Im Ukraine-Krieg stehen wir im fünften Kriegsjahr. Für einen industriellen Hochintensitäts-Krieg ist das eine aussergewöhnliche Dauer.
Solche Konflikte neigen zum Ausbrennen, weil die enormen Anforderungen an Personal, Material und Logistik mit der Zeit nicht mehr aufrechtzuerhalten sind.
Ein Beispiel ist der Bosnienkrieg (1992-1995). Die Parteien zerfielen rasch in überwiegend lokale Milizen.
Ihre operationellen Möglichkeiten beschränkten sich weitgehend auf lokale oder allenfalls regionale Einsätze. Ein Kampf mit verbundenen Waffen lag ausserhalb ihrer Möglichkeiten.
In der Ukraine ist dies nicht zu beobachten. Die eingesetzten Energiemengen vor allem der russischen Armee nahmen im Verlauf des Krieges stetig zu.
Sie erreichen ein Niveau, das mit keinem Konflikt seit dem Vietnamkrieg vergleichbar ist.
So feuern die Parteien innerhalb von ein bis zwei Tagen etwa so viele 155/152mm-Granaten ab wie die amerikanische Armee während dem 2. Golfkrieg (2003) insgesamt.
Und selbst im geschwächten Zustand von Anfang 2026 ist die Landarmee (Heer) der Ukraine grösser – und vermutlich auch erheblich schlagkräftiger – als jene von Frankreich, Spanien, Deutschland und Grossbritannien zusammen genommen.
In gemeinsamen Übungen zeigt sich regelmässig, dass NATO-Verbände ukrainischen Verbänden taktisch deutlich unterlegen sind (Übung Siil 2025 / Euronews oder Hedgehog 2025 / WSJ 2026).
Die Überlegenheit besteht dabei in Themen wie Drohnentaktik, Digitalisierung, Adaptionsfähigkeit und Entscheidungs-Geschwindigkeit (OODA-Loop).
Dies ist bemerkenswert für einen Staat, der seine zivile Infrastruktur nur noch eingeschränkt aufrechterhalten kann.
Warum ist dies so?
Die Ukraine wird weiter durch eine Koalition unterstützt, die ihr eine enorme strategische Tiefe gibt. Sie ist heute eingebunden in die logistischen Prozesse der NATO-Staaten und erhält Mittel zur Finanzierung der Kampftruppen und der Zivilgesellschaft.
Auf sich alleine gestellt wäre es der Ukraine nicht möglich, eine Landarmee der benötigten Grösse aufzustellen, zu unterhalten oder auszurüsten. Vereinfacht ausgedrückt: Die Ukraine stellt das Personal, der Westen Kapital, Technologie und Munition.
Dadurch kann die Ukraine trotz einer deutlich geringeren Bevölkerung und einer stark reduzierten eigenen Produktion an Waffen und Munition weiterhin mit einem strukturell weit überlegenen Gegner mithalten.
Auf der Seite von Russland muss man feststellen, dass der „Westen“ die russischen Produktionskapazitäten quantitativ und qualitativ unterschätzt hat. Dies bestätigt eine historische Konstante:
Verfügbarkeit günstiger und verlässlicher Energie in Kombination mit einer starken Fertigungstechnik ist ein zentraler militärstrategischer Vorteil.
China spielt eine Doppelrolle und versorgt beide Seiten beispielsweise mit Drohnenkomponenten. Ohne regelmässige Lieferungen aus China würden grosse Teile der westlichen Rüstungsproduktion stillstehen.
Die Abhängigkeit besteht nicht nur bei seltenen Erden, sondern auch bei Sprengmitteln, militärischen Magneten und weiteren kritischen Komponenten.
Was ist nun für das 5. Kriegsjahr zu erwarten?
Auf der innenpolitischen Ebene ist die Ukraine kaum zu Kompromissen fähig. Und Russland hat wenig Anreiz, von seinen Vorstellungen abzuweichen.
Die USA handeln erratisch und stehen in ihrem Krieg gegen den Iran vor enormen Herausforderungen, die europäischen NATO-Staaten verweigern sich noch jedem politischen Dialog mit Russland.
Mit dem Krieg der US-Israel-Allianz ergibt sich geopolitisch eine neue Ausgangslage. Durch die Schliessung der Strasse von Hormus entstehen enorme Verwerfungen an den Energiemärkten.
Aber auch vor allem der Düngermarkt und bei weiteren zentralen Basisindustrien wie Aluminium bestehen Engpässe.
Interessanterweise sind dies Sektoren, wo Russland sehr stark ist und vielfach sogar über Kapazitätsreserven verfügt. Die Attraktivität Russlands als Handelspartner hat somit erheblich zugenommen.
Dies gilt insbesondere für Staaten wie Indien, die dringend sowohl auf Energie- als auch Düngerimporte angewiesen sind. Aber auch Brasilien (Harnstoffe) oder Indonesien (Schwefel) sind für ihre Landwirtschaft abhängig von diesen Lieferungen.
Diese Länder haben keine andere Wahl, als sich weiter an Russland anzunähern. Dies gilt auch für die asiatischen Bündnispartner der USA, vor allem Südkorea und Japan, die dringend auf Energieimporte angewiesen sind.
Aber auch in westeuropäischen Kernstaaten der EU gibt es Forderungen – zum Beispiel dem belgischen Ministerpräsidenten Bart de Wever – nach einer „sofortigen Normalisierung“ der Beziehungen zu Russland.
Die bereits vorher bestehenden inneren Konflikte innerhalb der europäischen Staaten werden so verschärft. Gleichzeitig geraten diese Ökonomien durch die Verwerfungen weiter unter Druck, was die Mobilisierung von finanziellen Mitteln für die Ukraine noch mehr erschwert.
Das 90 Milliarden Euro-Unterstützungsprogramm der EU ist weiterhin blockiert. Die Ukraine ist somit auf bilaterale Hilfen aus einzelnen EU-Staaten angewiesen (Deutschland, Skandinavien), die überwiegend selber mit sehr grossen wirtschaftlichen Problemen kämpfen.
Die supranationalen Institute (Weltbank und IMF) wurden in den letzten Jahren dazu genutzt, um die Ukraine finanziell über Wasser zu halten – allein in den ersten 12 März-Tagen hat der IMF über 1,1 Milliarden Dollar ausbezahlt (IMF 2026).
Es ist absehbar, dass verschiedene Entwicklungs- und Schwellenländer in den nächsten Monaten dringend auf Gelder angewiesen sein werden. Diese stehen in Konkurrenz zu den Bedürfnissen der Ukraine.
Auch diese Geldquelle droht somit zu versiegen.
Der Bedarf der Ukraine an Unterstützung steigt gleichzeitig an, da die inländische Ökonomie und die Exporteinnahmen weitgehend zusammengebrochen sind.
Die geringeren, verfügbaren Ressourcen haben in der Ukraine in den letzten Monaten zu erheblichen innenpolitischen Umwälzungen geführt.
So verloren eine Reihe einflussreicher Politiker und Berater ihre Posten. Diese Instabilität in der Führung ist ein typisches Anzeichen, dass ein politisches System unter erhöhtem Druck steht.
Für Abnützungskriege sind lange Phasen relativer Stabilität, gefolgt von einem raschen Zusammenbruch, typisch. Die Ukraine hat zwei grundlegende Herausforderungen:
Der Mangel an motivierten und kampffähigen Soldaten und die erodierende ausländische Unterstützung (Geld und Material). Beide Faktoren könnten für sich genommen bereits einen Zusammenbruch auslösen.
Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen erscheint 2026 nur ein Friedensschluss entlang der russischen Forderungen möglich.
Die Alternative ist ein militärischer und politischer Zusammenbruch der Ukraine, entweder in 2026 oder spätestens in 2027.
Katalysator könnte insbesondere der Iran-Konflikt sein. Dieser könnte einen der grösseren europäischen Staaten dazu zwingen, die Beziehungen zu Russland unilateral zu normalisieren und die Hilfen an die Ukraine einzustellen oder deutlich zu reduzieren.
An einem Zusammenbruch der Ukraine kann niemand ein Interesse haben, auch nicht Russland. Ein „Failed State“ dieser Grösse wäre ein ständiger Unruheherd für ganz Europa und würde auch Russland negativ beeinflussen.
Vor allem die europäischen Verbündeten der Ukraine stehen in der Pflicht, endlich entschlossen auf einen raschen und dauerhaften Friedensschluss hin zu arbeiten. Mit den Ereignissen um den Iran besteht es eine Möglichkeit, einen solchen Schritt innenpolitisch zu erklären.
Europa steht vor einer strategischen Entscheidung: Fortgesetzte Konfrontation mit steigenden ökonomischen Kosten und ohne realistische Aussicht auf Erfolg, oder eine Neuordnung der europäischen Sicherheitsarchitektur unter Einbezug Russlands.
Die wirtschaftliche Lage vieler europäischen Staaten ist angespannt. Besonders energieintensive Industrien (Chemie, Schwerindustrie, Datencenter) verlieren international an Wettbewerbsfähigkeit. Mit den Verwerfungen des Iran-Kriegs wird sich die Konjunktur weiter eintrüben.
Eine sicherheitspolitische Entspannung in Europa und eine Verständigung mit Russland würde unmittelbare positive wirtschaftliche Effekte entfalten.
Insbesondere im Energiesektor, aber indirekt auch in allen europäischen Ökonomien. Es ist somit Zeit zu handeln. Mit kühlem Kopf und frei von Emotionen.
Ukraine ist doch ein failed Staat und war dies auch schon vor dem Krieg.
Der Schreiberling muss aufpassen, nicht dass die „Oberste Europäerin“ ihn auf die Liste der unerwünschten Personen setzt. Baud hat sich nicht so stark für Russland gemacht, er hat nur Urkainer zitiert, das hat schon gereicht.
Baud hat dafür aber auch Geld gekriegt vom Kreml. Wenn ich sehe wie oft und wie agressiv hier bei IP Pro Putinismus zelebriert wird (und pro-Ukraine Meinungen komplett fehlen), dann frage ich mich auch was da im Hintergrund für Geldströme fliessen.
Zitat: „Die Ukraine stellt das Personal, der Westen Kapital, Technologie und Munition.“ Verschiessen die vom Westen entwickelten und gelieferten Drohnen jetzt täglich mehr 155/152mm-Granaten als die amerikanische Armee während des 2. Golfkrieges (2003) insgesamt?
Hört endlich mit dieser Dr… Ukraine auf. Alles nur Propaganda. Geht allen am Allerwertesten vorbei. Europa ist nur noch irre!
Darauf wartet Putin – auf den Kanossagang und Kniefall Europas – Trump hilft ihm dabei.
„Ukraine als Failed State wäre Unruheherd für alle“ macht Hoffnung, dass sich vielleicht doch einmal jemand mit ein bisschen Weitblick auf IP verirrt hat.
Nach dutzenden Zeilen mehrheitlich zusammenhangslosem Geschreibsel erklärt der anonyme Autor „nur ein Friedensschluss entlang der russischen Forderungen erscheint möglich.“ Er impliziert, wenn die Ukraine überlebt, wäre sie ein failed State, man solle endlich Kyiv Russland anschliessen.
Was Europa mit den 20m zusätzlichen ukr Flüchtlingen machen soll bleibt (wie immer bei den ProPutinisten) ein Geheimnis.
Der Staatszweck der Ukraine ist der Kampf gegen Russland und alles russische, deshalb wurde und wird sie auch vom Westen unterstützt.
Zusammen mit der NATO/EU Anbindung der Ukraine, was die Anwesenheit von NATO-Infrastruktur in Charkow und Sumi bedeuten würde, plus der russophoben Tendenz in der EU, ist dies eine tödliche Gefahr für Russland. Der Kreml wird dies beseitigen müssen und das ginge nur entweder mit einer Neutralisierung der Ukraine, oder dem Ende der Existenz eines Staates Ukraine.
Andere Varianten gibt es für Russland nicht.
Es ist kein Krieg, sondern eine örtlich und zeitlich begrenzte Spezialoperation. Wir haben das mit Frau Martullo besprochen, und es waren alle einverstanden.
WWIII
Chlause hat wieder einen langen Witz gebröselt!