Bei Bär bricht ganzes Collardi-Erbe zusammen

Neue Gerichtsfälle rund um Raubzug auf das Volk Venezuelas zeigen, wie tief die Bank dank ihrem Ex-Boss im Sumpf steckt.

Gestern genügten wenige Worte zu Sparen und Kosten, um die Aktie der Zürcher Privatbank Julius Bär zum Einstürzen zu bringen.

Minus 7 Prozent an einem Handelstag: brutal. Der Kurs liegt noch knapp über 40 Franken. Kracht er weiter zusammenn, muss der Verwaltungsrat handeln.

Das Problem: Die oberste Führung kann gar nicht mehr viel machen. Sie liess ihrem alten Chef Boris Collardi jahrelang freie Hand. Nun zahlt die Bank – und damit ihre Spitze – die Zeche.

Aus Collardis Umfeld wird das bestritten. Man wehre sich gegen den Eindruck, dass Collardi für alles verantwortlich gemacht werden soll.

Eine Bombe nach der anderen geht hoch, und die Sprengsätze werden jedes Mal explosiver. Gestern wurde eine neue Anklage in den USA bekannt. Es geht um einen reichen Venezuelaner, der im TV-Business gross wurde und nun rund um eine Milliarden-Geldwäsche vor den Richter muss.

Der Unternehmer war Kunde bei der Julius Bär. Sein Berater heisst Matthias Krull, ein Bär-Private-Banker, der aufs Engste mit der US-Justiz kooperiert, um eine 10-Jahres-Gefängnisstrafe abzuschwächen.

Was tut ein Verurteilter in so einer Lage? Er zeigt mit dem Finger auf seinen alten Arbeitgeber, liefert diesen an die USA aus.

Warum? Weil dies für den „Verräter“ viel weniger gefährlich ist, als wenn er Kunden offenlegt. Die haben immer noch Macht und Einschüchterungspotenzial.

Also läuft alles gegen die Julius Bär. Auch in einem anderen Teil der gigantischen Venezuela-Geldwäscherei gerät die Zürcher Bank in Rücklage.

Da geht es sogar um 12 Milliarden Dollar, die – möglicherweise illegal – abgezweigt worden sein sollen. Die Gelder seien von 2005 bis 2007 auf vier Konten des HSBC-Ablegers in der Schweiz gelandet sein.

Dort war damals Beatriz Sanchez die zuständige Chefin für Lateinamerika. Sie zählte ab 2002 zum Direktionskader am HSBC-Schweiz-Sitz in Genf und kümmerte sich um vermögende Kunden des Finanzmultis aus Lateinamerika. 2008 wechselte sie zur US-Bank Goldman Sachs.

Im Juli 2017 holte Boris Collardi „Betty“, wie die Frau genannt wird, in die Limmatstadt. Bei der Bank Bär sollte Sanchez, die einen US-Pass hat, das Geschäft in Mittel- und Südamerika vorantreiben – trotz einem laufenden Geldwäsch-Verfahren gegen die Bankerin.

Nun gehts in die umgekehrte Richtung: Sanchez schliesst Ableger, so in Panama, sie zieht sich aus Märkten zurück, so in Venezuela.

Sanchez war nicht nur hohe Kaderfrau bei der HSBC in der gefährlichen Phase 2005 bis 2007, sondern sie führte auch jahrelang einen Venezuela-Privatebanker, der reiche Venezuelaner zur HSBC lotste.

Sanchez, die Hoffnungsfrau der Bär, könnte damit ebenfalls zur Altlast werden. Auch sie stammt aus der Ära Collardi.

Der kannte nur eine Richtung: nach vorn, nach oben, mehr Risiko, mehr Fun. Egal, ob private Vergnügen oder geschäftliche Deals – bei Collardi gab es kaum Grenzen.

Auch an dieser Formulierung stört sich das Umfeld von Collardi. Ihn derart einseitig zu zeichnen, sei unfair. Collardi habe in seinen 8 Jahren als Bär-CEO die Bank nach vorne gebracht.

Und doch: Heute umstrittene Kunden fanden den Weg zu Bär in Collardis Ära. Inländer wie Pierin Vincenz und dessen Vertrauensmann Beat Stocker zählten ebenso zur Kundschaft wie Turmbauer Remo Stoffel, der im Visier der Steuerhäscher ist.

Auf der globalen Bühne liessen die Bären unter ihrem Kapitän Collardi erst recht keine Gelegenheit aus, bei heissen Geschäften vorne mitzutun. Dies gilt auch für andere Banken.

Petrobras in Brasilien, PDVSA in Venezuela, beides staatliche und korrupte Ölgesellschaften, gehörten ebenso dazu wie die Fifa-Funktionäre, die nun vor US-Richtern landen.

Die nächsten Detonationen könnten im Mittleren Osten und in Monaco erfolgen. Aus Bär-Kreisen ist jedenfalls zu vernehmen, dass der dort zuständige Bär-Spitzenmann, ein langer Gefolgsmann von Boris Collardi, riskante Kunden betreut habe.

Hier lachen sie: Pictet-Partner, Collardi (Bild: Pictet)

Und Collardi himself? Was bedeuten die Turbulenzen bei seiner Ex-Bank für ihn und seine weitere Karriere?

Nichts Gutes, müsste man meinen. An seiner neuen Wirkungsstätte bei der Genfer Pictet dürften die alten Partner not amused sein.

Sie müssen sich allerdings an der eigenen Nase nehmen. Wie risikofreudig Collardi ist, wusste die ganze Schweiz. Die Pictet-Partner nahmen das in Kauf in der Hoffnung, dass Collardi sie in Asien gross machen würde.

Bei den edlen Herren an der Rhône dürfte allmählich die Frage dringlich werden, ob wohl die Risiken, die sie sich mit Collardi als siebtem Partner eingehandelt haben, die möglichen Gewinne in den Schatten stellen könnten.

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39 Kommentare zu “Bei Bär bricht ganzes Collardi-Erbe zusammen

  1. In Monaco (ex HSBC) und Dubai sind immer noch dieselben Cracks am Wirken. Arrogante Private Banker, die nur ihren Bonus und den dubiosen Kunden im Fokus haben. Reputationsrisiko für die Bank? Interessiert mich nicht. Und Compliance winkt immer noch alles durch, auch wenn es von Seiten Front, sprich Handel, grösste Bedenken gibt. Projekt Atlas ist reine Augenwischerei.

  2. Wieso und wie konnte die Pictet diesen Blender Collardi einstellen… Wie konnte das passieren?
    Dieser Typ ist nicht einmal sehr intelligent..

  3. Baer ist bekannt, dass generell für legal case Fälle wie Malaysia, Petrobras, Venezuela usw., zu wenig Rückstellungen getätigt wurden, Collardi weiss das und sprang auch deshalb ab, jetzt wird sich das rächen. WHO cares, der Aktionär zahlt dafür, deshalb empfahl ich seit 2008 keinem Kunden Finanzwerte zu kaufen. Banken haben nicht wie Industriefilmen einen Cash Flow, Sie schummeln sich durch von Quartal zu Quartal.

  4. Das Gebaren von B. Collardi zu seiner Bärenzeit erinnert mich an M. Ospel von der UBS damals: Umsatz und Gewinn um jeden Preis ohne Rücksicht auf Reputation und Risiken (die Risikomanager erhielten jeden Morgen ein Valium … ). Das ging einige Jahre gut, dann tätschte es bei der UBS und viele Aktionäre verloren viel Geld. der Hauptschuldige machte sich mit etlichen Millionen aus dem Staub. Bei Bär könnte es genau so laufen. Der Hauptverantwortliche hat sich schon davongemacht. Keiner der Beiden wird hier je eine Verantwortung wahrnehmen müssen und ansonsten einfach nicht mehr in die USA reisen.

  5. Collardi ist der Totengräber, von dem was vom Schweizer Private Banking übrigblieb.

    Jede heisse Kartoffel schien ihm gut genug zu sein, diese ins Land zu holen. Da in der heutigen Unternehmenskultur sich kein Mensch getraut, dem Chef zu widersprechen, geschah dies jahrelang (ein anderes aktuelles Beispiel dieses Kadavergehorsams ist der Libanese Carlos Ghosn bei Nissan Renault).

    Kann mich gut erinnern, wie an einem Bankenanlass dieser Collardi erschien, flankiert von zwei hübschen Sekretärinnen, die ihm je eine Aktentasche trugen (Sekretärinnen Sherpas, sozusagen). So ein Blasebalg.

    Dabei kamen seine Eltern als „Gastarbeiter“ in die Schweiz und sind sehr liebenswürdige, rechtschaffene Leute, die sich hier ein hartes Brot verdienten. Collardi junior wäre eigentlich ein fantastisches Beispiel gewesen, für die grossartigen Chancen und die Grosszügigkeit der Schweiz, gegenüber jungen, gut integrierten Kindern von Einwanderern.

    Schade, war er sich seiner Beispielfunktion nie bewusst und hat sich dementsprechend auch nie als Beispiel verhalten, sondern das Gegenteil.

  6. Just take a look at the growth in assets in Monaco. Built on relationships that have been moved to JB Monaco from other banks that did not want these clients.
    JB is the harbour for now.
    Other hot clients are moved from jB Switzerland to JB Luxembourg

  7. Wieso können nicht ALLE Banken einfach sagen, die alten Fälle sind vergessen und ab jetzt gilt alles!

    So gräbt jeder noch etwas aus zum sich bereichern.

  8. Das schlimmste aber an dem Ganzen ist, das all diese Schaumschläger von „Managern oder so“ immer wieder ein neues warmes Nest finden. Und dann gerne noch zu besseren Konditionen, egal was sie vorher angerichtet haben!

    • Das ist in der Tat verwunderlich. Die Versager finden immer wieder etwas. Die guten Leute werden hingegen bei den Banken nicht mehr eingestellt. Vermutlich bewusst so, damit sich die „Mänägerlis“ auch weiterhin im Selbstbedienungsladen bedienen können.

    • Na beim Früchtehof, ex-Saftladen, hat es nicht mehr geklappt. Zuviele Rotten Tomatoes hinterlassen.

  9. War da nicht auch eine Geschichte von Wafengeschäften in Moskau und Razzia im Repoffice? Bin auf weitere News aus dieser Bär-Ecke gespannt! In Sachen Due Diligence war Bär immer als liberal bekannt.

  10. Haben doch viele gewusst, wer/was Collardi ist. Aber die Jubelpresse („Bilanz“ und anderer Verdummungsschrott) hat brav geklatscht und das Bild schön gemacht…
    Die Salon-Tigerchen auf Partnerstufe bei Pictet („huch, heute Nägel nicht manikürt…, dafür sitzt der Bespoke-Anzug wie immer, zum Glück!“) haben nur Pomodoro gesehen, leider war das kein Goldapfel, sondern es waren bloss die Tomaten auf den eigenen Augen…und bald kommt noch Egg in the Face dazu, garantiert und garantiert peinlich. Wohl bekomm’s!

  11. Unterschätzt die Genfer nicht. C bekommt als Spassbremse eine „eigene“ Complianceabteilung und wird sich mittelfristig was Neues suchen.

    • Was kümmern interne Werkzeuge. Das Foto mit de 7er Gremium ist, was in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Truth is perception.

  12. Vor zwei Jahren bezeichnete der deutsche Minister Sigmar Gabriel die Menschen, welche sich wegen konkreten und diffusen Ängsten auf der Strasse empörten, kollektiv als Pack.
    Und wer ist das Oberpack?

  13. Niemand ist hier ünerrascht.. BC und AW waren schon bei der CS Cowboys. Die Banken haben nichts gelernt. Nur Schwätzer wo man hinschaut. Das beste Beispiel ist doch der Wegner von UBS SFA, welcher mit seiner Einheit jetzt plötzlich nach den Sternen greift und 70 Mia. reinholen will. Bis anhin hat die UBS SFA in den letzten zwei Jahren nur Assets verloren. Jeder Profi im US Geschäft in der Schweiz lacht sich krumm.

    • Einerseits haben die Banken nichts gelernt, dass solche Cowboys (gibt es übrigens auch in der Versicherungsbranche) immer und immer wieder sehr gut bezahlte Jobs finden (der Filz lässt grüssen bzw. da zeigt sich, wie „wertvoll“ Networking ist), andererseits ist die FINMA ein ganz trauriger Haufen, der ebenfalls zu einem grossen Teil aus Unfähigen besteht, und entweder so tut als wisse man nichts oder tatsächlich etwas weiss und trotzdem nichts unternimmt (was die Aussage von „Unfähigen“ bestätigen würde). Und als dritte Kraft sehe ich die Medien in der Verantwortung, die solche „Shootingstars“ (was sie ja nicht sind aber gemäss den Medien doch sind) noch in den Himmel jubeln. Da gibt es genügend Beispiele dafür (Pierin V., Lukas M. etc.) wie diese Personen von den Medien gelobt worden sind, und danach eigentlich immer (zu recht) die Buhmänner waren.

  14. Die kriminelle Energie, die in den oberen Bankkadern der Grossbanken immer wieder feststellbar ist, lässt den Atem stocken vor Schreck. Das ist einfach unfassbar! Die Finma hat tatsächlich nichts anderes zu bewerkstelligen als ihre Alibi-Funktion mit hohlen Phrasen zu bekunden. Eine Banken-Aufsichtsbehörde ist sie sicher nicht.

  15. Bei der Bär hat kein Schwein realisiert, dass ihr CEO-Blender

    Collardi der grösste Collateral-Schaden aller Zeiten aufgegleist hat.

    Vielleicht holen ihn die US, in nicht zu ferner Zukunft, in seinem sicheren Pictet – Nest doch noch ab.

    Einmal ganz abgesehen davon, welch immenser Schaden dieser Hasardeur dem Schweizer Finanzplatz zugefügt wurde.

    • Collardi kommt von Kleben und er ist tatsächlich ein klebriger Typ. Gottlob ist er weg, jetzt kann er eine Privatbank ruinieren.

    • @Charles A. Tan: Ja, er hat den grössten Kollateralschaden bei Julius Bär angerichtet. Dabei hat er grosse Entschädigungen und Boni bezogen und hat den Absprung gerade noch rechtzeitig geschafft.

      Und jetzt geht das Spiechen eben bei Pictet von Vorne los.

  16. Die FINMA ist über all dies bestens im Bild und macht – NICHTS!

    Der Fehlbesetzung Branson ist an der Reputation unseres Finanzplatzes offensichtlich nichts gelegen.

    • @Niggli,
      Sie haben absolut recht.
      Doch ist es leider politisch (SVP, CVP, FDP) gewollt, dass die FINMA unseren göttergleichen Banken nicht in der Sonne steht.
      Wenn Sie eine unabhängige Finanzmacht möchten müssten Sie schon andere Parteien wählen die darauf schauen, dass es zu keiner Verfilzung bei der FINMA und Banken gibt. Zudem kann es nicht sein, dass Untersuchungen der FINMA nicht veröffentlicht werden.

      Die politischen Parteien, welche dieses System installiert haben und immer noch verteidigen schaufeln nun das Grab des Finanzplatzes selber.

    • Sie meinen die demokratisch nie wirklich legitimierte Behörde, die von einer SP-Exponentin (Héritier-Lachat) zu einer Zeit aufgebaut wurde, als die SP sich offiziell noch zur Abschaffung des Kapitalismus bekannte?

      Oder die Bude, deren Chef sich Prominenten-Status verschaffte mit seiner leading actor-Rolle im Libor-Skandal bei der UBS Japan?

      Furchtbare
      Inkompetenz
      Natürlich
      Mit
      Amtsstatus

    • Und wer ist für diese eklatante Fehlbesetzung verantwortlich ? Eben die grosse Lügnerin der letzten Dekaden und Freundin vom Bergbueb!

  17. Ein schönes Basar für der beste Selbstverkäufer der letzten 20 Jahren: BC. Glamour, Jet Set, Uhren, F1, wurden als acquisitorisches Bespiel (irrtümlich) genommen. Hinter diese glänzende Dandy-Kulisse passierten leider andere Fakten. Risiken ? Kontrolle ?
    Keine, unnötig, dies ist nur „Entrepreneur Behaviour“ !
    Nun, die schweizer Fahrt Richtung Niemandsland geht weiter. Das Podium der Verlierer (börslich) ist voll; das Zampanos Portmonnaie ist aber gut überfüllt. Lösung in Sicht ? Ja, Megafusion !

  18. Und die Partner von Pictet unternehmen wirklich nichts gegen Sonnenkönig Boris? Denken sie nicht an die mühselig aufgebaute Reputation von ihrem Institut?

    • Als die Schweiz noch mehrheitlich protestant war, war die Welt in Ordnung. Das war ein schönes Land. O tempora! o mores!
      Kiki

  19. Da werden wohl die Herren Kundenberater bei der Julius auf einige Golfturniere im 2019 verzichten müssen, damit die Kosten entlich runterkommen. Ein CIR von > 68% zeigt klar wo das Problem beim Bären liegt. Ein CIR von max. 60% wäre angebracht. Also meine Herren, weniger Golf dafür mehr Leistung im Büro. Weniger Grossbankengehabe, mehr Demut und nehmt endlich den Finger aus d.A.