auf das 30-jährige Jubiläum zu. Drei Jahrzehnte, in denen die Musik-Industrie alles digitalisiert hat.
Ein Klick, und der nächste Song läuft. Trotzdem suchen die Leute wieder nach schwarzen Scheiben.
Vielleicht, weil nicht alles im Leben sofort verfügbar sein muss. Manchmal will man etwas finden, statt es einfach in eine Suchmaske einzutippen.
Also ruhig die Kinder mitnehmen. Gemeinsam durch die Kisten stöbern, Cover entdecken und über Musik reden.
Vielleicht finden sie Marvin Gaye oder die Beatles uncool, was musikalisch fast schon ein Verbrechen ist, und greifen lieber zu Karol G.
Bis sie erfahren, dass selbst Karol G bei den Beatles Samples nimmt. Oder sie entdecken den Soundtrack von Pulp Fiction. Auch gut.
Hauptsache, Musik wird wieder bewusst erlebt und nicht bloss nebenbei konsumiert.
Und wenn man schliesslich fündig geworden ist, kommt der schönste Teil. Zu Hause die neue Errungenschaft aus der Hülle ziehen, den Plattenspieler einschalten und die Nadel aufsetzen.
Draussen darf der Sturm weiterziehen. Drinnen warten warme Socken, eine heisse Schokolade oder, je nach persönlichem Gradus, ein guter Whisky.
Dazu die frisch ergatterte Platte auf der Stereoanlage.
Die Börsenkurse können warten. Die nächste Gewinn-Warnung kommt auch ohne uns. Draussen spielt die Welt verrückt, drinnen dreht Etta James At Last. Und plötzlich ist der Sturm nur noch Kulisse.



Gleiche Bilder gehören meistens zum gleichen Kommentator.
Sturm Boelo draussen, Bärenmarkt drinnen da hilft nur noch Flucht in die Schallplatten-Seelenheil-Therapie. Aber Vorsicht: Wenn die Kids am Ende wirklich Karol G auf Vinyl einfordern, kostet dich der Spass mehr als ein Hebel-Zertifikat auf Erdöl.
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Genau mein Ding: Weltwirtschaft am Abgrund, aber Hauptsache die Scheibe hat 180 Gramm Pressung. Wenn Etta James At Last läuft, ist mir auch egal, ob die nächste Dividende ausfällt solange die Nadel sauber in der Rille liegt.
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Wenn ich so richtig presse kommen mindestens 500 g raus.
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Wozu sich über den Iran, Trump und rote Zahlen im Depot ärgern? Einfach kurz so tun, als hätte man alles im Griff, und stattdessen für dreihundert Steine alte Vinyl-Scheiben kaufen, um sich einzubilden, man wäre kulturell überlegen. Die nächste Gewinnwarnung kommt bestimmt aber solange die Platte auf dem Teller kreist, spürt man das finanzielle Desaster wenigstens mit warmer Schokolade im Bauch.
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Ich liebe die Plattenbörse hier bei mir um die Ecke in 8048. 3′ zu Fuss.
Am liebsten hole ich mir Symphonien und Orchestrale Werke ab.
Es ist nicht nur musikalisch, sondern auch haptisch ein Genuss der Extraklasse!
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Ich habe einen Happen genommen – schmeckt scheusslich.
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Mein Göttergatte will einfach nicht mehr auf hocken, schaut immer diesen blonden jungen Dingern im Kaufleuten nach.
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Müslüm hocken schon auf vür schveizer passport!
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Die Generation Z weiss nicht mal was eine Schalplatte, Videokassette oder Tonbandkassette ist. Geschweige was eine CD ist.
Kein Wunder ist diese „im Internet gibt es alles gratis“ Generation verwahrlost.
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Medikation 💊 dringend erhöhen!
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Als meine Teenage Tochter mir kürzlich erzählte, wie toll es gewesen sei, mit ihren Kolleginnen zusammen in einem Plattenladen herumzustöbern, war ich zuerst erstaunt. Ob denn eine ihrer Kolleginnen einen Plattenspieler habe? Nein, aber es habe einfach Spass gemacht, die Cover der „Vinyls“ anzuschauen.
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Hässig weiss nicht, dass man Schalplatte mit 3 ‚L‘ schreibt.
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Musik verwirrt mich noch mehr da ich sehr beeinträchtigt bin.
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Heute wieder Suppenküche bei Pfarrer Sieber und anschliessend Pfusbus.
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Sehr geehrter Herr Loskuroy ,(russisch?) Ich habe auch nur fast jur Schallplatten (und Cds) wissen junge (nur rund aLter) Zahl noch was das ist oder nur „internet?“ Einige meiner Schallplatte sind sehr wertitvoll
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Herr Loskutov for President of the USA und Platteb 😀😃
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WAN heute komen Spitex zu diir?
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Das wäre eine gute Idee die verstaubten Platten auf dem Estrich zu versilbern bevor die Erben alles in die Mulde entsorgen 😀
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Solange meine Phonographenwalze gut funktioniert sehe ich keine Notwendigkeit auf dieses neumodische Schallplattenzeugs zu wechseln.
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YMMD 😀
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OK, Boomer …
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Habe noch hunderte von Zinkplatten. Diese müsste ich auch mal auf solch einer Börse an den Mann bringen bevor meine Erben diese entsorgen.
Die Deutsche Bundesbahn könnte auch mal ihre Drahttongeräte auf den Markt werfen. Bis vor kurzem wurde die dort noch verwendet.
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Ach, schade, das habe ich verpasst ! Ich hab schon etwa 800 Stück, aber ab und zu findet man noch eine Trouvaille an so Orten.
Vinyl ist immer noch das absolut beste, wenn man über eine hochqualitative HiFi-Anlage verfügt
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Was für ein schöner Artikel. Ich bin Schallplattensammler. Lege gerade Revolver von den Beatles auf den Teller und denke an schöne Abende unter Freunden, an denen viel diskutiert wurde und an heisse, knisternde Stunden. Forever Young !
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Züri West ist masslos overrated, Kuno Lauener ein eitler Möchtegerne.
„Miis Härz.. me hani niid, es isch es guets.. „ sowas von tranig.
Gegenüber der Venus von Bümpliz nur selbstgefälliger Schwachsinn.
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Bravo – danke für die coole,positive und entspannende Story!
Bitte mehr davon & weiter so 👍
🙏😀JP👋
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„Züri West sind der Soundtrack zum Schweizer Leben“ – Echt jetzt? „Sport und Musik“ war ganz OK („weg mit dem Ghütt, i bi für d’Anarchie“) und auch noch „Bümpliz, Casablanca“. Aber danach wurden sie doch sehr brav. Unser Soundtrack zum Zürcher WG-Leben damals war ganz klar Baby Jail. Ich mochte auch den Bösen Buben Eugen, zwar nicht Mundart aber gute Texte in Deutsch. Wenn schon Berner, dann Stiller Haas oder der Blusbueb, aber der kam erst später.