Lauterbrunnen ist kaputt. Das Oeschinensee-Ufer ist eine Warteschlange. Zermatt diskutiert Tagesquoten.
Und Schweiz Tourismus – die halbstaatliche Institution, deren erklärte Aufgabe es ist, noch mehr Menschen in die Schweiz zu locken – geht mit einer minimen Budgetkürzung von 10 Prozent ins nächste Jahr.
Ursprünglich waren im „Entlastungspaket 27“ 20 Prozent Kürzung vorgesehen. Aber mit 20 Prozent hätten sich Politiker kaum mehr schulterklopfend beglückwünschen können, dass sie „etwas“ für den Tourismus tun.
Jetzt kann man anführen, die genannten Beispiele seien punktuelle Ausnahmen.
Richtig. Aber für die dort lebenden Menschen sind sie gefühlte dauernde Realität.
Man muss das kurz sacken lassen.
Ein Feuerwehrmann, der Benzin ins Feuer schüttet und dafür 60 Millionen Franken pro Jahr erhält. Öffentliche Mittel. Ihr Geld. Meins.
Das der Bergbauern in Graubünden, deren Dörfer im Sommer unter Selfie-Sticks begraben werden.
Das der Hoteliers im Wallis, die händeringend Personal suchen, weil die Branche strukturell am Boden liegt – während in Zürich eine Marketingagentur im Staatsauftrag Influencer-Kampagnen schaltet.
Wirklich nur „punktuelle Ausnahmen“?
Als ich vor über 40 Jahren als Regionalleiter Düsseldorf bei der damaligen Schweizerischen Verkehrszentrale (SVZ) begann, tickten die Uhren noch anders. Kein Internet, kein Mobiltelefon.
Reisende, die in die Schweiz wollten, hatten ein Informationsbedürfnis, SBB Fahrplan, Prospekte, Lagepläne.
Dieses Bedürfnis konnte die SVZ befriedigen und damit ihr Dasein rechtfertigen. Unter anderem mit tollen Schaufensterbüros in London, Wien, Paris und anderen Orten.
Tempi passati. Die Büros gibt es so mit wenigen Ausnahmen (Milano und Paris, beides in bundeseigenen Liegenschafen) nicht mehr.
Bis in die 2000er Jahre hat die von mir geführte Switzerland Travel Centre AG für Schweiz Tourismus noch über 200’000 Kunden-Informationskontakte jährlich, meist telefonisch oder per Email, bearbeitet.
Mit der Verlagerung aller Informationen ins Internet und der signifikanten Verbesserung der Web-Präsenz MySwitzerland.com hat diese Zahl drastisch abgenommen.
Hinzu kommt KI als Paradigmenwechsel.
Und heute? Nennen wir das Kind beim Namen: Schweiz Tourismus ist eine Lobbying-Organisation für eine Industrie, die seit Jahren von einem strukturellen Problem ins nächste taumelt.
Und deren Lösung nie Werbung war und nie sein wird.
Der Fachkräftemangel? Nicht lösbar durch ein neues Logo. Die Saisonalität, die Betriebe in die Schuldenspirale treibt? Kein Instagram-Reel hilft dagegen.
Der Klimawandel, der bis 2060 einem Drittel aller Schweizer Skigebiete die Schneedecke entzieht? „Swisstainable“ – das war die Antwort von Schweiz Tourismus.
Ein Label. Eine Broschüre. Ein Greenwashing-Pflaster auf einer klaffenden Wunde.
Mit ihrem Unterkunftsmarketing konkurrenziert Schweiz Tourismus zudem private Marketingfirmen und verstösst damit gegen Art 5a der Bundesverfassung (Subsidiarität).
Das ist keine Kritik an den Menschen, die bei Schweiz Tourismus arbeiten. Es ist eine Kritik an einem Konstrukt, das seine Existenz damit rechtfertigt, Aufmerksamkeit zu erzeugen.
In einer Welt, in der die Schweiz so bekannt ist wie Coca-Cola und so überlaufen wie Disneyland Paris im August.
Die Zahlen sind ernüchternd, und die Branche weiss es.
Kein einziger, unabhängiger Ökonom kann belastbar nachweisen, dass die Millionenkampagnen von Schweiz Tourismus zu Logiernächten geführt haben, die ohne diese Kampagnen nicht stattgefunden hätten.
Nicht eine Studie. Nicht ein Modell.
Die Wirkungsmessung im Destinations-Marketing ist methodisch so löchrig wie ein Bündner Bergkäse – und genauso gerne wird sie serviert, als wäre sie substanziell.
Stattdessen wird Erfolg definiert durch Reichweite. Durch Klicks. Durch „Share of Voice“.
Als ob ein Klick auf eine Kampagnenseite irgendeinen Zusammenhang hätte mit dem Entscheid eines Japaners, nächsten Herbst nach Interlaken zu reisen statt nach Neuseeland.
Das ist Selbstbeschäftigung mit Steuergeldern. Institutioneller Selbstzweck.
Und dann wäre da noch die Frage, wen Schweiz Tourismus eigentlich anlockt.
Die Schweiz ist das teuerste Reiseland Europas. Wer kommt, hat Geld – oder nimmt Schulden für den Traum vom Matterhorn.
Der klassische, europäische Mittelstand ist längst abgewandert nach Slowenien, nach Portugal, nach Albanien.
Was bleibt, sind Extremsegmente: die ganz Reichen und die ganz Jungen mit Rucksack und Railpass, die in Fünf-Personen-Zimmern schlafen und im Coop essen.
Für Letztere braucht es keine Marketing-Kampagne. Für Erstere auch nicht.
Wer 2’000 Franken pro Nacht im Badrutt’s Palace ausgibt, hat Tripadvisor nicht gebraucht, um auf die Idee zu kommen.
Für wen also wirbt Schweiz Tourismus? Für eine Mitte, die es sich schlicht nicht mehr leisten kann.
Was stattdessen? Die 60 Millionen Franken in ein nationales Besucher-Lenkungssystem investieren. In Digitalisierung der Bergbahnen.
Eine digitale Daten-Infrastruktur für Large Language Models (LLMs). Bezahlbaren Wohnraum für Saisonkräfte.
Geld aufwerfen für dieKlimaanpassung für Destinationen, die in zwanzig Jahren ohne Schnee dastehen. Die Forschung. Echte Infrastruktur.
Dinge, die bleiben. Nicht Kampagnen, die nach sechs Monaten niemand mehr kennt.
Die Schweiz muss nicht mehr beworben werden. Sie muss verwaltet werden – mit der gleichen präzisen Nüchternheit, mit der sie Uhren baut und Banken reguliert.
Eine Marketing-Organisation ist dafür das falsche Werkzeug. Sie war es schon lange. Es hat nur bisher niemand laut genug gesagt.
Also: Abschalten. Abrechnen. Neu denken. Alles andere ist teures Schweigen.
Den Feriengästen gefällt es in der Schweiz so gut dass sie nach dem Urlaub gleich bleiben. 🤭😂
Pocher steht offebbar auch schon vor der Tür.
Ersatzlos streichen, das Geld kann gespart werden. Der Staat soll uns in Ruhe lassen mit seinen Infokampagnen.
Eher würde die Hölle zufrieren bevor so etwas geschehen würde! Nicht bei der grössten Firma des Landes.Trotzdem haben Sie Recht.
Mein Ratschlag: Anstatt Ferien in der Schweiz machen, Ferien in Iran machen 🇮🇷.
Natürlich erst wenn alles vorbei ist.
Es ist überraschend wie schön das Land ist und wie freundlich die Menschen sind.
Viel Spaß bei den Islamisten… Natürlich gehen wir auch nach Syrien in die Ferien… Oder Afghanistan 😂
endlich einer der erkennt, dass Iran das Gegenteil ist von Steinzeit-Islamismus. Man vergleiche die Führungs-Crew der Iraner mit den Non-Valeus und Kriegsverbrecher in Europa oder USA.
Syrien war ich mal. Ist sehr schön, ausser, dass man schon vor 15 Jahren in Damaskus kein Internet hatte.
Sehr einverstanden. Nur, ich würde die Ferien dort sofort antreten. Die Feuerwerke sollen zur Zeit dort sehr schön sein.
in Zeiten von Social Media macht jedes Hotel sein eigenes global umspannendes Marketing. Und AI hilft dies so gut zu machen wie es grosse Verbände/Institutionen nicht mehr hinkriegen weil eben zu gross und folglich zu wenig agil. Reduce to the max.
Dieses Geld wäre besser in Personal- und Gastgeberausbildung
Investiert, damit die welche noch kommen auch gut bedient werden. Und nicht immer auf billigeren Ausländer hoffen
Unser Niveau ist bereits sehr tief, ja bedenklich. Wir giessen
halt immer ins gleiche Loch.
Die sollen rhig werben. Vielleicht gibt es ja tatsächlich ein paar ausländische Vollpfosten, welche diese Preise bezahlen?
Man schaut sich all die Vorstände und Delegierten an und weiss sofort, dass bei Schweiz Tourismus allein schon das Wort „Sparen“ ein Sakrileg ist. Ein Selbstbedienungsladen für Mitte-Links und ewige Promis.
Auch hier wieder: Institutionalisierte Korruption wie in so vielen anderen Branchen.
Und das Propagandaministerium (SRF\DRS) erhält ja weiterhin Milliarden um das System zu stützen.
Klare Worte! Aber wie immer bleiben die Taten, die den Worten folgen sollten, aus! Herr Oegerli, sie kennen sich in der Branche aus. Was können sie mit der Unterstützung interessierter Bürger konkret unternehmen? Die Tourismus-Frösche werden ihren Sumpf selber nicht austrocknen!
Jetzt will uns der Klaus erzählen was wir hier in der Schweiz tun und machen sollen! ER LEBT IN THAILAND – noch Fragen??
Versuchte vor etwa zwei Jahren einigen jungen Chinesen zu erklären, woher ich komme.
Sie kannten weder die Schweiz, Victorinox, UBS – nix.
Deutschland kannten sie. Das half dann geographisch.
Bekannt wie Coca Cola? Vielleicht früher mal…
Oh. Dann sind sie ja sozusagen identitäslos?
Tatsächlich: „Schweiz Tourismus“ ist längst eine unnütze Steuergeldverbrennungs-Organisation ohne Esprit, wenig Realbezüge und leider auch ohne wirksame Aufsicht und Controlling! Von Tourismus-Dilettanten und Marketing-Deppen für das tumbe, einfache aber zahlungskräftige Gästevolch an- und ausgedacht…
Es ist schwer, Neues zu etablieren. Wegen der Kosten, wegen der Widerstände gegen ALLES Neue, auch wenn es sinnvoll, sogar notwendig ist. Es ist noch viel schwerer, Etabliertes wieder abzuschaffen. Wegen der Profiteure, wegen der Nostalgiker, wegen der Gewohnheit. Poststellen und Briefkästen werden immer weniger genutzt. Sie abzuschaffen gilt trotzdem als Sakrileg. Mobilfunkantennen werden immer mehr genutzt. Sie zu etablieren ist eine Herkulesaufgabe. Ich bin gespannt, ob dereinst, wenn Mobilfunkantenen obsolet werden, für ihre Erhaltung gekämpft wird. Vermutlich schon.
Und ich bin ein Overthinker. Es reicht jetzt dann wirklich!
In Zeiten von Instagram und Tripadvisor braucht niemand mehr Schweiz Tourismus.
Switzerland or Sweden?
Swaziland hat seinen Namen vor kurzem in Kingdom of Eswatini geändert damit es nicht mit Switzerland verwechselt wird. Also so unbekannt sind wir nicht mit unseren Neubürgern.
Schön und nicht überlaufen ists immer noch in der La Plaiv.
Die Auferstehung von IP.
Ein sinnvoller Beitrag.Danke Herr Oegerli.
Saller such Dein Osternestli,ABER zu Fuss!
Inside Paradeplatz könnte mal all die „Polit-Friendly-Org.“ alimentiert mit viel Steuerbatzen aber ohne besondere Wirkung auflisten. Swiss Tourismus paar Mio. haben wir, jetzt weiter mit Milchverband und Käsesparte Millionen für Emmentaler (Money for nothing and cheese for free 😉 usw.
Wenn alles optimiert wäre, gäbe es die 14te AHV obendrauf.
Ist doch schön, wenn soviele Leute sich das Geld kübelweise aus der Tasche ziehen lassen!
Eine Woche Ferien (ohne Mahlzeiten) in der Schweiz kostet mehr als dasselbe mit Vollpension und Flug irgendwo in Europa oder Fernost.
Dummheit will und soll bestaft werden!
Schweiz Tourismus ist wie die Gesellschaft Schweizer Tierärzte, SRG, Schweizer Freunde der Nagellackbehaucher und tausende anderen Organisationen eine sogenannte NGO. NGO = Nicht-Regierungs-Organisation, die vom Staat bezahlt wird und die Regierung fùhrt. Länder, die Switzerland als korrupt einstuft, nennen ein solches System korrupt. Aller tiefsten Niveau! @Klaus Oegerli: danke for den Beitrag!!!
Viele NGO’s finanzieren sich aber auch durch Spenden. Das weiss ich!