Herr Baltensperger, für den Zoo Zürich taugen Ihre Stahlbauteile nicht. Zu Recht?
Thomas Baltensperger: Wenn ein Besteller Bauteile öffentlich als mangelhaft darstellt – mit dem Argument, die für Sicherheit und Stabilität erforderliche Genauigkeit sei nicht eingehalten –, diese Bauteile aber gleichzeitig aktiv einfordert, erfolgreich testet und ihren Einbau plant, dann geht das über einen gewöhnlichen Projektkonflikt hinaus.
Ein solch widersprüchliches Verhalten vermittelt zwangsläufig den Eindruck, dass nicht mit Fakten, sondern mit zweckdienlichen Narrativen gearbeitet wird. Für einen öffentlich finanzierten Akteur halte ich das für höchst problematisch.
Der Zoo hat offenbar Alterenativlösungen. Vielleicht sind die einfach besser?
Die Fakten sprechen für sich: International anerkannte, unabhängige Ingenieure bestätigen, dass unsere Elemente technisch korrekt und brauchbar sind. Der Zoo hat einen Bogenträger erfolgreich getestet und gleichzeitig festgehalten, dass Ersatzlösungen teurer und langsamer wären.
Dass er diese Mehrkosten dennoch in Kauf nimmt und sie uns sogar in Rechnung stellen will, ist ökonomisch nicht nachvollziehbar. Umso unverständlicher ist, weshalb der Zoo unsere technisch funktionierende und wirtschaftlich bessere Lösung ablehnt.
Der Zoo will Ihre Bauteile, allerdings fast gratis. Fühlen Sie sich wirtschaftlich erpresst?
Wenn ein Besteller Bauteile im Millionenwert übernehmen will, dafür aber Preise unter dem reinen Materialwert bietet und dabei die existenzielle Lage des Unternehmens kennt, ist das keine Verhandlung auf Augenhöhe.
Es entsteht der Eindruck einer klaren Ausnutzung eines Machtgefälles. Dieser Eindruck wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass es gerade das Verhalten des Zoos – insbesondere das unnötige Abrufen von Garantien – war, das die wirtschaftliche Bedrängnis des Unternehmens wesentlich verschärft hat.
Warum verhält sich die Zoo-Leitung so?
Wer einwandfreies Material nicht einmal zu einem minimal angemessenen Preis übernimmt, sondern stattdessen identische Elemente neu produzieren lässt und dafür ein Vielfaches bezahlt, handelt weder nachhaltig noch verantwortungsvoll. Das bedeutet letztlich die Vernichtung von Spendengeldern.
Hinzu kommt: Der Zoo hat die Zusammenarbeit mit uns abgebrochen, bevor eine tragfähige Ersatzlösung vorlag. Das ist technisch wie wirtschaftlich riskant. Jeder neue Stahlbauer wird dieses Risiko einpreisen müssen – insbesondere das Risiko, dass Projektfragen nicht konstruktiv gelöst, sondern Ergebnisse unter Ausnutzung von Machtverhältnissen durchgesetzt werden.
Welche konkrete Rolle spielt der Konstanzer Berater Pfeifer in diesem Konflikt?
Nach unserer Wahrnehmung tritt Herr Pfeifer nicht als Vermittler auf, sondern nimmt eine massgeblich prägende Rolle im Konflikt ein. Der Zoo selbst verweist darauf, dass er sich im Verlauf der langanhaltenden Auseinandersetzung auf die Unterstützung des für die Planung der Pantanal-Voliere verantwortlichen Ingenieurs verlassen habe, was ihn in seiner Entscheidungsfindung bestärkt habe.
Auffällig ist zudem, dass zentrale technische Vorgaben, Eskalationen und die Blockierung unabhängiger Prüfungen dieser Linie folgten. Anstatt neutrale Fachmeinungen zuzulassen, wurde an unnötigen und realitätsfernen Anforderungen festgehalten – nicht zur Lösung des Problems, sondern offenbar zur Absicherung bestehender Positionen. Das hat das Projekt in diese Sackgasse geführt.
Warum wollte der Zoo keinen unabhängigen Prüfer?
Der Zoo begründete die Ablehnung damit, eine externe Prüfung verursache Zeitverlust und bringe keinen Mehrwert. Faktisch hat gerade diese Verweigerung dazu geführt, dass über Monate hinweg wertvolle Zeit verloren ging und der Konflikt unnötig verlängert wurde.
Hätte man die unabhängige Prüfung von Beginn an zugelassen, wäre rasch Klarheit entstanden – zumal wir zugesagt hatten, uns dem Urteil von Martin Mensinger uneingeschränkt zu unterstellen.
Bei einem hochkomplexen Projekt auf eine fachliche Drittmeinung zu verzichten und stattdessen ausschliesslich der Einschätzung eines aus unserer Sicht fachlich überforderten Ingenieurs zu folgen, der bislang kein Projekt dieser Grössenordnung realisiert hat, ist für uns nicht nachvollziehbar.
Wovor hatte der Zoo Ihrer Ansicht nach Angst?
Eine externe Prüfung hätte Klarheit geschaffen – über die technische Verwendbarkeit der Bauteile, die Sinnhaftigkeit der geforderten Toleranzen und die tatsächlichen Ursachen des Konflikts. Sie hätte Zeit gespart und vor allem Sicherheit gebracht.
Weshalb der Zoo diesen Weg nicht gehen wollte, können wir nicht abschliessend beurteilen. Naheliegend ist jedoch die Vermutung, dass ein unabhängiges Urteil bestehende Vorgehensweisen und Projektrisiken offengelegt hätte – einer Auseinandersetzung damit wollte man sich offenbar nicht stellen.
Was sagten die verschiedenen Experten, Ihre und jene des Zoos?
Sämtliche von uns beigezogenen unabhängigen Experten – bis hin zu anerkannten Fachstellen und Verbänden – stützen unsere technische Position. Wenn man sich bei einem hochkomplexen Projekt ausschliesslich auf eine einzelne interne Einschätzung verlässt und externe Expertise ausblendet, wird eine sachliche Lösung zwangsläufig erschwert.
Wie hat der Zoo in Ihren Augen kommuniziert?
Jeder handelt so, wie er es für richtig hält. Aus unserer Sicht ist die Kommunikation des Zoos einseitig und irreführend. Nach aussen wird vermittelt, man gehe sorgfältig mit Spendengeldern um, während intern Entscheidungen getroffen werden, die nach unserem Kenntnisstand zu Mehrkosten in Millionenhöhe führen.
Besonders belastend war für uns der zeitliche Ablauf: Medienmitteilungen wurden ohne Vorwarnung veröffentlicht, sodass wir, unsere Mitarbeitenden und unsere Vertragspartner überrascht und vor den Kopf gestossen wurden.
Wer ist der Verantwortliche beim Zoo, dass es so gelaufen ist?
Die operative Verantwortung lag bei der Projektleitung auf Geschäftsleitungsebene. Auffällig ist, dass das zuständige Mitglied der Geschäftsleitung frühzeitig pensioniert und umgehend ersetzt wurde.
Eine öffentliche Stellungnahme oder Übernahme der Gesamtverantwortung ist jedoch bis heute ausgeblieben – insbesondere durch den Präsidenten des Verwaltungsrats, der für die strategische und moralische Gesamtverantwortung des Zoos steht. Gerade dort wäre eine faktenbasierte Transparenz gegenüber Öffentlichkeit und Gönnern notwendig gewesen.
Wie liefen die letzten Gespräche zwischen Ihnen und dem Zoo?
Gegen Ende hatten wir zunehmend den Eindruck, dass nicht mehr ernsthaft nach einer Lösung gesucht wurde, sondern nach einer medial verwertbaren Ausgangslage. Von substanziellen Angeboten zu sprechen, ist unter diesen Umständen irreführend. Wenn ein Betrag von rund 200’000 Franken auf 1 Million erhöht wird, klingt das eindrücklich, liegt aber weiterhin bei lediglich etwa einem Sechstel des reinen Materialwerts.
Zudem hat der Zoo die Leistungsanforderungen massiv erhöht, ohne entsprechende Anpassungen beim Werkpreis vorzunehmen. Nach der Vertragsauflösung verweigerte er die Vergütung bereits erbrachter Leistungen und wollte sich selektiv einzelne Elemente zu selbst definierten Bedingungen sichern.
Als besonders problematisch erscheint schliesslich, dass der Zoo während laufender Verhandlungen Garantien in Anspruch nahm, obwohl deren Laufzeit noch bestand und eine Verlängerung möglich gewesen wäre. Das ist kein Dialog auf Augenhöhe.
Der Zoo-Direktor ist ja Deutscher. Wetten die Firma, die den Bau fertig macht, kommt aus Deutschland!?
Der Tsüri Zoo ist für mich gestorben. Danke für das sehr interessante, sachliche, professionelle Interview. Wieso bekommt der Unternehmer in anderen Medien keine Chance die Dinge aus seiner Sicht zu schildern.
Tja, welche Nationalität hat denn der liebe Zoo Direktor wohl? Wahrscheinlich wird der Auftrag nun wie bei der SBB nach Deutschland gehen. Danke, werde den Zoo nicht mehr besuchen und kein Geld mehr Spenden!
Wer dem ZH-Zoo jetzt noch Geld in Form von Spenden oder Sponsorengeldern zuhält, der macht sich mitschuldig an der Zerstörung eines bisher soliden KMUs.
Sehr eigenartig, dass Stadt und Kanton Zürich hier nicht einschreiten. Bei den Sugus-Häusern wollte die Stadt sogar einen Kauf prüfen, obwohl das wirtschaftlicher Unsinn ist (es ging dort um viel mehr Geld!). Die Stadt hätte ein Mitspracherecht. Dem Kanton kann es auch nicht egal sein, wenn 75 Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verschwinden, währenddessen die 75 Menschen beim RAV stempeln und dann dem Staat auf der Tasche liegen müssen.