Nestlé ist mehr als eine Firma. Der Riese vom Lac Léman gleicht einem Reich. Einem Imperium.
Mehr als eine Viertelmillion Angestellte, ein Board so nobel wie ein Ministerialrat, ein Sitz in Vevey, das auch ein Schloss sein könnte.
Und die Aktie: In jedem Depot. Die Renten sind nicht zuletzt von der Performance des Nestlé-Titels geprägt.
Deren Kurs ist ein Trauerspiel. Gestern erneut: Nestlé sinkt.

Aus naheliegendem Grund. Russlands Präsident Putin hat sich die Nestlé-Aktivitäten in seinem Gross-Imperium geschnappt. Die Anleger schmissen die Titel auf den Markt.
Damit liegt der Kurs des wichtigsten Schweizer Unternehmens auf einem Niveau, das Löcher in die Portefeuilles der unzähligen PKs und Privatanleger reisst, die Nestlé als ihren ultmativen Hedge betrachteten.
Wie aus diesem Hedge, also Absicherung, ein Risikofaktor geworden ist, zeigen allein die letzten 5 Börsenjahre. Kostete ein Nestlé-Titel 2021 noch 127 Franken, waren es gestern nach Handelsschluss noch 76 Franken.
Minus 40 Prozent. Das bei einem Bluechip, also einem der wichtigsten, meistgehandelten, grössten Valor.

Bei einem solchen Multi bedeutet dies eine Verschlechterung der galaktischen Dimension. Die ganze Firma mit ihren Ablegern auf allen Kontinenten und Marken von Néscafé bis KitKat kostet heute noch 200 Milliarden Franken.
2021 waren es noch 330 Milliarden. Gletscherschmelze am Genfersee. Eine, die andauert: Allein in der zurückliegenden Börsenwoche verlor Nestle total 7 Milliarden Franken an Wert.
Das ist mehr, als die führende Schokoladen-Produzentin Barry Callebaut insgesamt auf die Waagschale bringt.

Der Niedergang hat viele Gründe. Das Problem ist: Die Lage bessert sich nicht – sie wird im Gegenteil immer schlimmer. Trotz Philipp Navratil.
So heisst der „junge“ Chef der Nestlé. Der Schweizer kam auf untypische Art ans operative Steuer des Supertankers. Weil der Vorgänger aus dem elitären Frankreich seine interne Liebe nicht sauber auf den Tisch legte, rollten die höchsten Köpfe.
Jener des Casanova-CEOs und der von seinem Schutzherrn, Langzeit-Präsident Paul Bulcke, auch er als Belgier ein „Frenchie“.
Abgelöst wurden die beiden in einer Art Kommandoaktion durch den Spanier Pablo Isla und den erwähnten Helvetier Navratil. Die Aktie vollführte Freudensprünge – Nestlé ist zurück.
Der Frühling erwies sich von kurzer Dauer. Das Gespann Isla-Navratil hat enttäuscht. Die Zahlen im Tagesgeschäft zeigen eine grosse Stagnation im Operativen, die strategische Abtrennung des Wasser-Geschäfts nimmt dem Riesen Optionen.
Ohnmacht macht sich breit. Wohin sollen wir, was können wir tun?

Es rächt sich, dass Ex-Kleider-Manager Isla nicht aus der Food-Industrie stammt und Navratil viel zu schnell die Hierarchieleiter erklommen hat. Sein Leistungsausweis ist im Vergleich zu früheren Nestlé-CEOs dünn.
Hat Duo Isla-Navratil schon ausgespielt? Danach sieht es heute aus. Die Luft ist draussen, die Hoffnung auf frischen Wind, auf klare Botschaften an die Crew, auf Wachstum und Gewinn:
Sie ist dahin. Dafür komplette Verwirrung am Tag, als die News mit der faktischen Enteignung durch den Kreml die Headlines beherrscht. Man müsse die Lage analysieren, werde sich wehren – so die Durchsage der Nestlé-Leitstelle.
Konkrete Massnahmen? Fehlanzeige. Dabei mussten die hoch bezahlten Nestlé-Bosse mit einem solchen Hammerschlag durch Imperator Putin seit Langem rechnen.

Jedes KMU hat sich seit dem Kriegsausbruch und den Trump-Kapriolen im Westen besser auf die Neue Welt eingestellt, als dies die Herren im Olymp am Léman taten. Ein Armutszeugnis für einen Giganten mit 160 Jahren auf dem Buckel.
Wie weiter? Fragezeichen. Nestlé ist nicht trotz der neuen Führung ab der Rolle gefallen, sondern wegen. Isla und Navratil hatten Carte Blanche wie kein Spitzenteam des Nahrungsmittel-Konzerns die letzten Jahrzehnte vor ihnen.
Genutzt haben sie historische Chance nicht – die Aktie spricht Bände. „Heuschrecken“, die schon im Haus sind oder noch auftauchen dürften, werden den torkelnden Riesen aufspalten wollen.
„Barbarians at the Gate“ – das müssten die Herren von Vevey als Szenario durchspielen. Ob sie dazu in der Lage sind? Ihre Leistung in den vergangenen 12 Monaten spricht eher dagegen.
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Wenigstens jubelt jetzt Selensky, mit ihm viele Ukrainer und NGO’s die schon lange forderten, dass Nestle seine Geschäfte in Russland einstellen soll weil die Babynahrung den Soldaten in Russland hilft.
Wird wohl bald eine Freudenfeier geben, immerhin können die Gutmenschen jetzt den Boykott aufgeben und wieder Nestle Produkte kaufen.
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Hätte nestle nur ein „fünckchen“ selbstachtung gehabt, hätten sie schon vor vier jahren ihre geschäfte in russland eingestellt.
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Die gute Nachricht: Navratil will aufhören mit dem Aufkaufen von eigenen Aktien mit Geld, dass er aufgenommen hat.
Das haben die Manager in den vergangenen Jahren gemacht und die Schulden von Nestle sind deshalb riesig. Gut wird da der Retourgang eingeschaltet und beginnt man die Schulden zu reduzieren.
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Den seit Jahren sinkenden Nestlé-Kurs jetzt Putin, dem Despoten und vom Internationalen Strafgerichtshof wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen mit Haftbefehl gesuchten Kremlchef, in die Schuhe zu schieben, ist an Heuchelei kaum zu überbieten! Der Ausverkauf war längst im Gang, bevor Putin seine Finger nach Nestlés Russland-Geschäft ausstreckte – wer daraus nachträglich die Ursache des Kurszerfalls konstruiert, verwechselt bewusst Ursache und Anlass. Das ist billige Polemik, die mit der Dämonisierung Putins vom eigenen Versagen bei der Erklärung des Nestlé-Debakels ablenkt. Pfui!
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Quo vadis HSG? Gute Schule ersetzt keine unternehmerische Vision.
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praktisch alle nahrungsmittelmultis leiden. die ernährungsgewohnheiten ändern sich langsam, aber sie ändern sich. das kostet die multis marge, ihr industriefood wird weniger nachgefragt.
das erfolgsrezept, liebe nestle-manager: weniger zusätze, weniger zucker, weniger fett, dafür mehr proteine, mehr ballaststoffe. so geht das.
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Konkurs. What else?
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Filetieren, die “guten” Stücke verkaufen und Tschüss! Wie so viele Schweizerischen (langjährig unrentablen)Traditionsunternehmen, in allen Belangen, zu bequem und letztendlich zu gross für das Ecosystem Schweiz. Da wird gar eine UBS, die rabiat an Nestlé hängt, nicht helfen können.
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Was der Vorgänger und Supermanager Mark Schneider in 7 Jahren bei
Nestle verbockt hat, kann man nicht in einem Jahr in Ordnung bringen.
Zum Glueck ist auch der Bulcke Pauli weg. Russland ist fuer Nestle
ein sehr kleiner Markt.
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Es sind verschiedene Mosaiksteinchen, die zum (Miss)erfolg beitragen. Die Premiummarke Nespresso mit einer billigen Pop-Trulla zu bewerben, hilft wahrscheinlich auch nicht unbedingt.
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Als Insider würde ich Idorsia kaufen und halten!🍀
Das kommt äusserst gut.🪄
Auf dem Paradeplatz Portal habt ihr es zuerst gelesen. Eine Erfolgsgeschichte wird das. 💎
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Die Schweiz wiehert wieder und verurteilt Putin. Man kann nicht ungestraft Assets der Russen blockieren und dann annehmen, dass diese nicht irgendwie reagieren. Dies war bereits seit Monaten absehbar – leider haben die Bonus Manager bei Nestlé nichts dagegen unternommen.
Das Vertrauen in einen grossen Teil unserer politischen und wirtschaftlichen Elite ist aufgebraucht. Ein Haufen aufgescheuchter, verlogener und teilweise unfähiger Märchenerzähler! 50 Jahre das Militär abgebrochen und unsere Sozialindustrie in den Himmel gehoben. Und heute die gleichen Märchen wie in den 7oer Jahren.