Grossrazzia bei Safra Sarasin in Basel

Wegen Maschmeyer-Anzeige um Cum-Ex-Vehikel – Eric Sarasin und Joachim Strähle im Visier – Bank schweigt.

Die Schlinge um die Privatbank Safra Sarasin und ihren bekannten Private-Banking-Chef Eric Sarasin zieht sich immer mehr zu.

Heute führten die Staatsanwaltschaften von mindestens vier Kantonen Razzien gegen die Basler Bank und ihre aktuellen und ehemaligen Chefs durch, darunter Eric Sarasin.

Es geht um die Affäre rund um den deutschen Milliardär Carsten Maschmeyer. Dieser hatte in Deutschland Strafanzeige wegen Betrugs eingereicht.

Maschmeyer, der durch den Verkauf seines Finanzvermittlers AWD an die Swiss Life reich wurde, wirft den Sarasin-Verantwortlichen vor, ihn, seine Partnerin und weitere Investoren mit Cum-Ex-Produkten geschädigt zu haben.

Maschmeyer hatte 40 Millionen Euro in trickreiche Dividenden-Fonds der Bank Sarasin investiert, von denen er rund 20 Millionen verloren haben soll.

Letzte Woche hatte die zuständige Staatsanwaltschaft in Köln Hausdurchsuchungen in 10 Ländern bekannt gegeben. Mit einer Woche Verspätung haben nun auch die Strafbehörden in der Schweiz zugeschlagen.

In Basel führten die Ermittler mehrere Hausdurchsuchungen durch. Eine betraf den Hauptsitz der Privatbank Safra Sarasin, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte.

„Auf Gesuch via Rechtshilfe der Strafbehörden in Köln haben wir heute unter anderem bei der Bank Sarasin in Basel eine Razzia durchgeführt“, sagte Peter Gill.

Wo die weiteren Hausdurchsuchungen stattgefunden hätten, wollte Gill nicht sagen. „Es geht um den Verdacht auf Vermögensdelikte“, führte der Sprecher der Basler Strafbehörde aus.

Ein Insider bestätigt, dass die Basler Ermittler auch Eric Sarasins Privatdomizil durchsuchten. Dieser war nicht erreichbar.

Die Bank Sarasin, die das Cum-Ex-Vehikel im Frühling 2010 aufgebaut hatte mit dem Ziel, dieses gross in Deutschland zu vermarkten, wollte laut einem Sprecher keine Stellung nehmen. Die Privatbank gehört seit 2012 der brasilianischen Safra.

Weitere Hausdurchsuchungen haben die kantonalen Strafbehörden von Zürich, Schwyz und mindestens einem weiteren Kanton durchgeführt.

In Schwyz klingelten die Ermittler an der Tür des Ex-Operations-Chefs der Bank Sarasin, Christian Gmünder. Dieser ist seit kurzem für Vontobel tätig.

In Zug könnten die Behörden das Privathaus von Joachim Strähle untersucht haben. Der Ex-CEO der Bank Sarasin wohnt dort in einem kleinen Ort.

In Zürich sind die Strafbehörden ebenfalls aktiv geworden. Hier hat die Bank Sarasin einen grossen Ableger.

Während Joachim Strähle seit seinem Ausscheiden bei der Safra Sarasin im Frühling 2013 nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten ist, sitzt Eric Sarasin trotz einer Medien-Lawine im Frühling immer noch im Sattel.

Wie die „Bilanz“ Anfang April nachzeichnte, gaben die Sarasin-Chefs Joachim Strähle, sein Operations-Mann Christian Gmünder und weitere Spitzenkader der Bank im Sommer 2010 grünes Licht für die Operation „Gipfelsturm“.

Eric Sarasin gelang es, im Zuge von „Gipfelsturm“ seinen Bekannten, den deutschen Milliardär Carsten Maschmeyer, als neuen Grosskunden zu gewinnen.

Maschmeyer investierte darauf zusammen mit Partnerin und Freunden in Sarasins Cum-Ex-Fonds, genannt „Sheridan“. Anfang 2011 war Maschmeyer mit dem Totalbetrag von 40 Millionen Euro drin.

Im Frühling 2011 kriegte die Sarasin erpresserische Post. Nur wenn sie eine stolze Summe bezahlen würde, bliebe die Bank vor einer Offenlegung ihrer Cum-Ex-Praxis verschont, drohten Unbekannte.

Laut der „Bilanz“ floss damals Geld. Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten gegen einen Ex-Sarasin-Juristen, der nach seinem Abgang kurz für die Bank Julius Bär tätig war. Unter anderem geht es um Erpressung.

Eric Sarasin hielt Maschmeyer, dem es schon bald unwohl wurde, lange hin. Erst im Frühling 2012 reagierte der Private Banker – und versuchte, seinen wichtigen Kunden bei der Stange zu halten.

„Klar! Werde dafür sorgen, dass diese Summen bis Anfangs April zurückkommen! 12% Rendite!“, vertröstete er Maschmeyer per SMS.

Dann lud er den „lieben Carsten“ und Veronica Ferres, die Schauspielerin an der Seite des unzimperlichen Investors, zur Art Basel mit gemeinsamem Essen ein. „Zum Italiener per Schiff!!!“

Nun ist die Polizei bei Sarasin zuhause aufgekreuzt. Die Geschichte mit Maschmeyer droht für den Spitzenbanker mit dem noblen Namen und seine Basler Arbeitgeberin zum Drama zu werden.

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16 Kommentare zu “Grossrazzia bei Safra Sarasin in Basel

  1. Sehr interssante Pressenews heute in Deutschland: „Sarasin und Maschmeyer einigen sich“ .. Noch interessanter:
    Diese Woche war eine Razzi in der Zentrale der Deutschen Bank wg genau derselben legalen Sarasin Transaktionen Cum Ex. Das heisst die Deutschen Grossbanken haben die Schweizer voll hinter die Fichte geführt. Und bis heute noch nicht die eigenen Landesbanken untersucht die genauso in die Transaktionen verstrickt sind, weil die deutschen ganz genau wissen, dass in Deutschland die Legalen Deals gedultet wurden.
    Man wollte den Schweizern einfach mal eins reindrücken und die Schweizer sind darauf reingefallen, unfassbar…

  2. Spektakuläre Wende in Sachen Müller/ Maschi vs. Sarasin! Der (von der Schweizer Staatsanwaltschaft angezeigte) Stuttgarter Anwalt Eckart Seith hat Prozessbetrug begangen! Seith hat vorsätzlich mehrfach gelogen, er, sein Mandant Müller und Maschi kannten die Cum Ex Struktur nämlich schon vor Sarasin bis ins letzte Detail! und waren hochprofessionelle erfahrene Cum Ex Fund Trader! Seith hat laut Pressemeldungen die bankinternen Cum ex Unterlagen aus der Bank Sarasin entwenden lassen und an Stern und Sueddeutsche Zeitung verkauft, gleichzeitig Deals mit der deutschen Staatsanwaltschaft gemacht. Gestern wurde nun bekannt, dass Seith, Müller & Co. Mandanten vorher genau über die Cum Ex Deals Bescheid wussten und sogar via RA Dr Koblenzer eigene Rechtsgutachten bereits in 2010 in Auftrag gegeben hatten. Rechtsanwalt Seith hat damit Prozessbetrug begangen und auf dieser Grundlage die ganze Razzia in der Schweiz und in Deutschland angestrengt, es bleibt zu hoffen dass die Schweizer Behörden jetzt zum Gegenschlag ausholen, keine Daten an die Deutschen liefern, denn Seith und Müller sollten selber Strafanzeigen wegen Abgabenbetrug bekommen. Seith hat sich aber wahrscheinlich Straffreiheit für Müller und Maschmeyer bei der deutschen Staatsanwaltschaft zusichern lassen, ein Skandal…. Wegen diesem unseriösen Stuttgarter Anwalt – der nebenbei gesagt ganz sicher seine Anwaltszulassung verlieren wird- musste Eric Sarasin zurücktreten, unfassbar. Quelle u.a. heute in der Presse unter:

    http://www.finews.ch/news/banken/16706-sarasin-erwin-mueller-cum-ex-gutachten

  3. Hier werden voellig verschiedene Sachverhalte vermischt: Warum sollte Sarasin sich 2011 habe „erpressen lassen“ wollen.. Sarasin hatte gar keinen Grund, da sie ja nie etwas zu befuerchten hatten, da die cum ex deals bis 2012 legal waren! Laut Pressemeldungen ging es 2012 um ganz gewöhnliche Kunden Vermittlungsprovisionen für zugeführte Kunden- sarasin war weder direkt noch indirekt involviert! es ist im Markt in Zuerich auch bekannt, dass man bei diesen Strukturen erst hohe Provisionen für neue GrossKunden versprochen hat und dann hinterher die Vermittler nicht auszahlen wollte.
    Angeblich wurde Sarasin erst viel später wirklich erpresst mit intern geklauten Bankunterlagen von 2 Ex Mitarbeitern die jetzt in U Haft sitzen. Laut Zuercher Staatsanwaltschaft stehen diese Vorgaenge aber in keinem Zusammenhang, unterschiedliche Personen. 2011 ging es um legale Kundenvermittlungsprovisionen, 2014 um illegale Erpressung der Bank mit geklauten internen Bankunterlagen von einem Deutschland Team Direktor und einem Compliance officer.

  4. Von einer Basler Arbeitsgeberin ist nicht die Rede. Die Bank gehört, inkl. Name, zu 100% der Familie Safra aus Brasilien. E. Sarasin wurde bestimmt nicht wegen seiner Performance sondern wegen dem Familienname übernommen. Leider kannte E. Sarasin die Vorgeschichte vom „lieben Carsten“ nicht, oder doch? Topbanker sollten ihre „lieben Kunden“ erstmals durchleuchten und sich nicht aus Geldgierde „fehlleiten“ lassen.

  5. der „Maschi“ ist klever, so hat er beispielsweise schon sehr früh die nähe (und Schutz) zur Politik gesucht, bspw. zu Gerhard Schröder!

  6. Schade hat die Behörden bei AWD nicht durchgegriffen. Hr. Maschmeyer machte Millionen und der Kleinsparer wurde geschröpft und betrogen. Aber das interessierte niemanden. Und jetzt jammert er, dass er das „gestohlene “ Geld verloren hat. Peinlich!!!!!

    • Richtig, die geprellten Kleinsparer haben keine Macht und auch kein Geld, um Macht zu kaufen. Gegen den Marschmeyer sollte schon lange ermittelt werden. In Oesterreich war das einmal der Fall. Was ist daraus geworden?

    • AWD nennt sich heute Swiss Life. Die haben den ganzen Laden übernommen: Leute, Geschäftsbeziehungen… und somit die Verantwortung. Das Gute daran: die Swiss Life ist (noch) solvent. Da ist für Geschädigte durchaus noch etwas zu holen.

  7. Maschmeyer kennt sich aus in dem Geschäft. Er hat selber „halbseidene“ Methoden als Geschäftsgebaren verwendet. Und bei dem Geschäftsmodell Cum-Ex muss man nicht einmal Fachmann sein, um zu verstehen, worum es geht. Gesunder Menschenverstand reicht dazu aus. Oder kann man sich bei irgendeiner Bank sein Guthaben mehrmals bzw. ein nicht vorhandenes Guthaben auszahlen lassen?

    Hier stellt sich der Gauner als Geprellter hin. Besser wäre es, den Mund zu halten und wie ein Mann, dieses Lehrgeld akzeptieren.

    Die teilnehmenden Banken sind auf jeden Fall zur Rechenschaft zu ziehen, da ohne sie dieses Model gar nicht funktioniert hätte.

    Und die Politik (in diesem Fall ein gelernter Lehrer names Hans Eichel) sieht auch nicht gut aus, da sie dieses fehlerbehaftete Gesetz erst erlassen hat.

  8. Acht wie niedlich. Der Maschmayer, der mit seiner AWD selbst tausende von Kunden und Mitarbeiter schamlos ausgenutzt hat spielt jettzt das Unschuldslamm! Und unsere Justiz hilft diesem Despoten auch noch? Hier zeigt sich mal wieder deutlich wie korrupt die Hochfinanz ist. Gerade einem solchen Aal wie dem Maschmayer ist sehr wohl bekannt, dass es keine risikofreien Grossgewinne gibt!

  9. Soso, der ehrwürdige Maschi das Opfer!? Und als völlig unbedarfter in Sachen Investmentprodukten konnte er ja keine Ahnung um was es hier geht, armer Maschi..!?
    Will sich da nicht jemand als Opfer aus der Story mogeln, weil das ganze in D schon vor langer Zeit aufgeflogen ist und selbst jemand vom Kaliber eines Supidupi Maschi eins und zweieinhalb zusammen zählen kann? Ist doch bestimmt effizienter das Opferlamm zu mimen als freiwillig den Hoeness zu machen. Da lässt sich doch mit Pleite D sicher ein Deal arrangieren um ein bisschen Druck auf unseren wachsweichen Bundesrat auszuüben.
    P.S. E. bisch e Schofseggel, cu@eiche

    • Einverstanden. Bei Maschi hätte schon vor Jahrzehnten eine Hausdurchsuchung gemacht werden müssen, aus anderen Gründen. Denke auch, dass er da auch ein Ablenkungsmanöver fährt. – Allerdings muss man schon sagen, dass Strähle und Konsorten schon ziemlich hohle Gestalten sein müssen, wenn sie dachten, sie kämen mit einem organisierten Betrug am Staat, und die Cum-Ex-Geschäfte sind nichts Anderes, einfach so davon. – Wie war da übrigens der damalige CIO involviert (kriege Pickel wenn ich nur schon ein Bild von ihm sehe), der jetzt bei der Bär ist?

  10. Ufffhh: Herr Hässig!!

    Why don’t you give es a break?

    Am Dientstag der Primeur mit ZKB/Swisscanto und heute gleich nochmals zwei!