Die Katastrophe von Crans-Montana könnte man noch als Ausdruck der Walliser Copain-Unkultur abtun.
Aber der Skandal um den Herzchirurgen Francesco Maisano und sein untaugliches Cardioband zeigt bislang, dass auch hier alle staatlichen Instanzen unfähig zur Bewältigung sind.
Von den Medien, mit wenigen Ausnahmen, ganz zu schweigen. Wie der „Tages-Anzeiger“ Regierungsrätin Natalie Rickli Gelegenheit zur Reinwaschung gibt („Wir haben alles gemacht, was möglich war“), ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten.
Dabei ist der Operations-Skandal sogar filmisch dokumentiert. 2017 wollte der Arzt Maisano, dem zwar im Eilverfahren ein Professorentitel verliehen wurde, der aber nicht mal über den Doktortitel verfügt, bei laufender Kamera des Schweizer Fernsehens zeigen, wie toll sein Cardioband funktioniere.
„Nicht gut“, sagte der Operateur stattdessen, nach dem Einsetzen war die undichte Stelle noch grösser geworden, musste anschliessend mit zwei Clips verschlossen werden.
Bei einem anderen Patienten rollten in der Herzkammer zwei Schrauben herum, die sich aus dem Muskelgewebe gelöst hatten.
Unverantwortlich, wer das zulässt. Fahrlässig und unfähig, wer die wohldokumentierten Hinweise eines Whistleblowers ignoriert und ihn gar entlässt.
Besonders fragwürdig war es zu akzeptieren, dass der umtriebige Professor während seiner Zeit in Zürich mit dreizehn Unternehmen Beraterverträge hatte. Der Verkauf seines Cardioband-Patents an eine US-Firma gerät zum Desaster.
Von vereinbarten bis zu 690 Millionen US-Dollar werden 340 upfront bezahlt. Der Rest sollte später fliessen.
Das reicht, um den Beutelschneider zum Millionär zu machen.
Geldgier, Drang nach Selbstdarstellung, Missmanagement, der Einsatz von untauglicher Technologie aus Eigeninteresse:
Seit dieser dokumentierten Fehloperation im Jahr 2017 sollte allen Kontrollinstanzen klar geworden sein, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.
Ende 2019 meldet sich der Wihstleblower mit gravierenden Vorwürfen. Und was passiert? Ein Anwaltsbüro verfasst ein Weisswäscher-Gutachten, ein PR-Büro bearbeitet die Medien, die teilweise auf die Beschönigungen und die Darstellung des Professors als armes Opfer von Intriganten hereinfallen.
Mehr als sechs Jahre lang tun alle Aufsichtsbehörden bis hinauf zum Regierungsrat nichts anderes als abwiegeln, den Deckel draufhalten, beschönigen, die Sache mit dem Abgang des Professors als erledigt betrachten.
Beste Vogel-Strauss-Politik durch sämtliche Instanzen.
Mit an Bord sind auch die Strafverfolgungsbehörden. Das Zürcher Obergericht untersagt es der Ermittlungsbehörde mehrfach, eine Strafuntersuchung gegen den Beamte zu eröffnen.
Nicht freiwillig, sondern unter öffentlichem Druck wird ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Über Jahre hinweg lautet dann die Verteidigungslinie:
Bevor die Resultate vorliegen, können wir leider nichts dazu sagen, wir wollen ihnen nicht vorgreifen.
Zeit genug für alle Verantwortlichen, sich eine Verteidigungsstrategie zurechtzulegen, wenn die Bombe dann mal explodiert.
Ihre Bestandteile sind seit dem Erledigen des ersten Skandals in einer einigermassen freiheitlichen Gesellschaft bekannt und immer die gleichen.
Man ist „tief betroffen“, gar „erschüttert“, findet fast keine Worte, drückt allen Betroffenen (oder ihren Hinterbliebenen) das tiefempfundene Beileid aus.
Irgend ein armes Schwein muss sich sogar mit brechender Stimme entschuldigen.
Auf der anderen Seite konnte man das ja nicht ahnen, hat niemand nichts gewusst, wird vor Vorverurteilungen gewarnt, soll nun die strafrechtliche Aufarbeitung abgewartet werden, bevor es zu vorschnellen Anschuldigungen komme.
Bis dann alle Beteiligten abgetreten, pensioniert, in die Verjährung gerettet oder tot sind.
Die oberste Verantwortliche für diesen grössten Medizinskandal der Schweiz hat sogar die Stirn, während eines Rechtsfertigungsinterviews anzudeuten, dass sie sich durchaus eine Kandidatur als Bundesrätin vorstellen könne.
Bevor auch dieser Skandal im Nebel des Vergessens verschwinden wird, sei eine Frage gestellt: Ist die Schweiz in der Lage, ihn angemessen zu verarbeiten?
Die Antwort ist ein klares Nein.
Es wird – auf Kosten des Steuerzahlers – Entschädigungen geben. Dem Whistleblower wird nicht einmal eine anständige Wiedergutmachung für die Vernichtung seiner Karriere gewährt.
Es wird zum x-ten Mal behauptet werden, dass inzwischen alle organisatorischen Vorkehrungen getroffen worden seien, um eine Wiederholung zu vermeiden.
Zweite Frage: Wird irgend jemand ernsthaft strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, von den Chirurgen abwärts und aufwärts? Wird es Rücktritte, beendete Karrieren, finanzielle persönliche Verantwortlichkeiten geben?
Auch hier ist die Antwort ein klares Nein.
Die Phalanx der Komplizenschaft von Staatsbehörden mit ihren politischen Führern, die bürokratisch organisierte Verantwortungslosigkeit ist Too Big to Fail, Too Big to Jail.
Gleiche Bilder gehören meistens zum gleichen Kommentator.
Der Rechtsstaat Schweiz ist verfilzt, verlottert, verlogen und korrupt.
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Auch Frau Jänicke bekam vom Tagi eine Plattform.
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Empirisch ist der „Crony-capitalism effect“ durch seine zahlreichen sozialen und wirtschaftlichen Folgen gut belegt, dennoch wird er im Westen fortgeführt. Dieses System, das zwar gefördert, aber hinter der Illusion der Demokratie verborgen wird, begünstigt eine Durchlässigkeit zwischen privaten und öffentlichen Interessen. Die Komplizenschaft kennt keine Grenzen, da Akteure ihre politischen Verbindungen ausnutzen, um sich unfaire Vorteile zu verschaffen – indem sie die Unterstützung an Wahlen knüpfen oder die Gesundheit für Profit opfern.
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Die Herstellerfirma muss für ihre fehlerhaften Produkte haften, sicher nicht der Steuerzahler.
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Ich vertraue aus Prinzip keinem Arzt.
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Nach meiner Überzeugung war es der Artikel in der WELT am Sonntag wo gute Journalisten gut recherchiert hatten. Ein Aussitzen in Tsüri war unmöglich geworden.
IP gehört einmal mehr zu den ganz wenigen Plattformen die noch wacher sind als das Gros der MSM und dem unsäglichen ÖRR.
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SRF Céline Raval 29.08.2018, 11:24: „Unser Land hat eine reiche Geschichte von Whistleblowern: Fünf eindrückliche Fälle, die viel zu reden gaben und immer noch geben…“
Es sind wohl die Whistleblower die dafür sorgen, dass die grossen Skandale der Schweiz an das Tageslicht der Wahrheit kommen. Möglich, dass die mächtigen der Polit-Kaste die Meinung haben können: es genügt wenn die Eidgenossenschaft charakter- und willensstarke Whistleblower hat, den Rest erledigen einige mutige Online-Plattformen und deren Kommentatoren.
Gunther Kropp, Basel
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Die Taktik ist doch klar, es geht darum, alles hinauszuzögern, um es verjähren zu lassen. Und Tote haben meistens keine Lobby.
Interessant auch Folgendes: auch im Inselspital in Bern wurde Maisanos Implantat 36x eingesetzt. In Zürich waren es im untersuchten Zeitraum 44x. Hat man dort bisher irgend etwas untersucht und aufgearbeitet, wo man seit Jahren weiss, das es Probleme gibt, und das Device vom Markt genommen werden musste??
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Sehr geehrter Herr Zeyer
Die Taktik unserer Schweizer Politiker ist genau wie die von Ihnen beschriebene Politik die umgesetzt wird von den Damen und Herren die jeweils an der Macht sind.
1. Immer zuerst einen auf Vogel Strauss machen solange es geht um jeden Preis.
2. Sollte doch einmal etwas Auffliegen dann nur das zugeben was schon Öffentlich ist und was man nicht mehr Vertuschen kann.
3. Danach so gut es eben geht
Aussitzen und auf gut Wetter machen.
4. Allenfalls Bauernopfer suchen die zu Verschmerzen sind.
Daher:
Schweiz ist unfähig mit einem Skandal umzugehen und diesen aufzuar
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@Rabe 👏🎯
Das ist nicht überraschend, da die vorgelegten Beweise auf eine Beteiligung der Schweiz (der politischen Behörden) hindeuten. Bis zum Beweis des Gegenteils.
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Der gemeine Schweizer:
Solange es mich nicht betrifft, schweig ich dazu.
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Die Konföderation steht vor einer Entscheidung. Entweder sie stellt sich auf die Seite derer, die aus der Asienkrise von 1997 hervorgegangen sind und die die philippinische Wirtschaft unter Ferdinand Marcos‘ Diktatur treffend als „crony-capitalism“ bezeichneten, wo Geld nicht durch den freien Markt, sondern durch enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschafts- und Politikklassen geschaffen wurde; oder sie stellt sich gegen das neue Lager der „Robber Barons“ der Wirtschafts- und Finanzdiktatur des 21. Jahrhunderts.
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Ein gefundenes Fressen um den Kopf von Rickli zu fordern für die Verfehlungen von Maisano.
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Welche Verfehlungen von Maisano?
Es wurde Strafanzeige gestellt, gegen unbekannt. Unbekannt, nicht gegen Maisano.
Man weiss am USZ nicht ob Maisano etwas mit dem Skandal zu tun hat oder nicht.
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Der Mensch als Ganzes war too big to fail.
Ist aber nun hinfällig. Tschüsseldorf!
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Einmal Tod immer Tod.
Lebendig bleibt letztlich nur ein vermutlich verjährter Skandal ohne Verantwortliche.
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Der Gipfel der Unverschämtheit war das vom USZ jahrelang behauptet wurde es seien keine Patienten zu Schaden gekommen, gegen besseres Wissen.
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Frau Rickli muss einfach gehen. Aus und Amen! Und im Unispital würde ich mich nie im Leben operieren lassen.
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Ob Swissair, SC, Crans-Montana, USZ, …
Die Politik hat für nichts die Verantwortung übernommen.
Daran sollte man bei den Abstimmungen zur 10-Millionen-Initiative und dem EU-Vertragspaket denken.
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Die Schweiz verfügt über keinerlei Kultur der Auseinandersetzung, die Abrechnung wird nicht gern gesehen. Die Schweiz ist ein Schönwetterkonstrukt und das schöne Wetter ist eben zu Ende.
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Sehr gut zusammengefasst
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Es haben alle getan, was sie als Mitwisser tun konnten: Schweigen und abwarten. Zugeben, Vertuschen und beschönigen, nur was bekannt war. Ein Wistleblower wird aktiv, weil er es tun muss. Dann haben sie wie Rickli alles gemacht und doch nichts getan, weil sie ja nicht konnten. Nun hofft diese auf Wegbeförderung in den BR. Das obere Gericht hat der Untersuchungsjustiz Einhalten verordnet und die Angelegenheit verschubladisiert, damit wieder Ruhe einkehrt und der Herzdoktor weitermachen kann. Aus den Augen, aus dem Sinn. Noch gibt es keine Schuldigen bei diesem Systemversagen.