Andi, den alle „Stan“ nannten, war ein guter Freund. Ihn konnte man als Tausendsassa bezeichnen, voll des Lebens, kreativ, präsent, höchst engagiert.
Er war in einem ähnlichen Umfeld tätig wie ich und betreute Künstler aus der Musik- und Sportszene. Da waren sehr bekannte Namen darunter, entsprechend „aufregend“ war sein Leben, und ebenso das der Menschen, die ihm nahe waren.
Sie wurden von seiner enormen Energie geradezu mitgerissen, in Bann gezogen. Vor vielen Jahren erkrankte Andi schwer, er hatte gerade mal acht Monate, um sich auf seinen Tod vorzubereiten.
Seinem Wunsch entsprechend erschienen wir, seine engsten Freunde, an der Beisetzung in Weiss. Ich kann mich noch gut erinnern, wir weinten Rotz und Wasser, der Verlust dieses grossartigen, eben dieses sehr präsenten Menschen war einfach riesig.
Am Leidmahl fragte ich die Runde, was sie zu Stan sagen würden, wenn er nochmals für fünf Minuten zu uns an den Tisch sitzen könnte, sozusagen als kurze Pause kurz vor der Ewigkeit.
Das fragte ich nicht, um die Runde aufzulockern, sondern um zu reflektieren. Meine Antwort war: „nichts“. Ich würde Stan in diesen kurzen letzten fünf Minuten einfach nur umarmen, fest drücken und ihm sagen, dass ich ihn sehr liebhabe.
Mehr gibt es nicht zu sagen.
Mehr gibt es eben eigentlich sehr oft nicht zu sagen. Unser aller Leben gleicht ja oft einem Jahrmarkt (bei einigen von uns dem Jahrmarkt der Eitelkeiten), wir sind voll der Aktivität, wir bewegen uns durch ein Leben, das gelebt werden will, wie auch immer.
Noch der Stillste und Einsamste von uns hinterlässt jeden Tag auf dem Weg durch seine Existenz Spuren. Wir sehen oft, spontan, ganz tolle Menschen, sprechen kurz mit ihnen und finden, dass dies nun eine ganz wunderbare Begegnung war.
Und realisieren dabei, dass wir diesen Menschen wohl das letzte Mal in unserem Leben gesehen haben.
„Man kann nie zwei Mal in denselben Fluss steigen“ ist ein sehr bekannter Sinnspruch, der im 6. Jahrhundert v. Chr. von Heraklit geprägt wurde. Denn die Flüchtigkeit unseres Lebens beschränkt sich nicht nur auf Begegnungen mit Menschen und die Leere, wenn sie uns wieder verlassen.
Ein jedes Erlebnis oder Projekt, das grosses Engagement erfordert, hinterlässt am Ende, wenn es fertig, abgeschlossen und „archiviert“ wird im grossen Aktenschrank des Lebens, eine Leere.
Diese Leere kann zuweilen so ohrenbetäubend laut sein, dass wir uns fürchten könnten – und gleich ins nächste Abenteuer des Lebens stürzen. Dabei denke ich oft, dass wohl gerade in diesen Momenten sehr viel Kraft und Lebenssinn versteckt ist.
Wir haben es leider vollkommen verschlafen, diese Frage nur schon zu stellen: „Was bleibt?“ Nach uns die Sintflut, könnte man meinen.
Oder auch das Gegenteil, denn wir nehmen uns ja viel zu wichtig, wir sind ganz winzige, extrem kurzlebige Samenkörner im ewigen Kreislauf des Lebens. Was hinterlassen wir?
In wenigen Jahrzehnten wird sich niemand mehr an mich erinnern. Nur die allerwenigstens von uns hinterlassen Spuren, die länger als diese paar Jahrzehnte Bestand haben.
Was also wollen und sollen wir?
Ich glaube, vor allem sollten wir uns bewusst sein, was das Leben alles sein könnte. Neugierig bleiben und in Demut und mit viel Mut und Zuversicht an das Projekt „Leben“ herangehen. Es ist ein einmaliges Geschenk, von wem auch immer.
Wir sollten uns bewusst sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, die einen so extremen sozialen und demografischen Wandel durchmacht, wie selten eine Generation vor uns.
Wir dürfen auf so viele „Unterstützung“ zählen, durch KI, durch Social Media und wie diese Betäubungsmittel und -methoden alle heissen mögen, dass die Frage „was bleibt?“ weder Sinn macht noch überhaupt gestellt wird.
Dabei ist es eine der zentralsten Fragen, die wir Menschen uns stellen können – und müssen. Denn diese Frage kann im besten Fall dazu führen, dass wir im Hier und Jetzt ganz anders agieren, als wir es sonst täten, ganz anders mit unseren Mitmenschen und uns selbst umgehen würden.
Legen wir einmal die uns zur Verfügung stehenden alltäglichen Betäubungsmethoden beiseite, konzentrieren uns bei unserer nächsten Aufgabe auf die Frage „was bleibt“ und realisieren die Stille, die danach eintritt.
Als „Stan“ weg war, sich in die Ewigkeit verabschiedet hat, wissen Sie, da war es einfach nur unheimlich still. Was bleibt? Stille.
„Das einzig Wichtige im Leben sind Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen“ (Albert Schweitzer)
Besten Dank für die nachdenklich stimmenden Worte!
Der Tod ist das grösste Tabu Thema in der Westlichen Gesellschaft.
Am Wochenende war im TagiMagi ein Portrait einer jungen Maturandin, die sagte, sie überlege sich oft am Morgen, wie sie den Tag leben würde, wenn sie wüsste, sie würde morgen sterben (oder ungefähr).
Wenn wir alle so denken würden wie dieses junge Mädchen, würden wir wohl recht anders leben.
Ich würde mein ganzes Vermögen in einem Tag ausgeben.
Sehr geehrter Herr Presto vielen Dank für Ihre Recherdchf (Fremdwort für 20Millisekunden:-) Sie und Geer René Zeyer sind für mich die besten….vielen Dank und bitte weiter so Hans Gerhard
Mein Gott, schon wieder diese Schreibnulpe Gans Herhard! Bitte, bitte Lukas Hässig, verschon uns in Zukunft vor diesem Id—n-Löli!
Ich antworte nicht auf silxje Kommentare…rut mir Leid…
Presta und Loomit sind Männer von Format.