Ohne Werte und Moral – was die FIFA und VW gemeinsam haben

Mit Grausen verfolgen wir die aktuellen Nachrichten. Mehr denn je herrscht ein Verfall der Moral und Sitten. Noch ekelerregender ist für uns jedoch die Heuchelei der Politik. Ob im Fussball oder jetzt im VW-Skandal: Der Scheinheiligkeit sind keine Grenzen gesetzt.

Endlich wird gegen die Granden der FIFA ermittelt. Jedoch nicht von der Justiz der grossen europäischen oder südamerikanischen Fussballländer, sondern von der amerikanischen. Es kommt das an das Licht der Öffentlichkeit, was allgemein schon lange bekannt ist: Dass Korruption in der FIFA gang und gäbe ist.

Nichtsdestotrotz haben sich Politiker weltweit und insbesondere auch deutsche im Glanz des Fussballs und des FIFA-Sonnenkönigs Sepp Blatter gesonnt. Ob Herr Schröder, Frau Merkel, Herr Gauck, Herr Schäuble, Herr Wulff: Alle grinsen in die Kamera neben einem milde lächelnden König Sepp. On top hat Angela Merkel, auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Innenministers Otto Schily, 2006 Sepp Blatter sogar noch das Grosse Bundesverdienstkreuz überreicht.

Laut der Webseite des Bundespräsidenten wird „der Verdienstorden an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste, um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich. Er ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht (…) Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für unser Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst.“

Vielleicht hat Sepp Blatter die Verdienstauszeichnung dafür erhalten, dass die FIFA während der Fussballweltmeisterschaft in Deutschland einen riesigen Reibach gemacht und keinerlei Steuern bezahlt hat. Denn die oberste Regel der FIFA lautet: Eine WM ausrichten darf nur, wer der FIFA vorab Steuerfreiheit zugesichert hat.

Schätzungen zufolge sind dem deutschen Fiskus für die WM im eigenen Lande 250 Millionen Euro Steuereinnahmen entgangen. Auch in Südafrika und Brasilien hat die FIFA selbstredend keine Steuern bezahlt. Ebenfalls sind alle Fifa-Partner von der Zahlung der Einkommens- und Umsatzsteuer befreit.

In Brasilien waren das finanzkräftige Häuser wie Sony, Adidas, Coca-Cola, der Autobauer Hyundai, die Fluggesellschaft Emirates und der Kreditkartenriese Visa. Selbstverständlich sind auch die Gewinne am Sitz der FIFA in der Schweiz nur schwach besteuert. Immerhin handelt es sich ja um einen Verein. Trotz Bemühungen, dies zu ändern, hält der schweizerische Bundesrat der FIFA die Eckstange und lässt den multinationalen Konzern weiterhin als gemeinnützige Organisation gelten.

2014 war ein Rekordjahr für den „Verein“. Bei 3,3 Milliarden Euro Umsatz blieben beachtliche 1,3 Milliarden Euro Gewinn hängen. Auch hier ist der Verein Weltmeister. Welcher andere kann da mithalten?

Nicht mal der FC Bayern München spielt in der gleichen globalen Liga wie die FIFA. Dieser kommt auf 530 Millionen Umsatz, bei gerade mal 16,5 Millionen Euro Gewinn. Der „Global Player“ FIFA macht mehr Umsatz als das Dax-Unternehmen Deutsche Börse (2,35 Milliarden Euro) und mehr Gewinn als die Linde AG (1,1 Milliarden Euro).

Neben dem Bundesverdienstkreuz ist der absolutistische Sonnenkönig Sepp auch noch stolzer Besitzer des Olympischen Ordens, des Bambis sowie Ritter der französischen Ehrenlegion. Wenn man dies liest, erscheint es uns mehr als verständlich, dass die Politik sowie die Verleiher von diversen elitären Preisen von immer mehr Menschen nicht mehr ernst genommen werden.

Es ist jedoch nicht zu verkennen, dass die Riege um Blatter lediglich so mächtig geworden ist, weil unsere Mächtigen aus Politik und Wirtschaft sie so mächtig gemacht haben. Ohne das viele Geld der Sponsoren und das Geld für die TV-Rechte, welches im Falle Deutschlands auch noch das Geld der Bürger ist, wären die Granden der FIFA kleine unbedeutende Vereinsmeier.

Selbst UEFA-Präsident Michel Platini hat Zuwendungen in Millionenhöhe von der FIFA erhalten, und der deutsche DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hält sich verdächtig bedeckt mit Kritik an dem korrupten und verrotteten System der FIFA. Als enger Vertrauter von UEFA-Präsident Platini zählte er laut Spiegel zu jenen Top-Funktionären, die Aufklärung und Reformen aktiv behinderten.

Bis vor kurzem haben wir genüsslich mit dem Finger auf die Schweiz mit ihrer korrupten FIFA-Funktionärszentrale gezeigt. Doch jetzt haben wir mit dem VW-Skandal auch in Deutschland ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Ein jeder Autofahrer weiss, dass die Verbrauchsangaben (getestet unter Laborbedingungen) aller Automobilhersteller absoluter Unfug oder umgangssprachlich „eine Verarsche“ sind und mit der Realität nichts zu tun haben.

Seit kurzem ist nun bekannt: Es wurde bei Deutschlands grösstem Autokonzern Volkswagen massiv betrogen. Dummerweise hat der VW-Konzern elf Millionen Autos verkauft, in denen ein Betrugsprogramm läuft, welches den Umweltbehörden falsche Abgaswerte vorgaukelt. Blöderweise wurde man jetzt erwischt. Abermals wurden Werte und Moral mit Füssen getreten, abermals sind es amerikanische Behörden, die den Betrug in grossem Stil aufgedeckt haben, und abermals sind deutsche Politiker und Behörden überrascht und schockiert.

Glaubhaft ist die Überraschung nicht, denn seit etwa einem Jahr wusste die Bundesregierung, dass Diesel-PKW weitaus mehr Stickstoffoxid ausstossen, als die Hersteller angeben.

Es stellt sich die Frage: Was macht eigentlich das Kraftfahrt-Bundesamt, welches laut eigenen Angaben mit seinen Aufgaben und seinem Präsidenten Ekhard Zinke an der Spitze „einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit, zum Umweltschutz und zur Bereitstellung von Informationen über den Strassenverkehr“ leistet? Sind die Amerikaner einfach cleverer, oder testen die einfach besser?

Fragen über Fragen. Wir sind gespannt, was noch für „Überraschungen“ ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Der Aktivismus rund um die 10 Euro teuren grünen Umweltplaketten für die Umweltzonen ist jedenfalls als Farce entlarvt. Bereits 2011 hatte sich ein Techniker an seinen Vorgesetzten in Wolfsburg gewandt, um auf die illegale Abgas-Software aufmerksam zu machen. Der Zulieferer Bosch soll bei VW ebenfalls darauf hingewiesen haben, dass ein Einsatz der Technik in normalen, verkauften Fahrzeugen gesetzeswidrig sei. All dies blieb folgenlos, und niemand hat etwas von der Manipulation gewusst.

Keiner kann uns erzählen, dass in einem streng hierarchisch geführten Konzern wie VW mit seinen Marken VW, Audi, Skoda, Seat und und und auf unterer Managementebene eine solch gravierende Manipulation möglich ist. In deutschen Grosskonzernen lässt sich ein jeder auch eine noch so hanebüchene Entscheidung von seinem Vorgesetzten absegnen. Folglich ist der Betrug offensichtlich von höchster Ebene gedeckt worden.

Mittlerweile ist der eine oder andere Top-Manager gegangen oder gegangen worden. Der VW-Vorstandsvorsitzende und ehemalige Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn verkündete in seiner Rücktrittserklärung, dass er als Vorstandsvorsitzender die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmässigkeiten bei Dieselmotoren übernehme und er daher den Aufsichtsrat gebeten habe, mit ihm eine Vereinbarung zur Beendigung seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns zu treffen. Er tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl er sich keines Fehlverhaltens bewusst bin.

In Anbetracht dieser Äusserung fehlen uns die Worte. Von Seiten Winterkorns sind sie jedoch clever gewählt. Denn wenn er die Schuld eingesteht, gibt es kein Geld. Winterkorn besteht jedoch auf die Ausbezahlung seines bis Ende 2016 äusserst attraktiv laufenden Vertrages. In Anbetracht seines Salärs in Höhe von 16 Millionen Euro im Jahr keine unerhebliche Summe. Ferner soll er mindestens eine Million pro Jahr an Pension erhalten – rein prophylaktisch hat VW hat dafür bereits 28,6 Millionen Euro zurückgestellt.

Es ist uns schleierhaft wieso ein Top-Manager mit einem Top-Verdienst nicht selbst für sein Alter vorsorgen kann. Die Selbstbedienungsmentalität von Topmanagern in Grosskonzernen treibt neue Blüten. Abgesehen von dem unvorstellbaren Imageverlust für den VW-Konzern und die Marke „Made in Germany“ wurden seit Bekanntwerden des Betrugs Milliarden an Aktionärsgeldern vernichtet. Binnen kürzester Zeit hat die VW-Aktie 40 Prozent ihres Wertes verloren.

Der Konzern hat den Abgas-Betrug gegenüber den US-Behörden zugegeben, dummerweise aber den Aufsichtsrat und die Aktionäre erst Wochen später informiert. Somit hat der Autobauer offensichtlich die Meldepflicht eines börsenrelevanten Tatbestandes verletzt. Folglich können die Aktionäre laut Wertpapier-Recht den Kursverlust offensichtlich einklagen.

Ferner wird der Konzern Milliarden an Strafe bezahlen müssen. Die US-Anwälte reiben sich bereits die Hände und bereiten eine Sammelklage nach der anderen vor.

Nun stellt sich die Frage: Wer wird das bezahlen? Wir sind gespannt, ob dieses Mal die verantwortlichen Manager für den Betrug geradestehen und mit Haus und Hof haften müssen, denn diese Beträge deckt auch keine Managerversicherung mehr ab.

Wir glauben es nicht. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte der Menschheit, dass Macht und Geld oftmals opportunistische, egoistische und nimmersatte Menschen anzieht wie Motten das Licht.

Sollte nicht bald ein Umdenken bei unseren Eliten in Wirtschaft und Politik stattfinden, wird unsere Gesellschaft mit Sicherheit vor die Hunde gehen.

Die beiden Ökonomen, Querdenker und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller “Der grösste Raubzug der Geschichte – warum die Fleissigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Seit April 2014 gibt es eine aktualisierte und überarbeitete Taschenbuchausgabe.

Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie es bis auf Rang 2 der Spiegel Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt. In ihm haben sie die EZB-Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezins bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Der Crash ist die Lösung war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014.

Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter:www.friedrich-weik.de und bei Facebook.

Kommentare

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  1. *thumps up*

    Wie in der unten angehängten Doku zum Ausdruck gebracht: Hoffentlich schaffen wir Ameisen die Evolution des Systems ohne eine alles zerstörende Revolution – in der basisdemokratischen Schweiz mit ihrem humanitären Erbe hätten wir dazu die besten Voraussetzungen.
    Was wohl helfen könnte: Weniger neoliberaler Schwachsinn im Management und mehr Arbeit nach der Maxime:
    Wir haben die Welt nicht von unsern Eltern geerbt, sondern von unsern Kindern ausgeliehen.

    Doku zum Thema
    https://www.youtube.com/watch?v=G5KilKdGlg8

    Kurzfassung
    https://www.youtube.com/watch?v=rsL6mKxtOlQ

    Oder im Kinderfilm
    https://www.youtube.com/watch?v=N4GIAdlbtLY

  2. Toller Artikel, endlich wird ohne Umschweife Klartext geredet.

    Die Zeit ist reif, dass die machtgierige und korrupte Old Boys, die sich gegenseitig stützen und Jobs und Aufträge zuschanzen, abtreten. Damit wird der Platz frei für eine neue, anders denkende Generation. Und wenn die absurde Boni und Renten abgeschafft werden, dann suchen die geldgierige Wichtigtuer andere Beschäftigungen, und all diese frei gewordene Jobs können mit den richtigen Leute besetzt werden, die fachliche und soziale Kompetenz mitbringen.

    Denn wenn die Machtkämpfe entfallen, dann wird die Arbeitszeit endlich zum arbeiten genutzt und die anständige und ehrliche Arbeit erfährt wieder die wohlverdiente Wertschätzung.

  3. Vielen Dank für den sehr gut geschriebenen Artikel! Wie sie aber selber geschrieben haben, war es immer so und wird es immer so sein. Eine menschliche Lösung des Problems ist deswegen unmöglich.

  4. Nachdem auf dieser Plattform die Herren Ospel (ex UBS) und implizit auch Herr Blatter (noch FIFA-Präsident) als Helden bezeichnet wurden (siehe die Standpunktkommentare von Herrn Stöhlker) und die CO2-Steuer als „gigantischer globaler Steuerbetrug“ – zwar wirr aber immerhin ernsthaft gemeint – abgetan wurde (siehe Standpunktkommentar von Herrn Ott) erwarte ich von diesen „Standpunkt“-Autoren konsequenterweise, dass auch VW in diese Heldengalerie aufgenommen wird. Wäre doch unterhaltsam, einen solchen Primeur hier auf IP zu lesen.