In traditionellen Medien wird aktuell intensiv über mögliche amphibische Aktionen der USA gegen die Insel Kharg spekuliert.
Hintergrund dafür sind entsprechende Spekulationen und Ankündigungen des Weissen Hauses und amerikanischen Politikern wie dem aussenpolitisch einflussreichen Lindsay Graham.
Als Grund dafür wird angegeben, dass über diese Insel bis zu 90 Prozent der Erdölexporte des Irans erfolgen. Die Hoffnung ist, dass mit einer Besetzung Khargs der Druck auf den Iran erhöht werden kann und damit die schwierige militärische Gesamtlage der Allianz deblockiert wird.
Kharg ist eine Insel von 23 Quadratkilometer Grösse, flach und kaum bewachsen und liegt 30 Kilometer vor der Küste des Irans. Sie bildet einen natürlichen Tiefwasserhafen für Tanker.
Die Spekulation wird genährt durch die Verlagerung von mehreren Verbänden von US-Marine-Soldaten und Airborne-Luftlandeverbänden in die Region. Dabei handelt es sich um 10’000 Kampftruppen, die Ende März bis Anfang April vor Ort sein sollten.
Interessanterweise lokalisieren die Journalisten und „Experten“ die Insel Kharg oft in der Strasse von Hormus oder verknüpfen die Themen zumindest miteinander. Kharg befindet sich am anderen Ende des Persischen Golfs gegenüber von Kuwait, also etwa 600 Kilometer entfernt von der Strasse von Hormus.
Was können die USA realistisch mit den verschobenen Soldaten erreichen?

Beginnen wir mit Kharg. Eine amphibische Landung, allenfalls in Kombination mit einer Luftlandeaktion, würde dazu dienen, die Insel zu besetzen. Ein solches Vorgehen wird von Politikern wie Lindsay Graham aktiv gefordert.
Die Herausforderung dabei ist weniger diese Operation an sich, sondern die anschliessende Besetzung der Insel. Kharg ist eine flache Insel mit wenig Deckung. Sie befindet sich in Reichweite der Küste des Irans und kann von dort aus mit Rohrartillerie und Drohnen belegt werden.
Die USA müssten entweder auch die Küste des Irans besetzen oder eine starke Fliegerabwehr (Lenkwaffenabwehr und Short-Range Air Defense gegen Drohnen) aufbauen.
Die USA mussten in den letzten Wochen erhebliche Verluste bei ihren Radaranlagen und anderen Überwachungs-Anlagen hinnehmen. Die militärisch wichtigen Stellungen und Basen im Irak stehen unter Druck und wurden teilweise bereits evakuiert.
Auch die amerikanischen Stellungen in Kuweit sind nach allen verfügbaren Berichten nicht gesichert. Unabhängige Beobachter sehen die verbleibende Präsenz der USA in Kuwait – wie auch in Bahrain – vor allem politisch. Dies, um die dortigen Regierungen politisch zu unterstützen.
Wie unter diesen Bedingungen ein Fliegerabwehrnetz auf einer exponierten Insel direkt vor der Küste des Irans aufgebaut werden soll, ist nicht nachvollziehbar.
Die noch verfügbaren Ressourcen in der Fliegerabwehr werden dringend benötigt zum Schutz der amerikanischen Logistikdrehscheiben und grossen Luftwaffenstützpunkte in Saudiarabien.
Diese sind, anders als die verwundbaren und teilweise bereits beschädigten Basen am Persischen Golf, zentral für die weitere Kriegsführung der Allianz.
Jede amphibische Operation gegen die Insel Kharg wäre in der Praxis erst möglich, wenn es den USA gelingen würde, die Blockade der Strasse von Hormus zu durchbrechen und die Meerenge militärisch zu sichern.
Für diese Zwecke ist die Streitmacht aus leichter Infanterie auf Basis der verfügbaren Informationen nicht ansatzweise ausreichend. Könnte die Strasse von Hormus aber erfolgreich gesichert werden, dann wäre dies ein weitaus bedeutsamerer Schritt als die Besetzung von Kharg.
Der nächste logische Schritt nach einer Sicherung von Hormus wäre die Bekämpfung der A2/AD-Fähigkeiten des Irans im Persischen Golf, um einen ungehinderten Schiffsverkehr zu erlauben.
Das wahrscheinlichste Szenario der Verschiebung ist somit eine politische und propagandistische Botschaft. Kharg wird mit grösster Wahrscheinlichkeit kein Ziel darstellen.
Es besteht eine kleine Wahrscheinlichkeit für eine Operation entweder in der Strasse von Hormus oder in der näheren Umgebung. Wobei dies gegeben die militärische Gesamtlage eher unwahrscheinlich scheint.
Eine interessantere Alternative wäre es, die Soldaten für eine amphibische Landung in Jemen einzusetzen. Die Houthis haben mehrfach die mögliche Schliessung des Bab al-Mandab angekündigt, dem östlichen „Eingang“ zum Roten Meer.

Damit wäre der Suezkanal für den Verkehr zwischen Asien und Europa geschlossen, und Saudiarabien würde die letzte Verbindungslinie nach Asien verlieren. Ein solcher Vorgang wäre eine Katastrophe für die Allianz und die Golfstaaten.
Niemand bezweifelt, dass die Houthis zähe und gut organisierte Kämpfer sind. Aber ihre Fähigkeiten liegen deutlich unter jener des Irans, und ihre Bodentruppen bestehen überwiegend aus leichter Infanterie.
Es wäre somit durchaus möglich, mit den verfügbaren amerikanischen Kräften etwas zu erreichen und vor allem Teile der jemenitischen Küste des Roten Meers zu sichern.
Das Risiko dabei ist mehrfach: Erstens haben die Saudis zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten mehrere Jahre versucht, die Houthis militärisch zu besiegen, unterstützt von lokalen Milizen. Dabei haben sie insbesondere auf die Luftwaffe gesetzt.

Diese Versuche waren erfolglos. Manche „Experten“ belächeln die Fähigkeiten der saudischen Luftwaffe. Dabei geht vergessen, dass die „saudischen“ Piloten überwiegend ehemalige amerikanische Kampfpiloten sind, die als Contractor auftreten.
Auch das eingesetzte Material und die Ziel- und Führungssysteme sind ausschliesslich moderner amerikanischen Provenienz.
Zudem haben die USA und Israelis letztes Jahr monatelang versucht, die Houthis mit intensiven Bombardements zu besiegen, ebenfalls mit geringem Erfolg. Es könnte also sein, dass auch dieser Versuch nicht erfolgreich ist.
Zweitens könnten die Houthis oder der Iran auf einen solchen Angriff reagieren und vor allem die Ost-West-Pipeline und Erdölverladestationen Saudiarabiens am Roten Meer in Yanbu angreifen.
Durch diese Ost-West-Pipeline ist Saudiarabien weiterhin in der Lage, einen Teil seiner Erdölproduktion zu exportieren. Der Iran hat die militärischen Fähigkeiten, diese Pipeline mit Marschflugkörpern oder Drohnen ausser Gefecht zu setzen.
Ein Angriff auf die Houthis wäre somit eine Hochrisikostrategie.
Denkbar ist, dass die USA in der Lage sein möchten, auf eine mögliche Eskalation der Houthis zu reagieren und dafür Bodenstreitkräfte in der Region vorzuhalten. Dies wäre sowohl militärisch als auch politisch der sinnvollste Einsatz dieser Verbände.
Hochinteressante Gedanken. Vielen Dank.
Trump ist durchaus so etwas zuzutrauen.
Aber an den Houthis wird er sich die Zähne ausbeissen.
Was Härteres gibt’s auf der ganzen Welt nicht, dagegen sind die Taliban richtige Softies.
Die USA haben nicht mal Luftüberlegenheit über dem Iran erreicht. Und die Israeli kommen gar nicht mehr aus dem Bunker raus (ich hab Bekannte in Tel Aviv. Es herrscht – Zitat – „eine Stimmung wie in Berlin März 1945“).
Es ist absurd, da auch nur an amphibische Landungen zu denken.
Reine Propaganda.
Der Krieg ist verloren. Aus. Ende. Vorbei.
Wäre schön wenn er vorbei wäre. Aber Netanyahu und Trump wollen Gross-Israel und der Iran hat noch nicht mal richtig angefangen diese zu bombardieren…..
Donald go for it😍
Da muss man sich sogar als ehemaliger Stäbler echt konzentrieren.
Aber ich lerne wirklich was dabei.
Der erste Flugzeugträger wird bald sinken. 😉🤭😂
Bin dann mal gespannt ob die Amis sich vielleicht dann doch noch vom Sofa erheben, wenn wir dann massenweise FPV Drohnenfilmchen zu sehen kriegen, mit den letzten Sekunden im Leben von amerikanischen GIs.
Hopp Iran!
Danke für all die fundierten Artikel dieses Fachmanns.
Is there a problem with the WAR you ordered?
Die Ausführungen von Clausewitz sind strategisch interessant. Ich bezweifle jedoch, dass Trump diese zur Kenntnis nehmen wird. Seine Strategie wird eine andere sein, welche morgen von ihm höchstpersönlich schon wieder über den Haufen geworfen werden wird. Trump hat viel zu verlieren, könnte aber auch viel gewinnen. Eine trumpsche Wundertüte, wie gehabt.
Trump pense à son patrimoine et non à l’intérêt général US. Il s’attaque à une idéologie théocratique au prisme d’une perception occidentale de la guerre. Cependant, si tout régime autoritaire repose sur l’axiome que celui qui règne ne peut paraître faible face à l’ennemi extérieur – au risque d’un renversement du régime – ici nous sommes en présence d’une théocratie autoritaire, c’est-à-dire que le „souverain“ (avec ses successeurs) reste considéré comme le représentant de Dieu. Trump réfléchi dans le temps court de l’Histoire du monde et pas dans le temps très long. Une grossière erreur!
Iran ist 47 Jahre lang unter den Weltsanktionen nicht auseinandergebrochen.
Die Welt bricht nach 23 Tagen der iranischen Sanktionen auseinander.
Wenn das der Sieg ist …
Als ehemaliger Nof aD einer Brigade muss ich sagen: Chapeau dem Ersteller dieser Analyse.
Ebenfalls ehemaliger Nof: die Analyse beruht auf Logik und Fakten. Doch diese interessieren DT nicht. Das Bauchgefühl und seine Moral sind seine guiding principles. Und damit ist alles möglich.
@HD Clausewitz
Fundiert, kompetent und wegweisend.
Danke dafür und bitte, weiter so!
Eine nette Räubergeschichte von Witz, Claus(e)witz.
Ist es jetzt Stahel, der sanktionierte Schweizer oder doch direkte russische Propaganda? Wer steckt dahinter? Ist der Schweizer ein Russe geworden? Hinter den Iranern stecken die Russen und die haben jetzt Angst, weil Chamenei nicht mehr ist. Putin ist deswegen vom Erdboden verschwunden. Man weiss nichts genaues. Vermutlich ist er im Bunker und zittert.