Europa sucht stabile Partner. Kanada sucht einen Ausweg aus seiner Abhängigkeit von den USA.
Beide Seiten reagieren auf dieselbe Unsicherheit – und finden gerade zueinander. Durch etwas, das in der Praxis fast ebenso folgenreich ist wie ein EU-Beitritt.
Kanadas Regierung unter Ex-Notenbankchef Mark Carney treibt diese Annäherung pragmatisch voran — ohne grosse Reden, ohne Beitrittsfantasien.
Als Kooperation statt Integration. Doch die Substanz ist auch so beachtlich.
Im Juni 2025 unterzeichneten Kanada und die EU ein umfassendes Sicherheits- und Verteidigungsabkommen.
Im Dezember 2025 beschlossen die EU-Mitgliedstaaten Kanadas Beitritt zum SAFE-Programm.
Offiziell vollzogen wurde er im Februar 2026 — als erstes Nicht-EU-Mitglied überhaupt, noch vor Grossbritannien, mit dem die Verhandlungen scheiterten.
SAFE ist jener 150-Milliarden-Euro-Fonds, der europäische Rüstungsprojekte finanziert.
Entscheidend ist die Kombination von Ressourcen. Kanada verfügt nicht nur über kritische Mineralien wie Lithium, Nickel und Kobalt sowie über Vorkommen seltener Erden.
Sondern auch über grosse Öl- und Gasreserven.
Zudem zählt Kanada zu den bedeutendsten Gold- und Palladiumproduzenten der Welt – Gold, das zu einem guten Teil in den Tessiner Raffinerien von Valcambi, PAMP und Argor-Heraeus veredelt wird.
Auch diese Lieferkette hängt an offenen, unpolitischen Märkten.
Damit wird der US-Nachbar für Europa zu einem umfassenden Rohstoffpartner, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem alle grossen Industriemächte das genau suchen.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Der Energieteil ist bisher unterschätzt. Die Schweiz hat kein eigenes Gas und kein eigenes LNG-Terminal; sie bezieht ihr Erdgas vollständig über den europäischen Markt, physisch mehrheitlich via Deutschland.
2025 stammte der Löwenanteil des europäischen Pipelinegases aus Norwegen und Algerien, LNG kam hauptsächlich aus den USA.
Bis 2021 lieferte Russland noch 43 Prozent des Schweizer Gases. Dieser Anteil ist weggefallen und wurde notdürftig ersetzt.
Die Versorgung ist gesichert, aber die Abhängigkeit vom amerikanisch-norwegischen Duopol wächst.
Fällt Katar als zusätzlicher LNG-Lieferant teilweise aus oder wird politisch unsicher, steigt die Abhängigkeit von den USA weiter.
Einem Land, dessen Verlässlichkeit als Energiepartner neu bewertet werden muss.
Deshalb gewinnt Kanada an Gewicht. Die Infrastruktur für grosse LNG-Exporte ist im Aufbau, aber noch auf Asien ausgerichtet.
LNG Canada in Kitimat, British Columbia, exportiert seit Mitte 2025 erstmals Flüssiggas; vorerst nach Asien, mit einer Kapazität von 14 Millionen Tonnen jährlich.
Sollten künftig auch transatlantische Lieferrouten entstehen, wäre das genug, um den gesamten Schweizer Gasbedarf achtmal zu decken; oder rund 15 Prozent des europäischen LNG-Gesamtbedarfs.
Für Europa wäre das eine ernstzunehmende Option: Energie aus einem Rechtsstaat mit stabilen Institutionen statt aus geopolitisch volatilen Regionen, sobald die Infrastruktur steht.
Das schweizerische Rohstoff- und Energieökosystem ist weit grösser als die Handelshäuser allein. Glencore, Trafigura, Vitol und Gunvor steuern globale Ströme von Metallen, Öl und Gas; mit Sitzen in Zug, Genf und Lugano.
Dann wäre noch Mercuria, einer der grössten Energiehändler der Welt mit Headquarter in Genf, sowie SGS in Baar, eines der führenden Unternehmen weltweit bei der Inspektion und Zertifizierung von Rohstofflieferungen.
Die Schweiz ist auch ein globales Logistikzentrum. Kühne+Nagel mit Hauptsitz am Zürichsee gehört zu den grössten Logistikkonzernen der Welt und transportiert massiv Industriegüter und Rohstoffe.
Und MSC, die weltgrösste Containerreederei, sitzt in Genf. Schweizerischer geht es kaum.
Zuletzt noch die Versicherer. Swiss Re und weitere sichern die Kreditrisiken im globalen Rohstoffhandel ab.
Von Öllieferungen bis zu Bergbauprojekten. Die Zürich Versicherung ist ebenfalls im Bereich Handelsfinanzierung und politische Risiken aktiv.
Das Schweizer Rohstoffmodell bildet also mit Handel, Transport, Finanzierung und Versicherung ein eng verflochtenes Ökosystem.
Wenn Europa beginnt, Energie- und Rohstoffversorgung stärker politisch zu organisieren, verändert sich dieses gesamte Modell.
Mehr staatlich koordinierte Lieferketten, mehr direkte Beziehungen zwischen Produzenten und Verbrauchern, weniger Raum für unabhängige Handelsplätze.
Eine starke EU-Kanada-Achse würde das beschleunigen, mit Energieverträgen, Rohstoffpartnerschaften und industrieller Kooperation zunehmend innerhalb eines politischen Rahmens.
Und nicht mehr wie bisher ausschliesslich über offene Märkte.
Die Schweiz steht jetzt zwischen offenen globalen Märkten und einem sich formierenden Block. Mehr Nähe zur EU bedeutet Zugang zu diesem System.
Mit dem Preis der Anpassung.
Distanz kann wachsenden strukturellen Druck bedeuten: abnehmende Bedeutung als Handelsdrehscheibe, weniger Einfluss auf Standards, geringerer Zugriff auf strategische Ströme.
Die Schweiz kann noch entscheiden, ob sie in der neuen Rohstoffwelt vorkommt oder zuschaut, wie Energieverträge, Rohstoffpartnerschaften und Industriestandards ohne sie ausgehandelt werden. Gut möglich, schliesst sich die Tür gerade.

Geht Kanada als Wirtschaftsparter mit der Schweiz auch nur über einen EU-artigen Rahmenvertrag? Die Bilateralen Nordatlantik etwa. NB: wer marktfähig ist und nachgefragte Leistungen / Produkte anbieten kann, braucht faire Bedingungen, that´s it. Das EU-Gejapse ist nur für die bequemen Politiker als Gnadenhof in Brüssel sobald der NR oder SR Sitz „abgewählt“ sind …
Der Weg nach Strassburg besteht ja bereits – jetzt braucht es nur noch ein Stöckli in Brüssel.
Die Schweiz gehört in die EU, alles andere ist auf lange Sicht eine Sackgasse mit vorprogrammiertem Absturz in den wirtschaftlichen Abstieg ..
Ja? Wieso? Gehts uns schlecht?
nicht mal geschenkt!
von der Demokratie zur Bürokratie, kann nur jemand wollen, der von der Schweizer Demokratie keine Ahnung hat.
Dundee: tönt nicht gerade wie ein Urner Geschlecht. Entweder kommentieren Sie als „Neu-Schweizer“ (warum leben Sie in der Schweiz und nicht in der EU?) oder aber vom Ausland aus. Beides qualifiziert sie nicht unbedingt zum Thema EU Beitritt der Schweiz…
Ja aber die Linken bekämpfen die Rohstoffhändler wo es geht. Den Linken ist es egal von wo wir Rohstoffe erhalten es geht nur darum den Kapitalismus und globarer Handel zu bekämpfen.
Ohne Kapitalismus wäre die Linke doch schon längst bankrott.
Mehr Nähe dank mehr Nähe zur EU! Immer diese unverwüstliche Illusion, dass wir als Miniland als Mitglied von der grossen EU profitieren können. Wieso wollen so viele an die Theorie glauben?
Kooperation statt Integration.
Pragmatik sollte eigentlich auch für die Schweiz richtungsweisend sein – ohne 2000 Seiten Unterwerfungsphantasien mit der EU.
Wo bleibt ein eigenständig passendes Abkommen zwischen Kanada und der Schweiz? Das Flugzeug steht doch bereit.
Schweiz ist Teil von Europa. Europa ist aber weit grösser und bedeutender als die EU alleine. Es gibt noch andere eigenständige Länder in Europa. Die Schweiz steht neben der EU nicht alleine da.
BC Brit.Columbia ist de facto schon seit Jahren in asiatischen
Händen vermehrt auch Toronto
Vancouver gehört zu ?90% den Asiaten wohin HK Chinesen geflüchtet sind und somit das Tor zu Asien
Somit ist Asien xmal wichtiger für CA als EU
Ohne Asien wäre CA noch abhängiger von den USA und EU
Im Gegenzug beliefern Asiatische Firmen in CA die USA künftig immer mehr
CA ist das Australien in Amerika betreffend endloser Bodenschätze und AU wird ohne Kohle auf der Kohle sitzen bleiben
Die Schweiz als Sitz wichtiger Unternehmungen wie MSC (IT), Kühne und Nagel (DE), … die zu unsererem Wohlstand beitragen, vielen Dank auch und Danke der Freien Schweiz. Mit Unterwerfungsvertrag als 30. Glied der EU wird die Schweiz in die Bedeutungslosigkeit hinuntersinken.