Internet-Revolution frisst mutlose Banken

Durch die technologischen Fortschritte sind die Eintrittshürden zu neuen Geschäftsmodellen viel tiefer als je zuvor, was viele Innovationen und neue Startups hervorgebracht hat. Das Internet hat dadurch in den letzten Jahren Branchen wie das Verlagswesen oder den Handel komplett verändert und neben Google diverse andere globale Konzerne wie eBay oder Amazon hervorgebracht. Es ist offensichtlich, dass, wenn auch um einige Jahre verzögert, nun auch der Finanzindustrie fundamentale Anpassungen bevorstehen, welche bestehende Wertschöpfungsketten verändern werden. Dieser Megatrend steht noch ganz am Anfang und wird die Finanzindustrie über viele Jahre prägen.

Wie bereits in anderen Branchen vor einigen Jahren geschehen, führen die durch die digitale Revolution ausgelösten Veränderungen zu einer “Demokratisierung” der traditionellen Geschäftswelt, in unserem Beispiel also der Finanzbranche: Interaktion findet nicht mehr nur direkt zwischen Finanzinstituten und ihren Kunden statt, sondern vermehrt auch zwischen den Kunden untereinander (Stichwort “Social Banking”).

Insbesondere die durch Social Networks wie Twitter und Facebook neu entstandenen Interaktionsformen führen dazu, dass man als Anbieter einer Dienstleistung den Dialog (heute eigentlich passender: den Monolog) mit dem Endkonsumenten nicht mehr selber steuern kann und diese neue Möglichkeiten der Interaktion erhalten.

Bis heute haben nur ganz wenige Finanzinstitute auf diese Veränderungen reagiert, viele scheuen vor allem die möglichen Risiken einer solchen Öffnung des Informationsaustausches von einer Einweg- zu einer Mehrweg-Kommunikation. Social Media-Aktivitäten werden im Banking, wenn überhaupt, immer noch sehr zurückhaltend eingesetzt, und häufig stellen diese eine reine Alibi-Übung dar.

Mit dem Blick auf andere Industrien ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Finanzindustrie dieser Entwicklung stellen muss und das Internet auch hier für Demokratisierung und mehr Transparenz sorgen wird.

Aufgrund von Innovationskraft, neuer Technologien sowie schlanker Geschäftsmodelle werden neue Marktteilnehmer den etablierten Instituten in einigen Bereichen potentiell den Rang ablaufen. Neue “Greenfield-Player” werden sich darauf fokussieren, bestehende Wertschöpfungsketten aufzubrechen und an die neuen Bedürfnisse anzupassen; das heisst, mit kostengünstigen, da schlanken, Strukturen bestehen für diese neuen Anbieter bisher noch nie dagewesene Chancen.

Es bleibt abzuwarten, wie die Chancen für neue Anbieter in diesem Umfeld sein werden und ob sich die neuen Modelle als nachhaltig erweisen und sich langfristig durchsetzen können. Ohne Zweifel wird aber der Margen- und Kostendruck bei den etablierten Finanzdienstleistern weiter massiv zunehmen und sie zu energischem Handeln zwingen, um eine Antwort auf die Umwälzungen im Finanzmarkt, getrieben von Next Generation Finance-Geschäftsmodellen, zu finden.

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Buch “Finanzdienstleister der nächsten Generation – Die neue digitale Macht der Kunden” (Frankfurt School Verlag, ISBN: 978-3-940913-62-3), das Ende Jahr erscheinend wird. Die Autoren dieses Artikels sind Robert Lempka, Thomas Winkler und Marc P. Bernegger.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

17 Kommentare zu “Internet-Revolution frisst mutlose Banken

  1. Das Thema Social Media und Banken interessiert mich schon länger, verfolge dieses daher wohlwollend, aber auch skeptisch. Denn der Schlüssel zur Geldanlage ist “Vertrauen”. Dieses kann m.E. oft in der Onlinewelt schwer erarbeietet werden. Am einfachsten wird dies bei den Digital Natives (also den kommenden Kunden der Banken)gelingen. In einem meiner Blogposts habe ich dies so beschrieben:

    Die neuen Generationen der Digital Natives sind sich gewohnt, immer und überall mit Anbietern in Kontakt zu treten. Sie wollen sich durch einschränkende Öffnungszeiten oder die Kanalisierung auf wenige Kontaktpunkte nicht einschränken lassen. Genau hier sehe ich die Chancen für Banken. Denn nicht alles, was in einer Bank passiert, hat direkt mit Geld zu tun. Meist liegt vor einem Bankgeschäft eine lange Serie von Beratungsgesprächen, Vergleichen und Tipps und Tricks. Genau diese können auf einer eigenen Social Media-Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

    Diese Form der Teilnahme in den sozialen Medien sehe ich für den Grossteil der Institute als gangbaren Weg, weil dieser das Informationsbedürfnis und das Bedürfnis nach Austausch mit dem Institut, aber auch mit anderen Kunden, befriedigt. Das Banking selber (also Börsentransaktionen, Zahlungen etc.) kann und darf meines Erachtens getrost auf der bankeigenen Plattform weitergeführt werden, ohne dass sich die Kunden gegenüber Drittparteien (z.B. Facebook) exponieren müssen.

  2. Aus meiner Sicht eine offensichtliche Entwicklung und erschreckend wie lange sich die Banken dagegen stemmen konnten. Auch im Banking wird in Zukunft der Kunde und nicht der sich selbst bereichernde Manager der König sein!!!

  3. Hat Herr Bernegger eigentlich schon mal etwas Anderes als Promo in eigener Sache gemacht? Ziemlich durchsichtig, diese Masche.

    Was das Gros der Bankkunden in nächster Zukunft interessieren wird, ist nicht “social banking”, sondern schlicht und einfach, dass das einbezahlte Geld a) auch wieder abgehoben werden kann, also noch existiert, und b) noch den gleichen (oder einen höheren) Realwert hat.

    Von trendigen, leeren Schlagworten und entsprechend luftigen Businessmodellen haben mittlerweile hingegen so ziemlich alle die Schnauze voll.

    • Der Artikel ist effektiv banal und überflüssig. Insbesondere ignoriert er die Spezifika der Finanzbranche: (1) Finanzen sind etwas sehr persönliches vergleichbar mit einem Anwalt. Würden Sie gerne via Facebook sich mit Ihrem Anwalt austauschen? (2) Der Finanzmarkt ist sehr stark reguliert und die Eintrittsbarrieren sind immer noch hoch. Einen Webshop kann man schnell mal hochziehen, während selbst potente Firmen wie eine Interactive Brokers trotz gigantischem Technologie- und Kostenvorteil sich schwer tun, im Schweizer Markt Fuss zu fassen.

  4. Vorab: ich bin auch für Neuerungen in der Finanzbranche und die gibt es zahlreich. Meine Prognose ist, dass die Banken gewinnen werden, die sich dem Kunden am besten anpassen. Aber keiner der beiden Hauptinvestment in die NGF investiert hat, hat irgendeine Chance die Zukunft mitzugestalten. Zum Google Kommentar: ich liebe Google, ich bin User der ersten Stunde, aber dieses Beispiel hat hier leider gar nichts verloren.

    Ich habe da ein paar Fragen an Mark Bernecker:

    Zu Ayondo:
    Wie hoch war die Performance wenn man einem Trader folgt?
    Spoiler Alert: Ich bin angemeldet und habe meine eigene Recherche gemacht: das Ergebnis war wahnsinnig ernüchternd. Habe als Grundlage die monatlichen Trader Empfehlungen auf der Facebook Seite genommen. Da war von -60% bis +10% alles dabei, aber hauptsächlich negativ.

    Meine Frage: wie kann man so eine Geldvernichtungsmaschine dem Kunden und den Aktionären erklären?
    Überhaupt stelle ich mir die Frage, wieso Amateurtrader den Markt schlagen sollen, die selbe Frage stelle ich mir auch bei Profis. Dann werden noch höhere Kosten abgerechnet wenn man einem Trader folgt. Mein Fazit: Geld vernichten kann ich auch alleine, dazu braucht die Welt kein Ayondo

    So nun zu Gecko.
    Was genau ist an der Plattform revolutionär? Sind es die Reuters News? Sind es die 15 Jahrescharts? Oder die Idee, dass man per Knopfdruck mit Ayondo Tradern Geld verlieren kann. Hat Gecko eine Börsenlizenz? Handeln die alle Positionen über die Börse? Wozu braucht man einen weiteren Intermediär, der einen Intermediär engagiert. Mal abgesehen davon, dass es wahnsinnig unsympathisch ist, dass gekaufte Aktien nicht im eigenen Depot liegen. Und zuguter letzt würde ich mich als Aktionär fragen: wo ist das Geld was investiert wurde? Wie hoch ist der Kundenzuwachs in diesem vollkommen überfüllten Marktsegement?

    Mein Fazit: Wenn sich die Welt schon fragt, braucht man wirklich ein Windows Phone, darf hier die berechtigte Frage gestellt werden: wer braucht Gecko?

    Und dann nochwas zu den Zahlen: wieviel Geld verbrennen die Portfoliounternehmen? (Google hat von Anfang an Geld verdient)
    Wie rechtfertigen Sie die Eisntandskurse in der NGF Bilanz. Warum soll eine Gecko 20 Mio wert sein, wenn ich eine Sino für 6 Mio kaufen kann? Und wie rechtfertig sich die Bewertung für Ayondo? Wieviel kostet hier der aktive User und vor allem weiviel Werbung kostet es einen aktiven Neukunden zu gewinnen.

    Ich glaube, dass alle Aktionäre an den Antworten dieser Frage interessiert sind.

    • Zu Ayondo: ich habe mir vor einiger Zeit das angeschaut und ein Konto eröffnet. Was für eine absurde Zockerplattform!
      Zu Gekko: die Jobangebote sagen alles – gesucht wird Marketing&Sales-Personal.
      Wenn das die neue Form von Banking ist: ohne mich!

  5. Interessant, wie einige der Kommentatoren innovative und mutige Ansaetze nur mit Missgunst und Neid belohnen koennen. Da scheinen Schweizer den Amis einiges hinterherzuhinken…

    Unabhaengig von diesen unqualifizierten Beitraegen finde ich die Aussagen im Artikel inhaltlich sehr interessant, wenngleich die Finanzbranche sicher ein sehr schwieriges Umfeld für Innovationen ist (ich habe selber 16 Jahre in dieser Branche gearbeitet).

    Ich wuerde die skizzierte Entwicklung auf jeden Fall nur begruessen.

  6. Abstrahiert von der Diskussion um NGFI hat Marc Bernegger einige wichtige Punkte angeschnitten. DIe leicht überhebliche Haltung: Wenn es dann relevant wird, kommen die grossen Player und werden den Markt gestalten, wurde schon zahlreichen Medienhäusern in ihrer Industrie zum Verhängnis. Mit genau denselben Argumenten haben sie die Entwicklungen im Internet kleingeredet. Als sie dann merkten, dass ein völlig neuer Player (Google) den Inseratemarkt fundamental änderte, war es zu spät. Social Media hat weniger mit Technologie (die sich grosse Banken evt. auch noch leisten können), sondern mit einem grundlegend anderen Verständnis der Kunden-Interaktion zu tun. Gerade die grossen Banken haben hier ein enormes Nachholbedürfnis und es könnte auch hier sein, dass Entwicklungen aus dem Social Media Bereich fundamental andere Prozesse und Prozessgewinner hervorbringt.

  7. Es fällt auf, dass dieser VC gar keine Schweizer Unternehmen hat. Gibt es hierzulande wirklich keine innovativen Anbieter in dem spannenden Bereich?

  8. Die Finanzbranche wird sich massiv verändern! Innovative Gründer werden sich nicht abhalten lassen, im Bereich des Social Banking neu Wege zu beschreiten! Das Vertrauen der Vebraucher (Bankkunden) in die etablierten Strukturen ist kaputt und die ausgedienten Kreditinstitute haben sich in Sachen Transparenz und Kundenfreundlichkeit nicht ansatzeise verändert. Das werden sie vermutlich aber erst dann merken, wenn ihre Kunden zu einer “neuen Generation Bank” übergelaufen sein werden.

  9. interessanter ansatz und bin gespannt ob sich die branche tatsächlich in dem ausmass verändert… bin da eher sehr skeptisch….

  10. Hier will jemand die Finanzwelt revolutionieren, der bei der Gebuehrenstruktur jede Heuschrecke erblassen laesst. Die Kurse der Beteiligungen wurden meiner Recherche nach ausschliesslich von NGFI gemacht.
    Ich frage mich insbesondere bei Gecko, welchen Erfolg dieses Unternehmen hat. Wieviel Neukunden wurden gewonnen? Wieviel Neukunden wurden in Deutschland gewonnen? Apropos social, NGF ist so social wie meine Kneipe um die Ecke ;)

    Vor dem Hintergrund des Kapitalbedarfs klar, warum dieser “erfolgreiche” Mark Bernecker sein Unternehmen als Revolution anpreist.

  11. Lieber Herr Bernegger,

    ihre etwas peinliche und plumpe Art, die Geschäftsmodelle ihrer NGF Firmen zu propagieren, bedarf einer Kommentierung:

    Weder ist in der Finanzwelt bisher eine Veränderung zum “Social Banking” wesentlich zu bemerken. Noch haben sich ihre Geschäftsmodelle auch nur im Ansatz durchgesetzt. Wir glauben vielmehr, dass der Einfluss von Social Media sich wesentlich geringer als beschrieben auswirken wird und wenn dann überhaupt in der Wertschöpfung von existierenden Playern mit neuen Produkten abgedeckt werden wird.

    Mehr als ihre PR Texte würde mich also die relevante Performance dieser Geschäftsmodelle interessieren: Wie entwickelt sich der Markt wirklich? Welche Firmen gibt es zum Thema Social Banking und wie entwickeln sich diese? Sind ihre Portfoliofirmen bereits profitabel? Wenn sie hierzu ein paar Informationen ergänzen würden, würde dies der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen eher nützen als schaden.

    Sie progagieren und versprechen viel, nun fehlt die sichtbare Performance.

    D. Stein