Christoph Blocher verschärfte am 21. Februar seinen Vorschlag zur Aufteilung der UBS an einer SVP-Fraktionssitzung in Bern.
Neu fordert er, dass nicht nur die Tochtergesellschaften in den USA, sondern auch in Asien und überhaupt im Ausland in separate Gesellschaften auszulagern sind.
Blocher begründete seinen Vorstoss damit, dass die Schweiz vor einer möglichen Katastrophe bewahrt werden müsse. So stand es in den CH Media-Zeitungen.
Eine Auslegeordnung der Fakten und Argumente zeigt folgendes:
1 Ausgangspunkt ist der PUK-Bericht. Seine wichtigste Empfehlung (Empfehlung Nr. 1) betrifft ausschliesslich die global systemrelevante Bank (G-SIB) UBS.
„Der Bundesrat wird aufgefordert, bei der zukünftigen Ausgestaltung der TBTF-Regulierung die internationalen Abhängigkeiten von SIBs sowie die vergleichsweise bedeutende Grösse der verbleibenden Schweizer G-SIB angemessen zu berücksichtigen.
Den Interessen der Finanzstabilität und der Gesamtvolkswirtschaft sowie gemeinsamen Stellungnahmen der Organe, die für die Finanzstabilität verantwortlich sind, ist mehr Gewicht beizumessen“.
2 Als Reaktion auf die Finanzkrise von 2007-2009 hat das Financial Stability Board (FSB), in Zusammenarbeit mit dem Basel Committee on Banking Supervision (BCBS), 2011 das Konzept der „Global systemrelevanten Bank“ (G-SIB) eingeführt.
Die Finanzkrise zeigte die negativen externen Effekte, die mit Instituten verbunden sind, die aufgrund ihrer Grösse, Vernetzung, Komplexität, mangelnder Substituierbarkeit oder globalen Reichweite als systemrelevant gelten. In der Schweiz zeigten sich die gleichen Effekte beim Untergang der Credit Suisse.
Um ihren privaten Nutzen zu maximieren, können G-SIB Banken eine Politik verfolgen, die für die globale Wirtschaft und das Finanzsystem suboptimal ist.
Die mit dem Status als G-SIB Bank begründeten impliziten Garantien können die Risikobereitschaft verstärken, die Marktdisziplin verringern, Wettbewerbsverzerrungen verursachen und die Wahrscheinlichkeit künftiger Krisen weiter erhöhen.
Gerät eine G-SIB in Schwierigkeiten, besteht das Risiko, dass das globale Finanzsystem destabilisiert wird. Heute gibt es 29 G-SIB Banken. Die UBS ist die einzige schweizerische G-SIB Bank.
3 Gemäss den internationalen Regeln ist das Heimatland einer G-SIB Bank verpflichtet, für eine besonders strenge Aufsicht, höhere Kapitalanforderungen und glaubwürdige Abwicklungspläne zu sorgen.
Gerät eine G-SIB in Schwierigkeiten, muss die Regierung sicherstellen, dass die Bank geordnet saniert oder abgewickelt werden kann, ohne das globale Finanzsystem zu destabilisieren – notfalls durch staatliche Eingriffe.
Der Kollaps der Credit Suisse zeigte, dass selbst mit verschärften Kapitalanforderungen und Abwicklungsplänen eine schnelle staatliche Intervention nötig sein kann.
Rechtlich besteht für das Heimatland keine Pflicht, eine G-SIB Bank durch Steuergelder zu retten. Faktisch aber war im Falle der Credit Suisse und wäre in einem „Fall UBS“ der massive internationale Druck auf die Schweiz enorm, die Schweizer Regierung würde nachgeben, sie könnte die Verantwortung für einen möglichen oder wahrscheinlichen Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems nicht auf sich nehmen.
Selbst wenn die Schweizer Regierung dem internationalen Druck widerstehen würde, wäre dies das Ende des Finanzplatzes Schweiz, und nicht dessen Bewahrung. Die Geschichte des Zusammenbruchs der drei grossen isländischen Privatbanken ohne staatliche Hilfe im Oktober 2008 könnte als Illustration dienen.
4 Der neuste Bericht des FSB vom November 2025 zeigt für die UBS folgendes Bild: Die UBS steht per Ende 2024 unter den 29 G-SIB Banken bezüglich Systemrelevanz an 12. Stelle (Vorjahr 7. Stelle). Das Gesamtresultat ergibt sich aus den fünf Teilaspekten der Systemrelevanz: Grösse, Vernetzung, Substituierbarkeit, Komplexität, Rechtsraum-Überschneidungen.
Im internationalen Kontext steht die UBS bezüglich Grösse in der zweiten Hälfte (Rang 23). Dagegen liegt die Bank bezüglich der anderen vier Aspekte in der ersten Hälfte oder gar im ersten Drittel. Dies macht den Einfluss anderer Länder besonders stark.
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Im Vergleich zur Grösse der Schweizer Wirtschaft ist dagegen schon die reine Grösse der Bank im Krisenfall für das Land ein existenzielles Problem. Keine andere G-SIB Bank ist im Vergleich zur Wirtschaft des Heimatlandes annähernd so gross wie die UBS (Bilanzsumme rund 170 Prozent vom BIP). Die Schweiz ist zu klein für die heutige UBS.
5 Die UBS ist keine Schweizer Bank, sondern eine globale Bank mit Hauptsitz in der Schweiz. Rund 2/3 der Mitglieder des Verwaltungsrates sind Ausländer, bei der Geschäftsleitung gut die Hälfte.
Die genaue Zusammensetzung des Aktionariates der UBS ist nicht bekannt. Sicher dominieren ausländische Anleger, Schweizer Aktionäre bilden eine Minderheit. Gemäss MarketScreener, einem finanzwirtschaftlichen Analyse‑ und Datenportal, sind 9 der 10 grössten Aktionäre ausländische institutionelle Anleger.
Von den gesamten Aufwendungen und Erträgen des Bankkonzern entfallen nur rund 30 Prozent auf die schweizerische Tochtergesellschaft (UBS Switzerland AG). Rund die Hälfte des Ertrages des Konzerns erwirtschaftet das internationale Privatkundengeschäft (Global Wealth Management), dagegen nur rund 20 Prozent das inländische Kommerz- und Privatkundengeschäft (Personal & Corporate Banking).
Die Investment Bank verdient rund ein Viertel des Konzernertrages.
Für dieses grosse, international diversifizierte Geschäft geniesst die UBS auf Grund ihres G-SIB-Status faktisch eine Art Staatsgarantie.
6 Der schweizerische Finanzplatz braucht keine G-SIB Bank. Häufig wird argumentiert, ein internationaler Finanzplatz brauche auch eine mächtige, systemrelevante Grossbank.
Das Argument ist falsch. Die Begründung von VR-Präsident Colm Kelleher für seine global systemrelevante Bank war diesbezüglich ziemlich verwegen: „because of competition in wealth management from Hong Kong and Singapore.“
Just diese zwei Länder stehen im Global Financial Center Index, einem Massstab für die Wettbewerbsfähigkeit von Finanzplätzen, gleich hinter New York und London auf Platz 3 und 4 und hatten nie eine eigene G-SIB Bank.
Zürich hat es 2025 mit Mühe wieder unter die ersten 20 geschafft (Platz 16). Der Abstieg vom historisch sicheren Rang unter den 10 Top-Plätzen hat wohl viel mit dem Scheitern von grossen Banken zu tun.
7 Die UBS argumentiert, es sei im Interesse ihrer Anspruchsgruppen, das heisst der Aktionäre und der Kunden, dass die UBS eine globale, integrierte Universalbank sei. Sie äusserte sich gegenüber der „Weltwoche“ wie folgt:
„Eine Aufsplittung der Bank würde zu einem massiven Wertverlust für alle Anspruchsgruppen der UBS führen. Die UBS hat ein einzigartiges, global diversifiziertes Geschäftsmodell mit einem vergleichsweise tiefen Risikoprofil, das sich auch in ausserordentlichen Situationen bewährt hat und als Anker der Stabilität und Prosperität dient.“
Die Aussage ist sowohl für die Aktionäre wie auch für die Kunden falsch.
Unter dem Stichwort „Konglomerats Abschlag“ gilt Im Aktienmarkt generell, dass fokussierte (spezialisierte) Unternehmen tendenziell höher bewertet werden als diversifizierte Konglomerate. Wichtige Gründe dafür sind eine bessere Transparenz, weniger interne Zielkonflikte, eine höhere operative Effizienz durch Spezialisierung sowie Skaleneffekte.
Das Argument der Risikominimierung durch Diversifikation ist wohl richtig, der Diversifikationseffekt kann aber durch die Allokation des Aktionärs günstiger und effizienter erzeugt werden als durch eine Konglomeratsbildung.
Diese generellen Regeln gelten auch für Banken. Beispielsweise werden die Aktien der Bank Julius Bär an der Börse deutlich höher bewertet als die Aktien der UBS. Beide Banken sind schwergewichtsmässig im internationalen Privatkundengeschäft tätig, die UBS allerdings auch in praktisch allen anderen Bankgeschäften.
Für die Kunden sind interne Interessenkonflikte in grossen Universalbanken von Nachteil: Zwischen den verschiedenen Bereichen einer Universalbank können Interessenkonflikte entstehen, die oft zu Lasten der Anlagekundschaft ausgetragen werden.
Interne Profiteure sind die Bereiche, welche Finanzprodukte herstellen (Investment Banking und Fondsgeschäft). In den letzten Jahren waren Credit Suisse und UBS mit solchen Fällen in den Schlagzeilen. Alle Folgen der Dollar-Derivate, welche im Investment Banking der UBS hergestellt und den Privatkunden verkauft wurden, sind noch nicht ausgestanden.
Auch dieser Fall reicht über das konkrete Produkt und die damit verursachten Geldverluste hinaus. Es geht um die Glaubwürdigkeit und das seriöse Geschäftsgebaren der Bank.
8 Meine Schussfolgerung: Die beste Lösung für die Schweiz, die UBS und deren Aktionäre und Kunden ist die Aufteilung der Bank in voneinander unabhängige Banken. Christoph Blocher liegt mit seinem Vorschlag richtig.
Besser als aufteilen. Ins Ausland verschachern!
Natürlich müsste man die UBS aufspalten. Offenbar kann man sie aber nicht zwingen. Ich wäre für eine Gesetzesänderung.
Beim zukünftigen neuen Bankrott der UBS ist die UBS nicht mehr systemrelevant. Der Staat haftet nicht mehr.
Die UBS ist zu gross.
Das grössere Problem: Die Politiker sind geistig nicht gross genug um das richtige zu tun.
Noch schlimmer: Die Bürger nehmen die UBS, das perfekte Ziel will man der Schweiz schaden, so hin wie sie ist.
Sie akzeptieren das totalversagen bei der Migration von Credit Suisse zu UBS.
Sie akzeptieren die gigantischen Gebühren.
Vor 30 Jahre haben Blocher, Ebner und Schildi für eine Fusion unter den Grossbanken gekämpft und mächtig Gebühren abkassiert. Heute ist nun die UBS mit einem ‚mini‘ Investment Banking zu gross. Blocher ist ein alter, gebrechlicher Mann mit Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Er ist wie bekannt schwer krank. Blocher soll seine wenigen Lebensjahre geniessen. Seine Ansichten sind verstaubt.
Mit dem Wort ‚Aufteilung‘ wird die UBS nicht einverstanden sein. Was gefordert wird, ist dass die internationalen Teile separat abgewickelt werden können.
Meiner Meinung nach (der BR sieht das anders) muss der internationale Teil NICHT mit mehr Eigenkapital ausgerüstet werden. Er geniesst dann einfach keine Schweizer Staatsgarantie und die Kunden erhalten keine 100’000 Franken bei Insolvenz. Hingegen der WM Schweiz und der Coprporate-Teil Schweiz, tbd Institutional Clients Teil Schweiz braucht mehr Eigenkapital.
Das geht nicht, weil das eine seit Jahren vorgebrachte Idee ist, von Dr. Christoph Blocher.
Da er SVPler ist, geht das über den Stolz der links-grün-woken-FDP-Mitte Menschen und MSM.
Die Schmach, nochmals, wie bei der EU von ihm gerettet zu werden.
Nein, da gehen sie lieber unter, als sich nochmals Dank seiner Idee retten zu lassen.
Machen!
Die normale Schweiz wird nur noch missbraucht, von gierigen Finänzlern über AMG-Poser die in ihren Barbershops nicht nur Bärte waschen, bis hin zu Randkantonen die jeden Gaggalari gewähren lassen mit einer Raketen-Bar sein Geld zu machen. Ich bin langsam konsterniert über unsere 10Mio-Schweiz, ein einziger Tummelplatz für Figuren die geldgetrieben unser einstmals schönes Land abrocken.
Danke für den hoffentlich heilungs-wirksamen Artikel.
1.
Die UBS muss in Länder-Gesellschaften aufgeteilt werden, jede eine eigene AG, die es blähen kann, ohne dass wir hier etwas merken.
2.
Das Eigenkapital muss erhöht werden. Ob die von KKS gewollte Höhe genug ist, bezweifle ich.
3.
Der Eigenhandel der Banken an der Börse ist in der CH für alle Banken zu verbieten.
4.
Offenbar gibt es ein maximal-schräges Gesetz, das den Banken erlaubt, Verluste mit möglichen künftigen Gewinnen zu verrechnen, um keine Verlust-Vorträge in der Bilanz führen zu müssen. Das Gesetz muss weg. Sofort.
Perfekte Argumentation, Herr Geiger!
Die Sicht der Bankführung auf dieses Thema ist erwartungsgemäss und getragen vom üblichen Motto:
‚Risiken sozialisieren und Opportunitäten individualisieren‘.
Die ganzen Entlassenen der UBS finden niemals eine neue Stelle.
Für die Entlassenen der UBS:
https://zalp.ch/stellenboerse/alpstellen
Besser die Ansprüche an die Realität anpassen. Alpsenn wäre doch ein cooler Job.
Die global tätige UBS hat den nationalen Rahmen schon längst verlassen. Restliche Lackspuren von Swiss Made sind doch auch schon sehr stark verwittert am verblasen.
Die Mär‘ vom verlustfreien Trennbankensystem:
Die alte Leier über eine weder rechtlich, noch bankwirtschaftlich umsetzbare Scheinlösung.
Was damit bezweckt wird ist einzig und allein die Zerschlagung der UBS.