Darum Gold

Der Goldpreis ist inzwischen in seinem 12. Bullenjahr. Und seit ein paar Wochen erleben wir seit Beginn des Bullenmarktes zum vielleicht 12. Mal, dass das Ende der Aufwärtsbewegung verkündet wird. Für den langjährigen Goldbug ist die Phase seit dem Höchst bei 1’920 Dollar im September 2011 zwar weniger aufregend beziehungsweise etwas mühsam geworden, doch man ist sich dank der langjährigen Erfahrung inzwischen an eines gewohnt: Beim Gold geht es immer sehr volatil zu und her; erst recht beim kleinen Bruder, dem Silber.

Diese teilweise extrem volatilen Preisbewegungen sollten niemanden überraschen. Gold ist das wohl emotionalste Finanz-Asset im Universum der Investments. Die Nachfrage kommt ausschliesslich von zwei meist emotional handelnden Käufern. In wirtschaftlich guten Zeiten gönnt man sich etwas mehr und tritt als Schmuck-Käufer für sich oder seine Liebsten auf. Dagegen schwindet das Vertrauen in wirtschaftlich schlechten Zeiten, und man will zumindest einen Teil seines Vermögens mittels Gold-Käufen in Sicherheit bringen.

Offensichtlich befinden wir uns aktuell in eher schwierigen Zeiten, das Vertrauen in das System ist angeschlagen; bei den einen etwas mehr als bei den anderen. Darauf deuten die Gold ETF-Bestände nahe dem Allzeit-Hoch hin. Angesichts des eher negativen Preistrends seit fast 10 Monaten ist dies eigentlich eine Überraschung. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass es vor allem die Gold-Futures sind, welche seither massiv abgenommen haben und damit auf den Preis drückten.

Von den ausstehenden Gold ETF sind momentan rund 63 Prozent in europäischen Händen, und exakt ein Drittel liegt bei den nordamerikanischen Investoren. Hier zeigt sich eine weitere Überraschung. Die beiden Länder, welche bei der Goldnachfrage seit Jahren die Plätze 1 und 2 belegen – Indien und China -, sind unter den ETF-Investoren kaum zu finden. Die asiatischen Investoren besitzen nur gerade 1,7 Prozent der weltweit ausstehenden Gold-ETFs. Indien ist seit Jahren der grösste Importeur von Gold und dürfte in diesem Jahr von China abgelöst werden; dies obwohl das Reich der Mitte schon vor Jahren die Spitze bei der Gold-Förderung übernommen hat.

Die Asiaten bevorzugen offensichtlich pyhsisches Gold. Beide Länder haben nicht nur einen tradtionellen Hang zu Gold-Eigentum, sondern durchleben gleichzeitig eine gemäss Lehrbuch unmögliche wirtschaftliche Phase. Im eigenen Land herrschen einerseits wirtschaftlich positive Zeiten mit einer wachsenden Mittelschicht und somit steigender Nachfrage nach Goldschmuck, andererseits ist auch der Absicherungs-Wille in Gold höher, da die Schwäche der wirtschaftlich wichtigsten WeltHandelspartner eine Gefahr für Indien und China bedeutet.

Doch Angebot und Nachfrage ist für den Goldpreis nicht derart relevant, wie dies immer wieder behauptet wird. Im Gegensatz zu allen anderen Basismetallen oder Commodities, teilweise auch Silber, ist das gelbe Metall nämlich kein Verbrauchsgut. Gold wird gefördert und verschwindet danach in irgendeiner Form, meist als Goldbarren oder -schmuck, im Tresor. Wird dieses Gold verkauft, geht es von einer „Schublade“ in die andere. Auf diese Art sammelten sich historisch und weltweit rund 165’000 Tonnen Gold an. Dies entspricht aktuell einem Gegenwert von rund 7’900 Milliarden Dollar oder etwa 3,5 Prozent der weltweiten Kapitaliserung aller Bonds inklusive Geldmarkt und Aktien, aber ohne Immobilien.

Ob da nun jährlich 1’500 Tonnen (entspricht 0,9 Prozent des weltweiten Bestandes) oder 2’500 Tonnen (1,5 Prozent) neu gefördertes Gold dazu kommen, dürfte von zweitrangiger Bedeutung sein. An den Futuresmärkten wird jedenfalls tagtäglich ein Mehrfaches der jährlichen Förderung gehandelt. Klar, dabei handelt es sich um Papiergold, doch wie oben erwähnt hat dies einen Einfluss auf die Preisbildung des gelben Metalles.

Es sind auch nicht die tiefen Zinsen, die den Goldpreis in die Höhe treiben. Wäre dem so, dann hätte der letzte grosse Gold-Bullenmarkt Ende der 1970er Jahre bei Zinsen des Federal Reserve um 20 Prozent nicht stattfinden können. Nein, es sind nicht die tiefen Zinsen, sondern negative Realzinsen, die das bullishste aller Argumente für Gold darstellen. Diese hatten wir vor mehr als 30 Jahren. Die Zusicherung, dass wir Investoren auch in den kommenden Jahren mit real negativen Zinsen leben werden, wird uns von oberster Warte „versichert“: den Nationalbanken. Fast alle massgeblichen Notenbanken haben in der Zwischenzeit zugesichert, die Zinsen noch bis mindestens 2013 oder gar 2014 tief zu halten. Bleibt die Inflation unter Kontrolle, dann bleiben die realen Renditen weiter im Minus. Wenn hingegen die Inflation ausser Kontrolle gerät, wird die real negative Rendite zusätzlich ansteigen, was den Goldpreis erst recht in die Höhe treiben würde.

Die Versicherung, dass die Zinsen tief bleiben, ist allein durch die heiss laufende Notenpresse gegeben. Nicht nur Europa, sondern auch Japan und insbesondere die USA dürften ihr Wohl auch in Zukunft in der keynesianischen Liquiditätsschwemme sehen. Zudem wird die Schuldenlast in diesen Ländern ständig zu. Alternativen zur Notenpresse sind in der Welt der modernen Finanztheorie nicht in Sicht – und werden entsprechend weiterhin nicht in Betracht gezogen.

Damit kann auch ein mögliches Ende des Goldbullenmarktes definiert werden. Dieser wird enden, wenn die Notenpresse nicht mehr benötigt wird beziehungsweise wenn die Verschuldungssituation der grossen Industrieländer weltweit gelöst ist. Bis dahin stellt jeder Rückschlag beim Goldpreis eine Kaufgelegenheit dar. Bei überhitzten Gemütern und steigenden Preisen kann zwischendurch auch etwas verkauft werden. Silber wird weiterhin mit etwas höherer Beweglichkeit auf beide Seiten korrelieren.

Wer etwas stärkere Nerven hat, kann auch ein Investment in Goldminen in Betracht ziehen. Im Verhältnis zum Goldpreis waren diese noch nie so günstig. Je nach Unternehmen erhält man mit einem Investment Zugang zum Gold nicht zum aktuellen Preis, sondern zu 100 bis 300 Dollar je Unze – die erst noch im sichersten Tresor der Welt liegen: untertags im Erzkörper der Mine, welche im Besitz des entsprechenden Unternehmens ist.

Wer hingegen denkt, dass sich das weltweite Problem der Staatsverschuldung ohne weiteres Gelddrucken lösen lässt, der sollte von einem Investment in Gold absehen.

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4 Kommentare zu “Darum Gold

  1. Also, jemandem der auf Anraten seines Anlageberaters Gold gekauft hat bei USD 1900, und der jetzt auf 10-15% Verlust sitzt, dem sagen Sie: „das Gold wird weiter steigen“ ? wohin wird es steigen ? auf das Matterhorn ?

  2. Wie wahr, wie wahr! Die Minenaktien-Kurse sind
    fast ausnahmslos derart günstig bzw. unterbewertet, dass sich deren Erwerb spekulativ sogar physischem Goldbesitz vorzuziehen sind.

    Als last resort gilt aber nur der physische Besitz des Edelmetalls.

    Charles A. Tan

    • …wobei man natürlich nicht vergessen darf dass jede Mine ein Unternehmen ist das mit seiner Produktion etc durchaus mit staatlichen Repression repressionen leben können muss, bzw im schlimmste fall verstaatlicht wird…