Ich war mit Oliver, einem PR-Menschen, zum Kaffee verabredet. In einem Café, einem sogenannten Zürcher In-Place.
Die richtigen In-Places werden frequentiert von supercoolen Menschen. Allesamt Insider, also Menschen, die zu einem imaginären Club gehören, dem Club der ganz Coolen.
Dazu gehört auch, dass man das gerade angesagte Café als Unkundiger, sprich Uncooler, gar nicht findet.
Es ist nicht angeschrieben, keine Hinweisschilder, nichts. Man weiss einfach, wo sich der coole Place mit den coolen Menschen befindet.
Wenn man das nicht weiss, ist man nicht cool und gehört gar nicht dazu, hat ergo nichts dort zu suchen.
Ich fand es trotzdem: In Zürich, dort, wo früher Menschen mit ihrer Hände Arbeit den Unterhalt für ihre Familien verdient haben, sitzen heute hippe, junge und natürlich coole Influencer und sonstige Social-Media-Nichtsnutze rum.
Ich bin mir wie auf einem fremden Planeten vorgekommen. Das Panoptikum an Irrsinn, äh sorry, an coolen Menschen hat mich in ungläubiges Erstaunen versetzt.
Da tummelten sich viele ganz wichtige Menschen an diesem Ort.
Etwa die Hälfte, die wohl offiziell im „Homeoffice“ war (man gibt ja viel auf die Work-Life-Balance), vielleicht waren es aber einfach nur Menschen, die gar kein richtiges Zuhause hatten und gezwungen sind, in Cafés ihren Laptop zu bedienen.
Wer will das wissen. Früher waren die Cafés dieser Welt oft Heimstätte von Schriftstellern, die sich inspirieren liessen. Menschen wie Joseph Roth, Arthur Schnitzler oder Stefan Zweig, die grossartige Literatur geschaffen haben.
Die waren offen, sie waren an anderen Menschen interessiert, haben mit ihnen geredet, ja disputiert, haben das Leben aufgesogen und ihre Beobachtungen und Erkenntnisse in ihren Büchern umgesetzt.
Heute sitzen die Halbstarken da, belegen stundenlang einen Stuhl und trinken dabei einen Kaffee oder noch besser einen der trendigen Machas. Sie haben aber alle Kopfhörer auf, so ganz im Stil:
„Ihr alle anderen, Ihr könnt mich mal. Ihr seid nur Statisten in meinem Theater, dazu da, mich zu bewundern.“ Sie nehmen an der Welt nicht mehr teil.
Sie legen aber sehr viel Wert darauf, sich effektiv zu inszenieren. Die junge Dame nebenan, ebenfalls Kopfhörer im Ohr, Laptop offen, konzentriert, als würde sie an einer Nobelpreis-Rede schreiben.
Alle zehn Minuten nimmt sie das Mobile ans Ohr, fängt ostentativ an zu telefonieren (Motto: Seht, wie wichtig, wie gefragt ich bin) und verlässt das Café telefonierend, um ein paar Minuten nach erfolgtem Telefonmeeting selbstzufrieden lächelnd wieder die Bühne der Eitelkeiten zu betreten.
Dann kommt ein junges Paar hinein. Beide gross gewachsen, schlank. Man könnte meinen, Alpha-Tiere.
Sind sie aber nicht, denn richtige Alpha-Tiere befinden sich nicht an diesem In-Place. Sie tun aber so, als wären sie Alpha-Tiere.
Wichtige, äusserst gelangweilte Mienen, von denen sie überzeugt sind, dass sie cool wirken. Mitten im Café stehend, über Gebühr lange (so lange braucht man nicht, um einen Tisch auszusuchen), wenigstens so lange, bis sie von allen gesehen und bewundert wurden.
Und ja, natürlich, alle wollen schön sein. Bling-Blings eben. Wobei ich nicht weiss, wer dekadenter wirkt, die Männer oder die Frauen.
Eine Mutter beispielsweise vergass ob ihrer eigenen Schönheit den Umstand, dass ihr kleiner, wohl etwa 3-jähriger Sohn hinter ihr her watschelte, sie sonnte sich auf dem Laufsteg durch den Eingang und freute sich über die Blicke, die sie auslöste.
(Wobei es auf mich den Eindruck macht, dass es eine Herkulesaufgabe sein muss, gleichzeitig schön zu sein, sich optimal auf dem Laufsteg der Eitelkeiten zu präsentieren, dabei zu kontrollieren, von wem man alles angeglotzt wird, ohne dabei aber Menschen direkt anzuschauen, weil das dann ja eine Schwäche wäre).
Dabei vergass sie ihren Sohn, den kleinen Jungen, hielt ihm die Tür nicht auf – mit der äusserst schmerzhaften Konsequenz, dass der Kleine seine Finger einklemmte und brüllte wie am Spiess.
Die Mutter wollte zuerst schön und cool sein, erst dann Mutter.
Sie war überhaupt eine sehr typische Erscheinung. Man verzeihe mir, dass ich nach allen meinen Typologien, die ich den Männern in Form meiner Figur namens „Bling-Bling“ zuschreibe, nun auch mal etwas zu den Frauen sage.
Die junge Mutter mit ihrem Kind und den eingeklemmten Fingern: Sie vertritt einen Typus Frau, den man heute oft sieht. Sie möchte schön sein. Sie möchte begehrt werden. Sie möchte gesehen werden. Sie möchte auch sexy sein.
Aber sie möchte das typische, immer wiederkehrende Narrativ und damit einhergehend die vermeintlich sexistische Unterdrückung durch den alten weissen Mann nicht bedienen.
Was also trägt sie? Turnschuhe. Natürlich. Ausschnitt, dass man hineinfallen könnte (ihre Sexyness, die sie für ihre gewünschte Wirkung braucht), dabei aber eine Worker-Jeans-Latzhose.
Also zwischen Bauchnabel und Halsansatz spielt sie mit den Reizen der Frau. Würde man ihr raten, ein sexy Top zu tragen, vielleicht hohe Schuhe, oder einen kurzen Rock, man würde ans Kreuz genagelt und als Lüstling beschimpft werden.
Doppelmoral? Ja vielleicht, nein sicher!
Und – fast hätte ich es vergessen: Natürlich war ich einer der wenigen, die Deutsch gesprochen haben. Und nein, es waren keine Sprachen aus aller Herren Länder, es wurde natürlich Englisch gesprochen.
Denn viele waren wohl Expats oder solche, die lieber Englisch anstatt Deutsch sprechen, weil das ja soooo unendlich viel cooler ist und den weltoffenen Charakter der Narren betont.
Nun, mein Schluss aus dem Haus der Eitelkeiten, aus diesem irrsinnig gewordenen Narrenschiff? Ich weiss nicht, ob auf mich folgender Sinnspruch zutrifft:
„Hast du Dir schon mal überlegt, warum Du der Einzige bist, der den Dorftrottel noch nie gesehen hat?“
Oder ob ich nicht zu denen gehöre, die keinen Laufsteg brauchen, um zu wissen, was wichtig ist. Und die darum auch glücklich sein können, wenn es keinen Laufsteg mehr gibt.
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…JA am 14. Juni!!!
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Scheinbar war jemandem zu langweilig. Zeiten ändern sich den klassischen author wirds halt nicht mehr so wirklich geben. Ubd die Leute ändern sich ob man jetzt die früheren oder die neueren besser findet….
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Herrlicher Artikel und voll auf den Punkt
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Eine weitere Episode aus der Reihe „Ansichten eine Boomers und andere belanglose Geschichten für das Altersheim-Kaffeekränzchen“. Nice.
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In Pattaya würde man solches Zeugs nicht einmal in die Walking Street reinlassen.
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Hervorragend beobachtet und beschrieben. Selbstinszenierung als Lebensinhalt, bis zur nächsten Krise
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Du kannst mich auch mal, Presta!
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@M. Presta: Schon mal darüber nachgedacht auszuwandern? Die Villa Germania in Pattaya hat wieder freie Zimmer für Dauertouristen.
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Echosmith – Cool Kids
https://www.youtube.com/watch?v=SSCzDykng4g
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Ach Herr Presta, sind das nicht ein bisschen viel der Worte, nur um zu kaschieren, dass Ihnen die Maus mit der Worker-Jeans-Latzhose noch heute den Schlaf raubt?
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Kann jemand das Zitat über die Jugend von Sokrates einfügen? Seit 2’500 Jahren mahnen die grossen Philosophen über den Umgang der Jungen, von Sokrates bis zu wer such immer diesen Artikel verfasst hat.
Und nichts hat sich geändert. Vielleicht kann der gute Herr ja eine Volksinitiative starten, damit sich die Jungen endlich mal benehmen! 2‘500 Jahre sind genug!
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Sagt das Alpha-Männchen zum Alpha-Mädchen: Mensch, hast du einen guten Schönheitschirurgen.
Sagt das Alpha-Mädchen zum Alpha-Männchen: Danke, aber meiner kostet doppelt so viel wie deiner.
Er: Wo hast Du ihn den her? Sie: Aus Brasilien, und dafür hat er mich noch an Alpha-Männchen wie Dich vermietet.
Und das teilen wir dann auch noch auf XHamster und verdienen zusätzlich.
Sagt er: Perfekt.
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Cooler ist es, „hotter“ zu sein, und nicht als ein arroganter Langweiler in einem schlappen Café am Cömpi rumzutippen
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Es kommt bald eine Zeit da sind diese Leute nicht mehr gefragt. Da wird wieder gefragt, was könnt ihr? Hatte letzte Woche ein Bewerber, Fachmann Technische Dokumentation. Er wollte 110000 im Jahr, 50% Home office, 6 Wochen Ferien. Ich gab im ein Laptop ohne Internet damit er einen Artikel schreibt über das zusammensetzen von einem Puzzle. Nach 30 Minuten ging er.
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Köstlicher Artikel, gut geschrieben! Ein Schaulaufen der Eitelkeiten und noch viel schlimmer, von langweiligen Persönlichkeiten!
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Wieso bewegt sich Herr Presta eigentlich immer dort, wo solche Leute zu finden sind? Ich treffe solche Leute äusserst selten an, da ich mich offensichtlich in völlig andern Kreisen bewege. Ergo können die mich gar nicht aufregen, oder gedanklich beschäftigen.
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Für alle diejenigen, die sich fragen, um welches cooles underground Café es sich handelt: Markus war im Starbucks
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Wer Andersdenkende pauschal abqualifiziert, überzeugt meist nicht durch Argumente, sondern durch Lautstärke. Eine demokratische Debatte lebt davon, dass man auch Positionen aushält, die einem nicht gefallen.
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Truth, lies, conflations, and prejudices. Wow, this simplistic vision of the post-pandemic world, which is accelerating and colliding with the pre-pandemic world, is quite a shock. You have to live in the present, my good sir, because the train doesn’t come around twice!
In English, just for kicks, because Swiss German (Schweizerdeutsch) isn’t really a language in the strictest sense, and even less so an internationally oriented one.
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In my opinion the author would like traveling back to the glamouros Stalin era
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Ich würde sagen, dass viele der IP-Gemeinde (nicht Community) sich in Zürich wie auf einem fremden Planeten vorkommen. Ich denke z.B. an Hrn. Hässig, wenn er plötzlich eine Fahrradspur erblickt.
Auch Hr. Hässig gehört zu denen, die lieber Englisch statt Deutsch sprechen bzw. schreiben.
Apropos, solche soziale Blasen (nicht Bubble) existieren in jeder Gesellschaftsschicht.
Somit in Zürich nichts Neues.
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Joseph Roth, Arthur Schnitzler und Stefan Zweig wurden alle auch einst als „Nichtsnutze“ beschimpft.
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Die „leben“ ein Skript, dass sie auf Instagram gesehen haben. Sie tun das, was man ihnen gesagt/gezeigt hat, nach.
Simulation & Simulacra. Echte NPCs halt.
Hälfte von denen hat nicht mal mehr eine eigene Stimme im Kopf = nicht einmal eine bikamerale Psyche.
Sie sind „natürlich vollständige“ Menschen. Gemäss `These+Anti-These=Synthese` gehören diese Leute „natürlich nicht“ ausgebeutet . Man sollte sie „natürlich nicht“ als Ressourcen ansehen.
Tragödie der Menschwerdung… Das ironische ist, dass sie uns mit „WACH AUF!“ anschreien. Sind ja alle woke und broke