Als die News nach 16 Uhr eintraf, gabs keinen Crash. Einzig ein bisschen gab die UBS-Aktie nach.
Die Investoren hatten in etwa das erwartet, was aus den Berner Amtsstuben kam. Die UBS muss total 22 Milliarden mehr Eigenkapital aufbringen.
No Big Deal, so die Märkte. Doch das sahen die Bonus-Banker an der Zürcher Bahnhofstrasse ganz anders.

Sie reagierten wie kleine Kinder. Man sei „entschieden gegen das vorgeschlagene Massnahmenpaket“, dieses sei „extrem“ und „nicht international abgestimmt“, ertönte es aus der Zürcher Konzernzentrale.
Dann packten UBS-Präsident Colm Kelleher und sein CEO aus der Schweiz, Sergio Ermotti, die grosse Keule aus.
Der Bundesrat könne nicht richtig rechnen, polterten sie. Bern spreche von 15,5 Prozent harter Eigenkapital-Quote (CET1), wenn man die 22 Milliarden Mehrkapital per 31. Dezember 2025 anwende.
Das wären moderate 1,1 Prozentpunkte mehr.
Alles Fake, so die Bank-Chefs. Effektiv läge das CET1 unter der von der Schweizer Regierung präsentierten Lex UBS bei rund 18 Prozent.
Gigantisch hoch im Vergleich zur Konkurrenz.

JPMorgan, Deutsche Bank, HSBC, Goldman Sachs: Alle müssen nur 14 bis 15 Prozent Kernkapital-Quote auf die Waagschale bringen.
Einzig Morgan Stainley, von wo Kelleher stammt, hat 16 Prozent CET1.
Die Differenz geht ins Geld. Eigenkapital ist teuer. Wer mehr davon halten muss, kann weniger riskante Geschäfte tätigen.
Die Folgen sind nicht zuletzt tiefere Boni. Kein Wunder, missfällt das der UBS-Spitze.
Ihre eigenen 18 Prozent CET1 stellt sie den 15,5 Prozent des Bundesrats respektive des zuständigen Finanzdepartements von Karin Keller-Sutter gegenüber.
Und findet, das gehe nicht mit rechten Dingen zu und her.
„Entsprechend sind die vom Bundesrat angegebene CET1-Kernkapitalquote von 15,5% für UBS sowie die dazugehörenden Konkurrenzvergleiche irreführend und bedürfen einer weiteren Präzisierung.“
„Irreführend“ heisst, Keller-Sutter und ihre Leute präsentieren selber fabrizierte Zahlen – wohl um das Parlament für ihre „extreme“ Regulierung zu gewinnen.
Der Ton aus dem UBS-Headquarter ist damit noch schriller geworden, als er das schon zuvor gewesen war.
Auf dem Höhepunkt hatte Sergio Ermotti wochenlang offen gelassen, ob die UBS ihren Hauptsitz in die USA verschieben würde, falls Keller-Sutter beim Kapital nicht nachgeben würde.
Ist die Iron Lady der nationalen Finanzen tatsächlich eine UBS-Killerin geworden? Dies, nachdem sie der Bank den CS-Superdeal mit 250 Milliarden Unterstützung durch die Schweiz ermöglicht hatte?
Ein unparteiischer Schiedsrichter im epischen Fight scheint die Nationalbank zu sein. Sie stellt sich wie eine Eins hinter Keller-Sutter.
„Die vollständige Eigenmittelunterlegung stellt sicher, dass die Kapitalsituation des Stammhauses in der Schweiz nicht von Verlusten auf ausländischen Beteiligungen beeinträchtigt wird“, meint der Lender of Last Resort.
„Somit können im Krisenfall Massnahmen zur Stabilisierung der Bank besser umgesetzt werden.“
Die Finma, aus deren Feder die 20 Milliarden Mehrkapital für die Ausland-Töchter und die 2 Milliarden für schnellere Software-Wertberichtigungen stammen, doppelt nach:
„Dass ausländische Tochtergesellschaften systemrelevanter Banken nicht vollständig kapitalunterlegt sind (‚Double Leverage‘), gilt international seit über zwei Jahrzehnten als Risiko“, so der Watchdog.
Es brauche aber noch mehr.
„Insbesondere befürwortet die FINMA die Einführung eines Verantwortlichkeitsregimes, einer Befugnis für Bussen sowie die gesetzliche Möglichkeit, öffentlich aktiver über abgeschlossene Verfahren zu kommunizieren und frühzeitig eingreifen zu können.“
Die „Friends“ der UBS finden sich bei der Bankiervereinigung, also der Lobby der Branche. Dort sitzen zwei Ex-UBS-Spitzenleute zuoberst.
„Die Schweiz verfügt bereits heute im internationalen Vergleich über strenge Kapitalanforderungen“, befinden diese in ihrer Stellungnahme.
Um die Gefahr eines „Credit crunchs“ an die Wand zu zeichnen, was letzte Woche bereits die von der UBS bestellten Gutachter der BAK Economics getan hatten.
Die 20 Milliarden Mehrkapital für UBS London und UBS New York würden sich „auf die Kreditkonditionen von Bankkundinnen und Bankkunden sowie KMU auswirken“, hebt die Bankiervereinigung hervor.
Ins gleiche Horn bläst der Wirtschaftsdachverband. „Die neuen Eigenmittelanforderungen betreffen die gesamte Wirtschaft, denn sie erhöhen auch die Kreditkosten“, lässt die Economiesuisse verlauten.
„Es geht somit um die Wettbewerbsfähigkeit der ganzen Schweizer Wirtschaft.“
Sämtliche Pro-UBS-Wortmeldungen überraschen nicht, vielmehr waren sie absehbar und vorbereitet. Sie zielen auf die Debatte im Parlament, die im Sommer losgehen soll.
Dann will man sich für die letzte Schweizer Grossbank ins Zeug legen.
Was allein erstaunt am heutigen Tag ist die masslos übertriebene Rhetorik der UBS-Spitze. Wer mit moderaterem Auftreten rechnete, nachdem die Wegzugsdebatte für rote Köpfe gesorgt hatte, sieht sich getäuscht.
Hinter der Kampfansage könnte Taktik stecken. Sollte die UBS am Ende ihren Sitz in die USA verschieben, könnte sie den Schweizern zurufen: I Told You So.


Ada und ab in die USA wäre wohl das Beste für die CH.
Je schneller, desto besser. Sollen die amerikanischen Steuerzahler die immensen Risiken tragen. Ich wünsche den Raffgierigen Bankern viel Glück mit der amerikanischen Justiz.
Ach Lukas – wieviel Polemik passt in einen Artikel? „Reagieren wie kleine Kinder“ „schrill“ „poltern“
Wie wäre es mit Fakten? Ah nein, dafür müsstest Du die Materie ja im Grundsatz verstehen. Offenbar ein bisschen viel verlangt nach über 10 Jahren sogenanntem Wirtschaftsjournalismus.
Danke, BR Keller.
Wer den EK-Vorschlag ablehnt, ist entweder naiv oder denkt nur an seinen eigenen kurzfristigen Vorteil. 2008 & 2023 musste der Staat bereits einspringen, um die Folgen von Bonusgier und Missmanagement bei den Grossbanken auszubügeln.
Und heute? Genau diese Kreise stellen sich wieder quer und profitieren weiterhin von ihren eigenen Fehlern. Absurd. Besonders stossend ist, dass bankennahe Politiker und die UBS AG nicht einmal Zurückhaltung zeigen, sondern aktiv gegen strengere Regeln lobbyieren. Statt Dankbarkeit: Widerstand. Wie lange wollen wir uns dieses Spiel noch leisten?
Im Hinblick auf die Diskussionen im Parlament um die 22 Milliarden ist UBS als Bank finanziell massiv im Vorteil Unsummen zur Meinungsbildung in ihrem Sinne einzusetzen.
Und all die linksgerichteten Medien sind auch ein Vorteil?