Nicht nur an den Volkschulen (Teil 1) bleiben die Politiker aussen vor, auch an den Pädagogischen Hochschulen (PHs) spielen diese heutzutage höchstens noch eine Nebenrolle, die zweite Garde.
Früher unterstanden die Lehrerausbildungsstätten direkt den kantonalen Behörden, das heisst, nicht nur Direktoren, sondern auch Dozenten wurden direkt durch die kantonalen Regierungen oder deren Vertreter gewählt.
Also durch Politiker, welche die Mehrheit in der Bevölkerung abbilden. Diese übten auch die Aufsicht aus, beispielsweise über Lehrpläne, Disziplin und Abschlussprüfungen der angehenden Lehrer.
Heute regieren die Rektoren und Prorektoren der PHs, Hochschulleitung genannt, selber mit viel Macht, hauptsächlich über die direkte Einstellung von Dozenten.
Ebenso bestimmen sie über die Zulassungen von Studenten, über Inhalte und Abschlussprüfungen. Damit verfügen sie über eine massive Einflussmöglichkeit, wie später an Schulen unterrichtet wird.
Studenten mit politischen Haltungen, die den Dozenten und der Hochschulleitung nicht passen, riskieren sogar, keinen Abschluss machen zu können, selbst wenn ihre Meinung von einer Mehrheit im Kanton geteilt wird.
Vor einigen Jahren hielt Professor Roland Reichenbach an der PH Zug, eingeladen vom Klett und Balmer Verlag, einen Vortrag über Autorität, Macht und Vertrauen in der Erziehung.
Unter anderem referierte Reichenbach über den Lehrer als „Meister“, der viel wisse, den Schülern vorausgehe und anleite, wie es geht.
Pädagogische Autorität ziele zwar darauf hin, dass Schüler selbständig werden, aber weil sie davor viel gelernt und gute Gewohnheiten gebildet haben.
Ich sass im Publikum und stimmte ihm innerlich in allen Punkten zu. In der Fragerunde meldete sich ein PH-Student, der auch beeindruckt war, aber anmerkte, dass er mit so einer Haltung morgen an der PH bei seinem fiktiven Bewerbungsgespräch durchfallen würde.
Tatsächlich wurde beim Apéro im Gespräch mit ein paar Dozenten schnell deutlich, dass ihnen Reichenbachs Vortrag missfallen hatte.
Die Politik schaut zu und kann nur noch staunen, wie sich die Pädagogischen Hochschulen total verselbständigt haben und sich fachlich und inhaltlich nicht mehr hineinreden lassen.
Zehn Jahre lang sass ich, damals Oberassistentin in der Lehr- und Lernforschung an der ETH, im bürgerlich geprägten Hochschulrat der PH Zug mit viel politischer Prominenz.
Nach anfänglicher Euphorie darüber, etwas für eine gute Lehrerausbildung beitragen zu können, musste ich feststellen, dass wir lediglich bei ein paar politisch-strategischen Entscheidungen mitbestimmen durften.
Zwar heisst das Gremium vornehm „Hochschulrat“, es hat aber keinen Einfluss auf die Qualität und die Inhalte der Lehrerausbildung, wie das früher der Fall war.
Dies wäre jedoch wichtig, wenn die Politik gemäss den Mehrheiten in der Bevölkerung steuern möchte, wohin sich die Schule entwickeln soll.
Zwar durften wir als Hochschulrat neue Mitglieder der Hochschulleitung einstellen, wie zum Beispiel eine neue Rektorin und einen Leiter der Verwaltung. Diese versuchten uns im Auswahlverfahren auch zu gefallen.
In der Realität handeln diese dann völlig autonom und stellen nach eigenem Gusto und Ideologie ihre Dozenten ein, über die sie später auch selber die Aufsicht ausüben und sie beurteilen.
Dem Hochschulrat bleiben neben der Wahl des Rektorates lediglich ein paar strategische Stellschrauben, wie zum Beispiel Studienprogramme, Budget, Reglemente, Absegnung der Erhebung von Dozenten zu Professoren, dazu viel Qualitätssicherungs-Blabla und theoretisches Geplänkel.
Dies alles hat nur wenig Auswirkung auf die inhaltliche Ausbildung, welche angehende Lehrer an der PH erhalten.
Nebst der schönen Erfahrung, vom Regierungsrat gewählt, in einem wichtigen Gremium zu sitzen und mit sympathischen Hochschulratskollegen auszutauschen, war es inhaltlich eine grosse Enttäuschung.
Erstaunt bin ich nicht so sehr, dass die Politik die Bildung aus den Händen gegeben hat, sondern dass sie zu wenig versucht, diese wieder zurück an die Zügel zu nehmen und damit die ihr zustehende Verantwortung für die Bildung auch ausüben zu können.
Der Grund für das sinkende Leistungsniveau an Schulen liegt nicht allein am Lehrplan, am Frühfranzösisch oder an den vielen fremdsprachigen Kindern, sondern die Lehrer werden schlichtweg zu leistungsfeindlich ausgebildet.
Neun Jahre intensiver Unterricht müssten nämlich reichen, um auch bei Kindern mit schwächeren Ausgangsvoraussetzungen eine gute Grundlage zu legen.
Meiner Meinung nach wäre der wichtigste Punkt, dass die verantwortlichen politischen Gremien die Dozenten wieder selber einstellen, beaufsichtigen und beurteilen würden. Das würde Vorschläge seitens der PHs ja nicht ausschliessen.
Auf jeden Fall liessen sich an diversen PHs so einige Missstände beheben – mit positiven Auswirkungen weit in die Schulen hinein.
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Der Marsch durch die Institutionen hat statt gefunden.
Die Folgen davon werden immer verheerender.
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Ein Blick in den Lebenslauf der Autorin genügt: Bislang hat sie sich ausschliesslich in der akademischen und staatlichen Bubble bewegt. Erst einmal Praxiserfahrung in einer KU sammeln – dann gerne wieder Artikel auf IP veröffentlichen.
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Es gibt eben zuviele Neuschweizer im Bildungssystem.