Wie bei der Halbierungs-Vorlage gründete schon die „No Billag“-Initiative von 2018 in einer Tradition, die man nur verstehen kann, wenn man die 1970er-Jahre in der Schweiz versteht.
Damals war es keine Volksinitiative, die gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen antrat, sondern ein von der SVP und dem sogenannten „Hofer-Club“ orchestrierte Mix aus politischen Nationalratspostulaten, aargauischem Fundamentalismus und gezielt kanalisierten Wutbürgern, die Einzelbeschwerden gegen die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG einreichten.
Und zwar bei der damaligen obersten Beschwerdeinstanz und Konzessionsgeberin, dem Eidgenössischen Verkehrs- und Energie-Departement EVED.
Marie Therese Guggisberg, die spätere erste weibliche Tagesschau-Moderatorin, organisierte im Wintersemester 1976/77 ein Seminar am Publizistischen Institut der Universität Zürich mit dem Titel „Systemtoleranz“.
Die geschaffene Arbeitsgruppe untersuchte die häufig gewordenen Beschwerdefälle gegen die SRG wissenschaftlich und systematisch. Ich habe damals als junger Student teilgenommen und den Seminar-Ordner mit seinen vielen Unterlagen jetzt, 50 Jahre später, nochmals gesichtet.
1975 waren Beschwerden gegen Sendungen des Schweizer Fernsehens zwar nicht neu, häuften sich aber auffällig respektive steigerten sich zu eigentlichen Kampagnen gegen die SRG.
Die drei wirksamsten und bekanntesten Fälle von damals seien kurz erwähnt.
„Heer und Haus“ war eine Sektion der Schweizer Armee, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg dazu veranlasst fühlte, die Haltung der geistigen Landesverteidigung im Kampf gegen den totalitären Kommunismus bei der schweizerischen Zivilbevölkerung wach zu halten.
Eine Sendung von Fernsehen DRS über „Heer und Haus“ vom 6. Mai 1975 führte zu einer Flut von Beschwerden verschiedenster Einzelpersonen wegen „genereller Stimmungsmache gegen die Schweizer Armee“; “Wiedergutmachung am Bildschirm“, forderten die Beschwerdeführer.
Das EVED, heute UVEK, erkannte zwar keine Konzessionsverletzung, aber immerhin eine journalistische Fehlleistung. 1978 löste der Bundesrat „Heer und Haus“ auf.
Heftiger prasselten die Beschwerdeschriften nach einer Sendung vom 16. Oktober 1975 auf die SRG ein, 76 an der Zahl. Der „Bericht vor 8“ zeigte eine gegenüber dem Publikum explizit ausgewiesene Selbstdarstellung des sogenannten Soldatenkomitees, einer Art Vorläufer der GSoA, die bei den damaligen Wutbürgern auf offene Empörung stiess.
„Linke Propaganda“ und „manipulierte, armeefeindliche Gesinnung“ sei da am Werk gewesen. Man forderte personelle Konsequenzen, um solche „Fehlleistungen“ vom Fernsehen künftig verhindern zu können.
Die Beschwerde wurde teilweise gutgeheissen. Der Grundsatz der Objektivität sei verletzt worden und somit die Konzession.
Der Generaldirektor der SRG musste eine scharfe Rüge hinnehmen, Besserung geloben und schärfere Programmrichtlinien ankündigen.
Der bekannteste Beschwerdefall ist die Sendung über Kaiseraugst vom 6. Mai 1975. Die Sendung habe zugunsten der Besetzter des Kaiseraugst-Geländes informiert und unzulässige Hinweise auf Aktionen und Demonstrationen gemacht, ja, die linken Aktivisten seien geradezu unterstützt worden von der SRG, hiess es damals.
Man forderte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden und dass eine Gegendarstellung samt Entschuldigung durch das Fernsehen zu senden sei.
Die Beschwerdeinstanz stellte damals keinerlei Verletzungen der Konzession fest.
Die Analyse aller Beschwerdefälle durch die Projektgruppe Guggisberg ergab, dass es sich jeweils um ein organisiertes Vorgehen gegen das Fernsehen handelte. 90 Prozent der Briefe kamen aus dem Kanton Aargau, sie enthielten identische Sätze und Formulierungen.
Organisiert von der „Schweizerischen Fernseh- und Radiovereinigung“, die 1974 aus einem SVP-Teig heraus gegründet wurde.
Bald war diese nur noch nach seinem Gründer benannt: Hofer-Club. Walther Hofer war Historiker und Nationalrat (SVP) und wollte im Geiste des Kalten Krieges die linkslastigen Medienschaffenden zur Räson bringen.
Zusammen mit Ernst Cincera (FDP), dem berühmt-berüchtigten Kommunistenjäger, verkörperte Hofer die McCarthy-Ära der Schweiz.
Die Attacken der Hofer-Clubmitglieder zeigten schliesslich Wirkung: Die SRG wurde gezwungen, eine Beschwerdestelle mit Richtlinien für ein geregeltes Beschwerdewesen einzurichten. Alle Beschwerdefälle müssen seither statistisch erfasst, sortiert und analysiert werden.
Im September 1976 fanden wir eine Beschwerde, in der sich ein Radiohörer über die eingespielte Trauermusik zu Maos Tod beschwerte.
Was sagt uns das 50 Jahre später? Auch heute ist die Halbierungsinitiative kein Engagement für die geplagten Gebührenzahler, sondern der Kampf eines konservativen und rechtsgerichteten Bürgertums gegen ein in ihren Augen zu linkes Radio und Fernsehen.
Es ist ein Kampf gegen Meinungseinfalt. Die Strukturen von SRG SSR sind noch wie zu Zeiten von Radio Beromünster. Eine Nation, ein Sender, eine Stimme! Und der Sender vermittelt in erster Linie die linke Sicht da nützt alles anbiedern mit Samschtig-Jass, Landfrauenküche und das folkloristische Geschwafel nichts!
Die SRG brauchen nur noch die Alten
Frechheit,bin 77 und habe sicher mehr als 15 Jahre nie mehr Radio gehört.Fernseher hatte ich nie, Affe Kaste macht dumm!
Falsch. Als wirklich freier und unabhängiger Sender wäre auch der Auftrag, den Staat und seine Einstellungen kritisch zu hinterfragen, bei Themen wir Corona, Russlandkrieg, Klimawandel, etc. eine ausgewogene Berichterstattung zu machen. Ebenso bei Fragen wie Einwanderung, Kriminalität, etc. Dies ist aber definitiv nicht der Fall. Das SRF macht dies definitiv nicht. Deshalb ist es in dieser Form auch nicht mehr trag- und unterstützbar.
Da hat sich also zwischenzeitlich nicht viel geändert. Schon gar nicht verbessert.
Das Fernsehen war früher in seiner Berichterstattung zweifelsohne linkslastig. Das manifestierte sich in der fehlenden Objektivität und Neutralität der Beiträge zu gewissen Themen. Man stellte sich die Frage, ob die Führung in SP-Händen war. Aber der „Tagesanzeiger“ war auch nicht besser. Heute, nach 50 Jahren, scheint mir dies nicht viel besser zu sein. Deswegen aber die Gebühren senken zu wollen, ist nicht der Lösungsweg. All die (Teil-)Privatisierungen der Grundversorgung, sind auch nicht das „Gelbe vom Ei“.
Wie soll SRF zur 4. Gewalt werden und den Politikern auf die Finger schauen, wenn SRF am Geldtropf der Politik hängt? Und als Propagandaministerium brauchen wir SRF nicht. Deshalb sind 200 Franken längstens genug.
Herr Saller sagt hauptsächlich dass er die SVP nicht mag. Bei der anstehenden Initiative geht es aber in erster Linie darum, dass unser Staatsfernsehen endlich das tut, was seit langem von ihm erwartet wird: weniger verschwenden. Die Amerika-Reisli der Zürcher Mitarbeiter
(Winzenried oder Lüthi) oder die Vielzahl an Kommentatoren bei Skirennen sind Beispiele unter vielen. Weniger und weniger üppig bezahltes Personal würden dem Budget helfen. Weniger Direktion hat in der Schweizer Privatwirtschaft vor Zeiten die ABB vorgemacht.
Die SRG ist nur noch das verwirrende, teuere, tech. veraltete Sprachrohr eines verwirrenden 26x Freewheel Systems. Focus Shifts pur, Ablenkung mit meist eher duemmlicher, fantasieloser Unterhaltung (kopiert & adaptiert vom Ausland).
Alle KRITISCHEN Fragen werden rhetorisch in jedem Sendegegaess (!) konsequent „umredet“. Wertlose Infos Richtung Verharmlosung mit nettem Schluss – wie es sich gehört.
Wir haben jetzt: 2026 und eine ganz andere Sicherheitslage als vor 50 Jahre lieber Herr Saller. Unterschied aufgefallen?
Die SRG ist links bis links-extrem, und keinesfalls neutral.
Von der moderaten Gebühren-Senkung auf Fr. 200.– verspreche ich mir weniger Sendungen, dafür mehr Qualität. Ob das zutreffen wird, werden wir sehen.
Wenn ich bestimmen könnte, würde ich die Gebühr auf Fr. 150.– senken, und Firmen würden nichts bezahlen. Die Löhne würden bei brutto 7’000.–, 100 % Pensum, x 13, gedeckelt, was pro Jahr immerhin immer noch 91’000.– p.a., brutto, 100 % Pensum ergeben würde.
Die Gebühr abschaffen und den ganzen Laden über den allgemeinen Steuertopf finanzieren. Das gibt eine Position im jährlichen Bundesbudget. Alles andere ist eine Bestrafung der einkommensschwachen Schichten.
Das gilt analog auch für die Kranken-Grundversicherung und andere Kopf- bzw. Haushalt-Gebühren.
Könnte man auch machen.
Oder die Gebühr dem Einkommen anpassen, KK-Prämien do.
Die SRG ist die Propaganda-Tröte der SP und GP.
Die 70er… das waren noch Zeiten, als kleine Piratenradios jeweils ein paar Stunden pro Woche in einer kleinen Region sendeten und gnadenlos von der PTT gejagt wurden. Bis dann vom fernen Pizzo Groppera aus eine Richtstrahlanlage mit massiver Leistung die Region Zürich mit einem Programm berieselte, das man auch hören konnte – im Gegensatz zu DRS (DRS 3 kam erst später und bei SWF 3 war der Empfang nicht gut).
Ein Blick auf die Gegnerschaft zeigt: Es wimmelt von Promis aus Unterhaltung und Sport, die ihre Bekanntheit der SRG verdanken. Giacobo+Müller, Niklaus Hartmann (oder so), der ewige Röbi Kohler usf. Den Vogel schiesst der neue Nationalheld Marco Odermatt ab („ohne SRG kein Lauberhornrennen“: Sein Hauptsponsor Red Bull betreibt den österreichischen Privatsender Servus-TV, ein weiterer Sponsor ist Sunrise, dem der Hockeysender MySports gehört. Pecunia non olet… Falls es jmd. interessiert: Ich wähle SVP, aber Skifahren und Schwingen interessieren mich überhaupt nicht.
Natürlich – unsere C-Prominenz fürchtet um ihre gut bezahlten Auftritte.
Heute viel mehr Personal als Früher, für 3 Mitarbeiter braucht es min.ein Chef sonst können die
nicht Arbeiten.Das ist normal
beim Staat,aber das Programm ist
unter jedem Niveau. 100 Franken
sind nicht einmal gerechtfertigt.
Eines ist mir völlig klar.
Die IP-Leserschaft braucht keine SRG. Sie ist völlig glücklich mit IP.
Halber Preis, doppelt so gut.
Sven Epiney und Freunden kann man kündigen, die finden etwas anderes.
Wichtig ist einfach, dass die Rezession weiter mit der ganzen Härte in der Schweiz wütet.
Überall muss gespart werden.
Die Bürger haben Ende Monat immer weniger Geld zur Verfügung.
Es stimmen somit hoffentlich viele mit dem Portemonnaie ab und sagen JA zur Halbierungs Initiative.
200 Franken sind nämlich für diese SRG genug.
Auch die SRG muss lernen, dass zukünftig weniger Geld verteilt wird und auch sie sparen muss.
Nein.
ü50?
Bei Annahme der Initiative Wechsel von linksdominanter zu rechtslastiger Meinungsbildung durch Zunahme privater Medienunternehmen – wie in USA?
Eine vernünftige Balance ist schwierig und anspruchsvoll aber nicht unmöglich.
Als ehemaliger Student von Walther Hofer möchte ich entgegenhalten, dass dieser die Meinungsfreiheit hochhielt. Was er nicht mochte, ist Einseitigkeit und Propoganda.
Wie heute.
Deshalb: 200 Franken sind genug.
Zu viel.
Die SRG muss weg.
Salami-Taktik.
Für Linksextreme ist die Mitte rechtskonservativ und für Rechtsextreme bleibt die Mitte linkslastig.
Weniger Geld ist nicht die richtige Lösung zur Sicherung der Demokratie.
„Wutbürger“?
Die SRG ist eine verfassungsfeindliche kriminelle Organisation,
und Ihr Artikel beweist, dass es das von allem Anfang an war.
Konservative Publikationen sollten aufhören, linke Artikel zu veröffentlichen.
https://www.cato.org/policy-report/march/april-2020/how-jfk-censored-right-wing-radio
SRG ist ein Verein. Dies eröffnet viele Möglichkeiten mit grosser Einflussnahme. Aber ohne persönliches Engagement ändert sich gar nichts, weil alles einer interessierten Vereinsführung mit hörigen Delegierten überlassen wird.
Es gab immer graue Eminenzen, die mit Argus-Augen registrierten, ob und wieviel Information nicht dem damaligen Rechtsfreisinn entsprach. Je nach Outcome wurde dann die SRG mit Beschwerden bombardiert.
Heute läuft das anders. Die SVP verzichtet vorerst auf Beschwerdebombardements und wählt zunächst den indirekten Weg des Zudrehens des Geldhahns, wobei die Motive die gleichen sind wie damals beim Hofer Club.
Unterschied:
damals wurde ehrlicherweise über Inhalte debattiert und heute (vorgeschoben) über Programmgestaltung und öffentlichem Auftrag diskutiert. Dies der feine Unterschied.
Ich denke eher, dass es ein Kampf der Ideologieführer ist, damit sie weiterhin ihre bullshit Glaubenssysteme verbreiten können.
Tja, die Demokratie muss halt dafür sorgen, dass jeder Honk zu Wort kommen darf. Daher ist in Fernsehen und Radio schon ein ewiger Krieg zu sehen.
Viel Spass beim Endkrampf! Wir sehen uns!
Gründe für die Halbierungsiniziative:
– Div. Online-Zeitungen sperren Informationen, diese werden gegen ein Abo frei. Warum soll ich Gebühren bezahlen und dann nochmal für ein ABO? Ich bezahle also 2X.
– Online-Zeitungen sind voll mit Werbung.
– Wer kein TV und kein Radio hat, bezahlt dennoch Gebühren, weil Zahlungspflichtig wird wer Zugang zum Internet hat. Für Internetzugang muss ich auch noch monatlich tief in die Tasche greiffen, ich bezahle 2X.
– Viele Zeitungen berichten Zeitversetzt, also ständig Tage später.
– Ich bezahle Gebühren damit ich dann S/W aus den 1940er sehen darf?
Wenn das Parlament bürgerlich ist, dann macht doch nur eine linke Presse Sinn. Umgekehrt genauso, das ist doch nicht so schwierig zu verstehen, ausser wir wollen amerikanische, russische oder chinesische Verhältnisse.
Den Fernseher verwende ich seit Jahren nur für Sport und den Teletext (SRF, ORF, ARD). Im Auto hõre ich sehr gerne DRS 3, vor allem am Abend.
Wieviel das kostet, weiss ich nicht. Doch dass Privathaushalte, die nur noch auf dem Internet unterwegs sind, auch bezahlen mūssen, ist ein (schlechter) Witz.
Niemand zweifelt an Deiner Linksverblendung. Der Beitrag liefert den perfekten Beweis.
Ja zur Initative!