Anfang der 1990er Jahre begleitete ich ihn ein Winterwochenende lang durch St. Moritz. Um darüber im Sonntagsblick zu berichten, das war mein Auftrag.
Was dann in der Zeitung erschien, war, was man erwarten konnte: Jetset-Jürg mit Appartement im „Palace“-Turm, Model-Ehefrau, Geländewagen und, tatsächlich, goldenem Ski-Overall.
Was ich dagegen lernte, war mehr – ich lernte nämlich ihn ein wenig kennen.
Jürg Marquard, geboren 1945 als Sohn eines Zahnarztes deutscher Herkunft in Urdorf, war zu dieser Zeit einer der erfolgreichsten Verleger der Schweiz.
1993 sogar der erfolgreichste, gemessen am Jahresgewinn seiner Unternehmen – fast 27 Millionen Franken.
Vor allem aber war er der einzige Selfmademan der Schweizer Medienbranche, hoch aufgestiegen aus eigener Schaffenskraft.
1965, nach bestandener Wirtschaftsmatur, hatte er mit 2000 geliehenen Franken die Pop gegründet und herausgebracht.
Zum raschen Erfolg der Jugendzeitschrift trug bei, dass er als Moderator am Radio und im Fernsehen („Mr. Pop“) selbst über eine bestimmte Bekanntheit verfügte.
Es gibt ein Foto von 1968, das Jimi Hendrix neben ihm zeigt – tatsächlich ist Marquard, im dreiteiligen Anzug mit Krawatte und Zigarette in der Hand, darauf der Star.
In den 1960er Jahren war Jugendkultur der jüngste Megatrend, er hatte darauf gewettet – und gewonnen. Und auch in den folgenden Jahrzehnten lag er grossmehrheitlich richtig bei Geschäftsentscheiden für seine Marquard Media Gruppe.
Er holte sich unter anderem die Lizenz für eine deutsche Ausgabe der Cosmopolitan, einer Frauenzeitschrift des amerikanischen Hearst-Verlags, oder des Playboys für verschiedene osteuropäische Länder.
Später, ab den 1990er Jahren, verlegte er Print- sowie Onlinemedien, die über den nächsten Megatrend, Informationstechnologie, berichten – eine weitsichtige Diversifizierung zudem, IT-Titel weisen eine andere Leserschaft auf und sind weniger vom Anzeigenmarkt abhängig.
Business-mässig war er über die Schweiz hinausgewachsen, seine grossen Geschäfte machte er im Ausland, Ungarn zum Beispiel ernannte ihn zum Honorarkonsul und verlieh ihm eine Ehrenmedaille.
Sein Lebensmittelpunkt aber war immer die Schweiz. Und der Mensch Marquard blieb sichtbar hierzulande.
Was hin und wieder zu einer öffentlichen Wahrnehmungsverschiebung führte: unterschätzt als Unternehmer, überschätzt als Darsteller von sich selber oder sogenannter Promi.
Er leistete sich Schönes, Feines und Schnelles (er war Rennfahrer) und sprach darüber beziehungsweise zeigte es in Zeitschriften und im TV. Jürg hatte kein Problem damit:
„Warum soll ich verstecken, was ich mir mit grossem Einsatz und Opfern hart erarbeitet habe?“, fragte er im Blick.
Ein Problem hatten eher die, die nicht eingeladen wurden ins angesagte Restaurant zu gutem Essen und teurem Wein, in die Herrliberger Villa, nach St. Moritz, auf Reisen im Business-Jet oder auf die Jacht.
Er war ein grosszügiger Mann – ich habe nie einen anderen die schwarze Kreditkarte zücken sehen, wenn man mit ihm ausging –, doch er konnte scharf rechnen.
Seine burn rate war niedriger, als manche meinten (den Flieger hatte er nicht lange, das Boot, gekauft mit einem Freund, war gebraucht), weshalb er seinen Platz auf der Reichstenliste hielt.
Er konnte übellaunig sein, doch er hatte eine herzliche Seite. Und war hilfsbereit, mir hörte er mal einen halben Sonntagmorgen lang zu wegen einer Geschäftsidee, die für ihn viel zu klein gewesen wäre.
Er hinterlässt fünf Kinder; mit seiner ersten Frau, einer Mexikanerin, hatte er eine Tochter, mit seiner zweiten, einer Amerikanerin, einen Sohn und Drillingsmädchen.
Seit knapp 25 Jahren war er mit Raquel Marquard zusammen, sie heirateten 2008; sie hat eine Tochter, Bianca, und einen Sohn, Vincent, die beiden wurden Jürgs Stiefkinder.
Raquel und Jürg taten einander gut, sie übernahm in den vergangenen Jahren, als er schon krankheitsgezeichnet war, mehr Verantwortung, schaute zu den Häusern und dem Vermögen.
Am Montag ist Jürg Marquard gestorben. Zürich verliert einen man in full, einen ganzen Kerl.

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Unternehmer wie Ihn braucht die Schweiz.
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Weiss nicht genau, wieso dieser Artikel, der nicht sonderlich spannend geschrieben ist, hier auch noch erscheint. Hat Huisseling mal wieder gebettelt?
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Marquard als Star auf dem Foto von 1968 neben Hendrix zu bezeichnen, ist jetzt schon ein wenig hochgegriffen…
Hendrix hat ummerhin das bis dahin bekannte Gitarrenspiel auf eine ganz neue Ebene geführt. Bis heute z.T. unerreicht…
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Ein Macher. Danke Jürg.
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1:1 aus der Weltwoche kopiert 😅👍
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Steht ja am Ende des Artikels.
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Auch als selfmade Nouveau Riche wäre mehr Zurückhaltung bei der Zuschaustellung seines Reichtums nur von Vorteil.
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Die Einfachen brauchen den Protz fürs Ego. Lassen wir sie. Gut für die Wirtschaft.
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Ja super, er hat nicht gewartet das er etwas bekommt, er hat gehandelt. Mit 2000 Fr 1965. Heute wären das 20000 Fr, also Jammeris Hände aus den Hosensack ihr könnt das auch schaffen.
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Hat aber nur bis 81 „gemacht“. Lieber etwas normaler und länger leben.
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Lieber echt und authentisch, dann darfs auch gerne etwas kürzer sein…
Was wollt ihr alle 95 werden?…Dabei ist euch mit 50 doch schon langweilig, und eine Ehe hält heute sowieso niemand mehr länger aus als 10 – 15 Jahre…
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MvH ist schon ein guter Journalist, mit eigenem Stil. Ich lese ihn immer gerne. Schon der Titel des Nachrufs ist gut gewählt – nach dem lesenswerten Roman von Tom Wolfe.
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Die Todesanzeigen sind ohne weitere Familie. Seltsam.
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Jürgen Marquard, war das nicht derjenige, der von Schawinski mit dem Verkauf von seiner Sendeanlage auf dem Pizzo Goppera über den Tisch gezogen wurde?
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Als Kind immer auf dem Stubenboden gelegen (Sofa war jeweils von der Mutter besetzt) und der Hitparade (Bestseller auf dem Plattenteller) mit Jürg Marquard gelauscht. Da werde ich richtig sentimental. An den Jingel erinnere ich mich wie wenn er erst gestern gespielt worden wäre.
Erinnerungen……