Im Museum in Kilchberg ZH herrscht Hochbetrieb. Touristen aus aller Welt wollen die Herstellung der Schweizer Schokolade erleben.
Der Andrang ist riesig – bis zum Ende der Sommerferien sind alle Besucher-Slots ausgebucht.
Im Laden des Museums das gleiche Bild: Türme aus Lindor-Kugeln locken stämmige Inderinnen zum Shoppen ein.
Im Nebenzimmer dann ein ungewohntes Bild: Pyramiden aus Schokolade, aber mit „Aktion“ ausgeschildert: „Multipackung 12×100 Gramm, CHF 19.95“.
Auch im Detailhandel und online locken erstmals Aktionen.
Dabei gilt dies eigentlich als das Alleinstellungsmerkmal von Lindt und Louis Vuitton: Preisreduktionen gibts bei uns nicht, dann lieber die Produkte wegwerfen.
Als sich jedoch die Migros letzten Herbst weigerte, die teuren Lindt-Tafeln in die Gestelle zu legen, war das ein Fanal.
Zum ersten Mal traten diese zwei Giganten gegeneinander an. Die Migros hat schliesslich gewonnen: Die Schoggi ist nun billiger.
Auch von oben wirds ungemütlich. An der noblen Bahnhofstrasse gibt es im kleinen Radius gleich drei Läden, die noch exklusivere Schokolade als Lindt verkaufen:
Läderach, Favarger, Bachmann. Ebenfalls nahe gelegen: Vollenweider und Madeleine. Und natürlich der Sprüngli am Paradeplatz, der nur dem Namen nach gleich tönt.
Der Tanker Lindt versucht in letzter Zeit, neue Trends nachzuahmen: Dubai, Tokyo, Matcha. Die Welt erfindet neue Geschmackserlebnisse, in Kilchberg kopiert man fleissig.
Und die alten Produkte? Immer weniger Grosseltern mästen sich und ihre Enkel mit Lindor-Kugeln.
Der Kursverlauf der Lindt & Sprüngli AG zeigt das exemplarisch. Die zweitteuerste Aktie der Welt ist im Mai erstmals in drei Jahren unter 100’000 Franken gefallen.
Aktuell liegt man bei 95’000 Franken, taumelt damit knapp über 100’000 Euro. Wann fällt Lindt unter 90’000 Franken?

Im Geschäftsbericht 2025 präsentierte man gute Kennzahlen: Der Umsatz stieg um über 12 Prozent, der Gewinn um 8 Prozent, pro Aktie gab es 300 Franken mehr Dividende als 2024.
An der Börse jucken diese Erfolgszahlen niemanden. Seit Jahresbeginn tauchte der Valor um 19 Prozent.
259 Seiten umfasst der Geschäftsbericht. Die erschreckenden Zahlen liegen verstreut im dicken Bericht. Fast 7 Prozent beträgt der Rückgang beim Absatzvolumen.
Das hat vor allem mit den horrenden Preise zu tun. 5.95 Franken kostet im Migros eine kleine Box Lindor-Kugeln. Dreimal so viel, aber zum gleichen Preis gibt es die Schokolade-Kugeln von Frey.
Der Eigenmarke der Migros; diese darf der Swiss die beliebten Schöggeli vor der Landung liefern.
Die Aussichten auf organisches Wachstum sehen schlecht aus. Lindt-Präsident Ernst Tanner, das alte Schlachtross, lässt Hoffnungen gleich im Keim ersticken:
„Due to geopolitical uncertainties“, die Kilchberger schreiben nur noch auf Englisch, „Lindt & Sprüngli expects a slightly lower organic sales growth of 4-6%“.
Im ersten Halbjahr trat das dann ein, man erreichte nur noch 4,3 Prozent. In Franken gemessen sank der Umsatz sogar um knapp 1 Prozent.
Rückblickend gesehen, schreibt Tanner, sei die Nachahmung der Dubai-Schokolade „the biggest innovation of the year“ gewesen.
Die nächste steht schon bald an. Der Milliardenkonzern will 2027 Waffeln (wie das Kägi fret) so richtig gross lancieren. Die Welt wartet darauf.

