Der „SonntagsBlick“ wird nach 58 Jahren beerdigt. Ringiers Antwort heisst „Blick fürs Wochenende“:
96 Seiten, zwei Bünde, fast 30 Seiten Sport, dazu Horoskop, Rätsel, Unterhaltung und Service.
Das soll ein neues Kapitel sein? Oder eher die Antwort auf „Schweiz heute“ nach dem Motto: Wenn die anderen so etwas machen, machen wir eben auch eines?
Mit Journalismus hat meine Kritik nichts zu tun. Im Gegenteil. Das Problem ist, dass man aus den eigenen Fehlern gar nicht lernt.
Die Medienwelt hat sich verändert, die Leser haben sich verändert, das Informationsverhalten hat sich verändert. Trotzdem wird wieder ein riesiges Printprodukt auf die Beine gestellt.
Wer 2027 noch 30 Seiten Sport auf Papier braucht, muss sich fragen lassen: Warum?

Resultate stehen längst auf dem Smartphone, Videos laufen in Echtzeit und am Sonntagabend ist die Hälfte des Sportwochenendes noch gar nicht vorbei.
Wozu also das Papier?
Hier wird aus Nostalgie Verschwendung. Produktion, Druck und Vertrieb kosten Geld.
Ein 96-seitiges Produkt muss erst einmal hergestellt und verteilt werden, bevor es überhaupt jemand gelesen hat. Wenn grosse Teile davon ungelesen im Altpapier landen, war vor allem eines gross: der Aufwand.
Dabei wäre jetzt die Chance gewesen, wirklich etwas Neues zu bauen.
Der „SonntagsBlick“ ist Geschichte. Ringier hätte diesen Schnitt nutzen können, um das Wochenendmodell grundsätzlich neu zu denken. Stattdessen werden bekannte Zutaten neu zusammengestellt.
Auch die Inszenierung passt dazu.
Rund 150 Gäste aus Politik, Sport, Wirtschaft und Kultur, dazu Baschi, Rigozzi, Bernhard Russi und Doris Leuthard. Viel Prominenz, viel Bühne, viel Ex-SRF-Glanz und Gloria.
Eigentlich fehlt nur noch das Röhrenfernsehen. Willkommen im Medienmodell von gestern.
Natürlich darf Ringier feiern. Doch die Gästeliste erzählt mehr über die alte Medienwelt als über die neue.

Ringier sagt, das neue Kapitel sei „nicht einfach eine Spargeschichte“, sondern eine neue Publikation. Gleichzeitig hat sich der Zeitungsmarkt laut Ringier mehr als halbiert.
Die Netto-Werbeeinnahmen sind seit 2014 von rund 1,5 Milliarden auf 600 Millionen Franken gefallen. Der „SonntagsBlick“ kommt noch auf 74’676 Exemplare.
Das Problem ist also bekannt. Umso erstaunlicher ist die Antwort: Mehr Zeitung.
Noch ist es nicht zu spät. Wenn Ringier wirklich wissen will, wie ein neues Wochenendprodukt aussehen könnte, sollte man nicht zuerst überlegen, womit sich 96 Seiten füllen lassen.
Sondern was wollen die Leute am Sonntag tatsächlich lesen? Meine Antwort wäre: Macht die Augen auf! Ein bürgerliches Gegengewicht wäre längst überfällig.
Wer heute die grossen Schweizer Zeitungen liest, stösst erstaunlich oft auf dieselben politischen Reflexe: Progressive Gesellschaftsbilder, woke Themen, viel Verständnis für die SP und eine ausgeprägte Skepsis gegenüber der SVP und AfD.
Selbst die NZZ hat ihr einstiges bürgerliches Profil weitgehend verloren. Zwischen „SonntagsZeitung“ und „NZZ am Sonntag“ sind die politischen Unterschiede inzwischen vielerorts so klein, dass man sie mit der Lupe suchen muss.
Was fehlt, ist ein Medium, das diesen Einheitsbrei aufbricht.
Kein SVP-Blatt und keine Parteizeitung, sondern ein Angebot, das andere Fragen stellt, andere Perspektiven zulässt und auch jene Leser ernst nimmt, die sich von den etablierten Medien nicht mehr vertreten fühlen.
Dafür würde ich mit Geschichten anfangen, bei denen man sofort wissen will, was dahintersteckt. Eine grosse Recherche über Viola Amherd oder eine eigene Kriminalkolumne aus der Langstrasse:
Polizeimeldungen, Drogenszene, Milieu, Ermittlungen und die Geschichten hinter den Fällen. Quasi „Inside Langstrasse“.
„Inside Langstrasse“ wäre für mich spannender als 30 Seiten Sportresultate und ein Horoskop. Dafür braucht es keine dpa-Meldungen und kein Copy-and-paste aus Agenturen.
Es braucht Stoff, den man sonst nirgendwo liest.
Das wäre eine neue Publikation. Nicht 96 Seiten, weil man 96 Seiten drucken kann. Sondern 96 Seiten, über die der Leser am Montag noch spricht.
Der „SonntagsBlick“ wird begraben. Beim „Blick fürs Wochenende“ sieht es bislang eher danach aus, als hätte man seine Überreste eingesammelt, neu beschriftet und noch einmal Konfetti darüber gestreut.
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Je grösser der Schaden bei Blick / Ringier, desto besser für die Schweiz. Die werden nur aus Schaden klüger. Und auch das nur langsam. Sind teilweise schon älter. Leise rieselt der Kalk.
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Ok, und was soll das Blatt kosten, 2 Fr und sogar 3 Fr. Für eventuell 40 Seiten Werbung. Vergiss es!
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Am Wochenende heisst mein Favorit (auf Papier) Epoch-Times, dann gibt es monatlich den Nebelspalter, alle zwei Monate „Die Freien“ und selbstverständlich jede Woche die Weltwoche. So ist man mit Papier sehr gut eingedeckt, welches länger als ein paar Stunden braucht bevor es zu „Fish and Chips“-Papier wird.
Wenn es dann wirklich mal online sein muss: Insideparadeplatz, infosperber und transition news.
Das Leben ist zu kurz, um es mit Mainstream zu vegeuden.
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und „Club der klaren Worte“…
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Nimm online noch RT und TASS dazu. Dann ist deine Bubble perfekt.
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Es ist nicht „mehr Zeitung“, sondern eine Ausgabe weniger pro Woche. Also ein Sparprodukt als Eingeständnis des Scheiterns. Die Sportresultate vom Freitag als USP? Challenge-League-Fussball als Highlight? PS: Amherd in Oslo, Doris bei Ringier. Unsere CVP-Überfliegerinnen sind immer noch gefragt.
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Blick und Walder, braucht wirklich keiner?!
Genug ist genug und alles hat ein Ende!
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Haben wir doch schon als IP-Beilage.
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Lukas Hässig könnte den Gastro-Teil übernehmen!
Er hat in der Berichterstattung zu Kaffepreisen, Luxemburgerli, Standausschreibungen, etc. etc. viel Erfahrung. Geschätzt ein Drittel der Beiträge auf Inside Paradplatz drehen sich um diese für den Finanzmarkt hochrelevanten Aspekte.
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Es gibt keinen Stoff im Mainstream, den man sonst nirgendwo liest, sondern nur welchen, den man auch sonst in jedem anderen MS-Medium liest und solchen, den man in gar keinem MS-Medium liest. Darüber bestimmt die Atlantikbrücke mit seinen Inserenten, Grossaktionären, Interessenvertreter usw. und nicht Ringier. 96 Seiten Altpapier für Belangslos-Blabla tut sich doch niemand an !
Und, es wundert mich, dass Berset in dieser Selbstbeweihräucherer-Ansammlung von CH ‚Koryphaen‘ nicht präsent ist
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Ein Versuch ist es wert für 3 Franken. Die inflationären Online News mit Schwurbel-Image für CHF 0.- machen nur Kopfweh – kostet mich mehr als 3 Franken.
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Möglich, dass die Ringier-Grossmanager vergessen haben könnten, dass der Klatsch bei den meisten Lesern am besten ankommt. „Blick fürs Wochenende“ könnte über die neue Schicki-Micki-Boni-Gesellschaft berichten, wie die Kohle ausgeben wird. Wie und wo gefeiert wird, Affären, Heiranten, Scheidungen, Ehebrüche etc etc. Und das Wochenende auf Mallorca, in Marbella, oder in St.Moritz verbracht wird. In welchen Restauraunt die Bratwurst mit oder ohne Senf gegessen wird und ob die gemundet hat. Und welcher IP-Leserkommentar möglicherweise den Appetit verdorben haben könnte.
Gunther Kropp, Basel