Bis April könnte Öl 150 Dollar pro Barrel erreichen: Ein Szenario, das längst nicht mehr abwegig ist.
Eine solche Entwicklung entsteht, wenn volatile Geopolitik im Nahen Osten, inflationsgetriebene Marktstimmung und spekulatives Kapital auf einen ohnehin engen Markt treffen.
Energiepreise bewegen sich selten geradlinig. Sie explodieren, wenn Selbstzufriedenheit auf Schock trifft – und dieser Schock baut sich derzeit kontinuierlich auf.
Das globale Ölsystem hängt gefährlich stark von einigen wenigen maritimen Engpässen ab, von denen der Strait of Hormuz der kritischste ist. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölvolumens fliesst durch diese schmale Passage.
Sie muss nicht vollständig blockiert werden, um Panik auszulösen; es genügt, dass sie unsicher wirkt.
Die eskalierenden Spannungen zwischen Washington und Teheran haben eine Risikoprämie wiederbelebt, die viele Händler bereits abgeschrieben hatten. Versicherungsprämien für Tanker steigen. Transportwege verlängern sich. Militärische Posturierung verstärkt die Unsicherheit.
In den Ölmarktpreisen ist Unsicherheit bereits enthalten – die Märkte preisen Angst ein, nicht Diplomatie.
Selbst begrenzte Unterbrechungen können mehrere Millionen Barrel pro Tag aus dem effektiven Angebot entfernen. Auf dem Papier existiert eine Reservekapazität, vor allem innerhalb von OPEC, aber diese schnell und politisch durchzusetzen, ist eine andere Sache.
Ein zweiter, oft übersehener Effekt wirkt über die Luftfahrt.
Mit der Ausweitung des Konfliktrisikos im Nahen Osten und im Kaukasus rechnen Fluggesellschaften bereits mit längeren, energieintensiveren Routen.
Sollte Instabilität Transitkorridore rund um Azerbaijan betreffen oder umliegenden Luftraum gefährden, könnten Europa-Asien-Flüge erheblich länger und treibstoffaufwendiger werden.
Längere Routen bedeuten mehr Flugstunden. Mehr Flugstunden bedeuten höheren Treibstoffverbrauch. Höherer Verbrauch treibt die Nachfrage nach Kerosin, einem direkten Derivat von Rohöl, in die Höhe.
Das ist weitreichender, als es klingt: Die globale Luftfahrt hat sich stark erholt. Wenn Airlines systematisch Umleitungen fliegen müssen, steigt der Kerosinverbrauch parallel zu steigenden Rohölrisiken.

Diese Kombination zieht Raffinerie- und Energiepreise nach oben. Fluggesellschaften geben die Kosten weiter, Ticketpreise steigen, und die Inflation folgt.
Energieschocks bleiben nicht auf die Märkte für Öl und Treibstoff beschränkt. Rohöl ist ein Basisinput für Transport, Industrie, Landwirtschaft und Logistik.
Ein schneller Anstieg von 80 bis 90 auf 120 Dollar pro Barrel würde bereits Inflationsprognosen belasten. 150 Dollar würden sie neu justieren.
Zentralbanken stehen dann vor einem Dilemma: Politik straffen in einem Umfeld langsamen Wachstums oder energiegetriebene Preisspitzen tolerieren: Beide Entscheidungen verstärken die Volatilität – und Volatilität zieht Kapital an.
Ein unterbewerteter Beschleuniger ist der Einfluss chinesischer Rohstoffhändler. In den vergangenen Jahren haben Händler über Shanghai International Energy Exchange gezeigt, wie sich Preisbewegungen durch konzentriertes Handeln, Hebelwirkung und Narrative verstärken lassen.
Silber lieferte ein klares Beispiel dafür, wie spekulative Dynamik fundamentale Preise weit überschreiten kann.
Wenn institutionelle oder halb-staatliche Akteure Chinas Rohöl als geopolitisches oder inflationsgesichertes Investment nutzen, könnte die Positionierung schnell wachsen. Märkte neigen zu Übertreibungen, wenn drei Faktoren zusammentreffen:
Physische Knappheit, makroökonomische Angst und spekulative Dynamik. Die ersten beiden sind bereits präsent, der dritte Faktor könnte den Preissprung auslösen.
Einwände werden kommen: Die globale Nachfrage schwächelt, oder die US-Schieferproduktion wird reagieren. Vielleicht.
Aber Angebotsreaktionen hinken hinterher. Geopolitische Prämien bewegen sich schneller als Bohrinseln.
Eine ernsthafte Unterbrechung im Strait of Hormuz, anhaltende Umleitungen im Luftverkehr über den Nahen Osten und momentumgetriebenes Futures-Handeln in Asien würden kein offizielles Öl-Embargo benötigen, um 150 Dollar zu erreichen.
Es genügt anhaltende Instabilität.
Öl braucht keinen strukturellen Mangel, um zu explodieren. Angst, Hebelwirkung und Zeit genügen.
April ist näher, als es scheint. Und Märkte bewegen sich oft am heftigsten, wenn der Konsens glaubt, dass sie es nicht tun werden.
Wenn die Eskalation anhält, werden 150 Dollar nicht extrem wirken – sie werden unvermeidlich erscheinen.


Die Festung Iran ist bestens vorbereitet. Sie wird als Armageddon von Trump in die Geschichte eingehen.
Deshalb bin ich längst in Brent Oil und EU TTF Gas investiert. Futures oder wer mag ETFs. Das EU-Gas ging in zwei Tagen 100% hoch und könnte sich im Extremfall noch verzehnfachen. Aber Vorsicht: Gas-Futures gehören zu den volatilsten Instrumenten überhaupt am Markt.
In Iran entscheidet der gut etablierte Staat im Staat und nicht die Bevölkerung. Die, die alles haben und bestimmen werden niemals einlenken und deshalb nur gemeinsam mit dem Nahen Osten untergehen.
Öl-und Börsenkurse sind Eines worauf man jetzt schauen kann. Die andern Sachen die da kommen werden, machen mir jedoch VIEL viel mehr Kopfzerbrechen. (Ev. bin ich aber auch der einzige hier, der in der Sache nicht zuerst an Börse & Portfolio denkt o. darüber philosophiert/spekuliert. Taschenrechner-Empathie gibts sehr viel.
Kauft Edelmetalle wie Gold, Platin und Silber!
Edelmetalle wie Gold und Silber sind abgeschmiert, Industriemetalle sogar noch stärker. Nur Brent-Oel und Euro-Gas sind stark gestiegen. Beide gibt es auch als ETF, wer nicht in Futures investieren kann.
Das sind doch nur Gewinnmitnahmen, um Öl zu kaufen. Ich bin mir sicher, dass zumindest der Goldpreis weiter steigen wird. Wenn kein physisches Gold gekauft wird, sollte man darauf achten, in welcher Währung man investiert. Beim US-Dollar wäre der Verlust in den letzten Tagen nicht ganz so hoch gewesen.
Nachtrag: Um sich gegen Krisen abzusichern, genügt der Kauf von ein paar Goldvreneli. Genau dafür wurden die Goldvreneli konzipiert. Oder glaubt ihr wirklich, dass man in einer Krise als Privatperson mit Goldbarren handeln kann? Sobald jemand weiss, dass ihr welche habt, sind sie schneller weg, als sie da waren.
Und schon wieder auf allen Plattformen die Kommentare ‚ist mir egal, ich fahre und heize elektrisch‘. Dass indirekt fast alles von fossilen Rohstoffen abhängt – Preis und Produkte – sehen die Schlaumeier nicht.
Hormuz ist für unfreundliche Länder geschlossen und die Schiffe haben keine Versicherer mehr.
Ich wunderte mich insofern über die aktuell „tiefen“ Preise.
Der Steuervogt profitiert überproportional am Ölpreisanstieg und ist damit ein Kollaborateur solange er sich nicht dagegen stellt.
Oil is King – und wie immer zahlen nicht die Könige, sondern die Untertanen. Autofahrer, Passagiere, Stromkunden… aber hey, Hauptsache die Golf-Region bleibt ein geopolitisches Schachbrett für Leute, die nie selbst tanken müssen.
@TomTom
Du sprichst von den Untertanen der Golf Diktaturen, welche bald nichts mehr zum Essen haben, von WC Papier ganz zu schweigen.
Oil is King. Und wie jeder König lebt er davon, dass alle anderen leiden. Verdoppelter Preis? Perfekt – dann kann die Inflation wenigstens auch mal wieder zeigen, wer hier wirklich regiert.
Natürlich! Öl ist König, und wir sind die treuen Untertanen, die brav zahlen, damit Seine Viskosität weiterhin im Luxus baden kann. Inflation? Das ist nur die königliche Fanfare, die ankündigt, dass wir wieder einmal zu wenig gelitten haben.
Ich habe meinen dicken Diesel noch für 1.67/lt vollgetankt. Damit diesle ich wieder 1’100km weit. Danach sehen wir wieder weiter. Wir hatten auch schon 2.20/lt und haben es auch überlebt. Ich würde mir eher als E-Auto-Fahrer Sorgen machen, die Batterie die nach 7 Jahren ersetzt werden muss, die kommt drei Jahre später und zum dreifachen Preis. Bis dann diesle ich weiter und wenn alle Stricke reissen, rufe ich den Wladimir an.
Und vergiss nicht in einem Kriegsfall ist die Stromversorgung eines der ersten die am Boden liegt. Mit einem vollen Diesel Tank schaffe ich es in ein sicheres Reduit in den Bergen.
Ich zweifle täglich mehr, wie lange LH noch tiefer sinken kann.
Wenn man ein Fan des Autos ist, muss man immer an Kanister voll von Benzin denken. Oft machen sich die Leute über mich und meine Kanister („Jerrycan“) lustig ….. Im Moment macht man sich viel weniger lustig aber trotzdem werde ich meine Reserve auf keinen Fall teilen.
glücklicherweise gibts immer mehr alternativen zum erdöl.