Roger Schawinski gehört ohne Zweifel zu den prägenden Persönlichkeiten der Schweizer Medienlandschaft.
Mit seiner Hartnäckigkeit hat er bestehende Strukturen aufgebrochen und den privaten Radio und Fernsehen in der Schweiz massgeblich geprägt.
Dafür gebührt ihm Anerkennung.
Trotzdem habe ich beim Gespräch mit Lukas Hässig einmal mehr den Eindruck gewonnen, dass ein Teil der Medienbranche die heutigen Probleme zwar erkennt, deren Ursachen aber oft zu einseitig erklärt.
Sinkende Werbeeinnahmen, neue Konkurrenz aus dem Internet und veränderte Nutzungsgewohnheiten sind reale Herausforderungen.
Doch wer die aktuelle Situation ausschliesslich auf Google, Meta oder soziale Medien zurückführt, macht es sich zu einfach.
Wer sich mit Mediengeschichte beschäftigt, stellt fest: Die Klage über den Niedergang der Medien ist keineswegs neu. Bereits in Fernsehbeiträgen der 1970er-Jahre wurde über wirtschaftliche Schwierigkeiten diskutiert.
Auch in den 1990er-Jahren wurde vor dem Ende bewährter Geschäftsmodelle gewarnt. Der Unterschied liegt darin, dass die Verlage damals andere Möglichkeiten hatten, ihre Marktstellung zu sichern.
Konkurrenzblätter wurden übernommen, Mantelredaktionen aufgebaut und regionale Monopolstellungen geschaffen. Ähnliche Entwicklungen gab es später bei Radio und Fernsehen.
Mit dem Internet funktioniert dieses Modell nicht mehr. Konkurrenz lässt sich nicht einfach aufkaufen, neue Anbieter können ohne Druckerei, Sendemast oder grosse Infrastruktur publizieren und ein Publikum erreichen.
In vielen Debatten entsteht der Eindruck, die wirtschaftlichen Probleme der Radiosender seien erst durch das Internet entstanden. Das stimmt so nicht.
Der Schweizer Radiomarkt war nie flächendeckend eine Goldgrube. Radio 24 gehörte lange zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Privatradios des Landes.
Viele andere Sender hatten jedoch deutlich bescheidenere Erträge, mussten fusionieren oder verschwanden ganz vom Markt.
Auch die Entstehung von Radio Top in der Nordostschweiz war letztlich eine wirtschaftliche Konsolidierung mehrerer Angebote. Ähnliche Entwicklungen gab es in vielen Regionen.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Der Radiomarkt war früher wesentlich stärker durch knappe UKW-Frequenzen geprägt. Die Anzahl Sender war technisch begrenzt.
Wer eine starke Frequenz in einem attraktiven Markt wie Zürich besass, verfügte über einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Viele kleinere Lokalradios mussten dagegen mit schwächeren Frequenzen und ungenügender Versorgung ihres Konzessionsgebiets leben.
Weil schlicht keine besseren Frequenzen verfügbar waren.
Der heutige Wettbewerb unterscheidet sich grundlegend von dieser Situation. Oft wird so getan, als hätten Google, Meta oder andere Plattformen den Medien die Werbegelder weggenommen.
Tatsächlich folgen Werbekunden in erster Linie ihrer Zielgruppe.
Noch wichtiger ist jedoch die Messbarkeit. In den wirtschaftlich erfolgreichen Jahren des Privatradios wurden Reichweiten hauptsächlich durch Befragungen ermittelt.
Die bekannten Hörerzahlen basierten auf Stichproben und statistischen Hochrechnungen. Das war für die damalige Zeit sinnvoll, aber deutlich ungenauer als heutige digitale Messverfahren.
Ein Werbekunde konnte kaum überprüfen, wie viele Personen seine Werbung tatsächlich gehört hatten. Digitale Plattformen liefern dagegen detaillierte Daten: Aufrufe, Klicks, Interaktionen und teilweise sogar konkrete Verkäufe.
Werbekunden lieben Zielgruppen und messbare Ergebnisse. Es überrascht deshalb nicht, dass Werbegelder dorthin fliessen, wo diese Informationen verfügbar sind.
Möglicherweise wurden Werbeleistungen in der Vergangenheit teilweise sogar höher bewertet, weil die tatsächliche Nutzung nur näherungsweise bekannt war.
Besonders deutlich wird dies beim Thema Podcast. Ich habe einige Podcasts von Radio 1 ausprobiert und sie später nicht weiterverfolgt. Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Form.
Wer einen Podcast hört, möchte in der Regel das Gespräch hören – nicht das komplette Radioprogramm mit Musik, Werbung und Programmhinweisen.
Viele traditionelle Medienhäuser behandeln Podcasts bis heute als Nebenprodukt des Radios. Dabei wäre das Gespräch selbst das eigentliche Produkt.
Man könnte längere Fassungen anbieten, zusätzliche Inhalte produzieren und diese über Werbung oder Abomodelle monetarisieren. Stattdessen wird häufig weiterhin in den Strukturen des linearen Radios gedacht.
Gleichzeitig entstehen auf YouTube zahlreiche erfolgreiche Formate mit eigener Dramaturgie, die ein grosses Publikum erreichen. Nicht selten werden diese von klassischen Medien kritisch betrachtet.
Dabei sollte die entscheidende Frage nicht lauten, wo Inhalte veröffentlicht werden, sondern ob sie ihr Publikum erreichen.
Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion häufig zu kurz kommt, ist die Medienkonzentration. Viele Medienvertreter beklagen die Dominanz grosser Plattformen.
Gleichzeitig haben sie selbst über Jahrzehnte zur Konzentration des Medienmarkts beigetragen. Auch Roger Schawinski ist davon nicht vollständig ausgenommen.
Radio 1 hat die eigenen Nachrichten weitgehend aufgegeben und bezieht diese heute von CH Media. Dabei gäbe es durchaus Alternativen.
Bereits in den 1990er-Jahren arbeiteten kleinere Privatradios zusammen, um gemeinsame Nachrichtenangebote zu finanzieren. Wer publizistische Vielfalt fordert, sollte auch darüber nachdenken, wie sie organisatorisch erhalten werden kann.
Eine unabhängige SRG bleibt wichtig. Sie hat den Auftrag, die gesamte Bevölkerung zu erreichen – auch dort, wo sich die Menschen heute informieren. Deshalb halte ich die Kritik an Social-Media-Angeboten der SRG für problematisch.
Anders beurteile ich direkte staatliche Finanzhilfen für private Medien. Weder Zustellsubventionen für Zeitungen noch Fördergelder für Redaktionen lösen die grundlegenden Probleme der Branche.
Sie verhindern weder die Abwanderung von Werbegeldern zu digitalen Plattformen noch schaffen sie neue Leser, Hörer oder Zuschauer.
Fördergelder können einzelnen Medienunternehmen Zeit verschaffen. Eine tragfähige Antwort auf veränderte Mediennutzung, neue Wettbewerber und digitale Geschäftsmodelle sind sie nicht.
Besonders kritisch sehe ich die heutige Vergabe von Gebührengeldern an private Radio- und Fernsehsender. In Randregionen kann eine gewisse Unterstützung sinnvoll sein. Dennoch stellt sich die Frage, wie weit diese Förderung gehen soll.
Im Kanton Bern erhalten mit Radio BeO, Canal 3, neo1 und zusätzlich komplementären Angeboten mehrere Veranstalter Gebührengelder. Diese Sender bedienen unterschiedliche Regionen und Zielgruppen innerhalb des Kantons und stehen nicht einfach im gleichen Verbreitungsgebiet in direkter Konkurrenz.
Trotzdem zeigt das Beispiel, dass innerhalb eines einzigen Kantons mehrere private Anbieter von öffentlichen Geldern profitieren.
Ähnlich stellt sich die Situation im Kanton Schaffhausen dar. Dort gibt es mit Radio Munot einen kommerziellen Lokalsender und mit Radio Rasa ein alternatives, nicht-kommerzielles Angebot.
Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben und richten sich an unterschiedliche Publika. Dennoch bleibt die grundsätzliche Frage, ob der Staat darüber entscheiden sollte, welche Medienangebote finanzielle Unterstützung erhalten und welche nicht.
Für mich liegt das eigentliche Problem weniger bei den einzelnen Sendern als beim System selbst. Journalistische Qualität und publizistische Relevanz lassen sich nur begrenzt durch Ausschreibungen und Konzessionsverfahren beurteilen.
Wenn staatliche Stellen entscheiden, welche privaten Medien finanzielle Unterstützung erhalten, bewegt man sich in einem Spannungsfeld zwischen Medienförderung und staatlicher Einflussnahme.
Wenn der Staat überhaupt unterstützen will, sollte er eher die technische Infrastruktur fördern als einzelne Programme oder Redaktionen. Lokale und regionale DAB-Netze könnten jenen Anbietern zur Verfügung stehen, die tatsächlich lokale Berichterstattung leisten.
Das wäre transparenter als komplizierte Vergabeverfahren für Programmgelder.
Die Medienwelt verändert sich. Das ist weder gut noch schlecht, sondern Realität. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie wir die Medienlandschaft der 1980er- oder 1990er-Jahre bewahren können.
Sondern, wie unabhängiger Journalismus unter den Bedingungen von heute und morgen finanziert, organisiert und verbreitet werden kann.
Wer ausschliesslich auf internationale Plattformen, globale Krisen oder technologische Veränderungen zeigt, blendet einen Teil der Wahrheit aus.
Zur aktuellen Situation gehören auch strategische Fehlentscheide, verpasste Anpassungen und strukturelle Veränderungen innerhalb der Branche selbst. Die Medienkrise ist nicht nur hausgemacht. Aber sie ist hausgemachter, als manche Verantwortliche wahrhaben wollen.
Gleiche Bilder gehören meistens zum gleichen Kommentator.
Es ist erfrischend, einen Beitrag zu lesen, der die Entwicklung der Medienbranche so differenziert betrachtet – Felix Meier zeigt, dass er die wirtschaftlichen und strukturellen Zusammenhänge versteht.
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Irgendwann hat man es einfach dicke immer dieses Moderatorengelaber, Verkehrsmeldungen, Wetter und stündlich dieselben Brunznachrichten auf allen Sendern zu hören. Bei der Musik alle 10Min Eigenwerbung wie geil doch die gleiche Musiksülze auf dem eigenen Sender sei. Dann noch die Schubiger-Werbung. Völlig austauschbar, ein Sender wie der andere. Da höre ich lieber meinen Motor brummen.
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Das Targeting bei google ist soviel besser, dass jeder dort wirbt. Korrekt. Warum aber Google dafür keine Schweizer MwST abführt oder warum google unserer Gesellschaft nahezu nichts zurückgibt, das bleibt unbeantwortet. Das hier betriebene Bashing unserer Medienkonzerne und Pioniere ist daher höchst ungerecht.
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Radio 24: „.. Roger Schawinski. Im Jahr 1979 hat Radio 24 seinen Betrieb aufgenommen und erstmals vom italienischen Pizzo Groppera, aus rund 130 km Entfernung, in die Zürcher Umgebung gesendet.“
Der Literat Thomas Mann meinte: „Fantasie haben, bedeutet nicht etwas auszudenken sondern, aus den Dingen etwas zu machen.“
Möglich, wenn man das ganze Radioleben immer auf der gleichen Schiene war, dann ist es wohl etwas schwierig aus den Dingen etwas zu machen, weil die Fantasie gelitten haben könnte, oder ist Mental immer noch auf dem Groppera.
Gunther Kropp, Basel
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„Wer einen Podcast hört, möchte in der Regel das Gespräch hören – nicht das komplette Radioprogramm mit Musik, Werbung und Programmhinweisen.“ – „Man könnte längere Fassungen anbieten, zusätzliche Inhalte produzieren und diese über Werbung oder Abomodelle monetarisieren.“ Ja, was denn nun?
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Das Hauptproblem ist die Glaubwürdigkeit – erst danach kommen die segmentierten Mediennutzer, Werbeeinnahmen. Wenn auf dem ÖRR und bei privaten Medien wortgleich Sensationsnachrichten verbreitet werden, die sich danach als ungeprüften, unvollständigen bis ganz falschen, aber zur Ideologie des Senders passenden Knüller entpuppen und stückweise bis auf eine trotzige Flatulenz dementierten Zweizeiler reduzieren, so orientiere ich mich lieber bei den Quellen und schalte mein skeptisches Hirn ein. Den letzten Punkt kann ich den Journalisten empfehlen.
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„…Aber jetzt sieht der Radio-Pionier die Medienkrise als eine Form höherer Gewalt – dabei ist sie auch hausgemacht…“
Die Krise ist 100 % hausgemacht.
Die rot-grünen Qualitäts-Lügen-Medien sind die Propaganda-Tröten der Rot-Grünen, ob Print oder Digital.
Wer das bezahlen will, soll es tun, es scheinen immer weniger zu sein.
Die links-extreme Zensur in den Leser-Kommentaren spricht auch Bände.
Wer das bezahlen will, soll es tun, es scheinen immer weniger zu sein.
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In defense of Gesundheitsförderung
1.Der (eingebildete?) Kranke muss ärztlich behandelt werden.
2.Dabei sollte so vorgegangen werden
1.Anamnese
2.Diagnose
3.Prognose
4.Therapie
5.Nachkontrolle
3.Weiter muss sauber zwischen Symptomen und Kausaltäté (Ursache-)Wirkung) und Intentionalität (Mittel-)Zweck) unterschieden werden.
4.Um sprachliche Missverständnisse und Manipulationen zu vermindern, hilft ein Glossar.
5.Eine so strukturierte Debatte nützt Allen.
An die Säcke Schurnis, der Aufwand lohnt sich. Wir vom Publikum haben genug von Scheindiskussionen.