Das Herz: CS-Spitzenmann fällt 3 Monate aus

Christoph Brunner muss sich schonen – Rückschlag für Schweizer Fraktion – neue CS Switzerland ohne Chefs mit Potenzial.

Christoph Brunner, 51, Leiter des wichtigen Private Bankings der Credit Suisse in der Schweiz, ist gesundheitlich angeschlagen. Am Freitag wurde intern bekannt, dass Brunner lange ausfällt.

Gemäss einer Quelle muss der Topmann, der das Marketing-Programm „Bonviva“ durchgepeitscht hat und mit „CS Invest“ gefordert ist, sich wegen schwerer Probleme schonen.

Brunner fällt für 3 Monate aus. Interimistisch übernehmen Robert Wagner, Brunners Stabschef und ein Intimus von Bigboss Hans-Ulrich Meister, sowie die Shooting-Frau Florence Schnydrig Moser.

Sowohl Wagner als auch die erst kürzlich zur Marketing-Chefin gekürte Schnydrig Moser gelten als fähige Manager. Aber beide haben noch keinen breiten Erfahrungsschatz.

Die Ersatzlösung zeigt: Im Schweizer Teil der Credit Suisse fehlen zunehmend gestandene Kräfte. Die Management-Schicht an der Spitze ist ausgedünnt.

Vor allem Brunners Ausfall verschärft das Problem, das sich über die letzten Jahre schleichend ausgeweitet hat. Es fehlen Topleute, die sich in der harten Führung bewährt haben und welche die Grossbank umfassend kennen.

Vor kurzem verliess Firmenkundenchef Barend Fruithof die CS. Er galt als Kandidat für die neue Tochter CS Schweiz AG, die neben den beiden Ablegern in New York und London am Entstehen ist.

Fruithof und Brunner sind im Unterschied zu vielen anderen keine einseitigen Spezialisten. Sie haben Erfahrung gesammelt in Finanzen, Backoffice und über die letzten Jahre an der Front.

Ohne Brunner und Fruithof bleibt als bekannte und gewichtige Persönlichkeit innerhalb der Schweizer CS-Topriege nur noch Hans-Ulrich Meister.

Meister könnte nun als Chef für die CS Schweiz AG gesetzt sein. Intern gibt es kaum mehr einen alternativen Kandidaten für den zukünftigen Spitzenjob, der Private und Investment Banking vereinigt.

Für die CS würde Meister allerdings zu einer temporären Lösung. Er hat Jahrgang 1959, ist also Mitte 50. Und er ist schon verbraucht.

In den 4 Jahren, seit er das Private Banking der CS leitet, hat der Ex-UBS-Mann zwar viel angerissen, konnte aber die CS nicht als führende Marke im globalen Wettstreit positionieren.

Im eigentlichen Private Banking, also dem Geschäft mit vermögenden Privatkunden, ist die CS nur eine halbe UBS.

Auch deshalb nahm sie nie eine klare Weichenstellung weg vom Primat des Investment Bankings hin zur Vermögensverwaltung vor. Die UBS tat dies bereits Ende 2012.

Hinzu kommt der interne Machtkampf mit den Amerikanern, die bei der CS traditionell eine starke Machtstellung haben. Dort musste Meister mehr und mehr Terrain preisgeben.

Der starke Mann in der weltweiten Vermögensverwaltung ist nicht Hans-Ulrich Meister, sondern der Amerikaner Rob Shafir.

Shafir gilt als enger Vertrauter von Noch-CEO Brady Dougan. Bei einem kürzlichen Townhall – das sind interne Grossveranstaltungen fürs Personal – liess Shafir Meister als klare Nummer 2 erscheinen.

Manchmal geht Meister bei den Amerikanern vergessen. Als die Kommunikation einer wichtigen Personalie anstand, fehlte in einer ersten Version Meisters Name als Absender.

Auch den Aufstieg der New Yorkerin Pamela Thomas-Graham konnte Meister nicht verhindern. Sie hat ein eigenes Kundensegment erhalten und ist seither von der Bildfläche verschwunden.

Wie sehr die Angelsachsen die CS dominieren, zeigte die Wahl von zwei neuen Amerikanern als Co-Leiter des Bereichs Investment Banking.

Dies geschah letzten Herbst, als CEO Brady Dougan nach offizieller CS-Version bereits um seine Ablösung gebeten hatte.

Dass Dougan noch als „Lame duck“ solch gewichtige Personalentscheide bei CS-Präsident Urs Rohner durchbringen konnte, ist im Rückblick höchst erstaunlich.

Oder auch nicht. Seit die CS vor 27 Jahren die damals schlingernde Wallstreet-Bank First Boston übernommen hatte, drücken die Amerikaner dem Schweizer Finanzmulti den Stempel auf.

Mit Christoph Brunner verlieren die Helvetier innerhalb der CS – zumindest für den Moment – einen ihrer machtbewussten Leader.

Egal, ob Brunners Entscheide überzeugten oder nicht: Er war unbestritten der starke Mann der Credit Suisse Schweiz.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Ich wünsche Herrn Brunner, dass er schnell wieder auf die Beine kommt. Gleichzeitig muss ich aber auch ehrlicherweise sagen, dass sich mein Mitleid mit ihm in engen Grenzen hält: ich möchte nicht wissen, für wieviele Magenschwüre, Hypertonieen und Burn-outs unter den CS Mitarbeitern er verantwortlich ist. Sein tayloristischer Management-Stil gehört jedenfalls ins letzte Jahrhundert. Vielleicht hat er ja nun ein bisschen Zeit darüber nachzudenken…

    • Und dann ist er ja noch Tradinganfällig, was jeder weiß und darum gehört der Mann nicht mehr auf eine Bank……!

  2. Es fällt immer wieder auf,wie vergleichsweise sachlich und emotionslos bei „Inside Paradeplatz“ berichtet wird,wenn es um Amerikaner geht.Geht es hingegen um Deutsche,bekommt das Ganze immer einen mehr oder weniger hasserfüllten Subtext mit,der einer gewissen Peinlichkeit nicht entbehrt.Da ist dann im Artikeltext immer dieses „Die-Deutschen-wollen-uns-dominieren“ dabei,obwohl die angelsächsische Dominanz auf Leitungsebene etwa bei der CS deutlich grösser ist als die der Deutschen.Die scheint da aber als gottgegeben hingenommen zu werden 🙂

  3. stimmt. die Kommentare sind teilweise sehr verachtend. Sie richten sich aber vermutlich nicht gegen den Herrn Brunner, dem man vor allrm gute Genesung wünschen sollte ( das ist das einzig richtige), sondern gegen den Arbeitgeber CS, der seine Mitarbeiter auf die eine oder andere Art ausbeutet. Und das auf menschenverachtende Art. Da hat sich eine Menge Frust und Aggression angestaut und die kommen dann bei bestimmten Gelegenheiten wieder hervor.
    Die CS leistet wohl einen wichtigen Beitrag und ist in einer Vorreiter Rolle, dass sich das gesellschaftliche Klima rapide verschlechtert. Kann das vielleicht sein, das die meisten Menschen das nicht wollen? Deswegen diese abscheuliche Häme.

  4. Das Niveau bei den Kommentaren auf dieser Seite ist teilweise echt bedenklich und menschenverachtend. Wie viel Frust muss in diesen Schreiberlingen stecken. Einfach nur bedauernswert.

  5. Herr Brunner hat 2013 in einem CS-Internen Magazin-Inverview auf die Frage, „wie er denn seine ‚Work-Life-Balance‘ / also den Ausgleich zur Arbeit meistere“ etwa wiefolgt geantwortet: „Wissen Sie, ich liebe meine Arbeit, da brauche ich keinen Ausgleich. Ich erhalte vollste Erfüllung on-the-job, etc, etc…“.
    Das interview ist wohl noch online verfügbar.
    Ich hoffe Einsicht kehrt ein und, Christoph spricht ein paar mal mit Bögli und bald unterrichten beide an der ZHAW. Da hat man noch was vom Leben. z.B. Ein Grosses im Paddy nach dem Unterricht.
    Wünsche dir gute Besserung Christoph!!

    • Bloss nicht! Zwar ist die ZHAW schon lange nicht mehr das, was sie mal war, aber trotzdem: Was sollen die Studenten der ZHAW denn von diesen Typen lernen? Ausbeutung pur a la Taylor?

  6. erstmals wünsche ich dem Herrn Brunner gute Besserung. Das ist das wichtigste.

    Die CS sollte sich mehr überlegen, warum sie Mitarbeiter ( dazu gehören letztlich auch die Chefs) so ausbeutet und sie dazu drängt, das äusserste zu geben. Eine fürchterliche Wichtigtuerei, befeuert von der Aussicht auf den grossen. Bonus. Was ist das für ein Leben? Und erst wenn es dann plötzlich vorbei ist? Hat sich das der Schöpfer so vorgestellt, dass wir so ohne Verstand leben?
    Meine Diagnose ist:
    Beruflich induzierte Massenpsychose und Tunnelblick. Passiert vor allen den Hochbegabten (Gott sei Dank nicht allen!)

  7. Ja, wenn man raucht wie ein Schlot, frisst wie ein Tyranosaurier, Sport betreibt wie ein Faultier und cholerischer ist als Donald Duck, dann wundert das nicht besonders…

    • Nein, er hat richtig entschieden, denn man merkt normalerweise erst was einem fehlt, wenn man es nicht mehr hat. Also der richtige Zeitpunkt, um ihn wieder zu holen. Herr Rohner sie sind gefordert und ich glaube an sie! Ich mache schon mal die Champagner Flasche auf! Wir brauchen diesen Mann wieder und zwar als CEO Schweiz. Und Herr Brunner soll wieder gesund werden aber trotzdem zuhause bleiben……

    • Die Hetzjagd gegen seine ehemaligen Vertrauten, welche gerade stattfindet, lässt Zweifel darüber aufkommen, wie freiwillig der Abgang von Fruithof wirklich war. Brunner hin oder her, das Mass war wohl voll.

  8. @Malboro; In der CS herrscht doch Rauchverbot? von Oben verordnet für dass gemeine „Büetzervolk“. Hält sich da Herr Brunner etwa nicht daran?

  9. Man kann ja fuer die Schweiz Romeo Lacher nehmen. Ich weiss, der hat genuegend zu tun mit EMEA, trotzdem kennt er aus der Vergangenheit Retail, Produkte, Operations und jetzt auch Private Banking. Zudem ist er auch noch ein Manager mit manieren und kein Koleriker – aber allenfalls ist das ja gerade sein Problem.

  10. Wenn man als Choleriker 20-30 Kilo zu viel auf den Rippen hat und raucht wie ein Schlot, dann wird einem irgendwann die Rechnung präsentiert. Der Krug geht so lange zum Brunner bis er bricht!

  11. Kein Problem: Darum nimmt man keine Frauen (Mutterschaftsurlaub) und in jedem Fall nur Angelsachsen (sind 7×24 anwesend) und keine Schweizer (denken zu viel mit und werden ab und zu krank).

  12. Der regt sich auch viel zu schnell auf und hat seine wutausbrüche nicht unter kontrolle. Und nur für so es ….. Bonviva Programm.

    • @toeckti – du vergisst insbesondere den zigarettenqualm in seinem office…. auch nicht gerade gesundheitsfoerdernd…

    • @malboro: Darf man in der CS im Büro rauchen? Wohl auch nur Einzelne, die „wichtig“ genug sind …

      PS: Es soll auch andere Firmen geben, wo Leute in der Teppichetage immer noch (Zigarren) rauchen „dürfen“. Aber wie sagt doch der Lateiner: „Quod licet Iovi non licet bovi“ …