Nach einer langen Pause ein Einwurf von der Seitenlinie in eigener Sache. Man spricht uns Boomern, und das nicht nur im Banking, die Tauglichkeit zur Neuzeit kategorisch ab.
Ich möchte dieses Vorurteil gerne einmal kurz geraderücken.
Digitale Systeme lagern aus. Sie speichern, damit wir vergessen können. Sie navigieren, damit wir den Weg nicht kennen müssen. Sie übersetzen, damit wir keine Sprache mehr lernen. Sie optimieren, damit wir nicht mehr urteilen müssen.
Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Beobachtung. Analoge Fähigkeiten funktionieren anders. Sie entstehen durch Wiederholung, durch Scheitern, durch körperliche und geistige Anwesenheit.
Sie leben im Menschen – nicht auf einem Server. Man kann sie nicht kopieren, nicht updaten, nicht downloaden. Man muss sie sich erarbeiten.
Und genau deshalb verschwinden sie, wenn die Menschen verschwinden, die sie tragen.
Vor dreissig Jahren war „Bio“ kein Label. Es war einfach Landwirtschaft. Dann kam die Industrialisierung der Nahrung – und plötzlich brauchte das Ursprüngliche einen Namen. Plötzlich war Bio die nachhaltige Alternative. Plötzlich war es teurer, seltener, wertvoller.
Mit analogen Fähigkeiten passiert gerade dasselbe.
Was einmal selbstverständlich war – ein Gespräch führen, das nicht auf einem Screen stattfindet; einen Raum lesen, bevor man ihn betritt; eine 2 Entscheidung treffen ohne Datengrundlage, nur mit Erfahrung und Instinkt; einen Konflikt aushalten, ohne ihn zu delegieren – wird zur Rarität.
Analog ist das neue Bio on the Job. organisch gewachsen, nicht skalierbar, nicht reproduzierbar. Und genau deshalb von steigendem Wert.
Analoge Fähigkeiten sind körpergebunden. Sie existieren nur in den Menschen, die sie entwickelt haben.
Ein Handwerker, der Material am Klang erkennt. Eine Führungskraft, die Stimmungen spürt, bevor sie messbar werden. Ein Verhandler, der Pausen setzt, weil er weiss, dass Schweigen arbeitet.
Das sind keine Soft Skills. Das sind hochentwickelte Werkzeuge, geschliffen über Jahrzehnte – die in keiner Software abgebildet werden können.
Organische Fähigkeiten schaffen etwas, das digitale Prozesse nicht erzeugen: Vertrauen durch Präsenz. Verbindung durch Reibung. Orientierung durch Urteilskraft statt Datenflut.
In einer Welt, die zunehmend vermittelt, gefiltert und optimiert agiert, wird das Unvermittelte zum Differenzierungsmerkmal – in Führung, in Beratung, in Zusammenarbeit.
Wer über analoge Fähigkeiten verfügt, hat etwas, das nicht automatisiert werden kann. Das ist keine nostalgische Behauptung – es ist eine ökonomische Realität. Je mehr digitale Kompetenz zur Grundausstattung wird, desto mehr steigt der Wert dessen, was digital nicht entsteht:
Erfahrungswissen, Kontextverständnis, Ambiguitätstoleranz, menschliche Präsenz unter Druck.
Warum sollte Gemüse auf dem Feld organischer behandelt werden als Menschen bei ihrer täglichen Arbeit? Seit 1971 haben wir den Unterschied zwischen Regular Food und Organic Food am Markt etabliert. Wir haben dazu Labels geschaffen, Standards definiert, Konsumenten sensibilisiert.
Wir akzeptieren, dass Bio mehr kostet – weil Qualität und Nachhaltigkeit ihren Preis haben.
Im Umgang mit menschlicher Arbeitskraft denken wir bislang überhaupt nicht so. Hier dominiert unverändert die industrielle Logik: Effizienz, Auslastung, Output.
Drei Organic Labor hiesse: Arbeit so gestalten, dass sie nicht auslaugt. Erfahrungszyklen respektieren. Vielfalt der Kompetenzen fördern statt digitale Monokultur.
Ausgerechnet die Babyboomer – die Generation, die überdurchschnittlich oft Bio-Lebensmittel kauft und den Bewusstseinswandel bei der Nahrung aktiv mitgetragen hat – hätten allen Grund, den Status Quo in der Arbeitswelt zu hinterfragen.
Denselben Massstab also auf ihre eigene Arbeitswelt anzulegen.
Wir Babyboomer und „Last Analog Natives“ sind die letzte Generation, die diese Fähigkeiten in grosser Zahl und hoher Dichte trägt. In zehn Jahren werden sie allerdings mehrheitlich aus dem Arbeitsmarkt verschwunden sein.
Was bis dahin nicht übertragen, nicht dokumentiert, nicht aktiviert wurde, ist weg. Nicht archiviert. Weg.
Die Reanalogisierung der Lebens- und Arbeitswelt ist im Trend – und das auch immer häufiger bei den „First Digital Natives“. Wer beginnt? Heute ist tatsächlich alles möglich. Und vielleicht sogar das.
sehe ich genau so. Und mache darum 3 mal täglich einen langen Spaziergang mit dem Hund.
Da ausgesteuert, haben wir 5 Männer in unserer WG alle anallogische Fähigkeiten entwickeln müssen.
Komplexe kann man gut behandeln lassen.
Da ausgesteuert, wird uns das leider nicht mehr möglich sein.
Ich schwöre auf meine Bio Advocado.
Um die halbe Welt geschiffert. Die Bauern werden wie Zitronen ausgedrückt und die Mexican Mafia fleissig finanziert.
Für mein gutes Gewissen.
Ich hab am liebsten die Bio Advocados von Homburger, wenn Sie Millionenteure Berichtchen für die Amherds und Beamten verfassen, die uns dann wiederum Milliarden an Steuergelder kosten!
Jeder Generation seine eigene Spinnereien.
In Thailand kennen sie nicht mal Bio und die Leute lächeln immer. Vielleich weil sie nicht mit Bio verseucht sind sind sie fröhlicher im Land des Lächelns (LoS).
„Seit 1971“ ?
Demeter ist über 100 Jahre alt und das einzige Bio-Label das seinen Preis wert ist.
Ja genau, besonders wegen des ganzen Hokuspokus, der da auch drin steckt!
@Gringo: Ob der Hokuspokus sich positiv auswirkt, weiss ich nicht. Ich weiss aber mit Sicherheit, dass er sich weniger negativ auswirkt als Glyphosat und anderer Dreck, mit dem „konventionelle“ Bauern Natur und Menschheit vergiften – von uns Steuerzahlern zwangssubventioniert, versteht sich.
Fun Fact: Der einzige CH-Wein mit 100 Parker-Punkten ist ein Demeter-Wein. Trotz oder wegen Hokuspokus?
ist ganz rot-grün Züri.
Das ist ein sehr guter Bericht. Ich stimme voll zu. – Das schlechteste daran, und das ist unfair, sind die bisherigen Kommentare, fünf an der Zahl, unter jeder Sau, mit Verlaub. Nicht richtig lesen, einfach einen Stuss hinschmieren, nicht zu glauben. Geradezu hyperdigital.
Dem sagt man übrigens Profilneurose. 🤭😂
Ach, jetzt sind eben die Jungen am Drücker. Die stehen heute in einem ganz anderen Wettbewerb als wir damals – Begriffe wie ‚Ich-AG‘ waren uns als Angestellten ja ohnehin eher suspekt. Seit Beginn der Digitalisierung waren wir dabei und haben uns gefühlt ein Dutzend Mal neu erfunden. Meistens hieß es: Kurse buchen und Bücher wälzen, oft auf eigene Rechnung, um am Ball zu bleiben. Nach der zehnten ‚Revolution‘ lernt man, entspannt mit den Schultern zu zucken. Und wenn die Jüngeren heute mal die Augen rollen, lächelt man das einfach weg. Früher war die Rente für mich kein Thema, aber heute…:-)
Ich kaufe meiner Frau immer zwei Gurken – dann kann sie noch eine essen. 🤭😂
Richtig. Ich, Boomer UND Digital Native (kein Witz, 70+ Jahre IT in der Familie) sehe heute Dinge, die ein 30jähriger ETH-Absolvent nicht sieht. Warum? Weil ihm die „Trainingsdaten“ fehlen, wie einer AI. Das ist nicht seine Schuld, ich hätte es in dem Alter auch nicht gesehen. Ich kann nicht mal erklären, warum und wie genau ich das sehe. Erfahrung, Intuition, etc. Und genau das wird man auf absehbare Zeit der AI nicht beibringen können, weil es nicht als AI-verwertbares Medium vorliegt. Mag sein, dass sich das ändert. In 10, 20 Jahren vielleicht. Heute haben Leute mit Erfahrung, neue Chancen
nicht. Die Digitalisierung wird der Menschheit letztlich mehr Nachteile wie Vorteile bringen und zusammen mit der Satelliten-Überwachung und -.Beschallung den Menschen die letzten verbliebenen Freiheiten komplett klauen. Mit der Digitalisierung kommt das digitale Gefängnis mit kompletter, schrecklicher Abhängigkeit und Einschränkungen von korrupten Regierenden.
Wenn die Jungen auf die verlogenen Verherrlichungen der Digitalisierung hereinfallen, sind sie letztlich selber schuld, wenn sie in einem digitalen Gefängnis mit totaler Unfreiheit und programmierbaren Währungen leben müssen.
Genau so wird es leider: Technokratie und Digitales Zentralbankgeld. 😉🤮
können auch sehr schmerzhaft sein.
Ja genau ! 😂😂😂