Avaloq benötigte CS-Überbrückungs-Kredit

Informatikbude nach „Hunter-Strategie“ in Geldknappheit – dann half Vincenz Freund Fernandez aus Patsche – Risiko für Raiffeisen.

Ende 2015 konnte die Bankensoftware-Firma Avaloq endlich wieder mal punkten. In Deutschland ging ihr Servicecenter mit grosser Verspätung online.

Das Happyend hilft nur bedingt. Avaloqs Zukunft ist ungewisser denn je, wie neue Informationen nahelegen.

Das IT-Unternehmen mit weltweit 1’800 Mitarbeitern brauchte letztes Jahr einen Überbrückungskredit der Banken. Die Credit Suisse gewährte diesen.

In Avaloq-Kreisen ist von einem tiefen dreistelligen Millionenbetrag die Rede. Ein Avaloq-Sprecher reagierte auf eine Anfrage von gestern Abend nicht umgehend.

Der Grund ist eine gescheiterte Expansionsstrategie. Avaloq, welche den Banken-Software-Standard der 1990er und 2000er Jahre gesetzt hatte, wollte die Welt erobern.

Ähnlich wie die berühmt-berüchtigte Hunter-Strategie der Swissair, die vor 15 Jahren in einem Milliarden-Konkurs endete, stiess die Softwarefirma in Europa und sogar fernen Ländern vor.

Dabei übernahm sie sich. Mehrere Projekte wie jenes in Deutschland, aber auch in Luxemburg und weiteren Märkten verpassten die Deadlines, wurden verschoben oder gestoppt.

Irgendwann war der Sprit aufgebraucht, der Tank der Avaloq leer.

Es brauchte Hilfe. Rasch.

Die CS sprang ein. Aber nicht als Pestalozzi.

Die Bank knüpfte wie immer in solchen Situationen harte Bedingungen an die Frischgeld-Spritze.

Eine war, das Geschäft rasch zurechtzustutzen. Entsprechend entliess die Avaloq ab letzten Frühsommer in drei Runden viele Leute, darunter auch langjährige Spezialisten.

Zweitens: Die Avaloq musste das Fremdkapital schnell durch eigenes Geld reduzieren.

Eine klassische Situation: Die Banken springen in der Krise ein, geben dann aber auch den Tarif durch.

Avaloq-Gründer Francisco Fernandez, der innert 20 Jahren aus einer kleinen Softwareschmiede ein globales Banken-IT-Haus zimmerte, machte sich auf die Suche nach langfristigen Geldgebern.

Das Avaloq-Dossier ging in der Branche um. Die bittere Wahrheit wurde zum offenen Geheimnis: Avaloq brauchte Hilfe.

Angebissen hat schliesslich die Raiffeisen, die im November ein 10-Prozent-Paket an Avaloq übernahm.

Der Deal ist speziell. Er wirft Fragen nach der Strategie und den Beziehungen auf.

Im Frühling 2015, als die Avaloq-Geldknappheit akut geworden war und die CS einsprang, reichte Pierin Vincenz Avaloq-Zampano Fernandez die Hand.

Die beiden sind sich im Geiste verwandt. Vincenz riss die Raiffeisen-Gruppe in seinen 15 Jahren als Chef aus dem Dornröschenschlaf, indem er sich mit dem Geld der Genossenschafter an den Roulette-Tisch setzte.

Notenstein, Leonteq, Arizon-IT-Grossprojekt, KMU-Offensive, Sportsponsoring, obendrauf 40 Millionen für Assetmanager Beat Wittmann – Vincenz gab das Geld der Genossenschafter mit vollen Händen aus.

Ähnlich Fernandez. Der Avaloq-Besitzer kannte nur noch den Himmel als Grenze, der hob ab, um Avaloq grösser und mächtiger zu machen; wohl mit dem Ziel, die Firma dereinst an die Börse zu bringen und Kasse zu machen.

Eine gefährlicher Mix. Hier Vincenz, der Hunderte von Millionen an fremden Geld einsetzte, da Fernandez, der mit einer Software aus dem letzten Jahrtausend in die weite Welt hinauszog.

Eine Seilschaft mit Potenzial zum Absturz. Und doch fand man sich ohne grosses Tamtam.

Vincenz und Fernandez sind nämlich Freunde. Mit zum Klüngel gehört offenbar auch ein Kunstsammler und Jetset-Bekannter namens Guido Persterer.

Die persönlichen Banden sind der einzige tragfähige Boden, wenn es wirklich eng wird.

Vincenz entschied im Frühling, als er bereits eine Lame duck war und sich mit seiner Abschiedstournee durch die Raiffeisen-Landen beschäftigte, dass der Genossenschafts-Riese der Softwarebude unter die Arme greift.

In einem Telefongespräch vor ein paar Wochen bestätigte Vincenz, dass er am Anfang der späteren 10-Prozent-Beteiligung der Raiffeisen an der Avaloq gestanden sei.

Er betonte, dass sein Anteil am Geschäft nur ein kleiner sei. Die ganzen Verhandlungen und die Ausgestaltung des Vertrags zwischen Raiffeisen und Avaloq habe dann sein Nachfolger Patrik Gisel gemacht.

Auch dann ist klar, dass Freund Vincenz Freund Fernandez die Leine zugeworfen hat. Gisel war immer nur die brave Nummer 2. Warum hätte er sich zum Schluss der Ära Vincenz gegen seinen grossen Mentor auflehnen sollen?

Die Frage lautet nun: Was macht die Raiffeisen mit der Avaloq?

Mit der Notenstein, der Leonteq, der Aduno-Gruppe, der Offensive im Assetmanagement und weiteren Baustellen hat die Raiffeisen schon genug zu tun, aber wenig Kapital.

Nun hängt ihr noch der Klumpen Avaloq am Hals.

Ein Börsengang dürfte kein Thema sein, dafür hat Avaloq den Trend zu massgeschneiderten IT-Lösungen via Cloud verpasst. Die Konkurrenz von Temenos und anderen ist viel weiter.

Operation Blindflug also.

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16 Kommentare zu “Avaloq benötigte CS-Überbrückungs-Kredit

  1. Herr Fernandez hat Grosses und Grossartiges geleistet und vielen Menschen Lohn und Brot angeboten. Ein SelfmadeMan in eigener Klasse. Die ganzen Meckerer sollen das erst mal fuer ein Hunderstel der Belegschaft schaffen, dann duerfen sie auch mal was kritisieren. Ebenso hat er einer weiteren Firma aus den Startloechern geholfen, und die kommt auch zum Fliegen. Hunderte von Menschen sagen mit Sicherheit: „danke Herr Fernandez“

  2. Herr Hässig, haben sie schon einmal eine Firma in dieser Grösse gesehen die kein Fremdkapital in ihrer Bilanz aufweist? In diesem Zinsumfeld??? Einmal mehr eine aufgeblasene Story um nichts, und bei BWL hatten sie wohl definitiv einen Fensterplatz. Wahrscheinlich ist das auch der Grund weshalb sie regelmaessig von Zeitungen als freischaffender Journalist gefeuert werden. Ich kenne Avaloq als Kunde als sehr gut gefuehrtes Unternehmen dass es auch im 2015 schaffte wieder einen neuen Umsatzrekord zu machen! Chapeau Herr Fernandez, und pfui Herr Haessig – sie sind einfach nur peinlich!

    • Roger, da ist was dran. Ich arbeite seit bald 15 Jahren mit Avalog und kenne die Bude inzwischen. Das Avaloq-System ist schlicht alternativlos. Aber Fernandez ist halt auch ein guter Verkäufer und seine PR Leute verkaufen ihn wiederum sehr gut. sicher ist die Software an manchen stellen ausbaufähig, auch dauerts manchmal länger, aber fernandez liefert. anders als was mann von temenos hört… warum schaut herr hässig dort nicht einmal genauer hin?

  3. Diese Bastler-Bude mit ihrem historisch gewachsenen PLSQL-Spaghetti-Code, der schon vor Jahren ausser Kontrolle geraten ist, soll vom Markt verschwinden. Selten so schlechte Software gesehen. Die Parametrierung sieht z.T. so aus, dass man aus Excel PLSQL-Code erzeugt, der anschliessend eingespielt wird. Wie lächerlich und peinlich. Wie gross muss die Not (gewesen) sein, dass nichts ahnende „Manager“ auf so was reingefallen sind. Lasst den Markt spielen und wir werden bald erlöst sein.

    • Das wissen wir ja alle, dass AVALOQ auf allen Ebenen massive Schwierigkeiten hat… hoffen wir nur, dass die Raiffeisen mit der IT Umstellung durch die ARIZON nicht auch so Schiffbruch erleidet wie AVALOQ in Deutschland und Luxemburg!
      Na dann sind wir mal gespannt, wie ARIZON die knapp 300 Raiffeisenbänkli reibungslos migrieren wird – AVALOQ hat ja mehrfach bewiesen wie ausgezeichnet sie Migrationsprojekte bei nur einer Bank managen können 😉

    • Werter «Beobachter aus der Ferne». Kann es sein, dass es sich bei Ihnen um einen frustrierten IT-Mitarbeitenden einer Bank handelt, der die Avaloq-Academy nicht erfolgreich absolviert hat?

  4. Hochachtung was die Herren Vincenz mit Raiffeisen und Fernandez mit Avaloq in den letzten Jahren erreicht hat. Kann es sein, dass sich im vorliegenden Artikel eine gehörige Portion Neid hingeschmuggelt hat?

  5. Herr Hässig, ich weiss nicht wieso ich das Gefühl habe und ich denke ich bin da nicht alleine, dass Sie etwas gegen die Raiffeisen als solches haben. Die Raiffeisen hat der Bauwirtschaft stark unter die Arme gegriffen mit der Finanzierung von Neu- und Umbauten. Bis anhin habe ich gedacht Sie seien neutral bei der Berichterstattung und je länger ich die lese, habe ich den Eindruck das eine grosse Häme Ihrerseits in allen Artikeln mitinbegriffen ist.

  6. Gäääääääääääääääääähn…. nach Herr Hässig müsste Raiffeisen schon seit 10 Jahren Konkurs sein! Aber was geschah? Genau das Gegenteil!

    Trotzdem immer wieder unterhaltend zu lesen.

    • @Yvonne

      ‚Trotzdem immer wieder unterhaltend zu lesen.‘ Leider kann man das von Ihren Beiträgen hier nicht behaupten. Vielleicht sollten Sie zwischen den Bügelpausen einfach mal was anderes lesen.