Zwei Uhr morgens, das Smartphone leuchtet: Absage.
Ein 50-jähriger Leser und erfahrener Experte hat sich auf eine perfekt passende Stelle bei einer Schweizer Firma beworben.
Doch statt eines Anrufs kriegt er mitten in der Nacht die unbarmherzige, standardisierte Abfuhr.
Meldungen an die Redaktion, die sich in den letzten Wochen gehäuft haben. Zahlreiche Betroffene melden sich mit demselben dumpfen Verdacht im Bauch.
Sie sind über 40 oder über 50, bringen alle Qualifikationen mit und werden im Eiltempo abserviert.
Noch bevor die Schweizer HR-Manager überhaupt ihren ersten Morgenkaffee getrunken haben.
Die Spur führt zu den Multis auf dem Platz Zürich und darüber hinaus. Mehrere Schweizer Grossunternehmen setzen in ihren HR-Abteilungen auf die Macht aus Übersee:
Die US-Personalsoftware Workday.
Ein System, das den gesamten Rekrutierungsprozess von A bis Z steuert, digitalisiert – und so auch den Verdacht erweckt, knallhart zu filtern.
Wer in der Nacht die automatisierte Abfuhr erhält, fragt sich unweigerlich: Hat hier überhaupt jemals ein Mensch aus Fleisch und Blut einen Blick auf meine Diplome und Arbeitszeugnisse geworfen?
Oder hat ein Algorithmus im fernen Rechenzentrum entschieden, dass man mit grauen Schläfen nicht mehr ins hippe Corporate-Raster passt?
Die Frustration in der Generation 40 und 50 plus ist riesig, der Vorwurf der systematischen Altersdiskriminierung wiegt schwer.
Besonders brisant ist, dass in den USA bereits eine Klage gegen Workday genau wegen dieses Verdachts läuft.
Die Redaktion hat das US-Unternehmen mit den Vorwürfen konfrontiert. Workday weist diese entschieden zurück.
Die KI-gestützten Recruiting-Tools würden keine Einstellungsentscheide treffen, erklärte das Unternehmen.
Die Kunden hätten die volle Kontrolle über ihre Rekrutierungsprozesse. Alter und andere geschützte Merkmale würden bei den Bewertungen nicht berücksichtigt.
Damit schiebt der Software-Gigant den Ball elegant zurück an die Schweizer Chefetagen.
Doch für die Betroffenen ändert das wenig an der bitteren Realität.
Wer sich mit langer Erfahrung den Buckel krumm gearbeitet hat und nach wenigen Stunden per Klick entsorgt wird, bleibt im Dunkeln stehen.
Ob am Ende ein überforderter HR-Mitarbeiter im Homeoffice den Daumen senkt oder doch eine programmierte Zeile Code, bleibt gut gehütetes Geheimnis hinter gläsernen Fassaden der Schweizer Wirtschaft.

Gleiche Bilder gehören meistens zum gleichen Kommentator.
Der Algorithmus schläft nie – und Skrupel hat er auch keine. Willkommen in der KI-Welt.
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Sind denn die HRs besser?
So eine Tusse im HR soll beurteilen, was der Bewerber kann und liefert? Selten so gelacht. Da wird immer noch nach Fotos sortiert und nicht nach Befähigung. Habe neben einem HR-Büro gearbeitet und weiss das aus erster Hand.
Eine 24-jährige Trulla meint entschieden zu müssen, ob ein Elektroingenieur mit Sicherheitsausbildung geeignet ist… Absage: Wir brauchen keinen El-Ing mit Türsteher-Ausbildung.
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Die KI ist eben in der Lage Schwachstellen von Bewerbern aufzudecken. Willkommen in der neuen Welt
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Ich denke nicht, dass es sich bei diesen Berichten um eine KI Absage handelt. Normalerweise schaut sich ein Mensch die Bewerbungen an und fällt die Entscheidung ob eine Kandidatin weiterkommt oder nicht und das System sendet dann einfach die (meist standardisierte) Absage in Batches. Ich verstehe die Frustration und den Verdacht, gehe aber nicht davon aus, dass viele Schweizer Unternehmen KI zur effektiven Entscheidung benutzen. Falls das Alter eine Rollen spielen sollte wäre dies also auf einen Bias des Recruiters zurückzuführen und nicht unbedingt auf KI.
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In defense of Schweiz
Ha Ha Ja Schwiizerli
Bedankt euch bei den 10MioFörderInnen.
Die haben euer Signal verstanden. Ihr bevorzugt Ausländer vor Inländern.
Jetzt nur nicht Grännen!
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Same here.
42, ITler, gut qualifiziert und bis vor wenigen Jahren dauernd Abwerbeversuche.
Nun über 100 Bewerbungen und gerade mal 2 Interviews.
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Der Betreffende hat sicher Nein gestimmt, kein Mitleid.
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das hatten wir schon früher so.
auch ohne ki.
irgend jemand schaut sich die bewergung an
oder nicht und es gibt absagen ohne wahre
begründung.
der bewerber steht völlig nackt da und hat
offensichtlich keine rechte und weiss auch
nie, wo seine unterlagen landen…
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Warum Ü40 einstellen, die Mehrheit der Stimmenden hat vor einigen Wochen den Grosskonzernen zugestanden das sie jüngere Fachkräfte ohne Einschränkungen „importieren“ dürfen!
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Auch mit Mitte 20 ist es schwierig. Mit 4 Jahren (relevanter) Erfahrung & Studium bekomme ich für 10 Bewerbungen im Schnitt eine Einladung. Dann erhält man eine Einladung aber schlussendlich wird die Stelle intern besetzt oder gestrichen.
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Am 14. Juni hätten wir es in der Hand gehabt.
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Es werden bald 100tausende in Rente gehen, aber nur ein paar wenige tausende kommen nach (abzüglich Work-Live-Balance). Das wird noch krachen. Auch mit KI wird die Realität nicht verschwinden.
Ich warte gemütlich ab und werde mich als hochspezialisierter Fachmann für 2k/d (in der Rente) dann anbieten.
Da bin ich sehr entspannt.
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Am Ende kann man nie beweisen, was zur Ablehnung führte. Vielleicht war es auch nicht das Alter, sondern ein Social Media Post von vor fünf Jahren, oder private Fotos usw. Vielleicht war es auch einfach deine Fritte oder dein Name.
Oder es war einfach ein Schweizer, und Schweizer sind zu teuer. Ein 22-jähriger Syrer ist billiger, anpassungs- und Volgsamer.
Und mit 66 fängt das Leben an.
Das Problem ist nicht explizit das Alter, sondern die Funktion die es nicht mehr braucht oder von der es in Massen Bewerber gibt.
Für Unternehmer ein Paradies. Lohnkosten sinken dauerhaft. Dank geht an das Schweizer Stimmvolk, welches, einmal mehr, die Unternehmer unterstützt.
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Wer jetzt die Stelle bei der Bank verliert hat Glück. Bei diesem Arbeitsmarkt lohnt sich das Suchen nicht.