Karl Marx hätte keine Freude an den Preisgestaltern im heutigen Reisebusiness. Denn treffen tun die zum Teil exorbitant hohen Preise vor allem diejenigen, die nicht „flexibel“ genug sind, den Zeitraum ihres Urlaubs mehr oder weniger frei wählen zu können.
Sprich den Anforderungen des Markts gerecht zu werden. (Jawoll, wir befinden uns beim Reisen in einem Angebots- und nicht in einem Nachfragemarkt. Der Anbieter ist der Chef und macht die Preise.)
Und wer kann nicht frei wählen? Um mit Karl Marx zu sprechen: das Proletariat. Also viele von uns, die Familie haben, mit Kindern in der Schule.
Deren Flexibilität schränkt sich zu hundert Prozent ein, weil nur die ordentlichen Schulferien in Frage kommen. Nix Flexibilität und darum unglaublich hohe Preise, für die man sich schämen muss.
Doch beginnen wir von vorne. Ich plante diesen Beitrag eigentlich bereits für Januar. Damals wollte ich ein Weekend in Arosa verbringen.
Ich habe also die in Frage kommenden 4-Sterne-Häuser angefragt. Dabei aber darauf geachtet, dass es nicht zu exklusiv ist, 5-Sterne- Hotels habe ich gar nicht erst berücksichtigt.
Mehr oder weniger „einfache“, „anständige“ Hotels haben mir dann sehr unterschiedliche Angebote gemacht. Ein Doppelzimmer, Belegung zwei Personen, Basis Zimmer/Frühstück:
Günstigste Variante 800 Franken pro Nacht. Teuerste Variante 1’400 Franken.
Nun ja, ich bin nicht nach Arosa gefahren. Habe mich aber schon gefragt, wer in drei Teufels Namen sich solche Preise leisten kann.
Dann wollte ich den Beitrag an Pfingsten schreiben. Ich wollte nach Rom. Flug Zürich-Rom, zwei Personen, Economy, Angebot von meinem Reisebüro: knapp 2’000 Franken.
Seither gehe ich der Frage nach, ob Reisen das neue, ultimative Luxusprodukt ist.
Der Schweizer Reisebüroverband sagt dazu:
„Diese pauschale Einschätzung teilen wir nicht. Der Reisemarkt ist stark wettbewerbsorientiert und funktioniert nach klaren marktwirtschaftlichen Prinzipien.“
„Preise werden dynamisch festgelegt und hängen stark von Nachfrage und Buchungszeitraum ab.“
So weit, so gut. Nur, dass der privat Reisende wohl wenig davon versteht. Ich finde, es ist auch nicht ganz einfach, sich da zurechtzufinden.
Wenn man Reisen so buchen muss wie Effekten-Händler Rohstoffe im Handel, dann wird es definitiv nicht einfacher.
Ein gutes Beispiel sind die Flugpreise. Eine Airline hat bis zu 28 verschiedene Buchungsklassen auf dem gleichen Flieger.
Wenn Sie heute beispielsweise auf swiss.com einen Flug von Zürich nach Rom angucken, den aber noch nicht buchen, weil sie es sich nochmals überlegen wollen, und morgen wieder auf die Site gehen, um den Flug zu buchen.
Dann werden Sie merken, dass der Flug inzwischen teurer ist. Ganz einfach darum, weil deren System registriert hat, dass Sie den Flug bereits zum zweiten Mal abrufen, also ein konkretes Interesse daran haben.
Ergo hat die Swiss den Preis hinaufgeschraubt.
Zurück zu Karl Marx: Die Familien, die in den Sommerferien in die Ferien wollen, können nicht im Juni oder September gehen. Da haben die Kids Schule.
Im Juli ist es nicht zu bezahlen. Der Medianlohn in der Schweiz liegt derzeit bei rund 7’000 brutto pro Monat. Da geht eine normale Nacht in Arosa für 800 Franken nicht, da geht ein normaler Ein-Stunden-Flug nach Rom für 2’000 auch nicht.
Und da wird aus zwei Wochen Sommerferien, beispielsweise nach Mallorca für viele tausend Franken, ebenfalls nix.
Als ich noch ein Kind war, flogen „die Reichen“ Business Class und nächtigten in 5-Sterne-Häusern. Meine Familie flog nicht und nächtigte gar nicht in Hotels.
Heute muss man schon sehr viel Geld haben, um nur schon Economy zu fliegen. Und das „frühzeitig buchen“ und „flexibel im Zeitrahmen bleiben“ ist halt leider den wenigsten gegeben.
Angelo Heuberger vom Branchenmagazin „Travel Inside“ bringt es auf den Punkt: „Es wird sich alles wieder beruhigen, und das Reisen wird hoffentlich bewusster wahrgenommen – und vielleicht ist es dann noch eine Reise pro Jahr anstatt drei oder vier“.
Bei meinen Gesprächen mit den Fachleuten sind einige spannende Kernthemen angesprochen worden. Overtourismus beispielsweise, oder die Frage, ob Reisen ein Menschenrecht ist.
Angesichts der Tatsache, dass 27 Prozent der Schweizer Bevölkerung die Krankenkassenprämien nicht mehr bezahlen können, aber dennoch gefühlt jeder mehrere Male reisen will, notfalls auf Kredit.
Der Flughafen Zürich hat im Sommer 2024 rund 200 Destinationen angeboten, die mit 62 verschiedenen Airlines angeflogen wurden.
Es wurden rund 23’000 Flugbewegungen (Starts und Landungen) registriert. Kommentar überflüssig.
Die Reisebürobranche steht in einem schwierigen Spannungsfeld. Die Anbieter müssen für ihre Kunden die besten Lösungen in einem nicht ganz einfach zu überblickenden Markt eruieren.
Sodann kämpfen sie gegen die vielen Onlineanbieter und müssen ihr Geschäft mit einer Brutto-Marge von rund 14 Prozent bestreiten. (Im Tour Operating kann es leicht auch mal das Doppelte sein.)
Dabei verkaufen sie ein Produkt, das hochemotional ist und auf das sie keinerlei Einfluss haben – und das sie in vielen Fällen persönlich gar nicht kennen. Black Box.
Auch wenn es mit Sicherheit viele günstige Angebote im Markt gibt und ich wohl nicht generell behaupten kann, dass Reisen zu einem Luxusgut geworden ist, sagt mir meine persönliche Erfahrung, dass Reisen wirklich ungeheuer teuer geworden ist.
Denn egal, wann ich wo hingehe, immer ist da Hochsaison, immer sind da die Flieger voll, die Hotels sowieso, und immer findet dann gerade ein Ärztekongress oder eine andere Grossveranstaltung in Town statt.
Für mich ist es einfach immer wahnsinnig teuer – vielleicht auch nur darum, weil ich nicht in der Lage bin, mit unserer Tochter im Juni oder September in die Sommerferien zu fahren und die Reise auch nicht 10 Jahre im Voraus buchen kann.
Und am Ende bin ich kein Trader, weder von Rohstoffen noch von Aktien und schon gar nicht von Reisen.
Ich bleibe auch bei der Aussage: Reisen ist etwas vom Schönsten, das man machen kann. Man investiert in ein Erlebnis, das einem niemand mehr nehmen kann.
Die Welt ist so vielfältig, spannend und schön. Sie zu entdecken ist etwas Wunderbares, egal zu welchem Preis. Eben – etwas Privilegiertes.
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But supply-side economics has supplanted the logic of the law of supply and demand since the 1970s. So, nothing new under the sun. By reviving Jean-Baptiste Say’s „law of economic outlets,“ which posits that supply creates its own demand and not the other way around, its proponents (the orthodoxy—the mainstream—of monetarists) have induced (and elevated to dogma) the hypothesis that production, rather than demand, is the main factor in creating and maintaining economic growth. A heresy in a monetary system based on fractional reserves.
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Nur die schwerreichen Männer mit ihren Trophäen werden Monaco, Wimbledon, die Hamptons oder Sardinien geniessen. Und danach mit einem Schneeball aus dem Fenster fallen. Die Dekadenz nimmt zu. Und die Normalbürger grillieren auf dem Balkon. Eigentlich war es immer so.
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Ein sehr erfrischender Beitrag von Herrn Presta. Vielen Dank.
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Das Reisen sollte noch viel teurer werden. Eintritt für Venedig – EURO 1000. So wird Wenigen ein ursprüngliches schönes Erlebnis ermöglicht.
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… rufen Ihnen die WEF-Schranzen aus dem Privatjet zu.
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Im Januar kurzfristig am Wochenende nach Arosa, über Pfingsten (!!) kurzfristig nach Rom, was kommt als nächstes? Und dann noch einen Artikel auf IP schreiben, unfassbar.
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Ganz schlimm ist es wenn man allein, vom anderen Geschlecht verschmäht, verreisen will und es mangels Kapital nicht kann…
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Thailand eigenet sich übrigens für jedes Budget.
Es muss nicht immer Pattaya sein. Man kann auch nach Patpong, Patong, ins Nanas oder an die Soi Cowboy.
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… das Herz auf, wenn jemand den Cantillon-Effekt für sich entdeckt.
Aber nur Geduld lieber Herr Presta: wir haben diesbezüglich noch überhaupt nichts gesehen.